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Bundesverwaltungsgericht 17.01.2012 D-6887/2011

17 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,335 mots·~7 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6887/2011 Urteil   v om   1 7 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;  Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______ B._______, geboren am [...], Kosovo,  wohnhaft [...],   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 22. November 2011 

D­6887/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  ist  kosovarischer  Staatsangehöriger  aus  der  Volksgruppe  der  Gorani  und  stammt  aus  C._______  (albanisch)  beziehungsweise  D._______  (serbisch).  Gemäss  seinen  Angaben  verliess er den Kosovo am 9. September 2011. Am 12. September 2011  reiste  er  illegal  in  die  Schweiz  ein  und  stellte  gleichentags  beim  Empfangs­ und Verfahrenszentrum Vallorbe ein Asylgesuch. Hier wurde  er  am  21.  September  2011  summarisch  zu  seinen Asylgründen  befragt  und anschliessend für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Luzern  zugewiesen.  Am  17.  November  2011  hörte  ihn  das  Bundesamt  für  Migration (BFM) eingehend zu den Gründen seines Asylgesuchs an. B.  Anlässlich der durchgeführten Befragungen gab der Beschwerdeführer im  Wesentlichen zu Protokoll, er sei aus Sicherheitsgründen ausgereist, weil  er  als  Angehöriger  der  Minderheit  der  Gorani  im  Kosovo  keine  Rechte  habe.  Er  habe  verschiedene  Male  Schwierigkeiten  mit  ethnischen  Albanern gehabt. Einmal sei er von einem Jungen mit einem Schlagstock  geschlagen worden; ein anderes Mal sei ihm jemand mit einem Auto über  die  Füsse  gefahren.  Der  Vorfall,  der  ihn  schliesslich  zur  Ausreise  bewogen habe, sei  im Juni 2011 passiert.  Im Laufe eines Fussballspiels  habe es einen Streit mit albanischen Kindern gegeben. Eines der Kinder  habe  seine  Familie  zu  Hilfe  geholt,  und  er  sei  in  der  Folge  durch  den  Vater  des  Kindes  bedroht  worden.  Jener  Vater  habe  begonnen,  ihn  wegen  des  Todes  eines  Bruders  während  des  Kosovo­Kriegs  zu  beschuldigen.  Er  sei  indessen  damals  erst  elf  Jahre  alt  gewesen  und  nicht an den Kämpfen beteiligt gewesen. Trotzdem fürchte er sich nun vor  der Blutrache jener Familie. Er habe gegen den genannten Vater bei der  Polizei Anzeige erstatten wollen. Weil es sich bei  jener Person aber um  einen  ehemaligen  Kämpfer  der  UÇK  (Ushtria  Çlirimtare  e  Kosovës;  Befreiungsarmee  des  Kosovo)  handle,  habe  die  Polizei  nichts  unternommen.  Im Übrigen hätten bereits  seine Eltern Probleme gehabt.  So  sei  sein  Vater  im  Jahr  1999  einmal  durch  die UÇK  angehalten  und  verhört worden. C.  Mit Verfügung  vom 22. November 2011  (Eröffnung:  1. Dezember 2011)  lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Auf  die 

D­6887/2011 Begründung der Verfügung wird, soweit  für den Entscheid wesentlich,  in  den Erwägungen eingegangen. D.  Diese  Verfügung  focht  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  19.  Dezember  2011  (Datum  des  Poststempels:  22.  Dezember  2011)  beim  Bundesverwaltungsgericht  an.  Dabei  beantragte  er  sinngemäss,  die  Verfügung des BFM sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft  festzustellen,  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren  beziehungsweise  zumindest seine vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. Auf die  Begründung der Beschwerde wird,  soweit  für den Entscheid wesentlich,  in den Erwägungen eingegangen. E.  Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 29. Dezember 2011  wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  bis  zum  13.  Januar  2012  einen Kostenvorschuss von Fr. 600.­­ zu leisten. F.  Mit Einzahlung vom 9. Januar 2012 wurde der verlangte Kostenvorschuss  geleistet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Über  Be­ schwerden  gegen  Verfügungen,  die  gestützt  auf  das  Asylgesetz  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) durch das BFM erlassen worden sind,  entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich  (mit Ausnahme  von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Auslieferungsersuchen  des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  31­33  VGG;  Art.  83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

