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Bundesverwaltungsgericht 10.01.2012 D-5393/2010

10 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,102 mots·~11 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5393/2010 Urteil   v om   1 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Gérald Bovier, Richter Martin Zoller,  Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______ B._______, geboren am [...], Syrien,  vertreten durch Dieter Roth, Advokat,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. Juni 2010 

D­5393/2010 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer stammt aus Syrien, ist Angehöriger der kurdischen  Ethnie  und  hatte  seinen  letzten  Wohnsitz  in  C._______  bei  der  Stadt  D._______  (arabisch  E._______;  Provinz  Al­Hasakah).  Gemäss  seinen  Angaben  anlässlich  der  durchgeführten  Befragungen  verliess  er  Syrien  am [...] 2008 in Richtung Türkei. Am 30. Juni 2008 reiste er illegal in die  Schweiz  ein  und  stellte  gleichentags  beim  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum Basel  ein Asylgesuch. Das Bundesamt  für Migration  (BFM) befragte ihn am 1. Juli 2008 summarisch sowie am 15. Januar und  am  18. Mai  2009  eingehend  zu  den  Gründen  seines  Asylgesuchs.  Zwischenzeitlich wurde er für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton  F._______ zugewiesen. B.  Der Beschwerdeführer machte  im Rahmen  der  genannten Befragungen  im Wesentlichen geltend, er habe bereits als Jugendlicher, in den Jahren  1995 und 1996, bei der PKK  (Partiya Karkerên Kurdistan; Arbeiterpartei  Kurdistans)  mitgewirkt.  Er  habe  damals  einer  Folkloregruppe  angehört,  die  an  Feierlichkeiten  zum  kurdischen Neujahrsfest  Newroz  aufgetreten  sei.  Seit  dem  Jahr  2003  sei  er  Mitglied  bei  der  PYD  (Partiya  Yekitîya  Demokrat;  Demokratische  Einheitspartei).  Er  habe  an  Sitzungen  teilgenommen,  Flugblätter  verteilt  und  weitere  Unterstützungsarbeit  geleistet;  so  habe  er  sich  etwa  mit  seinem  eigenen  Fahrzeug  dem  Parteiverantwortlichen  der  PYD  von  D._______  als  Chauffeur  zur  Verfügung gestellt. Sein Vater habe im Jahr [...] als einziger Vertreter der  Stadt  D._______  an  einem  Kongress  der  PKK  in  den  Kandil­Bergen  (Nordirak) teilgenommen. Dabei sei sein Vater persönlich mit dem Führer  der PKK, Abdullah Öcalan, sowie deren militärischem Chef, Bahoz Erdal,  zusammengetroffen. Wahrscheinlich deswegen sei er am [...] zusammen  mit seinem Vater durch die syrischen Sicherheitskräfte verhaftet worden.  Er  selbst  sei  während  zwölf  Tagen  in  Einzelhaft  festgehalten  worden,  wobei man  ihn geschlagen habe. Sein Vater  sei während eines Monats  inhaftiert  gewesen,  wobei  er  nach  Damaskus  gebracht  worden  sei.  Sowohl  für  seine  als  auch  seines Vaters Freilassung  sei  sehr  viel Geld  bezahlt  worden.  Im  Oktober  [...]  hätten  ihn  die  Sicherheitskräfte  ein  weiteres Mal für einige Stunden festgenommen. Am 20. März 2008 habe  er  mit  seinem  Fahrzeug  den  Parteiverantwortlichen  der  PYD  von  D._______  zu einer Sitzung  in die Stadt Qamishli  (Provinz Al­Hasakah)  gebracht.  Bei  der  Sitzung  seien  Vertreter  aller  syrisch­kurdischen 

