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Bundesverwaltungsgericht 07.09.2011 D-7374/2008

7 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,311 mots·~17 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Oktober 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7374/2008 Urteil   v om   7 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),  Richter Pietro Angeli­Busi, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am …, und  B._______, geboren am …,  sowie deren Kinder  C._______, geboren am … , D._______, geboren am … ,  E._______, geboren am … ,  F._______, geboren am … ,  G._______, geboren am … ,  Syrien,   alle vertreten durch lic. iur. Susanne Sadri, LL.M.,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 17. Oktober 2008 / N … .

D­7374/2008 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden  –  Staatsangehörige  von  Syrien  –  ersuchten  am 23. Januar 2006 in der Schweiz um die Gewährung von Asyl.  In der  Folge  wurden  A._______  (der  Beschwerdeführer)  und  B._______  (die  Beschwerdeführerin)  am  6. Februar  2006  vom  BFM  zur  ihrer  Person,  ihrem Reiseweg und summarisch zu  ihren Gesuchsgründen befragt und  am  18.  Mai  2006  von  der  damals  zuständigen  kantonalen  Behörde  einlässlich zu den Gründen für ihr Asylgesuch angehört.  Auf die Frage nach ihren persönlichen Verhältnissen, dem Aufenthalt der  Familie während der  letzten  Jahre und zu  ihrem Reiseweg  führte  vorab  der  Beschwerdeführer  das  Folgende  aus:  Er  sei  ein  Angehöriger  der  ethnischen Minderheit  der  Drusen  und  er  stamme  ursprünglich  aus  der  Ortschaft M._______ in der Provinz N._______, wo bis heute seine Eltern  und  ein  Teil  seiner  Geschwister  leben  würden.  Im Mai  1998  sei  er  mit  seiner  Frau  –  welche  bereits  mit  einem  anderen  Mann  verheiratet  gewesen sei – nach O._______ geflohen, wo sie eine Wohnung bezogen  hätten,  welche  einem  seiner  Cousins  gehöre.  Sie  hätten  stets  an  der  gleichen  Adresse  in  O._______  gelebt,  bis  sie  im  Jahre  2002  in  die  libanesische Stadt P._______ umgezogen seien. Er sei dort während der  letzten  drei  Jahre  als  Händler  von  Haushalts­  und  Elektrogeräten  tätig  gewesen. Anfang Januar 2006 seien sie vom Libanon nach O._______ in  ihre  alte  Wohnung  zurückgekehrt,  welche  sie  auch  während  ihres  Aufenthalts  in  P._______  behalten  hätten.  Den  Libanon  hätten  sie  verlassen,  da  es  dort  nach  der  Ermordung  von  Hariri  (am  14.  Februar  2005) zunehmend zu Übergriffen gegen syrische Gastarbeiter gekommen  sei,  respektive  da  Syrer  im  Libanon  in  der  letzten  Zeit  Probleme  bekommen hätten. Sie seien am 3. Januar 2006 an  ihren alten Wohnort  zurückgekehrt,  welchen  sie  jedoch  bereits  am  7.  Januar  2006  wieder  verlassen  hätten,  um  am  folgenden  Tag  über Q._______  aus Syrien  in  die  Türkei  auszureisen.  Von  der  Türkei  seien  sie  –  versteckt  in  einem  LKW –  in die Schweiz gelangt.  Ihre Ausreise, welche  insgesamt 10'000  US­Dollar gekostet habe, habe er aus seinen Ersparnissen finanziert. Auf  die  Frage  nach  dem  Verbleib  seiner  Reisepapiere  führte  der  Beschwerdeführer an, einen Pass habe er noch nie besessen und seine  Identitätskarte, welche  im Jahre 1983 ausgestellt worden sei,  habe er –  wie alle anderen Unterlagen – im Libanon respektive in Syrien bei einem  befreundeten Libanesen zurückgelassen. Als Beweismittel  reichte er die 

D­7374/2008 Telefaxkopie eines Auszuges aus dem Personenstandsregister  vom 29.  Januar 2006 zu den Akten.  Die Beschwerdeführerin führte auf entsprechende Fragen hin aus, sie sei  eine Sunnitin  und sie  stamme ursprünglich aus der Provinz R._______,  wo bis heute ihre Eltern und die Mehrheit ihrer Geschwister – zwei Brüder  und drei Schwestern sowie väterlicherseits nochmals fünf Halbbrüder und  eine Halbschwester – lebten. Sie stamme aus einer angesehenen Familie  und  viele  ihrer  Angehörigen  seien  in  hoher  Stellung  für  die  Regierung  tätig. Beispielsweise gehöre ein Onkel mütterlicherseits …  [schon  lange  der  Baath­Partei  und  auch  einem  hohen Staatsorgan  an].  Auch  gehöre  der Mann einer  ihrer Tanten …  [einem anderem hohen Staatsorgan] an  und  viele  weitere  Angehörige  hätten  hohe  Stellungen  innerhalb  der  Baath. Im Mai 1998 sei sie mit ihrem heutigen Ehemann nach O._______  geflohen,  wo  sie  die  Wohnung  eines  Cousins  des  Beschwerdeführers  bezogen  hätten.  In  den  folgenden  sieben  Jahren  –  von  1998  bis  Ende  2006  –  hätten  sie  jedoch  ständig  zwischen  O._______  und  der  libanesischen Stadt P._______ hin und her gewechselt. Syrien hätten sie  vermutlich am 10. Januar 2006 verlassen. Sie  seien über Q._______  in  die Türkei gelangt, von wo sie in einem grossen Auto die Schweiz erreicht  hätten.  Auf  die  Frage  nach  dem  Verbleib  ihrer  Reisepapiere  gab  die  Beschwerdeführerin an, über einen Pass habe sie noch nie verfügt und  ihre  Identitätskarte,  welche  sie  im  Alter  von  13  Jahren  erhalten  habe,  habe  sie  – wie  alle  ihre Unterlagen  –  bei  einer  Freundin  in O._______  zurückgelassen,  welche mit  einem  Libanesen  verheiratet  sei.  Nachdem  die  Beschwerdeführerin  das  Personalienblatt  selbständig  ausgefüllt  und  anlässlich der Kurzbefragung über ihren Schulbesuch berichtet hatte (vgl.  act.  A3  S. 3  sowie  A2  S.  4  oben),  brachte  sie  im  Rahmen  der  einlässlichen Anhörung vor, sie sei nie zur Schule gegangen (act. A23 S.  5 Mitte).  Zur Begründung  ihrer Asylgesuche machten A._______ und B._______  zur  Hauptsache  geltend,  die  Beschwerdeführerin  werde  in  Syrien  von  Seiten  ihrer  Familie  mit  dem  Tod  bedroht,  da  sie  ihren  Ex­Ehemann  verlassen  habe  und  seither  als  Sunnitin  mit  dem  Beschwerdeführer  zusammen sei, welcher  als Druse nicht  zu  ihrer Religion gehöre. Diese  Umstände  seien  für  ihre  Familie  eine  grosse  Schande,  weshalb  der  Beschwerdeführerin  eine  Tötung  aus  Gründen  der  Familienehre  drohe.  So  sei  sie  tatsächlich  nur  kurz  nach  dem  Verlassen  ihres  Ehemannes  angeschossen  und  dabei  an  den  Beinen  verletzt  worden.  Auch  dem  Beschwerdeführer würde der Tod drohen, wenn er mit der Familie seiner 

