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Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 D-4566/2010

23 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,986 mots·~10 min·4

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Mai 2010

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4566/2010 Urteil   v om   2 3 .   Februar   2012 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Staatsangehörigkeit unbekannt, angeblich Somalia, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Mai 2010 / N (…).

D­4566/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  –  angeblich  ein  somalischer  Staatsangehöriger  aus Mogadischu – flog am 20. November 2008 eigenen Angaben zufolge  via den Hauptflughafen Adan Adde in Mogadishu nach Djibouti und etwa  vierzehn Tage später von dort nach Paris. Anschliessend gelangte er am  7. Dezember 2008 in einem Personenwagen illegal in die Schweiz, wo er  noch  am  selben  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  ein  Asylgesuch  stellte.  Nach  seinem  Transfer  ins  Transitzentrum C._______ erhob das BFM dort am 5. Januar 2009 seine  Personalien und befragte ihn zu seinem Reiseweg sowie – summarisch –  zu seinen Ausreisegründen. Mit Zwischenverfügung vom 6. Januar 2009  wies ihn das BFM für die Dauer des Verfahrens dem Kanton D._______  zu.  Am  6. Februar  2009  befragte  ihn  das  Bundesamt  einlässlich  zu  seinen Asylgründen. Im  Wesentlichen  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  sei  Angehöriger des Clans der E._______, des Subclans der F._______ und  des  Subsubclans  der  G._______  und  habe  bis  zu  seiner  Ausreise  im  Quartier H._______, Subquartier  I._______ der Stadt Mogadishu gelebt.  Im Jahre 2006 sei sein Vater, welcher im eigenen Haus einen J._______  betreibe,  zweimal  von  Kriminellen  überfallen,  beraubt  und  verprügelt  worden.  Da  die  Nachbarsfamilie  seine  Familie  wegen  dieser  Überfälle  ausgelacht  habe,  sei  es  zu  einem Streit  zwischen  den  beiden  Familien  gekommen, der in eine Schlägerei ausgeartet sei, bei der er einen Sohn  der  anderen  Familie  –  K._______  –  mit  einem  Stein  am  Auge  verletzt  habe,  während  er  selber  von  jenem  mit  einem  Stein  am  Kopf  verletzt  worden sei. Der Nachbarssohn habe als Folge der Verletzung sein Auge  verloren. Er selber habe sich in Spitalpflege begeben müssen. Nach der  Entlassung aus dem Spital sei er nicht mehr in die Schule zurückgekehrt  und  habe  stattdessen  seinem  Vater  im  J._______  geholfen,  da  er  sich  nicht mehr  ausser Haus  getraut  habe.  Schliesslich  habe  er  Somalia  im  November 2008 aus Angst vor Racheakten der Nachbarsfamilie und auf  Anraten seines Vaters verlassen. Wie er zwischenzeitlich in der Schweiz  von  seinem Vater  erfahren  habe,  sei  sein  Bruder  L._______  im  Januar  2009 von besagtem K._______ erschossen worden. B.  Mit Verfügung vom 21. Mai 2010 – eröffnet am 25. Mai 2010 – stellte das  BFM  fest,  der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft  nicht, 