D­5393/2010 Parteien  anwesend  gewesen,  und  es  sei  darüber  diskutiert  worden,  ob  am folgenden Tag das Newroz­Fest gefeiert werden solle. Während sich  die  anderen  Parteien  dagegen  ausgesprochen  hätten,  habe  die  PYD  beschlossen, Newroz zu feiern. Am folgenden Tag des Newroz habe es  bei der Feier  in Qamishli Zwischenfälle mit mehreren Toten gegeben. Er  habe  mit  dem  Parteiverantwortlichen  der  PYD  von  D._______  an  der  Beerdigung der Märtyrer  in Qamishli  teilgenommen. Nach der Rückkehr  nach  D._______  sei  er  gewarnt  worden,  dass  der  syrische  Nachrichtendienst  sich  nach  ihm,  dem  Beschwerdeführer,  erkundigt  habe.  Er  habe  deshalb  am  22. März  2008  das  Haus  seiner  Familie  verlassen  und  sich  zu  einem Verwandten  begeben.  Am  23. März  2008  hätten ihn die Behörden im Haus seiner Familie gesucht. Dies habe sich  in den beiden folgenden Monaten mehrmals wiederholt; er habe sich aber  bis  zu  seiner  Ausreise  verborgen  gehalten.  Auch  seit  seiner  Ankunft  in  der Schweiz hätten die Sicherheitskräfte vier oder fünf Mal am Wohnsitz  seiner Familie nach ihm gesucht. Anlässlich seiner Befragungen gab der  Beschwerdeführer  als  Beweismittel  ein  Bestätigungsschreiben  der  PYD  sowie Photographien, die ­ gemäss eigenen Angaben ­ seinen Vater mit  Abdullah Öcalan und Bahoz Erdal zeigen, zu den Akten.  C.  Mit Eingabe vom 20.  Juni 2009 übermittelte der Beschwerdeführer dem  BFM eine weitere Photographie und eine DVD. D.  Mit Schreiben  vom 27.  Juli  2009  ersuchte  das BFM die  schweizerische  Botschaft  in Syrien um Abklärung der Fragen, ob der Beschwerdeführer  einen syrischen Reisepass besitze, ob er Syrien legal verlassen habe und  ob er durch die syrischen Behörden gesucht werde. E.  Mit Schreiben vom 6. Januar 2010 teilte die schweizerische Botschaft  in  Syrien  dem  BFM  mit,  Abklärungen  ihres  Vertrauensanwalts  hätten  ergeben,  dass  der  Beschwerdeführer  syrischer  Staatsbürger  sei,  einen  syrischen Reisepass besitze und Syrien am [...] in Richtung [...] verlassen  habe.  Des  Weiteren  sei  der  Beschwerdeführer  von  [...]  bis  [...]  in  Gefängnishaft gewesen. Am [...] sei er durch ein Gericht wegen Mordes  zu  einer  Haftstrafe  von  siebeneinhalb  Jahren  verurteilt  worden. Weil  er  sich  bereits  in  Haft  befunden  habe,  sei  er  durch  den  Richter  vor  der  endgültigen Urteilsfällung freigelassen worden. 

D­5393/2010 F.  Am  10.  Mai  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  ein  weiteres Mal  durch  das BFM angehört. Dabei  räumte er auf entsprechende Fragen hin ein,  dass  er  im  Jahr  [...]  in  ein  Tötungsdelikt  verwickelt  gewesen  sei,  und  führte  zudem  im  Wesentlichen  Folgendes  aus:  Im  Jahr  1991  sei  es  zwischen  seiner  Familie  und  einem  anderen  Stamm  zu  einem  Konflikt  gekommen, wobei ein Onkel väterlicherseits ermordet worden sei. In der  Folge sei es zu keiner Lösung des Konflikts gekommen. Am [...] sei er mit  einem  seiner  Brüder  in  Qamishli  gewesen,  und  sie  seien  auf  einen  Angehörigen  des  verfeindeten  Stammes  gestossen.  Jener  habe  eine  Pistole  gezogen,  und  er,  der  Beschwerdeführer,  habe  ihn  in  Notwehr  erschossen. Er habe sich noch am gleichen Tag mit seinem Bruder der  Polizei gestellt. Er sei inhaftiert worden, wobei man ihn im [...] gegen eine  Kaution  aus  der Haft  entlassen  habe.  In  der  Zwischenzeit  sei  zwischen  seiner  Familie  und  dem  anderen  Stamm  eine  Einigung  erzielt  worden.  Dennoch  sei  er  erstinstanzlich  zu  einer  Haftstrafe  von  siebeneinhalb  Jahren  verurteilt  worden.  Gegen  dieses  Urteil  habe  er  Beschwerde  erhoben,  und  noch  vor  dem  Entscheid  der  höheren  Instanz  habe  er  Syrien verlassen. Des Weiteren  führte der Beschwerdeführer aus, er sei  in der Schweiz exilpolitisch aktiv, indem er an Sitzungen der PYD und an  Demonstrationen  gegen  das  syrische  Regime  teilnehme.  In  diesem  Zusammenhang  sei  er  in  einer  Reportage  des  kurdischen  Fernsehsenders  Roj­TV  zu  sehen  gewesen,  und  nach  deren  Ausstrahlung  hätten  Angehörige  der  syrischen  Sicherheitskräfte  erneut  bei seinen Eltern nach ihm gefragt. G.  Mit Eingabe seiner damaligen Rechtsvertreterin an das BFM vom 3. Juni  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  ein  syrisches  Gerichtsurteil,  eine  auszugsweise  deutsche Übersetzung  dieses Urteils  sowie  die  deutsche  Übersetzung eines [...] zu den Akten.  H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  11.  Juni  2010  erteilte  das  BFM  der  damaligen  Rechtsvertreterin  Einsicht  in  die  bestehenden  Verfahrensakten. I.  Mit Verfügung  vom 22.  Juni  2010  lehnte  das BFM das Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung  der  Ablehnung  des 

