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Bundesverwaltungsgericht 07.12.2011 D-7316/2010

7 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,326 mots·~12 min·2

Résumé

Asyl (ohne Wegweisung) | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. September 2010

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­7316/2010 Urteil   v om   7 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérard Scherrer,    Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien X._______, geboren am _______, Türkei,   vertreten durch _______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. September 2010 / _______.

D­7316/2010 Sachverhalt: A.  A.a. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer die Türkei  am _______ 2005 und gelangte über _______ und _______ am _______  2005 nach Deutschland. Dort stellte er ein Asylgesuch. Am 26. Mai 2006  reiste  er  in  die  Schweiz  weiter,  wo  er  am  30.  Mai  2006  um  Asyl  nachsuchte.  Am  19.  Juni  2006  führte  das  BFM  eine  Summarbefragung  durch.  A.b.  Dabei  machte  der  Beschwerdeführer  –  ein  Kurde  –  geltend,  aus  _______ zu stammen und dort aufgewachsen zu sein. In der Folge habe  er  wiederholt  in  _______  und  _______  gewohnt.  Er  habe  sich  für  die  damalige  HADEP  eingesetzt.  Ende  der  Neunzigerjahre  sei  er  dreimal  festgenommen worden. Er  habe Folterungen  erlitten.  Von Mai  1999  bis  September  2000  habe  er  sich  in  _______  aufgehalten  und  ein  Asylgesuch gestellt. Er habe sich dort um kurdische Kinder, die im Krieg  ihre  Eltern  verloren  hätten,  gekümmert,  und  im  Auftrag  des  kurdischen  Halbmonds  Spenden  gesammelt.  So  sei  er  mit  der  PKK  in  Kontakt  gekommen und habe die Absicht,  in den Westen weiterzureisen, vorerst  aufgegeben.  Er  habe  sich  der  Bewegung  angeschlossen  und  eine  militärische  sowie  eine  politisch­ideologische  Ausbildung  erhalten.  Er  habe  sich  unter  anderem  im  _______  und  danach  in  den  Bergen  von  _______  bei  seiner  Bewegung  aufgehalten.  Er  sei  bis  Juli  2005  aktiv  gewesen.  Er  sei  als  Kurier  und  in  einer  logistischen  Einheit  eingesetzt  worden. An Gefechten sei er nicht beteiligt gewesen. Im Jahre 2005 habe  er  von  der  PKK  den Auftrag  erhalten,  in  türkischen Städten  bewaffnete  Anschläge zu planen und durchzuführen. Diese Aktionen seien aber nicht  in  seinem  Sinne  gewesen,  weshalb  er  sich  innerlich  von  der  PKK  distanziert habe. Seit dieser Auftragserteilung habe er keinerlei Kontakte  mehr zur PKK gehabt. Während seines Aufenthaltes  in _______ vor der  Ausreise  habe  er  sich  aus  Sicherheitsgründen  verstecken  müssen.  Im  Verlaufe der anschliessenden Flucht habe er  in _______ erfahren, dass  die türkischen Sicherheitskräfte in der Wohnung seiner Eltern in _______  eine  Razzia  durchgeführt  hätten.  Es  sei  möglich,  dass  gegen  ihn  ein  Verfahren wegen Terrorismus eröffnet werde. Die Behörden wüssten von  seiner PKK­Vergangenheit. Bei der Einreise in Deutschland sei er wegen  des  gefälschten  Reisepasses  festgenommen  worden.  Er  habe  ein  Asylgesuch  gestellt  und  fälschlicherweise  behauptet,  an  bewaffneten  Aktionen beteiligt  gewesen zu sein. Die Falschaussagen habe er  in der  Annahme,  so  eine  Rückführung  in  die  Türkei  zu  verhindern,  gemacht. 

