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Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 D-6747/2011

20 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,324 mots·~7 min·4

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. November 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6747/2011 Urteil   v om   2 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi; Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Türkei, _______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. November 2011 / N _______.

D­6747/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer, ein türkischer Staatsangehöriger mit letztem  Wohnsitz in B._______, sein Heimatland eigenen Angaben zufolge am 7.  Juli 2011 verliess und am 11. Juli 2011 illegal in die Schweiz einreiste, dass  er  am  13.  Juli  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  C._______ ein Asylgesuch stellte und dort am 21. Juli 2011 summarisch  befragt wurde, dass  das  BFM  den  Beschwerdeführer  am  9.  August  2011  gestützt  auf  Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  ausführlich zu seinen Asylgründen befragte und  ihn  in der Folge  für die  Dauer des Verfahrens dem Kanton D._______ zuwies, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  vorbrachte,  er  sei  in  der  Türkei  politisch  unterdrückt  worden, dass bereits sein Vater in der Türkei politisch verfolgt worden sei und nun  als anerkannter Flüchtling in der Schweiz lebe, dass  er  selber  Sympathisant  der  legalen  Ezilenlerin  Sosyalist  Partisi  (ESP;  Sozialistische  Partei  der  Unterdrückten)  sei  und  regelmässig  an  Kundgebungen und Aktionen dieser Partei teilgenommen habe, dass er ab dem Jahr 2006 bis im März 2011 in E._______ studiert habe  und dafür ein monatliches Stipendium vom Staat erhalten habe, dass  er  während  seines  gesamten  Aufenthaltes  im  Studentenheim  von  rechtsextremen  Studenten  angegriffen  worden  sei,  daneben  auch  Probleme  mit  den  Dozenten  gehabt  und  ihm  der  Direktor  mit  dem  Rauswurf gedroht habe, dass  die  Polizei  ihm  zudem  immer  wieder  den  Zugang  zur  Universität  verwehrt habe, dass  er  im März  2009  in  E._______  festgenommen  worden  sei,  als  er  Flugblätter für den Weltfrauentag vom 8. März habe verteilen wollen, dass die Polizei  seine  Identität überprüft und  festgestellt  habe, wer sein  Vater sei, worauf er ungefähr 10 Stunden lang festgehalten, misshandelt 

D­6747/2011 und  beschimpft  worden  sei,  wobei man  ihm  gesagt  habe,  er  habe  kein  Recht auf ein Leben in der Türkei, dass  er  im  Juli  2010  während  des  Ramadans  in  F._______  von  der  Polizei  vorübergehend  mitgenommen  worden  sei,  weil  er  lange  Haare  gehabt und nicht gefastet, sondern vielmehr geraucht habe, dass  man  ihn  damals  erneut  nach  seinem  Vater  gefragt  und  ihn  gemassregelt  habe,  er  jedoch  nach  eineinhalb  Stunden  wieder  freigelassen worden sei, dass ihn die Polizei bis zur Ausreise beschattet habe, dass  er  sich  in  der  Türkei  nicht  mehr  sicher  gefühlt  und  zunehmend  psychische Probleme bekommen habe,  dass er aus diesen Gründen im Juli 2011 sein Heimatland verlassen und  in  die  Schweiz  geflüchtet  sei,  zumal  seine  Eltern  und  ein  Bruder  hier  lebten, dass  der  Beschwerdeführer  im  Verlauf  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  seine  Identitätskarte,  ein  Unidiplom  (Kopie),  ein  undatiertes  Schreiben  des türkischen Anwaltes H. Y. (Kopie) sowie einen türkischen Arztbericht  vom 19. April 2011 (Kopie) zu den Akten reichte, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung  vom 18. November  2011  –  eröffnet  am 23. November  2011  –  ablehnte  und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  die  Vorinstanz  zur  Begründung  ihres  Entscheids  im Wesentlichen  ausführte,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  nicht  asylrelevant, da die geltend gemachten behördlichen Massnahmen keine  ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellten, dass es sich bei den beiden Festnahmen um kurze Beschränkungen der  Bewegungsfreiheit  handle,  der Beschwerdeführer  jeweils  ohne Auflagen  freigelassen und offensichtlich kein Verfahren gegen ihn eröffnet worden  sei, dass  im  Übrigen  nicht  ersichtlich  sei,  weshalb  die  Behörden  an  der  Person  des  Beschwerdeführers  interessiert  sein  könnten,  da  sein  politisches Engagement gering sei und er eigenen Angaben zufolge nach 

