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Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 D-5557/2009

4 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,558 mots·~13 min·3

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Juni 2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5557/2009 Urteil   v om   4 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Thomas Wespi; Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A.______, Irak, vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 25. Juni 2009 / (…).

D­5557/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  irakischer  Staatsangehöriger,  welcher  eigenen Angaben zufolge aus Mosul stammt – suchte am 19. Dezember  2008  in  B.______  um  Asyl  nach.  Am  6. Januar  2009  fand  im  dortigen  Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) eine erste Befragung statt. Der Beschwerdeführer machte  im Wesentlichen geltend, er habe seinen  Heimatstaat am (…) in Richtung C.______ verlassen, von wo er (…) nach  Griechenland weitergereist sei. Der vom Schlepper bestellte Lkw (…) sei  von  der  griechischen  Polizei  angehalten  worden,  woraufhin  er  daktyloskopiert  worden  sei  und  dabei  die  Personalien  D.______  angegeben habe. Er sei   während (…)  in Haft gehalten worden. Bei der  Haftentlassung  sei  ihm  ein  Wegweisungsdokument  ausgehändigt  worden,  dem  er  jedoch  keine  Folge  geleistet  habe.  Vielmehr  sei  er  bis  zum  (…)  in Griechenland  geblieben,  wobei  er  sich,  als  er  zum  zweiten  Mal daktyloskopiert worden sei, eine  rote Asylkarte habe ausstellen und  diese in der Folge (…) habe verlängern lassen, letztmals am (…). Er sei  an  verschiedenen Stellen  erwerbstätig  gewesen,  bis  es  zu  einem Streit  mit  dem  letzten  Arbeitgeber  gekommen  sei.  Dabei  sei  ihm  unter  Verwendung  einer  Schuss­  und  einer  Stichwaffe  mit  dem  Tod  gedroht  worden,  falls  er  sich  an  die  Polizei  wenden  würde.  Deshalb  habe  er  Griechenland  (…)  in  Richtung  E.______  verlassen,  von  wo  er  am  19. Dezember 2008 in die Schweiz gelangt sei. Anlässlich  der  Befragung  vom  6. Januar  2009  wurde  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt,  dass  gestützt  auf  eine  zwischenzeitlich  vorgenommene Abfrage der Eurodac­Datenbank, welche ergeben habe,  dass  er  am  (…)  in  F.______  (Griechenland)  einen  Asylantrag  gestellt  habe,  mutmasslich  Griechenland  für  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren zuständig sei. Gleichzeitig wurde ihm im Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  Gelegenheit  gegeben,  zu  einem  allfälligen  Nichteintretensentscheid  des BFM  und  zur  Zuständigkeit Griechenlands  für die Behandlung des Asylgesuchs beziehungsweise zur Rückweisung  nach  Griechenland  Stellung  zu  nehmen.  Diesbezüglich  gab  er  zu  Protokoll,  dass  dort  ein  gesetzloses  Chaos  herrsche,  vor  welchem  er  geflüchtet  sei.  Er  würde  nicht  dorthin  zurückkehren,  sondern  sich  gegebenenfalls selbständig in ein anderes Land begeben. Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  führte  er  aus,  er  habe  vor  der  Ausreise aus dem Heimatstaat  (…) gearbeitet, während sein Bruder als 

D­5557/2009 (…) tätig gewesen sei. Dieser sei im (…) von Terroristen getötet worden.  Daraufhin sei die Familie von den Terroristen davor gewarnt worden, eine  Trauerfeier abzuhalten. Nachdem sie diese Warnung missachtet hätten,  sei er  (…) nach dem Tod seines Bruders von den Terroristen schriftlich  mit dem Tod bedroht worden. B.  Am 15. Januar 2009 und nochmals am 25. Februar 2009 stellte das BFM  – gestützt  auf  den  Eurodac­Treffer  vom  (…)  und  eine  vom  Beschwerdeführer  eingereichte,  am  (…)  in  Griechenland  ausgestellte  "Alien's  Card Requesting  Political  Asylum"  –  in  Anwendung  von  Art. 16  Abs. 1  Bst. c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  ein  Ersuchen  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  an  die  griechischen  Behörden.  Diese  Anfragen  blieben  bis  zum  Ablauf  der  Frist  am  29. Januar  2009  beziehungsweise  am 2. April 2009 unbeantwortet. C.  Mit  Verfügung  vom  25. Juni   2009  –  zu  eröffnen  durch  die  zuständige  kantonale  Behörde  –  trat  das  BFM  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) auf das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  ein,  wies  diesen  aus  der  Schweiz  nach  Griechenland  weg,  ordnete  den  sofortigen  Vollzug  der  Wegweisung  an,  stellte  fest,  dass  einer  allfälligen  Beschwerde  keine  aufschiebende  Wirkung  zukomme,  und  verfügte  die  Aushändigung  der  editionspflichtigen Akten an den Beschwerdeführer. Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  ausgeführt,  gemäss  Art.  34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  werde  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  könnten,  welcher  für  die  Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahrens zuständig sei. Der  Beschwerdeführer  habe  erklärt,  sich  als  anerkannter  Flüchtling  in  Griechenland  aufgehalten  zu  haben.  Zudem  liege  ein  entsprechender  Eurodac­Treffer vor. Gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004  zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen 

