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Bundesverwaltungsgericht 08.11.2011 D-4580/2009

8 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,893 mots·~9 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Juli 2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4580/2009 Urteil   v om   8 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Dr. iur. Jean­Pierre Bloch, Rechtsanwalt,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Juli 2009 / N (…).

D­4580/2009 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  –  ein  srilankischer Staatsangehöriger  tamilischer Ethnie – seine Heimat am 5.  September 2008 und reiste nach Malaysia, wo er sich knapp acht Monate  bei seinem Schlepper in Kuala Lumpur aufhielt. Am 2. Mai 2009 setzte er  seine  Reise  fort  und  kam  tags  darauf  in  Rom  an.  Nach  einem  mehrtägigen Aufenthalt in Italien reiste er schliesslich am 16. Mai 2009 in  die  Schweiz  ein  und  suchte  am  18.  Mai  2009  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe um Asyl nach. B.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuches  machte  der  Beschwerdeführer  anlässlich der Befragung vom 26. Mai 2009 und der Anhörung vom 18.  Juni  2009  im  Wesentlichen  geltend,  dass  er  (…)  eines  Mordes  verdächtigt und deswegen  inhaftiert gewesen sei. Am (…) sei er  jedoch  wieder  freigekommen.  Im  Januar  2008  sei  er  von  drei  Personen  mitgenommen und verhört worden. Sie hätten von ihm wissen wollen, wer  die Person ermordet habe, wegen welcher er (…) in Haft gewesen sei. Er  habe  ihnen  jedoch diesbezüglich keine Auskunft geben können. Weil er  sich  geweigert  habe,  ein  leeres  Papier  zu  unterschreiben,  sei  er  misshandelt  worden.  Am  nächsten  Tag  habe  er  das  Schriftstück  unterzeichnet,  und  sie  hätten  ihn  unter  der Bedingung  gehen  gelassen,  dass  er  ihnen  am  folgenden Tag  500'000  srilankische Rupien  bezahlen  würde.  Er  sei  dieser  Forderung  nachgekommen  und  habe  sich  anschliessend  zwei Monate  bei  einem  Freund  versteckt.  Anschliessend  habe er Sri Lanka verlassen. Als Beweismittel  reichte der Beschwerdeführer den Polizeibericht  seiner  Festnahme vom (…)  inklusive einer Übersetzung  in Englisch sowie eine  Bestätigung  seiner  Registrierung  bei  der  Polizei  in  Colombo  zu  den  Akten. C.  Mit Verfügung vom 10. Juli 2009 – eröffnet am 13.Juli 2009 – lehnte das  BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzeitig  die Wegweisung  und  den  Vollzug  aus  der  Schweiz  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre Verfügung  im Wesentlichen damit,  dass die Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht standhielten, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 

D­4580/2009 Demzufolge  erfülle  er  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass  das  Asylgesuch  abzulehnen  sei.  Überdies  sei  der  Vollzug  der Wegweisung  als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. D.  Mit in französischer Sprache gehaltener Eingabe vom 16. Juli 2009 erhob  der Beschwerdeführer  beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde  und  beantragte, die angefochten Verfügung sei aufzuheben, es sei ihm in der  Schweiz Asyl zu gewähren, und er sei demzufolge nicht aus der Schweiz  wegzuweisen.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  23.  Juli  2009  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  mit,  dass  er  den  Ausgang des Verfahrens  in der Schweiz abwarten könne. Zudem wurde  er  –  unter  Hinweis  auf  die  Säumnisfolgen  –  aufgefordert,  bis  zum  12.  August  2009  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. F.  Am  5.  August  2009  bezahlte  der  Beschwerdeführer  den  einverlangten  Kostenvorschuss. G.  Mit  Verfügung  vom  27.  August  2009  wurde  die  Vorinstanz  gestützt  auf  Art. 57  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  ersucht,  eine  Vernehmlassung einzureichen. H.  In seiner Vernehmlassung vom 11. September 2009 beantragte das BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Diese  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  15.  September  2009  zur  Kenntnisnahme  zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

D­4580/2009 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Es  liegt kein solches Auslieferungsbegehren vor, weshalb  das Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich Asyl. 3.2. Flüchtlinge  im Sinne  von Art.  3  AsylG  sind Personen,  die  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten 