D­6747/2011 seiner  zweiten  Festnahme  keine  Probleme  im  Zusammenhang  mit  seinem Vater mehr gehabt habe, dass die beiden Festnahmen im Weiteren zeitlich zu weit zurücklägen, als  dass sie als Ausreiseanlass gewertet werden könnten, dass ausserdem zwischen den geltend gemachten Behelligungen durch  Kommilitonen  und  Dozenten  und  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers  weder  in  zeitlicher  noch  in  sachlicher  Hinsicht  ein  genügend  enger  Zusammenhang bestehe, dass der Beschwerdeführer daher die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle  und das Asylgesuch abzulehnen sei, dass der Vollzug der Wegweisung durchführbar sei, dass  insbesondere  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  zu  bejahen  sei,  da  die  vom  Beschwerdeführer  allenfalls  benötigte  medizinische Behandlung auch in der Türkei erhältlich sei, dass für den weiteren Inhalt der vorinstanzlichen Verfügung auf die Akten  zu verweisen ist, dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Beschwerde  vom  15. Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfocht  und  dabei  beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm  Asyl  zu  gewähren,  eventuell  sei  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  das  BFM  zurückzuweisen,  subeventuell  sei  er  infolge  Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen, dass  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  vollumfänglichen  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht wurde, dass  der  Beschwerde  mehrere  türkischsprachige  Internetausdrucke  beilagen, dass  mit  Eingabe  vom  16.  Dezember  2011  eine  Bestätigung  der  Fürsorgeabhängigkeit selben Datums nachgereicht wurde,

D­6747/2011 dass  auf  den  Inhalt  der  Beschwerde,  soweit  entscheidrelevant,  in  den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass  der  Instruktionsrichter  die  Gesuche  um  Gewährung  der  vollumfänglichen  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  mit  Zwischenverfügung  vom  27.  Dezember  2011  abwies  und  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  innert  Frist  einen  Kostenvorschuss  zu  leisten,  ansonsten  auf  die  Beschwerde  nicht eingetreten werde, dass  der  verlangte  Kostenvorschuss  am  10.  Januar  2012  einbezahlt  wurde, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine  solche Ausnahme  im Sinne  von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG  im  vorliegenden  Fall  nicht  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),

D­6747/2011 dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass  im  vorliegenden  Fall  die  Einschätzung  des  BFM,  wonach  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  asylrelevant  seien,  aus  nachfolgenden Gründen zu bestätigen ist, dass  die  beiden  geltend  gemachten  vorübergehenden,  kurzen  Festnahmen  vom  Mai  2009  und  Juli  2010  weder  in  zeitlicher  noch  in  sachlicher Hinsicht einen genügend engen Zusammenhang zu der im Juli  2011  erfolgten  Ausreise  des  Beschwerdeführers  aus  dem  Heimatland  aufweisen, dass  die  beiden  Vorfälle  überdies  auch  als  zu  wenig  intensiv  im  Sinne  von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu qualifizieren sind, dass  es  bezüglich  der  während  der  Studienzeit  (Jahre  2006  bis  2011)  erlittenen  Behelligungen  durch  Kommilitonen,  Dozenten  und  die  Polizei  ebenfalls am Kriterium der genügenden Intensität fehlt,

