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Bundesverwaltungsgericht 15.12.2011 D-47/2009

15 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,690 mots·~13 min·4

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. Dezember 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­47/2009 Urteil   v om   1 5 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Robert Galliker;    Gerichtsschreiber Alfred Weber. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei,   vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt,  (…), Beschwerdeführer,  Gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. Dezember 2008 / N (…).

D­47/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  den  Heimatstaat  auf  dem  Luftweg  am  12.  August  2008  und  gelangte  über  diverse  Länder  sowie  nach  einem  längeren Aufenthalt  in  Italien  am  15.  September 2008 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.  Nach einer Kurzbefragung  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______ vom 22. September 2008 wurde der Beschwerdeführer für die  Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  C._______  zugewiesen.  Am  20.  November  2008  wurde  er  vom  BFM  direkt  zu  seinen  Asylgründen  angehört.  Im Wesentlichen machte  er  bei  den  Befragungen  geltend,  er  sei  Hirte  gewesen  und  habe  ungefähr  im  Jahre  2007  angefangen,  die  HPG  (Hêzên Parastian Gel;  bewaffnete Einheiten der PKK,  sogenannte  "Volksverteidigungskräfte")  zu  unterstützen.  Er  habe  von  Leuten  dieser  Gruppierung Einkaufslisten  erhalten  und  die  entsprechenden Sachen  in  D._______ und den Nachbardörfern besorgt. Die Sicherheitskräfte hätten  davon  erfahren  und  ihn  für  ungefähr  drei  Stunden  auf  den  Posten  mitgenommen, wo er zur Zusammenarbeit mit ihnen aufgefordert worden  sei. Im Frühjahr 2008 anlässlich einer Patrouille von Soldaten bei ihm auf  der Weide  hätten  diese  seinen  Hund  erschossen.  Auch  habe man  ihm  dasselbe Schicksal angedroht, falls er nicht endlich Informationen liefere.  Zusammen  mit  seinem  Cousin  aus  E._______  sei  er  am  1.  Juni  2008  morgens  zwischen  drei  und  vier  Uhr  zu  Hause  festgenommen  und  auf  den  Posten  gebracht  worden.  Seinen  Cousin  habe  man  am  Morgen  freigelassen und  ihn  (den Beschwerdeführer) habe man zwei Tage  lang  festgehalten  und  misshandelt,  bis  er  eine  Zusammenarbeit  mit  den  Sicherheitskräften wiederum akzeptiert habe. Nach seiner Freilassung sei  er  zu  einem  Freund  nach  F._______  geflohen,  wo  er  sich  rund  zwei  Monate versteckt habe. Danach habe er  sich mit einem Linienbus nach  G._______ begeben, von wo aus er schliesslich ausgereist sei. Für den  Inhalt  der  weiteren  Aussagen  wird  auf  die  Akten  verwiesen.  Das  BFM  verzichtete auf weitere Abklärungen. B.  Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  1.  Dezember  2008  ­  eröffnet  am  9. Dezember  2008  ­  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  und  lehnte  das Asylgesuch  ab. Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Wegweisungsvollzug  an.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  ausgeführt,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 