D­7374/2008 Ehefrau  in  Kontakt  käme.  Zudem  sei  es  ihnen  in  Syrien  aufgrund  ihrer  unterschiedlichen Herkunft nicht möglich, die Geburt  ihrer gemeinsamen  Kinder zu registrieren. Ohne Registrierung dürften die Kinder jedoch nicht  zur Schule gehen.  In  Zusammenhang  mit  diesen  Vorbringen  brachten  die  Beschwerdeführenden  namentlich  das  Folgende  vor:  Sie  hätten  sich  in  N._______ respektive in S._______ (nahe N._______) kennengelernt, wo  der  damalige  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  als  hoher  Offizier  der  Militärpolizei gearbeitet habe. Der Beschwerdeführer habe  in S._______  in einer Süsswarenfabrik gearbeitet, über welcher sich die Wohnung der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Ex­Ehemannes  befunden  habe.  Die  Beschwerdeführerin habe ihren damaligen Ehemann nicht mehr ertragen,  da  er  sie  ständig  geschlagen  und  erniedrigt  habe.  Deshalb  sei  sie  mit  dem Beschwerdeführer und  ihrem Kind aus erster Ehe nach O._______  geflohen.  Einige  Monate  nach  ihrer  Flucht  sei  sie  in  Q._______  von  einem Unbekannten, respektive von einem Cousin, respektive von ihrem  Ex­Ehemann  und  einem  Cousin,  auf  offener  Strasse  angeschossen  worden.  Sie  habe  sich  damals  bei  einer  Freundin  aufgehalten,  um  in  Q._______  für  ihren  Sohn  aus  erster  Ehe  einen  Auszug  aus  dem  Personenstandsregister  zu  erhalten.  Sie  sei  an  der  rechten  Fusssohle  und  am  linken  Bein  verletzt  worden,  bei  dem  Vorfall  ohnmächtig  geworden  und  erst  in  einem  Spital  wieder  zu  sich  gekommen.  Sie  sei  nach  diesem  Vorfall  noch  am  gleichen  Tag  nach  einer  ambulanten  Behandlung wieder aus dem Spital entlassen worden,  respektive sie sei  trotz  ihrer  Verletzungen  aus  Angst  vor  ihrer  Familie  aus  dem  Spital  geflüchtet.  Zu  weiteren  Vorkommnissen  sei  es  nicht  gekommen,  die  Beschwerdeführerin sei jedoch in ständiger Angst gewesen, da in Syrien  die  Tötung  von  Frauen  aus  Gründen  der  Familienehre  erlaubt  sei  beziehungsweise  nur  mit  einer  geringen  Strafe  geahndet  werde.  Dabei  führte  die  Beschwerdeführerin  zusätzlich  an,  ihre  Familie  habe  bei  der  Verwandtschaft ihres Ehemannes nach ihr geforscht und hätte sie sicher  einmal  gefunden,  da Syrien  klein  sei,  zähle  es  doch  bloss  18 Millionen  Einwohner. Ihre Familie sei sehr traditionell und es sei bereits einmal eine  Cousine mütterlicherseits getötet worden, nur weil sie mit einem anderen  Mann  gesprochen  habe.  Von  ihrem  ersten  Ehemann  habe  sich  die  Beschwerdeführerin  nie  scheiden  lassen,  respektive  aufgrund  ihrer  unterschiedlichen  Herkunft  sei  den  Beschwerdeführenden  eine  Heirat  nicht  möglich  gewesen,  respektive  eine  Heirat  wäre  ihnen  nur  möglich  gewesen, wenn einer von ihnen beiden seine Religion gewechselt hätte,  was keiner von ihnen gewollt habe, respektive eine Registrierung der Ehe 

D­7374/2008 wäre  ohnehin  von  der  Verwandtschaft  der  Beschwerdeführerin  –  den  verschiedenen hochgestellten Persönlichkeiten – verhindert worden. Sie  hätten  daher  lediglich  religiös  vor  einem drusischen Scheich  geheiratet.  Aufgrund  der  Bedrohungslage,  und  weil  ihre  Kinder  mangels  Registrierung  vom Schulbesuch  ausgeschlossen  gewesen  seien,  hätten  sie ihre Heimat im Januar 2006 in Richtung der Schweiz verlassen.  B.  Im  Nachgang  zu  den  Kurzbefragungen  hatte  das  BFM  amtsintern  den  Auftrag  zur  Erstellung  von  Herkunftsgutachten  in  Auftrag  gegeben.  Ein  sprach­  und  länderkundiger  Experte  verfasste  in  der  Folge  auf  der  Grundlage  von  Gesprächsaufnahmen  von  jeweils  50  Minuten  Dauer  sowohl  betreffend  den  Beschwerdeführer  als  auch  die  Beschwerdeführerin  eine  Sprach­  und  Herkunftsanalyse  (sog.  "Lingua"­ Gutachten).  In  seinen  Berichten  vom  2.  März  2006  gelangte  er  zum  Schluss,  die  durchgeführte  Analyse  ermögliche  eine  Zuordnung  der  Beschwerdeführenden  mit  Sicherheit  zu  Syrien,  wobei  der  Beschwerdeführer über gute Kenntnisse der Provinz N._______ verfüge  und die Beschwerdeführerin mit Sicherheit ursprünglich aus der Provinz  R._______ stamme. Ergänzend dazu wies der Experte jedoch darauf hin,  dass  namentlich  die  Sachverhaltsangaben  der  Beschwerdeführerin  erhebliche Ungereimtheiten aufweisen würden und sich zudem teilweise  nicht  mit  den  deutlich  präziseren  Angaben  ihres  Mannes  vereinbaren  liessen.  C.  Mit  Schreiben  des  BFM  vom  18.  Januar  2008  wurden  die  Beschwerdeführenden  über  die  wesentlichen  Ergebnisse  der  Herkunftsgutachten  in  Kenntnis  gesetzt  und  namentlich  die  Beschwerdeführerin  zur  Stellungnahme  aufgefordert.  Dabei  hielt  das  Bundesamt  fest,  dass  sich  ihre  Ausführungen  im  Rahmen  des  Herkunftsgutachtens  in  einigen  Punkten  von  ihren  Darlegungen  im  Rahmen  der  Gesuchsbegründung  unterscheiden  würden.  So  habe  sie  gegenüber  dem  Experten  geltend  gemacht,  sie  sei  Analphabetin,  was  sich jedoch weder mit ihren Angaben in der Empfangsstelle noch mit der  Einschätzung  des  Experten  decke.  Ihre  Darstellung  betreffend  eine  angeblich  geringe  Bildung  stimme  weder  mit  ihren  Kennnissen,  ihrem  sprachlichen Können, noch mit ihrem Milieu überein, in welchem sie ihren  Angaben  zufolge  aufgewachsen  sei.  Namentlich  seien  ihre  Beschreibungen  über  ihr  Leben  in  R._______  nicht  vereinbar  mit  ihren  Vorbringen betreffend eine angebliche Herkunft aus fundamentalistischen 

