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Bundesverwaltungsgericht 30.09.2011 D-5357/2011

30 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,318 mots·~7 min·3

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. September 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5357/2011/wif Urteil   v om   3 0 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), China (Volksrepublik), vertreten durch lic. iur. Monique Bremi,  Beratungsstelle für Asyl­ und Ausländerrecht,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 13. September 2011 / N (…).

D­5357/2011 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  am  28.  November  2009.  Nach  Aufenthalten  in  Nepal,  Russland,  der  Ukraine  und  in  Rumänien  gelangte  er  durch  ihm  unbekannte Länder am 18. Juli 2011  in die Schweiz, wo er am gleichen  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  ein  Asylgesuch  einreichte.  Anlässlich  der  Befragung  zur  Person  vom  3.  beziehungsweise  24.  August  2011  im  EVZ  C._______  machte  der  Beschwerdeführer  insbesondere  geltend,  in  Rumänien  seien  ihm  die  Fingerabdrücke  abgenommen worden.  Zudem  habe man  ihn  in  diesem  Land zirka fünf bis sechs Tage inhaftiert. B.  Aufgrund  seiner  Aussagen  gewährte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  am  3.  August  2011  das  rechtliche  Gehör  zum  bevorstehenden  Nichteintretensentscheid,  zur  Zuständigkeit  Rumäniens  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  beziehungsweise  zu  einer  allfälligen  Wegweisung dorthin und gab ihm Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen.  In diesem Zusammenhang erklärte der Beschwerdeführer hauptsächlich,  er  wolle  nicht  nach  Rumänien  zurückkehren,  wo  er  sich  zirka  dreissig  Tage aufgehalten habe. Er habe dort  keinen Asylantrag gestellt,  jedoch  habe er einen Ausweis erhalten. Man habe ihm die Fingerabdrücke unter  Zwang  abgenommen.  Es  sei  ihm  etwas  erklärt  worden,  was  er  jedoch  nicht verstanden habe. Er wünsche sich nichts mehr, als  in der Schweiz  bleiben zu können.  C.  Gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers und den EURODAC­ Treffer  vom  9.  Mai  2011  stellte  das  BFM  am  2.  September  2011  an  Rumänien ein Ersuchen um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers im  Sinne von Art.  16 Abs.  1 Bst.  c der Verordnung  [EG] Nr.  343/2003 des  Rates vom 18. Februar 2003 (Dublin­II­Verordnung; nachfolgend Dublin­ II­VO)  zur  Festlegung  der  Kriterien  und Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig ist. Dem Wiederaufnahmeersuchen wurde von der zuständigen  rumänischen Behörde gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e der Dublin­II­VO  am 9. September 2011 entsprochen.

D­5357/2011 D.  Mit  Verfügung  vom  13.  September  2011  –  eröffnet  am  20.  September  2011  –   trat  das  BFM  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  18.  Juli  2011  nicht  ein  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  nach  Rumänien  an.  Gleichzeitig  wurde  festgestellt,  dass  einer  allfälligen  Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. E.  Mit  Beschwerde  vom  27.  September  2011  (Poststempel)  ans  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  13.  September  2011  sei  aufzuheben,  das BFM  sei  anzuweisen,  sein Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  vorliegendes  Asylgesuch  für  zuständig zu erklären, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  seien  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen superprovisorisch anzuweisen, von Vollzugshandlungen bis  zu  einem  Entscheid  über  das  vorliegende  Gesuch  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  abzusehen.  Zudem  sei  ihm  eine  Nachfrist  zu  gewähren,  um  über  den  Stand  seines  Verfahrens  in  Rumänien  allfällig  erhältliche  Informationen  einzuholen.  Ausserdem  ersuchte  der  Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, die  Bestellung  eines  unentgeltlichen  Rechtsbeistandes  in  der  Person  der  Unterzeichnenden  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. Der Beschwerde lag die Kopie einer Identitätskarte sowie die Kopie einer  rumänischen Verfügung bei.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 

D­5357/2011 Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung, weshalb er zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  ist  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  respektive  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Abs.  1  Bst.  e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung des Schriftenwechsels verzichtet. 4.  Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen  (Art. 32  ­ 35 und Art. 35a Abs. 2 AsylG),  ist die Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der 

