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Bundesverwaltungsgericht 12.08.2011 D-5840/2009

12 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,456 mots·~12 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Revision

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5840/2009 Urteil   v om   1 2 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Bendicht Tellenbach,    Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Partei Ab._______ (vormals Aa._______), geboren am …, Syrien,   vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M., Gesuchsteller,   gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern.  Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  D­1685/2009 vom 12. August 2009 / N … .

D­5840/2009 Sachverhalt: A.  Der  Gesuchsteller  –  ein  Staatsangehöriger  von  Syrien  kurdischer  Ethnie mit  ursprünglicher  Herkunft  aus  der  nordostsyrischen  Provinz  M._______  –  reichte  am  13.  November  2006  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch ein, worauf er am 16. November 2006 kurz befragt und am  26. Februar 2007 einlässlich zu seinen Gesuchsgründen angehört wurde.  Nachdem das BFM eine Botschaftsabklärung  veranlasst  hatte,  fand  am  18. August 2008 eine ergänzende Anhörung statt.  Zur  Begründung  seines  Gesuches  machte  der  Gesuchsteller  zur  Hauptsache  geltend,  seine  Ehefrau  –  eine  junge  Frau  aus  einem  Nachbardorf, eine Maktumin (eine in Syrien nicht registrierte staatenlose  Kurdin),  welche  er  gegen  den  Willen  ihrer  Familie  vor  einem  Imam  geheiratet  habe,  nachdem  er  mit  ihr  im  August  2005  nach  N._______  weggelaufen sei – sei anfangs März 2006 das Opfer eines Ehrenmordes  geworden.  Nachdem  sie  in  N._______  aus  Gründen  der  Familienehre  von  ihrem  Bruder  getötet  worden  sei,  habe  auch  er  von  Seiten  der  Familie  seiner  Ehefrau  um  sein  Leben  zu  fürchten  gehabt,  weshalb  er  seine  Heimat  im  Oktober  2006  verlassen  habe.  Daneben  berichtete  er  über eine Inhaftierung während seiner Militärdienstzeit, weil er  im Dienst  kurdisch  gesprochen  habe,  sowie  über  die  Verwicklung  in  ein  militärisches  Strafverfahren  im  Nachgang  zum  Nevroz­Fest  im  Jahre  2004.  In diesem Verfahren habe er  im Oktober 2005 aus Furcht vor der  Verurteilung  zu  einer  langen  Haftstrafe  einer  Vorladung  des  Militärgerichts  in O._______ keine Folge geleistet. Nachdem er weiteren  Vorladungen ebenfalls keine Folge geleistet habe, sei die Sache  in eine  Geldstrafe  umgewandelt  worden.  Daneben  führte  er  an,  dass  er  in  der  Schweiz exilpolitische Aktivitäten aufgenommen habe. B.  Mit Verfügung vom 26. August 2008 lehnte das BFM das Asylgesuch des  Gesuchstellers  ab  und  ordnete  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  an.  Gegen  diesen  Entscheid  liess  der  Gesuchsteller am 29. September 2008 Beschwerde einreichen, wobei er  im  Verlauf  des  Beschwerdeverfahrens  –  je  in  Kopie  und  mit  einer  Übersetzung  –  eine  Heiratsurkunde  vom  19.  August  2005  und  ein  von  ihm als Todesurkunde bezeichnetes Dokument vom 15. September 2008  zu  den  Akten  reichte.  Mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 6220/2008  vom  15.  Dezember  2008  wurde  –  in  Gutheissung  der 

D­5840/2009 Beschwerde  –  die  angefochtene  Verfügung  aufgehoben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  ans  BFM  zurückgewiesen  (vgl.  zum  Ganzen  die  Akten).  C.  Mit  Verfügung  vom  11.  Februar  2009  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Gesuchstellers  wiederum  ab  und  ordnete  erneut  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  an.  In  diesem Entscheid erklärte das BFM die Ausführungen des Gesuchstellers  zur Heirat seiner Frau gegen den Willen ihrer Familie, zu ihrem Tod und  zu  seiner  Furcht  vor  Nachstellungen  von  Seiten  ihrer  Familie  als  unglaubhaft.  Die  Vorbringen  des  Gesuchstellers  über  seine  vormalige  Verwicklung  in  ein  militärisches  Strafverfahren  und  betreffend  ein  exilpolitisches  Engagement  in  der  Schweiz  erklärte  das  BFM  als  flüchtlingsrechtlich nicht relevant.  D.  Gegen diesen Entscheid liess der Gesuchsteller am 16. März 2009 beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  einreichen,  wobei  er  in  seiner  Eingabe unter anderem an seinen Ausführungen zu seiner Ehefrau und  ihrem Tod festhielt. Im Verlauf des Beschwerdeverfahrens brachte er neu  vor,  gegen  ihn  sei  am 3. August  2008 von der Militärstrafverwaltung  im  Bezirk von P._______ ein Strafurteil ausgefällt worden, mit welchem er zu  drei Jahren Gefängnis verurteilt worden sei und welches seinem Bruder  am  5.  Januar  2009  in  Kopie  eröffnet  worden  sei.  Dabei  liess  er  eine  Farbkopie  des angeblich  seinem Bruder  eröffneten Gerichtsdokumentes  und eine Übersetzung des Beweismittels zu den Akten reichen.  E.  Diese  Beschwerde  wurde  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgericht  D­1685/2009  vom  12.  August  2009  als  offensichtlich  unbegründet  abgewiesen. Dabei wurde vom Bundesverwaltungsgericht unter anderem  die  Echtheit  des  nachgereichten  Beweismittels  verneint,  da  sich  das  geltend  gemachte  Strafurteil  einerseits  nicht  mit  dem  Ergebnis  der  Botschaftsanfrage  vereinbaren  lasse  und  da  das  Beweismittel  andererseits  nur  in  Kopie  mit  handschriftlichen  Einträgen  vorliege.  Im  Weiteren  wurden  unter  anderem  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  betreffend  die  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Gesuchstellers  zu  den Umständen seiner Heirat,  zum Tod seiner Ehefrau und zur geltend  gemachten Furcht vor Nachstellungen von Seiten ihrer Familie bestätigt. 