D­5393/2010 Asylgesuchs führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  genügen  beziehungsweise  seien  asylrechtlich  nicht relevant. J.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  26.  Juli  2010  focht  der  Beschwerdeführer  die  Verfügung  des  BFM  beim  Bundesverwaltungsgericht  an.  Dabei  beantragte  er  die  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft  und die Gewährung des Asyls, eventualiter die Rückweisung der Sache  zur  Neubeurteilung  durch  das  Bundesamt  beziehungsweise  subeventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer  Hinsicht  ersuchte  er  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  sowie  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 2  VwVG.  Mit  der  Eingabe  reichte  der  Beschwerdeführer  als  Beweismittel  unter  anderem  verschiedene Dokumente  in  Bezug  auf  die  menschenrechtliche Lage in Syrien sowie ein Bestätigungsschreiben der  PYD  ein.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  sowie  den  Inhalt  der  eingereichten Beweismittel wird,  soweit  für den Entscheid wesentlich,  in  den Erwägungen eingegangen. K.  Mit  Zwischenverfügung  vom  4. August  2010  hiess  der  zuständige  Instruktionsrichter  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  vorbehältlich  des  Nachreichens  einer  Fürsorgebestätigung  gut.  Hingegen  wurde  das  Gesuch  um  Beiordnung  eines  unentgeltlichen  Rechtsvertreters  gemäss  Art. 65 Abs. 2 VwVG abgelehnt. L.  Mit  Überweisung  vom  16.  August  2010  leistete  der  Beschwerdeführer  einen Kostenvorschuss von Fr. 600.­­. M.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  18.  August  2010  übermittelte  der  Beschwerdeführer  ein  weiteres  Bestätigungsschreiben  der  PYD 

D­5393/2010 sowie  in  Bezug  auf  seine  exilpolitischen  Aktivitäten  eine  Compact  Disc  und zwei Photographien.  N.  Mit Vernehmlassung vom 25. August 2010 hielt das BFM vollumfänglich  an  seinen  Erwägungen  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  O.  Mit  Zwischenverfügung  vom  26.  August  2010  wurde  dem  Beschwerdeführer  bezüglich  der  Vernehmlassung  des  BFM  die  Gelegenheit zur Replik erteilt. P.  Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 24. September 2010 nahm der  Beschwerdeführer zur Vernehmlassung des Bundesamts Stellung. Dabei  reichte er ein weiteres Bestätigungsschreiben ein. Q.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  31.  Dezember  2010  übermittelte der Beschwerdeführer zwei weitere Compact Discs, die seine  exilpolitischen Tätigkeiten filmisch dokumentieren sollen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1.  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Über  Beschwerden  gegen  Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das BFM erlassen worden  sind,  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  grundsätzlich  (mit  Ausnahme  von  Verfahren  betreffend  Personen,  gegen  die  ein  Auslieferungsersuchen  des  Staates  vorliegt,  vor  welchem  sie  Schutz  suchen)  endgültig  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 31­33 VGG; Art.  83 Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).

