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Bundesverwaltungsgericht 25.08.2011 D-4346/2011

25 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,520 mots·~8 min·2

Résumé

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung (Nichteintretensverfahren); Verfügung des BFM vom 29. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4346/2011 Urteil   v om   2 5 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Robert Galliker; Richter Gérard Scherrer,  Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren X._______ Togo,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Nichteintretensverfahren);  Verfügung des BFM vom 29. Juli 2011 / N_______.

D­4346/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  gemäss  eigenen  Angaben  im  November  1998  verliess  und  am  31.  Januar  2000  in  der  Schweiz erstmals um Asyl nachsuchte, dass das damalige Bundesamt  für Flüchtlinge  (BFF) mit Verfügung vom  5. Oktober 2001 gestützt auf Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG,  SR  142.31)  das  erste Asylgesuch  abwies  und  die Wegweisung  des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  die  Schweizerische  Asylrekurskommisson  (ARK)  die  am  5.  November  2001  dagegen  erhobene  Beschwerde  mit  Urteil  vom  13.  Dezember 2001 abwies, dass  die  ARK  mit  Urteil  vom  10.  Januar  2002  auf  eine  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  8.  Januar  2002  betreffend  Ausreisefrist  nicht  eintrat und sie dem BFF zur gutscheinenden Behandlung überwies, dass  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  3. Mai  2005 mit  Entscheid  des BFM  vom  5.  Juli  2005  nicht  eingetreten  und die Verfügung vom 5. Oktober 2001 als rechtkräftig und vollstreckbar  erklärt wurde, dass die ARK auf die am 7. Juli 2005 dagegen erhobene Beschwerde mit  Urteil  vom  23.  August  2005  nicht  eintrat  und  mit  weiterem  Urteil  vom  15. September  2005  auf  das  gegen  das  erwähnte  Urteil  eingereichte  Revisionsgesuch vom 8. September 2005 nicht eintrat, dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Folge  bis  zur  Einreichung  seines  zweiten Asylgesuches am 30. November 2006 unbekannten Aufenthaltes  war, dass  das BFM mit  Verfügung  vom 30.  Januar  2007  in Anwendung  von  Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das zweite Asylgesuch nicht eintrat, die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  der  Wegweisung  anordnete und ihm die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis  aushändigte, dass  der  Beschwerdeführer  am  6.  Februar  2007  einen  Beschwerdeverzicht  unterzeichnete  und  in  der  Folge  unbekannten  Aufenthaltes war,

D­4346/2011 dass der Beschwerdeführer am 20. August 2008 ein drittes Asylgesuch in  der Schweiz einreichte, dass  er  bei  der Kurzbefragung  im B._______  vom 15. September  2008  geltend  machte,  er  sei  nach  rechtskräftiger  Ablehnung  seines  zweiten  Asylgesuchs  am  5.  März  2007  über  C._______  in  seine  Heimat  zurückgereist, wo er sich bis am 15. August 2008 aufgehalten habe, dass er sich im Wesentlichen auf die in den ersten beiden Asylverfahren  geltend  gemachten  Asylgründe  berief  und  ausführte,  er  sei  am  Y._______  auf  der  Strasse  von  der  Polizei  festgenommen  und  gefragt  worden, weshalb er die Mitgliederkarte der D._______ mit sich führe, dass Nachforschungen der Polizei seine Teilnahme an Streiks und seine  damit zusammenhängende Mitbeteiligung an der Tötung eines Polizisten  am Z._______ ergeben hätten, weshalb man  ihn  im Polizeikommissariat  von  E._______  inhaftiert  und  seinen  Tod  in  naher  Zukunft  in  Aussicht  gestellt  habe,  ihm  aber  am W._______  zusammen mit  einem  ebenfalls  inhaftierten Kollegen die Flucht gelungen sei, dass  er  von  E._______  mit  einem  LKW  nach  F._______  (C._______)  gefahren  und  anschliessend  auf  dem  Luftweg  über  G._______  nach  H._______ gelangt sei, dass er  im Besitz eines Reisepasses von C._______ gewesen sei,  den  man ihm im Zug in H._______ gestohlen habe, dass der Beschwerdeführer anlässlich der direkten Anhörung vom 1. Mai  2009  anführte,  sich  im  Jahre  (...)  in  I._______  als  Asylbewerber  aufgehalten  zu  haben und  im  (...)  nach  J._______ überstellt worden  zu  sein, wo er  erfolglos  ein Asylverfahren durchlaufen habe, weshalb er  in  der Folge von J._______ herkommend wieder in die Schweiz gereist sei, dass  er  –  nachdem er  von  den Behörden  von K._______  im  Jahre  (...)  nach Togo ausgeschafft worden und dort ungefähr (...) Monate geblieben  sei  –  entgegen  seinen  vorherigen  Äusserungen  nach  Abschluss  des  zweiten  Asylverfahrens  in  der  Schweiz  nicht  mehr  in  seiner  Heimat  gewesen sei, sondern sich stets in einem europäischen Land aufgehalten  habe, dass er unter Depressionen leide, weshalb er "nicht alles genau erklären"  könne,

