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Bundesverwaltungsgericht 19.04.2011 D-7315/2010

19 avril 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,049 mots·~15 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (Safe Country) und Wegweisung | Nichteintreten

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7315/2010 Urteil   v om   1 9 .   Ap r i l   2011 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Montenegro,    beide vertreten durch lic. iur. Pascale Bächler, BAS  Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung  des BFM vom 28. September 2010 / (...).

D­7315/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, A.  Die  Beschwerdeführerin,  eine  Staatsangehörige  aus  Montenegro  mit  letztem Wohnsitz in C._______, verliess ihr Heimatland gemäss eigenen  Angaben zusammen mit ihrem Sohn am 22. August 2010 und reiste über  (Aufzählung Länder) am folgenden Tag legal ohne Visum in die Schweiz.  Gleichentags stellte sie im Empfangs­ und Verfahrenszentrum D._______  ein Asylgesuch. Am 31. August 2010 wurde sie dort summarisch befragt  und  am  20.  September  2010  vom  BFM  direkt  angehört.  Mit  Verfügung  vom  19.  Oktober  2010  wurden  sie  und  ihr  Sohn  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens dem Kanton E._______ zugewiesen. Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin geltend,  sie habe sich  ab  2004  bei  ihrem Ehemann,  der  serbischer  Staatsangehöriger  sei, mit  einer Aufenthaltsbewilligung B  in der Schweiz aufgehalten,  und  im April  2005 sei der gemeinsame Sohn hier geboren worden.  Im gleichen Jahr  sei sie F._______ gereist, wo sie und der Sohn von ihrem Ehemann ohne  Reisepass  zurückgelassen  worden  seien.  Er  selber  sei  in  die  Schweiz  zurückgekehrt.  Da  die  Schweizer  Behörden  in  der  Folge  ihre  Aufenthaltsbewilligung  entzogen  hätten,  habe  sie  nicht  mehr  in  die  Schweiz  zurückkehren  können,  weshalb  sie  mit  ihrem  Sohn  nach  Montenegro gereist sei, wo sie bei einem Ehepaar gelebt und gearbeitet  habe. Eine andere Arbeit habe sie nicht gefunden. Gegen ihren Ehemann  habe sie Anzeige erstattet.  In Montenegro habe sie keine Wohnung und  keine  Sozialhilfe  erhalten  und  ihren  Sohn  nicht  gegen  Krankheit  versichern können. Ihr Ehemann habe keine Alimente bezahlt. Auch nach  der  Scheidung  vom  Ehemann  habe  sie  von  den  staatlichen  Behörden  keine  Unterstützung  erhalten.  Insbesondere  habe  ihr  Sohn  keinen  Reisepass bekommen. Die Behörden hätten  ihr mitgeteilt, der Vater des  Kindes müsse für den Unterhalt des Sohnes aufkommen. Da der Sohn in  der Schweiz geboren sei  und die montenegrinische Staatsangehörigkeit  nicht besitze und weil sein Vater sich in der Schweiz befinde, habe er in  Montenegro  weder  den  Kindergarten  besuchen  können  noch  andere  Unterstützung  erfahren.  Da  der  Sohn  von  seinem  Vater  in  G._______  angemeldet worden sei, gelte er als serbischer Staatsangehöriger. Als sie  am  10.  Juli  2010  bei  den  zuständigen  Behörden  ihren  Geburtsschein  habe  abholen  wollen,  habe  sie  von  einem  Brief  der  serbischen  an  die  montenegrinischen  Behörden  erfahren,  in  welchem  gefragt  worden  sei,  warum der Sohn sowohl  in Serbien als auch  in Montenegro angemeldet  sei. Der zuständige Beamte habe ihr mitgeteilt, dass einer von ihnen ins 

D­7315/2010 Gefängnis  käme,  weil  er  ohne  Einverständnis  des  Vaters  des  Jungen  einen  montenegrinischen  Pass  ausgestellt  habe.  Anfangs  August  2010  habe der Beschwerdeführerin zudem ein anderer Beamter eröffnet, dass  sie  keine weiteren Dokumente mehr  erhalte, weil  die Angelegenheit  bei  den Behörden angemeldet sei. Von einem Anwalt habe sie erfahren, dass  sie  ins  Gefängnis  kommen  und  man  ihr  das  Kind  wegnehmen  könne.  Auch  ein  Onkel  habe  ihr  gedroht,  sie  wegen  des  Reisepasses  anzuzeigen. Sie habe die Reisepässe nur bekommen, um in die Schweiz  zu reisen. Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin folgende Dokumente zu  den  Akten:  Zwei  im  August  2009  ausgestellte  montenegrinische  Reisepässe, eine montenegrinische  Identitätskarte, einen Geburtsschein  aus Montenegro und einen solchen aus der Schweiz, eine Impfkarte, ein  Arbeitsbüchlein,  einen  Berufungsentscheid  gegen  das  Scheidungsurteil  vom 1. April 2010, eine Strafanzeige, eine Mittellosigkeitserklärung, eine  polizeiliche Bestätigung,  diverse weitere  behördliche Bestätigungen  und  diverse Anwaltsschreiben. B.  Mit Verfügung vom 28. September 2010 trat das BFM auf das Asylgesuch  der Beschwerdeführerin  nicht  ein  und ordnete  die Wegweisung aus der  Schweiz  sowie  den Vollzug  an. Es  begründete  seinen Entscheid  damit,  dass Montenegro vom Bundesrat mit Beschluss vom 8. Dezember 2006  als  „safe country“ bezeichnet worden sei und vorliegend keine Hinweise  auf  eine  Verfolgung  vorlägen,  weil  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  nicht  geglaubt  werden  könnten.  Einerseits  seien  diese  teilweise  nachgeschoben  worden  und  andererseits  müssten  sie  auch  als  widersprüchlich  und  nicht  nachvollziehbar  sowie  mit  den  Tatsachen  nicht  vereinbar  betrachtet  werden. Den Wegweisungsvollzug  erachtete  die  Vorinstanz  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Insbesondere  wies  sie  darauf  hin,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  Montenegro und im Ausland über ein ausgedehntes Verwandtschaftsnetz  verfüge, auf dessen Hilfe sie im Bedarfsfall zurückgreifen könne.   C.  Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 11. Oktober 2010  liess  die  Beschwerdeführerin  beantragen,  die  vorinstanzliche Verfügung  sei  aufzuheben,  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten,  die  Flüchtlingseigenschaft  und  allfällige  Wegweisungshindernisse  zu  prüfen  sowie  eine  neue  Verfügung  zu 

