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Bundesverwaltungsgericht 10.11.2011 D-4727/2011

10 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,491 mots·~7 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des BFM vom 26. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4727/2011 Urteil   v om   1 0 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), alias A._______, geboren (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, Gegenstand Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des BFM vom 26. Juli 2011 / N .

D­4727/2011 Sachverhalt: A.  A.a.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  am  28.  März  2001  auf  dem  Landweg  und  gelangte  am  9.  April 2001 auf dem Luftweg nach Italien und von dort unkontrolliert in die  Schweiz,  wo  er  noch  gleichentags  ein  Asylgesuch  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) M._______ stellte. A.b. Mit Verfügung vom 17. Januar 2003 stellte das BFF (Bundesamt für  Flüchtlinge;  heute:  BFM)  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. A.c. Mit Eingabe vom 14. Februar 2003 liess der Beschwerdeführer durch  seinen  Rechtsvertreter  bei  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  erheben.  Die  Beschwerde  wurde mit Urteil vom 16. November 2004 der ARK abgewiesen. B.  Mit Eingabe vom 18. Dezember 2007  liess der Beschwerdeführer durch  seinen  jetzigen  Rechtsvertreter  ein  zweites  Asylgesuch  stellen.  Mit  Verfügung vom 9. Januar 2008 qualifizierte das BFM dieses Gesuch des  Beschwerdeführers  als  aussichtslos  und  forderte  ihn  auf,  innert  Frist  einen Gebührenvorschuss von Fr. 1'200.­ einzuzahlen, ansonsten auf das  zweite  Asylgesuch  nicht  eingetreten  werde.  Nach  unbenutztem  Fristablauf  trat  das  BFM  mit  Verfügung  vom  5.  Februar  2008  wegen  Nichtbezahlens  des  Kostenvorschusses  nicht  auf  dieses  Gesuch  ein,  verfügte  die Wegweisung  des Beschwerdeführers  aus  der Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  an.  Das  Bundesverwaltungsgericht  indessen  hiess  mit  Urteil  vom  18. März  2008  die  gegen  diese  Verfügung  des  BFM  angehobene  Beschwerde  vom  6.  März  2008  gut  und  hob  die  Verfügungen des BFM vom 9. Januar und 5. Februar 2008 auf, wies die  Sache  im Sinne  der  Erwägungen  zur Neubeurteilung  an  die Vorinstanz  zurück  und  auferlegte  dem  Beschwerdeführer  keine  Verfahrenskosten.  Des  Weiteren  stellte  es  fest,  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  sei  damit  gegenstandslos  geworden,  und  wies  das  BFM  an,  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  800.­  auszurichten.

D­4727/2011 C.  C.a.  In  seinem  zweiten  Asylgesuch  vom  18.  Dezember  2007  und  der  Anhörung  vom  12.  Juli  2011  durch  das  BFM  machte  der  Beschwerdeführer zur Begründung seines Zweitgesuchs im Wesentlichen  geltend,  er  hege begründete Furcht,  seitens der  äthiopischen Behörden  wegen seiner exilpolitischen Aktivitäten zugunsten der AES (Association  des  Ethiopiens  en  Suisse)  und  der  ASSUFDE  (Association  Suisse  de  Soutien  à  l'Union  des  Forces  Démocratiques  Ethiopiennes,  Schweizer  Unterstützungsverein  für  die  vereinigten  demokratischen  Kräfte  Äthiopiens) politisch verfolgt zu werden. C.b.  Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  liess  der  Beschwerdeführer  dem Zweitgesuch vom 18. Dezember 2007 die nachfolgend aufgeführten  Beweismittel  beilegen:  eine  Bestätigung  der  AES  vom  20.  März  2007,  eine  Bestätigung  der  ASSUFDE  vom  1.  März  2007,  einen  Bericht  von  Günter  Schröder  vom  7.  Oktober  2007,  ein  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  30.  November  2007  sowie  einen  Länderbericht von Amnesty International vom 30. November 2006. C.c.  Anlässlich  der  Bundesanhörung  vom  12.  Juli  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  folgende Beweismittel  ein:  eine Bestätigung der AES  vom  4.  Juli  2011,  eine  Einladung  der  AES  zur  Teilnahme  an  einer  Demonstration vom 2. März 2007 in Genf, eine Einladung der ASSUFDE  zur  Teilnahme  an  einer  Versammlung  vom  16.  Juni  2007  in  Genf,  ein  Dokument der UEDF  (United Ethiopian Democratic Forces) sowie eines  der EPRP (Ethiopian People's Revolutionary Party). D.  Mit  französischsprachiger  Verfügung  vom  26.  Juli  2011  –  eröffnet  am  27. Juli  2011  –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  ordnete  es  die  Wegweisung  an,  schob  indessen  den  Vollzug  der  Wegweisung  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme auf. Zur Begründung hielt die Vorinstanz im Wesentlichen fest,  der  Beschwerdeführer  habe  im  Rahmen  seines  ersten  Asylverfahrens  keine politische Verfolgung seitens der äthiopischen Behörden glaubhaft  machen  können.  Es  gebe  daher  keinen  Anlass  zur  Annahme,  die  äthiopischen  Behörden  hätten  den  Beschwerdeführer  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  dem  Heimatstaat  als  regimefeindliche  Person  betrachtet,  ihn  als  solche  registriert  und  nach  seiner  Ankunft  in  der  http://www.eprp.com/ http://www.eprp.com/ http://www.eprp.com/ http://www.eprp.com/ http://www.eprp.com/ http://www.eprp.com/ http://www.eprp.com/

D­4727/2011 Schweiz einer besonderen Überwachung unterstellt.  Im Zusammenhang  mit  den  vom Beschwerdeführer  eingereichten Dokumenten der AES sei  auf  den  sozialen  und  kulturellen  Charakter  dieser  Vereinigung  hinzuweisen;  es  handle  sich  nicht  um  eine  politische  Organisation.  Zudem  sei  befremdlich,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Einladung  zur  Teilnahme an einer Manifestation vom 2. März 2007 der AES in Genf erst  anlässlich  der  Bundesanhörung  vom  12.  Juli  2011  eingereicht  hat.  Er  hätte  nämlich  diese  Einladung  bereits  zusammen  mit  seinem  zweiten  Asylgesuch vom 18. Dezember 2007 einreichen können. Bereits in dieser  Eingabe hätte er auch erwähnen können, dass er im November 2006 an  einer Demonstration  in Bern  teilgenommen habe.  Im Übrigen habe sich  der Beschwerdeführer darauf beschränkt,  Informationen weiter zu geben  und  an  Demonstrationen  teilzunehmen.  Was  die  Zugehörigkeit  des  Beschwerdeführers  zur  ASSUFDE  seit  dem  Jahre  2004  anbelange,  so  habe  er  sich  dieser  Organisation  zum  Zeitpunkt  des  Eintritts  der  Rechtskraft des für ihn negativen Asylentscheids angeschlossen. Er habe  in dieser Organisation keine herausragende Rolle gespielt und sei keine  Leitfigur,  sondern  ein  gewöhnliches  Mitglied.  Der  Bericht  von  Günter  Schröder  beziehe  sich  ebenso  wenig  auf  den  Beschwerdeführer  wie  derjenige von Amnesty International. Das Dokument der EPRP von 1999  sei im Internet leicht zugänglich und beziehe sich in keiner Weise auf den  Beschwerdeführer  persönlich,  ähnlich  wie  das  Dokument  der  UEDF,  welches  sich  auf  die  Traktandenliste  einer  ausserordentlichen  Versammlung  beziehe.  Dementsprechend  erwiesen  sich  diese  Beweismittel nicht als entscheidwesentlich. Der Beschwerdeführer nehme  nach  dem  Gesagten  keine  führende  Rolle  in  den  Vereinigungen  ein,  denen er angehöre. Somit erscheine er weder besonders exponiert noch  engagiert  zu  sein,  weshalb  ihn  die  äthiopischen  Behörden  nicht  als  konkrete  und  ernsthafte  Bedrohung  für  die  Sicherheit  des  Landes  wahrnehmen könnten.  Im Übrigen habe der Beschwerdeführer bestätigt,  in  der  Schweiz  mit  keinen  Problemen  konfrontiert  gewesen  zu  sein.  Demnach  habe  der  Beschwerdeführer  keine  hinreichenden,  konkreten  Indizien für die Kenntnisnahme seiner exilpolitischen Bemühungen durch  die  äthiopischen  Behörden  aufzeigen  können,  ebenso  wenig  solche  für  seine Identifikation und Überwachung, weshalb er bei seiner Rückkehr in  den  Heimatstaat  nicht  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  mit  staatlichen  Sanktionen  zu  rechnen  habe.  Dementsprechend  genügten  seine  Vorbringen  den  Anforderungen  von  Art.  3  AsylG  an  die  Flüchtlingseigenschaft nicht. Im Übrigen hätten Äthiopien und Eritrea am  12. Dezember 2000 einen Friedensvertrag unterzeichnet. Seit Ausrufung  des  Waffenstillstands  im  Juni  2000  hätten  die  beiden  Staaten  darauf 

D­4727/2011 verzichtet,  ihren unterschiedlichen Standpunkten mit militärischen Mitteln  Nachdruck zu verleihen, wenngleich es zu vereinzelten Scharmützeln an  der Grenze gekommen sei. Es herrsche somit  in Äthiopien weder Krieg,  Bürgerkrieg  noch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt.  Indessen  sei  der  Wegweisungsvollzug  dem  Beschwerdeführer  im  Hinblick  auf  Besonderheiten des Falls und seiner Situation nicht zuzumuten, weshalb  er vorläufig aufzunehmen sei. E.  Mit Beschwerde vom 26. August 2011 liess der Beschwerdeführer durch  seinen  Rechtsvertreter  die  nachfolgend  aufgeführten  Rechtsbegehren  stellen:  Die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  im  Punkte  der  Flüchtlingseigenschaft aufzuheben. Es sei die Flüchtlingseigenschaft des  Beschwerdeführers  festzustellen.  Es  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  zu  bewilligen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses zu verzichten. Auf  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen. F.  F.a.  Mit  Zwischenverfügung  vom  1.  September  2011  wies  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Gesuche  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab  und  forderte  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  16.  September  2011  einen  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  zu  überweisen. F.b. Der  Beschwerdeführer  leistete  den  einverlangten  Kostenvorschuss  am 5. September 2011. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

D­4727/2011 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Der Beschwerdeschrift  ist weder ein Begehren um Gewährung von Asyl  noch  ein  solches  um  Aufhebung  der  Wegweisung  zu  entnehmen.  Die  Ziffern  2  und  3  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  sind  mit  Ablauf  der  30­tägigen  Rechtsmittelfrist  in  Rechtskraft  erwachsen.  Beschwerdegegenstand  bildet  demnach  nur  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft. 4.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 

D­4727/2011 einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a  Abs. 2  AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5.  5.1. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in  ihrem Heimatstaat oder im Land,  in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer  Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken;  den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5.2. Die Flüchtlingseigenschaft  ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsland  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (vgl.  Art. 54 AsylG). Das vom Gesetzgeber vorgesehene Konzept, wonach das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst,  verbietet  auch  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen,  welche  vor  der  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat entstanden sind und die für sich allein nicht zur Bejahung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 7 E. 7b und 8 S. 67 ff.; EMARK  2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f., mit weiteren Hinweisen). 6. 

D­4727/2011 6.1.  Zur  Begründung  seiner  Beschwerdeschrift  macht  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  die  AES  sei  eine  Vereinigung,  die  auch  politische  Ziele  verfolge.  Auch  das  vorliegende  Bestätigungsschreiben  der  AES  zeige  klar  auf,  dass  der  Beschwerdeführer  politisch  aktiv  sei  und  sich  in  starkem Masse  für  die  politischen Anliegen  der  äthiopischen Opposition  einsetze.  Auch  für  die  ASSUFDE  sei  der  Beschwerdeführer  in  einem  überdurchschnittlichen  Masse  aktiv  gewesen.  So  habe  er  an  verschiedenen  Demonstrationen  teilgenommen.  Entgegen  den  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung führe auch eine "niederprofilige" Aktivität für eine exilpolitische  Partei  wie  die  ASSUFDE  dazu,  dass  die  Aufmerksamkeit  der  äthiopischen  Geheimdienste  geweckt  werde.  Da  der  Beschwerdeführer  bereits  vor  seiner  Flucht  in  die  Schweiz  in  Äthiopien  politisch  aktiv  und  daher  den Behörden bekannt  gewesen  sei, müsse davon ausgegangen  werden, dass er nach wie vor von den Geheimdiensten überwacht werde  und  so  bei  einer  allfälligen  Rückkehr  unmenschlicher  Behandlung  ausgesetzt  würde.  Die  Einschätzung  der  Vorinstanz  stütze  sich  durchwegs  auf  unhaltbare  Argumente  oder  Behauptungen.  Mit  der  Flüchtlingsrelevanz  der  Vorbringen  setze  sich  die  Vorinstanz  gar  nicht  erst  auseinander.  Diese  sei  jedoch  zweifelsfrei  gegeben.  Die  drohende  Verfolgung  sei  politisch  motiviert  und  gefährde  den  Beschwerdeführer  konkret an Leib und Leben. 6.2. Aus der Rechtsmitteleingabe ergibt sich als Rüge die Verletzung von  Bundesrecht,  indem  dem  Beschwerdeführer  zu  Unrecht  die  Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt worden sei. Wie  jedoch bereits  in  der Zwischenverfügung vom 1. September 2011  festgestellt, kommt nun  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  nach  einer  vertieften  Prüfung  der  vorliegenden  Akten  zum  Schluss,  dass  die  Schlussfolgerungen  der  Vorinstanz zutreffen und die Ausführungen im Beschwerdeverfahren nicht  geeignet  sind,  diese  zu  entkräften.  Zwar  hat  der  Beschwerdeführer  im  ersten  Asylverfahren  eine  Verfolgungssituation  geltend  gemacht,  doch  haben  sich  die  entsprechenden  Vorbringen  als  unglaubhaft  erwiesen.  Dementsprechend  gibt  es  keinen  Anlass  zur  Annahme,  der  Beschwerdeführer  sei  vor  seiner Ausreise  ins Blickfeld der äthiopischen  Behörden  geraten.  Bezüglich  seines  dargelegten  exilpolitischen  Engagements gelangt auch das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss,  dass  insgesamt  keine  subjektiven  Nachfluchtgründe  vorliegen.  Für  die  Einschätzung einer Verfolgungsgefahr sind Positionen (z.B. Vorsitzende/r  einer  Exilgruppe),  Form  und  Einfluss  von  Aktionen  (z.B.  gewaltsamer  Protest)  massgeblich  (vgl.  allgemein  zum  Grad  der  Exponierung  bei 

