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Bundesverwaltungsgericht 17.02.2012 D-6486/2011

17 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,924 mots·~10 min·5

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 21. November 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6486/2011 Urteil   v om   1 7 .   Februar   2012 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Gérald Bovier,   Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am … , Sri Lanka,   vertreten durch lic. iur. Felice Grella,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 21. November 2011 / N … .

D­6486/2011 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  –  eine  Staatsangehörige  von  Sri  Lanka  im  Rentenalter – reichte am 25. Juli 2011 in der Schweiz ein Asylgesuch ein,  worauf  sie  am  2.  August  2011  vom  BFM  zu  ihrer  Person,  zu  ihrem  Reiseweg  und  summarisch  zu  ihren  Gesuchgründen  befragt  wurde.  Dabei  führte  sie  zur Hauptsache an,  für  sie  sei  das Leben  in Sri  Lanka  sehr  schwierig  geworden,  da  sie  schon  lange  verwitwet  sei,  alle  ihre  Kinder  im Ausland  seien  und  der Besitz  ihrer  Familie  im Krieg  verloren  gegangen sei. Ihre Kinder hätten daher entschieden, sie nach Europa zu  holen. In dieser Hinsicht brachte sie vor, sie habe ihre Heimat bereits am  16. Januar 2011 verlassen und sei mit einem für sechs Monate gültigen  Visa  in  die  Niederlande  gereist.  Dort  habe  sie  sich  ab  dem  17. Januar  2011  bei  ihrem  ältesten  Sohn  aufgehalten,  welcher  über  die  niederländischer Staatsangehörigkeit verfüge. Am 17. Juli 2011 sei sie in  die  Schweiz  gebracht  worden,  da  hier  ihre  drei  anderen  Kinder  –  zwei  weitere  Söhne  und  eine  Tochter  –  lebten.  Die  beiden  Söhne  seien  Schweizerbürger  und  die  Tochter  verfüge  über  eine  Aufenthaltsbewilligung  (recte:  Niederlassungsbewilligung),  und  sie  habe  ihre  hier  lebenden  Kinder  2003  und  2005  mit  einem  Touristenvisum  besuchen können. Aufgrund der Angaben zum Reiseweg wurde  ihr das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  in  die  Niederlande  gewährt. Dabei brachte sie vor, sie habe eigentlich dort einen Asylantrag  stellen  wollen,  ihrem  ältesten  Sohn  sei  jedoch  von  zwei  verschiedenen  Anwälten geraten worden, sie solle dort einen Asylantrag stellen, wo sie  mehr  Kinder  habe.  Von  den  Niederlanden  könnte  sie  nach  Sri  Lanka  zugeschickt  werden,  wo  sie  viele  Probleme  bekommen  würde.  Wenn  aber die Niederlande sie aufnehmen würde und sie dort bei  ihrem Sohn  leben  könne,  so würde  sie  gerne  in  die Niederlande  zurückkehren  (vgl.  dazu die BFM­Akten: act. A5 Ziff. 16). Nach der Kurzbefragung wurde sie dem Wohnkanton ihres zweitältesten  Sohnes zugewiesen, worum dieser beim BFM ersucht hatte.  B.  Aufgrund der Ausführungen über den Erhalt eines niederländischen Visa  sandte das BFM am 15. September 2011 – nach den Bestimmungen der  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 

