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Bundesverwaltungsgericht 25.08.2011 D-4618/2011

25 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·766 mots·~4 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. August 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4618/2011/sed Urteil   v om   2 5 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien X._______, geboren am _______, Eritrea,  _______ Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 4. August 2011 / _______.

D­4618/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Beschwerdeführer  sein  Heimatland  gemäss  eigenen  Angaben  am 28. März 2007 verliess und über den Sudan,  Libyen und  Italien am  17.  April  2011  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er  am  selben  Datum  ein  Asylgesuch stellte,  dass er dazu am 5. Mai 2011 summarisch befragt wurde,  dass aufgrund einer Abfrage der Eurodac­Datenbank festgestellt worden  war,  dass  der  Beschwerdeführer  am  28.  März  2011  in  Italien  ein  Asylgesuch gestellt hatte, dass  ihm  das  BFM  anlässlich  der  Summarbefragung  das  rechtliche  Gehör zur möglichen Zuständigkeit  Italiens für das Asylverfahren und zu  einer allfälligen Wegweisung dorthin gewährte, dass der Beschwerdeführer darlegte, dort nicht leben zu wollen,  dass  das  BFM  am  13.  Juli  2011  –  gestützt  auf  die  Bestimmungen  der  Verordnung  (EG)  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  ein  Ersuchen  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers an Italien sandte, dass  dieses Ersuchen  von  italienischer Seite  innert massgeblicher  Frist  nicht beantwortet wurde,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  4.  August  2011  –  eröffnet  am  12.  August 2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz sowie  den  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  anordnete  und  festhielt,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  komme  keine  aufschiebende Wirkung zu,  dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung der Frist – bis spätestens am 28. Januar 2012 zu erfolgen  habe,

D­4618/2011 dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  den  vorgängigen  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in  Italien  und  das  an  Italien  gerichtete  Gesuch  um  Übernahme,  welches  innert  massgeblicher  Frist  von  Italien  nicht  beantwortet  worden  sei  –  auf  die  Zuständigkeit  Italiens  für  die  Behandlung des Asylgesuchs verwies, dass  es  festhielt,  der  Beschwerdeführer  habe  keine  relevanten  Argumente gegen die beabsichtigte Überstellung vorbringen können,  dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs  zu  bejahen seien, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  22.  August  2011  (Datum  der Postaufgabe) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob, dass er die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Rückweisung  der Sache an das BFM zur materillen Prüfung, den Erlass vorsorglicher  Massnahmen  beziehungsweise  die  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung der Beschwerde, eventualiter  die Aussetzung des Vollzugs der  Wegweisung  nach  Italien  sowie  die  unentgeltliche  Prozessführung  (Art.  65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968  [VwVG,  SR  172.021])  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht  beantragte, dass  er  zur  Begründung  geltend  machte,  in  Italien  kein  Asylgesuch  gestellt zu haben,  dass  er  lediglich  behördlich  angehalten,  daktyloskopiert  und  zum  Verlassen des Landes aufgefordert worden sei,  dass  Italien,  welches  auf  das  Rückübernahmegesuch  überdies  nicht  geantwortet habe, somit nicht zuständig für sein Asylverfahren sei,  dass die dortigen Aufenthaltsbedingungen prekär seien,  dass er in diesem Zusammenhang auf eine Internetpublikation verwies,  dass  er  zur  Zeit  in  ärztlicher  Behandlung  stehe,  auf  einen  Operationstermin warte und ein Arztzeugnis nachreichen könne,  dass der Eingabe ein Aufgebot für einen Spitaleintritt beilag, 

D­4618/2011 dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  23.  August  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsgesuches  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31  und  33   des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder  das AsylG nichts anderes bestimmen (vgl. Art. 37 VGG sowie Art. 6 und  105 AsylG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  des  legitimierten  Beschwerdeführers  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  und  Art.  52  VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  die  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  offensichtlich  unbegründet  ist, weshalb darüber  in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Entscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache die Anträge auf Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  im  Sinne  von  Art.  107a  AsylG,  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs  und  Kostenvorschussverzicht gegenstandslos werden, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

D­4618/2011 dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  dem  dokumentiertem  Eurodac­ Treffer  in  Italien  entgegen  seinen  Vorbringen  am  28.  März  2011  ein  Asylgesuche stellte und von dort kommend in die Schweiz eingereist ist,  dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung zu verweisen  ist –  Italien  für die Prüfung des Asylantrags  des Beschwerdeführers grundsätzlich zuständig ist, dass  Italien  das  Ersuchen  des  BFM  um  Übernahme  der  Beschwerdeführenden (nach Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO) innert der  vorliegend massgeblichen Frist von zwei Wochen nicht beantwortete,  dass  Italien  seine  Zuständigkeit  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten  Verfristung  entgegen  den  Beschwerdevorbringen mithin akzeptiert hat (Art. 20 Abs. 1 Bst. b und c  Dublin­II­VO), dass so die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid  in Anwendung  von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist,  dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der  Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ist  und  vorliegend  keine  Hinweise  darauf bestehen, Italien würde sich im Falle des Beschwerdeführers nicht  an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten, dass  sich  das  italienische  Asylsystem  aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen  Raum  verbunden  mit  erhöhtem  Zustrom  von  Asylsuchenden  zwar mit  erheblichen  Kapazitätsproblemen  konfrontiert sieht,  dass  Italien  aufgrund  seiner  stillschweigende  Zustimmung  indes  verpflichtet ist, über das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu befinden,  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  der  italienische  Staat  würde  den  Zugang  zu  einem  funktionierenden  Asylverfahren  nicht  gewährleisten,  dass  die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  er  habe  gar  kein  Asylgesuch  gestellt,  nach  dem  Gesagten  nicht  mit  den  Akten 

D­4618/2011 übereinstimmt  und  dies  ohnehin  unerheblich  wäre,  zumal  es  an  der  Zuständigkeit Italiens nichts zu ändern vermöchte,  dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können,  wobei  sich  bereits  vorbestandene  Kapazitätsprobleme in der jüngsten Zeit akzentuiert haben dürften,  dass jedoch auch unter Berücksichtigung dieser Umstände entgegen den  Beschwerdevorbringen  kein  Anlass  zur  Annahme  besteht,  der  Beschwerdeführer  gerate  nach  der  Rückführung  in  Italien  in  eine  existenzielle Notlage,  dass  der  Beschwerdeführer  seinen  Rekurs  auch  mit  medizinischen  Problemen  begründet  (ärztliche  Behandlung  verbunden  mit  einem  Operationstermin),  dass  allfällige  Krankheiten  indes  in  Italien  abgeklärt  und  grundsätzlich  (auch  operativ)  weiterbehandelt  werden  können,  weshalb  die  geltend  gemachte gesundheitliche Beeinträchtigung des Beschwerdeführers nicht  gegen die Rückführung nach Italien spricht, dass es sich demnach rechtfertigt, von weiteren Abklärungen abzusehen  respektive  keine  Frist  zur  Nachreichung  medizinischer  Unterlagen  anzusetzen, dass  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  der  Nichteintretensentscheid  in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Italien  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  entspricht  und  von  daher  im  Einklang  mit  der  Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht, dass in diesem Sinne das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Italien  zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,  dass nach den vorstehenden Erwägungen kein Anlass zur Ausübung des  Selbsteintrittsrechts  im  Sinne  von  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  (weder  wegen  einer  drohenden  Verletzung  von  Völkerrecht  noch  aus  humanitären Gründen; vgl. BVGE E 7221/2009 vom 10. Mai 2011 E. 4 ff.)  besteht  respektive  bestand,  womit  die  angefochtene  Verfügung  zu 

D­4618/2011 bestätigen  und  die  eingereichte  Beschwerde  als  offensichtlich  unbegründet abzuweisen ist,  dass das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten  im Sinne von Art. 65  Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da sich die Beschwerde von Anfang an als  aussichtslos erwiesen hat,  dass  die  Kosten  des  Verfahrens  von  Fr.  600.–  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (vgl.  dazu  Art. 63  Abs.  1  VwVG  sowie  Art. 1­3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­4618/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

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