D­5557/2009 [DAA],  SR 0.142.392.68)  und  das  Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung  und Entwicklung des Schengen­Besitzstands und über die Kriterien und  Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004,  SR 0.362.32)  sei  Griechenland  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens zuständig, und aufgrund des Ausbleibens einer  Antwort  bis  am  2. April  2009  sei  von  einer  Zustimmung  Griechenlands  auszugehen.  Ferner  habe  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  rechtlichen Gehörs erklärt, falls er in der Schweiz nicht anerkannt würde,  könne  er  nicht  nach  Griechenland  zurückkehren,  sondern  würde  selbständig in ein anderes Land gehen. Da er dort – so das BFM weiter –  Schutz vor Rückführung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG fände, sei das  Non­Refoulement­Gebot bezüglich des Heimat­ und Herkunftsstaats nicht  zu  prüfen. Schliesslich  beständen  keine Hinweise darauf,  dass  im Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Griechenland  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK, SR  0.101)  verletzt  würde. Der  Vollzug  der  Wegweisung nach Griechenland sei zulässig, zumutbar und möglich. D.  Mit Eingabe vom 12. August 2009 an das BFM beantragte der nunmehr  durch  einen  bevollmächtigten  Rechtsvertreter  handelnde  Beschwerdeführer,  es  sei  ihm  fortlaufend  Akteneinsicht  betreffend  ein  allfälliges  Dublin­Verfahren  zu  gewähren;  das  Bundesamt  sei  ferner  anzuhalten, sein Recht auf Selbsteintritt auszuüben (im Sinne von Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO)  und  sich  für  sein  Asylgesuch  als  zuständig  zu  erklären. In Beantwortung des Gesuches um Akteneinsicht liess das BFM  dem  Rechtsvertreter  am  24. August  2009  die  Akten  des  Dublin­ Verfahrens zukommen. Zu den Ausführungen des Beschwerdeführers  in  Sachen Selbsteintritt äusserte sich das BFM nicht. E.  Mit Telefax vom 20. August 2009 teilte das BFM dem Migrationsamt des  Kantons  G._______  unter  Hinweis  auf  ein  beiliegendes  Schreiben  der  Zürcher  Beratungsstelle  für  Asylsuchende  und  eine  entsprechende  Vollmacht  vom  (…)  mit,  dass  der  Beschwerdeführer  neu  einen  Rechtsvertreter  habe  und  gleichzeitig mit  der  Eröffnung  des Entscheids  an  den  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen  Akten  samt  Kopie  des 

D­5557/2009 Aktenverzeichnisses  vorab  per  Telefax  der  Rechtsvertretung  zu  übermitteln seien, mit anschliessender Zustellung im Original. F.  Gemäss Eröffnungs­ und Empfangsbestätigung wurde die Verfügung des  BFM  –  durch  Vermittlung  der  Kantonspolizei  G._______  –  am  2. September  2009  direkt  dem  Beschwerdeführer  eröffnet,  unter  Aushändigung  der  editionspflichtigen  Akten  samt  Kopie  des  Aktenverzeichnisses. G.  Mit Eingabe vom 4. September 2009 – am selben Tag um 11:13 Uhr per  Telefax  eingegangen  –  an  das Bundesverwaltungsgericht  (Eingang  des  per  Post  versandten  Originals:  7. September  2009)  beantragte  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  unter  Kosten  und  Entschädigungsfolge,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  das Selbsteintrittsrecht  auszuüben  und  sich  für  das Asylgesuch  zuständig  zu erklären.  In prozessualer Hinsicht  wurde  beantragt,  es  sei  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  gewähren  und  die  Vollzugsbehörden  seien  anzuweisen,  von  einer  Überstellung  nach  Griechenland  abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht  über  die  Beschwerde entschieden habe; für den Fall, dass der Beschwerdeführer  bereits  nach  Griechenland  überstellt  worden  sein  sollte,  sei  das  BFM  anzuweisen, die Rückführung in die Schweiz zu veranlassen. Schliesslich  wurden  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  der  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. Zur Begründung wurde in  prozessualer  Hinsicht  kritisiert,  dass  die  Praxis  des  BFM,  die  Nichteintretensentscheide erst zu dem Zeitpunkt zu eröffnen,  in dem die  Wegweisung  vollzogen  werden  könne,  eine  effektive  Beschwerdemöglichkeit  vereitle.  In  materieller  Hinsicht  wurde  die  Situation von Asylsuchenden in Griechenland geschildert. H.  Nach  Eingang  der  Beschwerde  vorab  per  Telefax  ordnete  der  Instruktionsrichter  mit  Verfügung  vom  4. September  2009  per  Telefax –  übermittelt um 13:25 Uhr – umgehend vollzugshemmende Massnahmen  (vorsorgliche Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung) an. In der Folge  ergab sich, dass der Beschwerdeführer  zu diesem Zeitpunkt bereits auf 