D­4580/2009 namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken. 3.3. Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile  von  bestimmter  Intensität  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt  zu werden  drohen  und  vor  denen  sie  keinen  ausreichenden  staatlichen  Schutz  erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und BVGE 2008/4 E. 5, sowie  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK]  in  EMARK  1995  Nr.  2  E. 3a, 2006 Nr. 18 E. 7­10 und Nr. 32 E. 8.7). Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  sind  die  tatsächlichen Verhältnisse, wie sie sich im Zeitpunkt der Entscheidfällung  präsentieren.  Ausgangspunkt  der  Prüfung  ist  die  Frage  nach  der  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  vorhandenen  Furcht  vor  einer  absehbaren  Verfolgung  im  Heimatstaat.  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  zugunsten  und  zulasten  der  ein  Asylgesuch  stellenden Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE 2008/4 E. 5.4 mit weiteren Hinweisen). 4.  4.1.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.2. Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Die  asylsuchende  Person  muss  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre  Vorbringen  auf 

D­4580/2009 gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt,  wenn  sie  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  impliziert  ferner  –  im  Gegensatz  zum  strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum  für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der asylsuchenden  Person.  Eine  Behauptung  gilt  bereits  als  glaubhaft  gemacht,  wenn  der  Richter oder die Richterin von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie  aber überwiegend  für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind.  Für  die Glaubhaftmachung  reicht  es  demgegenüber  nicht  aus,  wen  der  Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber  in Würdigung der gesamten  Aspekte  wesentliche  und  überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte  Darstellung  des  Sachverhalts  sprechen.  Entscheidend  im  Sinne  einer  Gesamtwürdigung  ist,  ob  die  für  die  Richtigkeit  des  dargelegten  Sachverhalts  sprechenden  Gründe  überwiegen  oder  nicht;  dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. 5.  5.1. Zur Begründung  ihres ablehnenden Entscheides  vom 10.  Juli  2009  führte  die  Vorinstanz  aus,  dass  der  Wahrheitsgehalt  wesentlicher  Vorbringen,  die  ohne  zwingenden  Grund  im  weiteren  Verlauf  des  Verfahrens  nicht  mehr  geltend  gemacht  worden  seien,  zweifelhaft  sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  bei  der  Befragung  zu  Protokoll  gegeben,  dass Personen des CID (Criminal  Investigation Department)  ihn am (…)  noch einmal angerufen und mit dem Tod bedroht hätten, falls er das Geld  nicht  bringen  würde  (vgl.  A4,  S.  6).  Während  der  Anhörung  habe  er  hingegen  erzählt,  sie  hätten  ihn  am  (…)  erneut  telefonisch  um  Geld  erpresst. Er habe  ihnen  jedoch gesagt,  dass er nicht  zahlen werde und  habe  anschliessend  sein Mobiltelefon  ausgeschaltet. Die Todesdrohung  vom (…) habe er nicht mehr erwähnt (vgl. A7, S. 10). Des weiteren seien  Vorbringen  dann  widersprüchlich,  wenn  im  Verlaufe  des  Verfahrens  zu  wesentlichen  Punkten  unterschiedliche  Angaben  gemacht  würden.  Er  habe  bei  der  Befragung  zur  Person  ausgesagt,  dass  er  während  des  Verhörs  gezwungen worden  sei, Urin  zu  trinken  (vgl.  A4,  S. 5).  Bei  der  Anhörung habe er jedoch erzählt, sie hätten ihm den Urin über den Kopf  geleert, als er diesen nicht habe  trinken wollen  (vgl. A7, S. 5). Überdies  seien  Vorbringen  dann  unglaubhaft,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  der allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns widersprächen.  Der Beschwerdeführer habe zu Protokoll gegeben, er habe sich nach der  Gelderpressung bei einem Freund aufgehalten. Er sei jedoch nicht in der 

