Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 05.10.2011 D-4688/2011

5 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,574 mots·~8 min·1

Résumé

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 27. Juli 2011; Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juni 2011 / D-5465/2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4688/2011 Urteil   v om   5 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, B._______, geboren am _______, und C._______, geboren am _______, Kosovo, alle vertreten durch Annelise Gerber, _______, Beschwerdeführende/Gesuchstellende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen  Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 27.  Juli 2011 / N _______; Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juni 2011 / D­5465/2009.

D­4688/2011 Sachverhalt: A.  Das  BFM  lehnte  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden/Gesuchstellenden  (nachfolgend:  Beschwerdeführende)  vom 11. August  2007 mit Verfügung  vom 29.  Juli  2009  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Das  Bundesverwaltungsgericht  wies  die  dagegen  erhobene  Beschwerde vom 24. August 2009 mit Urteil  vom 16. Juni 2011 ab. Für  den  Inhalt  des  ordentlichen  Asylverfahrens  ist  auf  die  entsprechenden  Akten zu verwiesen. B.  B.a. Mit einer als "Wiedererwägungsgesuch" bezeichneten Eingabe vom  11. Juli  2011  gelangten  die  Beschwerdeführenden  an  das  BFM  und  liessen  dabei  im  Wesentlichen  vorbringen,  die  Einschätzung  der  Asylbehörden  zur  Lage  der  Goraner  in  Kosovo  sei  unzutreffend.  Namentlich die Situation der unfreiwilligen Rückkehrer sei prekär. Weiter  wurde  erstmals  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer  habe  während  des  Krieges  in  der  serbischen  Armee  gedient  und  sei  dabei  in  albanischen Nachbardörfern im Einsatz gewesen, weshalb er noch heute  bei den Albanern bekannt sei und Verfolgungshandlungen zu befürchten  habe. Zudem leide er nach wie vor unter psychischen Problemen, welche  in Kosovo nicht adäquat behandelt werden könnten. B.b. Zur Untermauerung dieser Vorbringen wurden mehrere Beweismittel  eingereicht:  ein  Schreiben  des  stellvertretenden  Gemeindepräsidenten  von  D._______  vom  21.  Mai  2010  (Kopie;  inkl.  Übersetzung),  eine  ärztliche  Bestätigung  vom  23.  Juni  2011  (inkl.  Übersetzung),  ein  Schreiben von M. H. vom 30. Juni 2011 (Kopie), ein ärztlicher Bericht des  Ambulatoriums für Folter­ und Kriegsopfer vom 23. März 2011 sowie ein  Bestätigungsschreiben des Hotels Marriott E._______ vom 4. Juli 2011. C.  Mit Eingabe vom 26. Juli 2011 wurde ein weiterer Arztbericht vom 19. Juli  2011 nachgereicht. D.  D.a.  Das  BFM  nahm  das  Gesuch  vom  11.  Juli  2011  als  Wiedererwägungsgesuch entgegen, wies es mit Verfügung vom 27. Juli  2011 – eröffnet am 28. Juli 2011 – ab und erklärte seine Verfügung vom  29. Juli 2009 für rechtskräftig und vollstreckbar. 