D­4566/2010 und  lehnte sein Asylgesuch ab. Das BFM  führte zur Begründung seiner  Verfügung im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe angegeben,  aus Mogadishu  zu  stammen  und  sein  ganzes  Leben  dort  verbracht  zu  haben. Er sei  jedoch nicht  in der Lage gewesen, substantiierte Angaben  über  seinen  angeblichen  Herkunftsort  zu  machen.  So  habe  er  bei  der  Befragung  zur  Person  nicht  einmal  die Namen  der  Subquartiere  seines  angeblichen  Wohnquartiers  H._______  in  Mogadishu  anzugeben  vermocht. Auch seien  ihm der Name der Küste von Mogadishu und des  Spitals im Quartier Medina in Mogadishu nicht bekannt gewesen. Zudem  habe er über den Wechselkurs der somalischen Währung nicht Bescheid  gewusst. So habe er den Wert der somalischen Schillinge  in USD nicht  angeben können. Überdies habe er über keine Kenntnisse bezüglich der  somalischen Clanstruktur verfügt. So habe er weder die Subclans seines  (angeblichen)  Clans  E._______  noch  den  Namen  des  Führers  seines  Clans nennen können. Auch habe er nicht gewusst, in welchen Regionen  von  Somalia  sein  Clan  beheimatet  sei.  Zudem  sei  ihm  bei  der  einlässlichen  Anhörung  zu  seinen  Asylgründen  nicht  bekannt  gewesen,  welcher  Clan  vor  seiner  Ausreise  die  grösste  Macht  in  Mogadishu  ausgeübt  habe.  Über  ein  solch  grundlegendes  Wissen  hätte  der  Beschwerdeführer jedoch verfügen müssen, wenn er effektiv lange Jahre  in einer somalischen Familie  in Mogadishu gelebt hätte, zumal er sechs  Jahre  lang  die  Schule  besucht  und  anschliessend  seinem  Vater  beim  Verkauf  von Zigaretten  in  dessen  J._______  geholfen  haben wolle. Die  wenig  substantiierten  Angaben  über  Mogadishu  und  die  Clanstrukturen  führten  deshalb  zum  Schluss,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  aus  Mogadishu  stamme  und  seine  wahre  Herkunft  verschleiere.  Angesichts  der unglaubhaften Angaben zu seiner Herkunft könne auch die von  ihm  geltend gemachte Auseinandersetzung mit der Nachbarsfamilie von 2006  und  die  aus  diesem  Grund  erwähnte  Tötung  seines  Bruders  nicht  geglaubt  werden.  Die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  abgesehen hiervon auch zufolge widersprüchlicher beziehungsweise der  Logik  des  Handelns  zuwiderlaufenden  Vorbringen  als  unglaubhaft  einzustufen.  Im Weiteren  erachtete  das  BFM  den Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  auch  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Diesbezüglich  hielt  die  Vorinstanz  fest,  die  Herkunft  und  Identität  des  Beschwerdeführers stünden nicht  fest, da es diesem nicht gelungen sei,  seine Herkunft aus Mogadishu glaubhaft zu machen, und er auch keine  Ausweispapiere  eingereicht  habe,  die  seine  geltend  gemachte  Identität  und Herkunft belegen könnten. Es sei dem BFM deshalb nicht möglich,  sich  in  voller  Kenntnis  der  tatsächlichen  persönlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  zur  Zumutbarkeit  des  Vollzugs  der Wegweisung  zu 

D­4566/2010 äussern.  Zwar  seien  die  Wegweisungshindernisse  grundsätzlich  von  Amtes  wegen  zu  prüfen.  Die  Untersuchungspflicht  finde  jedoch  ihre  Grenzen   an  der  Mitwirkungs­  und  Wahrheitspflicht  des  Beschwerdeführers.  Es  sei  indessen  nach  ständiger  Rechtsprechung  nicht  Aufgabe  der  Asylbehörden,  bei  fehlenden  Hinweisen  seitens  des  Beschwerdeführers  nach  allfälligen  Wegweisungshindernissen  zu  forschen,  falls  dieser  seiner  Mitwirkungs­  und  Wahrheitspflicht  im  Rahmen  der  Sachverhaltsermittlung  nicht  nachkomme  und  die  Asylbehörden  zu  täuschen  versuche.  Der  Beschwerdeführer  könne  ebenso  aus Nordsomalia,  wohin  eine Rückkehr  zumutbar  sei,  oder  aus  einem anderen Land stammen. C.  Mit Eingabe vom 24. Juni 2010 erhob der Beschwerdeführer gegen den  Entscheid  des  BFM  vom  21. Mai  2010  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben. Es sei festzustellen,  dass  er  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle,  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  er  wegen  Unzulässigkeit  beziehungsweise  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufzunehmen.  Subeventualiter  sei  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  der  Beschwerdeführer,  es  sei  ihm  die  unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und auf die Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  In  diesem  Zusammenhang  offerierte  er  die  Nachreichung  einer  entsprechenden  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung,  falls  das  Gericht  eine  solche  verlange. Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  Kopien  mehrerer  Fotos,  welche  ihn  teilweise  in  Gesellschaft  eines  Kollegen  im  J._______  seines  Vaters  in  Mogadishu  zeigten,  sowie  Kopien  einer  Geburtsurkunde  vom  14. Mai  2008  und  eines  Schreibens  der somalischen Vertretung in Genf vom 31. Mai 2010 ein, worin bestätigt  werde,  dass  er  in  Mogadishu  geboren  worden  beziehungsweise  Staatsangehöriger von Somalia sei. Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