D­7315/2010 erlassen.  Eventualiter  sei  die  Vorinstanz  anzuweisen,  den  Sachverhalt  bezüglich Wegweisungshindernisse  zu prüfen und eine neue Verfügung  zu  erlassen.  Subeventualiter  sei  infolge  unzulässigen  beziehungsweise  unzumutbaren  Wegweisungsvollzuges  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  um  Gewährung  einer  angemessenen  Frist  zur  Beschaffung allfälliger weiterer Beweismittel aus dem Heimatland und um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  unter  Einschluss  des  Verzichts auf einen Kostenvorschuss. Zudem wurde der Antrag gestellt,  es sei die Rechtsvertretung im Zusammenhang mit der Geltendmachung  von  Kinderunterhaltsbeiträgen  durch  den  geschiedenen  Ehemann  von  Amtes wegen zu konsultieren.  Zur  Begründung  wurde  dargelegt,  die  Vorinstanz  habe  in  der  angefochtenen Verfügung nicht die gemäss Rechtsprechung  festgelegte  Definition  von  "Hinweisen  auf  Verfolgung"  verwendet,  indem  sie  ausgeführt  habe,  die  Probleme  mit  dem  Sohn  könnten  nicht  geglaubt  werden,  die  damit  zusammenhängenden  Probleme  mit  den  Behörden  Montenegros  seien  nachgeschoben  und  fehlende  sozioökonomische  Grundlagen  seien  auf  die  allgemeinen  politischen,  wirtschaftlichen  oder  sozialen  Lebensbedingungen  in  Montenegro  zurückzuführen,  weshalb  keine Hinweise auf eine asylrelevante Verfolgung vorliegen würden und  es  der  Beschwerdeführerin  somit  nicht  gelungen  sei,  die  Vermutung  fehlender Verfolgung zu widerlegen. Gestützt auf die Rechtsprechung sei  indessen  ein  weiter  Verfolgungsbegriff  anzuwenden,  der  neben  Nachteilen  im  Sinne  von  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) auch Wegweisungsvollzugshindernisse nach Art. 83  des Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  umfasse.  Indem  die  Beschwerdeführerin  von  ihrer  Familie  verstossen  worden  sei,  in  Montenegro  –  entgegen  der  Feststellungen  im  Scheidungsurteil  –  nicht  bei  ihren  Angehörigen,  sondern  bei  einem  inzwischen  verstorbenen  Ehepaar  habe  leben  müssen,  ihren  Sohn  nicht  in  vorschulische  Einrichtungen  habe  schicken  können,  weil  dieser  nicht  als  montenegrinischer Staatsangehöriger gelte und  im Ausland geboren sei,  keine  staatliche  Unterstützung  erhalten  habe,  und  schliesslich  für  sich  und ihren Sohn montenegrinische Reisepässe gegen Bestechungsgelder  habe  organisieren  müssen  und  zahlreiche  Beweismittel,  welche  ihre  Vorbringen stützten, abgegeben habe, könnten  ihre Vorbringen nicht als  haltlos qualifiziert werden, weshalb valable Hinweise auf eine Verfolgung  und Wegweisungshindernisse vorlägen. Zudem könne  ihre  in J._______ 

D­7315/2010 lebende Schwester den Sachverhalt bestätigen. Unter diesen Umständen  wäre die Vorinstanz verpflichtet gewesen, auf das Asylgesuch einzutreten  und  die  Vorbringen  vertieft  zu  überprüfen.  Die  Vorinstanz  habe  es  indessen  unterlassen,  die  geltend  gemachten  Probleme  näher  abzuklären,  womit  sie  den  rechtsgenüglichen  Sachverhalt  nicht  vollständig  festgestellt habe. Zudem ergebe sich aus dem Anspruch auf  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs,  dass  eine  Anhörung  durchgeführt  werden  müsse  und  Ungereimtheiten  zu  klären  seien.  Der  Wegweisungsvollzug  widerspreche  ausserdem  dem  Kindeswohl.  Insgesamt  sei  auch  von  der  fehlenden  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs auszugehen.  Der  Eingabe  lagen  nebst  einer  Kopie  der  angefochtenen  Verfügung  Kopien  einer  E­Mail  zwischen  zwei  Anwältinnen,  einer  E­Mail  des  Migrationsdienstes  des  Kantons  H._______,  einer  Auskunft  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  5.  Oktober  2010  über  die  montenegrinische  Staatsbürgerschaft,  einer  Hintergrundinformation  der  SFH über gemischt ethnische und binationale Familien in Ex­Jugoslawien  vom Januar 2007 und eines undatierten sowie nicht in einer Amtssprache  verfassten Schreibens der Beschwerdeführerin bei. D.  Die  vorinstanzlichen  Akten  trafen  am  12.  Oktober  2010  beim  Bundesverwaltungsgericht ein. E.  Mit  Verfügung  vom  15.  Oktober  2010  teilte  der  zuständige  Instruktionsrichter der Beschwerdeführerin mit, sie und ihr Sohn könnten  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Er  forderte  die  Beschwerdeführerin  auf,  innert  angesetzter  Frist  das  fremdsprachige  Beweismittel  in  eine  Amtssprache  übersetzt  nachzureichen.  Den  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  verschob  er  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. F.  Mit  Anfrage  vom  15.  Oktober  2010  ersuchte  das  Bundesverwaltungsgericht das BFM um Zusendung der Originale der  im  erstinstanzlichen  Verfahren  eingereichten  Beweismittel  sowie  deren  Übersetzungen.  In  der  Folge  wurde  das  gesamte  Dossier  dem  Bundesverwaltungsgericht zugestellt. 