D­4688/2011 D.b. Zur Begründung seines Entscheids führte das BFM im Wesentlichen  aus,  die  im  Gesuch  vorgebrachten  Tatsachen  seien  in  wiedererwägungsrechtlicher Hinsicht nicht erheblich. Sowohl das BFM als  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  hätten  sich  bereits  ausführlich  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  geäussert.  Dabei  seien  auch  die  nun  erneut  geltend  gemachten  Probleme  mit  Albanern  abgehandelt  worden.  Im  Weiteren  könne  aufgrund  des  eingereichten  ärztlichen  Berichts  nicht  auf  die  Undurchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  geschlossen  werden.  Schliesslich  sei  darauf  hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer bisher nie erwähnt habe, dass  er  in  der  serbischen  Armee  gedient  habe.  Die  entsprechenden  Vorbringen  seien  als  nachgeschoben  und  folglich  unglaubhaft  zu  erachten. Auch  im Botschaftsbericht  (vgl. das ordentliche Asylverfahren)  fänden sich keinerlei  Indizien darauf, dass der Beschwerdeführer  infolge  seiner angeblichen Aktivitäten bei der serbischen Armee verfolgt worden  sei.  Mit  Blick  auf  diese  Erwägungen  seien  auch  die  eingereichten  Beweismittel  nicht  geeignet,  zu  einer  Wiedererwägung  der  Verfügung  vom 29. Juli 2009 zu führen.  E.  E.a. Die Beschwerdeführenden liessen diese Verfügung mit Beschwerde  vom  26.  August  2011  (vorab  per  Faxeingang;  Poststempel)  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechten.  Dabei  wurde  (sinngemäss)  beantragt,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  die  Verfügung  des  BFM  vom  29.  Juli  2009  sei  in Wiedererwägung  zu  ziehen  und  die  Beschwerdeführenden  seien  infolge  Unzulässigkeit  und/oder  Unzumutbarkeit  vorläufig  aufzunehmen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021) sowie um Wiederherstellung  der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde  respektive um den Erlass  vorsorglicher Massnahmen ersucht. E.b.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  vorgebracht,  der  Beschwerdeführer  könnte  mittels  einer  Bestätigung  der  Bürgerinitiative  (…)belegen, dass er von März bis Juni 1999 Militärdienst geleistet habe.  Er  habe  erst  im  Laufe  der  Zeit  und  nachdem  er  Vertrauen  zum  (…)  Kantonsrat  M.  H.  gefasst  habe,  über  die  Kriegserlebnisse  sprechen  können. Dies spreche nicht gegen die Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen.  Der  Beschwerdeführer  sei  auch  heute  noch  den  in  der  Heimatregion  lebenden  Albanern  bekannt,  daher  wäre  er  bei  einer  Rückkehr  dorthin 

D­4688/2011 Rachehandlungen  ausgesetzt.  Der  von  den  schweizerischen  (Asyl­ )Behörden  vorgenommenen  Einschätzung  der  Lage  der  Goraner  in  Kosovo  sei  unter  Hinweis  auf  die  diesbezüglich  eingereichten  Beweismittel zu widersprechen. Die Sicherheit und Bewegungsfreiheit der  Goraner sei nicht gewährleistet. Zudem würden sie auf dem Arbeitsmarkt,  namentlich bei Stellen im öffentlichen Sektor, diskriminiert. Sie hätten mit  Diebstählen und Übergriffen auf  ihre Häuser zu kämpfen, da die Grenze  zu  Albanien  ungesichert  sei.  Die  goranischen  Kinder  würden  praktisch  gezwungen,  in  bosnischsprachige  Schulen  zu  gehen,  und  eine  Weiterbildung  sei  nur  in  Serbien  möglich.  Im  Weiteren  sei  die  vom  Beschwerdeführer  benötigte  medizinische  Behandlung  in  Kosovo  nicht  gewährleistet.  Allgemein  wäre  es  für  die  Beschwerdeführenden  sehr  schwierig,  in  Kosovo  sichere  und  geordnete  Lebensbedingungen  zu  finden.  Der  Beschwerde  lagen  folgende  Beweismittel  bei:  Bestätigung  der  Bürgerinitiative  (…) vom 2. August 2011 (inkl. Übersetzung), Bericht der  Bürgerinitiative  (…)  vom  Februar  2011  (inkl.  Übersetzung),  Protokoll  eines Gesprächs der Rechtsvertreterin mit Dr. J. R. vom 10. August 2011,  Facharztbericht  der  Kreiskrankenhauses  Prizren  vom  23.  August  2011  (inkl.  Übersetzung),  Arztbericht  des  Ambulatoriums  für  Folter­  und  Kriegsopfer  vom  19.  Juli  2011,  persönliches  Schreiben  des  Beschwerdeführers vom 31. Juli 2011 (inkl. Übersetzung). F.  Mit  Zwischenverfügung  vom  2.  September  2011  teilte  der  Instruktionsrichter  vorab  mit,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  enthielten  teilweise  Revisionsgründe,  weshalb  sowohl  ein  Beschwerdeverfahren  (gegen  den  vorinstanzlichen  Wiedererwägungsentscheid)  als  auch  ein  Revisionsverfahren  eröffnet  werde.  Sodann  wies  er  die  Gesuche  um  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs und Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  ab  und  forderte  die  Beschwerdeführenden  auf,  bis  zum  19. September  2011  einen Kostenvorschuss  von Fr.  1'200.–  zu  leisten,  andernfalls  auf  die Beschwerde respektive das Revisionsgesuch nicht eingetreten werde. G.  Am  6.  September  2011  ging  beim  Bundesverwaltungsgericht  ein  vom  4. September  2011  datierendes  Unterstützungsschreiben  einer  Drittperson (M. H.) ein, mit dem Ersuchen, es sei wiedererwägungsweise  auf die Zwischenverfügung vom 2. September 2011 zurückzukommen.