D­7374/2008 Kreisen. Schliesslich habe sie gegenüber dem Experten vorgebracht, sie  habe  sieben  Jahre  in  O._______  gelebt,  was  jedoch  ihren  Angaben  gegenüber dem BFM widerspreche. Zudem habe sie über P._______, wo  sie  angeblich  vier  Jahre  gelebt  habe,  keine  näheren  Angaben  machen  können. D.  Die  Beschwerdeführerin  liess  am  4. Februar  2008  durch  ihre  Rechtsvertreterin mitteilen, dass die Schlüsse des Sprachexperten für sie  nicht  nachvollziehbar  seien,  weshalb  sie  vorab  um  die  Möglichkeit  ersuche, die Gesprächsaufzeichnung anzuhören. In ihrer Eingabe bestritt  sie gleichzeitig die Kompetenz des vom BFM beauftragten Experten, und  sie  hielt  daran  fest,  dass  sie  nie  die  Schule  besucht  habe  und  eine  Analphabetin  sei,  da  sie  aus  einer  religiös­fundamentalistischen  Familie  stamme. Darüber  hinaus  liess  sie mitteilen,  entgegen  der  Aussage  des  Experten habe sie nie gesagt, dass sie sieben Jahre in O._______ gelebt  habe.  Vielmehr  müsse  der  Experte  O._______  mit  P._______  verwechselt  haben,  sei  sie  doch  noch  gar  nie  in  O._______  gewesen.  Daneben  machte  sie  Ausführungen  zum  Hintergrund  ihrer  Familie,  welche  einem  sehr  traditionalistischen  Beduinenstamm  angehöre.  Ein  grosser  Teil  der  Angehörigen  ihres  Stammes  gehöre  zudem  zur  Islambruderschaft  und  der  Stamm  sei  auch  über  das  ganze  Land  verbreitet.  Schliesslich  machte  sie  geltend,  sie  sei  mit  ihrem  ersten  Ehemann  zwangsverheiratet  worden  und  eine  Scheidung  sei  trotz  Misshandlungen nicht in Frage gekommen, obwohl sie aufgrund erlittener  Schläge  zweimal  eine  Schwangerschaft  habe  abbrechen  müssen.  Nachdem  sie  ihren  Ehemann  verlassen  habe  und  mit  ihrem  Kind  zu  einem anderen Mann gegangen sei, mit welchem sie drei Kinder gezeugt  habe,  habe  sie  objektive  Furcht  vor  flüchtlingsrechtlich  relevanter  Verfolgung. E.  Mit  Schreiben  des  BFM  vom  19.  Februar  2008  wurde  den  Beschwerdeführenden  die  Möglichkeit  eingeräumt,  die  Gesprächsaufzeichnungen  anzuhören  und  innert  Frist  eine  ergänzende  Stellungnahme  einzureichen.  Am  27.  Februar  2008  machten  die  Beschwerdeführenden  von  der  Möglichkeit  zur  Anhörung  der  Gesprächsaufzeichnung Gebrauch,  wobei  sie  einzig  jene  betreffend  die  Beschwerdeführerin  anhörten.  Eine  ergänzende  Stellungnahme  wurde  jedoch nicht zu den Akten gereicht.

D­7374/2008 F.  Mit  Schreiben  des  BFM  vom  4.  April  2008  wurden  die  Beschwerdeführenden  nochmals  aufgefordert,  innert  Frist  ihre  Identitätspapiere  einzureichen  und  gleichzeitig  ihre  syrische  Familiennummer bekannt zu geben.  In der Folge  liessen die Beschwerdeführenden am 25. April 2008 durch  ihre Rechtsvertreterin mitteilen, dass ihnen das Einreichen der verlangten  Papiere  nicht  möglich  sei.  Diesbezüglich  führten  sie  an,  die  Beschwerdeführerin  habe  ihre  Papiere  nicht mitgenommen,  als  sie  von  ihrem  früheren  Ehemann  geflüchtet  sei.  Gleichzeitig  führte  die  Beschwerdeführerin  an,  sie  habe  den  Vater  ihrer  Kinder  weder  religiös  noch  amtlich  heiraten  können,  da  sie  offiziell  nie  von  ihrem  Ehemann  geschieden  worden  sei.  Ausserdem  wäre  eine  Heirat  aufgrund  der  unterschiedlichen  Glaubenszugehörigkeit  in  Syrien  auch  gar  nicht  möglich  gewesen,  würden  doch  die  Drusen  in  Syrien  generell  diskriminiert  und  unterdrückt,  weshalb  Kinder  von  Drusen  nicht  registrierbar  seien.  Es  existiere  auch  keine  Familiennummer.  Der  Beschwerdeführer  habe  demgegenüber  bereits  eine  Geburtsurkunde  eingereicht.  Andere  Ausweise  könne  er  nicht  beschaffen.  Schliesslich  liess die Beschwerdeführerin nochmals explizit daran festhalten, dass sie  nie in O._______ gelebt habe.  G.  Mit  Schreiben  des  BFM  vom  16.  Juni  2008  wurden  die  Beschwerdeführenden  nochmals  aufgefordert,  ihre  syrische  Familiennummer bekannt zu geben. Am folgenden Tag liessen sie durch  ihre  Rechtsvertreterin  telefonisch  mitteilen,  dass  sie  dazu  nicht  in  der  Lage seien.  H.  Am  4.  August  2008  liessen  die  Beschwerdeführenden  durch  ihre  Rechtsvertreterin mitteilen, die Beschwerdeführerin sei am 4. April 2008  bei  einem  Brand  in  ihrer  Asylunterkunft  erheblich  verletzt  worden.  Gleichzeitig  reichten sie ein ärztliches Zeugnis vom 2.  Juli  2008 zu den  Akten, worin von einem Facharzt für allgemeine Medizin berichtet wurde,  die  Beschwerdeführerin  sei  in  ihrer  Heimat  mehrfach  von  ihrem  damaligen Ehemann erheblich verletzt worden, wovon bleibende Narben  zurückgeblieben  seien.  Sie  habe  am  Kopf  eine  fünf  Zentimeter  lange  Narbe  aufgrund  einer  Schlagverletzung  mit  einer  Pistole,  an  der  Innenseite  des  rechten  Fusses  eine  zehn  Zentimeter  lange  Narbe 