D­4346/2011 dass  der  Beschwerdeführer  nach  Aufforderung  der  Vorinstanz  vom  14. Juli 2011 dieser einen ärztlichen Bericht der  (...)  vom (...) betreffend  seinen psychischen Gesundheitszustand einreichen liess, dass das BFM mit Verfügung vom 29. Juli 2011 – eröffnet am 2. August  2011  –  in  Anwendung  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  auf  das  dritte  Asylgesuch  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug der Wegweisung anordnete und ihm die editionspflichtigen Akten  gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, aus den Akten  des  dritten  Asylgesuchs  ergäben  sich  keine  Hinweise,  dass  nach  dem  Abschluss des vorgängigen Verfahrens Ereignisse eingetreten seien, die  geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die  Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant seien, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  5.  August  2011  (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob,  beantragte,  es  seien  die  Ziffern  2  bis  4  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  aufzuheben,  es  sei  die  Unzumutbarkeit  beziehungsweise  die  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen,  und  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105 AsylG i. V. m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17.  Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),  jedoch  eine solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  in casu  nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht demnach endgültig  entscheidet, dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

D­4346/2011 ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG  und Art. 52 VwVG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32  –  35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts in der Regel in der  Besetzung mit drei Richters oder Richterinnen entscheidet (Art. 21 Abs. 1  VGG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass sich die Beschwerde lediglich gegen die von der Vorinstanz verfügte  Wegweisung beziehungsweise deren Vollzug richtet, dass die Verfügung des BFM vom 29. Juli 2011, soweit sie die Frage des  Nichteintretens  auf  das  Asylgesuch  betrifft  (Ziff.  1  des  Dispositivs  der  angefochtenen Verfügung), in Rechtskraft erwachsen ist,

D­4346/2011 dass das Rechtsbegehren aufgrund der Beschwerdebegründung als auf  den  Vollzugspunkt  beschränkt  zu  betrachten  und  einzig  die  Frage  der  Anordnung einer vorläufigen Aufnahme zu prüfen ist, dass  nämlich  die  Wegweisung  als  solche  (Ziff.  2  des  Dispositivs)  praxisgemäss  nur  aufgehoben  werden  kann,  wenn  eine  Aufenthaltsbewilligung  vorliegt  oder  ein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK  2001 Nr.  21),  was  vorliegend  indes  nicht  der Fall ist, dass  damit  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  lediglich  die  Frage  bildet,  ob  die Wegweisung  zu  vollziehen  oder  ob  anstelle  des  Vollzugs  eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker und  landesrechtlichen Bestimmungen zulässig  ist, 

