Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 09.01.2012 D-6864/2009

9 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,297 mots·~11 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Oktober 2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6864/2009 Urteil   v om   9 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), alias C._______, geboren (…), alias D._______, geboren (…), alias  E._______, geboren (…), Irak, vertreten durch lic. iur. Isabelle A. Müller, Caritas Schweiz,  (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 2. Oktober 2009 / N (…).

D­6864/2009 Sachverhalt: A.  Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschwerdeführer am 26. Januar  2009  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz,  wo  er  am  gleichen Tag im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ um  Asyl nachsuchte. Dazu wurde er am 9. Februar 2009 im EVZ F._______  befragt  (Kurzbefragung).  Aufgrund  eines  EURODAC­Treffers  vom  19.  April  2007, wonach er  sich  damals  in Schweden aufhielt,  gewährte  das  BFM dem Beschwerdeführer am gleichen Tag das rechtliche Gehör zum  bevorstehenden  Nichteintretensentscheid,  zur  Zuständigkeit  Schwedens  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  beziehungsweise  zu  einer  allfälligen Wegweisung  dorthin  und  gab  ihm Gelegenheit,  dazu Stellung  zu  nehmen.  Da  Schweden  die  Übernahme  des  Beschwerdeführers  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  mit  Schreiben  vom  26.  Juni  2009  ablehnte, weil der Beschwerdeführer am 18. Oktober 2007 per Flugzeug  von Schweden in den Irak zurückkehrte, beendete das BFM das Dublin­ Verfahren, führte das (nationale) Asyl­ und Wegweisungsverfahren weiter  und  hörte  den  Beschwerdeführer  am  22.  Juli  2009  in  G._______  zu  seinen Asylgründen an (Anhörung). B.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  in  der  Kurzbefragung  beziehungsweise  der  Anhörung  im  Wesentlichen  geltend, er sei kurdischer Ethnie, stamme aus der Provinz Dohuk und sei  schon jahrelang Mitglied der für die Stadt H._______ zuständigen Sektion  eins  der  Demokratischen  Partei  Kurdistans  (PDK).  Seit  Jahren  habe  er  Streit mit anderen Mitgliedern seiner Sektion gehabt, die dem Clan Doski  angehörten.  Dies  insbesondere  auch  deshalb,  weil  er  sie  in  der  Vergangenheit zu Recht wegen Vetternwirtschaft angezeigt habe, worauf  sie von der Partei bestraft worden seien. Aus Rache hätten diese Doski­ Leute  der  Untersuchungsbehörde  seiner  Sektion  gemeldet,  er  habe  sowohl  für  die  PKK  (Arbeiterpartei  Kurdistans)  als  auch  für  den  MIT  (türkischer  Inlandnachrichtendienst)  Informationen  gesammelt.  An  einer  Sitzung  seiner  Sektion  am  27.  November  2008  sei  ihm  von  der  Untersuchungsbehörde  seiner Sektion  respektive  von  den Doski­Leuten  vorgeworfen worden, Kontakte zur PKK und zum MIT zu haben. Dagegen  habe er sich gewehrt und selber Vorwürfe gegen die Doski­Leute seiner  Sektion  erhoben,  woraufhin  er  mit  einer  Waffe  bedroht  worden  sei.  Deswegen  habe  er  den Sitzungssaal  fluchtartig  verlassen  und  sei  nach  Hause beziehungsweise nach Mosul gefahren. Zu Hause respektive auf 

