Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 16.09.2011 D-4980/2011

16 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,334 mots·~7 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 1. September 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4980/2011/wif Urteil   v om   1 6 .   S ep t embe r   2011   Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richterin Contessina Theis;  Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, Tunesien, alias C._______, geboren D._______, Marokko, alias A._______, geboren B._______, Marokko, alias E._______, geboren D._______, Marokko, alias F._______, geboren B._______, Tunesien, vertreten durch lic. iur. Bernhard Zollinger, Rechtsanwalt,  G._______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 1. September 2011 / N_______.

D­4980/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer,  ein  tunesischer  Staatsangehöriger,  am  15. Oktober 2010 ein erstes Asylgesuch in der Schweiz stellte, dass das BFM mit Verfügung vom 26. November 2010 in Anwendung von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  sein  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die Wegweisung  des  Beschwerdeführers nach Italien sowie den Vollzug anordnete,  dass der Entscheid der Vorinstanz unangefochten in Rechtskraft erwuchs  und  der  Beschwerdeführer  den  Ausreisetermin  am  1.  Dezember  2010  unbenutzt verstreichen liess und unbekannten Aufenthaltes war, dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  nach  H._______  reiste, wo er  sich  illegal  aufhielt  und  keine Arbeit  fand, weshalb  er  sich  Ende März 2011 wieder in die Schweiz begab,  dass er am 1. Mai 2011 durch die  I._______  festgenommen wurde und  das  J._______  am  2.  Mai  2011  die  Ausschaffungshaft  gegen  den  Beschwerdeführer  ab  dem  1.  Mai  2011  für  die  Dauer  von  60  Tagen  gemäss Art.  77  des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) verfügte, dass er am 11. Mai 2011 nach K._______ (Italien) überstellt wurde, dass der Beschwerdeführer  eigenen Angaben  zufolge  am 13.  Juli  2011  illegal  in die Schweiz gelangte, wo er am 19. Juli 2011 zum zweiten Mal  um Asyl nachsuchte, dass  ein  Abgleich  der  Fingerabdrücke  des  Beschwerdeführers  mit  der  Eurodac­Datenbank  ergab,  dass  dieser  am  11.  August  2010  in  K._______ (Italien) von der zuständigen Behörde daktyloskopisch erfasst  worden war, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung  im Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  L._______  am  28.  Juli  2011  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte,  er  habe  in seinem Heimatstaat als Fischer gearbeitet und sein Arbeitgeber  sei  als  (…)  tätig  gewesen,  es  sei  in  der  Folge  (…….)  zu  einer  Auseinandersetzung  gekommen  und  dem  Beschwerdeführer  sei  dabei  der  kleine  Finger  gebrochen  worden  und  er  sei  anschliessend  nach 

D­4980/2011 M._______  zu  einem  Freund  geflohen,  der  ihn  beim  Verlassen  des  Landes unterstützt habe,  dass dem Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung das rechtliche  Gehör zum Umstand gewährt wurde, wonach gestützt auf seine eigenen  Angaben  und  die  Eurodac­Treffer  mutmasslich  Italien  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  zuständig  sei,  weshalb gegebenenfalls auf sein Asylgesuch nicht eingetreten werde, dass  der  Beschwerdeführer  diesbezüglich  angab,  er  wolle  nicht  nach  Italien  zurückkehren,  da  er  dort  unter  schlechten  Bedingungen  leben  müsste  und  die  italienischen  Behörden  ihm  eine Wegweisung  gegeben  hätten,  dass der Beschwerdeführer mit Entscheid des BFM vom 3. August 2011  für  den  weiteren  Aufenthalt  während  des  Verfahrens  dem  Kanton  N._______ zugewiesen wurde, dass  das  BFM  am  8.  August  2011  Italien  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers ersuchte, dass  Italien  das  Ersuchen  des  BFM  bis  zum  Ablauf  der  Frist  am  23. August 2011 unbeantwortet liess,  dass  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  18.  August  2011  dem  BFM  mitteilte,  es  sei  ein  Ehevorbereitungsverfahren  mit  einer  Schweizer  Bürgerin  eingeleitet  worden, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  1.  September  2011  –  eröffnet  am  5. September 2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf  das Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung nach Italien sowie den  Vollzug spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist anordnete, dass gleichzeitig  festgestellt wurde, einer allfälligen Beschwerde komme  keine aufschiebende Wirkung zu (Art. 107a AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  auf  den  9. September  2011  datierter  und  gleichentags  zuhanden  der  Schweizerischen  Post  aufgegebener  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  erhob  und beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuheben, ihm sei Asyl zu 

D­4980/2011 gewähren;  eventualiter  sei  von  einer  Wegweisung  abzusehen;  subeventualiter sei die Ausreisefrist zu erstrecken, dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung der Beschwerde ersuchte,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  12.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen  Verfügungen  (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ­  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  in  casu nicht vorliegt und das Bundesverwaltungsgericht demnach endgültig  entscheidet, dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde –  unter  Vorbehalt  der  nachfolgenden  Erwägungen  –  einzutreten  ist  (Art.  108 Abs.  2 AsylG  sowie Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art.  52  Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

D­4980/2011 dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt –  offensichtlich  unbegründet  ist,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  gleichzeitig  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1  und 2 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl.  BVGE  2007/8  E.  2.1  S.  73  mit  Hinweis  auf  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass deshalb auf den Antrag auf Gewährung von Asyl nicht einzutreten  ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  anführte,  daktyloskopische  Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer am 11. August  2010 in Italien ein Asylgesuch eingereicht habe, dass gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e der Verordnung [EG] Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der  für die Prüfung eines  Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in  einem Mitgliedstaat gestellt hat (Dublin­II­VO), Italien für die Prüfung des  am  19.  Juli  2011  in  der  Schweiz  eingereichten  Asylgesuchs  des  Beschwerdeführers als zuständig zu erachten sei,

D­4980/2011 dass  die  Vorinstanz  gleichzeitig  ausführte,  die  blosse  Eröffnung  eines  Ehevorbereitungsverfahrens habe gestützt auf Art. 16 Abs. 2 Dublin­II­VO  keinen  Einfluss  auf  die  Zuständigkeit  der  italienischen  Behörden  zur  Prüfung des Asylverfahrens und eine schweizerische Zuständigkeit könne  erst mit  der  Erteilung  eines  schweizerischen Aufenthaltstitels  begründet  werden, dass der Beschwerdeführer  im Rahmen des  rechtlichen Gehörs geltend  gemacht  habe,  die  italienischen  Behörden  hätten  ihm  keine  Unterkunft  zur Verfügung gestellt, weshalb er nicht nach Italien zurückkehren wolle, dass Italien indessen die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar  2003  (Aufnahmerichtlinie)  ohne  Beanstandungen  von  Seiten  der  Europäischen  Kommission  umgesetzt  habe,  weshalb  sich  der  Beschwerdeführer an die zuständigen Behörden wenden könne, um eine  Unterkunft und die nötige Unterstützung zu erhalten, dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des  Vollzugs  nach  Italien zu bejahen seien, dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift im Wesentlichen  vorbrachte,  er  habe  während  seines  Aufenthaltes  in  Italien  feststellen  müssen,   dass  das  Land  ausserstande  sei,  seinen  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  zur  rechtskonformen  Abwicklung  der  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  nachzukommen,  und  er  von  den  italienischen  Behörden dazu aufgefordert worden sei, das Land zu verlassen, dass  angesichts  der  ausserordentlichen  Umständen  und  der  Überforderung  Italiens  im  Zusammenhang  mit  der  nordafrikanischen  Flüchtlingswelle die Zuständigkeit zur Abwicklung des Asylverfahrens auf  die Schweiz übergehen müsse,  dass die Vorinstanz auf sein Gesuch hätte eintreten sollen und das BFM  folglich noch materiell über das Asylgesuch zu entscheiden habe, da seit  dem Sturz des tunesischen Präsidenten Ben Ali ein Zustand allgemeiner  Gewalt  im Land herrsche und es häufig zu Protestbewegungen begleitet  von  gewaltsamen  Exzessen  komme,  weshalb  er  an  Leib  und  Leben  bedroht sei, was seine Flüchtlingseigenschaft zu begründen vermöge, dass  das  Rückschiebeverbot  auch  bei  einer  allfälligen  Abweisung  der  Beschwerde zu berücksichtigen sei, da er, wie bereits erwähnt, aufgrund 

D­4980/2011 der  politischen  Situation  in  seinem  Heimatland  an  Leib  und  Leben  gefährdet sei, dass  die  Ausreisefrist  zu  erstrecken  sei,  sofern  das  Bundesverwaltungsgericht  zur  Auffassung  gelangen  sollte,  ihm  sei  kein  Asyl zu gewähren, und folglich das Rückschiebeverbot keine Anwendung  finden  würde,  damit  er  die  Termine  beim  Zivilstandsamt  zwecks  Ehevorbereitung wahrnehmen könne, dass  der  Beschwerde,  unter  Berücksichtigung  der  politischen  Lage  in  seinem Heimatland, der ausserordentlichen Umstände  für Asylsuchende  in  Italien  sowie  aufgrund  der  bevorstehenden  Eheschliessung  die  aufschiebende Wirkung zu erteilen sei,  dass der Aufenthalt des Beschwerdeführers in Italien unbestritten ist, dass die  italienischen Behörden das Ersuchen der Schweizer Behörden  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  bis  zum  23.  August  2011  nicht  beantwortet  haben,  womit  die  Zuständigkeit  Italiens  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten  Verfristung  definitiv geworden ist (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO), dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  festgehalten  hat,  dass  die  Zuständigkeit  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  bei  Einleitung  eines  Ehevorbereitungsverfahrens  erst  auf  die  Schweiz  übergehe,  wenn  dem  Beschwerdeführer  durch  seine  Heirat  mit  einer  Schweizer  Bürgerin  ein  Aufenthaltstitel  erstellt  werde  (Art.  16  Abs.  2  Dublin­II­VO), dass  dem  Beschwerdeführer  bis  anhin  in  der  Schweiz  kein  Aufenthaltstitel erteilt wurde, dass  somit  die Zuständigkeit  für  die Prüfung des Asylgesuchs weiterhin  bei  Italien  liegt  und  der  Beschwerdeführer  den  Entscheid  über  einen  allfälligen Familiennachzug in Italien abzuwarten hat, dass  mit  einer  Rückführung  des  Beschwerdeführers  nach  Italien  die  Bestimmungen  von  Art.  8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101;  Recht  auf  Achtung  des  Privat­  und  Familienlebens)  und  Art.  12  EMRK  (Recht  auf  Eheschliessung)  nicht  beeinträchtigt  werden,  da  es  ihm 

D­4980/2011 dadurch  nicht  verunmöglicht  wird,  die  in  der  Schweiz  begonnenen  Ehevorbereitungen fortzuführen, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  darauf  hinweist,  er  lebe  mit  einer  Schweizerin  im  Konkubinat,  indessen  beispielsweise bei  der Befragung  vom 28.  Juli  2011  im EVZ L._______  seine Partnerin nicht erwähnte (vgl. B1/9, S. 2) und – nach Gründen, die  gegen seine Wegweisung nach Italien sprechen könnten, gefragt – keine  diesbezüglichen  Einwendungen  vorbrachte,  sondern  lediglich  geltend  machte, er möchte in der Schweiz bleiben (vgl. B1/9, S. 6), dass  in  der  Beschwerde  nicht  substanziiert  wird,  inwiefern  die  Voraussetzungen  einer  eheähnlichen  Gemeinschaft  erfüllt  sein  sollen,  weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist, dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der  EMRK  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen halten, dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  insbesondere  keine  Gründe  ersichtlich sind, die das BFM zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der  Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) hätten veranlassen sollen, dass  Italien  die  Mindestnormen  der  EU  für  die  Aufnahme  von  Asylsuchenden  anwendet  und  demzufolge  Aufnahmestrukturen  zur  Verfügung stellt, dass  hierzu  festzuhalten  ist,  dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar gewissen Schwierigkeiten ausgesetzt sein können, dass  die  italienischen  Behörden  seit  geraumer  Zeit  mit  einer  grossen  Anzahl  von  Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen  bei  den  Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  –  eine  Betreuung  durch  die  italienischen Behörden oder durch die privaten karitativen Organisationen  ist nicht  in  jedem Fall gewährleistet – nicht zum Schluss gelangt,  Italien 

D­4980/2011 verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr. 2003/9/EG, dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  aber  insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­ Rückkehrende  und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich –  neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen  annehmen, dass  der  Beschwerdeführer  weder  im  Rahmen  des  ihm  gewährten  rechtlichen Gehörs  noch  auf  Beschwerdeebene  hinreichend  berechtigte  Vorbehalte  gegen  eine  Rückkehr  nach  Italien  geltend machte,  weshalb  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  dass  er  im  Falle  einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten würde, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist, dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem kein Anspruch auf Erteilung einer  solchen besteht  (vgl. BVGE  2008/34  E.  9.2  S.  510,  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  EMARK  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass im Rahmen des Dublin­Verfahrens, bei dem es sich um ein Über­ stellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmass­nahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG  i.V.m. Art. 83  Abs. 1 AuG,

D­4980/2011 dass  eine  entsprechende  Prüfung  –  soweit  notwendig  –  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende Erwägungen), dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist, dass  der  Antrag  auf  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  angesichts  des  direkten  Entscheids  in  der  Hauptsache  gegenstandslos geworden sind, dass – wie oben erwähnt – die Heiratsvorbereitungen auch vom Ausland  her durchgeführt werden können, weshalb es sich erübrigt, das Gesuch  um  Erstreckung  der  Ausreisefrist  dem  dafür  zuständigen  BFM  zu  überweisen,  zumal  die  Ausreisefrist  grundsätzlich  dazu  dient,  die  Ausreise vorzubereiten, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art.  16 Abs.  1 Bst.  a VGG  i.V.m. Art.  2  und  3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4980/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand:

D-4980/2011 — Bundesverwaltungsgericht 16.09.2011 D-4980/2011 — Swissrulings