D­5393/2010 1.2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die  Verlet­zung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist­ und formgerecht ein­ gereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art.  105  und  108  Abs.  1  AsylG;  Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  grundsätzlich  Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen  Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei­ len ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausge­ setzt  zu werden. Als ernsthafte Nachteile  gelten namentlich die Gefähr­ dung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner­ träglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die  Flüchtlingseigenschaft,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.  4.1.  Das  BFM  stützte  die  Ablehnung  des  Asylgesuchs  in  der  angefochtenen  Verfügung  hauptsächlich  auf  die  Einschätzung,  die  betreffenden  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  nicht  glaubhaft  ausgefallen.  4.2.  Das  BFM  begründete  seine  Einschätzung  mangelnder  Glaubhaftigkeit  zunächst  damit,  der  Beschwerdeführer  sei,  anders  als  geltend gemacht, im Besitz eines Reisepasses und behördlich kontrolliert  in  Richtung  [...]  aus  Syrien  ausgereist.  Angesichts  dieser  Umstände 

D­5393/2010 seiner Ausreise könne es nicht den Tatsachen entsprechen, dass er seit  Ende März 2008 aus politischen Gründen durch die syrischen Behörden  gesucht  worden  sei;  vielmehr  wäre  er  diesfalls  beim  Versuch  der  Ausreise  verhaftet  worden.  Dieses  Argument  wird  allerdings  dadurch  entkräftet,  dass  der  Beschwerdeführer  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  erstinstanzlich  zu  einer  Haftstrafe  wegen  eines  Tötungsdelikts  verurteilt  war  und  sich  lediglich  gegen  Leistung  einer  Kaution  auf  freiem  Fuss  befand. Es ist davon auszugehen, dass angesichts dessen grundsätzlich  eine  Ausreisesperre  gegen  den  Beschwerdeführer  bestand.  Der  Umstand, dass er trotz seiner Verurteilung legal auszureisen vermochte,  bildet insofern einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Kontrollen durch  die  syrischen Grenzbehörden  gewisse  Lücken  aufweisen.  Jedenfalls  ist  die  Tatsache  der  ungehinderten  Ausreise  im  vorliegenden  Fall  nicht  geeignet,  die  geltend  gemachten  Nachstellungen  aus  politischen  Gründen auszuschliessen. 4.3.  4.3.1.  Die  Vorinstanz  erachtete  die  Glaubhaftigkeit  zudem  wegen  Ungereimtheiten  in  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  als  nicht  gegeben.  So  habe  er  bei  seiner  summarischen  Erstbefragung  lediglich  vorgebracht, er habe sich für die PYD kulturell betätigt, indem er Theater  gespielt habe, und an Sitzungen teilgenommen. Demgegenüber habe er  anlässlich  seiner  weiteren  Anhörungen  berichtet,  er  habe  ausserdem  Flugblätter  verteilt.  Es  sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  er  die  Verteilung  von  Flugblättern  nicht  bereits  bei  der  Erstbefragung  erwähnt  habe,  und  dies  sei  deshalb  als  nachgeschobene Aussage  zu  betrachten,  um  dem  Asylgesuch  mehr  Nachdruck  zu  verleihen.  Es  sei  somit  offensichtlich,  dass der Beschwerdeführer aus Syrien einzig mit dem Ziel ausgereist sei,  sich  der  Verbüssung  seiner  Reststrafe  wegen  des  Tötungsdelikts  zu  entziehen.  4.3.2.  Dieser  Argumentation  des  BFM  kann  ebenfalls  nicht  gefolgt  werden.  Zunächst  lässt  sich  dem  Beschwerdeführer  nicht  entgegenhalten,  dass  er  im  Rahmen  der  Erstbefragung,  welche  einen  summarischen Charakter aufweist, nicht  jeden Aspekt seiner Tätigkeiten  zugunsten  der  PKK  und  der  PYD  erwähnt  hat.  Dies  gilt  zumal  unter  Berücksichtigung  der  Tatsache,  dass  vom  BFM  keinerlei  sonstige  ernsthafte  Unstimmigkeiten  oder  Widersprüche  in  den  wesentlichen  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  angeführt  werden.  Hingegen  ist  festzustellen,  dass Aussagen  des Beschwerdeführers,  die  für  die Frage  der  asylrechtlichen  Relevanz  seiner  Vorbringen  von  wesentlicher 