D­6864/2009 dem  Weg  nach  Mosul  sei  er  von  I._______,  einem  Mitglied  seiner  Sektion,  das  später  getötet  worden  sei,  gewarnt  worden,  dass  das  Politbüro  der  PDK  in  der  Zwischenzeit  einen  Haftbefehlt  gegen  ihn  ausgestellt  habe,  weshalb  man  ihn  verhaften  würde.  Aus  Angst,  zu  Unrecht  verhaftet  zu  werden,  habe  er  wenige  Tage  später  den  Irak  verlassen und sei via Syrien, die Türkei und andere Länder per Auto und  LKW  in  die  Schweiz  gereist.  Bezüglich  der  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers wird auf die Akten verwiesen.  Im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  reichte  der  Beschwerdeführer  die  folgenden Dokumente ein: Eine irakische Identitätskarte, einen irakischen  Nationalitätenausweis,  zwei  Beschlüsse  vom  23.  Oktober  2001  beziehungsweise 17. Mai 2005  (in Kopie),  ein Schreiben des Politbüros  an  die  Sektion  eins  vom  9.  Mai  2005  (in  Kopie),  ein  Bestätigungsschreiben der Primarschule J._______ vom 12. Januar 2009  (in  Kopie),  ein  Entlassungsschreiben  des  Erziehungsministeriums  vom  10. Januar 2009 (in Kopie), einen Haftbefehl des Untersuchungsgerichts  H._______ (in Kopie), einen internen Haftbefehl der Sektion eins vom 27.  November  2008  (in  Kopie),  ein  Schreiben  des Untersuchungsbüros  der  Sicherheitsdirektion des Bezirks K._______ vom 27. November 2008 (in  Kopie), einen irakischen Führerschein (in Kopie), einen Berufsausweis (in  Kopie) sowie mehrere Parteiausweise (in Kopie).  Auf Aufforderung des BFM hin reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe  vom  10.  August  2009  teilweise  deutsche  Übersetzungen  der  eingereichten Dokumente zu den Akten.  C.  Mit  Verfügung  vom  2.  Oktober  2009  –  eröffnet  am  5.  Oktober  2009 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht.  Es  lehnte  sein Asylgesuch  ab  und  ordnete  seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.  Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  der  Beschwerdeführer  mache  geltend,  er  werde  von  PDK­Mitgliedern  des  Clans Doski  bedroht. Diese hätten  falsche Spionagevorwürfe  gegen  ihn  erhoben, mit  dem  Zweck,  ihn  aus  der  Partei  loszuwerden,  nachdem  er  einige  ihrer  Clan­Mitglieder  in  der  Vergangenheit  erfolgreich  der  Vetternwirtschaft  angezeigt habe. Bei den den erlittenen Nachteilen des  Beschwerdeführers  zugrunde  liegenden  Mitgliedern  des  Clans  Doski  handle  es  sich  um  Drittpersonen.  Selbst  wenn  diese  Personen 

D­6864/2009 zweifelsohne über einen gewissen Einfluss innerhalb der PDK verfügten,  die  über  das  westliche  Gebiet  des  irakischen  Kurdistans  ihre  Macht  ausübe,  so  übten  sie  diesen  Einfluss  nicht  uneingeschränkt  und  mit  Sicherheit nicht in allen Bereichen der Staatsmacht in der Region Dohuk  aus.  Des  Weiteren  sei  festzustellen,  dass  in  der  autonomen  Region  Kurdistan  durchaus  effektive  demokratische  und  rechtsstaatliche  Strukturen aufgebaut worden seien. Unter diesen Voraussetzungen habe  dem  Beschwerdeführer  die  Möglichkeit  zur  Verfügung  gestanden,  sich  gegen  die  vorgebrachten  Anschuldigungen  und  gegen  die  Bedrohung  durch die Doski in geeigneter Weise zur Wehr zu setzen. Daran vermöge  auch der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Haftbefehl gegen ihn  nichts  zu  ändern.  In  der  Tat  habe  für  den  Beschwerdeführer  der  Weg  offengestanden,  sich  im  Rahmen  eines  allfällig  gegen  ihn  geführten  Justizverfahrens  entsprechend  und  mit  geeigneten  Mitteln  zu  Wehr  zu  setzen  und  die  falschen  Anschuldigungen  aus  dem  Weg  zu  räumen.  Zudem  habe  er  –  eigenen  Angaben  zufolge  –  gute  Beziehungen  zum  Zentralvorstand  der  PDK,  namentlich  zum  Gouverneur,  gepflegt.  Unter  diesen  Umständen  wäre  es  auch  noch  zur  Zeit  seiner  Anwesenheit  im  Irak angebracht und gar notwendig gewesen, dass er sich in irgendeiner  Weise mit Personen aus diesem Umfeld oder sogar mit dem Gouverneur  selbst  in  Verbindung  gesetzt  hätte,  um  ihnen  seinen  Standpunkt  in  der  Angelegenheit vorzutragen. Der Einwand des Beschwerdeführers,  in der  Vergangenheit seien bereits Personen von der PDK heimlich umgebracht  worden,  könne hier nicht  eingebracht werden, denn er beziehe sich auf  Vorfälle,  die  etliche  Jahre  zurücklägen.  Aus  diesen  Gründen  seien  die  Vorbringen des Beschwerdeführers nicht als asylrelevant  zu betrachten.  Bei den weiteren Unterlagen, die der Beschwerdeführer eingereicht habe,  handle  es  sich  um  Berufs­  und  Parteiausweise  sowie  Bestätigungsschreiben  für  seine  Tätigkeiten  innerhalb  der  PDK  und  um  Schreiben  hinsichtlich  seiner  Anstellung  als  Lehrer  und  seine  entsprechende  Kündigung  aus  diesem  Arbeitsverhältnis.  Diese  Dokumente  vermöchten  jedoch  auf  die  vorangehenden  Schlussfolgerungen  keinen  Einfluss  zu  nehmen.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  somit  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  stand.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  erachtete  die  Vorinstanz  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Für  den  weiteren Inhalt wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen.  D.  Mit  Beschwerde  vom  3.  November  2009  (Poststempel)  an  das 