D­47/2009 genügten weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  noch  denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG. Aufgrund  dem  BFM  zugänglicher  Informationen  (keine  dauerhafte  Präsenz  der  HPG­Guerillas  in  den Bergen nahe  von D._______  in  den  Jahren 2007  und 2008) sei es als äusserst unwahrscheinlich zu bezeichnen, dass der  Beschwerdeführer  im  besagten  Zeitraum  tatsächlich  regelmässig  Guerillas  mit  Lebensmitteln  versorgt  habe.  Die  Vorgehensweise  der  türkischen  Sicherheitskräfte  im  Zusammenhang  mit  den  vom  Beschwerdeführer  wegen  seiner  logistischen  Unterstützung  zugunsten  der  HPG  geltend  gemachten  Benachteiligungen  sei  nicht  üblich.  Bei  konkreten  Hinweisen  hätte  man  mit  üblichen  Fahndungsmethoden  versucht,  ihn  auf  frischer  Tat  zu  ertappen,  oder  es  wäre  direkt  ein  Ermittlungserfahren eingeleitet und der Beschwerdeführer wäre in U­Haft  genommen  worden.  Ein  Auftrag  zur  Zusammenarbeit  und  Informationsbeschaffung  wäre  ebenfalls  konkreter  formuliert,  überwacht  und  bei  Nichterfüllen  sanktioniert  worden.  Es  sei  praktisch  auszuschliessen,  dass  gegen  den  Beschwerdeführer  im  Wissen  um  dessen  Unterstützung  der  Guerilla  kein  Verfahren  eröffnet  worden  sei.  Auch  könne  die  geltend  gemachte  Art  und Weise  der  Aufforderung  zur  Zusammenarbeit  nicht  geglaubt  werden.  Sodann  seien  verschiedene  zentrale  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  unsubstanziiert  ausgefallen  (Angaben  hinsichtlich  Dauer,  Art  und  Weise  sowie  Umfang  der  Unterstützung der HPG; Angaben  im Zusammenhang mit den Verhören  und  dem  Angebot  zur  Spitzeltätigkeit  auf  dem  Posten  sowie  zur  Festnahme zu Hause). Obschon sich die Lage  in der Heimatregion des  Beschwerdeführers  fast  vollständig  beruhigt  habe,  könne  nicht  gänzlich  ausgeschlossen  werden,  dass  er  gerade  als  Hirte  oder  aufgrund  einer  lokalen  Bekanntheit  seiner  Familie  habe  Schikanen  seitens  der  Sicherheitskräfte erdulden müssen. Diese Nachteile seien jedoch auf den  lokalen Kontext der Umgebung des Beschwerdeführers beschränkt. Aus  den  Akten  würden  sich  keine  Hinweise  ergeben,  dass  er  einer  landesweiten  Suche  und  Verfolgung  durch  die  Sicherheitskräfte  ausgesetzt  sein  könnte.  Zudem  würden  diese  Schikanen  auch  kaum  asylrelevante  Intensität erreichen. Bei den erwähnten Benachteiligungen  der  kurdischen  Minderheit  in  der  Türkei  handle  es  sich  nicht  um  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  des  Asylgesetzes,  die  einen  Verbleib  im  Heimatland verunmöglicht oder unzumutbar erschwert hätten. Im Übrigen  könne sich der Beschwerdeführer diesen Verfolgungsmassnahmen durch  Wegzug  in einen anderen Teil seines Heimatlandes entziehen, womit er  nicht  auf  den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen  sei.  Der  Vollzug  der 

D­47/2009 Wegweisung sei durchführbar und zumutbar;  ihm stünden keine  triftigen  Gründe entgegen.  C.  Mit  Eingabe  vom  5.  Januar  2009  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung.  Der  Beschwerdeführer  sei  als  Flüchtling  anzuerkennen  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  der  Wegweisung  festzustellen.  Dem  Beschwerdeführer  sei  die unentgeltliche Rechtspflege  zu bewilligen,  und es  sei  ihm  in der  Person  des  Unterzeichneten  ein  unentgeltlicher  Rechtsbeistand  zu  ernennen.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen.  Ferner  wurden  Referenzschreiben  von  D.H.  (Cousin)  im  Original  und  M.T.  (Familienfreund und Bekannter)  in Kopie  inklusive deren Ausweiskopien  zu den Akten gereicht.  D.  Nach erfolgter Eingangsbestätigung wurde mit Instruktionsverfügung vom  15.  Januar  2009  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet.  Das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. E.  In seiner Vernehmlassung vom 20. Januar 2009 hielt das BFM an seiner  Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  F.  Mit  Eingabe  vom  19.  Januar  2009  (Eingang  Bundesverwaltungsgericht:  21.  Januar  2009) wurde  das Original  des Referenzschreibens  von M.T.  samt Ausweiskopie und Postkuvert nachgereicht (vgl. Bst. C). G.  Mit  Eingabe  vom  23.  Januar  2009  wurden  weitere  Beweismittel  eingereicht  (Faxkopie  eines  Zeitungsartikels  vom  5.  September  1993  über  den  Tod  der  Cousine  Z.D.  des  Beschwerdeführers;  Kopie  eines  Zeitungsartikels  über  die  Teilnahme  von  zwei  in  der  Schweiz  als 

