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Bundesverwaltungsgericht 30.01.2012 D-454/2012

30 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,491 mots·~7 min·2

Résumé

Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung) | Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des BFM vom 19. Januar 2012

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­454/2012 Urteil   v om   3 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;   Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung);  Verfügung des BFM vom 19. Januar 2012 / N (…).

D­454/2012 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  türkischer  Staatsangehöriger  kurdischer  Ethnie  –  suchte  am  6. Januar  2012  am  Flughafen  B._______  um  Asyl  nach. B.  Mit  Zwischenverfügung  vom  6. Januar  2012  verweigerte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies ihm für  die  Dauer  von  maximal  60 Tagen  den  Transitbereich  des  Flughafens  B._______ als Aufenthaltsort zu.  C.  C.a  Der  Beschwerdeführer  brachte  anlässlich  der  Erstbefragung  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum Flughafen B._______ vom 7. Januar  2012  und  der  Anhörung  nach  Art. 29  Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) durch das BFM vom 16. Januar 2012  im  Wesentlichen  vor,  er  sei  aus  der  Türkei  ausgereist,  da  er  seine  in  C._______ lebenden Kinder wieder sehen möchte. Seine Familie sei vor  etwa  30  bis  35 Jahren  in  eine  Blutfehde  verwickelt  worden,  seit  zirka  25 Jahren  sei  die  diesbezügliche  Situation  jedoch  ruhig.  Im  Jahr  1995  habe er mit seiner damaligen Ehefrau und den zwei jüngeren Kindern (die  älteste  Tochter  sei  in  der  Türkei  geblieben)  in  C._______  um  Asyl  nachgesucht, da er damals von der PKK gesucht worden sei. Im Jahr (…)  sei  seine  Ehe  geschieden  worden  und  2005  sei  er  allein  in  die  Türkei  zurückgekehrt,  nachdem  sein  Asylgesuch  abgelehnt  worden  sei.  Seine  frühere Ehefrau habe mit den  (…) Kindern  (sie hätten noch  […] weitere  Kinder bekommen) in C._______ bleiben dürfen. Seit seiner Rückkehr in  die Türkei sei es zu keinen Problemen mit der PKK oder der verfeindeten  Familie  gekommen.  Manchmal  sei  er  wegen  seiner  Herkunft  aus  der  Provinz D._______ von der Polizei an seinem Wohnort  in E._______ für  einige  Stunden mitgenommen  und  schikaniert  worden,  wobei  die  letzte  Mitnahme  vor  etwa  drei  bis  vier  Jahren  erfolgt  sei.  Anlass  für  seine  erneute Ausreise aus der Türkei sei  indes einzig der Wunsch gewesen,  seine  Kinder wiederzusehen.  Er  leide  sehr  unter  der  Trennung. Wegen  diesbezüglicher  psychischer  Probleme  (Unwohlsein,  Kopfschmerzen,  Einsamkeit)  habe  er  vor  drei  bis  vier  Jahren  in E._______  hospitalisiert  werden  müssen,  und  bis  vor  kurzem  habe  er  regelmässig  Beruhigungstabletten  genommen.  Nachdem  er  mehrmals  bei  den  (…)  Behörden  vergeblich  um  ein  Visum  ersucht  habe  und  auch  mehrere 

D­454/2012 Versuche,  illegal nach C._______ zu gelangen, gescheitert seien, sei er  von  F._______  über  G._______  nach  B._______  geflogen,  wobei  er  einen auf seinen Namen  lautenden (…) Notpass, den er vom Schlepper  erhalten habe, verwendet habe.  C.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten  des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle bei den Akten  verwiesen (vgl. vorinstanzliche Akten A8 und A10). D.  D.a Mit  gleichentags  eröffneter  Verfügung  vom  19. Januar  2012  stellte  das  BFM  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  dem  Transitbereich  des  Flughafens  B._______  und  ordnete  den  Wegweisungsvollzug  an.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Einziehung  des  als  Fälschung  erkannten  (…)  Reisepasses.  D.b  Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  stand.  Bei  der  Unmöglichkeit,  die Kinder  in C._______  zu  sehen,  handle  es  sich  nicht  um einen Nachteil, der sich aus einem in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten  Grund ergeben habe. Vielmehr gründe der Nachteil auf der persönlichen  Situation des Beschwerdeführers nach der Trennung von seiner Ehefrau,  die mit den Kindern  in C._______ geblieben sei. Der Beschwerdeführer  erfülle deshalb die Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb das Asylgesuch  abzulehnen  und  die  Wegweisung  anzuordnen  sei.  Der  als  Fälschung  erkannte  (…)  Reisepass  sei  gestützt  auf  Art. 10  Abs. 4  AsylG  einzuziehen.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  zulässig,  zumutbar  und  möglich. Da der Beschwerdeführer die Türkei einzig verlassen habe, um  seine Kinder  zu  sehen,  dränge  sich  der  Schluss  auf,  dass  die  anderen  erwähnten  Probleme  (die  frühere  Verfolgung  durch  die  PKK,  eine  noch  nicht  definitiv  beendete  Blutrache,  Schikanen  durch  die  türkischen  Behörden  aufgrund  der  Herkunft)  nicht  so  schwerwiegend  seien,  dass  von  einem  konkreten  Risiko  der  Verletzung  von  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  auszugehen  sei.  Da  die  Kinder  des  Beschwerdeführers  in  C._______  lebten,  bestehe  für  eine  nähere  Auseinandersetzung mit der Frage einer möglichen Verletzung von Art. 8  EMRK  keine  Veranlassung.  Eine  diesbezügliche  Rechtsverletzung 