D­5840/2009 F.  Am  9.  September  2009  (Poststempel)  gelangte  der  Gesuchsteller  mit  einer  Eingabe  ans  BFM,  in  welcher  er  an  seinen  Vorbringen  zum  Tod  seiner  Ehefrau  festhielt  und  seine  Furcht  vor  einem  Ehrenmord  bekräftigte. Diese Eingabe wurde am 15. September 2009 vom BFM zur  Prüfung ans Bundesverwaltungsgericht überwiesen.  Kurz darauf – mit Eingabe vom 15. September 2009 (Poststempel) – liess  der  Gesuchsteller  durch  seinen  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  ein  Revisionsgesuch  betreffend  das  vorgenannte  Urteil  einreichen.  In  dieser  Eingabe  beantragte  er  unter  Vorlage  neuer  Beweismittel  die  Aufhebung  des  Urteils  vom  12.  August  2009 und die Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens,  in der Folge  die  Feststellung  seiner  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  die  Gewährung  einer  vorläufigen  Aufnahme  in  der  Schweiz.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  er  vorab  um  Erlass  der  Verfahrenskosten und um Befreiung  von der Kostenvorschusspflicht.  Im  Weiteren ersuchte er darum, seinem Revisionsgesuch die aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  verbunden mit  der  Anordnung  vollzugshemmender  Massnahmen. G.  Nachdem  das  Bundesverwaltungsgericht  am  16.  September  2009  vorsorglich  vollzugshemmende  Massnahmen  angeordnet  hatte,  wurde  mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  21.  September  2009  der  Vollzug  der  Wegweisung  bis  zum  Endentscheid  ausgesetzt (vgl. Art. 112 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR  142.31]).  Für  den  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten wurde unter Aufforderung eines aktuellen Nachweises  der  Bedürftigkeit  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen.  Auf  das  Erheben eines Kostenvorschusses wurde dabei verzichtet.  H.  Am  30.  März  2011  heiratete  der  Gesuchsteller  …  eine  Schweizer  Bürgerin,  wobei  er  durch  Annahme  des  Namens  der  Braut  seinen  Familiennamen änderte (vgl. Rubrum).  I.  Nach  entsprechender  Anfrage  von  Seiten  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  Zwischenverfügung  vom 17. Mai  2011) 

D­5840/2009 liess  der  Gesuchsteller  mit  Eingabe  vom  7.   Juni  2011  an  seinem  Revisionsgesuch festhalten.

D­5840/2009 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt unter anderem Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM,  wobei  es  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]).  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist ausserdem zuständig  für die Revision von  Urteilen, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl.  BVGE 2007/21 E. 2.1 S. 242).  1.2. Gemäss Art. 45 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  gelten  für  die  Revision  von  Urteilen  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Art. 121  ­  128  BGG  sinngemäss.  Nach  Art. 47  VGG  findet  auf  Inhalt,  Form  und  Ergänzung  des  Revisionsgesuches  Art. 67  Abs. 3  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  Anwendung. 1.3.  Mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  wird  die  Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen  Beschwerdeentscheides  angefochten  im  Hinblick  darauf,  dass  die  Rechtskraft  beseitigt  wird  und  über  die  Sache  neu  entschieden werden  kann  (vgl.  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 2. Auflage, Bern 2005, S. 269). 1.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  zieht  auf  Gesuch  hin  seine  Urteile  aus den in Art. 121 ­ 123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45  VGG). Nicht  als Revisionsgründe  gelten Gründe, welche  die Partei,  die  um  Revision  nachsucht,  bereits  im  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  hätte geltend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG). 2.  Im  Revisionsgesuch  ist  insbesondere  der  angerufene  Revisionsgrund  anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von  Art. 124 BGG darzutun. Der Gesuchsteller beruft sich  in seiner Eingabe  vom 15. September 2009 auf das Vorliegen neuer erheblicher Tatsachen  und Beweismittel  im Sinne  des Revisionsgrundes  nach Art.  123 Abs.  2 