D­7374/2008 aufgrund  einer  Schussverletzung  und  am  linken  Unterschenkel  eine  sieben  Zentimeter  lange Narbe  aufgrund  einer Messerschnittverletzung.  Im  Weiteren  sei  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Wohnungsbrandes  vom  4.  April  2008  erheblich  verletzt  worden,  wovon  Narben der rechten Hand zurückgeblieben seien.  I.  Nachdem  das  BFM  die  schweizerische  Vertretung  in  Damaskus  mit  Schreiben  vom  31. Juli  2008  um  Abklärungen  betreffend  die  Beschwerdeführenden ersucht hatte, teilte die schweizerische Vertretung  dem  BFM  am  19.  August  2008  mit,  gemäss  der  durch  den  Vertrauensanwalt  eingeholten  Auskünfte  seien  beide  Beschwerdeführenden  im  Besitz  der  syrischen  Staatsangehörigkeit,  sei  der Beschwerdeführer im Jahre 1965 geboren, und nicht 1969, wie beim  BFM  angegeben,  und  sei  der  Beschwerdeführer  vormals  wegen  Unterlassung  des Militärdienstes  gesucht worden,  die Suche  sei  jedoch  durch  eine  Amnestie  des  Präsidenten  hinfällig  geworden.  Schliesslich  bestünden  betreffend  die  Beschwerdeführenden  weder  Daten  bei  den  Immigrationsbehörden noch hängige Verfahren.  J.  Nach Einladung zur Stellungnahme liessen die Beschwerdeführenden am  8.  September  2008  durch  ihre  Rechtsvertreterin  mitteilen,  mit  den  Abklärungen  der  schweizerischen  Vertretung  in  Damaskus  würden  ihre  Angaben teilweise bestätigt, nämlich dass sie syrische Staatsangehörige  seien,  aber  keinen  Pass  besässen  und  ihre  Heimat  illegal  verlassen  hätten. Hingegen habe der Beschwerdeführer seinen Militärdienst bereits  in den Jahren 1988 bis 1990 abgeleistet, weshalb die Auskunft, er werde  wegen Unterlassung gesucht oder sei gesucht worden, unkorrekt sei und  die Abklärung  daher  als  fragwürdig  erscheine.  Im Weiteren  bekräftigten  die Beschwerdeführenden nochmals ihre Gesuchsvorbringen. K.  Mit Verfügung vom 17. Oktober 2008 – eröffnet am 20. Oktober 2008 –  lehnte  das  BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ab  und  ordnete  deren  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  an.  Dabei  führte  das  Bundesamt  zur  Begründung  seines  Entscheides  aus,  die  Beschwerdeführenden  hätten  keine  staatliche  Verfolgung  geltend  gemacht,  sondern  mit  den  heimatlichen  Behörden  lediglich  Probleme  gehabt,  soweit  es  die  Frage  der  Registrierung ihrer Kinder betreffe, da sie nicht amtlich getraut seien und 

D­7374/2008 über  keinen  Eheschein  verfügten.  Hingegen  hätten  die  Beschwerdeführenden geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei von  Seiten  ihrer  Familie  und  jener  ihres Ex­Ehemannes  an  Leib  und  Leben  bedroht worden. Eine Bedrohungslage von Seiten  ihrer eigenen Familie  habe  die  Beschwerdeführerin  jedoch  nicht  glaubhaft  zu  machen  vermocht. Es sei anzumerken, dass ihre Angaben betreffend ihre Familie  widersprüchlich ausgefallen seien. Sodann habe die Beschwerdeführerin  geltend  gemacht,  sie  sei  von  ihrem  Ex­Ehemann  und  einem  Cousin  angeschossen worden.  Indes  seien  ihre Angaben dazu widersprüchlich,  ihre diesbezüglichen Schilderungen praktisch durchwegs unsubstanziiert  und  ihre  Ausführungen  zum  angeblichen  Ereignis  nicht  nachvollziehbar  und  insgesamt  realitätsfremd. Schliesslich  habe die Beschwerdeführerin  nach  den  geltend  gemachten Ereignissen weiterhin während  Jahren  an  ihrer  offiziellen  Adresse  in  O._______  gelebt,  ohne  dass  jemals  etwas  passiert  wäre.  In  seinen  weiteren  Erwägungen  verwies  das  BFM  auf  zusätzlich  Widersprüche  in  den  Angaben  der  Beschwerdeführerin  zu  ihrem  Wohnort  während  der  letzten  Jahre,  sowie  auch  nochmals  auf  Angaben im Rahmen der Stellungnahmen vom 4. Februar 2008 und vom  25.  April  2008.  Die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  betreffend  ihre  angeblich fehlende Bildung erklärte das BFM unter Verweis auf die Akten  ebenfalls  als  offenkundig  unglaubhaft.  Auch  die  Nichtvorlage  ihrer  Papiere  erkannte  das Bundesamt  als  ein  Indiz  für  die Unglaubhaftigkeit  der  Gesuchsvorbringen.  Abschliessend  erklärte  das  Bundesamt  den  Vollzug der Wegweisung nach Syrien als zulässig, zumutbar und möglich.  L.  Gegen  diesen  Entscheid  reichten  die  Beschwerdeführenden  am  19.  November 2008 (Poststempel) – handelnd durch ihre Rechtsvertreterin –  Beschwerde  ein,  wobei  sie  in  ihrer  Eingabe  die  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl, eventualiter die  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  und  die  Anordnung  einer  vorläufigen  Aufnahme  in  der  Schweiz  beantragten.  Gleichzeitig  ersuchten  sie  unter  Vorlage  einer  aktuellen  Fürsorgebestätigung  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege, respektive den Erlass der Verfahrenskosten (im Sinne von  Art.  65 Abs.  1  des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021]).  Im  Rahmen  der  Beschwerdebegründung  hielten  die  Beschwerdeführenden  an  ihren  Vorbringen  betreffend  ihre  Furcht  vor  Nachstellungen  von  Seiten  der  Familie  der  Beschwerdeführerin  fest.  Dabei  bekräftigten  sie  namentlich,  dass  die  Beschwerdeführerin  eine  Sunnitin  sei  und  aus  einer 