D­6864/2009 Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  in  materieller  Hinsicht  beantragen,  der  angefochtene  Entscheid  sei  aufzuheben,  es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige  Aufnahme  zu  verfügen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), um Verzicht auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sowie  um  umgehende  Edition  der  von  ihm  im  ordentlichen  Verfahren  eingereichten  persönlichen  Beweismittel an seine Rechtsvertreterin.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  angeführt,  das  Bundesverwaltungsgericht habe in BVGE 2008/4 Folgendes festgehalten:  "Die kurdischen Behörden sind grundsätzlich willens, den Einwohnern der  drei  nordirakischen  Provinzen  Schutz  vor  allfälliger  Verfolgung  zu  gewähren.  Sofern  die  geltend  gemachten  Übergriffe  jedoch  von  den  beiden  Mehrheitsparteien,  ihren  Organen  oder  Mitgliedern  ausgehen,  kann nicht mit einer staatlichen Schutzgewährung durch die Polizei­ und  Sicherheitskräfte  gerechnet  werden,  da  die  Partei­  und  Behördenstrukturen  zu  eng miteinander  verflochten  und  teilweise  sogar  identisch sind. Nichts anderes kann natürlich gelten, wenn eine allfällige  Gefährdung  direkt  von  den  offiziellen  Behörden  ausgeht.  Einer  solchen  sind – gestützt auf die vorstehende Darstellung –  insbesondere kritische  Medienschaffende,  oppositionelle  Politiker,  Islamisten,  aus  dem  Zentralirak  eingewanderte  alleinstehende  arabische  Männer  sowie  allenfalls  Angehörige  von  ethnischen  oder  religiösen  Minderheiten,  die  sich  gegen  den  kurdischen  Machtanspruch  stellen,  ausgesetzt."  Das  Gericht  habe  im  zitierten  Urteil  ebenso  das  Bestehen  einer  innerkurdischen Fluchtalternative  verneint,  eine  solche  sei  auch  in  casu  zu  verneinen.  Im  Lichte  dieser  Rechtsprechung  hätte  demzufolge  die  Vorinstanz bei ihrer Beurteilung zu einer anderen Entscheidung gelangen  und  dem  Beschwerdeführer  Asyl  gewähren  müssen.  Für  die  weitere  Begründung wird auf die Beschwerdeschrift verwiesen.  Der  Rechtsmittelschrift  lag  eine  Fürsorgebestätigung  vom  27.  Oktober  2009 bei.  E.  Mit Verfügung vom 27. November 2009  teilte der  Instruktionsrichter des 