D­4566/2010 D.  Am  29. Juni  2010  bestätigte  der  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts den Eingang der Beschwerde. E.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  8. Juli  2010  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  seines  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  verwies  das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  und  forderte  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  18. Juli  2010  eine  Fürsorgebestätigung  einzureichen,  ansonsten  sich  das  Gericht  die  nachträgliche  Erhebung  eines  Kostenvorschuss  vorbehalte.  Gleichzeitig  lud  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  zur  Einreichung  einer  Vernehmlassung bis zum 23. Juli 2010 ein. F.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  16. Juli  2010  fest,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigten  könnten, hielt vollumfänglich an den Erwägungen seiner Verfügung vom  21. Mai  2010  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Ergänzend fügte das BFM an, der Beschwerdeführer habe zum Nachweis  seiner  Identität  und  Herkunft  drei  Dokumente  eingereicht,  so  unter  anderem eine Bestätigung der somalischen Vertretung in Genf sowie eine  Geburtsurkunde.  Diesbezüglich  erstaune,  dass  der  Beschwerdeführer  diese Unterlagen nicht bereits bei der Befragung zur Person am 5. Januar  2009 zu den Akten gereicht habe, zumal zwei der Dokumente bereits im  Mai  2008  ausgestellt  worden  seien.  Zudem  habe  er  bei  den  am  6. Februar 2009 gestellten Fragen zur Person geltend gemacht, er sei in  Somalia  nicht  im  Besitz  einer  Geburtsurkunde  gewesen.  Bei  den  eingereichten Dokumenten handle es sich überdies  lediglich um Kopien,  auf denen entsprechende Eintragungen vorgenommen worden seien. Der  Beweiswert  von  solchen  Identitätspapieren  sei  gemäss  den  Erkenntnissen  des  BFM  als  gering  einzustufen,  da  solche  Unterlagen  bekanntermassen auf illegalem Wege sehr leicht käuflich seien. G.  Mit Begleitschreiben vom 16. Juli 2010 reichte der Beschwerdeführer eine  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung  des  Sozialamts  des  Kantons  D._______ vom 12. Juli 2010 ein.

