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Bundesverwaltungsgericht 28.11.2011 D-6476/2010

28 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,272 mots·~11 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. August 2010

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6476/2010/sps Urteil   v om   2 8 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Kurt Gysi,  Richter Yanick Felley;    Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren (…), Uganda, alias B._______, geboren (….), Ruanda,   vertreten durch lic. iur. Katja Ammann, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 11. August 2010.

D­6476/2010 Sachverhalt: A.  A.a  Der  Beschwerdeführer  stellte  am  21.  September  1999  unter  der  Identität  B.______,  geboren  (…),  Ruanda,  in  der  Schweiz  ein  erstes  Asylgesuch. Am 5. Oktober 1999 wurde er  in der Empfangsstelle (heute  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  [EVZ])  C._______  zu  seinen  Personalien,  zu  seinem  Reiseweg  und  –  summarisch  –  zu  seinen  Asylgründen  befragt.  Für  den  Aufenthalt  während  der  Dauer  des  Asylverfahrens  wurde  er  dem  Kanton  D._______  zugewiesen.  Die  zuständige  kantonale  Behörde  hörte  ihn  am  23.  November  1999  eingehend zu seinen Asylgründen an. Am 1. Februar 2000 wurde er vom  damals  zuständigen  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF)  in  Givisiez  ergänzend befragt. Zur  Begründung  seines  ersten  Asylgesuches  brachte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  vor,  er  sei  als  Angehöriger  des  Volkes der Hutu in Kigali (Ruanda) geboren und im Alter von drei Jahren  mit seiner Familie nach Südafrika gezogen. Im Jahre 1988 seien sie nach  Ruanda  zurückgekehrt  und  hätten  sich  in  dem  als  "No  Man's  Land"  bezeichneten  Grenzgebiet  zwischen  Ruanda  und  Uganda  niedergelassen.  Im  Jahre  1994  seien  sein Vater  und  zwei  Jahre  später  auch  seine  Mutter  verstorben.  Nunmehr  ohne  Eltern  und  auch  ohne  Zukunftsaussichten (die Ausbildung an der internationalen Schule, die er  seit  der Rückkehr  aus Südafrika  besucht  habe,  habe  er  nach  dem Tod  seines Vaters abgebrochen), habe er sich zusammen mit seinem Bruder  zur Ausreise entschlossen.  Im  Juli  1991  seien  sie  gemeinsam  in  einem  Lastwagen nach Mombasa gefahren,  von wo aus dann  sein Bruder  auf  dem Luftweg nach Amerika und er auf einem Schiff  nach  Italien gereist  sei. Am 18. September 1999 sei er unter Umgehung der Grenzkontrollen  in die Schweiz eingereist. A.b Mit Verfügung vom 10. Februar 2000 lehnte das BFF das Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  der  Begründung  ab,  dessen  Vorbringen  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  stand.  Insbesondere  bestünden  gewichtige  Zweifel  sowohl  an  der  angeblichen  Minderjährigkeit  als  auch  an  der  geltend  gemachten  Herkunft  aus  Ruanda. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung des Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  an  und  stellte  fest,  der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  zulässig, zumutbar und möglich.  Die Verfügung vom 10. Februar 2000 trat unangefochten in Rechtskraft.