D­47/2009 Flüchtlinge  anerkannten  Cousinen  [F.D.  und  A.D.]  des  Beschwerdeführers  an  einer  Protestaktion  in  der  Türkei;  Zeitungsartikel  vom  10.  Juli  2004  im  Zusammenhang  mit  einer  Operation  gegen  die  HPG­Guerilla in der Heimatregion des Beschwerdeführers).  H.  In seiner zweiten Vernehmlassung vom 9. Februar 2009 hielt das BFM an  seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. I.  Am  4.  März  2009  fand  ein  weiteres  Beweismittel  Eingang  in  die  Akten  (undatiertes  Bestätigungsschreiben  des  Dorfvorstehers  R.D.  über  die  Fahndung nach dem Beschwerdeführer). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be­ schwerdeführer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 

D­47/2009 Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  die  vom  BFM  aufgrund  diverser  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  gezogenen  Schlussfolgerungen  im  Ergebnis  als  zutreffend. Diese erlangen  insbesondere noch dadurch an Gewicht, weil  sich  im Gesamtkontext  aus den Akten weitere massgebende  respektive  entscheidende  der  Glaubhaftigkeit  abträgliche  Ungereimtheiten  und  Unstimmigkeiten  ergeben  (vgl.  E.  4.2.  nachstehend).  Ebenfalls  ist  der  Vorinstanz  darin  zuzustimmen,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  (allgemeine  Benachteiligung  der  kurdischen  Minderheit)  in  Bezug  auf  die  asylrechtliche  Beachtlichkeit  in  Abrede  zu  stellen  sind.  In  Beachtung  des  vom  Beschwerdeführer  selbst  eher 

