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Bundesverwaltungsgericht 22.11.2011 D-6233/2011

22 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,545 mots·~8 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. November 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6233/2011 Urteil   v om   2 2 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;   Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am … , Kosovo,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 3. November 2011 / N … .

D­6233/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  –  ein  Staatsangehöriger  des  Kosovo  –  am  3. September  2010  in  X._______  von  der  Polizei  wegen  illegalen  Aufenthalts verhaftet wurde, worauf er gegenüber der Polizei vorbrachte,  er wolle in der Schweiz ein Asylgesuch einreichen,  dass er  vor  diesem Hintergrund am 6. September  2010  von der Polizei  aus der Haft entlassen und dem Empfangs­ und Verfahrenszentrum des  BFM  …  (EVZ)  zugeführt  wurde,  wo  er  am  gleichen  Tag  als  Asylsuchender registriert wurde,  dass  er  indes  nur  drei  Tage  später  wieder  aus  dem  EVZ  verschwand,  worauf dort keine Befragung zur Person durchgeführt werden konnte,  dass allerdings vom BFM aufgrund einer Abfrage der Eurodac­Datenbank  bereits festgestellt worden war, dass er vor seiner Einreise in die Schweiz  schon  in Österreich  einen Asylantrag  eingereicht  hatte  (am 30. Oktober  2005 … ),  dass  das  Bundesamt  vor  diesem  Hintergrund  und  ungeachtet  des  unbekannten Aufenthalts des Beschwerdeführers am 1. Oktober 2010 –  nach  den Bestimmungen  der Verordnung  [EG] Nr.  343/2003  des Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  ein  Ersuchen  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers an Österreich richtete,  dass  dieses  Ersuchen  am  8.  Oktober  2010  von  Österreich  vorsorglich  abgelehnt  wurde,  da  nach  Auffassung  der  österreichischen  Dublin­ Behörde  mangels  Vorliegen  einer  Befragung  zur  Person  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  für  die  Zuständigkeit  von  Österreich  gemäss Dublin­II­VO vorlagen,  dass in diesem Zusammenhang von der österreichischen Dublin­Behörde  darauf  hingewiesen  wurde,  zwar  habe  der  Beschwerdeführer  am  30.  Oktober  2005  in Österreich einen Asylantrag gestellt,  er  gelte  jedoch  in  Österreich bereits seit dem 16. Juli 2007 als unbekannten Aufenthalts, 

D­6233/2011 dass  das  BFM  in  der  Folge  der  österreichischen  Dublin­Behörde  in  Aussicht  stellte,  auf  das  Wiederaufnahmeersuchen  werde  nach  Wiederauftauchen des Beschwerdeführers zurückgekommen,  dass der Beschwerdeführer indes während Monaten in der Schweiz nicht  mehr in Erscheinung trat, worauf das BFM das hängige Asylverfahren mit  internem Beschluss vom 21. April 2011 als gegenstandslos abschrieb,  dass sich der Beschwerdeführer jedoch drei Monate später – am 19. Juli  2011 – beim EVZ wieder einfand, um dort ein Asylgesuch einzureichen,  dass  er  vom  BFM  am  5.  August  2011  zu  seiner  Person  und  seinen  persönlichen Verhältnissen, seinem Reiseweg und summarisch zu seinen  Gesuchsgründen befragt wurde,  dass  vom  Bundesamt  bereits  vor  der  Kurzbefragung  aufgrund  einer  erneuten Abfrage der Eurodac­Datenbank  festgestellt worden war,  dass  er  in  der  Zwischenzeit  in  Österreich  nochmals  einen  Asylantrag  eingereicht hatte (am 17. März 2011 … ),  dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Kurzbefragung vorbrachte, er  stamme  aus  dem  Dorf  Y._______  in  der  Gemeinde  Z._______,  er  sei  Mitglied  der  LDK  gewesen,  er  habe  im  Kosovo­Krieg  gekämpft  und  er  habe  im  Krieg  fünf  Angehörige  verloren,  darunter  auch  zwei  Brüder,  wobei er den Tod seines Bruders B._______ direkt miterlebt habe,  dass  er  zum  Grund  für  sein  Asylgesuch  vorbrachte,  er  sei  nach  dem  Krieg als Leibwächter von Tahir Zemaj tätig gewesen, welcher 2004 oder  2005 (recte am 4. Januar 2003) einem Mordanschlag zum Opfer gefallen  sei,  dass nach der Ermordung von Tahir Zemaj nach und nach praktisch alle  seine  Leibwächter  ebenfalls  umgebracht  worden  seien,  wobei  er  selbst  mehrmals  das  Ziel  von  Mordversuchen  gewesen  sei,  weshalb  er  2005  nach Österreich gegangen sei und dort ein Asylgesuch eingereicht habe,  dass  er  allerdings  2009  sein  Asylverfahren  in  Österreich  freiwillig  abgebrochen  habe  und  in  den  Kosovo  zurückgekehrt  sei,  da  er  ansonsten in Österreich den Rest einer längeren Haftstrafe hätte absitzen  müssen, 

