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Bundesverwaltungsgericht 05.09.2011 D-4790/2011

5 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,273 mots·~6 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (erneutes Asylverfahren Schweiz) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. August 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4790/2011/sed Urteil   v om   5 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Tunesien, vertreten durch lic. iur. Bernhard Zollinger, Rechtsanwalt, _______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. August 2011 / N _______.

D­4790/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 6. April 2009 erstmals in der Schweiz um  Asyl nachsuchte und dabei geltend machte, er sei am 1. September 1980  geboren worden und algerischer Staatsangehöriger mit letztem Wohnsitz  in B._______, dass er im Jahr 2007 aus Algerien ausgereist sei, weil sein Vater im Jahr  2004 grundlos zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden sei und die  Behörden in der Folge mehrmals auch nach ihm gesucht hätten, dass  das  BFM  auf  das  erste  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zunächst mit Verfügung vom 28. Januar 2010 gestützt auf Art. 34 Abs. 2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  eintrat und die Wegweisung sowie deren Vollzug nach Italien verfügte, dass dieser Entscheid unangefochten in Rechtskraft erwuchs, dass  indessen  in  der  Folge  die  Frist  für  die  Überstellung  nach  Italien  ungenutzt  ablief  und  die  Zuständigkeit  für  die  Behandlung  des  Asylgesuchs demzufolge auf die Schweiz überging, dass  das  BFM  seine  Verfügung  vom  28.  Januar  2010  daher  mit  Verfügung  vom  26.  März  2010  aufhob  und  das  Asylverfahren  wieder  aufnahm, dass  der  Beschwerdeführer  am  5.  Mai  2010  ausführlich  zu  seinen  Asylgründen  angehört  wurde,  wobei  er  erklärte,  sein  Vater  sei  im  Jahr  2004  verhaftet  und  ins  Gefängnis  gesteckt  worden,  weil  man  ihn  des  Terrorismus verdächtigt habe, dass die Polizei  in der Folge mehrmals zuhause auch nach ihm gesucht  habe, worauf er jeweils vorübergehend nach Libyen geflüchtet sei, dass  er  sich  schliesslich  im  Jahr  2007  aus  Furcht  vor  einer  Verhaftung  entschlossen habe, sein Heimatland definitiv zu verlassen, dass das BFM daraufhin mit Verfügung vom 28. Mai 2010 feststellte, der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  da  seine  Asylvorbringen unglaubhaft seien,

D­4790/2011 dass es das Asylgesuch demzufolge ablehnte und die Wegweisung aus  der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass dieser Entscheid unangefochten in Rechtskraft erwuchs, dass  für den weiteren  Inhalt des ersten Asylverfahrens auf die Akten zu  verweisen ist, dass  der  Beschwerdeführer  am  10.  Mai  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  C._______  ein  zweites  Asylgesuch  stellte  und  dort  am 1. Juni 2011 summarisch befragt wurde, dass  er  in  der  Folge  für  die  Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  D.______zugewiesen wurde, dass der Beschwerdeführer zur Begründung seines zweiten Asylgesuchs  im Wesentlichen vorbrachte, er sei am 1. Oktober 1979 geboren worden  und  tunesischer  Staatsangehöriger  mit  letztem  Wohnsitz  in  E._______  (Provinz Sfax), dass er nach der Ablehnung seines ersten Asylgesuchs die Schweiz am  5. April 2011 verlassen habe und nach Tunesien zurückgekehrt sei, sein  Problem,  welches  er  bereits  im  ersten  Asylverfahren  geschildert  habe,  jedoch immer noch bestehe, dass  sein  Vater  inzwischen  aus  dem Gefängnis  geflüchtet  sei  und  sich  nun in Algerien oder Marokko befinde, dass  nach  seiner  Ankunft  in  Tunesien,  am  10.  April  2011,  unbekannte,  vermummte Personen zuhause nach  ihm gefragt hätten, weshalb er am  25.  April  2011  aus  Tunesien  ausgereist  und  wieder  in  die  Schweiz  gekommen sei, dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  am  29.  Juli  2011  gestützt  auf  Art. 36  Abs.  2  AsylG  das  rechtliche  Gehör  hinsichtlich  eines  allfälligen  Nichteintretensentscheides gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG gewährte, dass innert der gesetzten Frist keine Stellungnahme eingereicht wurde, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  23.  August  2011  –  eröffnet  am  25.  August  2011  –  in Anwendung  von Art.  32 Abs.  2 Bst.  e AsylG  auf  das 

D­4790/2011 zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  die  Vorinstanz  zur  Begründung  ihres  Entscheids  im Wesentlichen  ausführte, das erste Asylverfahren sei rechtskräftig abgeschlossen, dass die im zweiten Asylverfahren vorgetragenen Gesuchsgründe bereits  im ersten Asylentscheid als nicht glaubhaft qualifiziert worden seien, dass  die  Asylgründe  nach  wie  vor  nicht  glaubhaft  seien,  zumal  der  Beschwerdeführer  im  ersten  Asylverfahren  unter  anderer  Identität  aufgetreten sei, dass im Weiteren die geltend gemachte zwischenzeitliche Rückkehr nach  Tunesien nicht glaubhaft sei, da die Ausreise weder kontrolliert erfolgt sei  noch durch Beweismittel belegt werde, dass  insgesamt  keine  Hinweise  auf  seit  dem  letzten  Asylverfahren  eingetretene  Ereignisse  vorlägen,  welche  geeignet  wären,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden Schutzes relevant wären, weshalb auf das Asylgesuch  nicht einzutreten sei, dass der Vollzug der Wegweisung nach Tunesien durchführbar sei, dass  die  verspätete  Stellungnahme  des  Beschwerdeführers  vom  22.  August 2011 am 23. August 2011 beim BFM einging,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  31.  August  2011  (Poststempel)  gegen  den  Entscheid  vom  23. August  2011  Beschwerde  erheben  und  dabei  beantragen liess, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei  Asyl  zu  gewähren,  eventuell  sei  von  der  Wegweisung  abzusehen,  subeventuell  sei  die  Sache  zur  weiteren  Prüfung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen, dass  auf  den  Inhalt  der  Beschwerde,  soweit  entscheidrelevant,  in  den  nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  1.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

D­4790/2011 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer 

D­4790/2011 selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass daher auf das Begehren, es sei Asyl zu gewähren, nicht einzutreten  ist, dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  dagegen  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich volle Kognition zukommt, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  der Schweiz bereits  ein Asylverfahren erfolglos  durchlaufen haben oder  während  des  hängigen  Asylverfahrens  in  den  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  zurückgekehrt  sind,  ausser  es  gebe Hinweise  auf  in  der  Zwischenzeit  eingetretene  Ereignisse,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  des  vorübergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG), dass  bei  der  Prüfung,  ob  Hinweise  auf  Ereignisse  vorliegen,  welche  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  vom  engen  Verfolgungsbegriff im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen ist, dass  jedoch  gleichzeitig  ein  gegenüber  der  Glaubhaftmachung  reduzierter  Beweismassstab  zur  Anwendung  kommt,  weshalb  auf  ein  Asylgesuch bereits dann eingetreten werden muss, wenn sich Hinweise  auf  eine  relevante  Verfolgung  ergeben,  welche  nicht  von  vornherein  haltlos sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3 S. 17), dass der Beschwerdeführer unbestrittenermassen in der Schweiz bereits  ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat,

D­4790/2011 dass  er  zur Begründung  seines  zweiten Asylgesuchs  auf  die  bereits  im  ersten  Asylverfahren  dargelegten  Asylgründe  verweist  (Inhaftierung  des  Vaters und in der Folge behördliche Suche nach dem Beschwerdeführer), dass  diese  Vorbringen  im  ersten  Asylverfahren  rechtskräftig  für  unglaubhaft befunden worden waren, dass  in  der  Zwischenzeit  keine  Ereignisse  eingetreten  sind,  welche  geeignet wären,  diese Vorbringen nachträglich  als  glaubhaft  erscheinen  zu lassen, dass  –  im  Gegenteil  –  der  Eindruck  der  Unglaubhaftigkeit  dieser  Vorbringen  bekräftigt  wird  durch  die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  offensichtlich  im  Rahmen  des  ersten  Asylverfahrens  unwahre Angaben zu seiner Identität gemacht hat, dass  mit  Blick  auf  die  vorstehenden  Ausführungen  auch  die  geltend  gemachte  zwischenzeitliche  Rückkehr  nach  Tunesien  sowie  die  dort  angeblich  erlittene  erneute  Verfolgung  als  unglaubhaft  zu  erachten  ist,  zumal  der Beschwerdeführer  die  angebliche Rückkehr  nicht  zu  belegen  vermochte (beispielsweise mittels Schiffsticket o.ä.), dass in der Beschwerde geltend gemacht wird, in Tunesien herrsche ein  Klima  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft erfülle, dass  jedoch  nicht  ersichtlich  ist  und  auch  nicht  konkret  dargelegt  wird,  inwiefern der Beschwerdeführer deswegen aus einem Grund nach Art. 3  Abs. 1 AsylG in Tunesien verfolgt sein sollte, dass  dem  zweiten  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nach  dem  Gesagten  offensichtlich  keine  Hinweise  auf  in  der  Zwischenzeit  eingetretene Ereignisse zu entnehmen sind, welche geeignet wären, die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden Schutzes relevant wären, dass die weiteren Ausführungen  in der Beschwerde nicht geeignet sind,  an dieser Einschätzung etwas zu ändern, weshalb darauf an dieser Stelle  nicht mehr näher einzugehen ist,

D­4790/2011 dass das BFM folglich zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e  AsylG  auf  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21),  dass sich der Beschwerdeführer  in der Beschwerde auf Art. 8 Ziff. 1 der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) beruft und dabei geltend macht,  er lebe in der Schweiz im Konkubinat, dass  den Akten  diesbezüglich  zu  entnehmen  ist,  der  Beschwerdeführer  beabsichtige, sich mit einer Schweizerin zu verheiraten (vgl. V11), dass  mangels  anderweitiger  Hinweise  indessen  davon  auszugehen  ist,  eine Heirat sei bis heute nicht erfolgt, dass  bezüglich  seiner  Beziehung  zu  dieser  Schweizerin  keine  näheren  Informationen  vorliegen,  jedoch  immerhin  feststeht,  dass  der  Beschwerdeführer im April 2009 erstmals in die Schweiz kam, dass  er  zudem anlässlich  der  Anhörungen  in  den  beiden Asylverfahren  mit keinem Wort erwähnte, er führe eine Beziehung zu einer Schweizerin, dass  insbesondere  auch  in  der  (verspäteten)  Stellungnahme  vom  22.  August 2011 keine Rede von einer Schweizer Lebenspartnerin ist, dass bei dieser Sachlage davon auszugehen ist, die Beziehung zu dieser  Schweizerin  bestehe  erst  seit  kurzer  Zeit,  womit  offensichtlich  keine  dauerhafte eheähnliche Gemeinschaft vorliegt (vgl. dazu vgl. BVGE 2008  Nr. 47 E. 4.1.1. und EMARK 1993 Nr. 24), weshalb der Beschwerdeführer  aus Art. 8 EMRK nichts zu seinen Gunsten ableiten kann, dass  die  verfügte  Wegweisung  demnach  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 

D­4790/2011 nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormals  in  dieser  Materie  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Tunesien  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen zulässig ist, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  im vorliegenden Verfahren keine  Anwendung findet, dass  überdies  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  EMRK  ersichtlich  sind, die dem Beschwerdeführer in Tunesien droht,

D­4790/2011 dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  in  Tunesien  noch  individuelle  Gründe  auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, dass  zwar  die  poltische  Situation  in  Tunesien  im  Anschluss  an  die  namentlich  in Tunis erfolgten Demonstrationen von Dezember 2010 und  Januar  2011  gegen  die  Arbeitslosigkeit,  die  Korruption  und  die  polizeiliche  Repression  (sogenannte  Jasmin­Revolution),  welche  zum  Abgang  des  im  Jahr  1987  gewählten Staatspräsidenten Ben Ali  geführt  haben, zur Zeit noch nicht stabil ist, dass  sich  aber  die  Sicherheitslage  seit  Beginn  des  demokratischen  Übergangs  merklich  verbessert  hat  (vgl.  dazu  E­2957/2011  S. 7,  Urteil  vom 6. Juni 2011), dass  in  Tunesien  im  heutigen  Zeitpunkt  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt herrscht, dass  der  Beschwerdeführer  im  Weiteren  keine  gesundheitlichen  Probleme geltend  gemacht  hat, welche  einem Vollzug  der Wegweisung  entgegenstehen könnten, dass er in Tunesien als Schweisser erwerbstätig war und sich den Akten  zufolge mindestens seine Mutter und seine Geschwister nach wie vor  in  der Heimatregion aufhalten, dass demnach nicht davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer würde  im  Falle  seiner  Rückkehr  ins  Heimatland  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  im  heutigen  Zeitpunkt als zumutbar zu erachten ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG),  und  es  dem  Beschwerdeführer  obliegt,  bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (Art.  8  Abs.  4  AsylG  und  dazu  auch  BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515),

D­4790/2011 dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.–  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4790/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

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