D­47/2009 beiläufig  erwähnten  familiären  (politischen)  Hintergrunds  zeigte  sie  sodann  in  einer  nicht  zu  beanstandenden Art  und Weise  auf,  dass  ihm  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  offensteht,  was  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  respektive  die Schutzgewährung  durch  einen  Drittstaat ausschliesst (vgl. Bst. B hiervor). 4.2. Der Beschwerdeführer wurde während mehreren Stunden einlässlich  befragt  (Erstanhörung  im EVZ/direkte Bundesanhörung). Dabei berief er  sich grundsätzlich auf denselben Sachverhalt. Die Verständigung mit den  Dolmetschern  bezeichnete  er  bei  den  Anhörungen  als  gut.  Den  Protokollen sind auch keinerlei Anhaltspunkte zu entnehmen, wonach der  Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen wäre, den Befragungen zu  folgen. Ebenfalls ergeben sich keine Hinweise für die Annahme, dass ihm  nicht genügend Zeit für die Darlegung seiner Fluchtgründe zur Verfügung  gestanden  hätte.  Dem  Beschwerdeführer  wurden  nach  seiner  freien  Erzählung  zu  den  Gesuchsgründen  im  EVZ  zusätzliche  konkrete  respektive  klärende Fragen  zu  den  von  ihm erwähnten Vorkommnissen  gestellt. Auch erhielt er abschliessend die Gelegenheit,  allfällige weitere  Gründe,  die  ihn  zum  Verlassen  des  Heimatlandes  bewogen  haben,  darzutun.  Mit  der  Befragung  beim  Bundesamt  verhält  es  sich  gleichermassen.  Insbesondere  wurden  dem  Beschwerdeführer  bei  der  direkten  Bundesanhörung  zahlreiche  Fragen  respektive  Nachfragen  zu  noch  nicht  vollständig  geklärten  Punkten  gestellt.  Ferner  bestätigte  der  Beschwerdeführer  unterschriftlich  die  Richtigkeit  (EVZ)  und  Vollständigkeit  (Bundesamt)  der  diesbezüglichen  Protokolle,  weshalb  er  sich  bei  seinen  Aussagen  behaften  zu  lassen  hat.  Diese  Feststellung  erfährt zudem an Gewicht, als dass die bei der direkten Bundesanhörung  anwesende Hilfswerkvertretung nach Einräumung und Wahrnehmung der  Gelegenheit,  selbst  Fragen  an  den  Beschwerdeführer  zu  richten,  keine  Einwände anzumelden beziehungsweise weitere Abklärungen anzuregen  hatte.  Da  vorliegend  der  Sachverhalt  somit  als  erstellt  gilt,  stösst  der  Vorwurf  der  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  in  der  Beschwerde  ins  Leere,  wonach  der  Befrager  den  Beschwerdeführer  nie  darauf  aufmerksam  gemacht  habe,  er  halte  dessen  Angaben  für  zu  wenig  detailliert  und  deshalb  für  unglaubhaft  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1994  Nr. 13  E.   S. 111).  Ferner  ist  festzuhalten,  dass  bei  gesamtheitlicher  Betrachtungsweise  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht  geeignet  sind,  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  zu  den  diversen  Unglaubhaftigkeitselementen  in  seinen  Schilderungen  und  die  von  ihr 

D­47/2009 daraus  gezogenen  Schlussfolgerungen  zu  entkräften.  Ebenso  kann  der  Beschwerdeführer nichts  zu seinen Gunsten ableiten, wenn er ausführt,  ihm müsse  als Hirte,  der  nomadische  Landwirtschaft  betreibe  und  nicht  nach einer Agenda lebe, zugestanden werden, dass er keine genaueren  Zeitangaben  habe  machen  können.  Dieses  Vorbringen  muss  als  unbehelflicher  Erklärungsversuch  gewertet  werden.  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  einschneidende  Ereignisse  im  Gedächtnis  eines  Betroffenen  prägende  Spuren  hinterlassen,  worüber  detailliert,  insbesondere  auch  in  zeitlicher Hinsicht,  jeweils  berichtet werden  kann.  Ohne  abschliessende  Beurteilung  oder  Beanspruchung  auf  Vollständigkeit  von  ausweichenden,  unsubstanziierten  und  damit  unglaubhaften  Antworten  ist  zur  Veranschaulichung  in  diesem  Zusammenhang  auf  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  bei  der  direkten  Bundesanhörung  zu  verweisen.  Zur  Frage,  wann  er  das  letzte  Mal Hilfsdienste zugunsten der HPG ausgeübt habe, gab er zunächst zu  Protokoll,  sich  zurzeit  nicht  daran  zu  erinnern.  Auf  diverse  klärende  Nachfragen erklärte er sodann, vor der letzten Festnahme (1. Juni 2008)  Unterstützung  geleistet  zu  haben,  wobei  er  sich  nicht  mehr  daran  erinnern  könne,  ob  Tage,  Wochen  oder  Monate  davor,  ehe  er  die  Hilfsdiensttätigkeiten auf den Zeitraum zwischen dem Ereignis der Tötung  seines  Hundes  und  der  erwähnten  Festnahme  (1 Woche)  situierte.  Als  der  Befrager  auf  die  kurze  Zeitspanne  hinwies,  erklärte  der  Beschwerdeführer, dies nicht mehr so genau zu wissen, um – konfrontiert  mit  einer  kurz  zuvor  in  diesem  Zusammenhang  gemachten  Aussage –  schliesslich  zu  erklären,  nie  so  was  gesagt  zu  haben  (Protokoll  der  direkten  Bundesanhörung  S.  8  und  9).  Unstimmig  erweisen  sich  ausserdem  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  rund  um  das  Vorkommnis mit der Tötung seines Hundes. Bei der Erstbefragung  fand  in  seiner  Abwesenheit  (er  sei  als  Hirte  in  den  Bergen  gewesen)  eine  Razzia  im  Dorf  durch  das Militär  statt.  Man  habe  ihn  rufen  lassen  und  sein Hund sei umgebracht worden. Zudem habe  ihm das Militär  für den  Fall der Weigerung einer Zusammenarbeit angedroht, dass er das gleiche  Schicksal wie sein Hund erleiden würde (Protokoll EVZ S. 5). Beim BFM  waren  es  dagegen  zahlreiche  patrouillierende  Soldaten,  welche  seinen  Hund erschossen hätten, als er mit seinen Tieren auf der Weide gewesen  sei (Protokoll der direkten Bundesanhörung S. 4 und 8). Als realitätsfremd  zu  erachten  sind  seine Schilderung  hinsichtlich Umfang,  Art  und Weise  der  Unterstützungsleistungen  zugunsten  der  Guerilla.  Unter  dem  Blickwinkel  des  familiären  Hintergrunds  des  Beschwerdeführers  ist  insbesondere  befremdlich,  dass  er  während  rund  anderthalb  Jahren  regelmässig in Abständen von einer Woche oder zehn Tagen, die letzten 