D­6747/2011 dass  der  Beschwerdeführer  im  Übrigen  vorbrachte,  er  habe  seit  Abschluss  seines  Studiums  im  März  2011  keine  Probleme  mit  diesen  Dozenten und Kommilitonen mehr gehabt (vgl. A7 S. 9), dass  auch  die  angebliche,  andauernde Beschattung  und  die Schikanen  durch  die Polizei  – welche  anlässlich  der Befragung  jedoch  nur  in  sehr  vager  Weise  beschrieben  (vgl.  A7  S.  9)  und  in  der  Beschwerde  mit  nachgeschobenen  Elementen  ausgeschmückt  wurden  –  infolge  zu  geringer Intensität keine asylrelevante Verfolgung darstellen, dass  der  Beschwerdeführer  geltend  machte,  er  werde  wegen  seiner  politischen  Ansichten  sowie  wegen  seines  Vaters,  welcher  ein  Regimegegner gewesen und in der Schweiz als Flüchtling anerkannt sei,  von den türkischen Behörden verfolgt, dass indessen wie erwähnt keine asylrelevanten Verfolgungshandlungen  seitens der Behörden vorliegen, der Beschwerdeführer im Übrigen selber  erklärte,  er  habe  nach  seiner  zweiten  Festnahme  im  Jahr  2010  keine  Probleme mit den Behörden  im Zusammenhang mit  seinem Vater mehr  gehabt  (vgl.  A7  S.  7)  und  sich  das  eigene  politische  Engagement  des  Beschwerdeführers  seinen  Angaben  zufolge  darauf  beschränkte,  als  blosser Sympathisant einer legalen Partei Flugblätter zu verteilen und ab  und zu an Versammlungen und Kundgebungen teilzunehmen, dass  daher  aufgrund  der Aktenlage  insgesamt  nicht  davon auszugehen  sein  dürfte,  der  Beschwerdeführer  sei  in  der  Türkei  aktuell  einer  asylrelevanten  Verfolgung  ausgesetzt  respektive  habe  eine  solche  in  absehbarer Zukunft zu befürchten, dass  das  eingereichte  Schreiben  eines  türkischen  Anwaltes,  worin  die  Vorbringen des Beschwerdeführers bestätigt werden (vgl. dazu A7 S. 11)  an dieser Einschätzung nichts zu ändern vermag, dass  sich  die  auf  Beschwerdeebene  nachgereichten  Unterlagen  in  türkischer  Sprache  (mehrere  Internetartikel  betreffend  Verfolgung  während des Militärdienstes) nicht auf die Person des Beschwerdeführers  beziehen  und  daher  für  das  vorliegende  Verfahren  nicht  relevant  sind,  weshalb  darauf  verzichtet  wurde,  diese  durch  den  Beschwerdeführer  übersetzen zu lassen, dass  das BFM  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  somit  zu Recht verneint hat,

D­6747/2011 dass die Ausführungen in der Beschwerde an dieser Einschätzung nichts  zu ändern vermögen, weshalb darauf nicht mehr näher einzugehen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht und demnach zu bestätigen ist, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  in  Asylsachen vormals zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommission  (ARK) der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft gilt,  das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und  andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 

D­6747/2011 (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet, dass  überdies  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer  in  der  Türkei droht,  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  in  der  Türkei  im  heutigen  Zeitpunkt  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  als  generell  zumutbar zu erachten ist, dass auch  keine  individuellen Gründe auf  eine  konkrete Gefährdung  im  Falle einer Rückkehr schliessen lassen, dass  der  Beschwerdeführer  im  März  2011  sein  Studium  als  Forstindustrieingenieur  erfolgreich  abgeschlossen  und  damit  gute  Chancen auf  dem  türkischen Arbeitsmarkt  hat, weshalb  es  ihm möglich  sein  sollte,  sich  seinen  Lebensunterhalt  im  Heimatland  selbst  zu  erarbeiten, dass  er  zudem  im  Heimatland  über  mehrere  Verwandte  verfügt  (ein  Bruder  sowie  mehrere  Tanten  und  Onkel),  welche  ihn  bei  Bedarf  unterstützen könnten,

D­6747/2011 dass er gegebenenfalls auch seine in der Schweiz wohnhaften Eltern um  (finanzielle) Hilfe bitten könnte, dass  die  medizinischen  Probleme  des  Beschwerdeführers  –  angeblich  leidet er an Depressionen – auch in der Türkei adäquat behandelt werden  können  und  er  denn  auch  schon  in  der  Vergangenheit  entsprechende  medizinische Hilfe  in Anspruch genommen hat  (vgl. A7 S. 10 sowie der  bei der Vorinstanz eingereichte ärztliche Bericht), dass  der  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  demnach  kein  Vollzugshindernis darstellt, dass  nach  dem  Gesagten  insgesamt  nicht  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer würde  im Falle  seiner Rückkehr  in  die Türkei  in  eine  Existenz  bedrohende  Situation  geraten,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung als zumutbar zu erachten ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es  ihm obliegt, bei der Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  somit  zu  bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  mit  dem  am  10. Januar  2012  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen ist. (Dispositiv nächste Seite)

D­6747/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

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