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Bundesverwaltungsgericht 05.09.2011 D-4325/2011

5 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,413 mots·~7 min·2

Résumé

Vollzug der Wegweisung | Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 31. August 2010 (D-5008/2010); Vollzug der Wegweisung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4325/2011 Urteil   v om   5 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter François Badoud,  Richter Bendicht Tellenbach;    Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien,   vertreten durch (…) Gesuchsteller,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern.     Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom  31. August 2010 (D­5008/2010);  Vollzug der Wegweisung / N (…).

D­4325/2011 Sachverhalt: A.  Der Gesuchsteller suchte am 5. März 2008 in der Schweiz um Asyl nach.  Zur  Begründung  brachte  er  im  Wesentlichen  vor,  er  sei  in  B._______  geboren.  Seine  Eltern  seien  eritreischer  Herkunft.  Seine  Mutter  sei  gestorben als er noch klein gewesen sei und sein Vater und sein Bruder  seien  im  Jahr  1998  nach  Eritrea  ausgeschafft  worden.  Da  er  nicht  in  dieses für ihn fremde Land habe mitgehen wollen, habe er sich versteckt.  Er sei nach C._______ gezogen und habe dort von 2003 bis 2007 illegal  in  einem  Hotel  und  –  nachdem  der  Vertrag  mit  dem  Hotel  nicht  mehr  verlängert  worden  sei  –  auf  dem  Bau  gearbeitet.  Als  er  von  der  Verhaftung von sich  illegal  im Land aufhaltenden Eritreern gehört habe,  habe er sich zur Ausreise aus Äthiopien entschlossen, zumal er dort auch  nicht mehr  ohne  Aufenthaltsbewilligung  habe  leben wollen.  Am  3. März  2008 sei er in ein ihm unbekanntes europäisches Land geflogen, von wo  aus er am 5. März 2008 in die Schweiz gelangt sei.  B.  Mit Verfügung vom 4. Juni 2010 – eröffnet am 9. Juni 2010 – stellte das  BFM fest, dass der Gesuchsteller die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle.  Es  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  des  Gesuchstellers aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.  Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen an, die Vorbringen des  Gesuchstellers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  nicht  stand.  Der  Gesuchsteller  habe  sich  insbesondere  zur  Situation  der  Eritreer  in  Äthiopien  tatsachenwidrig  und  zu  seiner  diesbezüglichen  persönlichen  Betroffenheit  unsubstanziiert  geäussert.  Eritreische  Staatsbürger  hätten ab dem Jahr  1998  zwar mit  der Deportierung nach  Eritrea zu rechnen gehabt, aber gemäss dem Staatsangehörigkeitsgesetz  vom Dezember 2003 und einer im Januar 2004 verabschiedeten Direktive  würden  Personen  eritreischer  Herkunft,  die  nie  die  eritreische  Staatsbürgerschaft angenommen und ständig  in Äthiopien gelebt hätten,  weiterhin  als  äthiopische  Staatsbürger  angesehen.  Entgegen  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers  hätten  somit  nur  jene  Personen  eritreischer  Herkunft  ihre  äthiopische  Staatsangehörigkeit  verloren,  die  sich als Eritreer  hätten  registrieren  lassen, was beim Gesuchsteller  und  seinen  Familienangehörigen  gerade  nicht  der  Fall  gewesen  sei.  Zudem  habe  sich  die  Situation  auch  für  diejenigen,  die  die  eritreische 