D­4688/2011 H.  Der  erhobene  Kostenvorschuss  wurde  am  18.  September  2011  einbezahlt.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, welche von  einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  vorliegt.  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  zuständig  für  die  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Entscheide  des  BFM,  welche  in  Anwendung  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  ergangen sind, und entscheidet  in diesem Bereich endgültig, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  ausserdem  zuständig  für  die  Revision  von  Urteilen,  die  es  in  seiner  Funktion  als  Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1 S. 242). 1.2.  Wie  bereits  in  der  Zwischenverfügung  vom  2.  September  2011  festgestellt  wurde,  enthält  die  Eingabe  vom  11.  Juli  2011  sowohl  Elemente eines Wiedererwägungs­ als auch eines Revisionsgesuchs, da  darin  sowohl  eine  nachträgliche  Veränderung  des  Sachverhalts  (medizinische Vorbringen) geltend gemacht als auch vorgebracht wird, es  lägen  neue  Tatsachen  und  Beweismittel  vor,  welche  im  Zeitpunkt  des  Beschwerdeurteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  bereits  bestanden  hätten,  aber  während  des  ordentlichen  Verfahrens  nicht  vorgebracht  worden  seien.  Die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden werden  daher  im  Folgenden  teils  unter  dem  Aspekt  der  Beschwerde  gegen  den  Wiedererwägungsentscheid  des  BFM  vom  27.  Juli  2011,  teils  als  Revisionsgesuch  gegen  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  16.  Juni  2011  entgegengenommen  und  aus  prozessökonomischen  Gründen  gemeinsam  in  einem  einzigen  Entscheid  behandelt.  Dabei  ist  festzustellen,  dass  den  Beschwerdeführenden  dadurch,  dass  das  BFM  die  gesamte  Eingabe  vom  11.  Juli  2011  als  Wiedererwägungsgesuch  behandelt hat, kein Nachteil entstanden ist. 

D­4688/2011 2.  Nachfolgend  ist  zunächst  die  Beschwerde  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung vom 27. Juli 2011 (Wiedererwägungsentscheid) zu prüfen. 2.1.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.3.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet. 2.4. Ein Anspruch  auf Wiedererwägung  besteht  namentlich  dann, wenn  sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid  beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in  wesentlicher Weise  verändert  hat  und mithin  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene  Veränderungen  der  Sachlage  anzupassen  ist  (vgl.  die  nach  wie  vor  gültigen  und  zutreffenden  Ausführungen  in  den  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr. 7 E. 1 S. 42 f.). Eine Wiedererwägung fällt hingegen namentlich dann  nicht in Betracht, wenn lediglich eine neue Würdigung der beim früheren  Entscheid  bereits  bekannten  Tatsachen  herbeigeführt  werden  soll  oder  Gründe  angeführt  werden,  die  bereits  in  einem  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  gegen  die  frühere  Verfügung  hätten  geltend  gemacht werden können (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 2b S. 104).  2.5.  Im  vorliegenden  Fall  wird  unter  Hinweis  auf  die  eingereichten  Arztberichte  geltend  gemacht,  der  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  lasse  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Kosovo  unzumutbar  erscheinen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  dem  neu  eingereichten  Arztbericht  vom  19. Juli  2011  zu  entnehmen,  dass  der  Zustand  des  Beschwerdeführers  labiler  geworden  und  dieser  neu 