D­7316/2010 Sein  Gesuch  sei  indes  negativ  entschieden  worden.  Aus  Furcht,  von  Deutschland aus in die Türkei abgeschoben zu werden, sei er am 26. Mai  2006 in die Schweiz weitergereist.  A.c.  Anlässlich  der  Befragung  wurde  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche Gehör betreffend eine allfällige Wegweisung nach Deutschland  gewährt.  A.d.  Für  die  bei  der  Befragung  eingereichten  Beweismittel  ist  auf  die  Akten zu verweisen (vgl. vorinstanzliche Akten A 1/14 S. 4 und 10 sowie       A 10/1).  B.  B.a. Mit Verfügung vom 30. Juni 2006 ordnete das BFM gestützt auf Art.  42 Abs. 2 der damals in Kraft stehenden Fassung des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  die  vorsorgliche  Wegweisung  des  Beschwerdeführers nach Deutschland an.  In der Verfügung wurde unter  anderem  erwogen,  über  das  vom  Beschwerdeführer  in  Deutschland  eingereichte  Asylgesuch  hätten  die  dortigen  Behörden  noch  nicht  rechtskräftig entschieden.  B.b. Nach dem am _______ erfolgtem Wegweisungsvollzug machte der  Beschwerdeführer  mit  Rekurseingabe  seiner  Rechtsvertretung  bei  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  am  7.  Juli  2006  insbesondere  geltend,  entgegen  der  vorinstanzlichen  Sichtweise  sei  in  Deutschland über sein Asylgesuch bereits rechtskräftig befunden worden.  B.c. Am 7. Juli 2006 reiste der Beschwerdeführer wieder  in die Schweiz  ein.  Zu  diesem  Sachverhalt  wurde  er  am  18.  August  2006  vom  BFM  befragt.  B.d.  Im Rahmen  des Schriftenwechsels  hob  das BFM  seine Verfügung  vom  30.  Juni  2006  am  20.  November  2006  auf  und  nahm  das  erstinstanzliche Verfahren wieder auf.  B.e.  Mit  Beschluss  vom  28.  November  2006  schrieb  die  ARK  die  Beschwerde vom 7. Juli 2006 als gegenstandslos geworden ab.  C.  C.a.  Am  22.  und  23.  September  2009  hörte  das  BFM  den  Beschwerdeführer  zu  seinen  Asylgründen  an.  Dabei  konkretisierte  er  seine bei der Summarbefragung gemachten Vorbringen und beantwortete 

D­7316/2010 Fragen zu den bereits vor ihm in die Schweiz geflohenen Brüdern sowie  zu  anderen  Verwandten.  Insbesondere  machte  er  Ausführungen  zu  seiner  eigenen politischen Entwicklung und  seinem Engagement  für  die  PKK.  Er  sei  in  _______  mit  der  Organisation  in  Kontakt  gekommen.  Durch den Verkauf von Zeitschriften und Zeitungen habe er Propaganda  gemacht.  In  der  Folge  sei  er  politisch,  ideologisch,  soziologisch  und  militärisch  ausgebildet  worden  und  habe  sich  vor  der  Rückkehr  in  die  Türkei  in  verschiedenen Ländern aufgehalten. Er  habe  jahrelang  in den  Bergen gelebt und viele Kommandanten in höheren Funktionen gesehen.  Er  sei  nicht  in  Kampfhandlungen  verwickelt  gewesen.  Als  Teamverantwortlicher für vier Personen habe er in der Logistik gearbeitet.  Im Sommer  2005  sei  er mit  dem erwähnten Auftrag  in  türkische Städte  beziehungsweise  nach  _______  geschickt worden.  Beim Auftrag  sei  es  nicht  darum  gegangen,  ein  Attentat  zu  verüben.  Vielmehr  sei  er  aufgefordert worden,  Zellen  zu  organisieren  und  deren  Finanzierung  zu  gewährleisten.  In  der  Türkei  sei  kein  Verfahren  gegen  ihn  hängig.  Es  bestehe  aber  ein  Dossier  über  ihn  und  er  werde  gesucht.  Nach  der  Razzia  der  Behörden  in  der  elterlichen  Wohnung  habe  sein  Vater  auf  dem  Polizeiposten  vorsprechen  müssen  und  sei  zu  seinen  Söhnen  befragt  worden.  Etwa  vor  einem  Jahr  habe  der  Vater  den  Behörden  Adressen und Telefonnummern seiner Söhne bekannt gegeben. Im Falle  seiner Rückkehr  in die Türkei  riskiere er  lebenslängliche Haft und Folter  sowie eine Anwerbung zu Spitzeldiensten.  D.  D.a. Am 8. Januar 2010 gelangte die Vorinstanz an die Schweizerische  Botschaft  in  _______  und  ersuchte  um  Abklärungen  vor  Ort.  Deren  Ergebnis traf am 26. Februar 2010 beim BFM ein.  D.b. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs nahm der Beschwerdeführer mit  Eingaben seiner neuen Rechtsvertretung vom 9. und 10. April 2010 dazu  Stellung.  Gleichzeitig  gab  er  Beweismittel  für  die  geltend  gemachte  Gefährdung  in der Türkei zu den Akten  (vgl. die Auflistungen gemäss A  61/1 und A 62/12).  D.c. Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  April  2010  forderte  das  BFM  den  Beschwerdeführer  auf,  eingereichte  Dokumente  in  eine  Amtssprache  übersetzen zu lassen.  D.d. Am 26. April 2010 reichte der Beschwerdeführer Übersetzungen und  weitere Beweismittel ein (vgl. die Auflistung gemäss A 64/1).