D­4566/2010 H.  H.a  Am  20.  Juli  2010  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  die  Vernehmlassung  des  BFM  zur  Einreichung  einer  Replik zu. H.b Mit Begleitschreiben vom 21. Juli 2010 reichte der Beschwerdeführer  die Originale seiner am 17. Mai 2008 beglaubigten Geburtsurkunde vom  14. Mai 2008 beziehungsweise eines von den Ältesten seines Clans und  Familienangehörigen unterzeichneten Schreibens vom 22. Februar 2009  ein,  worin  bestätigt  wird,  dass  L._______  am  17. Januar  2009  in  Mogadishu erschossen worden sei. H.c Mit Eingabe vom 3. August 2010 machte der Beschwerdeführer von  seinem Replikrecht Gebrauch. Dabei reichte er 16 ihm von seiner Familie  als E­Mail­Anhang zugesandte und von  ihm ausgedruckte Fotos zu den  Akten,  worin  sein  Vater  unter  anderem  vor  der Moschee M._______  in  Mogadishu und in seinem hauseigenen J._______ abgebildet sei. I.  Mit  zwei  identisch  gehaltenen  Eingaben  vom  8. Juli  2011  und  vom  10. Januar  2012  (Poststempel)  ersuchte  der  Beschwerdeführer  das  Gericht  um  Ausfällung  eines  baldigen  Entscheids,  da  ihm  die  Ungewissheit über sein weiteres Schicksal psychische Probleme bereite  und  der  Umstand,  keine  Arbeit  zu  haben,  die  ganze  Problematik  noch  zusätzlich verstärke. J.  Mit Schreiben vom 20. Januar 2012 teilte das Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  mit,  dass  es  sein  Beschwerdeverfahren  als  prioritär  erachte  und  seinen  Fall  möglichst  rasch  einer  Entscheidung  zuzuführen  beabsichtige.  Nichtsdestotrotz  werde  darauf  hingewiesen,  dass  bezüglich  des  genaueren  Zeitpunkts  der  Entscheidfindung  keine  verbindlichen Angaben gemacht werden könnten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 

D­4566/2010 Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem Gebiet  des Asyls  endgültig,  ausser  – was  in  casu  nicht  zutrifft  –  bei  Vorliegen  eines Auslieferungsersuchens  des Staates,  vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1  des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das Asylgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und  Art. 6 AsylG). 1.3.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert. Auf  die sowohl frist­ als auch formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit  einzutreten  (Art. 105  und  Art.  108  Abs.  1  AsylG,  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (vgl. Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 

D­4566/2010 Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen  damit,  er  habe  im  Zuge  einer  Schlägerei  mit  Angehörigen  einer  Nachbarsfamilie  einen  jungen  Mann,  der  ihn  selbst  mit  einem  Messer  beziehungsweise  einem  Stein  am  Kopf  verletzt  habe,  gleichfalls  mit  einem Stein am Auge verletzt, worauf  letzterer das Auge verloren habe.  Aus  Angst  vor  einer  Rache  seitens  der  verfeindeten  Familie  habe  er  schliesslich im November 2008 seine Heimat verlassen. 4.2. Das Bundesverwaltungsgericht stimmt der Vorinstanz insofern zu, als  es  eher  seltsam  anmutet,  dass  der  Beschwerdeführer  sein  Heimatland  erst  im  November  2008  verlassen  hat,  nachdem  sein  Vater  bereits  im  Jahre  2006  vernommen  haben  will,  dass  die  Nachbarsfamilie  einen  Mordplan gegen  ihn  –  den Beschwerdeführer  –  geschmiedet  habe  (vgl.  act.  A10  S.  6  F50  bis  F58).  Die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  entsprechenden Vorbringen  braucht  jedoch  in  casu  nicht  abschliessend  beurteilt  zu  werden,  handelt  es  sich  hierbei  doch  um  eine  reine  Privatstreitigkeit  unter  zwei  Familien,  die  nicht  aus  einem  der  in  Art.  3  Abs.  1  AsylG  abschliessend  aufgezählten  Gründe  (Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe,  politische  Anschauung)  erfolgt  ist.  Es  fehlt  somit  an  einem  Verfolgungsmotiv  (vgl.  hierzu  beispielsweise  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a. M.  1990,  S. 86  ff.;  ALBERTO  ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Handbuch  des Asylrechts,  2. Aufl.,  Bern/Stuttgart  1991,  S. 95  ff.;  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  UEBERSAX/RUDIN/HUGI/YAR/GEISER [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel  2009,  Rz.   11.10  –  11.12),  dessen  Vorliegen  aber  für  die  Zuerkennung  der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl unabdingbar  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1995  Nr.  2  E.  3a  S.  17).  Aus  diesem  Grunde kann vorliegend auch darauf  verzichtet werden, hinsichtlich des  Asylpunktes  auf  die  Ausführungen  in  der  Beschwerde  im  Einzelnen  einzugehen, beschränken sich diese doch darauf, die von der Vorinstanz  wider  die  Glaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  angeführten  Argumente  auflösen  beziehungsweise  dessen 