D­6887/2011 1.2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die  Verlet­zung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Der  Beschwerdeführer  ist  legitimiert;  auf  seine  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG;  Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 3.  3.1.  Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine  solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen  ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3.2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf die Durchführung des  Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  grundsätzlich  Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in  ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Ras­ se,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei­ len ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausge­ setzt  zu werden. Als ernsthafte Nachteile  gelten namentlich die Gefähr­ dung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner­ träglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die  Flüchtlingseigenschaft,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vor­bringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

D­6887/2011 5.  5.1. Das Bundesamt begründete seinen ablehnenden Entscheid  im We­ sentlichen folgendermassen: Zwar sei es im Kosovo in den vergangenen  Jahren  vereinzelt  zu  schwerwiegenden  Übergriffen  auf  Angehörige  der  ethnischen Minderheiten,  namentlich  der  Gorani,  gekommen.  Es  könne  jedoch nicht von allgemeinen Vertreibungen ausgegangen werden. Nach  der Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar 2008 sei im Kosovo auch  nach  dem  Statuswechsel  eine  internationale  zivile  und  militärische  Präsenz  vorgesehen.  Im  Kosovo  bestünden  seitens  der  Interimsverwaltungsmission  der  Vereinten  Nationen  (UNMIK)  sowie  der  Europäischen  Union  (EU)  zwei  internationale  Missionen.  Die  Rechtsstaatlichkeitsmission  der  EU  (EULEX),  die  internationalen  Sicherheitskräfte  sowie  die  kosovarische  Polizei  würden  die  Sicherheit  garantieren  und  seien  weitgehend  in  der  Lage,  die  ethnischen  Minderheiten  im  Kosovo  zu  schützen.  Auch  gestehe  die  neue  kosovarische  Verfassung  den  Minderheiten  umfas­sende  Rechte  zu.  Demnach sei vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den  Heimatstaat  auszugehen,  und  die  geltend  ge­machten  Übergriffe  seien  nicht asylrelevant. Daran ändere auch nichts, dass der Beschwerdeführer  geltend  mache,  seine  Anzeige  sei  durch  die  Polizei  nicht  entgegengenommen worden. Es sei davon auszugehen, dass er mit einer  Intervention gegen die behauptete Untätigkeit den verlangten staatlichen  Schutz erlangt hätte. 5.2.  In  der  Beschwerdeschrift  wird  dazu  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  entgegen  der  Argumentation  der  Vorinstanz  sei  der  Beschwerdeführer als Angehöriger der Minderheit der Gorani  im Kosovo  schutzlos. Der verfassungsmässige Schutz existiere nur auf dem Papier.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  in  C._______  an  den  dortigen  ranghöchsten  Polizisten  gewandt,  welcher  ihm  beschieden  habe,  er  könne  gegen  die  Familie  eines  UÇK­Kämpfers  keine  Anzeige  machen.  Auch  die  EULEX  sei  nicht  in  der  Lage,  ihm  Schutz  zu  gewähren.  Mittlerweile  habe  er  übrigens  erfahren,  dass  die  Person,  die  ihm  mit  Blutrache  drohe,  als  Förster  arbeite,  eine  Axt  besitze  und  irgendeinen  Vorwand suche, um  für den getöteten Bruder die Blutrache zu verüben.  Über einen anderen Albaner, von dem er zusammengeschlagen worden  sei, habe er ausserdem erfahren, dass jener zu einer kriminellen, wegen  ihres  Nationalismus  berüchtigten  Gruppe  gehöre,  welche  mit  der  kosovarischen Polizei zusammenarbeite.