D­5393/2010 Bedeutung  sind,  in  der  angefochtenen  Verfügung  entweder  gar  nicht  genannt  oder  dann  in  keiner  Weise  in  den  Erwägungen  berücksichtigt  wurden. So wurde  in der angefochtenen Verfügung  zwar erwähnt,  dass  der  Vater  des  Beschwerdeführers  im  Jahr  [...]  an  einem  Kongress  teilgenommen  habe,  was  vermutlich  die  Verhaftung  der  beiden  Genannten  im Jahr  [...]  erkläre. Jedoch wurde weder erwähnt, dass der  Vater  des  Beschwerdeführers  gemäss  dessen  Aussagen  anlässlich  dieses  PKK­Kongresses  eine  besondere  Rolle  gespielt  habe,  indem  er  als einziger Vertreter der Stadt D._______ fungiert habe, noch dass jener  bei  der  Gelegenheit  persönlich  mit  Abdullah  Öcalan  und  Bahoz  Erdal  zusammengetroffen  sei.  Ferner  führte  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  lediglich  an,  der Beschwerdeführer wolle  im Zusammenhang  mit Ereignissen um das Newroz­Fest 2008 von den syrischen Behörden  gesucht worden sein. Indessen führte das Bundesamt weder aus, worum  es  bei  diesen  Ereignissen  ging,  noch  gab  es  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers wieder, die sich auf seine Rolle bei diesen Vorfällen  und  die  Gründe  der  Suche  nach  seiner  Person  beziehen.  Dieses  Vorgehen  des  BFM,  die  soeben  erwähnten  Vorbringen  komplett  auszublenden,  indessen  die  Einschätzung  mangelnder  Glaubhaftigkeit  auf die blosse Nichterwähnung des Verteilens von Flugblättern anlässlich  der  Erstbefragung  abzustützen,  ist  als  offensichtlich  unzulässigerweise  selektiv zu bezeichnen. 4.4.  4.4.1.  Der  Schwerpunkt  der  weiteren  Erörterungen  zur  Frage  der  Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen ist unter Berücksichtigung des soeben  Gesagten auf  jene Aussagen des Beschwerdeführers zu  legen, die sich  auf  die Ereignisse  im Zusammenhang mit  dem kurdischen Neujahrsfest  Newroz  des  Jahres  2008  beziehen.  Diesbezüglich  hat  der  Beschwerdeführer anlässlich seiner Befragungen ausgeführt, er habe den  Parteiverantwortlichen  der  PYD  von  D._______  ­  für  welchen  er  auch  sonst  Chauffeurdienste  geleistet  habe  ­  am  20. März  2008  mit  seinem  eigenen  Fahrzeug  zu  einer  Sitzung  nach Qamishli  gebracht.  Bei  dieser  Sitzung  seien  Vertreter  aller  syrisch­kurdischen  Parteien  anwesend  gewesen, und es sei beraten worden, ob am folgenden Tag das Newroz­ Fest gefeiert werden solle. Während sich die anderen Parteien dagegen  ausgesprochen  hätten,  habe  die  PYD  beschlossen,  Feierlichkeiten  abzuhalten. Am 21. März  2008,  dem Tag  des Newroz,  habe  es  bei  der  Feier in Qamishli Zwischenfälle mit mehreren Toten gegeben. Er habe mit  dem Parteiverantwortlichen der PYD von D._______ an der Beerdigung  der Märtyrer  in Qamishli  teilgenommen.  In der Folge seien er selbst wie 