D­5557/2009 dem  Luftweg  nach  Griechenland  zurückgeführt  worden  war  (4. September 2009, um 09:45 Uhr). I.  Mit Telefax vom 8. September 2009 teilte das Migrationsamt des Kantons  G._______  mit,  dass  der  Nichteintretensentscheid  dem  Rechtsvertreter  des Beschwerdeführers am 2. September 2009 um 15:45 Uhr per Telefax  übermittelt worden sei. J.  Mit  Zwischenverfügung  vom  10. September  2009  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch  um Anordnung  der Rückführung  des Beschwerdeführers ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, es seien  keine  Gründe  ersichtlich,  welche  eine  sofortige  Rückführung  in  die  Schweiz  als  geboten  erscheinen  liessen.  Gleichzeitig  wurde  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet,  das  Gesuch  um  Erlass  allfälliger Verfahrenskosten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und  das BFM zur Vernehmlassung eingeladen. K.  Mit Vernehmlassung  vom 24. September  2009  beantragte  das BFM die  Abweisung  der  Beschwerde.  Zur  Begründung  führte  es  aus,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunkts  rechtfertigten.  Zwar  würde  das  BFM  besonders  verletzliche  Personen  nicht  nach  Griechenland überstellen. Der Beschwerdeführer gehöre  jedoch nicht zu  dieser  Personenkategorie,  weshalb  auf  die  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  verzichtet  worden  sei.  Auch  lägen  keine  konkreten  Anhaltspunkte dafür vor, dass Griechenland das Refoulement­Verbot  im  Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  beziehungsweise  Art. 33  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  verletze.  Aus  der  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  am  4. September  2009  nach  Griechenland zurückgeführt worden sei,  lasse sich keine Verletzung von  Art. 13 EMRK ableiten;  insbesondere sehe Art. 107a AsylG ausdrücklich  vor,  dass  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  im  Sinne  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  keine  aufschiebende  Wirkung  hätten.  Was  das  griechische  Asylsystem  im  Allgemeinen  und  die  Möglichkeit  zur  Einreichung  einer  wirksamen  Beschwerde  anbelange,  könnten  die  schweizerischen Behörden nicht für eine allfällige Verletzung von Art. 13 

D­5557/2009 EMRK durch Griechenland verantwortlich gemacht werden. Sodann habe  der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll  gegeben,  dass  er  in  Griechenland  eine  rote  Asylkarte  erhalten  habe  und  dort  anerkannter  Flüchtling  sei.  Demgegenüber  habe  das  Bundesverwaltungsgericht  in  einem  früheren  Urteil  festgehalten,  dass  es  nicht  im  Sinne  des  Gesetzgebers  sei,  Personen  zu  schützen, welche  – wie  der  Beschwerdeführer  –  in  einem  andern  Land Schutz  geniessen würden. Schliesslich  regle  die Dublin­II­ VO ausschliesslich die Zuständigkeit  für  die Prüfung eines Asylgesuchs  und  bezwecke  nicht  eine  Vereinheitlichung  der  nationalen  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  der  einzelnen  Dublin­Staaten.  Weiche  ein  solches von der schweizerischen Gesetzgebung ab, bestände somit kein  Anlass, die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen. L.  In  seiner Replik  vom 2. Oktober 2009 nahm der Beschwerdeführer  zum  Inhalt  der  Vernehmlassung  Stellung,  worin  er  grundsätzlich  an  seinen  bisherigen Vorbringen  festhielt.  Insbesondere erneuerte er den Vorwurf,  die Vorinstanz habe durch die mit dem Vollzug der Rückführung nahezu  zeitgleiche  Eröffnung  der  angefochtenen  Verfügung  bezweckt,  einen  Entscheid  über  das  vom  Beschwerdeführer  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde  zu  vereiteln.  Zudem äusserte er sich generell zum griechischen Asylverfahren. M.  Mit Instruktionsverfügung vom 7. Februar 2011 wurde die Vorinstanz zur  erneuten  Vernehmlassung  eingeladen,  nachdem  das  BFM  über  die  Medien eine teilweise Praxisänderung  im Falle von Dublin­Verfahren mit  Bezug zu Griechenland kommuniziert hatte. N.  Am 9. Februar 2011  reichte der Rechtsvertreter  des Beschwerdeführers  eine Kostennote ein. O.  In  seiner  ergänzenden  Vernehmlassung  vom  9. Februar  2011  hielt  das  BFM an der angefochtenen Verfügung wiederum fest und beantragte die  Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führe es aus, die erwähnte  Praxisänderung  habe  zur  Folge,  dass  mehrheitlich  keine  Dublin­ Verfahren  mit  Griechenland  durchgeführt  würden.  Werde  aber  festgestellt,  dass  einer  asylsuchenden  Person  der  Zugang  zum  Asylverfahren  in  Griechenland  möglich  gewesen  sei  und  sie  dort  über 