D­4325/2011 Staatsbürgerschaft  angenommen  hätten,  in  den  letzten  Jahren  verbessert. Seit 2002 sei es zu keinen Ausschaffungen mehr gekommen.  Eritreische Staatsangehörige, die  in Äthiopien wohnhaft seien, bekämen  zudem  die  blaue  Identitätskarte,  die  ihre  Rechtsstellung  derjenigen  äthiopischer Staatsbürger weitgehend annähere. Der vom Gesuchsteller  geltend  gemachte  illegale  Aufenthalt  könne  deshalb  nicht  geglaubt  werden, hätte er doch Zugang zu rechtsgültigen Ausweispapieren gehabt.  Die  Angaben  zu  seiner  Identität  und  zur  eritreischen  Herkunft  seien  deshalb zu bezweifeln, zumal er ausschliesslich Amharisch spreche und  weder die Adresse seines Vaters und Bruders in Eritrea noch irgendeinen  anderen  Verwandten  in  Eritrea  nennen  könne.  Dem  Gesuchsteller  könnten  damit  weder  seine  eritreische  Herkunft  noch  die  übrigen  Vorbringen,  die  jeglicher Substanz entbehren würden,  geglaubt werden.  Vielmehr  sei  davon  auszugehen,  dass  es  sich  bei  ihm  um  einen  äthiopischen  Staatsbürger  handle.  Er  erfülle  damit  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen und die  Wegweisung  anzuordnen  sei.  Der  Wegweisungsvollzug  nach  Äthiopien  sei als zulässig, zumutbar und möglich zu betrachten. Es sei nicht Sache  der  Asylbehörden,  bei  fehlenden  Hinweisen  seitens  des Gesuchstellers  nach etwaigen Wegweisungshindernissen zu forschen. Es spreche nichts  gegen die Annahme, der Gesuchsteller könne sich bei der Rückkehr nach  Äthiopien  wieder  in  sein  herkömmliches  familiäres  und  soziales  Netz  einfügen und einer beruflichen Aktivität nachgehen.  Mangels  Anfechtung  erwuchsen  die  Dispositivziffern 1  (Verneinen  der  Flüchtlingseigenschaft),  2  (Ablehnung  des  Asylgesuchs)  und  3  (Anordnung der Wegweisung des Gesuchstellers) in Rechtskraft.  C.  Mit  Eingabe  vom  9. Juli  2010  erhob  der  Gesuchsteller  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Dispositivziffern 4 und  5  der Verfügung  des BFM vom 4. Juni  2010  (Vollzug  der Wegweisung)  und ersuchte um Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs sowie um Anordnung der vorläufigen Aufnahme.  D.  Mit  Urteil  vom  31. August  2010  (Verfahren  D­5008/2010)  wies  das  Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Gesuchstellers ab.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  angeführt,  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Gesuchstellers  nach  Äthiopien  sei  durchführbar.  Der 

D­4325/2011 Vollzug  erscheine  in  Beachtung  der  massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  als  zulässig.  Die  Vorinstanz  habe  in  rechtsverbindlicher Weise  festgestellt,  dass  es  dem Gesuchsteller  nicht  gelungen  sei,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip  des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements keine Anwendung finde, und  auch  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  ersichtlich  seien,  die  ihm  in  Äthiopien  drohen  könnte.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  auch  zumutbar.  In  Äthiopien  herrsche  weder  Krieg  noch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  und  es  seien  auch  keine  individuellen  Gründe  ersichtlich,  die  dem  Wegweisungsvollzug  entgegenstehen  könnten.  Der  Gesuchsteller  sei  jung  und  gesund  und  seinen  Aussagen  zufolge  lebten  sein  Vater  und  sein  Bruder  im  Herkunftsstaat,  so  dass  angesichts  der  unglaubhaften  und  tatsachenwidrigen  Vorbringen  –  namentlich  zur  Identität  –  davon  auszugehen  sei,  er  verfüge  in  Äthiopien  in  Wirklichkeit  über  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz.  Zudem  dürfte  die  mehrjährige  Arbeitserfahrung  zu  seiner  Reintegration  beitragen.  Schliesslich  sei  der  Wegweisungsvollzug auch als möglich zu bezeichnen. Die Ausführungen  in der Beschwerde, die sich in einer Wiederholung der von der Vorinstanz  in  rechtsverbindlicher  Weise  als  nicht  glaubhaft  erachteten  gesuchsbegründenden  Vorbringen  erschöpfen  würden,  seien  nicht  geeignet,  an  der  Feststellung  der  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs etwas zu ändern.  E.  Mit  Fax­Eingabe  vom  4. Juli  2011  (Schreiben  datiert  vom  1. Juli  2011)  reichte  der  Gesuchsteller  beim  BFM  eine  als  Wiedererwägungsgesuch  bezeichnete  Eingabe  ein  und  ersuchte  um  Absehen  vom  Vollzug  der  Wegweisung  beziehungsweise  um  Feststellung  der  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und um Anordnung der  vorläufigen Aufnahme.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er zudem um Erlass vorsorglicher  Massnahmen  im  Sinne  von  Art. 56  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021), d. h. um Sistierung des Wegweisungsvollzugs.  Zur Begründung wiederholte er erneut die – in rechtsverbindlicher Weise  als  nicht  glaubhaft  erachteten  –  asylgesuchsbegründenden  Vorbringen  und  machte  ergänzend  im  Wesentlichen  geltend,  die  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  (SFH)  halte  in  der  auszugsweise  beiliegenden  Länderanalyse  "Äthiopien:  Eritreische  Herkunft"  vom  11. Mai  2009  fest, 