D­47/2009 fünf bis sechs Monate vor der Ausreise gar mit Wissen der Behörden um  seine Tätigkeit,  diese mehr oder weniger unbeachtet und  relativ sorglos  weiterführen konnte (Protokoll der direkten Bundesanhörung S. 5 und 6).  Unterschiedlich  ausgefallen  sind  ferner  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  zu  den  Ausreisevorbereitungen.  Anlässlich  der  Anhörung im EVZ erklärte er, selbst den Schlepper organisiert, ihm Geld,  ein  Foto  sowie  die  verloren  gegangene  Identitätskarte  zur  Beschaffung  der  erforderlichen  Reisepapiere  gegeben  zu  haben.  Beim  Bundesamt  führte  er  jedoch  aus,  dass  der  Vater  die  Reise  organisiert  und  bezahlt  sowie  einen  Schlepper  ausfindig  gemacht  habe.  Auch  gab  er  dort  zunächst  zu  Protokoll,  seine  Identitätskarte  unterwegs  in  die  Schweiz  verloren zu haben, ehe er  später  im Verlaufe der Anhörung vorbrachte,  auf  der  Reise  keine  Papiere  auf  sich  gehabt  zu  haben,  bloss  dem  Schlepper  gefolgt  zu  sein  und  erst  bei  der  Passkontrolle  in  Moldawien  von diesem einen Pass bekommen zu haben, der ihm aber kurz nach der  Kontrolle wieder abgenommen worden sei (Protokoll EVZ S. 3; Protokoll  der  direkten  Bundesanhörung  S.  3,  10  und  11).  Angesichts  der  dargelegten  Kumulation  von  Unglaubhaftigkeitselementen  liegt  der  Schluss  nahe,  dass  letztlich  andere,  in  asylrechtlicher  Hinsicht  unbeachtliche  Gründe  für  die  Ausreise  des  Beschwerdeführers  massgebend gewesen sein dürften. 4.3. Die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zur  Asylrelevanz  seiner  Darlegungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  sind  nicht  geeignet,  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  führen.  Im  Zusammenhang  mit einer  (asylbeachtlichen) Gefährdungslage, welche aus der  familiären  Herkunft  des  Beschwerdeführers  resultieren  könnte,  kann  auf  die  nachfolgenden Erwägungen verwiesen werden (E. 4.4.2.) Hinsichtlich der  übrigen  während  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  geltend  gemachten  Gründe  ist  festzuhalten,  dass  sich  diese  auf  die  allgemeine  Benachteiligung  der  kurdischen  Minderheit  reduzieren  lassen,  was  praxisgemäss  –  wie  das  BFM  zutreffend  aufführt  –  keinen  Anwendungsfall  im Sinne von Art. 3 AsylG darstellt. Ergänzend  ist noch  darauf  hinzuweisen,  dass  dem  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  Mitgliedschaft bei der DTP (Demokratik Toplum Partisi), bei der er keine  Funktion  innehatte und zu der  sich die Beziehungen bloss  in Besuchen  ihres  Parteilokals  während  seiner  jeweiligen  Aufenthalte  in  der  Stadt  manifestierten,  keine  ernsthaften  Nachteile  widerfahren  sind  (Protokoll  der  direkten  Bundesanhörung  S.  6  und  7).  Schliesslich  sind  in  diesem  Zusammenhang noch die Ausreiseumstände des Beschwerdeführers  zu  erwähnen.  Gemäss  dessen  Schilderungen  ist  er  mit  einer  auf  den 