D­4580/2009 Lage gewesen, den Nachnamen seines Freundes anzugeben, obwohl er  zwei Monate bei ihm gewohnt haben wolle (vgl. A4, S. 6). Zudem könne  in  keiner  Weise  nachvollzogen  werden,  wieso  sich  das  CID  erst  drei  Jahre  nach dem Tod einer  für  das Departement  anscheinend wichtigen  Person  an  den  Beschwerdeführer  gewendet  habe,  um  diesbezüglich  Informationen  zu  erhalten  (vgl.  A7,  S.  6).  Demzufolge  müssten  die  genannten Vorbringen allesamt als unglaubhaft qualifiziert werden. Schliesslich  vermöchten  an  diesen  Erwägungen  auch  die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Dokumente  nichts  zu  ändern,  stützten  sie  doch  lediglich  Vorbringen,  deren  Glaubhaftigkeit  vorliegend  nicht  in  Frage gestellt werde. 5.2.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  vom  16.  Juli  2009  wiederholte  und  präzisierte der Beschwerdeführer  im Wesentlichen seine Vorbringen, die  er  bereits  während  der  Befragung  beziehungsweise  Anhörung  gemacht  hatte  und  nahm  Stellung  zu  den  von  der  Vorinstanz  als  unglaubhaft  beziehungsweise  als  widersprüchlich  beurteilen  Vorbringen.  Zudem  verwies  er  auf  die  allgemein  schwierige  humanitäre  Lage  im  Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Sri Lanka. 6.  6.1. Das BFM hat im angefochtenen Entscheid zu Recht festgestellt, dass  der  Beschwerdeführer  das  wesentliche  Asylvorbringen  der  an  ihn  vom  CID  gerichteten  Todesdrohung  zwar  bei  der  Befragung  zu  Protokoll  gegeben,  dieses  zentrale  Element  seiner  Verfolgungsgeschichte  jedoch  während  der  Anhörung  mit  keinem  Wort  mehr  erwähnt  hat.  Zudem  erstaunt  die  unterschiedliche  Schilderung  der  erlittenen  Folter  im  Zusammenhang mit dem Trinken beziehungsweise dem über seinen Kopf  geleerten Urin während des Verhörs. Überdies  ist nicht nachvollziehbar,  weshalb  sich  das CID  erst  drei  Jahre  nach  der  Tötung  einer  für  dieses  bedeutenden  Person  an  den  Beschwerdeführer  gewendet  hat.  Deshalb  sind  diese  elementaren Vorbringen  als  unglaubhaft  zu  qualifizieren.  Bei  den Äusserungen  des Beschwerdeführers  handelt  es  sich  offensichtlich  um  ein  Sachverhaltskonstrukt,  dem  es  an  Realkennzeichen  und  der  subjektiven Betroffenheit fehlt. 6.2. Die  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom  16.  Juli  2009  sind  nicht  geeignet,  eine  Änderung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu  bewirken. Der Argumentation der Vorinstanz werden keine stichhaltigen,  substanziierten  und  vor  allem  belegten  Gründe  entgegengehalten.  Um 

D­4580/2009 Wiederholungen  zu  vermeiden, wird  deshalb  vorab auf  die  zutreffenden  Erwägungen  der  Vorinstanz  verwiesen.  Auch  der  Einwand  des  Beschwerdeführers,  dass  die Widersprüchlichkeit  seiner  Vorbringen  auf  die schlechte Arbeit des Übersetzers zurückzuführen sei, vermag nicht zu  überzeugen.  Er  hat  den  Wahrheitsgehalt  seiner  in  den  jeweiligen  Protokollen anlässlich der Befragung sowie der Anhörung festgehaltenen  Aussagen durch seine Unterschrift bestätigt, weshalb er diese gegen sich  gelten  lassen muss. Die auf der  letzten Seite des Anhörungsprotokolles  (vgl.  A7,  S.  13)  von  der  Hilfswerksvertretung  ergänzend  angebrachten  handschriftlichen  Notizen  zielen  auf  die  vom  Beschwerdeführer  vorher  gemachten  Vorbringen  ab,  wiederholen  diese  teilweise  und  fassen  wesentliche  Punkte  noch  einmal  zusammen.  Eine  Kritik  am Übersetzer  oder  an  sonstigen  Gegebenheiten  anlässlich  der  Anhörung  unterbleibt  jedoch.  Die  diesbezügliche  Beanstandung  muss  somit  als  nachgeschoben bezeichnet werden. 6.3.  Zusammenfassend  bestätigt  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Erkenntnis  des  BFM,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführer  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  standhalten,  so  dass  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  muss.  Es  erübrigt sich, auf weitere Vorbringen in der Beschwerde einzugehen, weil  sie  an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern  vermögen.  Der  Beschwerdeführer  erfüllt  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  das  BFM  hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 

D­4580/2009 vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Sri  Lanka  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig.

D­4580/2009 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Sri  Lanka  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Sri  Lanka  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 8.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl 2002  3818). 8.4.1.  Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  angesichts  der  veränderten Lage nach dem Ende des sri­lankischen Bürgerkriegs im Mai  2009  kürzlich  eine  neue  Beurteilung  der  Situation  und  der  entsprechenden  Zumutbarkeitskriterien  vorgenommen.  Dabei   ist  es  im  Wesentlichen  zu  folgender  Einschätzung  gelangt  (a.a.O.,  E. 13.2.1):  Im  Distrikt Jaffna hat sich die Lage in den vergangenen zwei Jahren deutlich  gebessert,  und  die  Versorgungslage  ist  entspannt.  Die  Polizei­  und  Zivilbehörden  haben  ihre  Funktionen  und  Tätigkeiten  wieder  aufgenommen  beziehungsweise  von  den  Militärbehörden  übernommen.  Es  herrscht  hier  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  und  die  politische  Lage  ist  nicht  dermassen  angespannt,  dass  eine  Rückkehr  hierhin  als  generell  unzumutbar  eingestuft  werden  müsste.  Angesichts  der  im  humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie  vor  fragilen Lage  ist  aber  im Hinblick auf den Vollzug der Wegweisung  in dieses Gebiet eine 