D­5840/2009 Bst. a BGG, wobei er neue Beweismittel vorlegt  (vgl. dazu nachfolgend)  und  unter  Vorlage  eines  in  der  Türkei  am  14.  August  ...  [Jahreszahl  unleserlich]  abgestempelten  Zustellcouverts  im  Original  geltend  macht,  die  neuen  Beweismittel  seien  ihm  erst  jetzt  zugegangen.  Nachdem  der  Gesuchsteller den angerufenen Revisionsgrund hinreichend substanziiert  hat  und  das Revisionsgesuch  aufgrund  des  vorgelegten Zustellcouverts  im  Original  als  grundsätzlich  fristgerecht  zu  erkennen  ist  (vgl.  dazu  Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG), ist auf das im Übrigen formgerechte Gesuch  einzutreten. 3.  3.1. Die Revision  eines Urteils  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  kann unter anderem dann verlangt werden, wenn die ersuchende Partei  nachträglich  erhebliche  Tatsachen  erfährt  oder  entscheidende  Beweismittel  auffindet,  die  sie  im  früheren  Verfahren  nicht  beibringen  konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst nach  dem Entscheid entstanden sind (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG).  3.2. Neu im Sinne dieser Bestimmung sind Tatsachen und Beweismittel,  die  sich  bis  zum  Abschluss  des  ordentlichen  Verfahrens  verwirklicht  beziehungsweise  bestanden  hatten,  jedoch  trotz  hinreichender  Sorgfalt  nicht  bekannt waren und daher  nicht  geltend gemacht werden  konnten.  Erheblich  sind  Tatsachen  und  Beweismittel  dann,  wenn  sie  zu  einem  anderen Entscheid hätten führen können (vgl. BGE 108 V 171 E. 1).  3.3.  Als  seinen  Angaben  zufolge  neue  und  erhebliche  Beweismittel  im  Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG legt der Gesuchsteller zum einen  das  im  ordentlichen  Verfahren  lediglich  in  Kopie  eingereichte  Gerichtsdokument  vom  5.  Januar  2009,  welches  sich  auf  ein  Urteil  der  Militärstrafverwaltung von P._______ vom 3. August 2008 beziehen soll,  im Original vor. Zum anderen reicht er – je im Original und zusammen mit  neuen  Übersetzungen  –  die  Heiratsurkunde  vom  19.  August  2005  und  das  vormals  als  Todesurkunde  bezeichnete  Dokument  vom  15.  September 2008 und daran angehängt neu einen medizinischen Bericht  betreffend die Umstände des Todes seiner Ehefrau am 4. März 2006 ein.  Schliesslich  legt  er  ein  in  der  Türkei  am  14. August  ...  [Jahreszahl  unleserlich]  abgestempeltes Zustellcouvert  im Original  vor, mit welchem  er die vorgenannten Beweismittel erhalten habe.  4. 

D­5840/2009 4.1.  Der  Revisionsgrund  der  nachträglich  erfahrenen  Tatsachen  beinhaltet  zum  einen,  dass  sich  diese  bereits  vor  Abschluss  des  Beschwerdeverfahrens verwirklicht haben; als Revisionsgrund sind somit  lediglich  so  genannte  unechte  Nova  zugelassen.  Zum  andern  verlangt  Art.  123  Abs.  2  Bst.  a  BGG,  dass  die  gesuchstellende  Partei  die  betreffende Tatsache während  des  vorangegangenen Verfahrens  –  das  heisst,  bis das Urteil  gefällt worden  ist  – nicht gekannt hat und deshalb  nicht beibringen konnte. Dass es einer aus "anderen Gründen" (Art. 123  BGG) um Revision ersuchenden Partei nicht möglich war, Tatsachen und  Beweise  bereits  im  früheren  Verfahren  beizubringen,  ist  nur  mit  Zurückhaltung  anzunehmen.  Der  Revisionsgrund  der  unechten  Nova  dient nicht dazu, bisherige Unterlassungen  in der Beweisführung wieder  gutzumachen  (vgl.  ELISABETH  ESCHER,  in:  Basler  Kommentar,  Bundesgerichtsgesetz,  Basel  2008,  N. 8  zu  Art. 123  BGG).  Ausgeschlossen sind damit auch Umstände, welche die gesuchstellende  Partei  bei  pflichtgemässer Sorgfalt  hätte  kennen  können.  Eine Revision  ist  namentlich  dann  ausgeschlossen,  wenn  die  Entdeckung  der  erheblichen  Tatsache  auf  Nachforschungen  beruht,  die  bereits  im  früheren Verfahren hätten angestellt werden können, denn darin  ist eine  unsorgfältige  Prozessführung  der  gesuchstellenden  Partei  zu  erblicken  (vgl. zum Ganzen: ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis, Band X, Basel 2008, Rz. 5.47, S. 249 f.). Auch bezüglich  aufgefundener  Beweismittel  gilt  das  Kriterium,  wonach  die  gesuchstellende  Partei  nicht  in  der  Lage  gewesen  sein  darf,  diese  im  früheren  Verfahren  beizubringen  (vgl.  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O., Rz. 5.48, S. 250). 4.2. Zur Begründung, weshalb er die  im Revisionsverfahren vorgelegten  Beweismittel nicht bereits im ordentlichen Verfahren zu den Akten reichte,  macht  der  Gesuchsteller  in  seiner  Eingabe  geltend,  die  neuen  Beweismittel  –  welche  seine  bisherigen  Darstellungen  dermassen  untermauerten,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  seine  Fluchtgründe  als  überwiegend  wahrscheinlich  qualifizieren  müsse  (vgl.  Gesuch,  S.  4  [letzter  Absatz])  –  habe  er  erst  jetzt  erhalten,  da  bis  dahin  eine  Zusendung auf dem Postweg zu riskant gewesen wäre. Aufgrund der  in  seiner  Heimat  herrschenden  Verhältnisse  wäre  die  Sendung  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  vor  dem  Verlassen  des  Landes  behördlich  geöffnet  und  beschlagnahmt worden, worauf  seine Angehörigen mit  nachteiligen  Folgen zu rechnen gehabt hätten. Deshalb hätten seine Angehörigen erst  darauf  warten  müssen,  jemanden  zu  finden,  der  über  die  Möglichkeit 