D­7315/2010 G.  Mit  Eingabe  vom  25.  Oktober  2010  teilte  die  Beschwerdeführerin  mit,  dass  sie  das  ihr  retournierte  Schreiben  nicht  übersetzen  lassen  könne,  weshalb darauf  zu  verzichten  sei.  Zudem wurde geltend gemacht,  dass  vor Gericht eine falsche Angabe über den Wohnsitz in Montenegro erfolgt  sei,  um  eine  Sorgerechtsübergabe  an  den  Vater  des  Kindes  zu  verhindern,  da  die  Beschwerdeführerin  im  Heimatland  weder  über  eine  feste  Adresse  noch  über  ein  regelmässiges  Einkommen  verfügt  habe,  was  für  den  Erhalt  des  Sorgerechts  von  Bedeutung  gewesen  sei.  Der  Eingabe  lag  die  Kopie  einer  E­Mail  zwischen  den  beiden  für  die  Beschwerdeführerin tätigen Anwältinnen bei. H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  24.  November  2010  ersuchte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  zuständigen  kantonalen  Behörden  um  Einsicht  in  die  kantonalen  Akten  und  um  Beantwortung  verschiedener  Fragen.  I.  Mit Eingabe vom 1. Dezember 2010 gewährten die kantonalen Behörden  Einsicht in die kantonalen Akten.    Und zieht in Erwägung: 1.1.  Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

D­7315/2010 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen  – einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Die  Beschwerdeführerin  machte  in  formeller  Hinsicht  geltend,  das  BFM habe das rechtliche Gehör verletzt, indem es die geltend gemachten  Probleme  im  Zusammenhang  mit  der  Anmeldung  des  Sohnes  für  vorschulische  Einrichtungen  und  im  Zusammenhang  mit  der  Erlangung  des montenegrinischen Bürgerrechts nicht näher abgeklärt habe. Es hätte  in diesem Zusammenhang Abklärungen vor Ort durchführen müssen.  4.2. Diese verfahrensrechtliche Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls  geeignet  wäre,  eine  Kassation  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu  bewirken  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und 1994 Nr. 1; FRITZ GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233 mit weiteren  Hinweisen,  S.  287  und  297;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, S. 225 mit weiteren Hinweisen). 4.3.  Aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 

D­7315/2010 1999  [BV;  SR  101];  Art.  29  ff.  VwVG  i.V.m.  Art.  6  und  Art.  29  AsylG)  ergibt sich, dass Asylsuchende zu ihren Asylgründen anzuhören sind und  ihnen das Recht zur Äusserung und Anhörung (vgl. Art. 30 Abs. 1 VwVG)  sowie die Möglichkeit, Einfluss  auf  die Ermittlung des  rechtserheblichen  Sachverhalts zu gewähren ist. 4.4. Wie den nachfolgenden Erwägungen entnommen werden kann, sind  die  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  betreffend  Erlangung  der  Staatsangehörigkeit und Einschulung ihres Sohnes nicht als glaubhaft zu  erachten.  Unter  diesen  Umständen  war  das  BFM  nicht  verpflichtet,  Abklärungen  vor  Ort  durchzuführen.  Eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  aus  den  erwähnten Gründen  liegt  somit  nicht  vor.  Folglich  sind  die  formellen  Einwände  der  Beschwerdeführerin  ungerechtfertigt,  weshalb eine Kassation nicht in Frage kommt. 5.  Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen  (Art. 32­35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz  grundsätzlich auf  die Frage beschränkt,  ob die Vorinstanz  zu Recht auf  das Asylgesuch nicht eingetreten  ist. Sofern die Beschwerdeinstanz den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet,  enthält  sie  sich  demzufolge einer selbständigen materiellen Prüfung. Stattdessen hebt sie  den angefochtenen Nichteintretensentscheid auf und weist die Sache zur  neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. Entscheidungen und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 34 E. 21 S. 240 f.). In der Frage der Wegweisung und des Vollzugs ist  die  Beurteilungszuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  indessen  nicht  beschränkt, weil  sich  das BFM diesbezüglich materiell  zu  äussern  hatte  (vgl.  Art.  44  AsylG  i.V.m.  Art.  83  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]). 6.  6.1.  Gemäss  Art.  34  Abs.  1  AsylG  wird  auf  Gesuche  von  Asylsuchenden  aus  verfolgungssicheren  Staaten  nach  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  (sogenannte  Safe­Country­Regelung)  nicht  eingetreten,  ausser es gebe Hinweise auf eine Verfolgung.