D­5557/2009 eine  Unterkunft  verfügt  habe,  halte  das  BFM  weiterhin  an  der  Durchführung  des  Dublin­Verfahrens  fest.  Gemäss  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  habe  dieser  in  Griechenland  Zugang  zum  Asylverfahren  gehabt.  Er  habe  dort  einen  Aufenthaltstitel  für  Asylsuchende ("Pink Card") erhalten und diesen regelmässig verlängern  können.  Insgesamt habe er mehr als  vier  Jahre  in Griechenland gelebt,  dort  legal  an verschiedenen Orten gearbeitet  und sich mit  seinem Lohn  eine  eigene  Wohnung  gemietet.  Ausserdem  sei  er  bereits  am  4. September  2009 nach Griechenland überstellt worden. P.  Mit Replik vom 1. März 2011 nahm der Beschwerdeführer zum Inhalt der  Vernehmlassung  Stellung,  worin  er  grundsätzlich  an  seinen  bisherigen  Vorbringen festhielt. Darauf wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in  den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48  Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

D­5557/2009 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Im  Falle  von  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin  zu  überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  des  Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  das  BFM  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  dazu  BVGE 2007/8 E. 2.1 mit weiterem Hinweis). 3.2.  Die  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  seine  Heimat  einer  asylrelevanten  Verfolgung  ausgesetzt  wäre,  bildet  damit  nicht  Gegenstand  des  Verfahrens.  Auch  die  Frage  einer  vorläufigen  Aufnahme  aufgrund  einer  eventuellen  Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  der Wegweisung nach Art. 44 Abs. 2 AsylG  ist  im Falle  von  Dublin­Verfahren  nicht  Prozessgegenstand  (vgl.  BVGE  2010/45  E.  10.2  S.  645).  Zu  prüfen  ist  hingegen,  ob  das  BFM  von  seinem  Selbsteintrittsrecht  nach  Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  hätte  Gebrauch  machen  müssen  (vgl.  unten,  E. 6).  Aufgrund  der  nachstehend  aufgezeigten Umstände drängt sich zudem die Prüfung formeller Mängel  der angefochtenen Verfügung auf. 4.  4.1. Aus den Akten ergibt sich, dass die Verfügung des BFM vom 25. Juni  2009  nicht  von  der  Vorinstanz,  sondern  –  in  deren Auftrag  –  durch  die  kantonale Behörde eröffnet wurde. Gemäss dem entsprechenden Auftrag  sollte  die  Verfügung  des  BFM  dem mandatierten  Rechtsvertreter  vorab  per  Telefax­Kopie  und  später  per  Post  zugestellt  und  dem  Beschwerdeführer  in Kopie ausgehändigt werden. Gemäss Auskunft der  zuständigen  kantonalen  Behörde  vom  8.  September  2009  erfolgte  die  Eröffnung  jedoch  entgegen  diesen  ausdrücklichen  Anordnungen  im  Original  an  den  Beschwerdeführer  und  an  den  Rechtsvertreter  nur  per  Telefax­Kopie. Die Eröffnung erfolgte zudem erst mehr als neun Wochen  nach  Erlass  der  angefochtenen  Verfügung:  An  den  Beschwerdeführer  offensichtlich  unmittelbar  vor  und  an  die Rechtsvertretung  erst mehrere  Stunden  nach  dem  Vollzug  der  vom  BFM  angeordneten  sofortigen  Wegweisung aus der Schweiz. 