D­4688/2011 Suizidgedanken  für  den Fall  einer Ausschaffung  entwickelt  habe. Damit  wird  eine  nachträgliche  Veränderung  der  Sachlage  im  wiedererwägungsrechtlichen  Sinn  dargetan.  Allerdings  ist  diese  Veränderung nicht als wiedererwägungsrechtlich relevant zu bezeichnen,  zumal die gestellten Diagnosen (posttraumatische Belastungsstörung und  mittelgradige depressive Episode) seit dem letzten ärztlichen Bericht vom  23.  März  2011  (welcher  bereits  im  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  eingereicht  und  gewürdigt worden war)  unverändert  geblieben  sind  und  allfälligen  suizidalen  Tendenzen  im  Zusammenhang  mit  der  drohenden  Ausschaffung  bei  Bedarf  medikamentös  oder  psychotherapeutisch  entgegengewirkt  werden  könnte,  um  eine  konkrete  Gefahr  ernster  gesundheitlicher  Schäden  auszuschliessen.  Bezüglich  der  Behandelbarkeit  der gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers  kann  vollumfänglich  auf  die  diesbezüglichen  Ausführungen  im  Beschwerdeurteil  vom  16.  Juni  2011  verwiesen  werden  (vgl.  E.  7.6),  zumal  bezüglich  der  Infrastruktur  in  Kosovo  keine  Veränderung  der  Sachlage behauptet wird. 2.6.  Nach  dem  Gesagten  ist  festzustellen,  dass  bei  der  derzeitigen  Aktenlage  insgesamt  keine  gegenüber  der  Situation  im  Zeitpunkt  des  ordentlichen  Beschwerdeentscheids  vom  16.  Juni  2011  in  wiedererwägungsrechtlicher Weise  relevante Veränderung der Sachlage  vorliegt. Das BFM hat das Gesuch vom 11. Juli 2011 demnach bezüglich  der geltend gemachten Wiedererwägungsgründe zu Recht abgewiesen.  2.7. Daraus  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist somit  abzuweisen. 3.  Bezüglich  der  seitens  der  Beschwerdeführenden  sinngemäss  geltend  gemachten Revisionsgründe ist Folgendes zu bemerken: 3.1.  Gemäss  Art.  45  VGG  gelten  für  die  Revision  von  Urteilen  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Art.  121  ­  128  BGG  sinngemäss.  Nach  Art.  47  VGG  findet  auf  Inhalt,  Form  und  Ergänzung  des  Revisionsgesuches Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung. 3.2.  Mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  wird  die  Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen 