D­7374/2008 einflussreichen, zugleich aber fundamentalistischen Familie stamme, und  dass sie zwei Monate nach dem Verlassen ihres Ehemannes von diesem  und  dessen  Cousin  in  Q._______  angeschossen  worden  sei.  Nach  diesem Ereignis  sei  sie  in  ein  Krankenhaus  eingeliefert  worden,  jedoch  von  dort  aus  Furcht  geflohen.  Aus  dem  gleichen  Grund  hätten  die  Beschwerdeführenden  Syrien  nach  dem  Ereignis  vom  Sommer  1998  verlassen  und  seien  nach  P._______  gegangen,  welches  in  der  Pufferzone  zwischen  Syrien  und  dem  Libanon  liege  und  wo  der  Beschwerdeführer als Händler tätig gewesen sei. Dabei hätten sie sich in  den  ersten  vier  Jahren  (von  1998  bis  2002)  auch  nur  zeitweise  in  der  erwähnten Wohnung  eines  Cousins  in  O._______  aufgehalten,  und  sie  seien  dort  jedenfalls  nicht  offiziell  angemeldet  gewesen.  Nachdem  sich  schliesslich  die  Beziehungen  zwischen  dem  Libanon  und  Syrien  verschlechtert  hätten,  hätten  sie  einen  neuen  Zufluchtsort  suchen  müssen  und  seien  deshalb  nach  Europa  weitergereist.  Betreffend  die  Frage  der  Asylrelevanz  ihrer  Vorbringen  machten  die  Beschwerdeführenden  namentlich  geltend,  die  Nichtanerkennung  ihrer  gemischt­religiösen  Ehe  durch  den  syrischen  Staat  stelle  einen  elementaren  Eingriff  in  ihre  Ehe­  und  Religionsfreiheit  dar,  und  da  die  Beschwerdeführerin  Muslimin  sei,  werde  sie  zudem  nach  der  Scharia  bestraft  werden,  weil  sie  ihren  Ehemann  verlassen  habe.  Ihr  Verhalten  stelle  schliesslich  auch  eine  Schande  für  die  Familie  dar,  welche  nur  durch Blut gesühnt werden könne. Letztlich gälten ihre Kinder als unrein  und könnten auf jede erdenkliche Art belästigt, benachteiligt und bestraft  werden.  Betreffend  die  vom  BFM  festgestellten Widersprüche  brachten  sie im Anschluss daran vor, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um  eine  ungebildete,  impulsive  und  verängstigte  Frau  handle,  weshalb  das  BFM zu hohe Erwartungen an sie gestellt habe. Die Beschwerdeführerin  sei zwar klug,  jedoch habe sie ernsthafte Schwierigkeiten mit Daten und  der Reihenfolge der Geschehnisse. Ihre Vorbringen betreffend die von ihr  erlittenen  Verletzungen  und  Misshandlungen  seien  aber  durch  das  ärztliche Zeugnis vom 2. Juli 2008 belegt. M.  Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  1.  Dezember  2008  wies  der  damals  zuständige  Instruktionsrichter  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  zufolge  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerde  ab,  wobei  die  Beschwerdeführenden  gleichzeitig  zur  Bezahlung eines Kostenvorschusses von Fr. 600.– aufgefordert wurden,  unter Androhung des Nichteintretens  im Unterlassungsfall  (vgl. dazu vgl.  Art. 65 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

D­7374/2008 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021]).  Der  einverlangte Kostenvorschuss wurde in der Folge am 11. Dezember 2008  fristgerecht eingezahlt. N.  Am … wurde … das jüngste Kind der Beschwerdeführenden geboren.  O.  Vor dem Hintergrund der seit Mitte März 2011 erfolgten Lageveränderung  in  Syrien  wurde  das  BFM  am  21.  Juni  2011  vom  Bundesverwaltungsgericht zur Vernehmlassung eingeladen (Art. 57 Abs.  1  VwVG).  In  der  Folge  zog  das  BFM  die  Verfügung  vom  17.  Oktober  2008  teilweise  in  Wiedererwägung,  indem  es  den  angefochtene  Entscheid – mit neuer Verfügung vom 28. Juni 2011 –  im Vollzugspunkt  aufhob  und  die  Beschwerdeführenden  zufolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges vorläufig in der Schweiz aufnahm.  P.  Auf  entsprechende  Anfrage  von  Seiten  des  Bundesverwaltungsgerichts  liessen  die  Beschwerdeführenden  am  13.  Juli  2011  durch  ihre  Rechtsvertreterin  mitteilen,  dass  an  der  eingereichten  Beschwerde  vollumfänglich  festgehalten  werde.  Dabei  machten  sie  geltend,  die  Beschwerdeführerin  sei  aus  Sicht  des  syrischen  Gesetzes  immer  noch  mit ihrem vormaligen Ehemann, einem einflussreichen syrischen Offizier,  verheiratet, und sie habe mit einem Nicht­Muslimen Kinder gezeugt, was  in  Syrien  nach  Gesetz,  Religion  und  Sitte  ein  Verbrechen  sei.  Der  Beschwerdeführerin  und  ihren  unehelichen  Kindern  drohe  die  Vernichtung  durch  ihren  einflussreichen  Ehemann,  welcher  dazu  nach  der Scharia und Gewohnheitsrecht aufgrund der erlittenen Ehrverletzung  berechtigt  sei.  Es  bleibe  für  die  Beschwerdeführenden  schliesslich  unmöglich,  ihre  Ehe  registrieren  und  für  sich  und  ihre  Kinder  amtliche  Dokumente ausstellen zu lassen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  unter  anderem  zuständig  für  die  Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 

D­7374/2008 Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl.  dazu Art. 105 des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Auf dem Gebiet des Asyls kann mit Beschwerde die Verletzung von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.3. Das Verfahren  richtet  sich  nach  VwVG,  soweit  das  VGG  oder  das  AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG).  1.4.  Die  Beschwerdeführenden  sind  legitimiert  und  die  Beschwerdeeingabe wurde sowohl frist­ als auch formgerecht eingereicht  (Art.  48 Abs.  1 VwVG  sowie Art.  108 Abs.  1 AsylG  und Art.  52 Abs.  1  VwVG), weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.  1.5.  Das  im  Verlauf  des  Beschwerdeverfahrens  geborene  Kind  der  Beschwerdeführenden ist in das vorliegende Verfahren miteinzubeziehen.  Betreffend  das  im  Verlauf  des  Beschwerdeverfahrens  volljährige  gewordene  Kind  der  Beschwerdeführerin  ist  aufgrund  des  engen  persönlichen und sachlichen Zusammenhangs kein separates Verfahren  zu eröffnen.  2.  2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 