D­5840/2009 verfügt habe und Willens gewesen sei, die Dokumente von der Türkei aus  zu versenden (vgl. Gesuch, S. 5 Mitte).  4.3.  Soweit  es  die  nunmehr  im  Original  nachgereichte  Heiratsurkunde  vom 19. August 2005 und die medizinischen Berichte, einer davon vom  15.  September  2008  datierend,  betrifft,  erweisen  sich  die  Vorbringen  betreffend einen angeblich erst am 14. August (2009) möglichen Versand  aus der Türkei als in keiner Weise plausibel. Die Heiratsurkunde müsste  schon seit Jahren im Zugriffsbereich der Familie gewesen sein. Auch der  eine  medizinische  Berichte  datiert  vom  15.  September  2008  und  auch  dieser  hätte  im Übrigen  schon  Jahre  früher  ausgestellt  werden  können.  Die nunmehr vorgelegten Originale standen demnach dem Gesuchsteller  respektive  seinen  Angehörigen  schon  lange  zur  Verfügung  beziehungsweise  hätten  diese  schon  vor  Jahren  beschafft  werden  können.  Auch  wenn  sich  die  Zustellung  von  Dokumenten  aus  Syrien  unter  Umständen  als  nicht  einfach  erweisen  sollte,  so  ist  doch  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  diese  Beweismittel  im  Original  erst  am  14. August  2009  von  der  Türkei  in  die  Schweiz  versandt  wurden.  Weshalb  sich  aus  dem Versand  dieser  Unterlagen  für  die  Angehörigen  des  Gesuchstellers  eine  Gefährdung  von  Seiten  der  Behörden  hätte  ergeben  sollen,  ist  nicht  einsichtig.  Nachdem  das  BFM  die  Vorbringen  des  Gesuchstellers  betreffend  eine  Heirat  gegen  den Willen  der  Eltern  der  Braut  und  betreffend  den  Tod  der  Ehefrau  im  Rahmen  seines  Entscheides  vom  11.  Februar  2009  als  unglaubhaft  erkannt  hatte,  und  nachdem  diese  Schlüsse  auch  vom  Bundesverwaltungsgericht  im  Rahmen des Instruktionsverfahrens bestätigt worden waren (vgl. dazu die  Zwischenverfügung  D­1685/2009  vom  20. März  2009),  wäre  es  für  den  Gesuchsteller  geradezu  geboten  gewesen,  seine  Position  im  Asylverfahren  durch  eine  rasche  Beibringung  von  Beweismitteln  im  Original  allenfalls  zu  verbessern.  Insgesamt  ist  zu  schliessen,  dass  sowohl  die  Heiratsurkunde  vom  19.  August  2005  als  auch  die  medizinischen  Berichte  ohne  weiteres  früher  hätten  eingereicht  werden  können.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  festzustellen,  dass  es  dem  Gesuchsteller bei Anwendung der zumutbaren Sorgfalt und in Beachtung  der  ihm  obliegenden  Mitwirkungspflicht  nach  Art.  8  AsylG  möglich  gewesen  wäre,  diese  beiden  Beweismittel  im  Original  bereits  im  ordentlichen Verfahren beizubringen (vgl. wiederum Art. 123 Abs. 2 Bst. a  BGG  bzw.  Art.  46  VGG),  weshalb  sie  in  diesem  Lichte  besehen  keine  revisionsmässige Relevanz zu entfalten vermögen.