D­6233/2011 dass er sich jedoch nur zwei Tage zu Hause in Y._______ und insgesamt  nur drei Wochen  im Kosovo aufgehalten habe, da er direkt nach seiner  Rückkehr wiederum das Ziel eines Mordversuches geworden sei,  dass er sich daraufhin kurz in der Schweiz aufgehalten habe, um hier ein  Asylgesuch  zu  stellen  (im  September  2010),  er  jedoch  wieder  nach  Österreich zu seiner Ehefrau zurückgekehrt sei,  dass er allerdings kurz darauf  in Österreich verhaftet worden sei, worauf  er  die  vormals  ausgesetzte  Reststrafe  von  7½­Monaten  habe  absitzen  müssen,  dass  er  im  Anschluss  daran  zur  Ausreise  aus  Österreich  aufgefordert  worden sei, weshalb er in die in die Schweiz zurückgekommen sei,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  auf  Nachfrage  hin  ausdrücklich  gegen  eine Rückkehr nach Österreich aussprach, da sein dortiges Asylverfahren  abgeschlossen sei, nachdem er sich 2009 zu einer freiwilligen Rückkehr  in  die  Heimat  verpflichtet  habe,  und  da  nach  Verbüssung  seiner  Haftstrafe von Österreich eine Einreisesperre gegen ihn verhängt worden  sei,  dass  er  daneben  im  Verlauf  der  Kurzbefragung  vorbrachte,  er  sei  seit  Jahren in ärztlicher Behandlung und auf Medikamente angewiesen,  dass  auch  vom  EVZ  wiederholte  Arztbesuche  und  ein  Bedarf  an  Medikamenten verzeichnet wurde (vgl. act. B13 [Aktennotiz]),  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  8.  August  2011  das  vormals  als  gegenstandslos abgeschriebene Asylverfahren wieder aufnahm,  dass das Bundesamt den Beschwerdeführer am 23. August 2011 für den  Aufenthalt  während  des  Verfahrens  dem  Kanton  X._______  zuwies,  wobei  die  kantonale Behörde unter  dem Titel  "Meldung einer  psychisch  kranken  Person"  ausdrücklich  darauf  hingewiesen  wurde,  der  Beschwerdeführer  sei  traumatisiert  und  er  benötige  Medikamente  (vgl.  act. B14),  dass  das  BFM  am  2.  September  2011  –  nach  den  Bestimmungen  der  Dublin­II­VO – ein Auskunftsbegehren an Österreich  richtete, worauf die  österreichische Dublin Behörde dem Bundesamt mitteilte, der Asylantrag  in Österreich vom 30. Oktober 2005 sei am 15. Oktober 2010  in zweiter 