D­5557/2009 4.2. Der  im  vorliegenden Dublin­Verfahren  vom BFM verfolgte Ansatz –  die  Anordnung  einer  sofortigen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  die  Eröffnung  der  angefochtenen  Verfügung  erst  unmittelbar  vor  der  Umsetzung  des  Wegweisungsvollzuges  –  folgte  einer  vom  BFM  mittlerweile aufgegebenen Praxis, welche vom Bundesverwaltungsgericht  mit  Grundsatzurteil  vom  2.  Februar  2010  als  nicht  gesetzeskonform  erkannt  worden  ist  (vgl.  dazu  BVGE  2010/1  E. 4  S.  9  ff.).  Vor  dem  Hintergrund  der  Feststellungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  betreffend die mangelnde gesetzliche Grundlage für eine Anordnung der  sofortigen  Wegweisung  in  Dublin­Verfahren,  aber  auch  vor  dem  Hintergrund der zum damaligen Zeitpunkt nicht formgerechten Eröffnung  direkt  an  den  Beschwerdeführer,  statt  an  seinen  mandatierten  Rechtsvertreter (Art. 11 Abs. 1 und 3 VwVG, da Art. 13 Abs. 5 AsylG erst  seit  dem  1.  Januar  2011  in  Kraft  steht),  rügt  der  Beschwerdeführer  zu  Recht die Modalitäten der Eröffnung der angefochtenen Verfügung.  4.3.  Dem  Rechtsvertreter  wurde  die  Verfügung  nur  per  Telefax­Kopie  eröffnet.  Nach  Art. 34  Abs. 1  VwVG  eröffnet  die  Behörde  Verfügungen  den  Parteien  schriftlich.  Eine  nach  der  Ausnahmeregelung  von  Art. 13  Abs. 1 und 2 AsylG mögliche mündliche Eröffnung hätte gewissen Regeln  zu  folgen,  welche  in  casu  ohnehin  nicht  berücksichtigt  wurden.  Nach  weiterhin  geltender  Rechtsprechung  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission (ARK) beinhaltet das klare gesetzliche Erfordernis  der Schriftlichkeit einer Verfügung nach Art. 34 VwVG nach allgemeinem  Verständnis  und Bundesgerichtsrechtsprechung  eine Originalunterschrift  der  verfügenden  Behörde.  Eine  faksimilierte  oder  kopierte  Unterschrift  erfüllt diese Anforderungen nicht, weshalb eine Eröffnung per Telefax an  sich als mangelhaft zu qualifizieren  ist. Dies  ist vorliegend auch deshalb  der  Fall,  weil  die  Konstellation  der  Dublin­Verfahren  nicht  unter  den  damaligen  Art. 13  Abs. 3  oder  4  AsylG  subsumiert  werden  kann.  Trotz  dieses  Mangels  ist  die  Eröffnung  indessen  rechtsgültig,  wenn  eine  Irreführung  oder  andere  Benachteiligung  des  Beschwerdeführers  (im  Sinne  von  Art. 38  VwVG)  ausgeschlossen  werden  kann  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr. 30  E. 6a).  Ein  Verdacht  der  Irreführung  oder  eine  Benachteiligung  durch  die  Eröffnung  per  Telefax  ergibt sich vorliegend jedoch weder aus den Akten noch wird dies geltend  gemacht.  Die  mangelhaften  Eröffnung  ohne  Originalunterschrift  brachte  demnach keinen Rechtsnachteil mit sich.

D­5557/2009 4.4. Wie vom Beschwerdeführer jedoch zu Recht beanstandet, erfolgte im  vorliegenden  Verfahren  der  Vollzug  der Wegweisung  nahezu  zeitgleich  mit der Eröffnung der angefochtenen Verfügung. Diese Frist  ist äusserst  kurz.  Gemäss  herrschender  Praxis  und  zwischenzeitlich  eingeführten  gesetzlichen  Grundlagen  ist  zwischen  Eröffnung  und  Vollzug  eine  angemessene  Frist  zu  wahren,  damit  die  Beschwerdeinstanz  prüfen  kann,  ob  im  Zielstaat  bis  zum  Entscheid  in  der  Hauptsache  allenfalls  EMRK­Verletzungen drohen (vgl. BVGE 2010/1). Dieser Rechtsprechung  gemäss  war  ein  Vollzug  so  kurz  nach  Entscheideröffnung  damit  nicht  rechtmässig,  weshalb  der  Rüge  des  Beschwerdeführers  insofern  stattzugeben  ist.  Ob  allein  dieser  Verfahrensmangel  zur  Kassation  der  angefochtenen  Verfügung  zu  führen  vermöchte,  kann  aufgrund  der  nachfolgenden Erwägungen aber ohnehin offen bleiben. 5.  5.1.  Gemäss  der  Bestimmung  von  Art.  34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  –  auf  welche sich die angefochtene Verfügung stützt – wird auf Asylgesuche in  der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist. 5.2. Nachdem sich der Beschwerdeführer sowohl gemäss Verzeichnung  in der Eurodac­Datenbank als auch seinen eigenen Angaben zufolge vor  seiner Einreise in die Schweiz bereits in Griechenland als Asylsuchender  registrieren  liess,  ist  gemäss  den  einschlägigen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren  –  neben  der  Dublin­II­VO  namentlich  die  Verordnung  [EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Dublin­II­VO  (DVO  Dublin)  und  das  DAA  –  grundsätzlich  dieser  Staat  für  die  Prüfung  des  Asylantrages  zuständig.  Gemäss  den  Akten  wurde  von  Seiten  Griechenlands  das  Ersuchen  des  BFM  um  eine  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  (nach  Art. 16  Abs. 1  Bst. c  Dublin­II­VO)  innert  der  vorliegend  massgeblichen  Frist  von  zwei  Wochen  nicht  beantwortet,  womit  Griechenland  seine  Zuständigkeit  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  so  genannten  Verfristung  akzeptiert  hat  (Art. 20  Abs. 1  Bst. b  und  c  Dublin­II­VO).  Damit  sind  die  Voraussetzungen  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  grundsätzlich erfüllt. 6. 

