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Bundesverwaltungsgericht 18.01.2012 D-6983/2011

18 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,271 mots·~6 min·1

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 31. Oktober 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6983/2011 law/rep/sps Urteil   v om   1 8 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, c/o schweizerische Vertretung in Khartum,  Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 31. Oktober 2011 / N (…).

D­6983/2011 Sachverhalt: A.  Mit  der  schweizerischen  Botschaft  in  Khartum  am  20. Dezember  2010  zugegangener  Eingabe  beantragte  der  Beschwerdeführer  sinngemäss,  es  sei  ihm  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung  eines  Asylverfahrens zu bewilligen. B.  Mit  Schreiben  vom  4. Februar  2011  teilte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit,  dass  gemäss  Art.  20  Abs.  2  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  das  BFM  Asylsuchenden  für  weitere  Abklärungen  zu  den  Asylgründen  die  Einreise  in  die  Schweiz  bewilligen  könne,  falls  es  diesen  nicht  zugemutet  werden  könne,  im  Drittstaat  (hier:  Sudan)  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  weiterzureisen.  Gemäss  aktueller  Entscheidpraxis  würden  solche  Einreisebewilligungen  sehr  restriktiv  gehandhabt.  Eine  Einreisebewilligung  in  die  Schweiz  setze  zunächst  (im  Sinne  einer  Vorbedingung) eine akute und schwere Gefährdung von Leib und Leben  des Asylsuchenden voraus. Weitere Faktoren bei der Prüfung der Frage  einer  Einreisebewilligung  seien  die  Schutzmöglichkeiten  im  gegenwärtigen Drittland  (hier: Sudan), die Beziehungsnähe zur Schweiz  und die zu erwartende Integration in der Schweiz. Da der UNHCR (United  Nations High Commissioner for Refugees) alle Eritreer (recte: Äthiopier),  die im Sudan Zuflucht suchten, ungeachtet  ihrer Fluchtgründe registriere  und  einem  Flüchtlingslager  zuweise,  und  sich  zusammen  mit  den  sudanesischen  Behörden  um  die  Grundversorgung  kümmere,  erachte  das  BFM  den  Verbleib  von  Schutzsuchenden  im  Sudan  als  zumutbar,  weshalb  es  entsprechende  Asylgesuche  in  der  Regel  ablehne.  Diese  Praxis  des  BFM  sei  durch  die  höchstrichterliche  Rechtsprechung  der  Schweiz  in  Asylangelegenheiten,  also  durch  das  Bundesverwaltungsgericht,  bestätigt  worden,  das  etwa  im  Urteil  D­ 2047/2010 vom 29. April 2010  festgehalten habe, dass die betreffenden  Personen  im  Sudan  nicht  unüberwindbaren  Schwierigkeiten  gegenüberstünden  und  aufgrund  des  vom  UNHCR  und  den  sudanesischen  Behörden  garantierten  Schutzes  ein  dortiger  Verbleib  erwartet  werden  könne.  Die  Erfolgsaussichten  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  seien  auch  im  vorliegenden Fall  gering. Gleichzeitig  räumte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Gelegenheit  ein,  sich  bis  zum  4. März  2011  zur  Frage  zu  äussern,  ob  er  an  seinem  Asylgesuch  festhalten wolle oder nicht.