D­4727/2011 exilpolitischen Tätigkeiten auch BVGE 2009/28 E. 7.4.3 S. 364 f., Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5231/2006  vom  18. September  2009  E.5.2, E­4390/2006 vom 27. August 2009 E.3.4.3 und D­5907/2006 vom  16. Juli  2009 E.4.5.3). Dabei  ist  nicht  primär  das Hervortreten  im Sinne  einer  optischen  Erkennbarkeit  und  Individualisierbarkeit,  sondern  eine  derartige Exponierung in der Öffentlichkeit massgebend, die den Eindruck  erweckt,  dass  der  Asylsuchende  zu  einer  Gefahr  für  den  Bestand  des  äthiopischen  Systems  wird.  Dass  die  äthiopischen  Sicherheitsbehörden  zwischen  tatsächlich  politisch  engagierten  Regimekritikern  und  Exilaktivisten, die mit  ihren Aktionen  in erster Linie die Chancen auf ein  Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen, zu unterscheiden vermögen, darf  auch  unter  Berücksichtigung  der  aktuellen  Lage  im  Äthiopien  vorausgesetzt werden. Bei dieser Sachlage liegt beim Beschwerdeführer  kein subjektiver Nachfluchtgrund im Sinne von Art. 54 AsylG vor, und dies  umso weniger,  als  im  vorliegenden Fall  jegliche  aktenkundige Hinweise  darauf  fehlen, dass gegen  ihn aufgrund der exilpolitischen Aktivitäten  in  Äthiopien  ein  Strafverfahren  oder  andere  behördliche  Massnahmen  eingeleitet worden sind, wobei  in diesem Zusammenhang unter Hinweis  auf die in Art. 8 AsylG verankerte Mitwirkungspflicht festzuhalten ist, dass  es nicht Sache der schweizerischen Asylbehörden sein kann,  jede auch  nur  ansatzweise  und  abstrakt  mögliche  Gefährdungssituation  im  Heimatland  des  Beschwerdeführers  abzuklären.  Im  Übrigen  wird  zur  Vermeidung von Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz und  die Zwischenverfügung des Gerichts vom 1. September 2011 verwiesen.  Die erhobene Rüge (Verletzung von Bundesrecht) erweist sich nach dem  Gesagten als unbegründet. 6.3.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  übrigen  Ausführungen  in  der  Beschwerde  und  die  als  Beweismittel  eingereichten  Dokumente  einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern  können.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen  oder glaubhaft machen konnte und er auch die Voraussetzungen für die  Anerkennung  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  im  Sinne  von  Art.  54  AsylG  nicht  erfüllt.  Das  BFM  hat  demzufolge  die  Flüchtlingseigenschaft  des Beschwerdeführers zu Recht verneint. 7.  Das  BFM  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  den  Vollzug  der  angeordneten  Wegweisung  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen Aufnahme aufgeschoben.

D­4727/2011 Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind  alternativer  Natur.  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln. Gegen eine allfällige Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme steht  dem  (ab­  und  weggewiesenen)  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen,  wobei  in  jenem  Verfahren sämtliche drei Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach  Massgabe  der  dannzumal  herrschenden  Verhältnisse  von  Neuem  zu  prüfen sind (BVGE 2009/51 E. 5.4). Demnach  ist,  solange  die  von  der  Vorinstanz  verfügte  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  weiterbesteht, kein Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers an der  Prüfung der Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs gegeben. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.­ festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  5.  September  2011  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­4727/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  am  5.  September  2011  in  gleicher  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand:

D-4727/2011 — Bundesverwaltungsgericht 10.11.2011 D-4727/2011 — Swissrulings