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Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 D-6286/2011

6 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,541 mots·~8 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Oktober 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6286/2011 Urteil   v om   6 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter Daniel Willisegger;   Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka,  vertreten durch Barbara Frei­Koller, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Oktober 2011 / N _______.

D­6286/2011 Sachverhalt: A.  A.a. Eigenen Angaben  zufolge  verliess  der Beschwerdeführer  –  ein  sri­ lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie – seinen Heimatstaat am  3. Juni 2008 und gelangte am 10. November 2008 illegal in die Schweiz,  wo  er  gleichentags  im Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (…)  um Asyl  nachsuchte. Am 12. November 2008 fand die Befragung zur Person statt  und  am  11.  August  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  zu  seinen  Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend,  er  sei  in  B._______  geboren  worden  und  habe  hauptsächlich  in  C._______  im Distrikt  B._______  gelebt.  Er  habe  unter  dem  in  seinem  Heimatland herrschenden Bürgerkrieg gelitten. Seit dem Jahr 2004 habe  er die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) unterstützt, indem er ihnen  beispielsweise Lebensmittel gebracht habe. Weil er verraten worden sei,  habe  die  sri­lankische  Armee  ihn  seit  dem  Jahr  2005  gesucht  und  im  Januar 2007 zu Hause festgenommen. Die Soldaten hätten ihn einen Tag  lang im Camp festgehalten und geschlagen. Dank der Intervention eines  Mannes  der  Eelam  People's  Democratic  Party  (EPDP)  sei  er  gegen  Bezahlung  freigelassen  worden.  Im  Mai  2008  sei  er  ins  Vannigebiet  gefahren,  von  wo  er  Sri  Lanka  im  Juni  2008  per  Schiff  in  Richtung  D._______  verlassen  habe.  Von  E._______  sei  er  via  F._______  beziehungsweise  via  ein  afrikanisches  Land  und  F._______  nach  G._______ geflogen. A.b.  Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  seinen  Geburtsschein,  Kopien  seines  Identitäts­  und  Schülerausweises  sowie  eines  Ausweises  der  Post  und  eine  Kopie  des  Todesscheins  seiner  Schwester zu den Akten. B.  Mit Verfügung vom 17. Oktober 2011 – eröffnet am 19. Oktober 2011 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  sein Asylgesuch vom 10. November  2008  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug an. C.  Mit Eingabe vom 18. November 2011 liess der Beschwerdeführer gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben 

D­6286/2011 und  beantragen,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  vollumfänglich  aufzuheben und  ihm hierzulande Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die  Unzulässigkeit,  allenfalls  die  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  als  Folge  davon  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  zu  gewähren.  Es  sei  ihm  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren  und  insbesondere  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Es  sei  festzustellen,  dass  die  Beschwerde  aufschiebende  Wirkung  habe,  und  ihm  sei  zu  allfälligen  Stellungnahmen  des  Beschwerdegegners  ein  Replikrecht  zu  gewähren. Als Beweismittel wurden der Arbeitsvertrag vom 12. April 2010 zwischen  der  H._______  und  dem  Beschwerdeführer  sowie  Lohnabrechnungen  vom August bis Oktober 2011 ins Recht gelegt. Auf die Beschwerdebegründung wird – soweit entscheidrelevant – in den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG).

D­6286/2011 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 1  und  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4.  Der  Beschwerde  kommt  von  Gesetzes  wegen  aufschiebende  Wirkung  zu  (Art.  55  Abs.  1  VwVG),  weshalb  der  Antrag,  es  sei  festzustellen,  dass  die  Beschwerde  aufschiebende  Wirkung  habe,  als  gegenstandslos zu erachten ist. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet, weshalb der Antrag auf  Gewährung des Replikrechts sich als gegenstandslos erweist. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den 