D­6864/2009 Bundesverwaltungsgerichts  dem  Beschwerdeführer  mit,  er  könne  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Ferner  verfügte  er,  dass  über  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG)  im Endentscheid befunden und auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  werde.  Gleichzeitig  wies  er  das  BFM  an,  Kopien  der  vom  Beschwerdeführer  während  des  Verfahrens  vor  der  Vorinstanz  eingereichten  Beweismittel  dessen  Rechtsvertreterin  zuzustellen.  Überdies  lud  der  Instruktionsrichter  die  Vorinstanz  zur Einreichung einer Stellungnahme bis  zum 14. Dezember  2009 ein.  F.  In ihrer Vernehmlassung vom 14. Dezember 2009 hielt die Vorinstanz an  ihren Erwägungen  fest  und  beantragte  die Abweisung  der Beschwerde.  Diese Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 18. Dezember  2009 zur Kenntnisnahme zugestellt. G.  Am  26.  Dezember  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  in  der  Nähe  von  L._______  von  Angehörigen  des  Grenzwachtkorps  im  Zug  einer  Personenkontrolle  unterzogen.  Bei  dieser  Gelegenheit  stellten  sie  im  Gepäck  des  Beschwerdeführers  die  Originale  der  von  ihm  bereits  in  Kopie eingereichten Dokumente (irakischer Führerschein, Berufsausweis,  Parteiausweise)  sicher.  Gestützt  auf  Art.  10  AsylG  zog  das  Grenzwachtkorps diese Dokumente ein und liess sie zuständigkeitshalber  dem BFM zukommen.  H.  Am  18.  Juli  2011  heiratete  der  Beschwerdeführer  in  F._______  eine  in  der Schweiz niedergelassene irakische Staatsangehörige.  I.  Mit  Verfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 15. November  2011 wurde  dem Beschwerdeführer mitgeteilt,  dass  sich  das Bundesverwaltungsgericht  nach Prüfung  der Akten  vorbehalte,  das Asylgesuch allenfalls gestützt auf Art.  7 AsylG zu beurteilen,  zumal  gewisse  Aussagen  des  Beschwerdeführers  widersprüchlich,  unplausibel  oder  unglaubhaft  erscheinen  würden.  Dem  Beschwerdeführer  wurde  Gelegenheit  gegeben,  sich  bis  zum  30.  November  2011  zu  den  in  der  Verfügung  aufgeführten  Unglaubhaftigkeitselementen  schriftlich  zu  äussern.

D­6864/2009 J.  Mit  Eingabe  vom  30.  November  2011  (Poststempel)  liess  der  Beschwerdeführer  zu  den  in  der  Verfügung  vom  15.  November  2011  aufgeführten  Unglaubhaftigkeitselementen  Stellung  nehmen.  Auf  den  Inhalt  der  Stellungnahme  wird  –  soweit  wesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen.  Der  Eingabe  lag  ein  den  Beschwerdeführer  betreffenden Auszug  aus  dem Eheregister  (in Kopie)  bei.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche  Ausnahme  liegt  nicht  vor,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 

D­6864/2009 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1. Gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG ist das Bundesverwaltungsgericht als  Beschwerdeinstanz  nicht  an  die  rechtliche  Begründung  der  Parteibegehren gebunden (Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes  wegen).  Die  Beschwerdeinstanz  darf  ihren  Entscheid  somit  anders  begründen  als  die  Parteien  oder  die  Vorinstanz.  Dabei  kann  sie  die  vorinstanzliche  Verfügung  im  Ergebnis  bestätigen,  dieser  aber  eine  andere Begründung  zugrunde  legen  (vgl.  THOMAS HÄBERLI  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  (Hrsg.),  VwVG,  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/Basel/Genf  2009,  Art.  62  Rz  40,  S.  1250;  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl.,  Bern  1983,  S.  212).  Eine  Substitution  der  Motive  durch  die  Beschwerdeinstanz  setzt  allerdings  voraus,  dass  sich  die  substituierende  Begründung  auf  Sachverhaltsdarstellungen  bezieht,  die  dem  Betroffenen  bekannt  sind,  und  sich  auf  rechtliche  Grundlagen  abstützt,  deren  Anwendung  der  Betroffene  zumindest  erwarten  musste  (vgl.  dazu  Entscheidungen  und 