D­7374/2008 Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.  3.1. Die Beschwerdeführenden haben zur Begründung ihrer Asylgesuche  zur Hauptsache geltend gemacht, der Beschwerdeführerin – eine vormals  verheiratete  Sunnitin  –  drohe  aufgrund  ihrer  Verbindung  zum  Beschwerdeführer  –  einem  Drusen  –  wegen  verletzter  Familienehre  Gefahr  an  Leib  und  Leben.  Die  diesbezüglichen  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden erweisen sich indes – wie nachfolgend aufgezeigt  – als unglaubhaft: 3.1.1.  In  diesem  Zusammenhang  ist  vorab  festzuhalten,  dass  bereits  aufgrund der Nichtvorlage ihrer Reise­ und Identitätspapiere erste,  indes  bereits  massgebliche  Zweifel  an  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  entstehen.  Die  Beschwerdeführerin  will  seit  ihrer  Schulzeit  (seit  dem  Besuch  der  sechsten  Klasse)  keine  neue  Identitätskarte  erhältlich  gemacht  haben  und  der  Beschwerdeführer  will  seit  seiner  Jugend  –  seit  dem  Jahre  1983  –  die  gleiche  Identitätskarte  besitzen. Dies lässt sich jedoch nicht mit der Tatsache vereinbaren, dass  alle  syrischen  Staatsangehörigen  bis  spätestens  Ende  2005  ihre  alte  Identitätskarte  gegen  eine  neue  Karte  tauschen  mussten.  Vor  dem  Hintergrund  der  geltend  gemachten  Reisetätigkeiten  zwischen  O._______ und dem libanesischen P._______ darf ohne weiteres davon  ausgegangen werden, dass auch die Beschwerdeführenden  längst über  neue Identitätskarten verfügen müssten. Die Nichtvorlage dieser Papiere,  in Verbindung mit den stets ausweichenden Angaben zum tatsächlichen  Verbleib  der  Reise­  und  Identitätspapiere  der  Beschwerdeführenden,  stellt ein deutliches Unglaubhaftigkeitselement dar.  3.1.2.  In  seinen  Erwägungen  verweist  das  BFM  auf  verschiedene  Widersprüche und Ungereimtheiten im Sachverhaltsvortrag insbesondere  der  Beschwerdeführerin.  In  der  Beschwerdeeingabe  wird  diesbezüglich  eingewandt, das BFM habe im Falle der Beschwerdeführerin einen viel zu  hohen Massstab angelegt,  sei  sie doch eine ungebildete,  impulsive und  verängstigte  Frau.  Dieses  Vorbringen  kann  indes  in  keiner  Weise  die  augenscheinlich  massiven  Differenzen  in  den  Angaben  der  Beschwerdeführerin  und  die  praktisch  durchwegs  mangelhafte  Substanziierung  ihrer  Schilderungen  erklären  (vgl.  dazu  auch 

D­7374/2008 nachfolgend).  Dabei  ist  aufgrund  der  Akten  keineswegs  davon  auszugehen,  bei  der  Beschwerdeführerin  handle  es  sich  um  eine  ungebildete  Frau  aus  einer  traditionalistischen  Familie,  sondern  es  ist  aufgrund  der  Akten  vielmehr  zu  schliessen,  sie  stamme  aus  einer  einflussreichen,  mit  der  herrschenden  Baath  Partei  eng  verknüpften  Familie. Diese Familie dürfte aufgrund der Akten durchaus dem syrischen  Bildungsbürgertum  angehören.  Sowohl  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  zur Bedeutung  ihrer  Familie  für  die Baath  als  auch  die  Feststellungen  des  sprach­  und  länderkundigen  Experten  lassen  keinen anderen Schluss zu. Dabei verstrickt sich die Beschwerdeführerin  ohnehin in einen unüberbrückbaren Widerspruch, wenn sie behauptet, sie  sei ungebildet und eine Analphabetin, hat sie doch in der Empfangsstelle  des BFM das Personalienblatt eigenhändig und mit offenkundig geübter  Hand  ausgefüllt  und  dort  auch  über  ihren Schulbesuch  (bis mindestens  zur  sechsten  Klasse)  berichtet.  In  diesem  Zusammenhang  bleibt  schliesslich  festzuhalten,  dass  sich  ihre  Vorbringen  betreffend  eine  angebliche  Verbindung  ihrer  Familie  zu  traditionalistischen  Kreisen,  respektive gar die Zugehörigkeit der Familie zum Kreis der Muslimbrüder  (vgl. dazu die Stellungnahme vom 4. Februar 2008),  in keiner Weise mit  den Schilderungen  über  die  vielfältigen  und  sehr  engen Verknüpfungen  ihrer  Familie  mit  der  herrschenden  Baath  Partei  vereinbaren  lassen.  Zwischen  der  Baath­Partei  und  den  Muslimbrüdern  herrscht  aufgrund  diametral  entgegen  gesetzter  Auffassungen  über  den  syrischen  Staat  eine unüberbrückbare Ablehnung.  3.1.3.  Die  Beschwerdeführerin  will  sich  schon  seit  Jahren  vor  Nachstellungen von Seiten ihrer Familie fürchten und sie macht in diesem  Zusammenhang  namentlich  geltend,  sie  sei  im  Sommer  1998  in  Q._______  auf  offener  Strasse  angeschossen  worden.  Das  geltend  gemachte Ereignis kann jedoch aufgrund offenkundiger Widersprüche im  Sachverhaltsvortrag  sowie  einer  eindeutig  mangelnden  Substanziierung  nicht  als  glaubhaft  gemacht  anerkannt  werden.  Aus  den  Schilderungen  der Beschwerdeführenden ergeben sich nur schon Ungereimtheiten, was  die Person des Angreifers betrifft, womit das Vorbringen von vornherein  als unglaubhaft erscheint. In der Folge war die Beschwerdeführerin nicht  in  der Lage,  in  sich  stimmige und  insgesamt nachvollziehbare Angaben  und  Ausführungen  zu  machen,  sondern  sie  ist  einer  näheren  Beschreibung  des  geltend  gemachten  Vorfalls  augenscheinlich  ausgewichen,  indem sie vorgebracht hat, sie sei bei dem Ereignis sofort  ohnmächtig  geworden.  Schliesslich  lassen  ihre  Ausführungen  jegliche  Realkennzeichen  respektive  jeglichen  Ausdruck  einer  konkreten 

