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Bundesverwaltungsgericht 08.12.2011 D-6494/2011

8 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,251 mots·~6 min·3

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 24. November 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6494/2011/wif Urteil   v om   8 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Yanick Felley;  Gerichtsschreiberin Anna Kühler. Parteien A._______, geboren B._______, alias C._______, geboren D._______,  E._______, geboren F._______, alias G._______, geboren H._______,  I._______, geboren J._______, K._______, geboren L._______, M._______, geboren N._______, Afghanistan,  (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 24. November 2011 / N _______.

D­6494/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die Beschwerdeführenden  eigenen Angaben  zufolge  im  Juni  2011  Afghanistan  von  Z._______  aus mit  dem Flugzeug  verliessen  und  über  Y._______ nach X._______ gelangten, von dort aus mit dem Schiff nach  Italien  fuhren,  von  der  italienischen  Küstenwache  aufgegriffen  wurden  und nach Zwischenhalten  in W._______, V._______ und U._______ mit  dem Zug in die Schweiz einreisten, wo sie am 18. August 2011 um Asyl  nachsuchten, dass sie  im T._______ am 29. August 2011 gemäss Art. 26 Abs. 2 des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) zu ihrer Person und  summarisch zum Reiseweg sowie zu den Gründen für das Verlassen des  Heimatlandes  befragt  wurden,  wobei  ihnen  gemäss  Art.  36  AsylG  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen  Zuständigkeit  Italiens  und  einem  damit  verbundenen Nichteintretensentscheid  nach Art.  34 Abs.  2 Bst.  d  AsylG sowie einer Überstellung nach Italien gewährt wurde, dass sie dabei im Wesentlichen vorbrachten, der Beschwerdeführer habe  aufgrund seiner Tätigkeit als (…) bei verschiedenen NGOs wie etwa den  S._______ und den R._______ Probleme bekommen,  dass  der  Beschwerdeführer  einen  Drohbrief  von  den  Taliban  erhalten  habe,  in  welchem  ihm  die  Kollaboration  mit  Ausländern  vorgeworfen  worden sei, dass  der  Beschwerdeführer  zudem  eines  Abends  zwei  bewaffnete  Männer gesehen habe, die sich  in der Nähe seines Hauses aufgehalten  hätten,  dass sich die Beschwerdeführenden angesichts dieser Bedrohungen und  Gefahren  in Afghanistan  ihres Lebens nicht mehr sicher gewesen seien  und  sie  sich  auch  Sorgen  um  die  Sicherheit  ihrer  Familie  und  um  die  Schulbildung  ihrer  Kinder  gemacht  hätten,  so  dass  sie  beschlossen  hätten, das Land zu verlassen,  dass für den Inhalt der weiteren Aussagen der Beschwerdeführenden auf  die Akten verwiesen wird,  dass  das  BFM  am  27.  September  2011  Italien  um  Übernahme  der  Beschwerdeführenden gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung (EG)  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von 

D­6494/2011 Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylverfahrens  zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat  (Dublin­II­VO),  ersuchte,  dass  das  BFM,  da  die  italienischen  Behörden  innerhalb  der  vorgesehenen Frist  keine Antwort  gaben,  von  der  Zuständigkeit  Italiens  für die Beurteilung des Asylgesuchs der Beschwerdeführenden ausging,  dass das BFM mit Verfügung vom 24. November 2011 in Anwendung von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  die  Asylgesuche  nicht  eintrat,  die  Wegweisung aus der Schweiz nach Italien sowie den Vollzug anordnete,  den  Kanton  Zürich  verpflichtete,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  den  Beschwerdeführenden  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigen liess,  dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  die  Beschwerdeführenden  hätten  gemäss  Eurodac­Treffer  vom  16.  August  2011  in  Italien  ein  Asylgesuch  gestellt  und  Italien  sei  gemäss  dem  Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA,  SR  0.142.392.68])  und gestützt auf das Übereinkommen vom 17. Dezember 2004 zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem  Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung  des  Schengen­Besitzstandes  und  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staats  für  die  Prüfung  eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrages  (Übereinkommen  vom  17.  Dezember  2004,  SR  0.362.32)  für  die  Durchführung des Asylverfahrens zuständig,  dass  Italien  innerhalb  der  vorgesehenen  Frist  nicht  geantwortet  habe,  weshalb die Zuständigkeit gestützt auf Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO  auf  Italien  übergegangen  sei  und  die Rückführung  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung  –  bis  spätestens  am  12.  April 2012 zu erfolgen habe, 