D­47/2009 Familiennamen  (A._______) ausgestellten  Identitätskarte, die unterwegs  in  die  Schweiz  verloren  ging,  sowie  mit  einem  mit  seinem  Foto  versehenen  Reisepass  (vgl.  E.  4.2.  hiervor)  über  den  Flughafen  G._______  problemlos  ausgereist.  In  Anbetracht  des  erwähnten  familiären Hintergrundes sowie der angeblichen behördlichen Suche nach  ihm  erscheint  es  indes  kaum  verständlich,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  ausgerechnet  auf  diese  Art  und  Weise  bei  den  bekanntermassen  rigorosen  Kontrollen  am  Flughafen  dem  Risiko  eines  möglichen Entdecktwerdens ausgesetzt haben soll. Ein solches Verhalten  spricht  jedenfalls  gegen  die  von  ihm  behauptete  (asylrelevante)  Gefährdungssituation.  4.4.  4.4.1.  Bezüglich  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Reflexverfolgung  ist  folgendes  festzuhalten:  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  –  in  Anlehnung  an  die  bisherige  Praxis  der  ARK  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  21)  –  davon  aus,  dass  in  der  Türkei  staatliche  Repressalien  gegen  Familienangehörige  von  politischen  Aktivisten  angewandt  werden,  die  als  sogenannte  Reflexverfolgung  flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne von Art. 3 AsylG sein können. Die  Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflexverfolgung zu werden,  ist gemäss  Praxis  vor  allem  dann  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen  Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermutung  hat,  dass  jemand  mit  der  gesuchten  Person  in  engem  Kontakt  steht.  Diese  Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich,  wenn  ein  nicht  unbedeutendes  politisches Engagement der reflexverfolgten Person für illegale politische  Organisationen  hinzukommt  beziehungsweise  ihr  seitens  der  Behörden  unterstellt wird (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.1 S. 195). 4.4.2. Vorliegend  sind  den  Akten  –  entgegen  den  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  –  keine  konkreten  Anhaltspunkte  zu  entnehmen,  inwiefern  der  Beschwerdeführer  wegen  seinen  sich  in  der  Schweiz  seit  Jahren aufhaltenden oder in der Türkei lebenden Verwandten ernsthaften  Nachteilen  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  ausgesetzt  gewesen  ist.  Die  in  diesem  Zusammenhang  erhobenen  Einwände  (nicht  ausreichende  Berücksichtigung  der  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  durch  eine  Anschluss­  bzw.  Reflexverfolgung;  asylrelevante  Druckversuche  und  Verfolgungsmassnahmen  des  türkischen  Staates  gegenüber  dem  Beschwerdeführer  allein  aufgrund  von  seinem  Familiennamen)  gehen 

D­47/2009 fehl. Zunächst  ist  festzuhalten, dass das BFM seiner Begründungspflicht  – wenn auch knapp – in rechtsgenüglicher Weise nachgekommen ist und  eine  sachgerechte  Anfechtung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  ermöglichte  (vgl.  I/2 S). Die Vorinstanz  zeigte  unter  dem Gesichtspunkt  einer  dem  Beschwerdeführer  zur  Verfügung  stehenden  innerstaatlichen  Fluchtalternative auf, dass er keiner landesweiten Suche und Verfolgung  durch  die  Sicherheitskräfte  ausgesetzt  ist.  Zudem  stellte  sie  mögliche,  dem Beschwerdeführer widerfahrene Schikanen nicht  in Abrede,  sprach  ihnen  jedoch  das  Erfordernis  der  vom  Gesetz  verlangten  Intensität  ab.  Was die unter Verweis auf ein Urteil der ARK gemachten Ausführungen  hinsichtlich  einer  Reflexverfolgung  allein  aufgrund  des  Familiennamens  anbelangt, so erweisen sich diese – da nicht konkret auf die Person des  Beschwerdeführers  bezogen –  entweder  als  zu  pauschal  oder  aufgrund  der Akten als mutmassend, spekulativ und damit unbehelflich. Nebst des  Eingangs  unter  E. 4.2.2.  Gesagten,  gab  der  Beschwerdeführer  unter  anderem  auf  die  Frage  der  Hilfswerkvertretung,  wie  er  sich  erklären  könne,  dass die HPG  ihn nicht  schon  früher  um Unterstützung gebeten  habe,  zu  Protokoll,  er  könne  dies  nicht  genau  sagen.  Sie  (die  HPG)  müsse  ihn  überprüft  haben  und  sein  Vertrauen  gewonnen  haben.  Vielleicht  habe  es  auch  etwas  mit  dem  Fall  seiner  ums  Leben  gekommenen  Cousine  (Z.D.)  väterlicherseits  (Anmerkung  des  Gerichts:  Z.D., Angehörige der Guerilla, wurde 1993 von Soldaten getötet und gilt  als  "Märtyrerin")  zu  tun.  Aufschlussreich  erweist  sich  in  diesem  Zusammenhang  auch  die  Aussage,  wonach  niemand  der  Familie  aktiv  bei  der  DTP  dabei  gewesen  sei,  obschon  alle  Mitglieder  dieser  Partei  seien. Eine Mitgliedschaft  bei  der HPG verneinte  der Beschwerdeführer  gar ausdrücklich (Protokoll der direkten Bundesanhörung S. 12 und 13).  Als erstaunlich muss vor dem geltend gemachten familiären Hintergrund  sodann  das  Vorbringen  gewertet  werden,  wonach  Soldaten  seit  seiner  Ausreise  bloss  zu  Hause  vorbeigeschaut  und  nach  ihm  gefragt  haben  sollen.  Dass  die  Familie  in  der  Türkei  aufgrund  seiner  Abwesenheit  namhaften nachteiligen Konsequenzen durch die heimatlichen Behörden  ausgesetzt  gewesen  sein  könnte,  ist  den  Protokollen  jedoch  nicht  zu  entnehmen.  Die  Familie  musste  aufgrund  seiner  Abwesenheit  "nur  Beschimpfungen  und  Erniedrigungen"  erleiden  (Protokoll  der  direkten  Bundesanhörung  S.  10).  Insgesamt  erfahren  diese  Schlussfolgerungen  noch  dadurch  an  Gewicht  respektive  gegen  das  Risiko  einer  Reflexverfolgung  spricht  letztlich  der  Umstand,  dass  die  zahlreichen,  denselben  Namen  tragenden  Mitglieder  der  Familie  des  Beschwerdeführers  im  engeren  und  weiteren  Sinne  noch  immer  in  der  Türkei leben und sich nicht zur Ausreise veranlasst sahen.

D­47/2009 4.4.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  verkennt  nicht,  dass  der  Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in die Türkei mit einer einlässlichen  Befragung  durch  die  Sicherheitsbehörden  konfrontiert  werden  könnte.  Anhand  der  Akten  besteht  jedoch  kein  Grund  für  die  Annahme,  ihm  drohten dabei Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG. 4.5. Abschliessend  und der Vollständigkeit  halber  sei  noch  auf  F. Gygi,  Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 321 hingewiesen.  Danach  braucht  sich  die  urteilende  Instanz  nicht  mit  allen  Parteistandpunkten  einlässlich  auseinanderzusetzen  und  jedes  einzelne  Vorbringen  ausdrücklich  zu  widerlegen.  Das  würde  häufig  einen  prozessökonomisch  nicht  vertretbaren  Aufwand  erheischen.  Das  Urteil  braucht  höchstens  zu  den wesentlichen Parteiauffassungen  Stellung  zu  beziehen  und  selbst  das  kann  auf  konkludente  Weise  dadurch  geschehen, dass die Urteilsgründe der entscheidenden Instanz schlüssig  in  Erscheinung  treten. Mit  Rücksicht  auf  die  vorerwähnten  Erwägungen  besteht  keine  Veranlassung,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  einzugehen.  Insbesondere  kann  bei  dieser  Sachlage  den  mangels  Fall­  und  teilweise  Aktualitäsbezug  eingereichten  Unterlagen  sowie  den  bestätigenden  Charakter  aufweisenden  Referenzschreiben  beweisrechtlich keine Bedeutung beigemessen werden. 4.6.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  darzutun  vermochte,  dass  er  einer  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3 AsylG  ausgesetzt  war  oder  begründete  Furcht  hat,  einer  solchen  ausgesetzt  werden  zu  können.  Er  kann  daher  nicht  als  Flüchtling  anerkannt  werden.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9; EMARK 2001 Nr. 21). 6. 

D­47/2009 6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 

D­47/2009 AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine Menschenrechtssituation  in  der  Türkei  lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 6.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In  der  Türkei  herrscht  zurzeit  weder  Krieg,  Bürgerkrieg  noch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  unter  diesem  Aspekt  von  der  generellen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  dieses  Land  auszugehen ist. Wie  vorstehend  ausgeführt,  muss  sich  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  die Türkei  keiner  konkreten Gefährdung  ausgesetzt  sehen.  Aufgrund  der  Aktenlage  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  ihm  Behelligungen  drohen,  die  zwar  nicht  die  von  Art.  3  EMRK  geforderte  Intensität  erreichen,  eine  Rückkehr  aber  trotzdem  als  unzumutbar  erscheinen  lassen.  Er  verfügt  in  seiner  Heimat  über  ein  familiäres  und  darüber  hinausgehendes  Beziehungsnetz  sowie  reichlich  Erfahrung  im 

D­47/2009 Erwerbsleben  (vgl.  Beschwerde  Ziff.  7.1  S.5),  so  dass  ihm  eine  Reintegration nicht allzu schwer fallen sollte. Nach dem Gesagten erweist  sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 6.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 6.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  ist  abzuweisen.  Abklärungen  haben  ergeben,  dass  der  alleinstehende  Beschwerdeführer  seit  dem  1.  Februar  2011  ununterbrochen einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Mithin  fehlt es an einer  der  kumulativ  zu  erfüllenden  Voraussetzungen  (bedürftig/nicht  aussichtslos)  der  nämlichen  gesetzlichen  Bestimmung.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  sind  demnach  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­47/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs. 1 VwVG) wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Contessina Theis Alfred Weber Versand:

D-47/2009 — Bundesverwaltungsgericht 15.12.2011 D-47/2009 — Swissrulings