D­5557/2009 6.1.  Im  Falle  des  Beschwerdeführers  ist  –  wie  vorstehend  aufgezeigt –  grundsätzlich  Griechenland  für  die  Prüfung  des  Asylantrages  zuständig  (im  Sinne  von  Art. 3  Abs. 1  Dublin­II­VO).  Nach  der  Bestimmung  von  Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO – auf welche sich der Beschwerdeführer beruft  – kann  die Schweiz  jedoch  ein Asylgesuch materiell  prüfen,  auch wenn  nach  den  einschlägigen  Kriterien  der  Dublin­II­VO  ein  anderer  Staat  zuständig  wäre  (Selbsteintrittsrecht).  Diese  Bestimmung  ist  nicht  direkt  anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des  nationalen  oder  internationalen  Rechts  angerufen  werden  (BVGE  2010/45  E. 5).  Droht  indes  ein  Verstoss  gegen  übergeordnetes  Recht,  namentlich  ein Verstoss gegen eine  zwingende Norm des Völkerrechts,  so  besteht  ein  einklagbarer  Anspruch  auf  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  (BVGE  2010/45  E. 7.2.;  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung,  3.  Aufl.,  Wien/Graz  2010, K8 zu Art. 3). Erweist  sich demnach  im Einzelfall,  dass durch die  Überstellung nach den Bestimmungen zur Dublin­II­VO das Refoulement­ Verbot  nach  Art. 33  FK  oder  die  Garantien  nach  der  EMRK,  des  Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO­Pakt  II,  SR 0.103.2),  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (Folterkonvention;  FoK,  SR 0.105)  verletzt  würden, so muss vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch gemacht werden. 6.2.  Vom  Beschwerdeführer  wurde  zur  Hauptsache  geltend  gemacht,  dass  er  in Griechenland  –  aufgrund  eines  vollständigen Versagens  des  griechischen Asylsystems – weder mit einer angemessenen Behandlung  noch  mit  einem  ordentlichen  Asylverfahren  rechnen  könne.  In  Griechenland würden  für Asylsuchende vielmehr unzumutbare Zustände  herrschen  und  ihm  drohe  namentlich,  dass  er  von  Griechenland  ohne  eine  Prüfung  seiner  Asylgründe  in  die  Heimat  abgeschoben  werde,  weshalb das BFM vom Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO  Gebrauch  zu  machen  habe.  Das  BFM  hat  im  Verlauf  des  Beschwerdeverfahrens seine ursprüngliche Position, wonach im Falle von  Griechenland  keine  Gründe  gegen  die  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sprächen,  zumindest  teilweise  revidiert,  im  Resultat  aber  daran  festgehalten,  dass  im  konkreten  Fall  an  der  Rückführung  nach  Griechenland  festzuhalten  sei,  da  der  Beschwerdeführer  bereits  Zugang  zum  griechischen  Asylverfahren  gefunden habe und er im Weiteren auch in der Lage sei, in Griechenland  sein Auskommen zu bestreiten. 