D­6494/2011 dass  den  Beschwerdeführenden  am  29.  August  2011  das  rechtliche  Gehör zu einer allfälligen Überstellung nach Italien gewährt worden sei,  dass  sie  bei  dieser  Gelegenheit  erklärt  hätten,  nicht  nach  Italien  zurückkehren  zu  wollen,  da  die  Lebensbedingungen  in  den  Empfangszentren  in  Italien  sehr  schlecht  und  insbesondere  die  hygienischen Bedingungen miserabel seien,  dass  die  Beschwerdeführerin  ferner  geltend  gemacht  habe,  im  italienischen  Empfangszentrum  einen  Arzt  verlangt  zu  haben,  ihr  dort  aber mitgeteilt worden sei, dass zurzeit kein Arzt anwesend sei,  dass  diese  Aussagen  indessen  kein  Hindernis  für  eine  Wegweisung  darstellten,  da  Italien  ein  Rechtsstaat  sei  und  gemäss  der  Dublin­II­VO  zur Rückübernahme verpflichtet sei,  dass zudem zu berücksichtigen sei, dass  Italien die Mindestnormen der  EU  für  die  Aufnahme  von  Asylsuchenden  anwende  und  daher  ausreichende Aufnahmestrukturen zur Verfügung stelle,  dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei,  dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  30.  November  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben und dabei beantragten, die Verfügung des BFM sei aufzuheben,  die  Flüchtlingseigenschaft  sei  anzuerkennen  und  es  sei  Asyl  zu  gewähren,  es  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  unzulässig,  unzumutbar  und  unmöglich  sei,  und  es  sei  die  vorläufige  Aufnahme anzuordnen,  dass  in prozessualer Hinsicht beantragt wurde, es sei die unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sei  zu  verzichten,  eventualiter  sei  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  wieder  herzustellen,  die  zuständigen  Behörden  seien  vorsorglich  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  den  Behörden  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaates  sowie  jegliche  Datenweitergabe  an  dieselben  zu  unterlassen,  und  eventualiter  sei  bei  bereits  erfolgter  Datenweitergabe  die  beschwerdeführende  Person  in  einer  separaten  Verfügung darüber zu informieren, 

D­6494/2011 dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  1.  Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 AsylG),  dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde,

D­6494/2011 dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Frage  der  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Gewährung  von  Asyl  demgegenüber  nicht  Gegenstand  des  angefochtenen  Nichteintretensentscheides  bildet,  weshalb  auf  die  entsprechenden Beschwerdeanträge nicht einzutreten ist, dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs.  1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), dass  eine  entsprechende Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Nichteintretensentscheides  stattfinden  muss  (vgl.  BVGE  2010/45 E. 10.2 S. 645), dass  dementsprechend  die  Anordnung  von  Ersatzmassnahmen  respektive  die  Feststellung  von  diesen  zugrundeliegenden  Vollzugshindernissen  auch  nicht  Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens sein kann, dass  deshalb  auf  die  Beschwerde  nicht  einzutreten  ist,  soweit  darin  beantragt wird, es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

D­6494/2011 dass  der  vorgängige  Aufenthalt  der  Beschwerdeführenden  in  Italien  feststeht und sie diesen auch nicht bestreiten, dass sich nämlich aus den Akten ergibt, dass sie  in W._______,  Italien,  am  (…)  bei  der  Einreichung  eines  Asylgesuchs  daktyloskopisch  erfasst  wurden,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  davon  ausgeht,  die  Beschwerdeführenden seien über  Italien  in den Dublin­Raum eingereist,  und demzufolge sei  Italien als erster Dublin­Mitgliedstaat  für die Prüfung  des  Asylantrages  zuständig  (vgl.  Art.  16  Abs.  1  i.V.m.  Art.  10  Abs.  1  Dublin­II­VO), dass  das  BFM  am  27.  September  2011  denn  auch  die  italienischen  Behörden um Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden ersuchte,  dass  die  italienischen  Behörden  innerhalb  der  Frist  von  zwei  Wochen  keine Antwort gaben, weshalb gemäss Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO  davon ausgegangen werden kann, dass  Italien die Wiederaufnahme der  Beschwerdeführenden akzeptiert,  dass  die  Beschwerdeführenden  somit  ohne  weiteres  in  den  Drittstaat  (Italien)  ausreisen  können,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist,  dass das BFM die Vorbringen der Beschwerdeführenden anlässlich des  ihnen  im  Rahmen  der  Befragung  vom  29.  August  2011  gewährten  rechtlichen Gehörs zu einer allfälligen Überstellung nach Italien zu Recht  als unmassgeblich beurteilte, dass  die  von  den  Beschwerdeführenden  bei  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  geäusserten  Bedenken  nämlich  allfällige  Wegweisungshindernisse betreffen, nicht aber die Zuständigkeit Italiens, dass die Beschwerdeführenden in der Beschwerdeschrift sodann geltend  machten,  sie  seien  auf  dem  Meer  aufgegriffen  und  anschliessend  daktyloskopiert  worden,  hätten  jedoch  in  Italien  kein  Asylgesuch  stellen  wollen, zumal sie sich nur einige Tage in Italien aufgehalten hätten,  dass sie in Italien kein Asylgesuch gestellt hätten, da sie ein solches erst  in der Schweiz hätten stellen wollen, 