D­6233/2011 Instanz negativ beurteilt worden und der Antrag  vom 17. März 2011 sei  am 4. April 2011 in zweiter Instanz rechtskräftig zurückgewiesen worden,  dass  das  Bundesamt  in  der  Folge  auf  sein  an  Österreich  gerichtetes  Wiederaufnahmeersuchen  vom 1. Oktober  2010  zurückkam und  an  der  Zuständigkeit Österreichs festhielt (Remonstration vom 10. Oktober 2011  gemäss Dublin­II­VO),  dass  die  österreichische  Dublin­Behörde  daraufhin  mit  Erklärung  vom  12. Oktober  2011  (dem  BFM  zugestellt  am  2.  November  2011)  dem  Wiederaufnahmeersuchen  nach  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e  Dublin­II­VO  entsprach, wobei von dieser Seite erklärt wurde, die Republik Österreich  sei  bereit,  den  Asylbewerber  zu  übernehmen  und  die  Prüfung  seines  Asylantrages durchzuführen,  dass das BFM im Anschluss daran mit Verfügung vom 3. November 2011  – eröffnet  am  10.  November  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  nach  Österreich  anordnete,  wobei  das  Bundesamt  festhielt,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  komme  keine  aufschiebende  Wirkung zu,  dass  das  Bundesamt  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die  Bestimmungen  der  Dublin­II­VO,  den  vorgängigen  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers als Asylsuchender in Österreich, das vom BFM an die  österreichischen  Behörden  gerichtete Gesuch  um Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  und  namentlich  die  aus  Österreich  eingegangene  Wiederaufnahmeerklärung  vom  2.  November  2011  (recte:  12.  Oktober  2011)  –  auf  die  Zuständigkeit  Österreichs  für  die  Behandlung  des  Asylgesuches des Beschwerdeführers verweist und  festhält, von diesem  seien  keine  relevanten  Gründe  gegen  eine  Überstellung  vorgebracht  worden,  dass das Bundesamt  abschliessend den Vollzug der Wegweisung nach  Österreich als zulässig, zumutbar und möglich erklärt, dass  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  am  16.  November  2011 Beschwerde erhob, wobei er in seiner Eingabe zur Hauptsache die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  Rückweisung  der  Sache  an  das  BFM  beantragte,  verbunden  mit  der  Anweisung  an  das 

D­6233/2011 Bundesamt,  sein  Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das  vorliegende Asylverfahren für zuständig zu erklären,  dass  er  gleichzeitig  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde und Anordnung vollzugshemmender Massnahmen sowie um  Erlass  der  Verfahrenskosten  und  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht ersuchte,  dass er in seiner Eingabe zur Hauptsache geltend macht,  in seinem Fall  unterliege  die  Schweiz  der  völkerrechtlichen  Verpflichtung,  ihr  Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO auszuüben, da ihm im  Falle  einer Überstellung nach Österreich  eine mit Art.  3  der Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) unvereinbare Behandlung drohe,  dass  er  in  Österreich  einem  bis  zum  16.  August  2014  gültigen  Rückkehrverbot  unterliege,  weshalb  er  im  Falle  einer  Überstellung  eingesperrt  und  daran  anschliessend  ohne  Prüfung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  in  den  Kosovo  abgeschoben  würde,  was  im  Falle  von  Personen,  die  nach  rechtskräftigem  Abschluss  des  Asylverfahren  beharrlich  im  Land  verbleiben,  der  österreichischen  Verwaltungsgerichtspraxis entspreche,  dass  er  demzufolge  –  entgegen  den  Ausführungen  des  BFM  –  in  Österreich  keinen  Schutz  erwarten  könne,  sondern  dort  eine  sofortige  Ausschaffung in den Kosovo zu gewärtigen habe, wo ihm der Tod drohe,  könne  er  dort  doch  nirgends  Schutz  vor  den  Nachstellungen  seiner  mächtigen Verfolger finden, welche ihn auch schon nach seiner Rückkehr  im Jahre 2009 erneut verfolgt hätten,  dass  er  dem  BFM  zugleich  eine  ungenügende  Sachverhaltsabklärung  sowohl hinsichtlich der Frage der Bestimmung der Zuständigkeit als auch  der  Frage  nach  dem  Stand  seines  österreichischen  Asylverfahrens  vorhält,  wobei  er  zwei  Beweismittel  aus  Österreich  vom  8.  Juli  2011  vorlegt  (eine  Ausreisefristverlängerung  bis  zum  15.  Juli  2011  und  ein  österreichisches Laissez­passer für eine Ausreise in den Kosovo),  dass  er  abschliessend  vorbringt,  er  sei  seit  2005  wegen  eines  Kriegstraumas  in  psychiatrischer  Behandlung,  deswegen  auch während  seines  Gefängnisaufenthalts  in  Österreich  psychiatrisch  untersucht  worden, und er befinde sich nunmehr in der Schweiz in Behandlung, was  er  im  Bedarfsfall  mit  Beweismitteln  belegen  könne,  womit  diese 