D­7315/2010 6.2.  Praxisgemäss  kommt  bei  Art.  34  Abs.  1  AsylG  derselbe  weite  Verfolgungsbegriff zur Anwendung wie bei den Art. 18, Art. 33 Abs. 3  Bst. b und Art. 35 AsylG (zu den beiden erstgenannten Bestimmungen  vgl.  EMARK  2004  Nr.  35  E.  4.3  S.  247).  Dieser  weite  Verfolgungs­ begriff  umfasst  nicht  bloss  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG,  sondern  auch  die  von  Menschenhand  verursachten  Wegweisungshindernisse  im  Sinne  von  Art.  44  Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art. 83 Abs.  3  und 4 AuG  (vgl. EMARK 2004 Nr.  5 E.  4c.aa S.  35  f.,  2004 Nr. 35 E. 4.3 S. 247). Ausserdem ist dabei ein im Vergleich zum  – bereits erleichterten – Beweismass des Glaubhaftmachens nochmals  reduzierter  Massstab  anzuwenden:  Sobald  sich  aus  den  Akten  Hinweise  auf  Verfolgung  ergeben,  deren  Unglaubhaftigkeit  nicht  bereits  auf  den  ersten  Blick  erkannt  werden  kann,  muss  auch  bei  Asylsuchenden  aus  verfolgungssicheren  Staaten  einlässlich  geprüft  werden,  ob  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 2 E. 4.3 S. 16 f.). 7.  7.1.  Die  Vorinstanz  stellte  in  zutreffender  Weise  fest,  dass  die  Vorbringen der Beschwerdeführerin  bezüglich  der  geltend gemachten  Probleme mit ihrem Sohn nicht als glaubhaft zu erachten sind, wie die  nachfolgenden  Erwägungen  zeigen.  So  legte  die  Beschwerdeführerin  dar,  sie  sei  montenegrinische  Staatsangehörige,  ihr  Sohn  indessen  habe  die  serbische  beziehungsweise  keine  Staatsangehörigkeit.  Da  die  Beschwerdeführerin  indessen  zwei  montenegrinische  Reisepässe  – für  sich  und  ihren  Sohn  –  zu  den  Akten  reichte  und  aussagte,  sie  seien  mit  echten  Reisepässen  legal  aus  Montenegro  in  die  Schweiz  gereist  (vgl.  Akte  A2/9  S.  4),  ist  anzunehmen,  sie  habe  zwei  echte  Reisepässe zu den Akten gereicht. Unter diesen Umständen ist davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Sohn  beide  die  montenegrinische Staatsangehörigkeit besitzen, da sie andernfalls die  – gemäss den Aussagen der Beschwerdeführerin echten – Reisepässe  nicht erhalten hätten. 7.2. Ihr Einwand, sie habe die Reisepässe nur gegen Bestechungsgeld  erhalten  beziehungsweise  erschlichen,  vermag  aufgrund  der  zahlreichen Ungereimtheiten in ihren Aussagen nicht zu überzeugen. 7.2.1. So sagte sie aus, sie habe die Reisepässe ausstellen lassen, um  in  die Schweiz  zu  reisen  (Akte A2/9 S.  3  und 5). Der Sohn habe nur 

D­7315/2010 einen vorübergehenden Reisepass bekommen, um hierher zu kommen  (Akte A2/9 S. 6). Diesen Reisepass könne man nicht überall benützen;  vielmehr  nur  dann,  wenn  man  in  einem  Bus  reise.  Ausserdem  habe  man ihm den Pass nur für die Einreise in die Schweiz gegeben; er sei  nun nicht mehr gültig  (Akte A6/12 S. 7). Diese Aussagen  lassen sich  indessen  nicht  mit  den  im  Reisepass  enthaltenen  Angaben  vereinbaren.  Beide  Reisepässe  wurden  am  12.  August  2009  in  C._______  in Montenegro  ausgestellt  und  sind während  zehn  Jahren  gültig. Die Beschwerdeführerin will Montenegro gemäss ihren Angaben  indessen erst im August 2010 verlassen haben, mithin ein Jahr später.  Wäre  der  Reisepass  des  Sohnes  tatsächlich  nur  für  die  Reise  in  die  Schweiz  ausgestellt  worden,  wäre  er  nicht  mit  einer  zehnjährigen  Gültigkeitsdauer  ausgestattet  worden.  Zudem  hätte  mit  der  Ausreise  nicht ein  Jahr  seit  der Ausstellung des Reisepasses gewartet werden  können. 7.2.2.  Ihre Angabe, man habe damit nur  in einem Bus  reisen können,  entbehrt ferner jeder Grundlage. 7.2.3.  Auch  die  in  den  Reisepässen  vorhandenen  Ausreisestempel  sprechen  dagegen,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Sohn  Montenegro mit  erschlichenen Reisepässen  verlassen  haben.  Im Fall  einer  kontrollierten  Ausreise  muss  die  Prüfung  der  Echtheit  des  Reisepasses am Grenzübergang  in Kauf genommen werden, weshalb  die Beschwerdeführerin – wären die Reisepässe erschlichen worden –  mit  der  Aufdeckung  der  Täuschung  hätte  rechnen  müssen.  Unter  diesen  Umständen  wäre  sie  nicht  das  Risiko  eingegangen,  erst  ein  Jahr  nach  Ausstellung  von  erschlichenen  Reisepässen  die  Ausreise  anzutreten,  zumal  ein  allfälliger  Schwindel  bei  der  Ausstellung  der  Reisepässe  unter  diesen  Umständen  mit  an  Sicherheit  grenzender  Wahrscheinlichkeit  entdeckt worden wäre, was  ihre Ausreise  vereitelt  hätte.  Vielmehr  hätte  sie  nach  der  Ausstellung  der  Reisepässe  auf  dem schnellsten Weg mit  ihrem Sohn Montenegro verlassen, was sie  indessen nicht tat. 7.2.4. Folglich kann der Beschwerdeführerin nicht geglaubt werden, sie  habe  für  ihren  Sohn  gegen  Bestechungsgeld  einen  Reisepass  erschlichen, um in die Schweiz reisen zu können. Vielmehr ist aus der  Ausstellung  des montenegrinischen Reisepasses  für  ihren  Sohn    der  Schluss  zu  ziehen,  dieser  sei  im  Besitz  der  montenegrinischen  Staatsangehörigkeit. 