D­4566/2010 diesbezügliche  Ausführungen  in  einem  plausiblen  Lichte  erscheinen  lassen zu wollen. 4.3.  Somit  ist  festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Verfolgungsgefahr  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen.  Es  erübrigt  sich  daher, auf weitere Vorbringen in der Beschwerde einzugehen, da sie am  Ergebnis  nichts  ändern  können.  Das  Bundesamt  hat  das  Asylgesuch  daher im Ergebnis zu Recht abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733 mit  weiteren  Hinweisen,  EMARK 2001 Nr. 21). 6.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  W. STÖCKLI, Asyl, a.a.O. Rz. 11.148). 6.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs.  3  AuG).  Der  Vollzug  kann  für  Ausländerinnen  oder  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  in  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 

D­4566/2010 allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat konkret gefährdet sind  (Art. 83 Abs. 4 AuG). Der Vollzug  ist nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den  Heimat­  oder  in  den  Herkunftsstaat  noch  in  einen  Drittstaat  ausreisen  oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.2.  Der  Beschwerdeführer  vertritt  den  Standpunkt,  er  sei  somalischer  Staatsangehöriger und  in Mogadishu geboren, wo er auch bis zu seiner  Ausreise  im  November  2008  gelebt  habe  (vgl.  act.  A1  S.  1  und  Beschwerde S. 4 ff.). 6.2.1. Wie das BFM in seiner Verfügung indessen zu Recht erwogen hat,  sind die Angaben des Beschwerdeführers in Bezug auf seine angebliche  Heimatstadt  Mogadishu  und  bezüglich  der  somalischen  Clanstruktur  derart dürftig, dass im Ergebnis sowohl seine Herkunft aus Mogadishu als  auch  seine  somalische  Staatsangehörigkeit  als  fraglich  erscheinen.  Um  diesbezügliche  Wiederholungen  zu  vermeiden,  kann  vollumfänglich  auf  die diesbezüglichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (siehe  auch Sachverhalt Bst. B) verwiesen werden. Der vom Beschwerdeführer  auf  Rekursebene  vorgetragene  Einwand,  er  könne  sich  letztlich  auch  nicht erklären, weshalb er diese Fragen bei seiner Befragung zur Person  nicht beantwortet habe – er  schreibe sein diesbezügliches Unvermögen  indessen  letztlich  seiner  damaligen  Nervosität  und  der  allgemeinen  Angst, etwas zu verwechseln und möglicherweise eine falsche Antwort zu  geben,  zu  (vgl.  Beschwerde  S.  4)  –  vermag  das  Bundesverwaltungsgericht  jedenfalls  in  keiner  Weise  zu  überzeugen.  Ebenso wenig plausibel mutet die Argumentation des Beschwerdeführers  an,  er  persönlich  sei  vor  seiner  Anhörung  durch  die  Schweizer  Asylbehörden  überzeugt  gewesen,  seine  Heimatstadt  zu  kennen  und  darüber die nötigen Angaben machen zu können, weshalb er  sich nicht  auf die Fragen "vorbereitet" hätte; Letzteres hätte er lediglich dann getan,  wenn  er  tatsächlich  nicht  aus  Mogadishu  gestammt  hätte  (vgl.  Beschwerde  S.  4/5).  Im  Ergebnis  lässt  nämlich  der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Bezug  sowohl  auf  Mogadishu  als  auch  auf  die  Clanstrukturen  in  Somalia  auffällig  wenig  Bescheid  wusste,  nur  die  Schlussfolgerung  zu,  dass  er,  falls  er  überhaupt  jemals  in  Mogadishu  gelebt  hat,  dort  zumindest  seit  langem  keinen  Wohnsitz  mehr  hatte  und/oder möglicherweise aus einem Drittland stammt. 6.2.2.  Hinzu  kommt,  dass  der  Beschwerdeführer  bis  heute  keine  Dokumente  eingereicht  hat,  die  geeignet  sind,  seine  Identität 