D­6864/2009 Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  1995  Nr.  12 S.  116).  Falls  die Beschwerdeinstanz  beabsichtigt,  zum Nachteil  des Beschwerdeführers von einem anderen Sachverhalt auszugehen als  die  Vorinstanz  oder  gedenkt,  ihren  Entscheid  auf  eine  rechtliche  Begründung abzustützen, die von den Parteien  in keiner Weise erwartet  werden muss, hat sie dem Betroffenen vorgängig Gelegenheit zu geben,  dazu Stellung zu nehmen und allfällige Beweismittel nachzureichen. Dies  ergibt  sich  unter  anderem aus dem Anspruch auf  vorgängige Anhörung  gemäss  Art.  30  Abs.  1  VwVG  (vgl.  MADLEINE  CAMPRUBI  in:  Christoph  Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler, Kommentar  zum Bundesgesetz  über  das Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich/St. Gallen  2008, Art.  62  Rz 15 S. 799; FRITZ GYGI, a.a.O., S. 70; BGE 129 II 497 E. 2.2 S. 504 f.). 4.2.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  26. Januar  2009  gestützt  auf  Art.  3  AsylG  abgelehnt.  Da  gewisse  Aussagen  des  Beschwerdeführers  widersprüchlich,  unplausibel  oder  unglaubhaft  erscheinen,  prüft  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Asylgesuch  im  Folgenden  –  wie  in  der  Verfügung  vom  15.  November  2011 dem Beschwerdeführer vorbehalten – unter dem Aspekt von Art. 7  AsylG. 5.  5.1.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie  genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen  sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die  nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art.  7 AsylG; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S.190 f.). 5.2.  Vorab  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Wortlaut  sämtlicher  Protokolle,  die  ihm  in  seine  Muttersprache  rückübersetzt 

D­6864/2009 wurden,  mit  seiner  Unterschrift  bestätigt  hat  und  sich  deshalb  seine  Aussagen  entgegenhalten  lassen  muss.  Im  Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  den  Aussagen  einer  asylsuchenden  Person  im  Empfangszentrum  zu  den  Asylgründen  angesichts  des  summarischen  Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein  beschränkter Beweiswert  zukommt  (vgl. EMARK 2005 Nr.  7 E.  6.2.1 S.  66  und  dort  zitierte,  weiterhin  gültige  Praxis).  Widersprüche  dürfen  nur  dann  herangezogen  werden,  wenn  klare  Aussagen  im  EVZ  in  wesentlichen Punkten  der Asylbegründung  von  den  späteren Aussagen  in der Befragung beim Kanton oder beim BFM diametral abweichen, oder  wenn  bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen,  welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  in  der  Befragung  im  EVZ zumindest ansatzweise erwähnt werden. 5.3. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist festzuhalten, dass die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  in  wesentlichen  Punkten  widersprüchlich  sind.  So  sagte  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  aus,  M._______  habe  ihm  in  der  Sitzung  vom  27.  November  2008  vorgeworfen,  Kontakte  zur  PKK  und  zum MIT  zu  haben  (Akten  BFM A  1/12 S. 6), wohingegen er  im Rahmen der  freien Schilderung anlässlich  der  Anhörung  mit  keinem Wort  erwähnte,  M._______  habe  ihm  in  der  Sitzung vom 27. November 2008 vorgeworfen, mit der PKK und dem MIT  zusammenzuarbeiten.  Er  sagte  diesbezüglich  aus,  seine  vier  Feinde  in  der  Sektion  eins  hätten  ihn  an  der  Sitzung  vom  27.  November  2008  attackiert  und  ihm  vorgeworfen,  er  tue  illegale  Dinge  (A  28/18  S.  6  f.).  Zudem  gab  der  Beschwerdeführer  bei  der  Kurzbefragung  zu  Protokoll,  M._______  habe  in  der  Sitzung  vom 27. November  2008  verschiedene  Dokumente  als  Beweismittel  vorgelegt  (A  1/12  S.  6  f.),  während  er  anlässlich  der  Anhörung  (implizit)  verneinte,  die  ihn  in  der  Sitzung  vom  27.  November  2008  beschuldigenden  Personen  hätten  Beweismittel  präsentiert  (A  28/18  S.  9  f.).  Überdies  brachte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  vor,  nachdem  er  die  Sitzung  vom  27.  November 2008 verlassen habe, sei er umgehend nach Mosul gereist (A  1/12 S. 7), wohingegen er bei der Anhörung erklärte, nach Verlassen der  Sitzung vom 27. November 2008 sei er nach Hause gegangen (A 28/18  S.  7  und  11).  Ausserdem machte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung geltend, er habe auf dem Weg nach Mosul von I._______  erfahren,  dass  die  Verantwortlichen  der  Sektion  eins  ihn  beschuldigen  würden,  für  die  PKK  und  den  MIT  gearbeitet  zu  haben,  weshalb  sie  beschlossen hätten, das Politbüro über seine Situation zu informieren (A  1/12  S.  7).  Bei  der  Anhörung  brachte  er  dagegen  vor,  ein Mitglied  der 