D­6286/2011 frauenspezifischen Fluchtgründen  ist Rechnung zu  tragen  (Art. 3 Abs. 2  AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  der  Begründung ab, seine Vorbringen vermöchten weder den Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  noch  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG zu genügen. Sie widersprächen  der  allgemeinen  Lebenserfahrung,  seien  widersprüchlich  und  unsubstanziiert.  Auch  die  Reiseschilderungen  seien  unglaubhaft  ausgefallen.  Angesichts  seines  geringen  politischen  Profils  sei  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  zum  jetzigen  Zeitpunkt  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  von  asylrelevanten  Schwierigkeiten  bedroht  sei.  Seine  Vorbringen  seien  nicht  asylrelevant.  Schliesslich  enthielten  die  eingereichten  Beweismittel  keine  Hinweise  auf  eine  asylrelevante Verfolgung des Beschwerdeführers durch die sri­lankischen  Behörden.  Sie  stünden  in  keinem  direkten  Zusammenhang  mit  seinen  Vorbringen,  sondern  gäben  lediglich  Aufschluss  auf  seine  Identität  und  den Tod einer Schwester. Den  Vollzug  der  Wegweisung  erachtete  das  Bundesamt  als  zulässig,  zumutbar und möglich. 5.2.  In der Beschwerde wird die Verletzung von Bundesrecht gerügt und  diesbezüglich  geltend  gemacht,  das BFM habe durch  die  ungenügende  Sachverhaltsfeststellung sowie die daraus gezogenen, unsubstanziierten  und ebenso unzutreffenden Folgerungen Art. 3 und Art. 7 AsylG verletzt.  Nach  einer  genauen  Prüfung  der  vorliegenden  Akten  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  die  Ausführungen  in  der  Rechts­mitteleingabe  nicht  geeignet  sind,  die  als  zutreffend  zu  erachtenden  Erwägungen  des  BFM  zu  entkräften.  So  ist  insbesondere  festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer, als man bei der Befragung 

D­6286/2011 zur  Person  von  ihm wissen wollte,  womit  er  die  LTTE  unterstützt  habe  (vgl.  Befragungsprotokoll  vom  12.  November  2008,  A1  S.  5),  ohne  Weiteres  möglich  gewesen  wäre,  neben  der  erwähnten  Lebensmittellieferung  gleichzeitig  auch  auf  das  Verfassen  von  Flugblättern  hinzuweisen. Demzufolge  ist  seine Argumentation,  er  habe  sich  kurz  halten  sollen  und  sei  ausserdem  in  einer  enormen  Stresssituation  gewesen,  als  unbehelflicher  Erklärungsversuch  zu  qualifizieren. Darüber hinaus wird das mangelnde Erinnerungsvermögen  des  Beschwerdeführers  hinsichtlich  des  Inhalts  der  Flugblätter  dahingehend  begründet,  dass  der  aggressive  Ton  des  Übersetzers  ihn  verunsichert  hätte,  weshalb  er  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  genaue  Angaben  über  den Wortlaut  der Drohmitteilungen  zu machen.  Vor  dem  Hintergrund,  dass  der  bei  der  Anhörung  anwesende  Hilfswerksvertreter  zum  Protokoll  keinerlei  Einwände  anmeldete  (vgl.  Anhörungsprotokoll  vom  11.  August  2009,  A14 S.  15),  vermag  der  Beschwerdeführer  auch  aus diesem Vorbringen nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Der Vorwurf  erweist sich als unberechtigt. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann  im  Übrigen  vollumfänglich  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Es erübrigt sich somit, auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  das  Gericht  dadurch  zu  keiner  anderen  Einschätzung  gelangen  würde.  Die  erhobene Rüge der Verletzung von Bundesrecht ist nach dem Gesagten  als unbegründet zu erachten. Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7. 

D­6286/2011 7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  gilt  gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Peter  Uebersax/Beat  Rudin/Thomas  Hugi  Yar/Thomas  Geiser  [Hrsg.]  Ausländerrecht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis, Band VIII, 2. Auflage, Basel 2009, S. 568 Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). 7.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 

D­6286/2011 Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerde­ führers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG rechtmässig. 7.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 7.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1. Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Urteil BVGE E­6220/2006  vom  27.  Oktober  2011  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  abgewiesener  sri­lankischer  Asylsuchender  tamilischer  Ethnie  eine  Neubeurteilung  der  Lage  vor.  Nachdem  es  im  Jahr  2008  die  Rückkehr  abgewiesener  sri­lankischer  Asylsuchender  tamilischer  Ethnie  im  Norden  und  Osten  des  Landes  im  Regelfall  aufgrund  des  Bürgerkriegs  als  nicht  zumutbar  bezeichnet  hat  (BVGE  2008/2),  stellte  es  in  seinem  neuen  Entscheid  fest,  dass  sich  die  Sicherheitslage  in Sri  Lanka  seit Beendigung des militärischen Konflikts  zwischen der sri­lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich  verbessert  und  stabilisiert  hat.  Die  LTTE wurden militärisch  vernichtend  geschlagen;  von  den  LTTE  geht  heute  keine  Verfolgung  mehr  aus.  Gemäss dem Urteil  ist  der Wegweisungsvollzug grundsätzlich  zumutbar 