D­4580/2009 sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  vorzunehmen.  Dabei  ist  neben  allgemeinen  Faktoren  (wie  sozio­ökonomischen  und  medizinischen  Aspekten,  dem  Kindeswohl usw.) auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu  tragen (zum Folgenden BVGE E­6220/2006 E. 13.2.1.1 f.). Für Personen,  die  aus  der  Nordprovinz  stammen  und  dieses  Gebiet  erst  nach  Beendigung  des  Bürgerkrieges  im  Mai  2009  verlassen  haben,  ist  der  Wegweisungsvollzug zurück in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar  zu  beurteilen,  wenn  davon  ausgegangen  werden  kann,  dass  die  betreffende  Person  auf  die  gleiche  oder  gleichwertige  Lebens­  und  Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausreise bestand,  und  dem  Wegweisungsvollzug  dorthin  zurück  auch  anderweitig  nichts  entgegensteht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der  Nordprovinz  indessen  längere  Zeit  zurück  (vor  Beendigung  des  Bürgerkriegs  im  Mai  2009)  oder  gehen  konkrete  Umstände  aus  den  Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise  massgeblich  verändert  haben  könnten,  sind  die  aktuell  vorliegenden  Lebens­  und Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären  (vgl.  diesbezüglich  BVGE E­6220/2006 E. 13.3). 8.4.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ging  sodann  bereits  nach  der  früheren  Rechtsprechung  davon  aus,  dass  bei  Tamilen,  die  aus  dem  Grossraum Colombo oder dessen Umgebung stammen und dort über ein  tragfähiges  Familien­  und  Beziehungsnetz  verfügen  sowie  mit  einer  konkreten Unterkunftsmöglichkeit rechnen können, grundsätzlich von der  Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in diese Gebiete auszugehen ist  (BVGE 2008/2 E.  7.6 S.  20  f.). Diese Praxis  ist  nunmehr  im erwähnten  neuen Urteil  E­6220/2006  nicht  bloss  bestätigt,  sondern  sogar  erweitert  worden,  indem nun  für Personen, die aus den Provinzen North Central,  North Western, Central, Western (namentlich: der Grossraum Colombo),  Southern,  Sabarugamuwa  und  die  Uva­Provinz  stammen  und  dorthin  zurückkehren, der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar (E. 13.3).  8.5. Der Beschwerdeführer verbrachte einen Grossteil seines bisherigen  Lebens – er zog 1991 im Alter von acht Jahren mit seiner Familie aus der  Region  Jaffna  in  die  srilankische  Hauptstadt  –  in  Colombo,  wo  er  überdies über ein tragfähiges soziales, familiäres Beziehungsnetz verfügt  (gemäss Angaben vom Mai 2009 Eltern, Grossmutter und ein Bruder; vgl.  A4,  S. 1 ff.).  Damit  erweist  sich  die  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  der  aktuellen  Lageanalyse  jedenfalls  in  den  Grossraum  Colombo  ohne weiteres als zumutbar, und es kann daher offenbleiben, ob darüber 

D­4580/2009 hinaus ebenfalls  die Kriterien einer  zumutbaren Rückkehr  in die Region  Jaffna (s. vorstehend E. 8.4.1) erfüllt wären.  Da  auch  keine  sonstigen  gegen  die  Zumutbarkeit  sprechenden Gründe  vorliegen  ­  der  Beschwerdeführer  ist  jung  und  (soweit  aktenkundig)  gesund,  hat  einen  guten  Schulabschluss  und  Arbeitserfahrung  als  Selbstständigerwerbender  im  Handel  (vgl.  A4,  S.  2),  ist  nicht  zu  befürchten,  dass  er  bei  der  Rückkehr  in  seine  Heimat  in  eine  konkret  existenzbedrohende Lage geraten könnte. Somit erweist sich der Vollzug  der Wegweisung als zumutbar. 8.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  und  mit  dem  am  5.  August  2009  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­4580/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Stadelmann Versand:

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