D­7316/2010 E.  Mit  Eingabe  vom  3.  August  2010  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  einen baldigen Entscheid. F.  Mit Verfügung vom 9. September 2010 – eröffnet am 10. September 2010  – stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und Abs. 2 AsylG, lehnte das  Asylgesuch gestützt auf Art. 53 AsylG ab, ordnete die Wegweisung des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  an  und  nahm  ihn  zufolge  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  auf.  Die  Vorinstanz  begründete  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers mit  seiner  glaubhaft  gemachten  Gefährdung  im  Heimatland  sowohl  seitens  der  Behörden wie auch der PKK.  Im  Zusammenhang mit  der  festgehaltenen  Asylunwürdigkeit  analysierte  das BFM das Engagement des Beschwerdeführers  für die Organisation.  Die  PKK  stehe  aufgrund  ihrer  terroristischen  Umtriebe  isoliert  da.  Die  alleinige  Zugehörigkeit  gelte  indes  praxisgemäss  nicht  als  verwerfliche  Handlung im Sinne von Art. 53 AsylG. Bei der Prüfung der Frage, ob eine  Person  vom  Asyl  auszuschliessen  sei,  müsse  auf  deren  individuellen  Tatbeitrag abgestellt werden. Dabei seien nicht nur die Schwere der Tat  und der persönliche Anteil  am Tatentscheid,  sondern ebenso das Motiv  des  Täters  und  allfällige Rechtfertigungs­  und Schuldminderungsgründe  von  Relevanz.  Bei  der  Beurteilung  der  Asylunwürdigkeit  sei  auch  die  Frage der Verhältnismässigkeit zu prüfen.  Der  Beschwerdeführer  stamme  aus  einer  Familie,  die  der  PKK  nahe  stehe. Im Vorfeld seines Beitritts sei er über die Ziele und Methoden der  PKK  bestens  informiert  gewesen  und  habe  gewusst,  worauf  er  sich  einlasse.  Er  sei  von  1999  bis  2005  freiwilliges Mitglied  im militärischen  Flügel gewesen. Dabei sei er  in einer tragenden Rolle für die logistische  Unterstützung  zuständig  gewesen.  Als  "Tim"­Verantwortlicher  habe  er  eine  Gruppe  von  vier  Personen  geführt.  Zu  den  Aufgaben  hätten  das  Beschaffen  und  Transportieren  von  Lebensmitteln,  die  Suche  und  das  Einrichten  von  Winterverstecken  sowie  die  militärische  Sicherung  der  gefährlichen  Transporte  und  der  Verstecke  gehört.  Er  habe  an  langdauernden  militärischen  Ausbildungen  teilgenommen  und  bei  der  Stärkung der Guerilla während der Waffenstillstandszeit geholfen. Ferner  sei  er  auch  als  Kurier  tätig  gewesen.  Im  Sommer  2005  habe  er  von  ranghohen  Funktionären  den  Auftrag  erhalten,  in  _______  kleine 

D­7316/2010 Gruppen, die für die Planung allfälliger Anschlagsziele verantwortlich sein  sollten,  zu  organisieren.  Tatsächlich  sei  es  in  der  Folge  zu  Brandanschlägen  mit  zivilen  Opfern  in  _______  gekommen.  Seinen  Aussagen  lasse  sich  zwar  nicht  entnehmen,  welchen  Beitrag  er  für  die  Vorbereitung  bereits  geleistet  habe.  Es  sei  jedoch  davon  auszugehen,  dass er das Gedankengut und die Politik der PKK mitgetragen habe. Als  Mitglied  habe  er  sich  über  Jahre  im  militärischen  Flügel  der  PKK  eingesetzt und so einen wesentlichen Beitrag zur Zielerreichung geleistet.  Er habe sich eine verantwortungsvolle Position erarbeitet und eine kleine  Gruppe mit gefährlichen Aufträgen und Einsätzen geführt. Des Weiteren  sei  von  einem  grossen  Vertrauen  der  höheren  Kader  in  seine  Person  auszugehen. So sei er als Kurier ein Informationsträger gewesen. Ferner  sei  er  dazu  ausgewählt  worden,  das  Terrain  für  allfällige  Anschläge  in  _______  vorzubereiten.  Eine  solche  Karriere  sei  für  ihn  ohne  Identifikation  mit  den  Zielen  und  den  Mitteln  der  PKK  nicht  möglich  gewesen. Er habe sich im militärischen Flügel für den bewaffneten Kampf  als  politische  Methode  entschlossen,  was  eine  grundsätzliche  Gewaltbereitschaft und ein gewisses kriminelles Potential offenbare. Vor  diesem Hintergrund könne offen gelassen werden, ob die Vorbringen  im  deutschen  Asylverfahren  im  krassen Widerspruch  zu  denjenigen  in  der  Schweiz stünden.  Die Kampfeinsätze der PKK richteten sich nicht nur gegen die  türkische  Armee, sondern zögen auch die Zivilbevölkerung  in Mitleidenschaft. Der  Beschwerdeführer  sei  sich  sehr  wohl  bewusst  gewesen,  dass  er  durch  seine  Aufgaben  solche  Ereignisse  ermöglicht  habe.  Er  habe  sich  im  Sinne  einer  Befehlsverweigerung  erst  dann  von  der  PKK  gelöst,  als  er  sich  im Rahmen eines heiklen Auftrags  in  _______ unbehaglich  gefühlt  habe.  Dies  lasse  darauf  schliessen,  dass  es  sich  bei  ihm  um  einen  (kampf)erfahrenen Aktivisten handle, der seine Bedeutung gegenüber der  Asylbehörde  herunterzuspielen  versuche.  Im  Ergebnis  sei  davon  auszugehen,  dass  er  sich  im  Zusammenhang  mit  seinem  Engagement  und  den  Tätigkeiten  im Dienste  der  PKK Verbrechen  schuldig  gemacht  habe.  Selbst  bei  der  unwahrscheinlichen  Annahme,  dass  keine  seiner  Aktivitäten  zu  Todesopfern  oder  Verletzten  führte,  sei  von  einem  vollendeten  Versuch  zur  Begehung  der  vorgenannten  Straftatbestände  auszugehen.  Sein  individueller  Tatbeitrag  sei  aufgrund  der  Aktenlage  erstellt.  Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit des Asylausschlusses hielt das  BFM fest, dass – auch wenn dem Beschwerdeführer politische Motive für 