D­5357/2011 vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK]  in  Entscheidungen und Mitteilungen der ARK  [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1  S. 240  f.  sowie Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­1244/2010 vom  13.  Januar  2011  E. 3.1).  Die  Beschwerdeinstanz  enthält  sich  einer  selbständigen materiellen Prüfung und weist die Sache – sofern sie den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  zu  neuer  Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Da die Vorinstanz die Frage der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  kommt  dem  Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich grundsätzlich volle Kognition zu,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der Überstellung  an den  zuständigen Staat)  –  in  den Dublin­Verfahren bereits  vor Erlass  des Nichteintretensentscheides stellen  (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.3 und  10.2). 5.  Der  Antrag  des  Beschwerdeführers  auf Gewährung  einer  Nachfrist,  um  über  den  Stand  seines  Verfahrens  in  Rumänien  allfällig  erhältliche  Informationen  einzuholen,  ist  abzuweisen,  zumal  aus  den  Akten  ersichtlich  ist,  dass  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  von  den  rumänischen Behörden am 29. Juni 2011 abgewiesen wurde (Akten BFM  A  22/1).  Abgesehen  davon  geht  es  im  vorliegenden Verfahren  lediglich  darum,  die  Voraussetzungen  einer  Rückführung  nach  Rumänien  im  Rahmen der Dublin­II­VO zu prüfen.  6.  6.1.  Auf  Asylgesuche  wird  in  der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG). 6.2. Das BFM hielt zur Begründung seines Nichteintretensentscheids  im  Wesentlichen fest, der Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit  EURODAC weise  nach,  dass  der Beschwerdeführer  am 9. Mai  2011  in  Rumänien ein Asylgesuch eingereicht habe. Die  rumänischen Behörden  hätten  das  Ersuchen  des  BFM  um Übernahme  des  Beschwerdeführers  gestützt auf Art. 16. Abs. 1 Bst. e Dublin­II­VO gut geheissen. Somit liege  gemäss  dem  "Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in 

D­5357/2011 der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA, SR 0.142.392.68])" die Zuständigkeit bei Rumänien, das Asyl­ und  Wegweisungsverfahren  durchzuführen.  Anlässlich  des  dem  Beschwerdeführer  am  3.  August  2011  gewährten  rechtlichen  Gehörs  habe dieser ausgesagt, er habe in Rumänien kein Asylgesuch eingereicht  und  ihm  seien  die  Fingerabdrücke  unter  Zwang  abgenommen  worden.  Der  EURODAC­Treffer  und  die  Gutheissung  des  Ersuchens  des  BFM  durch die rumänischen Behörden würden jedoch darauf hinweisen, dass  er  in  Rumänien  ein  Asylgesuch  eingereicht  habe  und  dieses  abgelehnt  worden sei. Die Ausführungen des Beschwerdeführers vermöchten daher  die  Zuständigkeit  Rumäniens  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  nicht  zu  widerlegen.  Die  Überstellung  an  Rumänien  habe  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung (Art. 19 f. Dublin­II­VO) – bis spätestens am 9. März 2012  zu  erfolgen.  Den  Vollzug  der Wegweisung  erachtete  die  Vorinstanz  als  zulässig, zumutbar und möglich.  6.3. Aus den Akten – insbesondere der EURODAC­Meldung – ergibt sich,  dass der Beschwerdeführer in Rumänien am 9. Mai 2011 daktyloskopisch  registriert  wurde,  dort  am  selben  Tag  ein  Asylgesuch  stellte  und  er  am  18. Juni  2011  das  ihm  zugewiesene  rumänische  Aufnahmezentrum  wieder verliess. Aufgrund der EURODAC­Meldung und der Gutheissung  des  Wiederaufnahmeersuchens  des  BFM  durch  die  rumänischen  Behörden  ist  die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  in  Rumänien keinen Asylantrag gestellt habe, unglaubhaft. Da das BFM die  rumänischen Behörden am 2. September 2011 um Wiederaufnahme des  Beschwerdeführers gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO ersuchte,  und  diese  am  9.  September  2011  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e  Dublin­II­VO einer Rückübernahme des Beschwerdeführers  zustimmten,  kann der Beschwerdeführer ohne Weiteres in den Dublin­Staat Rumänien  ausreisen, der staatsvertraglich zuständig ist.  Der Beschwerdeführer macht  in seiner Rechtsmitteleingabe geltend, bei  einer  Rückschiebung  nach  China  drohe  ihm  eine  asylrelevante  Gefährdung.  Da  er  bei  einer  Rücküberstellung  nach  Rumänien  Gefahr  laufe,  Opfer  einer  Kettenabschiebung  zu  werden,  sei  die  Vorinstanz  auszuweisen,  ihr  Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  vorliegendes  Asylgesuch  für  zuständig  zu  erklären.  Diesbezüglich  ist  festzuhalten, dass Art. 3 Abs. 2 erster Satz der Dublin­II­VO nicht direkt  anwendbar  ist,  indessen die Souveränitätsklausel anzuwenden ist, wenn  sich  ein  Asylgesuchsteller  in  einem  Beschwerdeverfahren  auf  die 