D­6887/2011 5.3.  Der  Beschwerdeführer  macht  ausschliesslich  Behelligungen  und  Drohungen seitens von Privatpersonen geltend. Nach den Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  gehen  die  zuständigen  Behörden  im  Kosovo im Rahmen ihrer Möglichkeiten konsequent gegen Bedrohungen  und  Übergriffe  durch  Privatpersonen  vor.  Insofern  ist  sowohl  vom  Schutzwillen  als  auch  von  der  weitgehenden  Schutzfähigkeit  der  Sicherheitsbehörden  im  Kosovo  auszugehen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  ausserdem  davon  aus,  dass  auch  Angehörige  ethnischer  Minderheiten  im  Kosovo  die  Möglichkeit  haben,  sich  an  die  Behörden  zu  wenden  und  diese  um  Schutz  vor  –  auch  ethnisch  motivierten  –  Übergriffen  Dritter  zu  ersuchen.  Auch  sind  der  generelle Schutzwille  und die generelle Schutzfähigkeit  der  zuständigen  Sicherheitskräfte  bezüglich  strafrechtlich  relevanter  Übergriffe  auf  Angehörige  der  ethnischen Minderheiten  zu  bejahen.  Dies  gilt  auch  für  eine  angebliche Bedrohung  durch Blutrache  (die  im Übrigen  angesichts  offensichtlich  fehlender  Anhaltspunkte  für  eine  Verantwortung  des  Beschwerdeführers oder eines seiner Familienmitglieder für den Tod der  fraglichen,  angeblich  im  Kosovo­Krieg  umgekommenen  Person  auch  in  keiner Weise  glaubhaft  ist). Weiter  gilt  die  Feststellung  von  Schutzwille  und  ­fähigkeit  auch  für  die  angebliche  Bedrohung  durch  eine  kriminelle  Gruppierung, die mit der kosovarischen Polizei in Verbindung stehen soll  (wofür  mangels  jeglicher  konkreter  Angaben  seitens  des  Beschwerdeführers  ebenfalls  keinerlei  Anhaltspunkte  bestehen).  In  Bezug  auf  die  Angehörigen  der  Ethnie  der  Gorani  im  Kosovo  ist  ausserdem  festzustellen,  dass  es  sich  dabei  um  eine  gut  integrierte  Minderheit  handelt,  deren  Situation  unter  dem  Aspekt  der  Sicherheit  weitgehend stabil ist.  5.4. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das BFM zutreffenderweise zur  Einschätzung  gelangt  ist,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  nicht  asylrelevant.  Das  Bundesamt  hat  folglich  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 

D­6887/2011 solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  auch  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733  m.w.N.  sowie  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 7.2.  7.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner  Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR  0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden. 7.2.2. Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung in den Kosovo  ist  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG  rechtmässig,  weil  der  Beschwerdeführer  –  wie  zuvor  dargelegt  –  dort  keinen  Nachteilen  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  ausgesetzt  wäre.  Aus  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  ergeben  sich  ausserdem  auch  keine  konkreten  und  gewichtigen  Anhaltspunkte  für  die  Annahme,  dass  er  im  Falle  einer  Ausschaffung  in  den  Kosovo  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre 

D­6887/2011 (vgl.  EMARK  2001 Nr. 16  S. 122,  2001 Nr. 17  S. 130 f.;  aus  der  Praxis  des Europäischen Gerichtshofs  für Menschenrechte etwa die Urteile  i.S.  Bensaid,  Rep. 2001­I,  S. 303,  sowie  i.S.  Saadi  vom  28. Februar  2008  [Grosse  Kammer],  Beschwerde  Nr. 37201/06,  Para.  124  ff.,  jeweils  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Kosovo  bietet  zum  heutigen  Zeitpunkt  –  dies  unter  Berücksichtigung  seiner Zugehörigkeit zur Ethnie der Gorani – keinen konkreten Anlass zur  Annahme,  dem  Beschwerdeführer  drohe  eine  entsprechende  Gefährdung.  Insbesondere  lässt  sich  auch  aus  der  Tatsache  an  sich,  dass  Angehörige  ethnischer  Minderheiten  im  Kosovo  in  verschiedener  Hinsicht  Diskriminierungen  –  so  auch  von  Seiten  privater  Dritter –  ausgesetzt  sind,  kein  ausreichend  reales  Risiko  von  Folter,  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  ableiten.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist  somit  sowohl  im  Sinne  der  asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3.  7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.2. Das BFM hielt diesbezüglich in der angefochtenen Verfügung fest,  weder  die  im Heimatstaat  herrschende politische Situation  noch  andere  Gründe  sprächen  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Rückführung  in  den  Kosovo.  Die  Sicherheitslage  habe  sich  in  den  vergangenen  Jahren  verbessert  oder  zumindest  stabilisiert,  und  die Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten  Gefährdung  für  Gorani  alleine  aufgrund  der  Ethnie  könne  weitgehend  ausgeschlossen  werden.  Zudem  sei  für  diese  Ethnien  die  Bewegungsfreiheit  im Kosovo grundsätzlich  gegeben. Auch der Zugang  zu  den  medizinischen  und  sozialen  Strukturen  sei  in  aller  Regel  gewährleistet.  Zudem  gebe  es  auch  keine  individuellen  Gründe,  die  gegen die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs sprechen würden.  7.3.3. Auch dieser Beurteilung der Vorinstanz ist beizupflichten. Dabei ist  zunächst  ergänzend  festzuhalten,  dass  der  Minderheit  der  Gorani,  welcher  der  Beschwerdeführer  angehört,  im  Vergleich  zu  den  Angehörigen  anderer  Ethnien,  insbesondere  der  Roma,  Ashkali  und  „Ägypter“  (vgl.  BVGE  2007/10)  sowie  der  Kosovo­Serben,  seitens  der 

D­6887/2011 ethnischen  Albaner  im  Kosovo  schon  immer  eine  höhere  Toleranz  entgegengebracht  wurde.  Gemäss  aktueller  Rechtsprechung  ist  ein  Wegweisungsvollzug der Gorani  in sämtliche Gebiete des Kosovo – mit  Ausnahme der Region von Mitrovica – als zumutbar zu erachten (vgl. das  zur Publikation vorgesehene Urteil BVGE D­6827/2010 vom 2. Mai 2011  E.  8.6).  Ferner  ist  in  individueller  Hinsicht  festzustellen,  dass  der  vierundzwanzig Jahre alte Beschwerdeführer soweit aktenkundig gesund  ist und gemäss eigenen Angaben über eine Ausbildung als Autoelektriker  und Arbeitserfahrung im Baugewerbe verfügt. Ferner führte er aus, seine  Familie  besitze  in  C._______  ein  Haus,  und  er  habe  im  Kosovo  viele  Familienangehörige, die an verschiedensten Orten, unter anderem in der  Stadt  Prizren,  leben.  Auch  unter  Berücksichtigung  des Umstands,  dass  sich die Eltern und der Bruder des Beschwerdeführers zurzeit in Serbien  (Belgrad)  aufhalten  sollen,  ist  somit  davon  auszugehen,  dass  er  in  der  Lage sein wird, sich im Kosovo eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen.  Nachdem  auch  sonst  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  zu  einem  anderslautenden  Schluss  führen  könnten,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung somit auch als zumutbar zu bezeichnen. 7.4.  Schliesslich  ist  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  mangels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich  im Sinne  von Art. 83 Abs. 2 AuG ist. 7.5. Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug  stehen  somit  in  Übereinstimmung  mit  den  zu  beachtenden  Bestimmungen und sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten  fällt eine  Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4  AuG). 8.  Aus  den  angestellten  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  Beschwerde ist folglich abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dessen  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Die Kosten  sind  auf  Fr.  600.­­  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]  i.V.m.  Art.  16  Abs.  1 

D­6887/2011 Bst. a VGG). Des Weiteren sind die Verfahrenskosten mit dem in gleicher  Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­6887/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Kosten  des  Verfahrens  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand:

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