D­5840/2009 4.4.  Betreffend  das  dritte  Beweismittel  –  laut  dem  Gesuchsteller  ein  Gerichtsdokument  im  Original,  welches  sich  auf  ein  militärisches  Strafurteil  vom  3.  August  2008  beziehen  soll  und  welches  seine  Verurteilung zu einer 3­jährigen Gefängnisstrafe belege – ist aufgrund der  Akten  im  Wesentlichen  das  Gleiche  festzustellen.  Gemäss  der  vorliegenden  Übersetzung  soll  dieses  Beweismittel  dem  Bruder  des  Gesuchstellers bereits am 5. Januar 2009 ausgehändigt worden sein. Der  Gesuchsteller berichtete davon  jedoch weder dem BFM noch machte er  dazu etwas  im Rahmen seiner Beschwerdeeingabe vom 16. März 2009  geltend.  Das  Vorliegen  des  angeblichen  Strafurteils,  respektive  des  diesbezüglichen Gerichtsdokumentes  vom  5.  Januar  2009,  wurde  unter  Vorlage einer Kopie erst mit Eingabe vom 27. März 2009  (Poststempel)  geltend  gemacht.  Dies  im  Rahmen  eines  Wiedererwägungsgesuchs  betreffend  die  Frage  der  Verfahrenskosten  und  verbunden  mit  dem  Vorbringen,  der  Gesuchsteller  habe  die  Urteilskopie  gerade  erst  von  seinem  Bruder  via  E­Mail  erhalten.  Nachdem  aber  der  Gesuchsteller  seinen eigenen Angaben zufolge  in direktem Kontakt  zu  seinem Bruder  stand  (E­Mail­Verkehr),  und  namentlich  unter  Berücksichtigung  der  Bedeutung einer allfälligen Verurteilung zu einer langen Gefängnisstrafe,  ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Gesuchstellers nicht sofort über die  angeblich  erfolgte  Verurteilung  berichtet  hat,  respektive  weshalb  sein  Bruder nach Erhalt des angeblichen Urteils noch zweieinhalb Monate bis  zu  einem  diesbezüglichen  Bericht  und  der  Zusendung  einer  Kopie  zugewartet  haben  soll,  und  danach  nochmals  fünf  Monate  bis  zum  Versand  des  Originals  aus  der  Türkei.  Auch  im  Falle  des  angebliches  Strafurteils  vom 3. August  2008  ist  damit  von  einer  revisionsrechtlichen  Verspätung  auszugehen.  Darüber  hinaus  kann  das  erst  auf  Revisionsstufe  im  Original  vorgelegte  Beweismittel  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt (E. 6.2) – auch aus anderen Gründen nicht überzeugen.  5.  5.1. Revisionsweise Vorbringen, die verspätet sind, können dennoch zur  Revision  eines  rechtskräftigen  Urteils  führen,  wenn  aufgrund  der  verspäteten Vorbringen offensichtlich wird, dass dem Gesuchsteller oder  der Gesuchstellerin Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behandlung  droht und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis besteht (vgl.  dazu  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1995  Nr. 9  E. 7,  insb.  E. 7f  und  g;  der  zitierte Entscheid  bezieht  sich  zwar  auf Art. 66 Abs. 3 VwVG,  lässt  sich  indessen  auch  auf  die  vorliegend  anwendbaren  Verwirkungsfolgen  gemäss  Art.  46  VGG  beziehungsweise  Art.  123  BGG  übertragen).  Der 

D­5840/2009 Grund  hierfür  ist  darin  zu  sehen,  dass  nach  wie  vor  auch  bei  grundsätzlicher  Unzulässigkeit  der  Revision  kein  Verstoss  gegen  zwingendes Völkerrecht – worum es sich bei den Garantien nach Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  Art. 3  der  Konvention  vom  4.  November  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR  0.101) sowie Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  handelt  –  resultieren  darf.  Allerdings  hält  der  erwähnte  Grundsatzentscheid  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  ausserdem  fest,  dass  ein  Abweichen  von  der  Verwirkungsfolge in diesem Sinne nur in sehr engen Grenzen zulässig ist  (EMARK  1995  Nr. 9  E. 7g;  vgl.  dazu  auch  AUGUST  MÄCHLER,  in:  CHRISTOPH  AUER/  MARKUS  MÜLLER/BENJAMIN  SCHINDLER  [Hrsg.],  Kommentar zum VwVG, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 66, N 26). 5.2.  So  ist  auch  auf  der  Grundlage  einer  völkerrechtskonformen  Auslegung der anzuwendenden Bestimmungen vorauszusetzen, dass die  in  Frage  stehenden  zwingenden  Normen  des  Völkerrechts  bei  strikter  Anwendung der gesetzlichen Revisionsbestimmungen tatsächlich verletzt  würden.  Es  genügt  daher  nicht,  dass  ein  Gesuchsteller  oder  eine  Gesuchstellerin  eine  drohende  Verletzung  von  Art. 33  Abs. 1  FK,  Art. 3  EMRK oder Art. 3 FoK lediglich behauptet. Vielmehr muss die beachtliche  Wahrscheinlichkeit  einer  aktuellen,  ernsthaften  Gefahr  schlüssig  nachgewiesen  werden,  selbst  wenn  dabei  ein  herabgesetzter  Beweismassstab  des  Glaubhaftmachens  genügt.  Ein  Abweichen  vom  Wortlaut von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG und Art. 46 VGG (bzw. Art. 66  Abs. 3  VwVG)  rechtfertigt  sich  mit  anderen  Worten  nicht  bereits  bei  Vorliegen  von  Tatsachen  und  Beweismitteln,  welche  geeignet  sein  können,  zu  einem  anderen  Ergebnis  als  im  vorangegangenen  ordentlichen  Asylverfahren  zu  führen,  sondern  lediglich  dann,  wenn  die  Tatsachen und Beweismittel bei  rechtzeitigem Bekanntwerden zu einem  anderen  Beschwerdeentscheid  –  und  zwar  zu  einer  Gutheissung  zumindest  bezüglich  der  Frage  der  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzuges  –  geführt  hätten.  Voraussetzung  für  die  Entkräftung der Verwirkungsfolge  ist somit, dass bereits  im Rahmen der  Prüfung  des  Vorliegens  des  geltend  gemachten  Revisionsgrunds  eine  vorweggenommene  materielle  Beurteilung  ergibt,  dass  die  genannten  völkerrechtlichen Wegweisungsschranken tatsächlich bestehen.