D­4346/2011 da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, Hinweise  im Sinne von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  vorzubringen, weshalb  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet und keine Anhaltspunkte  für eine menschenrechtswidrige Behandlung  im Sinne von Art. 3 EMRK  ersichtlich sind, die im Heimatstaat droht, dass  zwar  gemäss  der  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  der  Vollzug  der  Wegweisung  eines  abgewiesenen  Asylsuchenden  mit  gesundheitlichen  Problemen  im  Einzelfall  einen  Verstoss  gegen  Art.  3  EMRK  darstellen  kann,  hierfür  jedoch  ganz  aussergewöhnliche  Umstände  vorausgesetzt  sind  (vgl.  EMARK 2005 Nr.  23 E.  5.1. S.  211  f., mit  einer Zusammenfassung der  Rechtsprechung des EGMR), dass  vorliegend  solche  ganz  aussergewöhnlichen  Umstände  („very  exceptional  circumstances“), wie sie der EGMR  in seinem Urteil  vom 2.  Mai 1997 i.S. D. gegen Grossbritannien feststellte, wo neben einer kurzen  Lebenserwartung  aufseiten  des  an  AIDS  erkrankten  Auszuweisenden  erschwerend  die  Gefahr  eines  Todes  unter  extremen  physischen  und  psychischen Leiden hinzukam, aufgrund der nachfolgenden Erwägungen  hinlänglich ausgeschlossen werden können (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.1.3;  sowie  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­6721/2008  vom  5.  Januar  2009  und  E­6364/2008  vom  4.  November  2008  E.  7.1  mit  Hinweisen auf die neuste Praxis des EGMR; EMARK 2004 Nr. 6 E. 7b S.  41), dass  ferner  der  alleinige  Umstand,  dass  die  togoischen  Behörden  im  Rahmen  einer  Befragung  bei  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  allenfalls  von  seinem  Auslandaufenthalt  und  der  damit  verbundenen  Asylantragsstellung in einem westlichen Land Kenntnis erhalten könnten,  keine  mit  der  erforderlichen  Wahrscheinlichkeit  drohenden  ernsthaften  Nachteile  nach  sich  zu  ziehen  vermag  und  auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation in Togo den Wegweisungsvollzug zum heutigen  Zeit­punkt nicht als unzulässig erscheinen lässt, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

D­4346/2011 dass  angesichts  der  heutigen  Lage  in  Togo  nicht  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  oder  von  kriegerischen  oder  bürgerkriegsähnlichen  Verhältnissen  gesprochen  werden  kann,  welche  für  den  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  eine  konkrete  Gefährdung  darstellen  würden  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 6709/2009  vom  10. Februar  2011;  BVGE  2009/2  E.  9.2.2  mit  weiteren  Hinweisen), dass  demnach  zu  prüfen  bleibt,  ob  individuelle  Gründe  –  so  im  Wesentlichen  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Beschwerden –  vorliegend eine Rückkehr des Beschwerdeführers  in seinen Heimatstaat  als unzumutbar erscheinen lassen, dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  den  ins  Recht  gelegten  ärztlichen  Unterlagen (Auflistung Beweismittel) an einer (Nennung Diagnose) leidet  und  überdies  im  Jahre  (...)  eine  (Nennung  Krankheit)  diagnostiziert  wurde, dass  er  dem  ärztlichen  Bericht  der  (...)  vom  (...)  zufolge  in  den  Jahren  (Nennung ärztliche Behandlung und Therapie) entlassen worden sei, dass der Beschwerdeführer gemäss der hausärztlichen Bestätigung vom  (...) aufgrund der  (Nennung Diagnose) aktuell  täglich zwei verschiedene  Medikamente einnehme, dass er in seiner Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen vorbringt, in Togo  sei  die  für  ihn  notwendige  Therapie  nicht  gewährleistet,  zumal  das  öffentliche Gesundheitswesen in seiner Heimat schlecht sei, der Zugang  zu  Medikamenten  nur  unzureichend  gewährleistet  sei,  alle  ärztlichen  Behandlungen  kostenpflichtig  seien  und  direkt  bei  der  Konsultation  bar  bezahlt werden müssten, die Kosten seiner Behandlung weit über einem  durchschnittlichen  Einkommen  liegen  würden  und  er  entgegen  der  vorinstanzlichen  Auffassung  in  Togo  nicht  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz verfüge, somit bei einer Rückkehr niemanden habe, der  ihn  finanziell  unterstützen  könne,  weshalb  der Wegweisungsvollzug  als  unzumutbar zu erachten sei, dass  grundsätzlich  davon  auszugehen  ist,  dass  die  Therapie  von  (Nennung  Krankheit)  in  Togo  –  insbesondere  in  Lomé  –  möglich  ist,  zumal  in  der  Hauptstadt  Lomé  mehrere  psychiatrische  Versorgungsstrukturen  existieren  und  gemäss  den  Kenntnissen  des 