D­6983/2011 C.  Mit  Eingabe  vom  3. März  2011  (Posteingang  Botschaft)  hielt  der  Beschwerdeführer an seinem Asylgesuch fest. D.  Mit  Schreiben  vom  6. Juni  2011  teilte  das  BFM  dem Beschwerdeführer  mit,  dass  gemäss  Mitteilung  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartum  vom  23. März 2010 eine Befragung vor Ort aufgrund des starken Anstiegs der  Asylgesuche,  des  begrenzten  Personalbestandes  sowie  fehlender  Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht  mehr möglich sei. Gleichzeitig ersuchte das BFM den Beschwerdeführer  zur  Vervollständigung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  um  Beantwortung  konkreter  Fragen  zu  dessen  Aufenthalt  in  Äthiopien,  zu  Familienangehörigen und Verwandten in Drittstaaten und zum Aufenthalt  im Sudan. Zudem wurde ihm die Mitteilung der Schweizer Botschaft vom  23. März 2010 ausgehändigt. E.  Mit Stellungnahme vom 2. Juli 2011 (Posteingang Botschaft: 3. Juli 2011)  beantwortete der Beschwerdeführer das Schreiben des BFM vom 6. Juni  2011.  Dabei  reichte  er  Kopien  seines  Flüchtlingsausweises,  eines  Empfehlungsschreibens  des  UNHCR  zugunsten  einer  medizinischen  Untersuchung,  einen  Diagnosebericht  und  die  Kostenabrechnung  einer  medizinischen Behandlung zu den Akten. F.  Der  Beschwerdeführer  machte  in  seinen  Eingaben  vom  20. Dezember  2010, 3. März 2011 und vom 2. Juli 2011  im Wesentlichen geltend, sein  Vater  sei  in  den  80­er  Jahren  von  Angehörigen  des  herrschenden  Mengistu­Regimes  im Rahmen einer Säuberungswelle  gegen Mitglieder  beziehungsweise  Sympathisanten  der  OLF  (Oromo  Liberation  Front)  erschossen worden.  In  der  Folge  habe  er  sich  im  Jahre  1986  der OLF  angeschlossen  und  sei  aktives  Mitglied  derselben  geworden.  Im  Jahre  1992 habe er während des Bürgerkrieges im Anschluss an den Sturz des  Mengistu­Regimes  Verletzungen  erlitten,  ohne  eine  medizinische  Behandlung  erhalten  zu  haben.  Noch  im  selben  Jahr  sei  er  wegen  Mitgliedschaft  bei  der OLF  im Militärgefängnis  von  B._______  inhaftiert  und  ein  Jahr  später  wieder  entlassen  worden.  Weil  er  auch  danach  in  Äthiopien  keinen  Frieden  gefunden  habe  und  ständiger  Beobachtung  durch die Sicherheitskräfte ausgesetzt gewesen sei, habe er Äthiopien in  den 90­er Jahren verlassen und sich in den Sudan begeben, wo er 1998 

D­6983/2011 als  Flüchtling  registriert  worden  sei,  indessen  nie  in  einem  Flüchtlingslager gelebt habe. Wiewohl er sowohl beim UNHCR als auch  der  COR  (Sudan  Commission  for  Refugees)  um  medizinische  Unterstützung  gebeten  habe,  habe  er  nie  solche  bekommen.  Einige  seiner  Kollegen,  welche  ebenfalls  OLF­Aktivisten  gewesen  seien  und  beim  UNHCR  und  bei  der  COR  um  Schutz  gebeten  hätten,  seien  trotzdem  nach  Äthiopien  deportiert  worden  und  dort  ums  Leben  gekommen.  Er  selber  fürchte  sich  ebenfalls  vor  einer  Deportation  nach  Äthiopien. G.  Mit Verfügung vom 31. Oktober 2011 – eröffnet am 24. November 2011 –  verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz  und  lehnte  dessen Asylgesuch  ab.  Zur  Begründung  führte  das BFM  im  Wesentlichen  aus,  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  liessen  darauf  schliessen,  dass  seine  Schwierigkeiten  mit  den  äthiopischen  Behörden  asylbeachtlich  sein  könnten.  Indessen  könne  aufgrund  des  vollständig  erstellten  Sachverhaltes  davon  ausgegangen  werden,  dass  keine  unmittelbare  Gefährdung  vorliege,  welche  eine  Einreise  des  Beschwerdeführers  in  die  Schweiz  als  notwendig  erscheinen  lasse.  Im  Folgenden sei zu prüfen, ob einer Asylgewährung durch die Schweiz der  Asylausschlussgrund  von Art.  52  Abs.  2  AsylG  entgegenstehe,  wonach  einer  Person  das  Asyl  verweigert  werden  könne,  wenn  ihr  zugemutet  werden könne, sich  in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen.  Der Beschwerdeführer habe sich eigenen Angaben zufolge beim UNHCR  im Sudan registrieren  lassen, den Flüchtlingsstatus erhalten, aber nie  in  einem  Flüchtlingslager  gelebt.  Die  zahlreichen  Flüchtlinge  im  Sudan  verfügten  nicht  über  ein  freies  Aufenthaltsrecht  für  das  ganze  Land,  sondern würden nach ihrer Registrierung einem Flüchtlingslager zugeteilt,  wo  sie  sich  aufzuhalten  hätten  und  die  nötige Versorgung  erhielten.  Es  sei dem Beschwerdeführer zuzumuten, sich zu diesem Zweck in das ihm  zugewiesene  Flüchtlingslager  zu  begeben.  In  diesem  Sinne  habe  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  entschieden,  für  somalische  Flüchtlinge  sei  der  Aufenthalt  in  äthiopischen  Flüchtlingslagern  grundsätzlich  zumutbar. Diese Schlussfolgerung müsse auch für Flüchtlinge  im Sudan  gelten, weil diese den gleichen Aufenthaltspflichten unterstünden wie die  Flüchtlinge  in  Äthiopien.  Im  Weiteren  erachte  das  BFM  die  vom  Beschwerdeführer  geäusserte  Befürchtung,  nach  Äthiopien  verschleppt  zu werden, als klar unbegründet. Das Bundesamt verfüge namentlich mit  der Schweizer Botschaft im Sudan über sehr gute Informationen über die  Lage  vor  Ort.  Gemäss  gesicherten  Erkenntnissen  sei  das  Risiko  einer 