D­7316/2010 sein Handeln  zugebilligt werden könnten – eine eigentliche Zwangslage  oder  ein  Rechtfertigungsgrund  für  den  PKK­Anschluss  nicht  vorlägen.  Schuldminderungsgründe  seien  keine  zu  erkennen.  Er  habe  die  PKK  bereits vor seinem Beitritt unterstützt und sei  ihr als Volljähriger  freiwillig  beigetreten.  Er  habe  Karriere  gemacht  und  sei  nie  verletzt,  festgenommen oder misshandelt worden; auch habe er keine Haftstrafe  verbüssen müssen. Seine plötzliche Distanzierung von der PKK, weil sie  gemäss  seinen  Aussagen  ihren  Grundprinzipien  untreu  geworden  sei,  wirke nicht sehr glaubwürdig. Er habe sich inzwischen zwar von der PKK  losgesagt und stelle insofern keine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung  der  Schweiz  dar.  Allfällige  Reue  führe  gemäss  schweizerischer  Strafrechtsordnung  indes  nicht  zur  Straffreiheit,  sondern  allenfalls  zu  einer  Strafmilderung.  Schliesslich  sei  der  Beschwerdeführer  bis  2005  aktiv gewesen, weshalb er aus der vorliegend relevante Verjährungsfrist  (10  Jahre)  ebenfalls  nichts  zu  seinen  Gunsten  ableiten  könne.  Demzufolge sei das Engagement des Beschwerdeführers im militärischen  Flügel der PKK als verwerfliche Handlung im Sinne von Art. 53 AsylG zu  werten.  G.  Mit  Eingabe  vom  11.  Oktober  2010  beantragte  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  durch  seine  Rechtsvertretung  die  Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Gewährung des Asyls und  in  prozessualer  Hinsicht  die  unentgeltliche  Prozessführung  samt  Entbindung  von  der  Kostenvorschusspflicht  (Art.  65  Abs.  1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021])  sowie  die  Entrichtung  einer  Parteientschädigung.  Zur  Begründung machte er geltend, die Vorinstanz habe  in  ihrem Entscheid  die  angeblichen  "Verbrechen"  im  Rahmen  seines  PKK­Engagements  nicht  konkretisiert  und  damit  nicht  aufgezeigt,  inwiefern  die  von  der  Rechtsprechung definierten Voraussetzungen der Anwendung von Art. 53  AsylG erfüllt seien. Auch den eingereichten Beweismitteln der türkischen  Behörden  könne  nicht  entnommen  werden,  dass  ihm  derartige  Delikte  angelastet würden. Vielmehr stamme er aus einer kurdischen Familie, die  schon  immer   im  Fokus  der  Behörden  gestanden  sei  und  Verfolgung  erlitten habe. Im Rahmen seiner PKK­Tätigkeiten in der Türkei habe er an  keiner  einzigen  bewaffneten Auseinandersetzung  teilgenommen. Gegen  den Auftrag,  in _______ diverse Aktionen vorzubereiten, habe er sich  in  den Bergen noch nicht wehren können. Er habe sich aber  innerlich von  der PKK distanziert,  die  Instruktionen  in  _______ nicht  befolgt  und  sich  schliesslich  völlig  von  der  Organisation  getrennt.  Die  Einschätzung,  er 