D­5393/2010 auch  der  Parteiverantwortliche  von  den  syrischen  Behörden  gesucht  worden.  4.4.2.  Wie  aus  unabhängigen  Quellen  hervorgeht,  wurden  im  Zusammenhang  mit  den  Newroz­Feierlichkeiten  des  Jahres  2008  in  Qamishli  drei  Personen  getötet  und  fünf  weitere  verletzt,  nachdem  syrische  Sicherheitskräfte  mit  Schusswaffen  in  eine  Versammlung  feiernder  Kurden  feuerten  (HUMAN  RIGHTS  WATCH,  Syria:  Investigate  Killing  of  Kurds.  Hold  Accountable  Those  Responsible  for  Unlawful  Killings,  Bericht  vom  23. März  2008).  Dabei  ist  anzumerken,  dass  die  Stadt  Qamishli  insbesondere  seit  dem  12.  März  2004,  als  hier  heftige  politische  Unruhen  ausbrachen,  in  deren  Verlauf  mindestens  dreissig  Personen ums Leben kamen, einen besonderen Brennpunkt des Konflikts  zwischen syrischen Kurden und dem syrischen Staat bildet. Diese Fakten  sind mit den Aussagen des Beschwerdeführers in Verbindung zu setzen.  Wesentlich  erscheint  dabei  zunächst,  dass  gemäss  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  die  PYD  sich  als  einzige  der  syrisch­kurdischen  Parteien dafür ausgesprochen habe, das kurdische Neujahrsfest 2008 in  Qamishli  öffentlich  zu  feiern.  Es  ist  angesichts  dessen  als  durchaus  naheliegend  zu  bezeichnen,  dass  die  syrischen  Behörden  im  Zusammenhang  mit  den  Newroz­Feierlichkeiten  des  Jahres  2008  den  verantwortlichen  Parteivertreter  der  PYD  von  D._______,  der  an  der  fraglichen  Sitzung  teilnahm,  gesucht  haben  sollen.  Dabei  erscheint  ausserdem auch nachvollziehbar, dass sich das Fahndungsinteresse der  syrischen Behörden  auch  auf  den Beschwerdeführer  richtete,  der  jenen  Parteivertreter  als  Chauffeur  an  die  Sitzung  in  Qamishli  begleitete.  In  diesem  Zusammenhang  sind  ausserdem  weitere  Aspekte  zu  berücksichtigen:  Zum  einen  ist  festzuhalten,  dass  die  PYD  einen  politischen  Ableger  der  PKK  in  Syrien  bildet,  deren  Gründung  auf  das  Verbot  der  PKK  durch  die  syrischen  Behörden  zurückzuführen  ist  (vgl.  SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE/ALEXANDRA GEISER, Syrien: PKK­ und  PYD­Aktivitäten,  Bern  2008, S.  6).  Zum anderen  ist  diesbezüglich  auch  das Vorbringen in Erwägung zu ziehen, der Vater des Beschwerdeführers  sei im Jahr [...] als Vertreter der Stadt D._______ an einem Kongress im  Nordirak  persönlich  mit  zwei  der  ranghöchsten  Führungspersonen  der  PKK  zusammengetroffen,  nämlich  mit  deren  mittlerweile  in  der  Türkei  inhaftierten  Führer,  Abdullah  Öcalan,  sowie  deren  militärischem  Kommandanten, Bahoz Erdal  (Kampfname; eigentlich Fehman Hûseyn),  der  im Übrigen  aus  Syrien  stammt.  Aufgrund  dieser  Verbindung  seines  Vaters  zur PKK  sei  er  ­ wie  auch  jener  ­  im  Jahr  [...]  inhaftiert  und  nur  gegen  Zahlung  einer  grossen  Geldsumme  wieder  freigelassen  worden. 

D­5393/2010 Angesichts der Verbindung des Vaters des Beschwerdeführers zur PKK  ist  von  einer  erheblichen Wahrscheinlichkeit  auszugehen,  dass  dessen  Familie  einer  verstärkten  Beobachtung  seitens  der  syrischen  Behörden  ausgesetzt war. Dies erhöht wiederum auch die Wahrscheinlichkeit, dass  der  Beschwerdeführer  selbst  wegen  seiner  Tätigkeit  für  die  der  PKK  nahestehende PYD nach den Ereignissen des Newroz 2008  in Qamishli  zum Ziel von Verfolgungsmassnahmen der syrischen Behörden wurde.  4.5.  Aus  den  verschiedenen  soeben  aufgeführten  Aspekten  ergibt  sich  zusammenfassend,  dass  die  betreffenden  Vorbringen  des  Beschwerdeführers als glaubhaft zu erachten sind. 5.  5.1.  Nachdem  die  Vorinstanz  die  hauptsächlichen  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers ­ nämlich dessen Engagement für die PYD und damit  verbunden die Ereignisse  im Zusammenhang mit dem Newroz­Fest des  Jahres  2008  ­  als  unglaubhaft  eingestuft  hat,  ist  in  der  angefochtenen  Verfügung eine Prüfung der Asylrelevanz dieser Vorbringen unterblieben.  