D­4688/2011 Beschwerdeentscheids  angefochten, mit  dem Ziel,  dass  die Rechtskraft  beseitigt  wird  und  über  die  Sache  neu  entschieden  werden  kann  (vgl.  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  2.  Aufl., Bern 2005, S. 269).  3.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  zieht  auf  Gesuch  hin  seine  Urteile  aus den in Art. 121 ­ 123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45  VGG). Nicht als Revisionsgründe geltend Gründe, welche die Partei, die  um  Revision  nachsucht,  bereits  im  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  hätte geltend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG). 3.4. Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund  anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von  Art. 124 BGG darzutun (Art. 47 VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG). 3.5.  Die  Beschwerdeführenden  brachten  in  ihrer  Eingabe  vom  11.  Juli  2011 respektive ihrer Beschwerde vom 26. August 2011 sinngemäss vor,  es  lägen neue Tatsachen und Beweismittel  vor, welche geeignet  seien,  zu  einer  Neueinschätzung  der  Frage  der  Zulässigkeit  beziehungsweise  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  zu  führen.  Damit  wird  sinngemäss  der Revisionsgrund  von Art. 123 Abs.  2  a BGG angerufen.  Von  der  Rechtzeitigkeit  ist  vorliegend  ohne  weiteres  auszugehen,  da  zwischen  dem  sinngemäss  angefochtenen  Beschwerdeurteil  vom  16.  Juni  2011  und  der Eingabe  vom 26. August  2011 weniger  als  90 Tage  liegen.  Die  Begehren  für  den  Fall  eines  neuen  Beschwerdeentscheids  ergeben  sich  sinngemäss  aus  den  in  der  Beschwerde  gestellten  Rechtsbegehren.  Nachdem  der  erhobene  Kostenvorschuss  fristgerecht  einbezahlt wurde, ist auf das sinngemässe Revisionsgesuch einzutreten.  3.6.  Die  Revision  eines  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  in  öffentlich­rechtlichen Angelegenheiten kann gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst.  a  BGG  verlangt  werden,  wenn  die  ersuchende  Partei  nachträglich  erhebliche Tatsachen erfährt oder entscheidende Beweismittel auffindet,  die sie  im  früheren Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss  der Tatsachen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden  sind. Dass es einer um Revision ersuchenden Partei nicht möglich war,  Tatsachen und Beweismittel bereits  im früheren Verfahren beizubringen,  ist nur mit Zurückhaltung anzunehmen. Der Revisionsgrund der unechten  Noven  dient  nämlich  nicht  dazu,  bisherige  Unterlassungen  in  der  Beweisführung  wieder  gutzumachen  (vgl.  ELISABETH ESCHER,  in:  Basler  Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, N. 8 zu Art. 123 BGG). 

D­4688/2011 3.7. Von den Beschwerdeführenden wird  in  revisionsrechtlicher Hinsicht  wie  erwähnt  sinngemäss  vorgebracht,  es  lägen  neue  Tatsachen  und  Beweismittel  vor, welche  geeignet  seien,  zu  einer Neueinschätzung  der  Frage  der  Zulässigkeit  und  der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  zu führen (vgl. dazu vorstehend Abschnitt B. und E.). Dieser Auffassung  kann jedoch aus nachfolgenden Erwägungen nicht gefolgt werden: 3.7.1.  Das  Schreiben  des  stellvertretenden  Gemeindepräsidenten  von  D._______  vom  21. Mai  2010  sowie  das  Schreiben  der  Bürgerinitiative  (…)  vom  21.  März  2011  hätten  ohne  weiteres  bereits  im  Rahmen  des  ordentlichen Beschwerdeverfahrens eingereicht werden können und sind  daher  als  verspätet  zu  qualifizieren.  Ohnehin  sind  diese  Schreiben  inhaltlich nicht geeignet, an der im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  vom  16.  Juni  2011  getroffenen  Einschätzung,  wonach  der  Wegweisungsvollzug zulässig und zumutbar sei, etwas zu ändern, zumal  sie  nicht  auf  die  individuelle  Situation  der  Beschwerdeführenden  Bezug  nehmen. Die ärztliche Bestätigung vom 23. Juni 2011 hätte auch bereits  im  Rahmen  des  ordentlichen  Beschwerdeverfahrens  beschafft  werden  können  und  ist  zudem  ebenfalls  als  nicht  erheblich  zu  qualifizieren,  da  bereits  im Beschwerdeurteil  vom 16.  Juni  2011  festgestellt worden war,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  zuzumuten,  sich  zur  Behandlung  seiner  psychischen Probleme nach Prizren zu begeben. Auch der Inhalt der von  der  Rechtsvertreterin  protokollierten  Unterhaltung  mit  Dr. J. R.  vom  10.  August  2011  sowie  der  eingereichte  Facharztbericht  vom  23.  August  2011  (welcher  im  Übrigen  nicht  den  Beschwerdeführer  betrifft)  sind  revisionsrechtlich nicht relevant, zumal darin grundsätzlich bestätigt wird,  dass  die  medizinische  Versorgung  in  Kosovo  gewährleistet  ist,  wenn  auch  nicht  auf  demselben  Niveau  wie  in  der  Schweiz.  Die  in  den  genannten  Unterlagen  enthaltenen  Aussagen  sind  nach  dem Gesagten  nicht  geeignet,  die  Erwägungen  im Urteil  vom  16. Juni  2011  betreffend  die  Zulässigkeit  und  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Kosovo umzustossen. 3.7.2.  Seitens  der  Beschwerdeführenden  wird  ausserdem  vorgebracht,  der  Beschwerdeführer  hätte  bei  einer  Rückkehr  nach  Kosovo  infolge  seiner  Kriegsbeteiligung  in  der  serbischen  Armee  noch  heute  Rachehandlungen  seitens  der  albanischen  Bevölkerung  zu  befürchten.  Diese Aussage wird durch eine Bestätigung der Bürgerinitiative (…) vom  2. August  2011  sowie  ein  Unterstützungsschreiben  von  M.  H.  vom  30.  Juni 2011 untermauert. Dieses Vorbringen sowie die damit verbundenen  Beweismittel sind  indessen klarerweise als verspätet zu erachten, da es 