D­6476/2010 B.  B.a  Mit  Eingabe  vom  5.  März  2002  ersuchte  der  Beschwerdeführer –  diesmal  unter  der  Identität  A.________,  geboren  (…),  Uganda  –  durch  seinen  damaligen  Rechtsvertreter  (E._______)  das  BFM  um  Wiedererwägung  des  ablehnenden Entscheides  vom 10.  April  2000.  Im  Wesentlichen  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen.  Zur  Begründung  wurde  ausgeführt,  der  Beschwerdeführer  habe  in  der  Schweiz erkannt, dass er homosexuell sei. Da Homosexuelle  in Uganda  inhaftiert und geächtet würden, hätte eine Rückkehr für ihn eine konkrete  Gefahr für Leib und Leben zur Folge und sei somit unzumutbar. Überdies  habe er in seiner Heimat kein Beziehungsnetz mehr, da er sich seit dem  Jahre 1997 fast ununterbrochen  in der Schweiz aufhalte, wo auch seine  Mutter  und  seine Geschwister  lebten  und wo  er  sich  gut  eingelebt  und  integriert  habe.  Zur  Untermauerung  seiner  Begehren  liess  der  Beschwerdeführer  verschiedene  Empfehlungsschreiben  von  Bekannten  und  Verwandten  sowie  einen  dem  Internet  entnommenen  Bericht  betreffend die Situation Homosexueller in Uganda zu den Akten reichen.  B.b Das BFM wies das Wiedererwägungsgesuch vom 5. März 2002 mit  Verfügung  vom 19. März  2002 ab,  soweit  es  darauf  eintrat. Gleichzeitig  stellte es fest, die Verfügung vom 10. Februar 2000 sei rechtskräftig und  vollstreckbar  und  einer  allfälligen  Beschwerde  komme  keine  aufschiebende  Wirkung  zu.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  ausgeführt, aufgrund der Aktenlage bestünden keine konkreten Hinweise,  dass  eine  staatliche  Verfolgungsabsicht  gegenüber  dem  Beschwerdeführer  tatsächlich  bestehen  könnte.  Einerseits  sei  den  ugandischen  Behörden  die  Neigung  des  Beschwerdeführers  nicht  bekannt  und  andererseits  fänden  sich  selbst  in  den  einschlägigen  Menschenrechtsberichten  keine  Hinweise  darauf,  dass  der  ugandische  Präsident  tatsächlich  mit  der  besagten  Härte  gegen  Homosexuelle  vorgehe, habe dieser doch im November 1999 verkündet, Homosexuelle  könnten in Uganda leben, solange sie ihre Neigungen geheim hielten. Die  Furcht  vor  staatlicher Repression  sei  somit  unbegründet.  Bezüglich  des  geltend gemachten fehlenden Beziehungsnetzes des Beschwerdeführers  in Uganda hielt  das BFF  insbesondere  fest,  einerseits  sei  aufgrund des  Verhaltens  des  Beschwerdeführers  im  ordentlichen  Asylverfahren  (bewusst falsche Angaben hinsichtlich seiner Identität und Herkunft sowie 

D­6476/2010 zu den Umständen seiner Ausreise aus der Heimat und seiner Einreise in  die  Schweiz)  generell  an  dessen  Glaubwürdigkeit  zu  zweifeln,  andererseits  sei  einem  gesunden  22­jährigen Mann  eine  eigenständige  Lebensführung weiterhin zuzumuten.  B.c  Der  Beschwerdeführer  beantragte  durch  seinen  damaligen  Rechtsvertreter  bei  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  mit  Eingabe  vom  6.  April  2002  die  Aufhebung des BFM­Entscheids vom 19. März 2002 und die Anordnung  der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. Die aufschiebende Wirkung sei  "umgehend  wieder  herzustellen  und  die  kantonale  Fremdenpolizei  des  Kantons  D.________  sei  anzuweisen,  von  Vollzugshandlungen  abzusehen". Zur Untermauerung  der Anträge  –  bezüglich  deren Begründung  auf  die  Akten  verwiesen  wird  –  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  ehemaligen  Rechtsvertreter  am  6.  April  2002  sowie  am  16.  April  2002  und am 23. April 2002 verschiedene dem Internet entnommene Berichte  betreffend die Situation Homosexueller in Uganda zu den Akten gegeben.  B.d  Die  ARK  wies  die  am  6.  April  2002  eingereichte  Beschwerde  mit  Urteil  vom  21.  Juni  2002  ab.  Zur  Begründung  wurde  dargelegt,  der  Beschwerdeführer habe in keiner Weise zu beweisen vermögen, dass er  seine  Homosexualität  nicht  schon  im  ordentlichen  Verfahren  oder  allenfalls  mittels  Beschwerde  hätte  vorbringen  können,  weshalb  die  geltend gemachte Tatsache als verspätet i.S.von Art. 66 Abs. 3 i.V.m. Art.  67  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu bezeichnen sei; dies gelte  umso  mehr,  als  aufgrund  des  bisherigen  Verhaltens  des  Beschwerdeführers generell  an dessen Glaubwürdigkeit  zu zweifeln sei.  Dessen  ungeachtet  habe  der  Beschwerdeführer,  solange  er  seine  Homosexualität  nicht  allzu  sehr  in  der  Öffentlichkeit  zeige,  kaum  staatliche Repressionen zu befürchten, zumal in Uganda seit einiger Zeit  ein Wandel der öffentlichen Meinung über Homosexualität  stattfinde.  Im  Übrigen  scheine  seine  Beziehung  zu  seiner  in  der  Schweiz  lebenden  Mutter ­ die er anlässlich der Befragungen im ordentlichen Asylverfahren  noch für verstorben erklärt habe – nicht derart, dass ihm die Ausreise aus  der Schweiz nicht zuzumuten wäre. B.e Auf  die  als  "Erläuterungsbegehren"  betitelte,  auf  den  6.  April  2002  datierte  (massgeblicher  Poststempel:  31.  Juli  2002)  Eingabe  des 

D­6476/2010 damaligen  Rechtsvertreters  des  Beschwerdeführers  trat  die  ARK  mit  Urteil vom 15. August 2002 nicht ein.  C.  C.a  Der  Beschwerdeführer  gelangte  durch  seine  neu  bestellte  Rechtsvertreterin  am  18.  Mai  2010  mit  einer  als  "Wiedererwägungsgesuch"  bezeichneten  Eingabe  erneut  an  das  BFM  und  ersuchte  um  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  um  Gewährung des Asyls. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der  Wegweisung  unzulässig  und  unzumutbar  sei,  und  er  sei  in  der  Folge  vorläufig  aufzunehmen.  "In  jedem  Fall"  sei  dem  Gesuch  die  aufschiebende Wirkung zu erteilen, und das Migrationsamt des Kantons  D.________  sei  anzuweisen,  von  Vollzugshandlungen  abzusehen.  Des  Weiteren  sei  der  neu  bestellten  Rechtsvertreterin  vollumfängliche  Akteneinsicht  zu  gewähren  und  es  sei  ihr  nach  erfolgter  Akteneinsicht  eine  Frist  zur  Beschwerdeergänzung  anzusetzen.  Schliesslich  sei  die  Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsvertreterin beizuordnen und es  sei auf die Erhebung allfälliger Verfahrenskosten zu verzichten.  Zur Untermauerung der Begehren –  für deren weiteren Begründung auf  die  Akten  sowie  auf  die  nachfolgenden  Erwägungen  verwiesen  wird –  reichte  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  zahlreiche  Ende  2009  und  anfangs  2010  im  Internet  veröffentliche  Berichte,  einen  Artikel aus der  "Neuen Zürcher Zeitung" vom 27. März 2010 sowie eine  Kopie des Entwurfs der "Anti Homosexuality Bill, 2009" zu den Akten.  C.b  Das  BFM  teilte  dem  Beschwerdeführer  beziehungsweise  dessen  Rechtsvertreterin mit  Zwischenverfügung  vom 31. Mai  2010 mit,  die  als  "Wiedererwägungsgesuch"  bezeichnete  Eingabe  werde  aufgrund  ihres  Inhaltes  und  der  Rechtsbegehren  als  zweites  Asylgesuch  behandelt.  Gleichzeitig forderte es den Beschwerdeführer auf, bis zum 15. Juni 2010  den  Betrag  von  Fr.  1'800.—  als  Gebührenvorschuss  zu  bezahlen,  ansonsten  auf  das  zweite  Asylgesuch  nicht  eingetreten  werde.  Des  Weiteren wurden der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers die Akten  aus  dem  vorinstanzlichen  ordentlichen  Verfahren  sowie  aus  dem  Wiedererwägungsverfahren in Kopie zugestellt.  Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 14. Juni 2010 bezahlt. C.c Am  16.  Juli  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  vom  BFM  in  Bern­  Wabern gestützt auf Art. 29 Abs. 1 und Art. 41 Abs.1 des Asylgesetzes    

D­6476/2010 vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  erneut  zu  seinen  Asylgründen  angehört. Dabei brachte er unter anderem vor, er habe in seiner Heimat  bereits im Alter von 14 Jahren die ersten gleichgeschlechtlichen Kontakte  – mit  seinem  Lehrer  –  gehabt.  In  der  Schweiz  treffe  er  sich  in  verschiedenen  Clubs  sowie  auf  der Website  "F.________" mit  anderen  Männern  und  bestreite  seinen  Lebensunterhalt  damit,  dass  er  seine  Dienste  unter  den  Pseudonymen  "G._______",  "H._______"  und  "I._______"  an  Männer  anbiete.  Zweimal  habe  er  auch  einen  festen  Partner  gehabt;  zur  Eintragung  einer  Partnerschaft  sei  es  jedoch  unter  anderem  deswegen  nicht  gekommen,  weil  er  dem  zuständigen  Zivilstandsamt  keine  gültigen  Papiere  habe  vorlegen  können.  Sodann  wies er erneut darauf hin, dass er als Homosexueller in Uganda ein sehr  schwieriges  Leben  hätte,  zumal  auch  die  ugandische  Vertretung  in  der  Schweiz  von  seiner  homosexuellen  Neigung  Kenntnis  erlangt  habe.  Er  möchte  auch  nicht  in  seine  Heimat  zurückkehren,  da  seine Mutter,  die  aufgrund  einer  früheren  Ehe  mit  einem  Schweizer  das  Schweizer  Bürgerrecht besitze, und seine beiden Schwestern in der Schweiz lebten.  Schliesslich  leide  er  aufgrund  des  ungeregelten  Aufenthaltsstatus  unter  chronischen Kopfschmerzen sowie unter Schlafstörungen.  Für  den  weiteren  Inhalt  der  Aussagen  wird  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten verweisen.  D.  Mit  Verfügung  vom  11.  August  2010  –  eröffnet  am  13.  August  2010 –   lehnte das BFM das Asylgesuch vom 18. Mai 2010 mit der Begründung  ab, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an  die Flüchtlingseigenschaft nicht stand; es könne nicht auf das Vorliegen  von  Massnahmen  beziehungsweise  auf  begründete  Furcht  vor  Massnahmen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG, die einen unerträglichen  psychischen  Druck  bewirkten,  geschlossen  werden  und  es  lägen  auch  keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. Des Weiteren ordnete das BFM  die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz an und stellte  fest, der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich.  Gleichzeitig  wurde  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung abgewiesen und für das Verfahren eine Gebühr in  der Höhe von Fr. 1'800.— erhoben, welche durch den am 14. Juni 2010  geleisteten Vorschuss gedeckt war.

D­6476/2010 E.  Der Beschwerdeführer  beantragte  durch  seine Rechtsvertreterin mit  auf  den  9. September  2010  datierter Eingabe  (Poststempel:  10. September  2010) – unter Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 11. August  2010  sowie  der  Zwischenverfügung  des  BFM  vom  31.  Mai  2010  –  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die Gewährung  des Asyls.  Eventualiter  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  unzulässig  und  unzumutbar  sei,  und  der  Beschwerdeführer  sei  in  der  Folge  vorläufig  aufzunehmen.  Subeventualiter  sei  die  Sache  zur  Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  In prozessrechtlicher  Hinsicht  sei  der  Beschwerde  die  aufschiebende Wirkung  zuzuerkennen  und  es  sei  die  auf  den  6.  Oktober  2010  angesetzte  Ausreisefrist  auszusetzen. Schliesslich sei die unentgeltliche Prozessführung inklusive  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  zu  bewilligen  und  es  sei  auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.  Zur Untermauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den  Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen  wird  –  gab  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  sechs  weitere  dem  Internet  entnommene  und  die  Situation  Homosexueller  in  Uganda  betreffende Artikel sowie eine Kostennote zu den Akten. F.  Mit  Zwischenverfügung  vom  17.  September  2010  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  der Rechtsvertreterin  des Beschwerdeführers  mit,  ihr Mandant  könne gestützt  auf Art.  42 Abs.  1 AsylG den Ausgang  des Verfahrens  in  der Schweiz  abwarten. Sodann wurden  die Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  inklusive  der  unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG) und  um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  (Art.  63 Abs. 4  VwVG)  mit  der  Begründung  abgelehnt,  die  angeblich  bestehende  Bedürftigkeit  werde  durch  keine  entsprechende  Bestätigung  belegt,  überdies fehlende es an der Komplexität der in Frage stehenden Materie,  so dass die  sachliche Notwendigkeit  einer anwaltlichen Vertretung nicht  gegeben sei. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer  aufgefordert,  bis  zum  4.  Oktober  2010  eine  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung  einzureichen oder einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.— zu  bezahlen, andernfalls auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.  Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 1. Oktober 2010 bezahlt. 