D­6486/2011 Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  ein  Ersuchen  um  Übernahme  der  Beschwerdeführerin an die Niederlande (gestützt auf Art. 9 Abs. 4 Dublin­ II­VO). Diesem Ersuchen wurde von den Niederlande mit Erklärung vom  15. November 2011 entsprochen.  C.  Mit  Verfügung  vom  21.  November  2011  –  eröffnet  am  folgenden  Tag –  trat das BFM  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  ein  und  ordnete  deren  Wegweisung  aus  der  Schweiz  in die Niederlande an. Gleichzeitig wurde eine Ausreisefrist auf  den  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  angesetzt,  der  zuständige  Kanton mit  dem Vollzug der Wegweisung beauftragt  und abschliessend  festgehalten,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  komme keine aufschiebende Wirkung zu. Mit dem Entscheid wurden die  gemäss  dem  Aktenverzeichnis  editionspflichtigen  Akten  zugestellt.  In  seinem Entscheid  führte  das  Bundesamt  aus,  gemäss  der  Dublin­II­VO  seien  die  Niederlande  für  die  Durchführung  der  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  zuständig,  da  sich  die  Beschwerdeführerin  vor  ihrer Reise in die Schweiz dort mit einem gültigen Visa aufgehalten habe  und die Niederlande dem Übernahmeersuchen nach Art. 9 Abs. 4 Dublin­ II­VO  entsprochen  habe.  Von  der  Beschwerdeführerin  seien  keine  Einwände gegen die Zuständigkeit der Niederlande erhoben worden, und  der Vollzug der Wegweisung dorthin erweise sich als zulässig, zumutbar  und möglich. D.  Gegen  diesen  Entscheid  erhob  die  Beschwerdeführerin  am  29.  November  2011 – handelnd durch  ihren Rechtsvertreter  – Beschwerde.  In  ihrer  Eingabe  beantragte  sie  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Anweisung  an  das  BFM,  auf  ihr  Asylgesuch  einzutreten,  eventualiter  die  Rückweisung  der  Sache  zwecks  rechtskonformer  Sachverhaltsabklärung  und  zu  neuem  Entscheid.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  sie  um  Zustellung  der  vorinstanzlichen  Akten  zwecks  Einsichtnahme  und  das  Ansetzen  einer  Nachfrist  zur  Beschwerdeergänzung, um die Gewährung der aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde  sowie  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung.  Im  Rahmen  der  Beschwerdebegründung  brachte  sie  namentlich vor, das Bundesamt habe sich  in seinem Entscheid nicht mit  dem  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  auseinandersetzt,  obwohl  drei 

D­6486/2011 ihrer vier Kinder in der Schweiz leben würden und nach der humanitären  Klausel  gemäss Art. 15  Abs.  1  und  2 Dublin­II­VO  gerade  im  Falle  von  Personen,  welche  wie  sie  aufgrund  ihres  hohen  Alters  auf  die  Unterstützung  von  Familienmitgliedern  angewiesen  seien,  die  familiäre  Verbindung  nicht  zu  trennen  sei,  sofern  die  Beziehung  bereits  im  Herkunftsland bestanden habe. Dabei machte sie unter Verweis auf Art. 8  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) sowie ein Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  geltend,  auch  im  Dublin­Verfahren  sei  die  familiäre  Situation  gebührend  zu  berücksichtigen,  zumal  sich  der  Wegweisungsvollzug bei Vorliegen familiärer Bindungen auch ausserhalb  der Kernfamilie als unzumutbar erweisen könne, sofern eine nahe, echte  und tatsächlich gelebte Beziehung bestehe. In ihrem Falle sei eine solche  Konstellation  gegeben,  da  drei  ihrer  vier  Kinder  und  ihre  Enkel  hier  lebten.  Zudem  gehöre  sie  zur  Kernfamilie,  habe  sie  doch  zu  ihren  teilweise  seit  22  Jahren  in der Schweiz  lebenden Kindern,  von welchen  sie unterstützt worden sei und welche sie 2003 und 2005 in der Schweiz  besucht  habe,  seit  deren Geburt  eine enge Beziehung.  Ihre Kernfamilie  sei  nicht  zu  trennen,  sondern  vielmehr  in  der  Schweiz  zusammenzuführen.  Zudem  benötige  sie  als  alte  Frau  auch  Betreuung  und  Pflege,  welche  ihr  von  den  hier  lebenden  Kinder  gerne  anerboten  würde.  Diese  familiären  Umstände  seien  dem  Bundesamt  ebenso  bekannt  gewesen  wie  ihr  Antrag  auf  familiäre  Zusammenführung  nach  Art.  15  Abs.  2  Dublin­II­VO,  zumal  sie  ihr  Asylgesuch  alleine  wegen  familiärer  Gründe  eingereicht  habe.  Dies  sei  jedoch  vom  Bundesamt  weder gewürdigt noch überhaupt hinreichend abgeklärt worden, womit ihr  Anspruch  auf  das  rechtliche  Gehör  nach  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101) verletzt worden sei.  E.  Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  5.  Dezember 2011 wurde die aufschiebende Wirkung erteilt  (vgl. Art. 107a  AsylG)  und  das  Bundesamt  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  Akteneinsicht  zu  gewähren.  Gleichzeitig  wurde  aber  festgehalten,  die  Beschwerdeführerin verfüge bereits über die entscheidrelevanten Akten,  und  das  Gesuch  um  das  Ansetzen  einer  Nachfrist  zur  Beschwerdeergänzung  von  daher  abgewiesen,  verbunden  mit  einem  Hinweis auf die Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Dem  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  wurde 