D­6864/2009 Sektion  eins  habe  ihn  angerufen  und  ihm geraten  zu  verschwinden,  da  das  Politbüro  einen  Haftbefehl  ausgestellt  habe  und man  ihn  verhaften  könnte,  weshalb  er  H._______  verlassen  habe  und  nach Mosul  gereist  sei (A 28/18 S. 7). Schliesslich gab der Beschwerdeführer anlässlich der  Anhörung zunächst zu Protokoll, er habe nicht gewusst, dass er von der  Polizei gesucht worden sei, als er sich noch im Irak aufgehalten habe (A  28/18 S.  13), wohingegen  er  kurz  darauf  geltend machte,  er  habe  vom  Haftbefehl erfahren, als er bereits in Mosul gewesen sei (A 28/18 S. 13).  Angesichts  dieser  offensichtlich  unterschiedlichen  Versionen  ist  zu  schliessen, der Beschwerdeführer könne bei seinen Schilderungen nicht  auf Erinnerungen an  tatsächliche Begebenheiten zurückgreifen, sondern  habe  eine  Verfolgungssituation  erfunden,  um  seinem  Asylgesuch  Nachdruck  zu  verleihen.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  auch  die  Vorbringen  in  der  Stellungnahme  des  Beschwerdeführers  vom  30.  November 2011 nichts zu ändern, da sie nicht geeignet sind, die soeben  dargelegten  Widersprüche  in  seinen  Aussagen  aufzulösen.  Zum  Einwand,  es  sei  ihm  zu  vermeintlichen  Unglaubhaftigkeitselementen  keine Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt worden, ist festzuhalten,  dass  aus  dem  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  kein  Anspruch  abgeleitet werden kann, auf die erkennbaren Widersprüche ausdrücklich  hingewiesen zu werden und dazu Stellung nehmen zu können (vgl. dazu  EMARK 1994 Nr. 13). Im  Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  erst  nachträglich  erwähnte,  dass  I._______  fünfundzwanzig Tage vor der Kurzbefragung getötet worden sei (A 28/18,  S.  11),  was  nicht  plausibel  ist,  da  ihm  zuvor  die  Möglichkeit  gewährt  worden  war,  weitere  Ergänzungen  zum  Sachverhalt  vorzutragen  (A  28/18, S. 7) und es sich bei der Ermordung von I._______ nicht um eine  Nebensächlichkeit,  sondern  um  einen  zentralen  Teil  seiner  Asylgründe  handelt, zumal I._______ den Beschwerdeführer am 27. November 2008  telefonisch  gewarnt  haben  soll  und  der  Beschwerdeführer  bei  der  Kurzbefragung vorbrachte, diese Tötung spreche gegen eine Rückkehr in  sein Heimatland (A 1/12, S. 7). Die diesbezüglichen Ausführungen in der  Stellungnahme  des  Beschwerdeführers  vom  30.  November  2011  vermögen dieses verspätete Vorbringen nicht zu erklären.  Insbesondere  vermag die Behauptung, der Beschwerdeführer spreche nur mit grosser  Zurückhaltung  über  dieses  Ereignis,  da  ihm  der  Tod  von  I._______  persönlich sehr nahe gehe, das Gericht nicht zu überzeugen. 

