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Bundesverwaltungsgericht 09.02.2012 D-647/2012

9 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·627 mots·~3 min·3

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. Januar 2012

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­647/2012 law/rep Urteil   v om   9 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), seine Ehefrau B._______, geboren am (…), sowie ihre Kinder C._______, geboren am (…), und  D._______, geboren am (…), Serbien, alle vertreten durch Annelise Gerber, (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 4. Januar 2012 / N (…).

D­647/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass  das  BFM  mit  protokollarisch  festgehaltener,  im  Anschluss  an  die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  vom  4. Januar  2012 mündlich  eröffneter  Verfügung  feststellte,  die  Beschwerdeführenden  würden  die  Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, das Asylgesuch vom 18. Dezember  2011  ablehnte,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  verfügte  und  den  Vollzug der Wegweisung anordnete, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe  ihrer Rechtsvertreterin vom  3. Februar 2012 gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erheben und beantragen liessen, der Entscheid des BFM sei  aufzuheben,  es  sei  die  Unzulässigkeit  beziehungsweise  die  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  als  Folge davon die vorläufige Aufnahme anzuordnen, dass  sie  ferner  beantragen  liessen,  es  sei  ihnen  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren,  und  die  Beschwerde  der  Mutter  des  Beschwerdeführers (N …) gleichzeitig zu entscheiden, und zieht in Erwägung, dass  nach  Einsicht  in  die  Akten  auf  die  Beschwerde  einzutreten  und  diese in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR 142.311),  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021),  des  Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht  (VGG,  SR 173.32),  des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  über  das  Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110),  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20) und des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2)  –  koordiniert  mit  dem  Verfahren  D­646/2012  –  zu  beurteilen ist, dass  für  den  zur  Begründung  des  Asylgesuches  geltend  gemachten  Sachverhalt  auf  die  Protokolle  der  Befragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum Basel vom 28. Dezember 2011 und der Anhörung zu  den  Asylgründen  vom  4. Januar  2012  sowie  auf  die  angefochtene 

D­647/2012 Verfügung  im  Entscheidprotokoll  zu  verweisen  ist  (vgl.  daselbst,  Sachverhaltszusammenfassung S. 1),  dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  ausführt,  die  geltend  gemachten  ständigen  Malträtierungen  beziehungsweise  der  Umstand,  dass der Beschwerdeführer seinem Beruf als Markhändler nicht ungestört  nachkommen  könne,  weil  er  ständig  von  der  Polizei  gebüsst  werde,  würden  keine  asylrechtliche  Verfolgung  darstellen,  weil  der  Staat  Verstösse  gegen  die  Marktordnungen  büssen  dürfe,  und  ungerechtfertigte  Bussen  nicht  die  Intensität  einer  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  aufweisen  würden  und  innerstaatlich  auf  rechtsstaatlichen Wege gerügt werden könnten,  dass  auch  die  Beschuldigungen,  Alteisen  gestohlen  zu  haben  oder  in  einem  Kiosk  eingebrochen  zu  sein,  wobei  er  in  letzterem  Fall  verhört,  mangels Beweisen aber am selben Tag wieder  freigelassen worden sei,  asylrechtlich  nicht  von  Bedeutung  seien,  weil  solche  Massnahmen  rechtsstaatliche legitim seien,  dass  der  Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  während  der  Einvernahmen  geohrfeigt  worden  sein  soll,  den  Anforderungen  an  die  Intensität  asylrechtlich  relevanter  Nachteile  nicht  genüge,  und  das  Ohrfeigen als solches ein  fehlbares Verhalten der Behörde sei, welches  im Heimatstaat angezeigt und gerügt werden könne,  dass  die  auch  der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  während  Verhören  als  12­Jähriger  beziehungsweise  wegen  des  Verdachts,  Alteisen  gestohlen  zu  haben,  geohrfeigt  worden  sein  soll,  den  Anforderungen  an  die  Intensität  asylrechtlich  relevanter  Nachteile  nicht  genüge,  und  das  Ohrfeigen  als  solches  ein  fehlbares  Verhalten  der  Behörde sei, welches im Heimatstaat angezeigt werden könne,  dass  in  der  Beschwerde  rudimentär  der  zur  Begründung  des  Asylgesuches  geltend  gemachte  Sachverhalt  wiederholt  und  geltend  gemacht  wird,  die  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  ungerechtfertigten  Anschuldigungen,  Diebstahl  und  Einbruchdiebstahl  begangen  zu  haben  und  Marktordnungen  zu  verletzen,  würden  exemplarisch zeigen, welchen Diskriminierungen und Benachteiligungen  die Roma in Serbien ausgesetzt seien, 

D­647/2012 dass  sich  aus  der  Erfahrung,  aufgrund  der  ethnischen  Zugehörigkeit  jederzeit  Opfer  ungerechtfertigter  Anschuldigungen  werden  zu  können,  eine unmenschliche und unerträgliche Lebenssituation ergebe, dass  vordergründig  rechtsstaatlich  legitimen  Zwecken  dienende  polizeiliche  Untersuchungen  gegen  Angehörige  von  Roma  immer  mit  Vorurteilen behaftet und auch mit physischer Gewalt verbunden seien, dass in Serbien Korruption eine grosse Rolle spiele, sich Angehörige der  Sicherheitskräfte  und  der  Untersuchungsbehörden  gegenseitig  decken  würden,  und  es  so  praktisch  nie  zu  einer  Bestrafung  von  fehlbaren  Angehörigen der Sicherheitskräfte komme,  dass  es  höchst  unwahrscheinlich  sei,  dass  Roma  bei  höheren  Gerichtsinstanzen  klagen  und  Recht  bekommen  könnten,  und  davon  auszugehen  sei,  dass  der  Staat  in  diesen  Fällen  generell  nicht  schutzwillig sei, dass  in  Anbetracht  des  zur  Begründung  des  Asylgesuches  geltend  gemachten  Sachverhaltes  sowie  der  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts (vgl. statt vieler die Urteile E­7635/2007 vom  29. Dezember  2011  E. 4.2.2,  E­3317/2009  vom  30. November  2011  E. 6.2  und  6.3,  E­1098/2011  vom  30. August  2011  E. 5.4)  mit  diesen  Einwänden nicht ansatzweise dargetan ist, inwiefern die Erwägungen des  BFM unzutreffend sein sollen, dass das BFM das Asylgesuch zu Recht abgelehnt und die Wegweisung  verfügt hat,  dass  mangels  einer  asylrechtlich  erheblichen  Gefährdung  der  Beschwerdeführenden  im  Heimatland  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  keine  Anwendung  findet  und  aufgrund der Akten keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige  Behandlung  im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101) ersichtlich sind, die den Beschwerdeführenden im Heimatstaat  droht, dass aus den Ausführungen in der Beschwerde und den Akten auch nicht  ersichtlich  wird,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  anderweitig  Bundesrecht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder  unvollständig feststellen oder unangemessen sein könnte,

D­647/2012 dass  deshalb  ohne  weitere  Erörterungen  und  unter  Hinweis  auf  die  zutreffenden Erwägungen  in  der  angefochtenen Verfügung  festzustellen  ist,  dass  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  in  Anbetracht  der  zu  beachtenden  landes­ und völkerrechtlichen Bestimmungen zu Recht  als  zulässig, zumutbar und möglich beurteilt hat, dass  die  offensichtlich  unbegründete  Beschwerde  deshalb  ohne  Durchführung  eines  Schriftenwechsels  und  mit  summarischer  Begründung  im  einzelrichterlichen  Verfahren  mit  Zustimmung  eines  zweiten Richters abzuweisen ist,  dass sich die Beschwerde als aussichtslos erweist, weshalb das Gesuch  um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen ist und die  Kosten  des  Verfahrens  von  Fr. 600.–  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite)

D­647/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand:

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