D­7374/2008 persönlichen  Betroffenheit  vermissen,  was  ebenfalls  klar  gegen  ein  tatsächliches  Erleben  des  behaupteten  Vorfalls  spricht.  Zwar  hat  die  Beschwerdeführerin  ein  Arztzeugnis  vorgelegt,  worin  über  Narben  berichtet  wird,  darunter  auch  eine  angebliche  Schussnarbe  an  der  rechten  Fusssohle.  Alleine  daraus  lässt  sich  jedoch  auch  nicht  ansatzweise  schliessen,  die  Beschwerdeführerin  sei  wie  behauptet  im  Sommer  1998  auf  offener  Strasse  und  in  Tötungsabsicht  unter  Feuer  genommen worden.  3.1.4.  Schliesslich  ergeben  sich  aus  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  unüberbrückbare  Widersprüche  hinsichtlich  der  Frage  ihres  tatsächlichen  Wohnorts  vom  Sommer  1998  bis  Ende  des  Jahres  2005.  In  dieser  Hinsicht  haben  die  Beschwerdeführenden  klar  voneinander  abweichende  Angaben  gemacht,  wobei  die  Beschwerdeführerin  ihre Angaben  im Verlauf des Verfahrens auch noch  mehrfach  revidiert  hat.  Aufgrund  der  Feststellungen  des  sprach­  und  länderkundigen  Experten  erscheint  als  erstellt,  dass  die  Beschwerdeführerin  über  keine  nennenswerten  Kenntnisse  von  P._______  verfügt,  wogegen  der  Beschwerdeführer  in  dieser  Hinsicht  über sehr gute Kenntnisse verfügt. Auf der anderen Seite geht aus den  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  mit  hinreichender  Deutlichkeit  hervor,  dass  sie  während  all  der  Jahre  die  gleiche  Wohnung  in  O._______ behalten haben. Vor diesem Hintergrund ist mit hinreichender  Sicherheit zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin und ihre Kinder ab  dem Jahre 1998 und bis zur Ausreise der Familie  im Januar 2006 stets  an der gleichen Adresse in O._______ wohnhaft geblieben sind, während  sich  der  Beschwerdeführer  in  den  letzten  Jahren  aufgrund  seiner  Tätigkeit  im  Handel  mit  Haushalts­  und  Elektrogeräten  häufig  in  P._______  aufgehalten  hat.  Der  Verbleib  der  Familie  an  der  stets  gleichen Adresse  in O._______ – wobei es  in all den Jahren zu keinem  Vorfall  mehr  gekommen  sei  –  spricht  überaus  deutlich  gegen  das  Bestehen der geltend gemachten Bedrohungslage.  3.1.5.  Namentlich  auf  Beschwerdeebene  wird  vorgebracht,  die  Beschwerdeführerin  gelte  immer  noch  als  mit  ihrem  sunnitischen  Ehemann  verheiratet,  weshalb  sie  von  dieser  Seite  jederzeit mit  neuen  Nachstellungen zu rechnen habe. Vor dem Hintergrund der vorstehenden  Feststellungen  betreffend  die  Herkunft  der  Beschwerdeführerin  mutmasslich  aus  einer  gehobenen  Schicht,  im  Weiteren  ihrem  ständig  gleichen  Wohnsitz  in  O._______  und  schliesslich  auch  vor  dem  Hintergrund  des  jahrelangen  Zusammenlebens  mit  dem 

D­7374/2008 Beschwerdeführer  kann  jedoch  kein  vernünftiger  Anlass  zur  Annahme  bestehen, die Beschwerdeführerin sei nach wie vor mit ihrem vormaligen  Ehemann  verheiratet,  sondern  es  ist  davon  auszugehen,  sie  sei  längst  von  diesem  geschieden.  Insofern  haben  die  Beschwerdeführenden  betreffend die Frage, weshalb sie nicht miteinander verheiratet sind und  nicht über einen Eheschein verfügen, zur Hauptsache auch ganz andere  Gründe als eine angeblich noch bestehende Ehe vorgebracht  (vgl. dazu  oben). So haben sie zur Hauptsache auf eine unterschiedliche Herkunft  respektive  Religion  verwiesen,  welche  einer  Eheschliessung  entgegen  stehe (vgl. dazu nachfolgend).  3.1.6. Zusammenfassend  ist  die  geltend  gemachte,  angeblich  seit  dem  Jahre  1998  bestehende  Bedrohungslage  nicht  glaubhaft  gemacht,  sondern es  ist davon auszugehen, die Beschwerdeführenden hätten die  letzten  Jahre  unbehelligt  in  O._______  gelebt,  wobei  der  Beschwerdeführer  in Zusammenhang mit seinem Erwerb als Händler oft  im libanesischen P._______ war.  3.2.  Die  Beschwerdeführenden  haben  im  Weiteren  zur  Begründung  ihrer  Asylgesuche  geltend  gemacht,  aufgrund  ihrer  gemischt­religiösen  Beziehung  könnten  sie  nicht  heiraten  und  damit  ihre  gemeinsamen  Kinder  nicht  behördlich  registrieren, womit  die Kinder  vom Schulbesuch  ausgeschlossen  seien.  Die  diesbezüglichen  Vorbringen  erweisen  sich  zumindest im Kern als nachvollziehbar, die Vorbringen sind jedoch – wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  als  flüchtlingsrechtlich  nicht  relevant  zu  erkennen. 3.2.1.  In  Zusammenhang  mit  den  sinngemäss  anders  lautenden  Beschwerdevorbringen  ist  vorab  festzuhalten,  dass  Syrien  zwar  ein  islamisches  Land,  von  seinem Aufbau  her  jedoch  ein  laizistischer Staat  ist. Die syrische Verfassung gesteht den Bürgern Glaubensfreiheit zu, wie  auch die Ausübung von Kulthandlungen, soweit diese nicht die öffentliche  Ordnung stören. Eine offizielle Staatsreligion gibt  es nicht,  jedoch muss  gemäss der syrischen Verfassung der Präsident ein Muslim sein. Dabei  gehört  die  in  Syrien  herrschende  Assad­Familie  zu  den  Alawiten  und  damit  zu  einer  (muslimischen)  Minderheit.  Solange  sich  religiöse  Gruppierungen  politisch  nicht  engagieren,  sind  sie  frei  (mit  einziger  ausdrücklicher Ausnahme der Zeugen Jehovas), sie müssen sich einzig  registrieren  lassen.  Dabei  gibt  es  weder  Gesetze,  welche  die  Missionierung verbieten würden, noch ist der Übertritt von einer Religion 

D­7374/2008 zu  einer  anderen  verboten.  In  der  Realität  bestehen  diesbezüglich  allerdings  erhebliche  faktische  respektive  verwaltungstechnische  Schranken.  Der  Frage  der  Zuordnung  zu  einer  der  anerkannten  Religionsgemeinschaften  kommt  in  Syrien  tatsächlich  eine  zentrale  Bedeutung  zu,  und  zwar  sowohl  im  Selbstverständnis  der  Bürger  als  gerade auch  im Verkehr mit  den Behörden;  dies namentlich hinsichtlich  der  Frage  der  Registrierung  von  Familien  und  Einzelpersonen  in  den  verschiedenen  Personenstandsregistern.  Für  die  verschiedenen  Gruppierungen existieren teils abweichende Regelungen, woraus sich im  Falle von gemischt­religiösen Beziehungen erhebliche Probleme ergeben  können.  Es  spielt  daher  eine  Rolle,  ob  eine  Person  den  Sunniten,  Schiiten,  Ismailiten,  Alawiten,  Drusen  oder  Christen  (mit  wiederum  verschiedensten  Ausrichtungen)  angehört.  Die  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  Gruppe  bedeutet  gleichzeitig  eine  Abgrenzung  von  den  anderen  Gruppierungen,  und  zwar  sowohl  in  sozialer  als  auch  verwaltungstechnischer Hinsicht. Ein Überschreiten dieser Grenzen kann  gesellschaftliche  Ächtung  und  soziale  Ausgrenzung  nach  sich  ziehen,  aber auch – wie erwähnt – aufgrund der  syrischen Registrierungspraxis  erhebliche Probleme im Verkehr mit Behörden mit sich bringen.  3.2.2.  Vor  dem  Hintergrund  der  diversen  Schranken,  welche  die  Angehörigen der verschiedenen religiösen Gruppen voneinander trennen,  ist  nicht  auszuschliessen,  dass  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  ihrer  Verbindung  zum  Beschwerdeführer  in  gesellschaftlicher  Hinsicht  von  ihrem  bisherigen  Umfeld  isoliert  wurde.  Zumindest  das  Umfeld  des  Beschwerdeführers  scheint  aber  keine  wesentlichen  Vorbehalte  gegenüber der Verbindung der Beschwerdeführenden gehabt zu haben,  haben sie doch eigenen Angaben zufolge vor einem drusischen Scheich  geheiratet  und  haben  sie  im  Weiteren  über  Jahre  in  O._______  eine  Wohnung bewohnt, welche einem Cousin des Beschwerdeführers gehört.  Aufgrund der verwaltungstechnischen Schranken zwischen den religiösen  Gemeinschaften  dürfte  es  für  die  Beschwerdeführerin  indes  kaum  möglich  gewesen  sein,  als  registrierte  Sunnitin  zu  den  Drusen  überzuwechseln, und  für den Beschwerdeführer zumindest aus sozialen  Gründen  ausgeschlossen,  die  Gemeinschaft  der  Drusen  zu  verlassen,  um  sich  als  Sunnite  zu  registrieren.  Ohne  gemeinsame  Registrierung  dürfte  sich  jedoch  eine  Registrierung  ihrer  Kinder  tatsächlich  als  sehr  schwierig  bis  allenfalls  unmöglich  erwiesen  haben.  Alleine  diese  Problemstellung  –  von  welcher  in  Syrien  praktisch  alle  gemischt­ religiösen Beziehungen betroffen sind – ist jedoch mangels Intensität des  Eingriffs als nicht  relevant zu erkennen. Das Fehlen einer Verzeichnung 