Sollte  diesbezüglich  eine  positive  Einschätzung  ­  mit  der  Folge  der  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  ­  resultieren,  so  wäre  im  vorliegenden  Fall  ausserdem  in  Erwägung  zu  ziehen,  ob  ein  Asylausschlussgrund  im  Sinne  von  Art. 53  AsylG  gegeben  ist.  Anlass  hierfür bildet der Umstand, dass der Beschwerdeführer ­ wie er anlässlich  der  Befragung  vom  10. Mai  2010  einräumte  und  sich  aus  dem  mit  Eingabe vom 3. Juni 2010 eingereichten syrischen Gerichtsurteil ergibt ­  am  [...] ein Tötungsdelikt beging und deswegen  in Syrien erstinstanzlich  zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt wurde. 5.2.  5.2.1.  Im  Zusammenhang  mit  der  Frage  des  Vorliegens  eines  Asylausschlussgrunds  im Sinne von Art. 53 AsylG  ist  festzustellen, dass  sich das BFM in der angefochtenen Verfügung zwar ausführlich mit dem  vom  Beschwerdeführer  in  Syrien  begangenen  Tötungsdelikt  und  dem  diesbezüglichen  syrischen  Gerichtsverfahren  beschäftigt  hat.  Diese  Auseinandersetzung  erfolgte  jedoch  ausschliesslich  unter  dem  Gesichtspunkt,  ob  die  betreffende  Strafverfolgung  in  asylrechtlicher  Hinsicht  relevant  sei;  dies,  obwohl  eine  solche  Asylrelevanz  vom  Beschwerdeführer selbst gar nicht behauptet wurde. Demgegenüber stellt  sich  unter  dem  Aspekt  von  Art. 53  AsylG  zum  einen  die  Frage  der  Verwerflichkeit  der  vorgeworfenen  Handlungen  im  Sinne  dieser  Norm  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 

D­5393/2010 Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr. 8  E. 6  S. 49 ff.,  1996  Nr. 18  E. 5 ff.,  2002  Nr. 9)  und  zum  anderen  ­  in  einem  allfälligen  weiteren  Prüfungsschritt  ­  die  Frage,  ob  die  Rechtsfolge  des  Asylausschlusses  auch eine verhältnismässige Massnahme darstellt (diesbezüglich EMARK  1996 Nr. 40 S. 354 f., 2002 Nr. 9 S. 82 ff.).  5.2.2. Die Prüfung der soeben erwähnten Fragen im Zusammenhang mit  Art. 53  AsylG  dürfte  erfordern,  dass  zunächst  weitere  Abklärungen  des  Sachverhalts  getroffen  werden.  So  hat  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  Ansicht  vertreten,  angesichts  der  vorliegenden  Auszüge  aus einem syrischen Strafurteil ergäben sich keine Hinweise darauf, dass  der Beschwerdeführer ­ wie von diesem behauptet ­ in Notwehr gehandelt  habe. Allerdings liegt in deutscher Übersetzung ausschliesslich jener Teil  des  Urteils  vor,  in  welchem  das  Strafmass  verhängt  wird,  während  es  ansonsten  unübersetzt  geblieben  ist.  Somit  liegen  weder  Erkenntnisse  über  den  vom  zuständigen  syrischen  Gericht  konkret  beurteilten  Sachverhalt  noch  über  die  rechtlichen Erwägungen  vor.  Auch  erscheint  nicht  als  gesichert,  wie  eine  Notwehrsituation  im  syrischen  Strafrecht  beurteilt  wird,  das  heisst  ob  sie  ­  wie  im  System  des  schweizerischen  Strafrechts  ­  zur Straflosigkeit  (rechtfertigende Notwehr;  vgl. Art. 15 des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember  1937  [StGB,  SR  311.0]),  zur  Strafmilderung  (entschuldbare  Notwehr;  vgl.  Art.  16  StGB)  oder möglicherweise zu einer anderweitigen Rechtsfolge führt. Jedenfalls  ergibt  sich  aus dem bisher  übersetzten Teil  des  vorliegenden  syrischen  Strafurteils,  dass  das  Strafmass  aus  einem  bestimmten  Grund  halbiert  wurde,  nämlich  von  fünfzehn  Jahren  auf  siebeneinhalb  Jahre.  Möglicherweise (auch), weil im übersetzten Teil ein Wort unleserlich war,  ist jedoch bisher unklar, weswegen diese Strafminderung ausgesprochen  wurde. Es wird Sache des BFM sein, dazu die erforderlichen Abklärungen  vorzunehmen.  