D­6486/2011 entsprochen  und  auf  das  Erheben  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  (vgl.  Art.  65  Abs.  1  und  Art.  63  Abs.  4  VwVG),  das  Gesuch  um  unentgeltliche Rechtsverbeiständung (im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG)  hingegen  abgewiesen.  Schliesslich  wurde  das  BFM  zum  Schriftenwechsel eingeladen (vgl. Art. 57 Abs. 1 VwVG).  F.  In seiner Vernehmlassung vom 21. Dezember 2011 hielt das BFM an der  angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Dabei  führte  das  Bundesamt  vorab  aus,  die  Beschwerdeführerin  könne  sich  nicht  auf  die  Bestimmung  von  Art. 15  Dublin­II­VO berufen, da diese Bestimmung nur zur Anwendung gelangen  könne,  wenn  sich  die  betroffene  Person  bereits  in  dem  für  sie  zuständigen  Dublin­Mitgliedstaat  befinde,  humanitäre  Überlegungen  jedoch für die Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahren durch  einen  anderen  Mitgliedstaat  sprächen.  Auch  ein  Selbsteintritt  auf  das  Asylgesuch  nach  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  sei  abzulehnen,  zumal  ein  solcher nur zu prüfen wäre, wenn im zuständigen Mitgliedstaat – anders  als  in  der  Schweiz  –  kein  familiäres  Beziehungsnetz  vorhanden  wäre.  Eine  solche  Konstellation  liege  indes  nicht  vor,  da  die  Beschwerdeführerin zwecks Besuchs  ihres dort  lebenden Sohnes  in die  Niederlande gereist sei. Erst nach mehrmonatigem Aufenthalt sei sie kurz  vor Ablauf  ihres niederländischen Visa  in die Schweiz weitergereist. Die  Niederlande  seien  auch  aufgrund  des  dortigen  Aufenthalts  der  Beschwerdeführerin und dem dort lebenden Sohn um eine Aufnahme der  Beschwerdeführerin  ersucht  worden,  zumal  von  ihr  anlässlich  der  Gewährung des rechtlichen Gehörs vom 2. August 2011 keine Einwände  gegen  die  Zuständigkeit  der  Niederlande  vorgebracht  worden  seien.  Vielmehr habe sie einen Verbleib bei diesem Sohn begrüsst,  sofern die  niederländischen  Behörden  keine  Einwände  dagegen  hätten.  In  den  Niederlanden  habe  sie  nur  deswegen  kein Gesuch  eingereicht,  weil  ihr  von Dritten davon abgeraten worden sei. Schliesslich lägen keine Hinweis  vor,  wonach  die  Betreuung  und  Pflege  der  Beschwerdeführerin  in  den  Niederlanden  nicht  gewährleistet  wäre,  und  eine  Verletzung  der  EMRK  sei nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin könne  in den Niederlanden  auf ihren dort lebenden Sohn zurückgreifen, wie auch auf Leistungen des  niederländischen Staates.  G.  Die  vorinstanzliche Vernehmlassung wurde  am 30. Dezember  2011  zur  Kenntnisnahme zugestellt, worauf die Beschwerdeführerin am 5. Januar 

D­6486/2011 2012  durch  ihren  Rechtsvertreter  um  Gewährung  einer  Frist  zur  Stellungnahme  bis  zum  31.  Januar  2012  ersuchen  liess.  Von  einer  Fristansetzung  wurde  indes  abgesehen  respektive  das  diesbezügliche  Ersuchen  mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  13. Januar 2012 abgewiesen, unter Hinweis auf die Bestimmung von Art.  32 Abs. 2 VwVG. Innert angemessener Frist respektive bis zum heutigen  Datum wurde keine Stellungnahme nachgereicht.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  unter  anderem  zuständig  für  die  Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl.  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Auf dem Gebiet des Asyls kann mit Beschwerde die Verletzung von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.3. Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG,  soweit  das VGG oder  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG).  1.4.  Auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  der  legitimierten  Beschwerdeführerin  ist einzutreten (vgl. dazu Art. 108 Abs. 2 AsylG und  Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs.1 VwVG). 2.  Im  Falle  von  Beschwerden  gegen Nichteintretensentscheide, mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  des  Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  das  BFM  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  dazu  BVGE 2007/8 E. 2.1 mit weiterem Hinweis).  3.  Der  entscheidrelevante  Sachverhalt  ist  als  erstellt  zu  erkennen  und  die 