D­6233/2011 Behandlung  durch  den  Wegweisungsvollzug  unterbrochen  würde,  was  unzumutbar wäre,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  17.  November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (vgl. dazu Art. 109 Abs. 2 AsylG),

D­6233/2011 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsgesuches  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31  und  33   des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20.  Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) richtet, soweit  das VGG  oder  das AsylG  nichts  anderes  bestimmen  (vgl.  dazu Art.  37  VGG sowie Art. 6 und 105 AsylG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  des  legitimierten  Beschwerdeführers einzutreten  ist  (vgl. dazu Art. 108 Abs. 2 AsylG und  Art. 52 VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass sich die vorliegende Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als  offensichtlich unbegründet erweist, weshalb darüber  in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Entscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),  dass  der  entscheidrelevante  Sachverhalt  aufgrund  der  Akten  als  vollständig  erstellt  zu  erkennen  ist,  mithin  es  weder  der  vom  Beschwerdeführer in Aussicht gestellten Beweismittel bedarf (Art. 33 Abs.  1 VwVG), noch eine Rückweisung der Sache ans BFM zwecks weiterer  Sachverhaltsabklärungen  in  Betracht  zu  ziehen  ist  (vgl.  dazu  nachfolgend),  dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

D­6233/2011 dass aufgrund der Akten erstellt  ist, dass sich der Beschwerdeführer vor  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  als  abgewiesener  Asylsuchender  in  Österreich  aufgehalten  hat  und  er  von  dort  kommend  in  die  Schweiz  eingereist ist,  dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung zu verweisen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG) – Österreich für  die Prüfung des Asylantrages des Beschwerdeführers zuständig  ist, was  von  Österreich  mit  der  Abgabe  der  Erklärung  betreffend  die  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  (nach  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e  Dublin­II­VO) ausdrücklich akzeptiert worden ist,  dass  damit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist,  dass in dieser Hinsicht festzuhalten bleibt, dass es grundsätzlich nicht die  Sache  der  asylsuchenden  Person  ist,  den  für  ihr  Asylverfahren  zuständigen Staat selber zu bestimmen, sondern die Bestimmung des für  sie  zuständigen  Staates  allein  den  beteiligten  Dublin­Vertragsstaaten  obliegt,  dass  daher  die  Vorbringen  betreffend  eine  angeblich  unvollständige  respektive unzutreffende Feststellung der Zuständigkeit nach der Dublin­ II­VO ins Leere zielen, dass  sich  der  Beschwerdeführer  zwar  gegen  eine  Rückkehr  in  sein  Erstasylland  ausspricht,  aufgrund  der  Akten  jedoch  keine  Gründe  ersichtlich  sind, welche  in  rechtserheblicher Weise gegen die  vom BFM  angeordnete Überstellung nach Österreich sprechen würden,  dass  insbesondere  das  von  Österreich  angeordnete  Einreiseverbot  angesichts der Zusage Österreichs zur Rückübernahme unerheblich ist,  dass Österreich Signatarstaat sowohl des Abkommens vom 28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (Flüchtlingskonvention,  SR 0.142.30)  als  auch  der EMRK  ist  und  vorliegend  keine  stichhaltigen  Hinweise  darauf  bestehen,  Österreich  würde  sich  im  Falle  des  Beschwerdeführers  nicht  an  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtungen,  namentlich  das  Refoulementverbot  und  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK halten, 