D­5557/2009 6.3.  Vor  dem  Hintergrund  der  zunehmend  manifesten  Probleme  der  griechischen  Behörden  bei  der  Behandlung  von  Asylsuchenden  (vgl.  dazu  das  Urteil  des  Europäischen  Gerichtshof  für  Menschenrechte  [EGMR]  in  der  Sache  M.S.S.  gegen  Belgien  und  Griechenland  vom  21. Januar  2011)  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Frage  der  Zulässigkeit  von  Rücküberstellungen  nach  Griechenland  einer  eingehenden  Prüfung  unterzogen.  Dabei  hat  sich  bestätigt,  dass  Griechenland mit  der Betreuung  und Behandlung  der  grossen Zahl  von  Asylsuchenden  im  Land  weitgehend  überfordert  ist  und  dass  das  griechische  Asylsystem  erhebliche  Mängel  aufweist  (vgl.  dazu  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  D­2076/2010  vom  16.  August  2011).  Im  Rahmen  der  Prüfung  wurde  vom  Bundesverwaltungsgericht  namentlich  erkannt, dass für Personen, welche nach den Bestimmungen zum Dublin­ Verfahren  nach  Griechenland  rücküberstellt  werden,  vorab  das  Risiko  besteht,  direkt  nach  ihrer  Ankunft  für  längere  Zeit  und  unter  teils  nicht  tragbaren  Bedingungen  in  Administrativhaft  genommen  zu  werden.  Diesbezüglich musste festgestellt werden, dass sich die Administrativhaft  – aufgrund  der  unbestimmten  Dauer,  aber  gerade  auch  aufgrund  der  Unterbringungsverhältnisse  –  häufig  als  mit  Art. 3  EMRK  unvereinbar  erweist  (vgl.  a.a.O.  E. 4.1  und  4.8).  Wird  andererseits  rücküberstellten  Personen  die  Einreise  nach  Griechenland  bewilligt,  so  sind  sie  –  wie  praktisch alle Asylsuchenden in Griechenland – in der Regel komplett auf  sich alleine gestellt, da die von den griechischen Behörden zur Verfügung  gestellte Infrastruktur in keinem Verhältnis zur Anzahl der Asylsuchenden  steht. Griechenland ist damit im Regelfall nicht in der Lage, hinreichende  Aufnahmebedingungen  zu  schaffen.  Vielmehr  besteht  das  Risiko,  dass  grundlegende Ansprüche von Asylsuchenden verletzt werden (vgl. a.a.O.  E. 4.3,  4.9  und  4.10).  Schliesslich  gestaltet  sich  für  Asylsuchende  auch  der Zugang zum griechischen Asylverfahren als sehr schwierig, und das  Verfahren selbst genügt allzu oft grundlegenden Anforderungen nicht. So  unterstehen  Asylsuchende  einer  Meldepflicht,  welche  jedoch  aus  faktischen  Gründen  nur  mit  grosser  Mühe  einzuhalten  ist.  Viele  Asylsuchende rutschen daher in die Illegalität ab (vgl. a.a.O. E. 4.2). Zum  anderen  weist  das  Asylverfahren  selbst  erhebliche  Mängel  auf,  indem  Asylsuchende  –  mangels  Übersetzung  und  juristischer  Unterstützung –  häufig  nicht  in  der  Lage  sind,  ihre  Asylgründe  tatsächlich  einzubringen  und  im  Falle  eines  negativen  Entscheides  von  ihrem  Beschwerderecht  Gebrauch zu machen. Dabei  ist  sowohl die erste  Instanz,  insbesondere  aber  auch  die  zweite  Instanz,  vollständig  überlastet,  was  zusätzlich  zu  überlangen Verfahrensdauern führt. Das griechische Asylverfahren weist  weitere  zum  Teil  sehr  erhebliche  Defizite  auf,  womit  im  Resultat  die 

D­5557/2009 Rechtsweggarantien nach Art. 13 EMRK sehr oft nicht erfüllt werden (vgl.  a.a.O.  E. 4.4  und  4.7). Wer  sich  nicht  um  eine  Registrierung  kümmert,  oder  dazu  aufgrund  der  faktischen Erschwernisse  nicht  in  der  Lage  ist,  rutscht wie erwähnt  in die  Illegalität.  In diesem Falle – unter Umständen  aber  auch bei  noch  laufenden Asylverfahren  –  droht  eine Abschiebung,  namentlich in Richtung der Türkei, gegebenenfalls aber auch direkt in den  Heimatstaat (vgl. a.a.O. E. 4.5). 6.4. Aufgrund der vorstehend beschriebenen Umstände – namentlich der  nachweislichen  Verletzung  internationaler  Verpflichtungen  durch  die  griechischen  Behörden,  insbesondere  nach  Art. 3  und  13  EMRK  aber  auch  nach Art. 33  FK  –  ist  das Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss  gelangt,  dass  im  Falle  von  Griechenland  die  Vermutung  eines  konventionsgemässen Verhaltens des Dublin­Vertragsstaates – welches  im  Falle  von  Verfahren  nach  den  Bestimmungen  zur  Dublin­II­VO  vorausgesetzt  wird  (vgl.  dazu  wiederum  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts D­2076/2010 vom 16. August 2011 E. 2.6) –  nicht mehr aufrechterhalten werden kann. In  diesem  Zusammenhang  bleibt  aber  gleichzeitig  festzuhalten,  dass  auch  vor  dem  Hintergrund  der  festgestellten  Unzulänglichkeiten  des  griechischen Asylsystems nicht  von einer generellen Unzulässigkeit  von  Rückführungen  nach  Griechenland  auszugehen  ist;  den  besonderen  Umständen des Einzelfalles  ist weiterhin Rechnung zu  tragen, womit  im  Einzelfall  –  wenn  günstige  Voraussetzungen  vorliegen  –  an  der  Rückführung  nach  Griechenland  festgehalten  werden  kann  (vgl.  a.a.O.  E. 4.13 mit weiterem Hinweis). So sei ausnahmsweise eine Rückführung  nach  Griechenland  möglich,  wenn  davon  ausgegangen  werden  könne,  dass der Asylsuchende den unmenschlichen Bedingungen einer Haft am  Flughafen  entgehen  und  das  Risiko  des  direkten  oder  indirekten  Refoulements  ausgeschlossen  werden  könne.  Dies  sei  insbesondere  dann  der  Fall,  wenn  die  betroffene  Person  über  ein  dauerndes  Aufenthaltsrecht verfüge. 6.5.  6.5.1. Den Akten ist nicht zu entnehmen, wie sich das weitere Verfahren  des  Beschwerdeführers  nach  dessen  Rückführung  nach  Griechenland  gestaltet  hat.  Insbesondere  ist  auch  nicht  bekannt,  ob  der  Beschwerdeführer  anlässlich  seiner  Rückkehr  dort  in  Administrativhaft  genommen oder ihm umgehend die Wiedereinreise erlaubt wurde.