D­7316/2010 habe sich in seinem Gedankengut nicht von der PKK abgewendet, treffe  nicht  zu. Demzufolge  sei  ihm zu Unrecht  die Asylgewährung  verweigert  worden. Im Übrigen äusserte der Rechtsvertreter sein Bedauern darüber,  dass  die  Vorinstanz  seinem  Wunsch,  das  Verfahren  in  französischer  Sprache zu führen, nicht entsprochen habe.  H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  19.  Oktober  2010  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  fest,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  hiess  das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut.  I.  Mit  Vernehmlassung  vom  2.  November  2010  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Im  Lichte  der  geltenden  Praxis  sei  das  Verfahren grundsätzlich in deutscher Sprache weiter zu führen.  J.  Mit Replik vom 19. November 2010 hielt der Beschwerdeführer an seinen  bisherigen  Vorbringen  fest.  Gleichzeitig  ersuchte  er  erneut  um  einen  Wechsel der Verfahrenssprache.  K.  Am  14.  Januar  2011  teilte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit,  dass  seinem  Gesuch  um  Wechsel  des  Aufenthaltskantons  entsprochen  worden sei. L.  Mit Eingabe vom 5. Mai 2011 machte der Beschwerdeführer geltend, nun  im  Kanton  _______  zu  wohnen,  gut  integriert  zu  sein  und  fliessend  französisch  zu  sprechen.  Ferner  ersuchte  er  um  einen  baldigen  Entscheid. Diesen Wunsch erneuerte er  in der Folge  telefonisch am 28.  Oktober 2011.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 

D­7316/2010 Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Das  BFM  hat  das  erstinstanzliche  Verfahren  in  deutscher  Sprache  durchgeführt.  Diese  Vorgehensweise  ist  im  Sinne  seiner  zutreffenden  Erwägungen  in  der  Vernehmlassung  nicht  zu  beanstanden.  Das  Beschwerdeverfahren ist gemäss Art. 33a Abs. 2 VwVG grundsätzlich in  der  Sprache  des  angefochtenen  Entscheids  zu  führen.  Auch  wenn  der  Beschwerdeführer  mittlerweile  in  einem  französischsprachigen  Kanton  Wohnsitz  hat,  drängt  sich  ein  Wechsel  der  Verfahrenssprache  schon  insofern nicht auf, als das Instruktionsverfahren abgeschlossen ist.  3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

D­7316/2010 sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2. Flüchtlingen  wird  kein  Asyl  gewährt,  wenn  sie  wegen  verwerflicher  Handlungen dessen unwürdig sind oder wenn sie die innere oder äussere  Sicherheit der Schweiz verletzt haben oder gefährden (Art. 53 AsylG). 3.3. Nachdem das BFM den Beschwerdeführer als Flüchtling anerkannt  hat, beschränkt sich der Prozessgegenstand vorliegend auf die Frage, ob  die Vorinstanz  zu Recht  vom Bestehen  des Asylausschlussgrundes  der  Asylunwürdigkeit gemäss Art. 53 AsylG ausgegangen ist.  4.  4.1.  In  Berücksichtigung  der  Praxis  der  ARK  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr. 8 E. 6 S. 49 ff., EMARK 1996 Nr. 18 E. 5­7 S. 173 ff., EMARK 2002  Nr.  9)  fallen  unter  den  in  Art.  53  AsylG  enthaltenen  Begriff  der  "verwerflichen  Handlungen"  auch  Delikte,  die  nicht  ein  schweres  Verbrechen  im Sinne  von Art.  1  F Bst.  b  des Abkommens  vom 28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  darstellen, solange sie dem abstrakten Verbrechensbegriff von Art. 9 Abs.  1  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuches  vom  21. Dezember  1937  (StGB,  SR  311.0)  in  dessen  bis  zum  31. Dezember  2006  gültiger  Fassung  entsprechen.  Als  Verbrechen  definiert  wurde  dort  jede  mit  Zuchthaus  bedrohte  Straftat.  Im  heute  geltenden  StGB  definiert  Art.  10  Abs.  2  Straftaten  als  Verbrechen,  die  mit  mehr  als  3  Jahren  Freiheitsstrafe  bedroht  sind.  Unter  Hinweis  auf  Art.  333  Abs.  2  Bst.  a  StGB  scheint  auch  denkbar,  dass  eine  mit  weniger  als  drei  Jahren  Freiheitsstrafe  bedrohte  Straftat  als  "verwerfliche  Handlung"  gewertet  werden  und  zum  Asylausschluss  führen  könnte;  diese  Frage  kann  indessen im vorliegenden Fall offen gelassen werden. Die Anbindung an  den Verbrechensbegriff  in  der  alten  Fassung  des Strafgesetzbuches  im  Zusammenhang  mit  Art. 53  AsylG  wurde  vom  Gesetzgeber  mit  der  Totalrevision des Asylgesetzes bewusst übernommen (vgl. Botschaft zur  Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  vom  4.  Dezember  1995,  Bbl. 1996  II  71  ff.).  Dabei  ist  es  auch  heute  noch  (nach  der  zu  einem späteren Zeitpunkt erfolgten Revision des StGB) irrelevant, ob die  verwerfliche Handlung einen ausschliesslich gemeinrechtlichen Charakter 