D­4688/2011 den  Beschwerdeführenden  durchaus  zumutbar  und  möglich  gewesen  wäre,  diese  Tatsachen  bereits  im  ordentlichen Asylverfahren  zumindest  anzudeuten.  Im  Übrigen  ist  ohnehin  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  der  Beschwerdeführer  glaubt,  wegen  seiner  Kriegsbeteiligung  noch  heute  gezielt  von  Albanern  verfolgt  zu  werden,  zumal  dieser  Krieg  nun  über  zehn Jahre zurückliegt und der Beschwerdeführer den Akten zufolge (vgl.  das  von  ihm  selbst  verfasste  Schreiben  vom  31.  Juli  2011)  niemanden  getötet  hat.  Schliesslich  ist  in  diesem  Zusammenhang  darauf  hinzuweisen,  dass  bereits  im  Beschwerdeurteil  vom  16.  Juni  2011  bezüglich  der  schon  damals  (in  anderem  Kontext)  geltend  gemachten  Behelligung durch Albaner festgestellt worden ist, dass die Behörden des  Heimatlandes grundsätzlich schutzfähig und schutzwillig sind. Aus diesen  Gründen  ist dieses nachgeschobene Vorbringen nicht nur als verspätet,  sondern darüber hinaus als nicht erheblich zu qualifizieren. 3.8. Mit Blick auf die vorstehenden Erwägungen ist festzustellen, dass die  Beschwerdeführenden mit  ihrer Eingabe vom 11. Juli 2011 offensichtlich  bezweckt haben, durch die Geltendmachung von bisher verschwiegenen  Vorbringen  und  das  Einreichen  von  Beweismitteln,  welche  bereits  im  Rahmen  des  ordentlichen  Asylverfahrens  hätten  beigebracht  werden  können, eine neue, günstigere Beurteilung ihrer Asylgesuche zu erwirken.  Das  Revisionsverfahren  stellt  indessen  kein  dem  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  nachgelagertes  Verfahren  dar,  in  dem  bereits  gewürdigte oder neue Vorbringen, die bereits  im ordentlichen Verfahren  hätten  geltend  gemacht werden  können oder müssen,  beurteilt werden.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  vorliegenden  Vorbringen  und  Beweismittel  nach  dem Gesagten  keine  Revisionsgründe  im  Sinne  von  Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG darstellen, weshalb das sinngemässe Gesuch  um  Revision  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  16.  Juni  2011 abzuweisen ist. 4.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten von Fr. 1'200.–  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG,  Art.  37  VGG  sowie  Art.  68  Abs.  2  VwVG;  Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den im  gleichen Umfang geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und mit diesem zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­4688/2011 D­4688/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das sinngemässe Revisionsgesuch wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.–  werden  den  Beschwerdeführenden/Gesuchstellenden auferlegt. Sie sind durch den in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  gedeckt  und  werden  mit  diesem verrechnet. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden/Gesuchstellenden,  das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

D-4688/2011 — Bundesverwaltungsgericht 05.10.2011 D-4688/2011 — Swissrulings