D­6486/2011 Vorbringen betreffend eine angebliche Gehörsrechtsverletzung erweisen  sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als nicht begründet. Die eventualiter  beantragte  Rückweisung  der  Sache  an  das  BFM  zwecks  erneuter  Sachverhaltsfeststellung  und  neuem  Entscheid  fällt  daher  ausser  Betracht.  4.  4.1.  Gemäss  der  Bestimmung  von  Art.  34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  –  auf  welche sich die angefochtene Verfügung stützt – wird auf Asylgesuche in  der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist.  4.2. Nachdem die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge von den  Niederlanden  ein  für  sechs Monate  gültiges Visa  ausgestellt  worden  ist  und  sie  nach  dessen  Ablauf  von  den  Niederlanden  kommend  in  die  Schweiz eingereist ist, ist nach den Bestimmungen zum Dublin­Verfahren  – neben der Dublin­II­VO namentlich die Verordnung [EG] Nr. 1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Dublin­II­VO  (DVO  Dublin)  und  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen; DAA, SR 0.142.392.68]) –  grundsätzlich dieser Staat  für die Prüfung  ihres Asylantrages zuständig.  Dem  Ersuchen  des  Bundesamtes  um  eine  Übernahme  der  Beschwerdeführerin (gestützt auf Art. 9 Abs. 4 Dublin­II­VO) wurde denn  auch von den Niederlanden am 15. November 2011 entsprochen, womit  die  Niederlande  ihre  Zuständigkeit  anerkannt  haben.  Damit  sind  die  Grundvoraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid in Anwendung  von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres erfüllt.  4.3. Von der Beschwerdeführerin wird die Zuständigkeit der Niederlande  nicht bestritten, jedoch geltend gemacht, ihr Asylgesuch sei mit Rücksicht  auf  ihre  familiären  Verhältnisse  in  Anwendung  der  humanitären  Klausel  gemäss Art. 15 Abs. 1 und 2 Dublin­II­VO von der Schweiz zu behandeln.  In diesem Zusammenhang ist der Ordnung halber festzuhalten, dass eine  Berufung  auf  diese  Bestimmung  im  Falle  der  vorliegenden  Sachverhaltskonstellation – die Beschwerdeführerin will wegen familiärer  Beziehungen  in  der  Schweiz  bleiben  –  nicht  möglich  ist.  Die 