D­7316/2010 hat oder als politisches Delikt aufzufassen ist (vgl. EMARK 2002 Nr. 9 E.  7b S. 79 f.). 4.2.  Gemäss  Praxis  sind  ausserdem  unter  Art.  53  AsylG  auch  Handlungen zu subsumieren, denen keine strafrechtliche Konnotation im  engeren  Sinne  des  Strafrechts  zukommen.  Art.  53  AsylG  verwendet  keinen  der  Begriffe  Verbrechen,  Vergehen,  Delikte  oder  strafbare  Handlungen,  sondern  vielmehr  den  juristisch  nicht  allgemein  definierten  und moralisch besetzten Ausdruck der "verwerflichen Handlungen". Auch  aus dem Titel von Art. 53 AsylG ("Asylunwürdigkeit") geht, wie in EMARK  2002  Nr.  9  E.  7d  ausgeführt,  hervor,  dass  jemand,  der  verwerfliche  Handlungen begangen habe, des Asyls unwürdig sei, was doch auf einen  gewissen  moralischen  Charakter  der  Norm  hinweise  (vgl.  BVGE    E­ 4286/2008 E. 6.3.). 4.3. Hinsichtlich  des  anzuwendenden  Beweismasses  ist  bei  Straftaten,  die im Ausland begangen wurden, kein strikter Nachweis erforderlich. Die  ARK  legte  hinsichtlich  der  Praxis  bei  der  Anwendung  der  Ausschlussklausel  von  Art.  1  F  Bst. a  FK  fest,  dass  die  Verwaltungsbehörde nicht darüber zu entscheiden hat, ob die betreffende  Person  sich  im  strafrechtlichen  Sinne  eines  Verbrechens  gegen  den  Frieden,  eines  Kriegsverbrechens  oder  eines  Verbrechens  gegen  die  Menschlichkeit  schuldig  gemacht  hat.  Sie  stellt  lediglich  fest,  dass  hinlänglich  konkrete  Anhaltspunkte  (faisceau  d'indices)  dafür  vorliegen  müssen,  dass  die  betreffende  Person  für  solche  verpönte  Taten  individuell verantwortlich ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 29 E. 4 S. 313 ff.). Das  Bundesverwaltungsgericht  hält  dafür,  dass  auch  für  die  Beurteilung,  ob  Gründe für einen Asylausschluss vorliegen, der gleiche Beweismassstab  anzuwenden  ist  wie  bei  der  Beurteilung,  ob Gründe  für  den  wesentlich  bedeutsameren Ausschluss von der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 1 F  Bst.  a  FK  vorliegen.  Dies  heisst,  dass  die  Behörde,  die  über  den  Asylausschluss  nach  Art.  53  AsylG  entscheidet,  zu  prüfen  hat,  ob  hinlänglich  konkrete  Anhaltspunkte  (faisceau  d'indices)  dafür  vorliegen,  der  Gesuchsteller  beziehungsweise  Beschwerdeführer  habe  eine  individuelle Verantwortlichkeit für "verwerfliche Handlungen" im Sinne des  Asylgesetzes. 5.  5.1.  Gemäss  Praxis  der  ARK,  welche  vom  Bundesverwaltungsgericht  fortgesetzt  wurde,  lässt  sich  ein  Asylausschluss  allein  aufgrund  der  Mitgliedschaft bei der PKK –  indem diese als kriminelle Organisation  im 