D­4566/2010 nachzuweisen. Im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens verneinte er  zunächst  –  von  der  Existenz  eines  verknitterten  Schülerausweises  abgesehen  –  jemals  im  Besitz  persönlicher  Papiere  wie  eines  Reisepasses,  einer  Identitätskarte  oder  einer  Geburtsurkunde  gewesen  zu sein (vgl. act. A1 S. 3 f. Ziff. 13.1 und 13.2 und act. A10 S. 3 F4 ff.).  Stattdessen behauptete er, mit  einem gefälschten djiboutischen Pass  in  die Schweiz gelangt zu sein (vgl. act. A1 S. 4 Ziff. 13.1 und act. A10 S. 3  F5 f.). Auf Beschwerdeebene reichte er dann zwar das Original eines am  14. Mai  2008  von  der  Lokalregierung  in  Mogadishu  ausgestellten  persönlichen  Geburtsregisterauszuges  und  die  Kopie  einer  am  31.  Mai  2010  von  der  somalischen  Vertretung  in  Genf  verfassten  Bestätigung,  wonach  er  in  Mogadishu  geboren  und  ein  "Somali"  sei,  ein.  Aus  dem  Geburtsregisterauszug  vom  14. Mai  2008  geht  indessen  schon  a  priori  nicht  hervor,  gestützt  auf  welches  Register  oder  welcher  anderweitigen  Quellen  er  erstellt  worden  ist,  so  dass  bereits  aus  diesem  Grunde  an  dessen  Authentizität  zu  zweifeln  ist.  Nur  der  Vollständigkeit  halber  ist  deshalb  anzufügen,  dass  ein  Geburtsregisterauszug  ohnehin  nicht  als  Identitätsausweis  betrachtet  werden  kann,  weil  er  zum  Zwecke  der  Bestätigung  der  Geburt  zu  einem  bestimmten  Zeitpunkt  an  einem  bestimmten Ort, nicht aber der Nationalität ausgestellt wurde (vgl. BVGE  2007/7 E. 6 S. 70). Die Bestätigung der somalischen Botschaft vom 31.  Mai 2010, welche laut der Vernehmlassung des BFM lediglich eine Kopie  darstellt, hält  im Ergebnis ebenfalls nur fest, dass der Beschwerdeführer  am  1.  Oktober  1988  in  Mogadishu  geboren  ist.  Denn  die  englische  Formulierung ("that Mr. A._______ […] is a Somali") lässt eher vermuten,  dass  mit  dieser  Formulierung  dessen  ethnische  Zugehörigkeit  zu  den  Somali  zum  Ausdruck  gebracht  werden  sollte.  Die  Volksgruppe  der  Somali  lebt  aber  nebst  in  Somalia  auch  in  den  an  dieses  Land  angrenzenden  Gebieten  der  Nachbarstaaten  Kenia,  Äthiopien  und  Djibouti.  Die  Staatsangehörigkeit  des  Beschwerdeführers  ist  deshalb  unbekannt. Zudem sind den Akten keine Hinweise dafür zu entnehmen,  dass  die  Schriftenlosigkeit  des  Beschwerdeführers  auf  Gründe  zurückzuführen  ist,  die  er  nicht  zu  vertreten  hätte.  Bei  dieser  Sachlage  geht das Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss davon aus, es würden  einer Wegweisung aus der Schweiz keine Vollzugshindernisse  im Sinne  von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 bis 4 AuG entgegenstehen.  Diese  Annahme  ist  deshalb  gerechtfertigt,  weil  die  bezüglich  solcher  Hindernisse  grundsätzlich  bestehende  Untersuchungspflicht  der  Asylbehörden  ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asyl suchenden  Person findet (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substantiierungslast  trägt  (Art.  7  AsylG).  Verunmöglicht  der  Asylsuchende  durch  die 