D­7315/2010 7.3.  Infolgedessen  kann  der  Beschwerdeführerin  nicht  geglaubt  werden, sie habe in Montenegro ihren Sohn nicht  in den Kindergarten  schicken und krankenversichern können, weil er die montenegrinische  Staatsangehörigkeit nicht besitze. An dieser Schlussfolgerung vermag  die  eingereichte  Bestätigung  der  Ortskanzlei  der  Gemeinde  C._______, wonach der Sohn den Kindergarten nicht besuchen könne,  weil  er  in  der  Schweiz  geboren  und  nicht  im  Geburtsregister  eingetragen  sei,  nichts  zu  ändern.  Einerseits  liegt  diese  Bestätigung  nur  als  Faxkopie  vor  und  weist  schon  deshalb  einen  sehr  geringen  Beweiswert  auf,  da  kopierte  Beweismittel  leicht  manipulierbar  sind.  Zudem sprechen das fehlende Ausstellungsdatum auf der Bestätigung  sowie  die  schlechte  Qualität  des  Stempels  gegen  die  Echtheit  des  Dokumentes,  welche  indessen  aufgrund  der  Tatsache,  dass  das  Original  fehlt,  nicht  abschliessend  beurteilt  werden  kann.  Indessen  vermag  die  zweifelhafte  Kopie  des  Beweismittels  die  Aussagen  der  Beschwerdeführerin,  welche  –  wie  bereits  erwähnt  –  aus  andern  Gründen als unglaubhaft zu qualifizieren sind, nicht zu stützen. 7.4.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  auch  die  im  Beschwerdeverfahren  zu  den  Akten  gereichten  und  von  der  SFH  ausgestellten  Beweismittel  nichts  zu  ändern.  Das  von  der  montenegrinischen  Staatsbürgerschaft  handelnde  Dokument  vom  5. Oktober  2010  schliesst  nicht  aus,  dass  der  Sohn  der  Beschwerdeführerin die doppelte Staatsbürgerschaft – nämlich die von  Serbien  aufgrund  seines  Vaters  und  die  von  Montenegro  aufgrund  seiner Mutter – haben kann.  Indem der Sohn der Beschwerdeführerin  einen montenegrinischen Reisepass erhalten hat, steht – aufgrund der  obenstehenden  Ausführungen  –  fest,  dass  er  die  montenegrinische  Staatsangehörigkeit  besitzt,  was  vorliegend  von  Interesse  ist.  Ob  er  auch  im  Besitz  der  serbischen  Staatsangehörigkeit  ist,  kann  offen  bleiben, weil dies für die vorliegende Beurteilung nicht von Bedeutung  ist.  Da  die  übrigen  Fragen,  welche  dieses  Schreiben  zu  klären  versucht, ein Kind, das die montenegrinische Staatsangehörigkeit nicht  besitzt, betreffen, sind sie vorliegend nicht von Belang. Ähnlich verhält  es sich mit dem von der SFH verfassten Dokument über die gemischt  ethnischen  und  binationalen  Familien  in  Ex­Jugoslawien  vom  Januar  2007. Jedenfalls schliesst dieses Dokument nicht aus, dass der in der  Schweiz geborene Sohn der Beschwerdeführerin die montenegrinische  Staatsangehörigkeit  erlangen  kann.  Vorliegend  ist  –  aufgrund  des  montenegrinischen  Reisepasses  –  davon  auszugehen,  dass  die  im  Dokument aufgezeigten Schritte zur Erlangung der montenegrinischen 

D­7315/2010 Staatsangehörigkeit  (wie  beispielsweise  der  Eintrag  im  Geburtsre­ gister)  bereits  erfolgt  sind,  auch  wenn  die  Beschwerdeführerin  das  Gegenteil behauptet, da ansonsten der Reisepass  für den Sohn nicht  hätte ausgestellt werden können.  7.5. Wie  das BFM  zudem  zutreffend  ausführte,  kann  die  Behauptung  der  Beschwerdeführerin,  sie  sei  von  den  Behörden  in  Montenegro  nicht  unterstützt  worden,  in  dieser  pauschalen  Weise  nicht  geglaubt  werden. 7.5.1. Diesbezüglich reichte sie eine Bestätigung des Sozialamtes der  Gemeinde C._______ vom 3. September 2010 ein, wonach sie  keine  Sozialhilfe  beziehe.  Indessen  kann  aus  dieser  Angabe  nicht  der  Schluss gezogen werden, die Gemeinde C._______ habe ihr während  ihres  gesamten  Aufenthaltes  in  Montenegro  rechtswidrig  keine  finanzielle Unterstützung gewährt. Vielmehr  lässt  sich dem Dokument  nicht  entnehmen,  aus  welchen  Gründen  sie  keine  Sozialhilfe  in  Anspruch  nahm.  Insofern  kann  mit  diesem  Dokument  nicht  belegt  werden, dass sie von den Sozialbehörden  im   Stich gelassen worden  sei, wie sie behauptete. Das Dokument sagt nichts darüber aus, ob sie  auf  Sozialhilfeleistungen  verzichtete,  gar  keine  beantragte,  aufgrund  anderer Unterstützung oder  infolge  ihrer  inzwischen erfolgten Abreise  in  die  Schweiz  nicht  oder  nicht  mehr  zum  Bezug  einer  solchen  berechtigt  war.  Damit  ist  dieses  Beweismittel  untauglich,  den  vorgebrachten  Sachverhalt  zu  belegen.  Zudem  liegt  es  nur  als  Faxkopie vor, weshalb es auch einen geringen Beweiswert aufweist. 7.5.2.  Die  zu  den  Akten  gereichte  Bestätigung  eines  Anwaltes  vom  2. September  2010,  wonach  sie  vom  Ex­Ehemann  keine  Alimente  bekomme, und die Auskunft des Amtes  für Einkünfte vom 25. August  2006,  gemäss  welcher  sie  keine  Einkünfte  besitze,  lassen  per  se  ebenfalls nicht den Schluss zu, die Beschwerdeführerin habe von der  Gemeinde  C._______  keine  Unterstützung  erhalten.  Auch  wenn  die  Beschwerdeführerin  am  2.  September  2010  vom  geschiedenen  Ehe­ mann keine Alimente erhielt und am 25. August 2006 keine Einkünfte  erzielte,  schweigen  sich  die  Beweismittel  über  die  restliche  Zeit  aus.  Ob  sie  vor  beziehungsweise  nach  den  erwähnten  Daten  Alimente  und/oder  Einkünfte  erhalten  hatte,  bleibt  gestützt  auf  diese  Beweismittel  offen,  weshalb  auch  dieses  Beweismittel  nicht  als  beweistauglich betrachtet werden kann. Dass die Beschwerdeführerin  keine Alimente für sich erhielt, geht indessen aus dem Berufungsurteil 