D­6864/2009 Die persönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers ist auch deshalb  in  Frage  gestellt,  da  er  bei  der  Kurzbefragung  verneinte,  je  in  einem  anderen  Land  Asyl  beantragt  zu  haben  (A  1/12  S.  7),  während  er  anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 9. Februar 2009 zugab, im Jahre  2007 in Schweden um Asyl nachgesucht zu haben. Die Behauptung des  Beschwerdeführers  im Rahmen des  rechtlichen Gehörs  vom 9. Februar  2009,  er  habe  die  Frage  falsch  verstanden,  ist  unbehelflich,  zumal  die  Frage  unmissverständlich  formuliert  war.  Die  Glaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers ist zudem auch deshalb erschüttert, da er den Grund  seines Asylgesuchs in Schweden anlässlich des rechtlichen Gehörs vom  9. Februar 2009 und bei der Anhörung nicht deckungsgleich vortrug. So  gab  er  anlässlich  des  rechtlichen  Gehörs  vom  9.  Februar  2009  beispielsweise  zu  Protokoll,  Freunde  hätten  ihm  gesagt,  er  solle  nicht  nach Kurdistan  zurückkehren,  da  er  dort  Probleme  habe  (A  15/4  S.  3),  während er bei der Anhörung geltend machte, seine Verwandten hätten  ihn gebeten, nicht in den Irak zurückzukehren, da er sonst Probleme mit  der Partei bekomme (A 28/18 S. 6). Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  daher  nach  Prüfung  der  Akten  und  in Würdigung sämtlicher eingereichten Beweismittel  zur Erkenntnis,  dass es dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  die  von  ihm geltend  gemachte  Verfolgung  in  seinem  Heimatland  glaubhaft  zu  machen.  An  dieser  Einschätzung  ändern  auch  die  vom  Beschwerdeführer  als  Beweismittel  eingereichten  Schreiben  und  Haftbefehle  nichts,  zumal  es  sich dabei lediglich um Kopien handelt und es überdies gerichtsnotorisch  ist,  dass  irakische  Asylbewerber  unter  Inanspruchnahme  unlauterer  Machenschaften  behördliche  und  andere Dokumente  zur Stützung  ihrer  Asylvorträge beibringen. Es wird an dieser Stelle  verzichtet,  auf weitere  vorhandene  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  einzugehen.  Da  die  vom  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  geltend  gemachten  Vorbringen  den  umschriebenen Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügen,  erübrigt es sich, die Asylrelevanz dieser Vorbringen zu prüfen.  5.4.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  beziehungsweise  in  der  Stellungnahme vom 30. November 2011 und die zahlreich eingereichten  Beweismittel  weiter  einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern.  Nach  dem  Gesagten  folgt,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  kann.  Das  Bundesamt hat sein Asylgesuch somit im Ergebnis zu Recht abgelehnt. 