D­5557/2009 6.5.2.  Zwar  war  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  während seines Aufenthalts von mehr als vier Jahren in Griechenland für  verschiedene Arbeitgeber  tätig. Daraus und aus dem Umstand,  dass er  über gute Kenntnisse der griechischen Sprache verfügt, ist zu schliessen,  dass  er  in  Griechenland  Kontakte  knüpfen  konnte,  die  ihm  bei  der  Wiedereinreise dienlich gewesen sein dürften. 6.5.3. Ausschlaggebend ist jedoch, dass der Beschwerdeführer über kein  dauerhaftes  Aufenthaltsrecht  in  Griechenland  verfügt,  weshalb  ihm  ein  Refoulement  in den  Irak ohne  rechtsstaatlichen Ansprüchen genügende  Prüfung  der  Verfolgungsvorbringen  im  Sinne  der  publizierten  Praxis  droht.  Aufgrund  der  gegebenen  Aktenlage  bleibt  zwar  unklar,  ob  dem  Beschwerdeführer  im  Heimatstaat  tatsächlich  das  Risiko  einer  menschenrechtswidrigen  Behandlung  droht,  zumal  er  angab,  dort  von  Terroristen  bedroht  worden  zu  sein.  Namentlich  stellen  sich  jedoch  aufgrund  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Herkunft  aus  Mosul Fragen betreffend die allgemeine Sicherheit vor Ort. Die Aktenlage  bedingt  demnach  eine  eingehendere  Auseinandersetzung  mit  den  Asylvorbringen. Zudem ist auch nicht klar, ob es dem Beschwerdeführer  gelungen  ist,  sein  Asylverfahren  wieder  aufnehmen  zu  lassen  und  rechtliches Gehör  zu  finden. Vor  diesem Hintergrund  und  in Anbetracht  der  aufgedeckten  Mängel  des  griechischen  Asylsystems  droht  ihm  letztlich  eine  ungenügende Prüfung  der Asylgründe  (vgl.  BVGE  2010/1;  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­2076/2010 vom 16. August 2011  E. 4.4 und 4.11). Demzufolge kann eine Verletzung von Art. 13 EMRK in  Verbindung  mit  Art. 3  EMRK  durch  Griechenland  nicht  mit  genügender  Sicherheit ausgeschlossen werden.  6.6.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  BFM  im  Falle  des  Beschwerdeführers  gehalten  war,  zufolge  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzuges nach Griechenland vom Selbsteintrittsrecht nach  Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  Gebrauch  zu  machen.  Der  Nichteintretensentscheid  des  BFM  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs. 2  Bst. d AsylG ist daher aufzuheben.  7.  Unter  den  gegebenen  Umständen  ist  dem  Beschwerdeführer  die  Wiedereinreise in die Schweiz zu gestatten. 8. 

D­5557/2009 8.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dem  Beschwerdeführer  keine  Kosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Damit  wird  das  im  Rahmen  der  Beschwerde  gestellte  (und  in  der  Zwischenverfügung  vom  10. September  2009  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesene)  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs. 1 VwVG gegenstandslos. 8.2.  Dem  Beschwerdeführer  ist  sodann  eine  angemessene  Parteientschädigung  für  die  ihm  aus  der  Beschwerdeführung  erwachsenen, notwendigen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).  Aufgrund der als angemessen erscheinenden Kostennote, zuzüglich des  durch  die  Einreichung  der  Replik  vom  1. März  2011  nachträglich  entstandenen Aufwandes  (vgl. Sachverhalt Bst. P),  sind die Kosten des  Beschwerdeführers durch das BFM mit Fr. 1400.– zu entschädigen. (Dispositiv nächste Seite)

D­5557/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen.  2.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  25. Juni  2009  wird  aufgehoben  und  die  Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3.  Dem  Beschwerdeführer  ist  durch  das  BFM  die  Wiedereinreise  in  die  Schweiz zu gestatten. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  im  Betrag  von  Fr.  1400.–  (inkl.  Auslagen)  auszurichten. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand:

D-5557/2009 — Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 D-5557/2009 — Swissrulings