D­7315/2010 hervor. Ob sie während ihres Aufenthaltes  in Montenegro je Einkünfte  erzielte, steht nicht fest. Ihre Aussage, sie habe bei einem Ehepaar in  C._______ gegen Kost und Logis gewohnt und sonst kein Einkommen  erwirtschaftet,  vermag  schon  deshalb  nicht  zu  überzeugen,  weil  sie  gemäss  dem  eingereichten  Berufungsurteil  bei  ihren  Eltern  wohnte,  womit  ihre Aussage  über  den Wohnort  als  tatsachenwidrig  zu werten  ist (vgl. dazu Ziff. 6.5.4 dieses Urteils). Damit erscheint indessen auch  ihre Angabe, sie habe vom erwähnten Ehepaar ausser Kost und Logis  keinen Lohn erhalten, zweifelhaft.  7.5.3.  Aus  der  eingereichten  Kopie  der  Strafanzeige  gegen  ihren  geschiedenen  Ehemann  vom  25.  November  2008  ist  zu  schliessen,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  C._______  gegen  ihren  Ehemann  Strafanzeige erstatten konnte, weil er den Kinderunterhalt nicht – wie  im Scheidungsurteil festgehalten – entrichtete. Aus dem – ebenfalls  in  Montenegro erlangten – Berufungsurteil vom 1. April 2010 geht zudem  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Möglichkeit  wahrnehmen  konnte,  gegen  das  Scheidungsurteil  Berufung  einzulegen.  Auch  das  Berufungsurteil  verpflichtet  den  geschiedenen  Ehemann  zu  Unterhaltszahlungen. Wie das BFM zutreffend ausführte, zeigen diese  Dokumente,  dass  die  Behörden  in  Montenegro  der  Beschwerdeführerin  durchaus  die Möglichkeit  gewährten,  im Rahmen  der  gesetzlichen  Möglichkeiten  die  Unterhaltszahlungen  durch  den  geschiedenen  Ehemann  einzufordern.  Zudem  legte  die  Beschwerdeführerin  dar,  man  habe  sich  in  Montenegro  bemüht,  Kontakt  mit  dem  geschiedenen  Ehemann  aufzunehmen,  was  aber  erfolglos  geblieben  sei,  und  bei  seiner  Einreise  in  Montenegro  sei  dieser  verhaftet  worden  (Akte  A2/9  S.  5).  Von  einer  unterlassenen  Hilfeleistung  in der von  ihr pauschal vorgetragenen Weise kann unter  diesen  Umständen  nicht  die  Rede  sein.  Dass  der  montenegrinische  Staat  der  Meinung  ist,  der  Vater  des  Kindes  müsse  Unterhaltszahlungen  leisten  und  nicht  die  Behörden,  erscheint  nachvollziehbar  und  kann  unter  diesen  Umständen  nicht  als  unterlassene Hilfeleistung gesehen werden.  7.5.4. Das Berufungsurteil stellte überdies fest, die Beschwerdeführerin  sei – unbestrittenermassen –  im Haus bei  ihren Eltern wohnhaft,  jung  und  gesund,  weshalb  sie  die  notwendigen  Mittel  zur  Existenz  selber  verdienen  könne.  Demgegenüber  sagte  die  Beschwerdeführerin  aus,  sie habe seit ihrer Heirat mit ihrer Familie gebrochen und pflege keine  Beziehung mehr zu ihr. Sie sei für ihre Familie wie tot. Die Angabe im 

D­7315/2010 Urteil  sei  falsch,  denn  sie  habe  bei  einem  Ehepaar  in  C._______  gewohnt.  Dies  kann  ihr  indessen  nicht  geglaubt  werden,  zumal  das  Gericht  klar  und  eindeutig  feststellt,  dieser  Sachverhalt  sei  unbestritten.  Hätte  die  Beschwerdeführerin  nicht  –  wie  im  Urteil  festgehalten  –  bei  ihren  Eltern  gelebt,  würde  dies  im  Urteil  zum  Ausdruck  kommen.  Ihr  Einwand  in  der  Beschwerde,  sie  habe  ihr  Elternhaus als Wohnort angeben müssen, um das Sorgerecht für ihren  Sohn  zu  bekommen,  weil  sie  ohne  feste  Adresse  und  ohne  Einkommen  sonst  diesbezüglich  Schwierigkeiten  bekommen  hätte,  vermag nicht  zu überzeugen, zumal davon auszugehen  ist, dass sich  das Gericht von der Richtigkeit dieser  Informationen überzeugt haben  dürfte. Zudem musste die behördliche Korrespondenz an eine Adresse  gerichtet werden, was ohne festen Wohnort gar nicht möglich ist. Es ist  deshalb  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  während  ihres Aufenthaltes in Montenegro – entgegen ihren Angaben – im Kreis  ihrer Familie lebte und von dieser auch unterstützt wurde. Ihr Einwand,  auch die Angabe über den Wohnsitz der Eltern  im Berufungsurteil sei  unkorrekt,  da  diese  entgegen  der  Angaben  im  Urteil  nicht  in  C._______,  sondern  in  I._______  lebten,  vermag  ebenfalls  nicht  zu  überzeugen. Im Urteil ist nämlich auch zu lesen, dass I._______ in der  Gemeinde  C._______  liegt,  weshalb  offensichtlich  keine  falsche,  sondern  höchstens  eine  ungenaue  Bezeichnung  vorliegt.  Bezeichnenderweise blieb sie jeden Beweis für einen andern Wohnsitz  als  denjenigen  bei  ihren  Eltern  schuldig.  An  dieser  Einschätzung  vermöchte eine allfällige Bestätigung durch  ihre  in J._______  lebende  Schwester  nichts  zu  ändern,  da  es  sich  um eine Gefälligkeit  handeln  würde,  deren  Beweiswert  als  äusserst  niedrig  zu  sehen  wäre  und  somit die unglaubhaften Angaben nicht umzustossen vermöchte.  7.6.  Insgesamt  sind  somit  die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  nicht  überzeugend. Weder  kann  ihr  geglaubt  werden,  ihr  Sohn  besitze  die  montenegrinische  Staatsbürgerschaft  nicht,  noch  erscheinen  ihre  Aussagen über die Nichtzulassung des Sohnes zum Kindergarten und  über  die  fehlende  Unterstützung  in  der  Gemeinde,  in  welcher  sie  wohnhaft war, als glaubhaft. Ebenso wenig kann  ihr geglaubt werden,  dass  sie  während  ihres  Aufenthaltes  in  Montenegro  zu  ihren  Angehörigen keinen Kontakt hatte, von diesen nicht unterstützt wurde  und – bloss gegen Kost und Logis – bei einem Ehepaar  lebte.  Infolge  der  unglaubhaften  Angaben  und  aufgrund  der  lückenhaften  und  punktuellen  Dokumentation  über  den  Erhalt  von  Sozialhilfe  kann  deshalb  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  der  montenegrinische 

D­7315/2010 Staat  aus  anderen,  von  der  Beschwerdeführerin  verschwiegenen  Gründen  keine  Sozialhilfe  leistete,  beispielsweise  weil  die  Beschwerdeführerin von  ihrer Familie unterstützt wurde, oder dass zu  einem andern Zeitpunkt, als aus den eingereichten Beweismittelkopien  ersichtlich ist, Unterstützungsleistungen entrichtet wurden. 7.7.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  vorgebrachten  Verfolgungsgründe sind somit, wie die Vorinstanz zu Recht ausführte,  als haltlos zu bezeichnen. 7.7.1. An dieser Einschätzung vermag der Einwand in der Beschwerde,  die  Vorinstanz  habe  nicht  die  gemäss  Rechtsprechung  festgelegte  Definition  von  "Hinweisen  auf  Verfolgung"  verwendet,  nichts  zu  ändern, auch wenn das BFM nicht  im Detail ausführte, wie es diesen  Begriff verstanden haben wollte. Es versteht sich von selbst, dass sich  die  als  unglaubhaft  festgestellten  Angaben  auf  den  weiten  Verfolgungsbegriff  beziehen,  womit  –  wie  nachfolgend  aufzuzeigen  sein wird – auch allfällige Wegweisungshindernisse gemeint sind.  7.8.  Aus  den  unglaubhaften  Angaben  der  Beschwerdeführerin  ist  zu  schliessen,  dass  sie  ihre  Situation  in  Montenegro  stark  übersteigert  dargestellt  hat.  Es mag  zwar  sein,  dass  der  Lebensstandard  in  diesem  Land  nicht  demjenigen  der  Schweiz  entspricht,  was  beispielsweise  in  sozialen Bereichen zum Ausdruck kommen kann. So ist es denkbar, dass  es  schwierig  ist,  als  geschiedene und alleinerziehende Frau eine Arbeit  zu  finden.  Auch  ist  es möglich,  dass  die Krankenkassen weniger  guten  Zugang  zu  medizinischen  Leistungen  ermöglichen  und  die  Sozialleistungen  allgemein  viel  tiefer  ausfallen  als  in  der  Schweiz.  Wie  das BFM in der angefochtenen Verfügung indessen zutreffend feststellte,  sind  diese  Faktoren,  auch  wenn  sie  sich  für  die  Betroffenen  nachteilig  auswirken,  nicht  als  Hinweise  auf  eine  asylrelevante  Verfolgung  zu  sehen,  weil  sie  auf  die  allgemeinen  politischen,  wirtschaftlichen  oder  sozialen Lebensbedingungen in Montenegro zurückzuführen sind. 7.9. Zusammenfassend  ist  festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage  keine  Hinweise  auf  eine  Verfolgung  vorliegen,  welche  nicht  auf  den  ersten  Blick  als  haltlos  erkennbar  wären.  Somit  gelingt  es  der  Beschwerdeführerin  nicht,  die  Vermutung  fehlender  Verfolgung  in  ihrem Heimatland zu widerlegen. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich,  auf die weiteren Vorbringen  in der Beschwerde und die eingereichten  Beweismittel näher einzugehen, da sie an dieser Einschätzung nichts 

D­7315/2010 zu  ändern  vermögen.  Die  Vorinstanz  ist  demnach  zu  Recht  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  1  AsylG  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Sohnes  nicht  eingetreten. 8.  8.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht  ein, so verfügt es  in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und  ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der  Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2. Die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Kind  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  (siehe  dazu  die  nachfolgenden  Erwägungen  9.1.).  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 9.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 9.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs.  3  AuG).  So  darf  keine  Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art.  5  Abs.  1  AsylG;  vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR  0.142.30]).  Gemäss  Art.  25  Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105) und der Praxis  zu Art.  3 der Konvention  vom 4. November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK, 

D­7315/2010 SR  0.101)  darf  niemand  in  einen  Staat  ausgeschafft  werden,  in  dem  ihm  Folter  oder  eine  andere  Art  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe oder Behandlung droht. Unter  Berücksichtigung  der  vorgenannten  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  im  vorliegenden Fall als zulässig zu erachten. Der Beschwerdeführerin ist  es  nicht  gelungen,  Hinweise  auf  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  oder  auf  eine  Verfolgung  glaubhaft  zu machen,  weshalb  das  in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­ Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  konkrete  und  glaubhafte  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  und  ihr  Kind  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Montenegro  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen Gerichtshofes  für Menschenrechte  (EGMR) sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass  ihr  und  ihrem  Sohn  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S.  122,  mit  weiteren  Hinweisen).  Aufgrund  der  Akten  sowie  der  vorstehenden  Erwägungen  im Nichteintretenspunkt  ist  indessen  nicht  davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin und  ihrem Sohn  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Montenegro  eine  derartige  Gefahr  droht.  Die  allgemeine  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  in  Montenegro  lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht  als unzulässig erscheinen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  auch  das  Vorliegen  eines  aus  Art.  8  EMRK  fliessenden  Anspruchs  der  Beschwerdeführerin  oder  ihres  Sohnes  zu  verneinen,  da  sie  mit  ihrem  geschiedenen  Ehemann  beziehungsweise Vater,  der mit  einem gefestigten Aufenthaltsrecht  in  der  Schweiz  lebt,  nicht  in  einem  tatsächlich  gelebten  Familienverhältnis  sind  und  dieser  gemäss  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  kein  Interesse an  seinem Sohn  zeigt. Damit  sind  die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Garantie von Art. 8  EMRK zu verneinen (vgl. hierzu etwa EGMR, K. und T. gegen Finnland  [Grosse Kammer], Urteil vom 12. Juli 2001, Beschwerde Nr. 25702/94,  §  150),  weshalb  sich  die  Beschwerdeführenden  nicht  auf  diese 

D­7315/2010 Bestimmung  berufen  können.  Zudem  steht  es  den  Beschwerdeführenden  frei,  den  Kontakt  zum  Vater  des  Kindes  im  Rahmen eines allfälligen Besuchsrechts in Montenegro zu pflegen.  Des Weiteren  spricht  der  Vollzug  der Wegweisung  auch  nicht  gegen  das im Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des  Kindes  (SR 0.107)  festgehaltenen Kindeswohl,  zumal  das Sorgerecht  der  Beschwerdeführerin  zugesprochen  wurde  und  –  wie  den  vorausgehenden Erwägungen entnommen werden kann – die geltend  gemachten Ausreisegründe nicht als glaubhaft zu erachten sind. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen  zulässig.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  die  vom  Migrationsamt  dem  Bundesverwaltungsgericht  zugestellten  ausländerrechtlichen  Akten  nichts  zu  ändern.  Weil  die  dem  Migrationsamt  gestellten  Fragen  unbeantwortet blieben und die zugestellten Akten  für das vorliegende  Verfahren irrelevant sind, fanden sie im Verfahren keine Verwendung. 9.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.  Wird  eine  konkrete Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von  Art.  83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 9.2.1. Hinsichtlich der Beurteilung der allgemeinen Lage in Montenegro  ist  festzuhalten,  dass  in  diesem  Land  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  besteht  und  die  dortige  politische  Lage  eine Rückführung  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Sohnes  nicht  generell  als  unzumutbar  erscheinen  lässt.  Dies  kommt  auch  darin  zum  Ausdruck,  dass  Montenegro als "safe country" gilt.  9.2.2. Ferner  liegen auch keine individuellen Wegweisungshindernisse  vor.  Wie  das  BFM  zu  Recht  in  der  angefochtenen  Verfügung  festgestellt  hat,  sind  die  geltend  gemachten  Ausreisegründe  nicht  glaubhaft, was vom Bundesverwaltungsgericht zu bestätigen ist. Es ist  davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin und ihr Sohn vor der  Reise  in  die  Schweiz  bei  ihren  Eltern  beziehungsweise  Grosseltern 

D­7315/2010 und  weiteren  Verwandten  lebten  und  von  ihnen  unterstützt  wurden,  weshalb  sie bei  ihrer Rückkehr auf  ein Beziehungsnetz  zurückgreifen  können  und  erneut  mit  einer  Unterstützung  durch  die  Angehörigen  rechnen  können.  Gesundheitliche  Beschwerden  der  Beschwerdeführerin  können  den Akten  nicht  entnommen werden  und  diejenigen des Sohnes – Allergien und Bronchitis – konnten bereits im  Heimatland behandelt werden. Allein eine allfällige Beteiligung an den  Kosten  von medizinischen  Leistungen  lässt  den Wegweisungsvollzug  nicht  als  unzumutbar  erscheinen,  zumal  dies  alle  in  Montenegro  lebenden  Einwohner  betrifft.  Zudem  kann  die  Beschwerdeführerin  auch diesbezüglich auf die Unterstützung  ihrer Familie zählen. Ferner  ist  die  Beschwerdeführerin  jung  und  kann  sich  um  eine  Arbeitsstelle  bemühen, um wenigstens einen Teil ihres Lebensunterhaltes selber zu  verdienen.  Die  Wahrscheinlichkeit,  dass  sie  und  ihr  Sohn  bei  einer  Rückkehr  nach  Montenegro  in  eine  existenzielle  Notlage  geraten  werden,  erscheint  unter  diesen  Umständen  als  äusserst  gering.  Aufgrund  der  unglaubhaften Aussagen  ist  zudem davon  auszugehen,  dass  der  Sohn  entsprechend  seinem  Alter  und  seinen  Fähigkeiten  eingeschult  werden  kann.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist  daher  insgesamt als zumutbar zu erachten. 9.3.  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen  ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  der  von  der  Vorinstanz  verfügte  Wegweisungsvollzug  in  Übereinstimmung  mit  den  zu  beachtenden  Bestimmungen  steht  und  zu  bestätigen  ist.  Eine  Anordnung der  vorläufigen Aufnahme  fällt  damit  ausser Betracht. Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 10.  Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Zudem wurde  das  rechtliche  Gehör  –  entgegen  den  Vorbringen  in  der  Beschwerdeschrift – nicht verletzt. Auf den Antrag, die Rechtsvertretung  sei  von  Amtes  wegen  betreffend  Geltendmachung  von  Kinderunterhaltsbeiträgen  durch  den  geschiedenen  Ehemann  zu 

D­7315/2010 konsultieren, ist nicht einzutreten, da es sich nicht um eine Rechtsmaterie  handelt, welche das Asylverfahren betrifft.  11.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art.  65 Abs.  1 VwVG abzuweisen  und  die  Kosten  für  das  Beschwerdeverfahren  in  der  Höhe  von  Fr. 600.—sind  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG;  Art.  16 Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  2  und  3  des Reglements  vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nachfolgende Seite)

D­7315/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand:

D-7315/2010 — Bundesverwaltungsgericht 19.04.2011 D-7315/2010 — Swissrulings