D­5357/2011 Verletzung  einer  direkt  anwendbaren  Bestimmung  des  internationalen  öffentlichen  Rechts  oder  einer  Norm  des  Landesrechts,  welche  einer  Überstellung entgegenstehen, berufen kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5 S.  635  f.).  Die  Dublin­II­VO  setzt  voraus,  dass  alle  Mitgliedstaaten  des  Dublin­Raums  ihren  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  nachkommen.  Diese  Vermutung  gilt  grundsätzlich,  solange  nicht  erhärtet  ist,  dass  der  Zielstaat  der  Überstellung  seinen  Mindestverpflichtungen  aus  dem  EU­ Gemeinschaftsrecht  systematisch  nicht  nachkommt,  und  die  Vermutung  durch  ernsthafte  Hinweise  darauf,  dass  die  Behörden  des  zuständigen  Staates  im  konkreten  Fall  das  internationale  Recht  nicht  respektieren  würden, umgestossen werden kann (vgl. a.a.O. E. 7.4 f. S. 637 ff.). Rumänien ist unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK, SR  0.101)  und  des Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105).  Es  bestehen  keine  ernsthaften  Hinweise  im  Sinne  der  dargelegten  Rechtsprechung  dafür,  Rumänien  würde  sich  vorliegend  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten.  In der Beschwerde und in dem dort zitierten Bericht wird denn auch nicht  nachgewiesen, Rumänien verletze in systematischer Weise und über die  Überstellungsfrist  von  sechs  Monaten  hinaus  seine  ihm  obliegenden  völkerrechtlichen  Mindestverpflichtungen.  Für  das  Bundesverwaltungsgericht  sind  somit  keine  Gründe  ersichtlich,  die  das  BFM zur Ausübung  des Selbsteintrittsrechts  der Schweiz  (Art.  3 Abs.  2  Dublin­II­VO)  hätten  veranlassen  sollen,  zumal mit  dem Umstand,  dass  Rumänien  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  am  29.  Juni  2011  abgewiesen hat, nicht feststeht, dass die rumänischen Behörden ihn nach  China  zurückschaffen  werden.  Alleine  der  vom  Beschwerdeführer  geäusserte  Wunsch,  in  der  Schweiz  zu  bleiben,  ist  kein  Grund,  eine  Rückführung  nach  Rumänien  auszuschliessen.  Da  es  im  vorliegenden  Verfahren  lediglich darum geht, die Voraussetzungen einer Rückführung  nach  Rumänien  im  Rahmen  der  Dublin­II­VO  zu  prüfen,  ist  auf  die  Vorbringen  in  Bezug  auf  die  den  Beschwerdeführer  angeblich  in  China  drohenden Widrigkeiten nicht einzugehen. 6.4.  Nach  dem  Gesagten  erübrigt  es  sich,  auf  die  Ausführungen  und  Einwände  in  der  Beschwerde  sowie  auf  die  Beweismittel  im  Einzelnen 

D­5357/2011 weiter  einzugehen,  da  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern.  Das  BFM  ist  demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf das  Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 7.  7.1.  Das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  hat  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Vorliegend  ist  keine  Ausnahme  von  diesem  Grundsatz  ersichtlich  (vgl.  BVGE 2009/50 E. 9). In Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheids  (vgl.  BVGE  2010/45  E.  10.2).  Auf  die  Frage  einer  drohenden  Verletzung  des  Non­Refoulement­Gebots  muss  daher  an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. 7.2.  Weiter  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 AuG, sondern ebenfalls vor  der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen des Selbsteintrittsrechts (vgl.  Art. 29a  der  Asylverordnung  1  vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311])  oder  gegebenenfalls  –  sofern  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Staaten  befinden  und  allenfalls  zusammengeführt  werden  sollten  –  bei  der  Ausübung  der  sogenannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin­II­VO). 7.3. Nach  dem Gesagten  sind  die  vom BFM  verfügte Wegweisung  und  deren Vollzug nach Rumänien zu bestätigen.  8.  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  demnach  nicht  gelungen  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist. 9.  Mit dem Urteil  in der Hauptsache sind die Gesuche um Verzicht auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  sowie  um  Anweisung  der  Vollzugsbehörden,  von  Vollzugshandlungen  bis  zu  einem  Entscheid  über  das  vorliegende 

D­5357/2011 Gesuch  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  abzusehen,  gegenstandslos  geworden,  zumal  vorsorgliche  Massnahmen  ohnehin  lediglich für die Dauer des Beschwerdeverfahrens wirksam wären. 10.  10.1. Aufgrund  vorstehender  Erwägungen  erweist  sich  die  Beschwerde  als  aussichtslos,  weshalb  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um  Beiordnung  eines  unentgeltlichen Rechtsbeistandes  nach Art. 65  Abs. 2  VwVG – unbesehen der Frage der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers –  vollumfänglich abzuweisen sind.  10.2.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr.  600.­­  festzusetzen  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­5357/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die Gesuche  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes werden abgewiesen.  3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

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