D­6476/2010 G.  G.a  Das  Bundesverwaltungsgericht  forderte  das  BFM  am  14.  Januar  2011 zur Einreichung einer Vernehmlassung auf.  G.b Mit Verfügung vom 28. Januar 2011 zog das BFM seinen Entscheid  vom  11.  August  2010  teilweise  in  Wiedererwägung  und  nahm  den  Beschwerdeführer  vorläufig  in  der  Schweiz  auf.  Zur  Begründung wurde  im Wesentlichen ausgeführt, in Würdigung aller Umstände sei der Vollzug  der Wegweisung im heutigen Zeitpunkt nicht zumutbar.  H.  H.a  Das  Bundesverwaltungsgericht  setzte  dem  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung vom 7. Februar 2011 Frist zur Mitteilung an, ob er die  am 10. September 2010 eingereichte Beschwerde zurückziehen oder an  dieser festhalten wolle. H.b  Die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  teilte  dem  Bundesverwaltungsgericht  am 8. Februar  2011 mit,  ihr Mandant  sei  zur  Zeit  "wegen  seines  bisherigen  Sans­Papiers­Status  im  Gefängnis  J._______ inhaftiert", und liess sich dann mit Schreiben vom 21. Februar  2011  dahingehend  verlauten,  ihr  Mandant  halte  an  seiner  Beschwerde  fest, da die Situation in Uganda für ihn nach wie vor lebensbedrohlich sei;  vor  Kurzem  sei  einer  der  Vorkämpfer  für  die  Gleichberechtigung  Homosexueller  in  Uganda  ermordet  worden,  und  der  seit  1986  amtierende Staatschef Yoweri Museveni sei soeben für weitere fünf Jahre  in seinem Amt bestätigt worden.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  eines  Staates,  vor  welchem  die 

D­6476/2010 beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4. 

D­6476/2010 4.1.  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  aufgrund  des  Verhaltens  des  Beschwerdeführers  in  den  bisher  anhängig  gemachten  Asylverfahren  (Auftreten  unter  verschiedenen  Identitäten  und  Nationalitäten,  Schilderung  ganz  unterschiedlicher  Asylgründe)  grundsätzliche  Zweifel  an dessen persönlicher Glaubwürdigkeit anzubringen sind. Dessen  ungeachtet  ist  die  homosexuelle  Neigung  des  Beschwerdeführers  –  trotz  der  teilweise  ebenfalls  widersprüchlichen  Vorbringen (so erklärte er etwa in seinem Wiedererwägungsgesuch vom  5.  März  2002,  seine  Homosexualität  erst  in  der  Schweiz  entdeckt  zu  haben  [vgl. Vorakten B1 S. 1], um dann  in der BFM­Befragung vom 16.  Juli  2010  zu  behaupten,  bereits  im  Alter  von  14  mit  einem  Lehrer  in  Uganda gleichgeschlechtliche Kontakte gehabt zu haben [vgl. C11 S. 6])  – grundsätzlich nicht in Frage zu stellen.  4.2. Der Beschwerdeführer behauptete nicht, die heimatlichen Behörden  hätten von den – nur in der BFM­Befragung vom 16. Juli 2010 erwähnten  – sexuellen Kontakten mit einem Lehrer Kenntnis erlangt, und es ergeben  sich aus den Akten auch keine anderen Hinweise, dass er  im Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  Uganda  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  gewesen  sein  könnte  oder  dass  er  begründete  Furcht  vor  künftigen  Verfolgungsmassnahmen  gehabt  hätte.  Mithin  ist  keine  asylrelevante  Verfolgung im Sinne von Vorfluchtgründen ersichtlich. 5.  5.1. Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG  ist  indessen  nicht  nur  der  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland,  sondern auch die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids massgebend  (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 und BVGE 2008/12 E. 5.2, jeweils mit weiteren  Hinweisen). So ist eine asylsuchende Person auch dann als Flüchtling anzuerkennen,  wenn sie erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter  Weise  verfolgt  würde.  Zu  unterscheiden  ist  dabei  zwischen  objektiven  und  subjektiven  Nachfluchtgründen.  Objektive  Nachfluchtgründe  liegen  vor,  wenn  äussere  Umstände,  auf  welche  die  asylsuchende  Person  keinen  Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von einer  Verfolgung  bedrohten  Person  ist  in  solchen  Fällen  die  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren.  Subjektive  Nachfluchtgründe  sind  gemäss  Art.  54  AsylG  dann  anzunehmen,  wenn 

D­6476/2010 eine  asylsuchende Person  erst  durch  die  unerlaubte Ausreise  aus  dem  Heimatland  oder  wegen  ihres  Verhaltens  nach  der  Ausreise  aus  dem  Heimat­ oder Herkunftsstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3   AsylG  zu  befürchten  hat.  Sie  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch – im Gegensatz zu den objektiven  Nachfluchtgründen – zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Die  vom  Gesetzgeber bezweckte Bestimmung verbietet auch ein Addieren solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen  vor  der  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat,  die  für  sich  allein  nicht  zur  Bejahung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  BVGE  2009/28 E. 7.1, mit weiteren Hinweisen). 5.2.  Zur  Begründung  der  als  "Wiedererwägungsgesuch"  bezeichneten  und  vom  BFM  als  zweites  Asylgesuch  entgegengenommenen  Eingabe  vom 18. Mai 2010 wurde insbesondere geltend gemacht, die Situation für  Homosexuelle  in  Uganda  habe  sich  in  den  vergangenen  elf  Jahren  massiv  verschlechtert.  Zur  Untermauerung  dieser  Behauptung  wurden  nebst verschiedenen im Internet publizierten Berichten und einem am 27.  März  2010  in  der  "Neuen  Zürcher  Zeitung"  erschienenen  Artikel  der  Entwurf  für  die  "Anti  Homosexuality  Bill,  2009"  in  Kopie  zu  den  Akten  gegeben. Die §§ 145 und 148 des ugandischen Strafgesetzbuches von 1950 stellen  sexuelle  Handlungen  zwischen  Männern  als  "unnatural  offences"  beziehungsweise  "indecent  practices"  unter  Strafe,  wobei  nebst  Geld­  auch Freiheitsstrafen bis zu 14 Jahren vorgesehen sind. Seit der Reform  des Strafgesetzbuches  im Jahre 2000 gelten diese Bestimmungen auch  für sexuelle Handlungen zwischen Frauen. Die  "Anti Homosexuality Bill,  2009"  sieht  weitere,  drastische  Verschärfungen  vor,  ist  aber –  insbesondere  aufgrund  heftiger  internationaler  Proteste  von  Menschenrechtsorganisationen  und  westlichen  Regierungen  (welche  unter  anderem  mit  der  Einfrierung  oder  der  massiven  Kürzung  der  Entwicklungshilfe drohen) – bis anhin nicht in Kraft gesetzt worden. Trotz der erwähnten Verschlechterung der Situation Homosexueller  und  trotz  des  Umstandes,  dass  prominente,  zum  Teil  durch  die  Medien  "geoutete"  Vertreter  der  Homosexuellenbewegung  Hetzkampagnen  ausgesetzt sind (welche schliesslich – wie in der Beschwerdeschrift vom  9.  September  2010  und  in  der  Stellungnahme  vom  21.  Februar  2011  bemerkt wurde – zum Tod der Aktivisten Pasikale Kashusbe und David 

D­6476/2010 Kato  führten),  kann  nicht  von  einer  systematischen  Verfolgung  Homosexueller  in  Uganda  ausgegangen  werden  (vgl.  dazu  die  entsprechenden  –  unter  Hinweis  auf  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  1  Erw.  4.3  und  4.6  beziehungsweise  auf  die  darin  enthaltenen  Ausführungen  zum Begriff der Kollektivverfolgung ergangenen – Darlegungen des BFM  in  seiner  angefochtenen  Verfügung  vom  11. August  2010).  An  dieser  Feststellung vermag auch die Tatsache, dass Yoweri Museveni bei den  Präsidentschaftswahlen  vom  Februar  2011  in  seinem  Amt  bestätigt  worden war, nichts zu ändern.  Im Übrigen sind  in Uganda nach wie vor  Organisationen aktiv – oder wurden gar kürzlich neu gegründet – , welche  sich für die Anliegen Homosexueller einsetzen (beispielsweise die in der  Zwischenverfügung  des  BFM  vom  31.  Mai  2010  erwähnte  "Sexual  Minorities Uganda" [SMUG]). Nach  dem  Gesagten  liegen  keine  objektiven  Nachfluchtgründe  vor,  welche eine Furcht vor Verfolgung heute als begründet und dadurch als  flüchtlingsrechtlich relevant erscheinen liessen. 5.3.  Das  BFM  verneinte  in  der  angefochtenen  Verfügung  auch  das  Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe. Es  steht  –  ungeachtet  der  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer,  wie  in  der  Anhörung  vom  16.  Juni  2010  behauptet,  in  seiner  Heimat  überhaupt  sexuelle Kontakte zu einem Lehrer unterhalten hatte (vgl. oben Ziff. 4 der  Erwägungen)  –  ausser  Zweifel,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Uganda  nie in ein Strafverfahren wegen homosexueller Handlungen involviert war.  Sodann  ergeben  sich  aus  den  Akten  auch  keine  konkreten  Hinweise,  dass  die  heimatlichen  Behörden  von  der  in  der  Schweiz  gelebten  Homosexualität  des  Beschwerdeführer  Kenntnis  erlangt  haben  könnte.  Wie die Vorinstanz zu Recht bemerkte, lebt der Beschwerdeführer in der  Schweiz nicht in einer eingetragenen Partnerschaft; er pflegt keine engen  Kontakte  zu  homosexuellen  Gruppierungen  oder  Organisationen  in  der  Schweiz und vertritt auch nicht deren Interessen in der Öffentlichkeit. In  der  Beschwerde  (vgl.  S.  18  ff.)  wird  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer lebe seine Homosexualität offen in Gay­Bars und Gay­ Clubs  verschiedener  Schweizer  Städte  aus.  Er  pflege  Kontakte  zur  Schwulenorganisation  "Pink  Cross",  welche  ihm  sogar  den  Kostenvorschuss  bezahlt  habe,  und  werde  überdies  im  vorliegenden  Verfahren  durch  eine Kanzlei  vertreten, welche  sich  klar  für  die Rechte 

D­6476/2010 Homosexueller einsetze. Das offene Leben der Homosexualität sei einer  exilpolitischen  Betätigung  gleichzusetzen,  zumal  eine  Vielzahl  von  Personen Kenntnis  davon  erlangt  habe  und man  nach  einem  "Coming­ Out" nicht mehr ins versteckte Leben zurückkehren könne.  Dem  ist  entgegenzuhalten,  dass  weder  die  Bezahlung  des  vom  BFM  erhobenen Gebührenvorschusses durch "Pink Cross" noch die Vertretung  durch die Anwaltskanzlei "Ammann+Rosselet" den Beschwerdeführer als  exponierten Homosexuellen erscheinen lassen, zumal die Bezahlung des  Gebührenvorschusses eine  rein behördenintern bekannte Angelegenheit  darstellt  und  die  Kanzlei  "Ammann+Rosselet"  in  zahlreichen  weiteren  Rechtsgebieten  tätig  ist.  Was  die  Behauptung,  der  Beschwerdeführer  treffe sich auf der Website "F.________" mit anderen Männern und werbe  unter den Pseudonymen "G.________", "H._______" und "I._______" für  seine Dienste (vgl. Vorakten C11 S. 6 ff.), betrifft, so ist festzuhalten, dass  weder  die  Suche  unter  dem  (gemäss  seinen  Angaben  nun  richtigen)  bürgerlichen  Namen  noch  unter  den  angegebenen  Pseudonymen  zu  Resultaten führt, aus denen die ugandischen Behörden Rückschlüsse auf  die sexuelle Orientierung des Beschwerdeführers ziehen könnten.  Die  geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  sind  somit  ebenfalls  nicht  geeignet,  eine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht zu begründen, weshalb der Beschwerdeführer nicht als  Flüchtling  zu  anerkennen  ist.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  weder  die weiteren Darlegungen in der Beschwerdeschrift noch die sich bei den  Akten befindenden Beweismittel (zahlreiche im Internet und in Zeitungen  veröffentlichte,  in  keinem  direkten  Zusammenhang  mit  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  stehende  Berichte  zur  allgemeinen  Situation  Homosexueller in Uganda, ein Empfehlungsschreiben seines Ex­Partners  und ein am 17. April  2009 ausgestelltes ärztliches Zeugnis, wonach der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  unsicheren  Situation  unter  Kopfschmerzen und Schlafstörungen leide) etwas zu ändern.  5.4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte.  Die  Vorinstanz  hat  den  geltend  gemachten  Sachverhalt  weder  unvollständig  oder  rechtsfehlerhaft  festgestellt  noch daraus die  falschen  Schlüsse gezogen. Sie hat demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  verneint  und  in  der  Folge  auch  dessen  am  18.  Mai 2010 gestelltes zweites Asylgesuch abgelehnt. 

D­6476/2010 Nachdem  der  erhebliche  Sachverhalt  ausreichend  erstellt  ist,  besteht  keine  Veranlassung,  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Der  entsprechende  Antrag  (vgl.  Beschwerde  S.  2)  ist  daher abzuweisen. 6.  Lehnt  das  BFM  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an  (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  (Ziff.  3  des  Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 11. August 2010) wurde  daher  zu  Recht  angeordnet  (vgl.  BVGE  2008/34  E.9.2  S.  510  sowie  EMARK 2001 Nr. 21).                                   7.  Das BFM zog mit Verfügung vom 28. Januar 2011 seinen Entscheid vom  11.  August  2010  teilweise  in  Wiedererwägung  und  nahm  den  Beschwerdeführer  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzug  vorläufig in der Schweiz auf.  Gemäss  ständiger  Rechtsprechung  sind  die  Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  im  Sinne  von  Art.  44  Abs.  2  AsylG  i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, SR 142.20]) alternativer Natur.  Sobald  eine  davon  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  der  betroffenen Person  in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die  vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.).  Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  steht  dem  weggewiesenen  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht offen (Art. 105 i.V.m. Art. 44 Abs. 2 AsylG). In  diesem  Verfahren  wäre  dann  der  Vollzug  der  Wegweisung  vor  dem  Hintergrund  sämtlicher  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach  Massgabe der  in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen  (vgl.  BVGE  2009/51  E.  5.4  S.  748).  Demnach  ist  im  vorliegenden  Verfahren die Frage des Vollzugs der Wegweisung nicht mehr zu prüfen.  Soweit die  im vorinstanzlichen Verfahren und mit der Beschwerdeschrift  eingereichten Unterlagen die – vorliegend nicht mehr zu überprüfende – 

D­6476/2010 Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzug beschlagen, sind diese  für das vorliegende Verfahren ohne Belang. 8.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  in  Bezug  auf  die  Frage  der  Nichtzuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Verweigerung  des  Asyls  sowie  der  Wegweisung  an  sich  (Ziffern  1,  2  und  3  des  Dispositivs  der  vorinstanzlichen Verfügung vom 11. August 2010) den rechtserheblichen  Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  daher  abzuweisen,  soweit  sie  nicht  –  in  Bezug  auf  die  Frage  des  Wegweisungsvollzugs  (Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  vorinstanzlichen Verfügung  vom  11.  August  2010)  –  als  gegenstandslos geworden abzuschreiben ist.  9.  9.1.  Die  Beschwerdeinstanz  auferlegt  die  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens praxisgemäss um die Hälfte zu reduzierenden Kosten (Art. 16  Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  in  der  Regel  der  unterliegenden  Partei  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Die  (ermässigten)  Kosten  werden  auf  Fr. 300.—  festgesetzt;  sie  sind  durch  den  am  1.  Oktober  2010  geleisteten  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr.  600.—  gedeckt  und  werden  mit  diesem  verrechnet.  Der  Überschuss  von  Fr.  300.— wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 9.2. Die  Beschwerdeinstanz  kann  der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden  Partei  von Amtes wegen oder  auf Begehren  eine Entschädigung  für  ihr  erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe Kosten  zusprechen  (Art.  64  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  7  VGKE).  Die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  hat  bis  anhin  keine  Kostennote  eingereicht.  Auf  die  Nachforderung  einer  solchen  kann  indessen  verzichtet  werden,  da  sich  der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Aktenlage hinreichend  zuverlässig  abschätzen  lässt.  Die  von  der  Vorinstanz  zu  entrichtende –   praxisgemäss um die Hälfte reduzierte – Parteientschädigung wird unter  Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  von  Amtes  wegen auf Fr. 700.— festgesetzt (Art. 7 ff. VGKE).  (Dispositiv nächste Seite)

D­6476/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die  Beschwerde  wird  bezüglich  der  Nichtzuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft und Verweigerung des Asyls sowie bezüglich der  Wegweisung an sich abgewiesen.  2. Das Beschwerdeverfahren wird bezüglich des Vollzugs der Wegweisung  als gegenstandslos geworden abgeschrieben.  3. Die  ermässigten  Verfahrenskosten  von  Fr.  300.—  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  in  der  Höhe  von  Fr. 600.— geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem  verrechnet.  Der  Überschuss  von  300.—  wird  dem  Beschwerdeführer  zurückerstattet. 4. Dem  Beschwerdeführer  wird  zu  Lasten  des  BFM  eine  reduzierte  Parteientschädigung von Fr. 700.— ausgerichtet. 5. Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Kathrin Mangold Horni Versand:

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