Dabei  erscheint  zunächst  möglich,  dass  entsprechende  Informationen  dem  bisher  unübersetzt  gebliebenen  Auszug  aus  dem  vorliegenden  syrischen  Strafurteil  zu  entnehmen  sind.  Andernfalls  wird  darauf hinzuwirken sein, dass nicht nur ein Auszug, sondern das gesamte  Urteil  als  Beweismittel  beigebracht werden  kann.  Ferner  ist  abzuklären,  ob  das  vom  Beschwerdeführer  gegen  das  erstinstanzliche  syrische  Strafurteil  ergriffene  Rechtsmittel  in  der  Zwischenzeit  zu  einer  höherinstanzlichen Beurteilung geführt hat, wobei einem entsprechenden  Urteil  ebenfalls  wesentliche  Beweiskraft  zukommen  dürfte.  Schliesslich  kann  trotz  der  gegenwärtig  schwierigen politischen Lage  in Syrien  nicht  ausgeschlossen werden,  dass  ­  allenfalls  durch Mitwirkung der  dortigen  schweizerischen  Botschaft  ­  nähere  Informationen  über  die  Umstände 

D­5393/2010 des  Tathergangs  des  Tötungsdelikts  beschafft  werden  können.  Dafür  spricht,  dass  [...],  nachdem  ­ wie der Beschwerdeführer mit Eingabe an  das BFM vom 3. Juni 2010 geltend machte ­ [...].  5.3. Zusammenfassend  ergibt  sich  somit,  dass  die Verfügung  des BFM  vom 22.  Juni  2010 aufzuheben  und das Bundesamt  anzuweisen  ist,  im  Sinne  der  vorherigen  Erwägungen  eine  erneute  Beurteilung  vorzunehmen. Dabei ist zunächst die Asylrelevanz der ­ wie ausgeführt ­  als  glaubhaft  zu  erachtenden  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  prüfen. Im Anschluss daran ist allenfalls die Frage zu beantworten, ob ein  Asylausschlussgrund  im  Sinne  von  Art. 53  AsylG  gegeben  ist,  wobei  diesbezüglich  die  erforderlichen  Massnahmen  zur  weiteren  Abklärung  des Sachverhalts zu treffen sind.  6.  6.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben  (Art. 63  Abs.  3  VwVG  i.V.m.  Art.  37  VGG).  Der  mit  Zahlung  vom  16. August  2010  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­­  ist  dem  Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 6.2. Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsiegen­ den Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zugesprochen  werden  (vgl.  für  die  Grundsätze  der  Bemessung  der  Partei­entschädigung  ausserdem  Art.  7  ff.  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  21. Februar 2008  [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens des Rechtsvertreters  des  Beschwerdeführers  wurde  keine  Kostennote  eingereicht.  Auf  die  Nachforderung einer solchen wird indessen verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2  VGKE),  weil  im  vorliegenden  Verfahren  der  Aufwand  des  Schriftenwechsels zuverlässig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf die  in  Betracht  zu  ziehenden  Bemessungsfaktoren  (Art.  9­13  VGKE)  sind  dem Beschwerdeführer Fr.  1'600.­­  (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer)  als  Parteientschädigung  zuzusprechen.  Dieser  Betrag  ist  dem  Beschwerdeführer durch das BFM zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­5393/2010 D­5393/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  und  die  Verfügung  des  BFM  vom  22. Juni 2010 wird aufgehoben.  2.  Die  Akten  werden  dem  BFM  zur  erneuten  Beurteilung  der  Sache  im  Sinne der Erwägungen überwiesen. 3.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  auferlegt.  Der  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­­  wird  dem  Beschwerdeführer  zurückerstattet. 4.  Dem  Beschwerdeführer  wird  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 1'600.­­  zugesprochen, die ihm durch das BFM zu entrichten ist. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand:

D-5393/2010 — Bundesverwaltungsgericht 10.01.2012 D-5393/2010 — Swissrulings