D­5840/2009 5.3.  Anzumerken  bleibt,  dass  die  genannten  zwingenden  völkerrechtlichen  Normen  kein  Recht  auf  Asyl  garantieren,  sondern  lediglich  ein  Rückschiebungsverbot  statuieren.  Somit  ist  auch  bei  Gutheissung  des  Revisionsgesuchs  aufgrund  verspäteter  Vorbringen  nicht Asyl zu gewähren, sondern nur die Frage der Flüchtlingseigenschaft  und der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs zu prüfen (EMARK 1995  Nr. 9 E. 7h, S. 90).

D­5840/2009 6.  6.1. Der Gesuchsteller hält in seiner Eingabe dafür, mit der Nachreichung  des Originals des Strafurteils vom 3. August 2008 sowie mit der Vorlage  der Heiratsurkunde vom 19. August 2005 und des medizinischen Berichts  vom 15. September 2008 sei – im Sinne der vorstehenden Erwägungen –  seine  Gefährdungslage  offensichtlich  ausgewiesen.  Dieser  Ansicht  ist  jedoch  weder  unter  Berücksichtigung  des  angeblichen  Gerichtsdokuments vom 5. Januar 2009 noch unter Berücksichtigung der  anderen Beweismittel zu folgen: 6.2.  6.2.1.  Im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  12. August  2009  wurde das mit  "Berichterstattung über die Bestimmung des Gesetzes  in  Abwesenheit"  überschriebene  Dokument  vom  5.  Januar  2009,  welches  sich auf ein Strafurteil vom 3. August 2008 beziehen soll, als Fälschung  erkannt  respektive  dessen Echtheit  verneint, weil  es  einerseits mit  dem  Ergebnis  der  Botschaftsanfrage  nicht  zu  vereinbaren  war  und  es  andererseits nur in Fotokopie mit handschriftlichen Einträgen vorlag (vgl.  a.a.O.,  E.  5.1  S.  10).  Entgegen  den  sinngemäss  anders  lautenden  Vorbringen  des  Gesuchsteller  wird  alleine  mit  der  Vorlage  des  Beweismittels  im  Original  weder  der  bisherige  Schluss  zur  Frage  der  Echtheit  dieses  Beweismittels  erschüttert,  noch  wird  die  vom  Gesuchsteller  behauptete  Gefährdungslage  offensichtlich  ausgewiesen.  Zwar  liegt  das Beweismittel  jetzt  im Original  vor. Am Umstand, dass es  sich dabei  lediglich um ein vorgedrucktes Formular mit handschriftlichen  Einträgen handelt, dessen Inhalt im Widerspruch zu den Ergebnissen der  vorinstanzlichen  Abklärungen  in  der  Heimat  des  Gesuchsteller  steht,  ändert  sich  damit  jedoch  nichts.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  im  Urteil  vom 12.  August  2009  –  dem wesentlichen Sinngehalt  nach  –  die  Vorbringen  betreffend  eine  Verurteilung  zu  einer  langjährigen  Gefängnisstrafe als offenkundig nachgeschoben erkannt. Dieser Schluss  kann  auch  mit  der  Vorlage  des  Originals  des  angeblichen  Gerichtsdokuments nicht erschüttert werden.  6.2.2.  In  diesem  Zusammenhang  ist  anzumerken,  dass  der  Inhalt  des  Beweismittels  nicht  nur  im  Widerspruch  zum  Resultat  der  Botschaftsanfrage,  sondern  gerade  auch  im  Widerspruch  zu  den  hinreichend  klaren  Ausführungen  des  Gesuchstellers  zum  Verlauf  des  geltend  gemachten  Strafverfahrens  steht.  So  hat  er  anlässlich  der  Begründung  seines  Asylgesuches  zwar  auf  ein  militärisches  Strafverfahren verwiesen, zu welchem es im Nachgang zum Nevroz­Fest 