D­454/2012 müsste  bei  den  (…)  Behörden  geltend  gemacht  werden.  Auch  die  gesundheitlichen Vorbringen sprächen nicht gegen die Zumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs,  lägen  doch  keine  Hinweise  vor,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Türkei  keine  adäquate  Betreuung  erhalten  würde. Es sei lediglich sicherzustellen, dass er bei der Rückreise über die  benötigten  Medikamente  verfüge.  Angesichts  der  langjährigen  Berufserfahrung als (Beruf) und dem Besitz von Land und Liegenschaften  in der Türkei sei nicht davon auszugehen, er würde nach der Rückkehr in  eine existentielle Notlage geraten.  E.  Mit  Eingabe  vom  25. Januar  2012  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde,  worin  um  Aufhebung  der  Verfügung des BFM vom 19. Januar 2012 und um Gewährung des Asyls,  eventualiter  um  Feststellung  der  Unzulässigkeit,  allenfalls  der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  um  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme ersucht wurde. Zudem wurde um Verzicht auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  ersucht.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  schliesslich  beantragt,  die  in  türkischer Sprache verfasste Beschwerdebegründung von Amtes wegen  in eine schweizerische Amtssprache übersetzen zu lassen.  F.  Am  25. Januar  2012  beauftragte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Flughafenpolizei mit der Übersetzung der Beschwerdebegründung in eine  schweizerische Amtssprache.  G.  Am  26. Januar  2012  reichte  die  Flughafenpolizei  eine  deutsche  Übersetzung  der  Beschwerdebegründung  ein.  Der  Beschwerdeführer  brachte demzufolge zur Begründung seiner Beschwerde im Wesentlichen  vor, er habe als Vater das Recht,  seine Kinder  zu sehen und mit  ihnen  zusammenzuleben, wie auch seine Kinder das Recht hätten, die Eltern zu  sehen. Er bitte deshalb um die Erlaubnis, seine Kinder zu sehen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

D­454/2012 1.  1.1. Gemäss Art. 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  1.2. Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  –  in  Flughafenverfahren  werden  fremdsprachige  Beschwerdeeingaben  praxisgemäss  von  Amtes  wegen  übersetzt  –  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  sowie  Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a  Abs. 2  AsylG).  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichtet.  4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 

D­454/2012 anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG).  4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  Entscheidend  ist,  ob  eine  Gesamtwürdigung  der  Vorbringen  ergibt,  dass  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff.).  5.  5.1.  Das  BFM  hat  den  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Ausreisegrund, wonach er die Türkei verlassen habe, um seine Kinder in  C._______  sehen  zu  können,  als  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  genügend  erachtet.  Dieser  Einschätzung  ist  beizupflichten.  Zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  kann  daher  vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  in der vorinstanzlichen Verfügung verwiesen werden. Der  Rechtsmitteleingabe  sind  keine  stichhaltigen  Entgegnungen  zu  entnehmen,  die  eine  Änderung  in  der  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  und  des Asyls  (und  der Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs)  zu  bewirken vermöchten.  5.2.  Der  Wunsch  des  Beschwerdeführers,  seine  Kinder  in  C._______  sehen zu können, ist zwar verständlich, indes stellt die Unmöglichkeit der  Verwirklichung dieses Wunsches keinen asylrechtlich relevanten Nachteil  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  dar.  Andere  Asylgründe  brachte  der  Beschwerdeführer  nicht  vor,  sondern  betonte,  er  werde  gegenwärtig  in  der  Türkei  nicht  persönlich  bedroht  oder  verfolgt  (vgl.  A8  S. 11).  Der 

D­454/2012 Beschwerdeführer  erfüllt  damit  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3  AsylG  nicht.  Das  Bundesamt  hat  das  Asylgesuch  folglich  zu  Recht  abgelehnt.  6.  Lehnt des Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 Abs. 1  AsylG).  Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  daher  zu  Recht  angeordnet (vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510).  7.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 7.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG).  7.1.1. Keine  Person  darf  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  respektive  Art. 1A FK erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Rückschiebungsverbots  vorliegend  nicht  zur  Anwendung  gelangen.  Der  Vollzug der Wegweisung in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von  Art. 5 AsylG rechtmässig. 