D­7374/2008 in  den  syrischen  Registern  kann  im  Alltag  zwar  Nachteile  mit  sich  bringen,  alleine  diese  gehen  jedoch  zu  wenig  weit,  als  dass  ihnen  flüchtlingsrechtliche  Relevanz  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  zuzumessen  wäre  (vgl.  dazu auch die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts  zu den  Maktumin, den  in Syrien nicht  registrierten und als staatenlos geltenden  Kurden [bspw. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E­5341/2006 vom  3. März  2011  E.  5.1.7  und D­7159/2010  vom  20. Januar  2011  E.  5 mit  Hinweis  auf  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2002 Nr. 23 E. 4d).  4.  Nach vorstehenden Erwägungen können die Beschwerdeführenden keine  im Sinne von Art.  3 AsylG  relevante Gefährdungslage nachweisen oder  glaubhaft  machen.  Die  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Abweisung der Asylgesuche sind daher zu bestätigen 5.  Nachdem  die  Ablehnung  der  Asylgesuche  zu  bestätigen  ist  und  die  Beschwerdeführenden  –  abgesehen  vom  bisherigen  Asylbewerberstatus –  keinen Aufenthaltstitel  für die Schweiz besitzen  oder beanspruchen können,  ist  auch die Anordnung der Wegweisung  zu bestätigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 6.   Nachdem das BFM im Rahmen des Schriftenwechsels – mit Verfügung  vom  28.  Juni  2011  –  im  Vollzugspunkt  auf  den  angefochtenen  Entscheid  zurückgekommen  ist  und  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden angeordnet hat (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), ist die Beschwerde  hinsichtlich  der  Frage  des  Wegweisungsvollzuges  gegenstandslos  geworden. Dabei  ist anzumerken, dass die Gründe  für die Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  im  Einzelnen  –  das  BFM  erkennt  in  der  Verfügung  vom  28.  Juni  2011    den  Vollzug  als  unzumutbar  –  vom  Bundesverwaltungsgericht  nicht  näher  zu  prüfen  sind.  Die  drei  Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Art.  83 Abs. 2 ­ 4 AuG; Unmöglichkeit, Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit)  sind alternativer Natur; sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln.  Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  der 

D­7374/2008 vorläufigen  Aufnahme  steht  dem  weggewiesenen  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  ans  Bundesverwaltungsgericht  offen.  In  diesem Verfahren wäre der Wegweisungsvollzug vor dem Hintergrund  sämtlicher Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der  in  diesem Zeitpunkt  herrschenden Verhältnisse  zu  prüfen  (vgl.  BVGE  2009/51 E. 5.4 S. 748, EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f., mit weiteren  Hinweisen). Der  Vollständigkeit  halber  bleibt  anzumerken,  dass  auch  das  Kind  G._______,  das  im  angefochtenen  Entscheid  noch  nicht  aufgeführt  ist,  vom BFM in die vorläufige Aufnahme seiner Eltern einbezogen wurde. 7.   Nach  den  vorstehenden  Erwägungen  ist  der  angefochtene  Entscheid  – soweit  nicht  gegenstandslos  geworden  –  zu  bestätigen  und  die  Beschwerde abzuweisen.  8.  8.1.  Bei  vorliegendem  Ausgang  des  Verfahrens  –  zufolge  teilweisen  Unterliegens  –  sind  den  Beschwerdeführenden  praxisgemäss  reduzierte  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (vgl.  Art. 63  Abs.  1  VwVG  und Art. 1 ­ 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und Entschädigungen  vor  dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR  173.320.2]). Die reduzierten Kosten sind auf Fr. 300.– festzusetzen und  anteilsmässig  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.–  zu  verrechnen.  Die  Restanz  von  Fr.  300.–  ist  den  Beschwerdeführenden  zurückzuerstatten. 8.2.  Da  die  Beschwerdeführenden  mit  ihren  Beschwerden  faktisch  teilweise durchgedrungen sind beziehungsweise das Verfahren  teilweise  gegenstandslos  wurde,  weil  das  BFM  die  angefochtene  Verfügung  im  Sinne  der  Beschwerdeanträge  in  Wiedererwägung  gezogen  und  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden  in  der  Schweiz  angeordnet  hat,  ist  den  vertretenen Beschwerdeführenden  für  die  ihnen  erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten eine um  die  Hälfte  reduzierte  Parteientschädigung  zuzusprechen  (vgl.  Art. 64  Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 15 VGKE). Eine Kostennote wurde nicht zu den  Akten  gereicht,  weshalb  die  Parteientschädigung  von  Amtes  wegen  festzusetzen  ist  (Art. 14  Abs. 2  VGKE).  Gestützt  auf  die  in  Betracht  zu  ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 ­ 13 VGKE)  ist die um die Hälfte 

D­7374/2008 reduzierte Parteienschädigung – welche vom BFM zu entrichten ist – auf  Fr. 300.– festzusetzen.  (Dispositiv nächste Seite)

D­7374/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  –  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden –  abgewiesen.  2.  Den  Beschwerdeführenden  werden  reduzierte  Verfahrenskosten  von  Fr. 300.– auferlegt. Dieser Betrag wird anteilsmässig mit dem geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  verrechnet  und  den  Beschwerdeführenden die Restanz von Fr. 300.– zurückerstattet. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine  reduzierte  Parteientschädigung von Fr. 300.– zu entrichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand: