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Bundesverwaltungsgericht 10.01.2012 D-6445/2009

10 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,949 mots·~10 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl; Verfügung des BFM vom 11. September 2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6445/2009 Urteil   v om   1 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Daniele Cattaneo;    Gerichtsschreiberin Susanne Scheidegger. Parteien A._______, geboren am (…), Irak,   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. September 2009 / (…).

D­6445/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  ist  ein  irakischer  Staatsangehöriger  kurdischer  Ethnie.  Er  stammt  aus  der  Ortschaft  B._______  in  der  Provinz  C._______. Während zwei Jahren ging er zur Schule, danach arbeitete er  als Hirte. Gemäss eigenen Angaben reiste er am (…) aus seiner Heimat  aus und gelangte mittels eines Schleppers am (…) in die Schweiz, wo er  gleichentags ein Asylgesuch einreichte.   B.  Im  Rahmen  der  durchgeführten  Befragung  vom  22.  Oktober  2008  im  Centro  di  Registrazione  e  di  Procedura  di  Chiasso  (CPR)  sowie  der  Bundesanhörung  vom  22.  Dezember  2008,  machte  der  Beschwerdeführer  zu  den  Gründen  seiner  Flucht  aus  dem  Irak  im  Wesentlichen die folgenden Angaben: Am (…) sei er bei seiner Arbeit als  Hirte  von  vier  vermummten Personen  aufgesucht worden.  Diese  hätten  ihm  gesagt,  dass  sie  Attentate  verüben  würden  und  er  mit  ihnen  zusammen arbeiten müsse. Sein Vater habe ihn aufgefordert, nicht mehr  zur Arbeit zu gehen, was er allerdings nicht getan habe. Zwei Tage später  seien die Terroristen erneut bei ihm bei der Arbeit erschienen und hätten  ihm  erklärt,  dass  sie  gegen  die  Amerikaner  seien  und  diese  töten  möchten. Erneut hätten sie seine Mithilfe verlangt. Einer von Ihnen habe  von einer Gruppe namens "Mujaheddin al  Islam" gesprochen. Daraufhin  habe er auf dem Polizeiposten in D._______ Anzeige erstattet. Noch am  selben Tag sei er nach E._______ gereist, wo sein Vater einen Schlepper  organisiert habe, mit dessen Hilfe er am (…) den Irak verlassen habe.   Mit  Eingaben  vom  (…)  sowie  vom  (…)  informierte  die  nunmehr  mandatierte  Rechtsvertreterin  das  BFM  darüber,  dass  der  Beschwerdeführer  Opfer  von  sexuellen  Nötigungen,  Drohungen,  Erpressung,  Freiheitsberaubung  und  Tätlichkeiten  seitens  eines  Landsmannes  (im  Folgenden  T.  genannt)  geworden  sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  Anzeige  bei  der  Polizei  erstattet,  ein  diesbezügliches  Strafverfahren  laufe  und  der  Beschwerdeführer  werde  durch  eine  ­  von  der  Opferhilfe  bestellten  ­  Rechtsanwältin  im  Strafverfahren  vertreten.  Der  Beschwerdeführer  sei  vollkommen  verängstigt,  einerseits  aufgrund  der  erlittenen  Gewalt,  andererseits  aufgrund  dessen,  dass  T.  mitgeteilt  habe,  dass  er  die  Familie  des  Beschwerdeführers  in der Heimat über die Vorfälle  informiert  habe. Der  Beschwerdeführer  habe  beim  letzten  telefonischen  Kontakt  mit  seiner 

D­6445/2009 Familie, auf die Frage nach den Problemen, die Vorfälle geleugnet. Seit  diesem,  einige  Monate  zurückliegenden,  Telefonat  habe  er  keinen  Kontakt mehr zu seiner Familie erhalten, da sie seine Telefone nicht mehr  entgegennähmen. Er fürchte sich nunmehr auch vor der Reaktion seiner  Familie.  Zudem  habe  T.  gedroht,  ihn  im  Irak  umzubringen,  sollte  er  zurückkehren.  Zur  Untermauerung  der  Vorbringen  reichte  die  Rechtsvertreterin  im  Laufe  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  zahlreiche  Beweismittel  zu  den Akten  (Kopien  diverser Einvernahmeprotokolle  des  Angeschuldigten,  des  Opfers  sowie  von  Zeugen  im  Rahmen  des  Strafverfahrens;  Kopien  der  forensischen  Datensicherung  von  Mobiltelefonen  [SMS­Auszüge]  sowie  Internetauszüge  bezüglich  der  Gefährdungssituation von Homosexuellen im Irak).  C.  Das BFM wies mit Verfügung vom 11. September 2009 das Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  (…)  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  an,  nahm den Beschwerdeführer jedoch wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs  der  Wegweisung  vorläufig  auf.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.  D.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  13.  Oktober  2009  (Poststempel) erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  die  Aufhebung  der angefochtenen Verfügung. Eventualiter seien die Ziff. 1, 2 und 3 des  Dispositives  des  angefochtenen  Entscheides  aufzuheben,  dem  Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl  zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021),  sowie  den Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur  Untermauerung  der  Beschwerde  reichte  der  Beschwerdeführer  weitere  Beweismittel  zu  den  Akten  (Auskünfte  von  Fachpersonen  zur  Bedeutung  homosexueller Übergriffe  im  islamischen Kontext;  Schreiben  der  Rechtsanwältin  des  Beschwerdeführers  im  Strafverfahren  bezüglich  Drohungen von T. aus dem Ausland; Schreiben von F._______ bezüglich  der psychotherapeutischen Behandlung des Beschwerdeführers). 

D­6445/2009 E.  Der  zuständige  Instruktionsrichter  hiess  mit  Zwischenverfügung  vom  27. Oktober  2009  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gut,  lehnte  dasjenige  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  nach  Art.  65  Abs.  2  VwVG  ab  und  setzte  dem  Beschwerdeführer  zur  Beibringung  der  in  der  Beschwerde  in  Aussicht  gestellten Beweismittel Frist an.  F.  Mit  Schreiben  vom  27.  November  2009  (Poststempel)  reichte  der  Beschwerdeführer die geforderten Beweismittel (Ermittlungsbericht sowie  Befragung bezüglich der Anzeige des Zeugen G._______ [im Folgenden  M. genannt] wegen Drohungen durch T.; Auflistung von Droh­SMS von T.  an  M.  ins  Englische  übersetzt;  fallspezifische  Länderanalyse  der  Schweizerischen Flüchtlingshilfe  [SFH] vom 29. Oktober 2009 bezüglich  Homosexualität  im  Irak  (…)).  Auf  die  eingehenden  Ausführungen  wird,  soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. G.  Mit Eingabe vom 10. Dezember 2009 reichte die Rechtsvertreterin Kopien  der  Eingaben  ans  BFM  bezüglich  des  Asylverfahrens  von  M.  zu  den  Akten  (Kopie einer übersetzten Zusammenfassung von Telefonaten von  T. an M.) und führte aus, dass sie fortan auch M. in seinem Asylverfahren  (…)  vertrete,  da  selbiger  aufgrund  seiner  Zeugenaussagen  im  Strafverfahren gegen T. von diesem nunmehr massiv bedroht werde. H.  Mit  Vernehmlassung  vom  11.  Dezember  2009  hielt  das  BFM  vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung  der  Beschwerde.  Ergänzend  führte  das  BFM  aus,  dass  der  Beschwerdeführer sich,  sollte er sich  im  Irak durch Privatpersonen oder  seine  eigene  Familie  bedroht  fühlen,  an  die  Behörden  wenden  könne,  welche schutzfähig und schutzwillig seien. Allenfalls könne er sich seiner  Probleme  auch  durch  Wegzug  in  eine  andere  Region  des  Landes  entziehen.  Der  besonderen  individuellen  Situation  des  Beschwerdeführers, namentlich seiner gesundheitlichen Situation, sei mit  der Anordnung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen worden. I.  Mit Verfügung vom 15. Dezember 2009 wurde dem Beschwerdeführer die  Vernehmlassung des BFM vom 11. Dezember 2009 zur Replik zugestellt. 

D­6445/2009 J.  Der  Beschwerdeführer  hielt  in  seiner  fristgerecht  eingereichten  Replik  vollumfänglich an seiner Beschwerde fest. K.  Desweitern  reichte  die  Rechtsvertreterin mit  Schreiben  vom  26.  Januar  2010  und  13.  Mai  2011  (Poststempel)  weitere  Unterlagen  aus  dem  Verfahren  von  M.  zu  den  Akten  (zahlreiche  übersetzte  Droh­SMS  und  notierte  Telefonate)  und  führte  aus,  dass  der  Beschwerdeführer  leide  nach  wie  vor  massiv  unter  den  Straftaten  von  T.,  sei  psychisch  völlig  verstört und depressiv und habe Suizidgedanken. Er habe nach wie vor  keinen  Kontakt  mehr  zu  seiner  Familie.  Mit  weiteren  Ausführungen  zur  Situation  des Beschwerdeführers  bat  die Rechtsvertreterin  um prioritäre  Behandlung des Verfahrens. L.  Mit  Eingabe  vom  23.  November  2011  reichte  die  Rechtvertreterin  aufforderungsgemäss ihre Kostennote zu den Akten.    Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­6445/2009 2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten.  3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Nach  Ansicht  des  BFM  halten  die  geltend  gemachten  Vorbringen  des  Beschwerdeführers bezüglich seiner Ausreise aus dem Heimatstaat den  Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7  AsylG  nicht  stand.  Ihre Relevanz für eine Asylgewährung nach Art. 3 AsylG müsse deshalb  nicht  geprüft  werden.  Zur  Begründung  führte  das  BFM  aus,  dass  die  Schilderungen der Ereignisse teilweise unlogisch seien und sich nicht mit  der  effektiven  Situation  und  den  Begebenheiten  vor  Ort  vereinbaren  würden.  Der  Gesuchsteller  erwecke mit  seinen  Angaben  den  Eindruck,  das  Geschilderte  nicht  selbst  erlebt  zu  haben,  zumal  nur  rudimentäre 

D­6445/2009 Beschreibungen  der  Terroristen  möglich  seien  und  nur  knappe  und  stereotype Angaben zustande kommen würden. Aussagen von Personen,  die tatsächlich von Terroristen mit dem Tod bedroht worden seien, hätten  eine ganz andere Qualität. Sie  seien detailliert  und würden die erlebten  Situationen viel persönlicher,  tiefer, eindrücklicher und nachvollziehbarer  erklären.  Deshalb  kam  das  BFM  zum  Schluss,  dass  der  Beschwerdeführer  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  dem  Irak  weder  asylrechtlich relevanter Verfolgung ausgesetzt gewesen sei noch habe er  begründete Furcht vor einer solchen gehabt.  Der  Einschätzung  des  BFM  ist  beizupflichten.  Eine  Überprüfung  der  Akten  ergibt,  dass  das  BFM  die  entsprechenden  Vorbringen  des  Beschwerdeführers aus zutreffenden Gründen als den Anforderungen an  die Glaubhaftmachung nach Art. 7 AsylG nicht genügend qualifiziert hat.  Die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  zu  diesen  Ereignissen  sind  ungenau  und  schemenhaft.  Die  Beschreibung  der  angeblichen  "Terroristen" ist kurz und wenig detailliert. Zudem ist es unwahrscheinlich,  dass  wahllos  Leute  für  Attentate  ausgesucht  werden.  Der  Beschwerdeführer  engagierte  sich  weder  politisch  noch  hatte  er  sonst  irgendwelchen  Kontakt  mit  "Terroristen".  Es  kann  diesbezüglich  auf  die  nicht zu beanstandenden Ausführungen des BFM verwiesen werden. Den  Rechtsmitteleingaben  des  Beschwerdeführers,  worin  lediglich  auf  die  Befragungsprotokolle  verwiesen  wird,  sind  in  diesem  Zusammenhang  keine stichhaltigen Entgegnungen zu entnehmen, die die Argumentation  des BFM in Zweifel zu ziehen vermöchten. Das  BFM  hat  das  Asylgesuch  damit  in  diesem  Kontext  zu  Recht  abgewiesen.  4.2. Der Beschwerdeführer machte jedoch weiter geltend, in der Schweiz  Opfer sexueller Nötigung, Drohung, Freiheitsberaubung, Erpressung und  Tätlichkeiten durch T., der ebenfalls aus dem Irak stamme, geworden zu  sein. T. habe seiner (des Beschwerdeführers) Familie von der sexuellen  Nötigung erzählt und damit die Gefahr einer Verfolgung oder gar Tötung  des Beschwerdeführers durch die eigenen Sippe (Ehrenmord) oder durch  die  Behörden  geschaffen.  Zudem  bedrohe  ihn  T.  damit,  ihn  zu  töten,  sollte er  jemals  in den  Irak zurückkehren. Es  ist somit zu prüfen, ob der  Beschwerdeführer  aufgrund  dieser  Vorkommnisse  die  Voraussetzungen  für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft erfüllt. 

D­6445/2009 4.2.1.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt  worden  sind  beziehungsweise  zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  BVGE  2008/4  E.  5.2  S.  37,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  18  E.  7  und  8  S.  190  ff.,  EMARK  2005  Nr.  21  E.  7.  S.  193).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffenen Person in  ihrem  Heimatland  keinen  ausreichend  Schutz  finden  kann  (vgl.  BVGE  2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f., EMARK 2006  Nr. 18 E. 10 S. 201 ff., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S.  201  f.).  Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft  ist nicht nur der Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  dem  Heimatstaat,  sondern  auch  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheids  massgebend  (vgl.  BVGE  2008/4  E.  5.4  S. 38;  EMARK  2005  Nr. 18).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die Frage nach der  im Zeitpunkt  der Ausreise  vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen  Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der ein  Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. EMARK 2000 Nr.  2  E.  8b,   EMARK  1994  Nr.  24  E.  8a; WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 135 ff.). Zu unterscheiden  ist  dabei  zwischen  objektiven  und  subjektiven  Nachfluchtgründen.  Objektive  Nachfluchtgründe  ­  welche,  wie  sich  zeigen  wird,  im  kommenden  Fall  zum  Tragen  kommen  ­  liegen  vor,  wenn  äussere  Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen  konnte,  zur  drohenden  Verfolgung  führen;  der  von  einer  Verfolgung  bedrohten  Person  ist  in  solchen  Fällen  die  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen und Asyl zu gewähren (vgl. EMARK 1994 Nr. 17 E. 3b u. 4  S. 135 u. 137  f.; Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.]: Handbuch  zum Asyl – und Wegweisungsverfahren, Bern 2009, S.202  ff.; WALTER  KÄLIN,  a.a.O.,  S.  130  f.;  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in: 

D­6445/2009 UEBERSAX/MÜNCH/GEISER/  ARNOLD  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  Basel/Genf/München 2002, Rz. 8.20).  4.2.2.  Das  BFM  führt  in  seiner  abweisenden  Verfügung  aus,  dass  die  Vorbringen  des Beschwerdeführers  den Anforderungen  an Art.  3 AsylG  nicht  standhalten  würden,  da  sich  die  von  ihm  geltend  gemachte  Verfolgungssituation  lediglich auf den Zentralirak beziehe. Dort sei keine  Schutzfähigkeit  vor  Übergriffen  Dritter  vorhanden.  Es  sei  jedoch  nicht  anzunehmen, dass der kranke Vater den unschuldigen Beschwerdeführer  im  ganzen  Irak  verfolgen  würde.  Der  Beschwerdeführer  könne  sich  deshalb  diesen  Verfolgungsmassnahmen  durch  einen Wegzug  in  einen  anderen  Teil  des  Heimatlandes  ­  vorliegend  den  Nordirak  –  entziehen  und  sei  deshalb  nicht  auf  den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen.  Ganz  grundsätzlich  angemerkt,  seien  die  Behörden  im  Nordirak  in  der  Lage  adäquaten Schutz zu gewähren. Der Beschwerdeführer habe sich im Irak  nicht  exponiert  und  besitze  kein  Profil,  welches  ihn  in  den  Augen  der  kurdischen  Behörden  als  potenziellen  politischen  Gegner  erscheinen  liesse.  Deshalb  sei  davon  auszugehen,  dass  er  bei  den  kurdischen  Behörden effektiven Schutz vor Verfolgung durch unbekannte Personen  erlangen könne. Zudem sei nicht anzunehmen, dass T., welcher gemäss  Akten als "verschwunden" gelte,  in den Irak geflüchtet sei, da er, wegen  seinem  Verhalten  in  der  Schweiz  gegenüber  verschiedenen  irakischen  Staatsangehörigen  und  seiner  Homosexualität  damit  rechnen  müsse,  durch  Privatpersonen  oder  Behörden  verfolgt  zu  werden.  Es  könne  deshalb  davon  ausgegangen  werden,  dass  für  den  Beschwerdeführer  keine reale Gefahr bestehe, von T. weiter verfolgt zu werden. 4.2.3.  Den  Einschätzungen  und  Ausführungen  des  BFM  kann  aus  mehreren Gründen  nicht  gefolgt werden: Die Vorinstanz  geht  einerseits  zu  Recht  davon  aus,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Zentralirak  keinen  Schutz  vor  einer  Verfolgung  Dritter,  insbesondere  aufgrund  eines  Ehrenmordes  wegen  Homosexualität,  erlangen  könne,  stellt  jedoch  in  äusserst  rudimentärer  Weise  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  im  Nordirak  habe.  In  keinster  Weise  werden  dabei  die  in  der  Beschwerde  aufgeführten  Zweifel  an  der  Schutzwilligkeit der  irakischen Behörden gegenüber Opfern homophober  Taten  in  Betracht  gezogen.  Mit  dem  Verweis  auf  das  Grundsatzurteil  BVGE  2008/12  (in  welchem  im  Übrigen  die  Schutzunfähigkeit  der  zentralirakischen  Behörden  festgestellt  wird)  wird  die  grundsätzliche  Schutzfähigkeit  der nordirakischen Behörden behauptet. Gemäss BVGE  2008/4,  wo  diese  Frage  in  Bezug  auf  die  nordirakischen  Behörden 

D­6445/2009 ausführlich  erörtert  wird,  sind  jedoch  bei  der  Annahme  der  Schutzwilligkeit  bzw.  ­Fähigkeit  der  Behörden  gegenüber  Opfern  von  Ehrenmorden  und Übergriffen Dritter  Vorbehalte  anzubringen, mithin  ist  auch die Annahme einer innerstaatlichen Fluchtalternative nur mit grosser  Zurückhaltung  anzunehmen  und  bedarf  einer  Einzelfallprüfung  (BVGE  2008/4 E.6.6. – 6.7). Mit dem Hinweis, der Beschwerdeführer weise kein  Profil auf, das ihn in den Augen der kurdischen Behörden als politischen  Opponenten  erscheinen  lasse,  geht  die  Vorinstanz  nicht  auf  die  Begründung der geltend gemachte Schutzunwilligkeit  der Behörden ein.  Den  knappen  Ausführungen  in  der  Vernehmlassung,  wonach  die  theoretischen Erklärungen  in der Beschwerde nicht überzeugen würden,  kann ebenfalls nicht gefolgt werden: Mit den Beschwerdeeingaben wurde  ausführlich  (und  nicht  theoretisch)  dargelegt,  dass  Homosexuelle  oder  vermeintlich  Homosexuelle  im  Irak  massiven  Übergriffen  bis  hin  zu  Ehrenmorden ausgesetzt seien und seitens der Behörden keinen Schutz  erlangen  könnten,  mithin  selbst  durch  die  Behörden  misshandelt  oder  gefoltert würden. 4.2.4. Gemäss  fallspezifischer  Länderauskunft  der  SFH  seien  seit  2003  Lesben,  Homosexuelle,  Bisexuelle  und  Transgender  im  Irak  immer  wieder  diskriminiert,  gefoltert  und  getötet  worden,  während  die  Täter  straffrei blieben. Dabei handelt es sich bei den Tätern um staatliche wie  auch  um  nicht  staatliche  Akteure.  Tötungsdelikte  durch  die  Familie  zur  Wiederherstellung  der  Ehre  seien  dabei  keine  Seltenheit.  Schutz  durch  die  irakischen  Behörden  gebe  es  nicht.  Nicht  unwesentlich  sei  die  Tatsache,  dass  im  irakischen  Strafgesetz  (Law  No.  111  von  1969)  mildernde  Umstände  vorgesehen  seien,  wenn  jemand  aufgrund  einer  Provokation oder aus ehrenhaften Gründen mordet. Die Bestrafung liege  zwischen  sechs  und  zwölf  Monaten  Gefängnis.  Nach  Aussage  eines  Anwaltes  seien  Ehrenmorde  von  Homosexuellen  seit  Jahren  eine  allgemein  akzeptierte  Praxis  und  eine  kurze  Gefängnisstrafe  für  die  Mörder  die  Norm.  In  der  Fachliteratur  zu  Homosexualität  im  Islam wird  gemäss Bericht der SFH zudem darauf hingewiesen, dass in erster Linie  der  passive  Partner  als  homosexuell  angesehen  werde.  Der  aktive  Partner  hingegen werde  oft  nicht  als  homosexuell  betrachtet. Wenn  ein  Mann  einen  anderen  Mann  sexuell  dominiere,  werde  das  vielmehr  als  Zeichen  seiner  ausgeprägten  Männlichkeit  interpretiert.  Die  Vergewaltigung  eines  Mannes  von  einem  anderen  Mann  sei  dementsprechend  ein  oft  genutztes,  sehr  wirksames  Macht­  und  Demütigungsinstrument.  Die  Behörden  seien  weder  fähig  noch  willens,  Homosexuelle oder vermeintlich homosexuelle Personen weder vor den 