D­4566/2010 Verheimlichung seiner Nationalität den Asylbehörden, sinnvoll zu prüfen,  ob  ihm  im  tatsächlichen  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  Gefahr  drohe,  so  kann  es  unter  diesen,  vom  Asylsuchenden  selber  herbeigeführten  Umständen nach Treu und Glauben nicht Sache der Asylbehörden sein,  nach  allfälligen  Wegweisungsvollzugshindernissen  in  hypothetischen  Heimat­ oder Herkunftsländern zu forschen (vgl. WALTER KÄLIN, a.a.O., S.  262  f.). Vielmehr hat  der Asylsuchende die Folgen  seiner mangelhaften  Mitwirkung  zu  tragen,  indem  in  solchen  Fällen  ohne  Weiteres  angenommen werden kann, seine Rückschiebung habe keine Verletzung  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101;  vgl.  EMARK  2005  Nr.  1  E.  3.2.2  S.  5  f.)  oder  anderer  Bestimmungen  (insb.  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999  [BV, SR 101], Art.  7  des  Internationalen Pakts  über  bürgerliche  und politische Rechte  [UN­Pakt  II,  SR 0.103.2]  sowie Art.  3  des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  [FoK, SR 0.105], welche in ihrer Tragweite aber ohnehin nicht über Art. 3  EMRK hinausgehen [vgl. dazu BGE 124 I 235 f. E. 2a; EMARK 2004 Nr.  7  E.  5c.dd  S.  49])  zur  Folge.  Desgleichen  ist  in  solchen  Fällen  davon  auszugehen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  tatsächlichen  Heimat­ oder Herkunftsstaat für den Beschwerdeführer nicht unzumutbar  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  ist,  weil  unter  diesen  Umständen  praxisgemäss die Vermutung besteht, dass er dort nicht als Folge eines  Krieges,  Bürgerkrieges  oder  allgemeiner  beziehungsweise  ihm  als  Individuum  unmittelbar  drohender  Gewalt  konkret  gefährdet  wäre,  eine  absolut  notwendige  medizinische  Versorgung  nicht  erhielte  oder  –  aus  objektiver  Sicht  –  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  unwiederbringlich  in  völlige  Armut  gestossen  würde,  dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  seines  Gesundheitszustands,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert  wäre (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f.). 6.2.3. Schliesslich  bleibt  gemäss Art.  83 Abs.  2 AuG  zu  prüfen,  ob  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  möglich  ist,  wobei  diese  Prüfung  beschränkt ist. Nur wenn zur Zeit des Urteils klar erkennbar ist, dass der  Vollzug aus technischen oder rechtlichen Gründen auf unabsehbare Zeit  nicht möglich  ist,  stellt  das Bundesverwaltungsgericht  dies von sich aus  fest  und  weist  die  Vorinstanz  an,  anstelle  des  Vollzugs  eine 

D­4566/2010 Ersatzmassnahme  anzuordnen.  Dies  trifft  vorliegend  offensichtlich  nicht  zu. 6.3. Der  verfügte Wegweisungsvollzug  steht  daher  in  Übereinstimmung  mit  den  zu  beachtenden  Bestimmungen  und  ist  zu  bestätigen.  Die  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  sind  somit nicht erfüllt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5  VwVG).  Da  sich  die  Beschwerde  vom  24. Juni  2010  indessen  als  nicht  aussichtslos  erweist  und  nach  wie  vor  von  der  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist,  ist  das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gutzuheissen und von der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen. (Dispositiv nächste Seite)

D­4566/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65  Abs. 1 VwVG) wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Philipp Reimann Versand:

D-4566/2010 — Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 D-4566/2010 — Swissrulings