D­4346/2011 Bundesverwaltungsgerichts  nahezu  alle Medikamente  in  Togo  erhältlich  sind, dass zwar die reale Versorgungslage und der Zugang zu Fachpersonal in  Togo  insbesondere  auf  dem  Land  relativ  schlecht  ist,  jedoch  fast  alle  medizinischen Dienstleistungen in Togo erhältlich sind, wenn der Patient  in der Lage ist, die manchmal hohen Kosten selber zu bezahlen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise während mehrerer Jahre  in  E._______  lebte  (die  Ausführungen  über  die  genaue  Wohndauer  bleiben  jedoch  aufgrund  unterschiedlicher  Aussagen  uneinheitlich),  wo  die  erforderlichen  (...)  Behandlungen  erhältlich  sind,  um  die  in  den  ärztlichen Unterlagen aufgeführten (...) Probleme des Beschwerdeführers  angemessen zu behandeln, dass hinsichtlich der Finanzierbarkeit festzuhalten ist, dass die im ersten  Asylverfahren  angeführten  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  glaubhaft  erachtet  wurden,  weshalb  an  der  angeführten  Nichtexistenz  eines  familiären  Beziehungsnetzes  grundsätzliche Zweifel anzubringen sind, dass  diese  Einschätzung  schon  dadurch  bestätigt  wird,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  seines  dritten  Asylgesuchs  beim  BFM  vorbrachte, er habe die zu den Akten gereichten Identitätsdokumente von  einem  Cousin  in  E._______  erhalten,  dem  er  einen  Brief  geschrieben  habe (vgl. act. E27/11, S. 3), dass er somit  in E._______ mindestens über einen Verwandten verfügt,  mit dem er in direktem Kontakt steht, und überdies davon auszugehen ist,  der  Beschwerdeführer  verfüge  in  seiner  Heimat  –  entgegen  seinen  anderslautenden  Vorbringen  –  noch  über  weitere  Verwandte,  deren  Aufenthaltsorte ihm bekannt sein dürften, dass  er  nämlich  anlässlich  einer  Befragung  durch  das  L._______  vom  9. Mai 2003 angab, er habe zwei in E._______ lebende Cousins, dass  er  im  Weiteren  im  Rahmen  des  zweiten  Asylverfahrens  in  der  Erstbefragung angab, er habe noch Tanten und Onkel  in seiner Heimat,  wisse jedoch deren Aufenthaltsort nicht (vgl. act. D1/8, S. 3),