D­454/2012 7.1.2. Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu Art. 3  EMRK  darf  niemand  in  einen  Staat  ausgeschafft  werden,  in  dem  ihm  Folter  oder  eine  andere  Art  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht.  Weder  aus  den Aussagen  des Beschwerdeführers  noch  aus  den Akten  ergeben  sich  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefährdung ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im  Falle  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S.122, mit weiteren Hinweisen).  Dies  ist  vorliegend  nicht  der  Fall.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtslage  in  der  Türkei  lässt  den Wegweisungsvollzug  nicht  als unzulässig erscheinen.  7.1.3. Gemäss Art. 8 EMRK hat jede Person das Recht auf Achtung ihres  Familienlebens, wobei eine Behörde  in die Ausübung dieses Rechts nur  eingreifen darf, soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen ist. Der  Beschwerdeführer  verfügt  in  der  Schweiz  über  keine  Familienangehörigen,  so  dass  eine  Verletzung  von  Art. 8  EMRK  bei  einem  Vollzug  der  Wegweisung  von  der  Schweiz  in  die  Türkei  von  vornherein ausser Betracht fällt. Die Kinder des Beschwerdeführers leben  vielmehr  in  C._______,  so  dass  eine  allfällige  Verletzung  von  Art. 8  EMRK  von  Seiten  C._______  durch  die  Verweigerung  der  Ausstellung  eines Visums  an  den Beschwerdeführer  bei  den  (…) Behörden  geltend  gemacht  werden  müsste.  Die  schweizerischen  Behörden  haben  keine  Handhabe,  dem  Beschwerdeführer  quasi  stellvertretend  für  die  zuständigen (…) Behörden eine Einreisebewilligung zu erteilen.  7.1.4. Der Vollzug der Wegweisung  ist damit  sowohl  im Sinne der asyl­  als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

D­454/2012 7.2. Gemäss Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  der Wegweisung  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren  (vgl. BVGE  2009/51  E. 5.5  S. 748,  BVGE  2009/41  E. 7.1  S. 567  f.;  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002, BBl 2002 3818).  7.2.1. Die  allgemeine  Lage  in  der  Türkei  ist  nicht  von Bürgerkrieg  oder  allgemeiner  Gewalt  gezeichnet,  so  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dorthin grundsätzlich als zumutbar erscheint.  7.2.2. In den Akten finden sich auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  bei  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würde.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  mit  (Aufzählung  Verwandte)  über  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz  im  Heimatland.  Die  langjährige  Berufserfahrung  als  (Beruf)  bildet  eine  gute  Voraussetzung  für  die  Wiedereingliederung in den heimatlichen Arbeitsmarkt. Zudem verfügt der  Beschwerdeführer  über  Einnahmen  aus  der  Vermietung  von  Liegenschaften. Die bei Stresssituationen auftretenden gesundheitlichen  Beschwerden  lassen nicht auf eine konkrete Gefährdung aufgrund einer  medizinischen  Notlage  schliessen,  die  in  der  Türkei  nicht  behandelbar  wäre.  Die  entsprechenden  Institutionen  zur  Behandlung  psychischer  Erkrankungen  sind  auch  in  der  Türkei  vorhanden  und  der  Beschwerdeführer  hat  diese  in  der  Vergangenheit  bereits  in  Anspruch  genommen.  Es  ist  somit  insgesamt  nicht  davon  auszugehen,  der  Beschwerdeführer würde bei  einer Rückkehr  in  die Türkei  in  eine  seine  Existenz vernichtende Situation geraten, die als konkrete Gefährdung im  Sinne der zu beachtenden Bestimmungen zu werden wäre (Art. 83 Abs. 4  AuG).  7.2.3. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich daher  in genereller und  individueller Hinsicht als zumutbar.  7.3. Der Beschwerdeführer verfügt über türkische Ausweispapiere. Sollte  er  darüber  hinaus  weitere  Reisepapiere  benötigen,  obliegt  es  ihm,  bei  deren  Beschaffung  mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4  AsylG;  vgl.  dazu  auch 

D­454/2012 BVGE 2008/34 E. 12 S.  513  f.). Der Vollzug der Wegweisung  ist  daher  auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG).  7.4. Der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug  ist aufgrund  des Gesagten zu bestätigen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme  des  Beschwerdeführers  fällt  damit  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1­4  AuG).  8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist somit abzuweisen.  9.  Das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  erweist  sich  mit  vorliegendem  Urteil  ohne  vorgängige  Instruktion  als  gegenstandslos.  10.  10.1. Aufgrund  obiger  Erwägungen  ist  die  Beschwerde  als  aussichtslos  zu qualifizieren, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  –  ungeachtet  der  allfälligen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – abzuweisen ist.  10.2.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dessen  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  (Dispositiv nächste Seite)

D­454/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.  3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand:

D-454/2012 — Bundesverwaltungsgericht 30.01.2012 D-454/2012 — Swissrulings