D­6445/2009 homophoben  Milizen  noch  vor  der  eigenen  Familie  im  Fall  eines  Ehrenmordes  zu  schützen.  Ein  Vergewaltiger  habe  nicht  unter  dem  Stigma der Homosexualität zu  leiden. Als Akteur habe er vielmehr seine  Männlichkeit  unter Beweis  gestellt,  da eine  solche Vergewaltigung nicht  als  homosexuelle  Praxis  gelte,  sondern  als  die  grösstmögliche  Demütigung  (Alexandra  Geiser,  Irak:  Gefährdung  von  Homosexuellen,  Auskunft  SFH­Länderanalyse,  Bern,  29.  Oktober  2009,  S.  5  ff.).  Zwar  würden seit 2003 homosexuelle Handlungen keinen Straftatbestand mehr  darstellen,  dennoch würden  zahlreiche Angriffe  und Tötungen  vor  allem  durch  Stammes­  oder  Familienmitgliedern  stattfinden.  Homosexuelle  Menschen  werden  im  Irak  immer  wieder  Opfer  von  Gewalt  bis  hin  zu  Mord  und  Ehrenmord.  Bei  einer  Anzeige  bei  der  Behörde  riskieren  die  Opfer  zudem,  wegen  der  angeblichen  Homosexualität  staatliche  Strafmassnahmen  gegen  ihre  Person  zu  provozieren  (United  Kingdom:  Home  Office  /  Country  of  Origin  Information  Report  –  Iraq,  30.  August  2011,  Z.  23.23  ff.).  Schutz  vor  Ehrenmorden  von  Familienangehörigen  oder  vor  Übergriffen  homophober  Milizen  wird  auch  von  den  Nordirakischen  Behörden  nicht  erteilt,  wird  doch  homosexuelles  Verhalten als unislamisch angeschaut  (vgl. UNHCR Eligibility Guidelines  for Assessing the International Protection Needs of Iraqi Asylum Seekers,  April 2009, Nr. 333 ff.; UNHCR Note on the Continued Applicability of the  April 2009 Eligibilty Guidelines, July 2010).  Von einer Schutzwilligkeit der Nordirakischen Behörden gegenüber einer  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  durch  seine  Familie  ist  demnach –  wie  in  der  Beschwerde  zu  Recht  vorgebracht  ­  vorliegend  nicht  auszugehen.  Folglich  steht  dem  Beschwerdeführer  keine  innerstaatliche  Fluchtalternative im Nordirak zur Verfügung. 4.2.5. Weiter  können  auch  keine  vernünftigen  Zweifel  daran  bestehen,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  zu  Recht  befürchteten  Behelligungen  durch  seine  Familie  gezielt  gegen  seine  Person  gerichtet  sein  würden,  um ihn wegen seiner Homosexualität oder vermeintlichen Homosexualität  beziehungsweise  der  von  ihm  erlittenen  Vergewaltigung  durch  einen  Mann ­ mithin seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe  im  Sinne  von  Art.  3  Abs.  1  AsylG  (WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990,S. 97  f.)  ­ zu benachteiligen.  Gleiches gilt für die Schutzunwilligkeit der nordirakischen Behörden.

D­6445/2009 4.2.6.  Es  fehlt  an  konkreten  Hinweisen  auf  ein  Fehlverhalten  des  Beschwerdeführers, welches unter einen oder mehrere der von Art. 1 F  des  Abkommens  vom  28.  Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30) umfassten Fälle zu  subsumieren  wäre.  Eine  tatbeständliche  Grundlage,  welche  den  Ausschluss  des  Beschwerdeführers  vom  Flüchtlingsbegriff  zur  Folge  hätte (vgl. EMARK 1996 Nr. 18 E. 5­7 S. 173 ff.), liegt demnach nicht vor. 4.3.  Damit  sind  sämtliche  Kriterien  der  in  Art.  3  AsylG  enthaltenen  Definition als erfüllt zu betrachten. Somit kann festgehalten werden, dass  der  Beschwerdeführer,  entgegen  der  Beurteilung  durch  die  Vorinstanz,  die  Voraussetzungen  für  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  aufgrund  objektiver  Nachfluchtgründe  erfüllt.  Dementsprechend  ist  ihm  mangels Anzeichen  für das Vorliegen eines Ausschlussgrundes  (Art. 53  AsylG) Asyl zu gewähren. 4.4.  In  Gutheissung  der  Beschwerde  ist  die  vorinstanzliche  Verfügung  aufzuheben.  Die  Vorinstanz  ist  anzuweisen,  den  Beschwerdeführer  als  Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. 5.  5.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten  zu  erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 5.2.  Dem  Beschwerdeführer  ist  angesichts  des  Obsiegens  im  Beschwerdeverfahren  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  eine  Parteientschädigung  für  seine  erwachsenen  notwendigen  Vertretungskosten  zuzusprechen  (vgl.  Art.  7  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin  weist  in  ihrer  Kostennote  vom  23.  November  2011  einen  zeitlichen  Aufwand  von  17,25  Stunden  zu  einem  Stundenansatz  von  Fr.  150.­  zuzüglich Mehrwertsteuer  sowie Spesen  von Fr.  54.­  und Fr.  450.­  (…)  aus.  Der  Zeitaufwand  ist  insofern  zu  kürzen,  als  der  Aufwand  vom  5.  November  2011  (Besprechung  G._______  etc.)  nicht  als  notwendig  für  das  vorliegende  Verfahren  erachtet  wird.  In  Anbetracht  der  Aussergewöhnlichkeit  des  vorliegenden  Falls  erscheint  der  grosse  Zeitaufwand  jedoch  ansonsten  angemessen.  Somit  ergibt  sich  ein 

D­6445/2009 zeitlicher Aufwand von 15, 5 Stunden zu einem Stundenansatz von 150.­  zuzüglich  MwSt..  Insgesamt  ist  demnach  die  Parteientschädigung  zu  Lasten des BFM auf Fr. 3028.­ festzulegen (inkl. Auslagen und MwSt).   (Dispositiv nächste Seite)

D­6445/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird  gutgeheissen. 2.  Die angefochtene Verfügung vom 11. September 2009 wird aufgehoben  und  das BFM wird  angewiesen,  dem Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  Asyl zu gewähren. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor  dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 3028.­  (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.  5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Susanne Scheidegger Versand:

D-6445/2009 — Bundesverwaltungsgericht 10.01.2012 D-6445/2009 — Swissrulings