D­6233/2011 dass  aufgrund  der  Akten  zwar  davon  auszugehen  ist,  die  bisherigen  Asylgesuche  des  Beschwerdeführers  seien  von  Österreich  endgültig  abgewiesen  worden,  womit  der  Vermerk  auf  der  Rückübernahmeerklärung,  die  Übernahme  erfolge  zur  Prüfung  des  Asylantrages, zu relativieren ist,  dass dieser Umstand jedoch im Resultat als unerheblich zu erkennen ist,  da  keine  konkreten  Hinweise  darauf  bestehen,  der  Beschwerdeführer  habe in Österreich nicht über die Möglichkeit verfügt, seine Asylgründe in  umfassender  Weise  vorzutragen,  respektive  die  österreichischen  Behörden  hätten  seine  Asylgesuche  ohne  hinreichend  vertiefte  Prüfung  seiner Gesuchsvorbringen abgewiesen,  dass  der  Beschwerdeführer  zwar  eine  persönliche  Verbindung  zu  Tahir  Zemaj  geltend  macht,  welcher  …  am  4. Januar  2003  mit  weiteren  Personen  einem  Mordanschalg  zum  Opfer  fiel,  wobei  dieser  Anschlag  allgemein  einem  politischen  Hintergrund  zugeschrieben  wird,  da  Tahir  Zemaj, vormals ein Oberstleutnant der jugoslawischen Volksarmee (JVA),  der  Kommandant  der  mit  der  LDK  verbundenen  FARK  (Forcat  e  Armatosura  të  Republikës  së  Kosovë;  Bewaffnete  Kräfte  der  Republik  Kosovo)  war,  welche  während  und  nach  dem  Kosovo­Krieg  in  eine  Auseinandersetzung  mit  der  UÇK  (Ushtria  Çlirimtare  e  Kosovës;  Befreiungsarmee des Kosovo) geriet,  dass tatsächlich im Verlauf der letzten Jahre sowohl im Kosovo als auch  ausserhalb  –  neben  Tahir  Zemaj  und mehreren  seiner Weggefährten –  eine  ganze  Serie  von  Personen  umgebracht  wurden,  welche  alle  als  potentielle Zeugen im internationelen Strafprozess gegen den vormaligen  UÇK­Kommandanten  und  zeitweiligen  Premierminister  Ramush  Haradinaj vorgesehen waren,  dass  indes  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  betreffend  eine  von  daher  rührende  Gefährdung  im  vorliegenden  Verfahren  –  welches  sich  auf  einen  Entscheid  gemäss  den  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren  bezieht  –  ausserhalb  des  objektiv  vorgegebenen  Prozessgegenstandes  liegen, weshalb auf weitere Erwägungen dazu verzichtet werden kann,  dass  unter  der  Annahme  der  grundsätzlichen  Verlässlichkeit  des  Asylverfahrens  im  Dublin­Staat  Österreich  davon  ausgegangen  werden  kann,  die  vorgenannten  Umstände  seien  auch  den  österreichischen  Behörden  bekannt  und  die  Gesuchsvorbringen  des  Beschwerdeführers 

D­6233/2011 einer  entsprechenden  Prüfung  unterzogen  worden,  wobei  das  BFM –  entgegen  den  anders  lautenden  Beschwerdevorbringen  –  nicht  zu  Abklärungen  betreffend  den  Stand  des  österreichischen  Asylverfahrens  gehalten war, dass entgegen den sinngemäss anders  lautenden Vorbringen auch kein  Anlass zur Annahme besteht, der Beschwerdeführer würde im Falle einer  Rückführung nach Österreich in eine existenzielle Notlage geraten, da er  an einem behandlungsbedürftigen Kriegstrauma leidet,  dass  vielmehr  aufgrund  der  Akten  davon  auszugehen  ist,  diese  Erkrankung  sei  auch  in Österreich  von  den Behörden  erkannt  und  dem  Beschwerdeführer eine Behandlung zugänglich gemacht worden,  dass nach vorstehenden Erwägungen sowie unter Berücksichtigung der  gesamten Aktenlage keine Gründe ersichtlich  sind, welche  im Falle des  Beschwerdeführers  in  rechtserheblicher Weise  gegen  eine Rückführung  in  sein  Erstasylland  sprechen  würden,  mithin  –  entgegen  den  Beschwerdevorbringen  –  einer  Überstellung  nach  Österreich  kein  völkerrechtliches Hindernis entgegen steht,  dass  vorliegend  auch  ein  Selbsteintritt  aus  humanitären  Gründen  im  Sinne  der  Bestimmung  von  Art. 29a  Abs. 3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  ausser  Betracht  fällt,  da  auch  unter  Annahme  einer  behandlungsbedürftigen  Kriegstraumatisierung  nicht  vom Vorliegen  eines  humanitären Härtefalls  auszugehen  ist, zumal der Wegweisungsvollzug nach Österreich erfolgt,  wo  der  Beschwerdeführer  bereits  behandelt  wurde  (vgl.  in  diesem  Zusammenhang BVGE E­7221/2009  vom 10. Mai  2011  [zur Publikation  vorgesehen unter BVGE 2011/9]) dass  daher  ein  Selbsteintritt  auf  das  Asylgesuch  (nach  Art.  3  Abs. 2  Dublin­II­VO) ausgeschlossen bleibt, womit  der Nichteintretensentscheid  des BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Österreich  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  entspricht  und  von  daher  im  Einklang  mit  der  Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht,  dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Behandlung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt  –  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  eine 

D­6233/2011 Ersatzmassnahme  für  den  Wegweisungsvollzug  (nach  Art.  44  Abs.  2  AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005  über  die Ausländerinnen  und Ausländer  [AuG, SR 142.20]), mithin  eine  entsprechende  Prüfung  soweit  notwendig  bereits  im  Rahmen  des  Nichteintretensentscheides  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende  Erwägungen; vgl. dazu BVGE 2010/45 E. 10.2),  dass  in  diesem  Sinne  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Österreich zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,  dass  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  die  angefochtene  Verfügung  zu  bestätigen  und  die  eingereichte  Beschwerde  als  offensichtlich  unbegründet abzuweisen ist,  dass mit dem vorliegendem Endentscheid die Gesuche um ein Aussetzen  des Wegweisungsvollzuges  (nach  Art.  107a  AsylG)  und  die  Anordnung  vollzugshemmender  Massnahmen  (gemäss  Art.  56  VwVG)  gegenstandslos werden,  dass  auch  das  Gesuch  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht  (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) gegenstandslos wird, dass das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten (im Sinne von Art. 65  Abs. 1 VwVG) abzuweisen ist, da sich die Beschwerde von Anfang an als  aussichtslos erwiesen hat,  dass  demnach  die  Kosten  des  Verfahrens  von  Fr.  600.–  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (vgl.  Art. 63  Abs.  1  VwVG  sowie  Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­6233/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten wird abgewiesen.  3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand:

D-6233/2011 — Bundesverwaltungsgericht 22.11.2011 D-6233/2011 — Swissrulings