D­6286/2011 hinsichtlich  des  gesamten Gebiets  der Ostprovinz  und  auch  hinsichtlich  der  Nordprovinz,  dort  allerdings  mit  Ausnahme  des  Vanni­Gebiets  (geografisch  definiert  in  E.  13.2.2.1),  wobei  namentlich  bei  Personen,  deren  letzter  Aufenthalt  in  der Nordprovinz  längere  Zeit  zurückliegt,  die  aktuellen  Lebens­  und  Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären  und  auf  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  hin  zu  überprüfen  sind.  In  diesem  Zusammenhang  erscheinen  für  das  Bundesverwaltungsgericht  namentlich  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes  und  die  konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums sowie der  Wohnsituation als begünstigende Faktoren. 7.3.2. Aufgrund der persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers ist  in  casu  vom  Vorhandensein  solcher  begünstigender  Faktoren  auszugehen.  Es  handelt  sich  zunächst  um  einen  jungen,  gemäss  den  Akten  gesunden Mann,  der  über  eine mehrjährige  Schulbildung  verfügt  und  von  2005  bis  2007  in  B._______  einen  Computerkurs  besucht  hat  (vgl. A1 S. 2, A14 S. 4 F23 ff.). In Anbetracht dieser Sachlage kann davon  ausgegangen  werden,  dass  es  ihm  bei  einer  Rückkehr  in  seinem  Heimatland gelingen wird, eine Arbeitsstelle zu finden, um für sich selbst  zu  sorgen,  weshalb  er  –  entgegen  anderslautender  Auffassung  –  nicht  auf das bescheidene Einkommen seines Vaters angewiesen sein wird. Im  Weiteren  besteht  in  der Heimat  ein  tragfähiges Beziehungsnetz  (Eltern,  eine  Schwester  und  zwei  Brüder,  vgl.  A1  S.  3),  welches  dem  Beschwerdeführer  bei  der  Wiedereingliederung  behilflich  sein  kann.  Zudem gelang es  ihm nicht,  eine asylrelevante Verfolgung glaubhaft  zu  machen,  weshalb  dem  Beschwerdevorbringen,  die  Familie  habe  Angst,  Opfer staatlicher Gewalt zu werden, wenn er ins Elternhaus zurückkehre,  jegliche  Grundlage  entzogen  ist.  Angesichts  dessen  ist  davon  auszugehen, dass er auch weiterhin bei seiner Familie Unterkunft finden  wird.  Sodann  sind  keine  weiteren  persönlichen  Gründe  ersichtlich,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  der  Beschwerdeführer  geriete  im  Falle  der  Rückkehr  in  eine  existenzbedrohende  Situation,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  –  in  Übereinstimmung  mit  dem  BFM – als zumutbar zu bezeichnen ist. 7.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG,  dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

D­6286/2011 7.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9.  9.1. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint  (Art.  65  Abs.  1  VwVG).  Dabei  verfügt  eine  Person  dann  nicht  über  die  erforderlichen Mittel,  wenn  sie  ohne  Beeinträchtigung  des  notwendigen  Lebensunterhaltes  die  Prozesskosten nicht zu bestreiten vermag. Angesichts  des  Umstands,  wonach  sich  die  Rechtsbegehren  als  aussichtslos  erwiesen  haben,  ist  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  abzuweisen. Da  die  Voraussetzungen  von  Art.  65 Abs. 1 VwVG (bedürftig/nicht aussichtslos) kumulativ erfüllt sein müssen,  kann vorliegend darauf verzichtet werden, das Kriterium der Bedürftigkeit  zu prüfen. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird  mit vorliegendem Urteil gegenstandslos. 9.2.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­6286/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand:

D-6286/2011 — Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 D-6286/2011 — Swissrulings