D­5840/2009 im  Jahre  2004  gekommen  sei,  diesbezüglich  aber  angegeben,  das  Verfahren  sei  mit  einer  Geldstrafe  erledigt  worden.  Im  Rahmen  der  einlässlichen  Befragung  hat  er  dazu  ausgeführt,  er  habe  vor  seiner  Ausreise  aus  Syrien  eine  Vorladung  des  Militärgerichts  in  O._______  erhalten, welcher er  jedoch nicht nachgekommen sei  (act. A23 S. 7 Ziff.  3.2  F.  4).  Eineinhalb  Jahre  später,  im  Rahmen  der  ergänzenden  Anhörung, hat er abschliessend berichtet, nachdem weitere Vorladungen  erfolgt seien, er aber weiterhin nicht erschienen sei, sei die Sache in eine  Geldstrafe umgewandelt worden (act. A27 S. 8 F. 66). Erst im Verlauf des  Beschwerdeverfahrens  –  und  auch  erst  nachdem  im  Rahmen  des  Instruktionsverfahrens  seine  Beschwerde  als  aussichtslos  erkannt  worden war  (vgl. Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts D­ 1685/2009  vom 20. März 2009)  –  hat  er  unter Vorlage einer Kopie  des  Gerichtsdokuments vom 5. Januar 2009 neu geltend gemacht, die Sache  sei  doch  nicht  erledigt,  sondern  er  sei  am  3.  August  2008  zu  einer  3­ jährigen  Gefängnisstrafe  verurteilt  worden  (vgl.  Eingabe  vom  27. März  2009  [Poststempel]).  Diese  Abfolge  kann  –  gerade  auch  vor  dem  Hintergrund der vorstehenden Erwägungen  (E. 4.4) – nicht überzeugen,  sondern spricht klar für das Vorliegen von nachgeschobenen Vorbringen  und für die Vorlage eines gefälschten Beweismittels.  6.2.3. Dass es sich bei dem mit "Berichterstattung über die Bestimmung  des Gesetzes in Abwesenheit" überschriebenen Dokument vom 5. Januar  2009  um  ein  gefälschtes,  respektive  mutmasslich  gegen  Bestechung  erhältlich  gemachtes  Dokument  handelt,  ergibt  sich  auch  aus  dem  Beweismittel  selbst.  Der  Gesuchsteller  hat  seinen  Dienst  in  Q._______  absolviert  (A23  S.  5  und  A1  S.  8  unten),  also  ausserhalb  seiner  Heimatprovinz,  und  es  soll  dort  gegen Ende  des Dienstes wegen  einer  angeblicher  Beteiligung  am  Nevroz­Fest  im  Jahre  2004  zu  Problemen  respektive  einer  Verhaftung  gekommen  sein.  Es  erscheint  als  grundsätzlich  plausibel,  wenn  der  Gesuchsteller  in  diesem  Zusammenhang  nach  Abschluss  seiner  Dienstzeit  vom  Militärgericht  in  O._______  –  und  damit  von  einer  Behörde  in  seinem  Heimatdistrikt  R._______  –  vorgeladen  worden  sein  will.  Wenn  nun  aber  ein  Beweismittel  vorgelegt  wird,  laut  welchem  er  am  3. August  2008  von  einer  andernorts  zuständigen  Behörde  –  angeblich  einem  militärischen  Einzelrichter  im  Bezirk  von  P._______  –  verurteilt  worden  sein  soll,  so  erscheint dies als überaus  fragwürdig. Bei dem Beweismittel  handelt  es  sich zudem nicht um das angebliche Strafurteil vom 3. August 2008 oder  eine beglaubigte Kopie davon, sondern  lediglich um eine handschriftlich  ausgefüllte Urteilsbestätigung, welche auf der Basis eines vorgedruckten 

D­5840/2009 Formulars  ausgestellt  wurde.  Unter  Berücksichtigung  dieser  Umstände,  und  namentlich  der  notorischen  Korruption  in  Syrien,  kann  dem  mit  "Berichterstattung  über  die  Bestimmung  des  Gesetzes  in  Abwesenheit"  überschriebenen  Dokument  vom  5. Januar  2009  keine  relevante  Beweiskraft zugemessen werden.  6.2.4. Nach vorstehenden Erwägungen kann mit dem Gerichtsdokument  vom 5. Januar 2009 im Original die beachtliche Wahrscheinlichkeit einer  aktuellen,  ernsthaften  Gefahr  nicht  nachgewiesen  respektive  zumindest  glaubhaft gemacht werden. Nachdem das Beweismittel als Fälschung zu  erkennen ist, ist es als solche einzuziehen (Art. 10 Abs. 4 AsylG). 6.3.  6.3.1.  Auch  mit  den  weiteren  Beweismitteln  –  der  Heiratsurkunde  vom  19. August  2005  und  den  medizinischen  Berichten  betreffend  die  Umstände des Todes der Ehefrau des Gesuchstellers am 4. März 2006 –  wird  eine  im  Sinne  der  vorstehenden  Erwägungen  relevante  Gefährdungslage  nicht  ausgewiesen.  Auch  im Falle  dieser Beweismittel  bestehen  vorab  ernsthafte  Zweifel  hinsichtlich  der  Frage  der  Echtheit.  Bereits  das  verspätete  Einreichen  zusammen  mit  einem  gefälschten  Gerichtsdokument  wirft  erste  Zweifel  auf.  Ausserdem  hatte  der  Gesuchsteller  im  erstinstanzlichen  Verfahren  explizit  ausgeführt,  er  besitze keine Heiratsurkunde oder ein anderes Zertifikat betreffend seine  Heirat,  da es  so etwas nicht  gebe, wenn man  (wie er)  bei  einem  Imam  heirate  (act.  A23  F. 22).  Zum  andern wurden  die medizinischen Bericht  betreffend die Umstände des Todes seiner Ehefrau erst über zwei Jahre  nach dem geltend gemachten Ereignis auf das Ersuchen des Bruders hin  ausgestellt. Der zuständige Arzt im einen Dokument sei gemäss Stempel  B._______,  Innere Medizin  für  Kinder.  Unter  diesen  Umständen  und  in  Anbetracht  der  im  ordentlichen  Verfahren  festgestellten  offensichtlichen  Unglaubhaftigkeitselemente,  vermögen  diese  Beweismittel  nicht  zu  überzeugen und sind daher ebenfalls einzuziehen. 6.3.2. Selbst  wenn  von  der Wahrheit  seiner  Ausführungen  auszugehen  gewesen  wäre,  könnte  aufgrund  der  Akten  insgesamt  kein  Anlass  zur  Annahme  bestehen,  der  Gesuchsteller  –  ein  syrischer  Kurde,  welcher  über die syrische Staatsangehörigkeit verfügt, seinen Militärdienst bereits  ordentlich  abgeleistet  hat  und  von  daher  in  seiner  Bewegungsfreiheit  innerhalb  Syriens  in  keiner  Weise  eingeschränkt  ist  –  hätte  sich  landesweit  vor  Nachstellungen  der  Familie  seiner  angeblich  getöteten  Ehefrau zu fürchten. Da Syrien über eine beachtliche Ausdehnung verfügt 