D­4346/2011 dass es  ihm aber aufgrund des direkten Kontaktes zu einem Cousin ein  Leichtes sein dürfte, deren Aufenthaltsorte ausfindig zu machen, falls ihm  diese noch nicht bekannt sein sollten, dass er zudem  im ersten Asylverfahren aussagte, er habe von 1994 bis  1998 in M._______, dem Dorf seines im Jahre (...) verstorbenen Vaters,  gelebt (vgl. act. A7/17, S. 3), dass  er  in  einem  an  die  ARK  gerichteten  Schreiben  vom  3.  Juni  2002  mitteilte,  er  sei  seit  1994  im  Dorf  seines  Vaters  gewesen,  wo  er  mit  diesem auf Kaffeeplantagen gearbeitet habe, beziehungsweise er sei dort  bei seinem Grossvater gewesen (Befragung L._______ vom 9. Mai 2003,  S. 3), dass  er  überdies  im  Verlaufe  der  diversen  Asylverfahren  angab,  seine  Schwester  lebe  in  E._______  (vgl.  act.  A5/9,  S. 2)  beziehungsweise  in  N._______ (vgl. act. D1/8, S. 3; E1/11, S. 2) beziehungsweise sie sei am  11.  Oktober  2002  oder  10.  November  2002  bei  einem  Autounfall  gestorben  (Schreiben  an  die  ARK  vom  12. Februar  2003;  Befragung  L._______ vom 9. Mai 2003, S. 2), dass aufgrund der widersprüchlichen und mithin unglaubhaften Angaben  zu  Familienangehörigen  der  Verdacht  besteht,  der  Beschwerdeführer  versuche,  das Bestehen  eines  tragfähigen Beziehungsnetzes  in  seinem  Heimatland  zu  verschleiern,  zumal  auch  im  ärztlichen  Bericht  vom  (...)  angeführt wird, er habe Familienangehörige in Togo, dass  deshalb  davon  auszugehen  ist,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  nach  E._______ auf die finanzielle Unterstützung diverser Familienangehöriger  zählen kann, dass  ihm  ferner  zuzumuten  ist,  vorbestehende  soziale  Kontakte  neu  aufzunehmen, dass zudem darauf hinzuweisen ist, dass er über die Möglichkeit verfügt,  bei  Bedarf  beim  BFM  einen  Antrag  auf  medizinische  Rückkehrhilfe  zu  stellen  (Art.  93 Abs.  1 Bst.  d AsylG,  Art.  75  der Asylverordnung  2  vom  11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]), dass davon auszugehen ist, er könne bei einer Rückkehr nach Togo die  erforderliche medizinische Behandlung erhältlich machen, und allein der  Umstand,  dass  die  Behandlungsmöglichkeiten  in  Togo  nicht  dem 

D­4346/2011 medizinischen  Standard  in  der  Schweiz  entsprechen,  den  Vollzug  nicht  unzumutbar macht (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2), dass  deshalb  eine  konkrete  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  durch  Rückschaffung in seine Heimat nicht angenommen werden kann und eine  Rückkehr nach Togo unter medizinischen Gesichtspunkten grundsätzlich  zumutbar ist, dass  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  nach  Togo  aufgrund  seiner  längeren  Landesabwesenheit  zwar mit  gewissen Schwierigkeiten  konfrontiert sein könnte, er indes bis zu seiner Ausreise im Jahre 1998 in  seinem Heimatstaat  lebte, weshalb er mit den dortigen Gepflogenheiten  vertraut  ist  und  das  dort  bestehende  soziale  Beziehungsnetz  eine  Reintegration erleichtern wird, dass  der  Beschwerdeführer  als  Berufsbezeichnung  Automechaniker  angab  und  als  (...)  sowie  als  (...)  gearbeitet  hat  (vgl.  act.  D1/8,  S.  2;  E1/11, S. 2) und es ihm den Akten zufolge offensichtlich möglich war,  in  den vergangenen Jahren Reisen und Aufenthalte  in etliche europäische  Länder  zu  organisieren  und  zu  bewerkstelligen  (so  aktenkundig  O._______, K._______, J._______, I._______ und die Schweiz), was auf  das  Vorhandensein  entsprechender  Kontakte  und  finanzieller  Mittel  hinweist,  weshalb  insgesamt  davon  auszugehen  ist,  er  könne  sich  in  seiner Heimat wieder wirtschaftlich integrieren, dass  blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  die  ansässige Bevölkerung  im Allgemeinen betroffen  ist, nicht genügen, um  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  BVGE 2008/34 E. 11.2.2 S. 512 f.), dass der Vollzug der Wegweisung dem Beschwerdeführer in den Heimat­ staat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83  Abs.  2  AuG),  und  es  dem  Beschwerdeführer  obliegt,  bei  der  Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken  (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist,

D­4346/2011 dass  die  Beschwerde  aufgrund  der  Erwägungen  als  aussichtslos  zu  qualifizieren und deshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, dass  das  Gesuch  um  Erlass  des  Kostenvorschusses  aufgrund  des  Entscheides in der Hauptsache gegenstandslos geworden ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.­  (vgl.  Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  ([VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art.  63  Abs.  1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4346/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand: