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Bundesverwaltungsgericht 07.09.2011 D-4821/2011

7 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·848 mots·~4 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. August 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4821/2011/sed Urteil   v om   7 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;   Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am … , Tunesien,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 22. August 2011 / N … .

D­4821/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 5. April 2011 – von Italien kommend – in  der Schweiz ein Asylgesuch einreichte,  dass  er  vom  BFM  am  12.  April  2011  zu  seiner  Person,  zu  seinem  Reiseweg und summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt wurde,  dass  er  dabei  zur Hauptsache  vorbrachte,  er  sei  ein  Staatsangehöriger  von  Tunesien  und  er  habe  seine  Heimat  verlassen,  da  er  dort  in  der  Vergangenheit vom alten Regime immer wieder behelligt worden sei, die  Behörden  hätten  ihn  immer wieder  zu  Spitzeldiensten  oder  zu  falschen  Aussagen gegen missliebige Personen zwingen wollen,  dass zwar das alte Regime im Februar 2011 gestürzt sei, er sich jedoch  weiterhin vor Nachstellungen von dieser Seite gefürchtet habe, weshalb  er  seine Heimat am 18. März 2011 auf dem Seeweg  in Richtung  Italien  verlassen habe,  dass  er  zu  seinem  Reiseweg  namentlich  angab,  er  habe  am  20. März  2011 die Insel Lampedusa erreicht, wo er von den italienischen Behörden  in Empfang genommen worden sei und wo man ihn nach seiner Ankunft  fotografiert und ihm die Fingerabdrücke abgenommen habe,  dass  er  nach  sieben  Tagen  auf  Lampedusa  in  ein  Flüchtlingslager  bei  X.______  verlegt  worden  sei,  welches  er  jedoch  aufgrund  der  dort  herrschenden  chaotischen  Verhältnisse  nach  vier  oder  fünf  Tagen  verlassen habe, worauf er über Y.______ und Z.______  in die Schweiz  gelangt sei,  dass  vom  BFM  aufgrund  einer  Abfrage  der  Eurodac­Datenbank  festgestellt  wurde,  der  Beschwerdeführer  sei  am  24.  März  2011  in  Lampedusa  von  den  italienischen  Behörden  wegen  illegalen  Grenzübertritts registriert worden,  dass  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  Bundesamt eröffnet wurde, mutmasslich sei  Italien  für die Durchführung  seines  Asylverfahrens  zuständig,  worauf  der  Beschwerdeführer  entgegnete, er wolle nicht nach Italien zurück, da dort ein Chaos herrsche  (vgl. die Akten des BFM, act. A6 Ziff. 18 S. 6 unten),

D­4821/2011 dass  das  BFM  am  1.  Juli  2011  –  nach  den  Bestimmungen  der  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  ein  Ersuchen  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers an Italien stellte,  dass diesem Ersuchen von Seiten Italiens am 29. Juli 2011 ausdrücklich  entsprochen wurde (vgl. act. A 13 und A14),  dass das BFM in der Folge mit Verfügung vom 22. August 2011 – eröffnet  am  24.  August  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den Wegweisungsvollzug  nach  Italien  anordnete,  wobei  das  Bundesamt  festhielt,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu,  dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die  Bestimmungen  der  Dublin­II­VO,  den  vorgängigen  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in  Italien  und  das  an  Italien  gerichtete  Gesuch  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers,  welchem  von  italienischer  Seite  ausdrücklich entsprochen worden war – auf die Zuständigkeit Italiens für  die Behandlung  des Asylgesuches  des Beschwerdeführers  verwies  und  festhielt,  vom  Beschwerdeführer  seien  keine  relevanten  Gründe  gegen  eine Überstellung vorgebracht worden,  dass  es  abschliessend  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Italien  als  zulässig, zumutbar und möglich erklärte,  dass  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  mittels  einer  (irrtümlich)  an  das  BFM  gerichteten  Eingabe  vom  27.  August  2011  (Poststempel)  Beschwerde  einreichte,  wobei  er  dem  wesentlichen  Sinngehalt  nach  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Rückweisung  der  Sache  an  das  BFM  zwecks  Behandlung  seines  Asylgesuches in der Schweiz beantragte,  dass  das  Bundesamt  die  Eingabe  des  Beschwerdeführers  am  1.  September  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht  überwies  (vgl.  dazu  Art.  8  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]), 

D­4821/2011 dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Eingabe  namentlich  geltend  machte, er akzeptiere die Ablehnung seines Asylgesuches nicht,  da  ihn  der Weg in die Schweiz viel Kraft und Mühe gekostet habe,  dass er in der Schweiz arbeiten und sich hier ein Leben aufbauen wolle,  er  könne  nicht  nach  Tunesien  zurückkehren,  da  dort  Krieg  herrsche,  seine Heimat gefährlich und kriminell sei und er dort auch keine Zukunft  und keinerlei Kontakt mehr habe,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  5.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (vgl. dazu Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsgesuches  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31  und  33   des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  die  an  das  BFM  gerichtete  Eingabe  des  legitimierten  Beschwerdeführers als  frist­ und formgerechte Beschwerde zu erkennen  ist  (vgl.  Art. 48  Abs.  1  VwVG  sowie  Art.  108  Abs.  2  AsylG  und  Art.  52  VwVG), womit auf die Beschwerdesache einzutreten ist,  dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt –  offensichtlich  unbegründet  ist,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),

D­4821/2011 dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Entscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),  dass  aufgrund  der  Akten  zweifelsfrei  erstellt  ist,  dass  der  Beschwerdeführer von Italien kommend in die Schweiz gereist  ist, wo er  am 24. März 2011 wegen illegalen Grenzübertritts registriert worden war,  dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung zu verweisen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG) –  Italien  für die  Prüfung des Asylantrages des Beschwerdeführers zuständig ist, was von  Italien  mit  der  Abgabe  der  Erklärung  vom  29.  Juli  2011  betreffend  die  Übernahme  des  Beschwerdeführers  ausdrücklich  akzeptiert  worden  ist  (vgl. dazu Art. 16 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 18 Abs. 1 und 6 Dublin­II­VO), dass  damit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist,  dass  aufgrund  der  vorliegenden  Akten  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  welche  in  rechtserheblicher  Weise  gegen  die  vom  BFM  angeordnete  Überstellung nach Italien sprechen würden,  dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (Flüchtlingskonvention,  SR  0.142.30) als auch der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze  der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ist,  dass  kein Anlass  zur Annahme besteht,  Italien würde  sich  im Falle  des  Beschwerdeführers  nicht  an  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  halten,  hat  doch  Italien  seine  Zustimmung  zu  einer  Übernahme  des  Beschwerdeführers erteilt und sich zur Behandlung seines Asylverfahrens  verpflichtet (vgl. dazu die Übernahmeerklärung vom 29. Juli 2011),  dass  der  Beschwerdeführer  demzufolge  seine  Vorbehalte  gegen  eine  allfällige  Rückkehr  in  seine  Heimat  bei  den  italienischen  Behörden  einzubringen  hat,  womit  seinen  diesbezüglichen  Ausführungen  im  vorliegenden Verfahren keine Relevanz zukommt, 

D­4821/2011 dass  der  vom  Beschwerdeführer  geäusserte  Wunsch  nach  einem  weiteren Verbleib in der Schweiz als unbeachtlich zu erkennen ist, da es  grundsätzlich nicht die Sache der asylsuchenden Person  ist,  den  für  ihr  Asylverfahren  zuständigen  Staat  selber  zu  bestimmen,  sondern  die  Bestimmung des für sie zuständigen Staates allein den beteiligten Dublin­ Vertragsstaaten obliegt,  dass  schliesslich  auch  die  beim  BFM  vorgebachten  Vorbehalte  gegen  eine  Rückkehr  nach  Italien  –  die  dort  angeblich  herrschenden  chaotischen  Zustände  –  nicht  gegen  eine  Überstellung  nach  Italien  sprechen,  dass zwar Asylsuchende in Italien bei der Unterkunft, der Arbeit und dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können,  wobei  sich  bereits  vorbestandene  Kapazitätsprobleme  aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen  Raum,  respektive  der  starken  Zunahme  von  Asylsuchenden, akzentuiert haben dürften,  dass  jedoch  auch  unter  Berücksichtigung  dieser Umstände  kein  Anlass  zur  Annahme  besteht,  der  Beschwerdeführer  –  ein  junger  und  soweit  ersichtlich  gesunder  Mann  –  würde  im  Falle  einer  Rückführung  nach  Italien in eine existenzielle Notlage geraten,  dass nach den vorstehenden Erwägungen ein Selbsteintritt im Sinne von  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  ausgeschlossen  bleibt  und  der  Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu  bestätigen ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Italien  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  entspricht  und  von  daher  im  Einklang  mit  der  Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht, dass in diesem Sinne das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Italien  zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,  dass  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  die  angefochtene  Verfügung  zu  bestätigen  und  die  eingereichte  Beschwerde  als  offensichtlich  unbegründet abzuweisen ist,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (vgl.  dazu  Art. 63  Abs.  1  VwVG 

D­4821/2011 sowie  Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand:

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