D­6494/2011 dass  sie  entgegen  ihren  Vorbringen  gemäss  den  Ergebnissen  der  Datenbank  EURODAC  am  (…)  in  W._______,  Italien,  anlässlich  eines  Asylgesuchs  daktyloskopiert  wurden,  weshalb  dieser  Einwand  nicht  gehört werden kann,  dass  die  Beschwerdeführenden  sodann  einwenden,  in  Italien  keine  genügende  medizinische  Versorgung  für  die  Herz­  und  Unterleibsprobleme der Beschwerdeführerin zu erhalten,  dass diese Einwände  jedoch nicht gegen eine Überstellung nach  Italien  sprechen,  dass  Italien  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27.  Januar  2003  (Aufnahmerichtlinie) ohne Beanstandungen von Seiten der Europäischen  Kommission  umgesetzt  hat  und  nebst  den  staatlichen  Strukturen  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen,  welche  Asylsuchende  betreuen,  existieren, dass  die  medizinische  Grundversorgung  in  Italien  grundsätzlich  gewährleistet ist, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  zwar  die  teilweise  prekären  Verhältnisse  für  Asylsuchende  nicht  verkennt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­6038/2010 vom 3. September 2010; MARIA  BETHKE/DOMINIK  BENDER,  Zur  Situation  von  Flüchtlingen  in  Italien,  Förderverein Pro Asyl, Frankfurt am Main, 28. Februar 2011),  dass  indes  die  geltend  gemachten  medizinischen  Probleme  der  Beschwerdeführerin  zu  wenig  substanziiert  und  stichhaltig  sind,  um  zur  Auffassung zu gelangen, sie sei  in Italien einem individuell realen Risiko  ausgesetzt  (vgl.  u.a.  das  Urteil  des  Europäischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte  [EGMR]  vom  10.  Dezember  2005,  Shamayev  c.  Russland, Appl. No 36378/02), dass  zudem  zu  berücksichtigen  ist,  dass  der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  (…)  ist, weshalb der geltend gemachte Einwand zu  relativieren ist,  dass auch der  in der Beschwerde geltend gemachte Umstand, dass die  Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin drei kleine Kinder haben,  nicht gegen eine Überstellung nach Italien spricht, 

D­6494/2011 dass  infolgedessen  die  gesetzlichen  Voraussetzungen  für  einen  Nichteintretensentscheid nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG erfüllt sind,  dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu  Recht  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet  wurde, dass – wie erwähnt –  in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die  Frage nach Hindernissen des Wegweisungsvollzugs regelmässig bereits  Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheids  ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645) und allfällige völkerrechtliche und  humanitäre Vollzugshindernisse im Rahmen der eventuellen Anwendung  der sogenannten Souveränitätsklausel  (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO  i.V.m.  Art.  29a  Abs.  3  der  Asylverordnung  1  vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311])  zu  prüfen  sind,  weshalb  kein  Raum  für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG  i.V.m.  Art. 83 Abs. 1­4 AuG) besteht,  dass  in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach  Italien zur Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, soweit darauf einzutreten ist, dass  der  Antrag,  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  sei  die  Kontaktaufnahme  mit  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  sowie  jede  Weitergabe  von  Daten  an  denselben  zu  unterlassen,  mit  dem  vorliegenden Urteil gegenstandslos geworden ist,  dass den Akten keine Hinweise auf eine bereits erfolgte Datenweitergabe  durch  das BFM  zu  entnehmen  ist, weshalb  der Antrag  auf Offenlegung 

D­6494/2011 einer  solchen  Weitergabe  mittels  separater  Verfügung  ebenfalls  gegenstandslos geworden ist,  dass schliesslich auch das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses sowie der Eventualantrag auf Wiederherstellung der  aufschiebenden Wirkung mit vorliegendem Urteil gegenstandslos werden, dass die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne von Art. 65  Abs.  1  und  2 VwVG abzuweisen  sind,  da  die Beschwerdebegehren  als  aussichtslos zu bezeichnen sind, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­6494/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG werden abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Anna Kühler Versand:

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