D­7316/2010 Sinne  von  Art.  260ter  StGB  betrachtet  und  sich  demzufolge  jedes  ihrer  Mitglieder allein durch seine Zugehörigkeit strafbar machen würde – nicht  rechtfertigen  (vgl.  beispielsweise Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts  D­11/2008 vom 9. Juli 2009, E­3549/2006 vom 4. Mai 2009, E­6517/2006  vom  22.  Dezember  2008,  D­7186/2006  vom  6. Oktober  2008,  D­ 5481/2006 vom 3. Juli 2008; EMARK 2002 Nr. 9 E. 7c S. 81). Entgegen  den  entsprechenden  Einwendungen  des  Beschwerdeführers  auf  Beschwerdeebene  kann  der  PKK  aber  ebensowenig  der  Status  einer  Bürgerkriegspartei  zugestanden  werden,  deren  Kombattanten  bezüglich  ihrer  kriegerischen  Aktivitäten  nicht  nach  den  Regeln  des  Strafrechts,  sondern  nach  denjenigen  des  völkerrechtlichen  Kriegsrechts  zu  beurteilen  wären  (vgl.  EMARK  2002  Nr.  9).  Vielmehr  ist  von  einer  pauschalen Betrachtungsweise Abstand zu nehmen und der  individuelle  Tatbeitrag – zu welchem die Schwere der Tat, der persönliche Anteil am  Tatentscheid  und  das Motiv  des Täters  sowie  allfällige Rechtfertigungs­  oder  Schuldminderungsgründe  zu  zählen  sind  –  zu  ermitteln  (EMARK  2002  Nr.  9).  Die  Praxis  folgt  sodann  der  in  der  Lehre  vertretenen  Auffassung,  dass  bei  der  Beurteilung  der  Asylunwürdigkeit  auch  der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  zu  beachten  ist.  Dabei  ist  vorab  in  Betracht  zu  ziehen, wie  lange die Tat  bereits  zurückliegt, wobei  auf  die  Verjährungsbestimmungen  des  Strafrechts  verwiesen  wird.  Ebenso  haben das Alter des Flüchtlings im Zeitpunkt der Tatbegehung sowie eine  allfällige Veränderung der  Lebensverhältnisse nach der Tat Einfluss auf  die diesbezügliche Entscheidfindung (vgl. zum Ganzen EMARK 2002 Nr.  9 E. 7d S. 82, mit Hinweisen). 5.2.  Für  die  Beurteilung  des  Verhaltens  des  Beschwerdeführers  unter  dem  Blickwinkel  der  Frage  nach  der  Asylunwürdigkeit  im  Sinne  von  Art. 53 AsylG sind vorliegend seine Aktivitäten für die PKK im Sinne eines  individuellen Tatbeitrags massgeblich. Aus den Akten ergibt sich, dass er  aus  einer  Familie  stammt,  die  der  PKK  nahe  steht.  Das  BFM  hält  in  diesem Zusammenhang zu Recht  fest,  im Vorfeld  seines Beitritts  sei  er  über  die  Ziele  und Methoden  der  PKK  bestens  informiert  gewesen  und  habe gewusst, worauf er sich einlasse. Er war unbestrittenermassen bis  2005  freiwilliges Mitglied  im militärischen  Flügel  und  in  einer  führenden  Rolle mit  ihm Untergebenen  logistisch  tätig. Er wurde über  längere Zeit  militärisch ausgebildet und gab an, er  sei bereit gewesen,  zur Waffe zu  greifen,  um  seine  politischen  Vorstellungen  zu  verwirklichen  (A  50/25  Antworten  88  f.  und  136).  Es  ist  davon  auszugehen,  der  Beschwerdeführer habe eine Waffe getragen, wie dies  im Übrigen auch  aus den eingereichten Fotos ersichtlich ist. Ferner war er auch als Kurier 