D­5840/2009 und rund 20 Millionen Einwohner zählt – wobei das Land mit Damaskus,  Aleppo  und  Homs  auch  drei  Millionenstädte  hat  –  darf  ohne  weiteres  davon  ausgegangen  werden,  dass  sich  der  Gesuchsteller  den  behaupteten  Nachstellungen  von  Seiten  privater  Dritter  ohne  weiteres  durch eine Wohnsitzverlegung innerhalb seines Heimatstaates entziehen  kann. Dabei kann angemerkt werden, dass es sich bei der Familie seiner  verstorbenen Ehefrau um Maktumin,  also um  in Syrien nicht  registrierte  staatenlose  Kurden  handeln  soll,  deren  Bewegungsfreiheit  ohnehin  von  Staates  wegen  deutlich  eingeschränkt  wird.  Entgegen  den  anders  lautenden Gesuchsvorbringen kann kein Anlass zur Annahme bestehen,  dem  Beschwerdeführer  drohe  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Syrien mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit der Tod von Seiten der mit ihm angeblich  verfeindeten  Familie  und  damit  eine  nach  Art.  3  EMRK  unvereinbare  Behandlung.  6.4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  verspätet  eingereichten  Beweismittel keinen hinreichenden Beleg für eine in der Heimat drohende  Verfolgung  oder  menschenrechtswidrige  Behandlung  darstellen.  Ein  völkerrechtliches  Wegweisungshindernis  –  im  Sinne  der  vorstehenden  Erwägungen – wird damit nicht ersichtlich gemacht.  7.  Der  Heimatstaat  des  Gesuchsteller  durchlebt  seit  einigen  Monaten  erhebliche  Umwälzungen,  wobei  aktuell  in  verschiedenen  Landesteilen  schwerwiegende  Übergriffe  der  syrischen  Sicherheitskräfte  auf  die  Anhänger  einer  regimefeindlichen  Bewegung  respektive  auf  die  örtliche  Bevölkerung zu beobachten sind. Da es sich dabei um neue Ereignisse  handelt, welche sich erst nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  vom  12. August  2009  verwirklicht  haben,  kann  diesen  keine  revisionsrechtliche Relevanz zukommen (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG).  8.  Nach vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass kein revisionsrechtlich  relevanter Sachverhalt vorliegt. Das Gesuch um Revision des Urteils des  Bundesverwaltungsgerichts vom 12. August 2009 ist daher abzuweisen. 9.  9.1. Im Rahmen der Zwischenverfügung vom 21. September 2009 wurde  der  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen.  Dabei  wurde  der  Gesuchsteller  aufgefordert,  ein Beweismittel  betreffend  die  von  ihm geltend  gemachte 

D­5840/2009 Bedürftigkeit nachzureichen. Obwohl diese Aufforderung im Rahmen der  Zwischenverfügung  vom 17. Mai  2011  in  Erinnerung  gerufen wurde,  ist  bis dahin keine Fürsorgebestätigung oder ein anderer Ausweis über die  finanziellen  Verhältnisse  des  Gesuchsteller  zu  den  Akten  gereicht  worden.  Damit  ist  die  geltend  gemachte  prozessuale  Bedürftigkeit  nicht  ausgewiesen,  weshalb  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  abzuweisen ist (vgl. dazu Art. 68 Abs. 2 i.V.m. Art. 65 Abs. 1 VwVG).  9.2. Bei dieser Sachlage und bei vorliegendem Ausgang des Verfahrens  sind  dem  Gesuchsteller  die  Kosten  des  Verfahrens  aufzuerlegen  (vgl.  dazu  Art. 68  Abs.  2  i.V.m.  Art.  63  Abs.  1  VwVG  sowie  Art.  1  ­  3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])  (Dispositiv nächste Seite)

D­5840/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  1'200.–  werden  dem  Gesuchsteller  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.  4.  Die eingereichten Beweismittel werden eingezogen.  5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Gesuchsteller,  das  BFM  und  die  zuständige  kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand:

D-5840/2009 — Bundesverwaltungsgericht 12.08.2011 D-5840/2009 — Swissrulings