D­6864/2009 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Eine Ausnahme von dieser Regel liegt  unter  anderem  dann  vor,  wenn  die  Beschwerde  führende  Person  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  (Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1,  SR  142.311])  oder  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  verfügt  (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 9.a). 6.2.  Der  Beschwerdeführer  hat  infolge  seiner  Heirat  mit  einer  Ausländerin,  welche  über  eine  Niederlassungsbewilligung  verfügt,  grundsätzlich einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.  Er und seine Ehefrau ersuchten am 8. August 2011 bei der zuständigen  kantonalen  Behörde  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  für  den  Beschwerdeführer gestützt auf Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20). Dieses fremdenpolizeiliche Verfahren ist nach wie vor pendent.  6.3.  Ist  ein  grundsätzlicher  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  zu  bejahen,  fällt  die  konkrete  Beurteilung  dieses  Anspruchs  und  damit  auch  der  Entscheid  über  die Wegweisung  in  die  Zuständigkeit der fremdenpolizeilichen Behörden. Hat, wie vorliegend, die  asylsuchende Person bei der zuständigen ausländerrechtlichen Behörde  ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestellt, so hat das  Bundesverwaltungsgericht  eine  vom  BFM  angeordnete  Wegweisung  (Ziffer  3  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung)  aufzuheben  (EMARK 2001 Nr. 21 E. 8.d, 9. ­ 11., 12.b und c sowie 14.a).  6.4. Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  die  von  der  Vorinstanz  mit  Verfügung  vom  2.  Oktober  2009  verfügte Wegweisung  aufzuheben  ist.  Damit fällt die Grundlage für den Wegweisungsvollzug dahin, weshalb die  diesbezüglichen  Anordnungen  (Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen Verfügung) ebenfalls aufzuheben sind.  6.5.  Die  Prüfung  der  Frage  der  Wegweisung,  beziehungsweise  ob  allfällige Vollzugshindernisse vorliegen, fällt damit in die Zuständigkeit der  kantonalen Behörde,  gegen  deren Verfügungen  der  ausländerrechtliche  Rechtsweg offen steht. 

D­6864/2009 7.  Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde nach dem Gesagten  bezüglich der Frage der Flüchtlingseigenschaft  und des Asyls  (Ziffern 1  und  2  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung)  abzuweisen  ist.  Hinsichtlich der Wegweisung (Ziffer 3 des Dispositivs der angefochtenen  Verfügung)  und  deren  Vollzug  (Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung)  ist  die  Beschwerde  im  Sinne  vorstehender  Erwägungen  gutzuheissen  (sie  würde  im  Sinne  der  Praxis  gemäss  EMARK 2001 Nr. 21 E. 11.c  in diesem Punkt nur dann gegenstandslos,  wenn die beantragte Aufenthaltsbewilligung bereits erteilt worden wäre),  und die Ziffern 3 bis 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung sind  aufzuheben.  8.  8.1.    Der  Beschwerdeführer  ist  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  bezüglich  der  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  des  Asylantrages  unterlegen  und  auf  die  Wegweisung  wird  aufgrund  von  ausserhalb des Asylverfahrens liegenden Gründen verzichtet, weshalb er  grundsätzlich die Verfahrenskosten von Fr. 600.– zu tragen hätte (Art. 63  Abs.  1 VwVG).  In Anbetracht  des Umstandes,  dass die Beschwerde  im  Zeitpunkt ihrer Einreichung nicht als aussichtslos zu bezeichnen war, die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  belegt  wurde  und  keine  Anhaltspunkte  für  eine  wesentliche  Veränderung  seiner  finanziellen  Situation  vorliegen,  wird  jedoch  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen  und es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  8.2. Angesichts  des  teilweisen Obsiegens  des Beschwerdeführers wäre  zu  Lasten  der  Vorinstanz  eine  reduzierte  Parteientschädigung  zuzusprechen,  indessen  erfolgte  das  teilweise  Obsiegen  aufgrund  von  ausserhalb  des  Asylverfahrens  liegenden Gründen  und  steht  in  keinem  Zusammenhang  mit  den  Beschwerdevorbringen,  weshalb  keine  Parteientschädigung zu entrichten ist. (Dispositiv nächste Seite)

D­6864/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  hinsichtlich  der  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  und Asylgewährung abgewiesen. 2.  Betreffend Wegweisung  und Wegweisungsvollzug  wird  die  Beschwerde  gutgeheissen.  Die  Ziffern  3  bis  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung werden aufgehoben. 3.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.  4.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  5.  Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständigen kantonalen Behörden. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-6864/2009 — Bundesverwaltungsgericht 09.01.2012 D-6864/2009 — Swissrulings