D­7316/2010 tätig.  Im  Sommer  2005  hat  er  von  PKK­Funktionären  den  Auftrag  erhalten,  in  _______ Vorbereitungen  für  Anschläge  zu machen,  was  er  gemäss  eigenen  Aussagen  aber  unterliess.  Das  BFM  weist  in  diesem  Zusammenhang  darauf  hin,  es  sei  in  der  Folge  tatsächlich  zu  Brandanschlägen  mit  zivilen  Opfern  in  _______  gekommen.  Jedenfalls  hat er sich als PKK­Mitglied über Jahre im militärischen Flügel eingesetzt  und so – wie das BFM wiederum zu Recht festhält – einen wesentlichen  Beitrag  zur  Zielerreichung  geleistet.  Aufgrund  der  genannten  Aspekte  seines Engagements wie namentlich auch der Auftragserteilung im Jahre  2005 ist zu schliessen, dass er offenbar einen grossen Vertrauensstatus  genoss  und  sich  in  besonderem Mass  für  Anliegen  der  PKK  einsetzte.  Seine Argumentation, er sei nie an Gefechten beteiligt gewesen, vermag  vor diesem Hintergrund und angesichts seines  langjährigen Einsatzes  in  den Bergen insgesamt nicht zu überzeugen. Dies umso mehr, als er bei  der  Anhörung  zu  Protokoll  gab,  betreffend  Kampfhandlungen  nicht  an  "wichtigen  Aktionen"  teilgenommen  zu  haben,  was  zur  Frage  führt,  an  welchen  aus  der  Sicht  der  PKK  weniger  wichtigen  Aktionen  er  möglicherweise gleichwohl beteiligt war (A 50/25 Antwort 91; vgl. auch A  59/7 S.  6  ). Die Vermutung des BFM, bei  ihm handle es  sich entgegen  seinen Aussagen um einen  (kampf)erfahrenen Aktivisten, welcher  seine  Bedeutung gegenüber der Asylbehörde in der Schweiz herunterzuspielen  versuche,  ist  durchaus  realistisch.  Für  diese  Einschätzung  spricht  auch  der Umstand, dass der Beschwerdeführer anlässlich seines Asylgesuchs  in  Deutschland  ausführte,  an  bewaffneten  Aktionen  der  PKK  beteiligt  gewesen  zu  sein  und  diese  auch  zu  spezifizieren  wusste.  Seine  Behauptung,  es handle  sich dabei  um eine Falschaussage,  um so eine  Rückführung  in  die  Türkei  zu  verhindern,  vermag  nur  bedingt  zu  überzeugen.  Dies  weist  eher  darauf  hin,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Angaben  zum  PKK­Engagement  aus  taktischen  Gründen  und  im  Hinblick  auf  aus  seiner  Sicht  optimale  Chancen  für  die  Asylgewährung  beziehungsweise  die  Erlangung  eines  Aufenthaltsrechts  anzupassen  weiss.  In  Berücksichtigung  der  Fallumstände  rechtfertigt  es  sich,  von  einem  individuellen  Tatbeitrag  auszugehen,  der  die  Schwelle  zu  verwerflichen  Handlungen  übersteigt.  Es  muss  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  bei  seinen  Aktivitäten  die  Gewaltbereitschaft  des  militärischen  Flügels  in  Kauf  genommen  hat  und  diesen  auch  aktiv  unterstützte.  Nach  Ansicht  des  Bundesverwaltungsgerichts  bestehen  insgesamt gesehen hinreichende konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der  Beschwerdeführer  zugunsten  der  PKK  bis  im  Jahr  2005  verwerfliche  Handlungen  im  Sinne  von  Art.  53  AsylG  beging.  Entgegen  den  im  Übrigen  wenig  stichhaltigen  Beschwerdevorbringen  ist  dabei  nicht 

D­7316/2010 erforderlich,  dass dem Beschwerdeführer  ein  konkretes Delikt  zu einem  bestimmten  Zeitpunkt  nachgewiesen  werden  kann  beziehungsweise  muss.  5.3. Aufgrund einer Abwägung aller Umstände im vorliegenden Einzelfall  ist  ferner  nicht  von  der  Unverhältnismässigkeit  des  Asylausschlusses  auszugehen,  zumal der Beschwerdeführer als  vorläufig aufgenommener  Flüchtling  in  der  Schweiz  bleiben  kann. Obwohl  einige Umstände  dafür  sprechen, dass es sich bei ihm um eine Person handelt, die Gewalt nicht  unbedacht  als  politisches  Mittel  einsetzt,  hat  er  durch  sein  jahrelanges  und jedenfalls zu Beginn ohne Zwang erfolgtes Engagement für die PKK  deren  gewaltbereiten  Flügel  massgeblich  unterstützt.  Zwar  gab  er  an,  sich  vom  militärischen  Flügel  der  PKK  getrennt  zu  haben,  was  grundsätzlich zutreffen dürfte, auch wenn seine Aussagen mitunter etwas  ambivalent  wirken  (vgl.  A  50/25  Antwort  99).  Eine  Gefahr  für  die  Sicherheit  und Ordnung  in  der Schweiz  dürfte  von  ihm nicht  ausgehen.  Aufgrund der gesamten Umstände wie namentlich auch der noch nicht so  weit zurückliegenden Unterstützungsperiode ist der Asylausschluss indes  auch  als  angemessen  zu  erachten.  Bei  dieser  Sachlage  hat  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  zu  Recht  wegen  "verwerflicher  Handlungen"  im  Sinne  von  Art.  53  AsylG  das  Asyl  verweigert.  Entsprechend  kann  davon  abgesehen  werden,  auf  weitere  Beschwerdevorbringen  und  die  Beweismittel  einzugehen,  da  sie  am  Ergebnis nichts zu ändern vermögen. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu  berücksichtigen  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  einen  Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach  zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Zu prüfen bleibt in der Regel, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der  Wegweisung entgegenstehen (vgl. Art. 44 AsylG und Art. 83 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer  [AuG, SR 142.20]). Vorliegend hat  jedoch das BFM aufgrund  der  zuerkannten  Flüchtlingseigenschaft  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  infolge  Unzulässigkeit  des 

D­7316/2010 Wegweisungsvollzugs  angeordnet,  wodurch  die  Prüfung  allfälliger  Wegweisungsvollzugshindernisse entfällt. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63 Abs.  1  und Abs.  5  VwVG).  Da  das Gesuch  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung  vom 19. Oktober 2010 gutgeheissen wurde, erfolgt keine Kostenauflage.  (Dispositiv nächste Seite)

D­7316/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

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