D­6486/2011 Bestimmungen  in  Art. 15  Dublin­II­VO  zielen  darauf  ab,  dass  ein  nach  den allgemeinen Bestimmungen der Dublin­II­VO zuständiger Staat einen  anderen  Mitgliedstaat  um  die  Übernahme  einer  asylsuchenden  Person  ersuchen  kann,  wenn  sich  aufgrund  der  familiären  Umstände  die  Behandlung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  durch  diesen  anderen  Staat  aufdrängen  sollte.  Diese  Regelung  wurde  geschaffen,  damit nicht durch eine rein buchstabengetreue Anwendung der Dubliner­ Zuständigkeitskriterien  voneinander  abhängige  Familienangehörige  getrennt  respektive  von  den  Mitgliedstaaten  nicht  wieder  zusammengeführt werden. Stellt beispielsweise die Schweiz  im Rahmen  der  Befragung  einer  asylsuchenden  Person  fest,  dass  sich  deren  gesamte Familie in einem anderen Mitgliedstaat aufhält, und erweist sich  diese Person gleichzeitig als besonders  verletzlich  (im Sinne der  in Art.  15  Abs.  2  ­  3  Dublin­II­VO  genannten  Kriterien),  so  ist  die  Schweiz  berechtigt  aber  auch  gehalten,  den  an  sich  nicht  zuständigen  Mitgliedstaat um eine Übernahme zu ersuchen. Stimmt dieser Staat der  Übernahme zu  (wozu er gehalten  ist,  sollten die Voraussetzungen nach  Art. 15 Abs. 2 ­ 3 Dublin­II­VO erfüllt sein), geht die Zuständigkeit von der  Schweiz  an  diesen  Staat  über  und  die  Person  kann  dorthin  überstellt  werden, wenn  sie  dem  zustimmt  (vgl.  dazu Art.  15 Abs.  1 Dublin­II­VO  [letzter  Satz]).  Für  das  weitere  Verfahren  zur  Anwendung  der  humanitären Klausel  im zwischenstaatlichen Verkehr  ist an dieser Stelle  auf  die  Lehre  zu  verweisen  (vgl.  insbesondere  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung,  3. Aufl.,  Wien/Graz  2010, Art. 15, S. 118 ff.) 4.4.  Art.  15  Abs.  2  Dublin­II­VO  stellt  demnach  für  die  Beschwerdeführerin keine Grundlage dar, um sich unter Verweis auf ihre  familiären  Verbindungen  einen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  zu  erstreiten.  Wenn  sich  Familienangehörige  einer  asylsuchenden  Person  in  der  Schweiz aufhalten,  so  ist diesem Umstand  in Dublin­Verfahren vielmehr  durch Ausübung des Selbsteintrittsrechts nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO  Rechnung  zu  tragen,  sollten  die  diesbezüglichen  Anforderungen  erfüllt  sein (vgl. dazu nachfolgend). So hat es die Schweiz als Aufenthaltsstaat  selbst  in  der  Hand,  eine  Trennung  von  Familienmitglieder  durch  die  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  zu  verhindern,  wobei  der  Beurteilungsgegenstand  natürlich  inhaltliche  parallelen  zur  Bestimmung  von Art. 15 Abs. 2 ­ 3 Dublin­II­VO aufweist (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, K11  [am Ende] und K4 zu Art. 15). 

D­6486/2011 4.5.  Nach  der  Bestimmung  von  Art.  3  Abs. 2  Dublin­II­VO  kann  die  Schweiz  ein  Asylgesuch  materiell  prüfen,  auch  wenn  gemäss  den  einschlägigen Kriterien der Dublin­II­VO ein anderer Staat zuständig wäre  (Selbsteintrittsrecht).  Diese  Bestimmung  ist  nicht  direkt  anwendbar,  sondern kann nur  in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen  oder  internationalen  Rechts  angerufen  werden  (BVGE  2010/45  E. 5).  Art. 29a  Abs. 3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  sieht  vor,  dass  das  BFM  aus  humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den  Kriterien der Dublin­II­VO ein anderer Staat zuständig ist. Es handelt sich  dabei  um  eine  "Kann­Bestimmung",  die  den  Behörden  einen  gewissen  Ermessensspielraum  lässt  und  grundsätzlich  restriktiv  auszulegen  ist  (BVGE  2010/45  E. 8.2.2).  Droht  hingegen  ein  Verstoss  gegen  übergeordnetes  Recht,  namentlich  ein  Verstoss  gegen  eine  zwingende  Norm  des  Völkerrechts,  so  besteht  ein  einklagbarer  Anspruch  auf  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  (BVGE  2010/45  E. 7.2.;  FILZWIESER/SPRUNG,  K8  zu  Art. 3).  Erweist  sich  demnach  im  Einzelfall,  dass  durch  die  Überstellung  nach  den  Bestimmungen  der  Dublin­II­VO  völkerrechtlich  geschützte  Ansprüche  verletzt  würden  (vorliegend  wird  eine  Verletzung  von  Art.  8  EMRK  behauptet),  so  muss  vom  Selbsteintrittsrecht  nach  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  Gebrauch  gemacht  werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/9 E. 4.1). 4.6. Im Rahmen des angefochtenen Entscheides hat sich das BFM vorab  mit  der  Frage  der Bestimmung  der  Zuständigkeit  nach  der Dublin­II­VO  auseinandergesetzt  und  sich  zur  Frage  eines  Selbsteintritts  nach  Art. 3  Abs. 2 Dublin­II­VO nicht geäussert. Dies ist aufgrund der Akten nicht zu  bemängeln,  namentlich  ist  in  diesem  Zusammenhang  keine  Verletzung  des  Anspruchs  auf  das  rechtliche  Gehör  ersichtlich,  auch  wenn  die  Beschwerdeführerin eine solche geltend macht, weil sie doch gegenüber  dem  BFM  sehr  ausführlich  über  ihre  hiesigen  familiären  Verbindungen  berichtet  habe.  Sie  hat  sich  indes  nicht  nur  zu  diesen  Verbindungen  geäussert,  sondern  in  gleicher  Weise  auch  über  ihre  familiären  Verbindungen  in  den Niederlanden. Das Bundesamt  ist  offenkundig  vor  diesem  Hintergrund  nicht  näher  auf  die  beiderseitigen  Beziehungen  eingegangen,  sondern  es  hat  sich  in  seinem Entscheid  auf  die  gemäss  Art.  9  Abs.  4  Dublin­II­VO  relevante  Beziehung  zu  den  Niederlanden  konzentriert,  welche  durch  die  Visa­Erteilung  mit  sechsmonatigem  Aufenthalt im Lande begründet wurde. Nachdem die Beschwerdeführerin  in  beiden  Ländern  in  gleicher Weise  über  familiäre  Anknüpfungspunkte  verfügt  (vgl.  nachfolgend),  war  das  Bundesamt  nicht  verpflichtet,  sich 