D­6983/2011 Deportation oder Verschleppung für Äthiopier, die im Sudan vom UNHCR  als Flüchtlinge anerkannt seien, als gering. Der Beschwerdeführer habe  ferner  von  einer  vor  etwa  20  Jahren  im  Krieg  erlittenen  Verletzung  berichtet  und  behauptet,  weder  seitens  des  UNHCR  noch  des  COR  medizinische  Hilfe  erhalten  zu  haben.  Mit  den  von  ihm  eingereichten  Diagnoseakten habe er aber im Ergebnis dargetan, medizinisch versorgt  worden zu sein. Ausserdem habe er bereits viele Jahre ohne ersichtliche  zunehmende  Nachteile  mit  den  Verletzungen  gelebt.  Aus  den  Akten  könne  somit  nicht  entnommen  werden,  weshalb  er  eine  medizinische  Unterstützung  oder  Behandlung  in  der  Schweiz  benötigen würde. Nach  dem  Gesagten  benötige  er  den  zusätzlichen  subsidiären  Schutz  der  Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht und es sei ihm zuzumuten, im  Sudan zu verbleiben. H.  Mit  am  18. Dezember  2011  bei  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartum  eingetroffener  und  von  dieser  zuständigkeitshalber  an  das  BFM  beziehungsweise  das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleiteter  englischsprachiger  Eingabe  (Eingang  beim  Bundesverwaltungsgericht:  29. Dezember  2011)  beantragte  der  Beschwerdeführer  sinngemäss,  es  sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und ihm die Einreise in die  Schweiz  zwecks  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  bewilligen.  Zur Begründung führte der Beschwerdeführer namentlich aus, er befinde  sich  aktuell  im  Gefängnis  C._______  in  Khartum,  nachdem  ihn  sudanesische Sicherheitskräfte ohne ersichtlichen Grund  festgenommen  hätten, was ihn wiederum der Gefahr aussetze, nach Äthiopien deportiert  zu  werden.  Das  UNHCR  unternehme  nichts,  um  seine  Freilassung  zu  erwirken. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 

D­6983/2011 vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Partei  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. c  Ziff. 1  und  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  nicht  in  einer  Amtssprache  des  Bundes  abgefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung  kann  indessen  verzichtet  werden,  da  der  in  Englisch  verfassten  Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und  deren  Begründung  zu  entnehmen  sind  und  ohne  Weiteres  darüber  befunden werden kann. 1.3.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert. Auf  die  die  frist­  und  –  vom  sprachlichen Mangel  abgesehen  –  formgerecht  eingereichte Beschwerde  ist einzutreten  (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1. Nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG  ist die Einreise  in die Schweiz zu  bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr  für  Leib,  Leben oder Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 AsylG glaubhaft  gemacht wird,  das heisst  im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und Asylgewährung, oder  aber  wenn  für  die  Dauer  der  näheren  Abklärung  des  Sachverhalts  ein  weiterer Aufenthalt im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise  in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint. 4.2. Gemäss  Art. 3  AsylG  wird  ein  Ausländer  als  Flüchtling  anerkannt,  wenn  er  in  seinem  Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  er  zuletzt  wohnte,  wegen  seiner  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer 

D­6983/2011 bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  seiner  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 4.3. Nach Art. 52 Abs. 2 AsylG  kann  einer Person,  die  sich  im Ausland  befindet,  das  Asyl  verweigert  werden,  wenn  es  ihr  zugemutet  werden  kann,  sich  in  einem anderen Staat  um Aufnahme  zu  bemühen. Bei  der  Anwendung von Art. 52 Abs. 2 AsylG ist in einer Gesamtschau zu prüfen,  ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es gerade  die  Schweiz  ist,  die  den  angesichts  der  bestehenden  Gefährdung  erforderlichen  Schutz  gewähren  soll.  Dabei  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. Zusammenfassung  der  Rechtsprechung  im  Urteil  D­2018/2011  vom  14. September  2011  E. 7.1). 5.  5.1.  Zunächst  ist  aufgrund  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  darauf  zu  schliessen,  dass  seine  Schwierigkeiten mit den äthiopischen Behörden in asylrechtlicher Hinsicht  relevant  erscheinen,  weshalb  von  einer  Gefährdung  des  Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen ist. 5.2. Mit  Blick  auf  die  Frage,  ob  es  dem  Beschwerdeführer  zugemutet  werden kann, sich in einem anderen Drittstaat um Aufnahme zu bemühen  (Art. 20 Abs. 2  und Art. 52 Abs. 2 AsylG),  ergibt  die Prüfung  der Akten,  dass  sich  die  diesbezüglichen  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  G)  als  zutreffend  erweisen.  Der  Beschwerdeführer befindet sich gemäss seinen Angaben in der Eingabe  vom 2. Juli 2011 seit Februar 1993 (vgl. act. A 8/6 S. 1), also seit beinahe  19 Jahren  im Sudan, wo er vom UNHCR als Flüchtling registriert  ist. Es  mag zutreffen, dass es im Sudan in vereinzelten Fällen zu Entführungen  von  ehemaligen  Mitgliedern  der  OLF  gekommen  ist.  Die  Tatsache  indessen,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  beinahe  19  Jahren  als 

D­6983/2011 Flüchtling  im  Sudan  lebt,  spricht  im  Ergebnis  allerdings  dagegen,  dass  hinsichtlich  seiner  Person  diesbezüglich  eine  konkrete  Gefahr  besteht.  Soweit  der  Beschwerdeführer  behauptet,  seitens  des  UNHCR  und  der  COR keine medizinische Hilfe erhalten zu haben, geht aus den von  ihm  am  2. Juli  2011  eingereichten  Dokumenten  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  E)  hervor,  dass  er  im  Sudan  medizinisch  behandelt  worden  ist.  Dies  erscheint  umso bemerkenswerter,  als die medizinische Behandlung des  Beschwerdeführers erfolgte, obwohl er sich eigenen Angaben zufolge nie  in  einem  sudanesischen  Flüchtlingslager  aufgehalten  hat,  wo  sich  Flüchtlinge  im  Sudan  grundsätzlich  aufzuhalten  hätten.  Die  Tatsache,  dass der Beschwerdeführer in Sudan allem Anschein nach und entgegen  seinen  Behauptungen  auf  Fürsprache  des  UNHCR  hin  medizinisch  behandelt worden ist, lässt auch gewisse Zweifel daran aufkommen, dass  er aktuell  tatsächlich  im Gefängnis  inhaftiert  ist. Darüber hinaus gründet  eine  eventuelle  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  im  Sudan  mutmasslich gerade darin, dass er sich bis anhin offensichtlich geweigert  hat,  sich  in  dem  ihm  zugewiesenen  Flüchtlingslager  aufzuhalten.  Dass  sich der UNHCR in keiner Weise  für seine Freilassung eingesetzt hätte,  ist  Übrigen  eine  blosse  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  welche  zudem mit dem Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts, wonach der  UNHCR durchaus bemüht  ist,  im Sudan verhaftete Flüchtlinge  juristisch  zu unterstützen und deren Freilassung zu erwirken, in Widerspruch steht.  Es wäre  dem Beschwerdeführer  deshalb  grundsätzlich  zuzumuten,  sich  künftig  in  dem  ihm  zugewiesenen  Flüchtlingslager  aufzuhalten,  um  allfällige  weitere  Inhaftierungen  zu  vermeiden.  Im  vorliegenden  Fall  tritt  hinzu,  dass  der  Beschwerdeführer  zusammen  mit  seiner  Frau  und  seinem  Kind  im  Sudan  lebt  und  keinerlei  Anhaltspunkte  für  eine  besondere  Beziehungsnähe  des  Beschwerdeführers  zur  Schweiz  bestehen.  Eine  Abwägung  der  Gesamtumstände  im  Sinne  von  Art. 52 Abs. 2 AsylG  führt somit  im vorliegenden Fall zum Schluss, dass  dem Beschwerdeführer ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist. 5.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  Abs. 1  AsylG).  Das  BFM  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  aus  dem  Ausland  zu  Recht  abgelehnt  und  ihm  die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert.  Die  Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 6.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

D­6983/2011 dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Schweizer Vertretung in  Khartum und das BFM. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand:

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