D­6486/2011 dazu  gesondert  zu  äussern.  Von  der  Beschwerdeführerin  mag  das  Fehlen  einer  diesbezüglichen  Auseinandersetzung  als  Mangel  empfunden  werden,  alleine  von  daher  ist  jedoch  nicht  auf  eine  Gehörsrechtsverletzung zu schliessen. Nachdem sie vom Bundesamt zu  ihren  persönlichen  Verbindungen  sowohl  in  den  Niederlanden  als  auch  der  Schweiz  befragt  wurde,  ist  auch  keine  Gehörsrechtsverletzung  zufolge ungenügender Sachverhaltsfeststellung ersichtlich.  4.7.  Die  Beschwerdeführerin  verfügt  sowohl  in  der  Schweiz  (mit  zwei  Söhnen  und  einer  Tochter)  als  auch  in  den  Niederlanden  (mit  einem  Sohn)  über  naheliegende  familiäre  Anknüpfungspunkte.  Anzumerken  bleibt dabei, dass sie offenkundig während der letzten Jahre ein von ihren  Kindern  unabhängiges  Leben  geführt  hat,  wie  dies  unter  erwachsenen  Familienangehörigen  allgemein  üblich  ist.  Vor  ihrer  Einreise  in  die  Schweiz hat sie während sechs Monaten bei ihrem ältesten Sohn in den  Niederlanden gelebt. Nun lebt sie soweit ersichtlich seit wiederum sechs  Monaten  (…)  bei  ihrem  zweitältesten  Sohn.  Ein  Unterschied  in  der  Qualität  der  Beziehungen  zu  ihren  Kindern,  welchem  geradezu  völkerrechtliche Relevanz zukommen müsste,  ist nicht ersichtlich, zumal  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  vom  2.  August  2011  eine  Rückkehr  zu  ihrem  ältesten  Sohn  durchaus  begrüsst  hätte.  Vor  diesem Hintergrund  kann  kein Anlass  zur  Annahme bestehen, durch die Wegweisung in die Niederlande würde sie  in  ihren  nach  Art.  8  EMRK  geschützten  Rechten  verletzt.  Das  Beschwerdevorbringen,  gerade  bei  den  in  der  Schweiz  ansässigen  Kindern handle es sich um ihre Kernfamilie, respektive zu diesen bestehe  immerhin  eine  nahe,  echte  und  tatsächlich  gelebte  Beziehung,  welche  nicht  getrennt  werden  dürfe,  kann  aufgrund  der  Akten  respektive  der  bisherigen Aufenthaltsdauer bei ihren Kindern von jeweils sechs Monaten  nicht  überzeugen. So besteht  kein Anlass  zur Annahme, die Beziehung  zum Sohn in den Niederlanden sei bloss minderen Charakters, wogegen  die  Beziehung  zu  ihren  Kindern  in  der  Schweiz  bereits  den  Charakter  eines  eigentlichen  Abhängigkeitsverhältnisses  erreicht  habe  (vgl.  dazu  BVGE 2008/47 E. 4.1 [m.w.H.]). Nach dem Gesagten ergibt sich aus Art.  8 EMRK keine Verpflichtung der Schweiz zu einem Selbsteintritt nach Art.  3 Abs. 2 Dublin­II­VO.  4.8.  Art. 29a  Abs. 3  AsylV 1  stellt  –  wie  oben  erwähnt  (E.  4.5)  –  die  Grundlage  dar,  um  im  Einzelfall  aus  humanitären  Gründen  vom  Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO Gebrauch zu machen.  Damit  wird  dem  BFM  die  Möglichkeit  eingeräumt,  um  auch  ausserhalb 

D­6486/2011 von  Fällen,  wo  der  Selbsteintritt  zur  Pflicht  wird,  aus  anderen,  weniger  zwingenden humanitären Gründen das Ermessen zu Gunsten des Wohls  des Asylsuchenden  in Form eines Selbsteintritts auszuüben. Durch eine  grundsätzlich  restriktive  Auslegung  von  Art. 29a  Abs. 3  AsylV 1  wird  in  der Praxis sichergestellt, dass das Zuständigkeitssystem der Dublin­II­VO  nicht unterhöhlt wird (vgl. dazu BVGE 2011/9 E. 8.1 [m.w.H.]). Vorliegend  ist  keine  Konstellation  gegeben,  die  die  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  in  Anwendung  dieser  Bestimmung  rechtfertigen  könnte.  Die  Beschwerdeführerin  mag  durchaus  aufgrund  ihres  Alters  zukünftig  vermehrt  auf  familiäre  Unterstützung  angewiesen  sein,  was  ihren  Angaben  gemäss  wohl  der  Grund  für  ihre  Ausreise  nach  Europa  gewesen  sein  dürfte.  Diese  Unterstützung  kann  ihr  jedoch  nicht  einzig  von  ihren  in  der Schweiz wohnhaften Kindern,  sondern auch  von  ihrem  Sohn  in den Niederlanden zuteilwerden. Besuchsreisen  ihrer Kinder von  der Schweiz in die Niederlande dürften dabei problemlos möglich sein, da  ihre  Söhne  als  Schweizerbürger  und  ihre  Tochter  als  in  der  Schweiz  Niedergelassene  in  ihrer Reisetätigkeit  nicht  eingeschränkt  sind.  Alleine  dem  Umstand,  dass  in  der  Schweiz  insgesamt  zwei  Söhne  und  eine  Tochter,  in den Niederlande dagegen nur der älteste Sohn wohnhaft  ist,  ist keine ausschlaggebende Bedeutung zuzumessen.  Im Resultat sind –  entgegen  den  sinngemäss  anders  lautenden  Beschwerdevorbringen –  keine  besonderen  Sachverhaltsumstände  ersichtlich,  welche  eine  Behandlung  des  Asylgesuches  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  geradezu aufdrängen würden.  4.9. Nach den vorstehenden Erwägungen ist der Nichteintretensentscheid  in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen.  5.  5.1. Nachdem  der  Nichteintretensentscheid  zu  bestätigen  ist,  entspricht  die  Anordnung  der Wegweisung  in  die Niederlande  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens; die Anordnung der Wegweisung steht im Einklang mit  der Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG und ist zu bestätigen.  5.2. Anzumerken bleibt, dass im Rahmen des Dublin­Verfahrens – einem  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Behandlung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  –  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen  für  den Wegweisungsvollzug  (im Sinne  von Art.  44  Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]), mithin eine entsprechende Prüfung soweit notwendig bereits im 

D­6486/2011 Rahmen  des  Nichteintretensentscheides  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende Erwägungen). In diesem Sinne hat das BFM den Vollzug der  Wegweisung  in  die  Niederlande  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich erklärt.  6.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Bei  vorliegendem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  der  Beschwerdeführerin grundsätzlich Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs.  1  VwVG).  Nach  der  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  (im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG)  ist  jedoch  von  einer Kostenauflage abzusehen.

D­6486/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Der Beschwerdeführerin werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Contessina Theis Lorenz Mauerhofer Versand:

D-6486/2011 — Bundesverwaltungsgericht 17.02.2012 D-6486/2011 — Swissrulings