D­4325/2011 dass  ein  Antrag  auf  Staatsbürgerschaft  in  Äthiopien  gestellt  werden  müsse.  Die  im  Januar  2004  erlassene  Direktive,  wonach  Personen  eritreischer  Herkunft  weiterhin  als  äthiopische  Staatsbürger  angesehen  würden,  wenn  sie  nie  die  eritreische  Staatsbürgerschaft  angenommen  und  ständig  in  Äthiopien  gelebt  hätten,  gelte  nur  für  in  Äthiopien  residierende eritreisch­stämmige Personen, die seit 1991 ununterbrochen  dort  gelebt  hätten.  Eine  Registrierung  der  (Wieder­)Gewährung  der  äthiopischen  Staatsbürgerschaft  sei  zudem  nur  während  einer  dreimonatigen Periode möglich gewesen. Er habe sich zwar von 1991 bis  2008  ständig  in  Äthiopien  aufgehalten  und  seine  Eltern  seien  vor  dem  Krieg wohl auch dort angemeldet gewesen; er sei mit einem äthiopischen  Geburtsschein in der Schule angemeldet gewesen. Aber seine Mutter sei  früh verstorben und sein Vater und sein Bruder seien 1998 nach Eritrea  ausgeschafft  worden.  Seither  habe  er  sich  in  Äthiopien  versteckt.  Als  Sohn  eritreischer  Eltern  sei  es  ohne  die  notwendigen  Identitätspapiere  nicht  möglich  gewesen,  eine  äthiopische  Aufenthaltsbewilligung  zu  erhalten.  Nach  Eritrea  könne  er  indes  auch  nicht  gehen,  da  er  nie  eritreische  Identitätspapiere  besessen  habe,  so  dass  er  de  facto  als  staatenlos zu bezeichnen sei.  In der Schweiz bemühe er sich um seine  Integration und er gehe seit (…) einer Arbeit nach.  F.  Das  BFM  erklärte  sich  in  der  Sache  als  unzuständig  und  überwies  die  Eingabe des Gesuchstellers vom 4. Juli 2011 am 4. August 2011 an das  Bundesverwaltungsgericht zur Prüfung als Revisionsgesuch.  G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  10. August  2011  stellte  der  Instruktionsrichter  fest,  dass  das  Revisionsgesuch  aussichtslos  erscheine,  weshalb  er  das  Gesuch  um  Aussetzung  des  Vollzugs  der  Wegweisung abwies und einen Kostenvorschuss von Fr. 1'200.–, zahlbar  bis  zum  25. August  2011,  erhob,  ansonsten  auf  das  Revisionsgesuch  nicht  eingetreten  werde.  Gleichzeitig  forderte  er  den  Gesuchsteller  auf,  innert  gleicher  Frist  das  Original  der  Fax­Eingabe  vom  4. Juli  2011  nachzureichen, oder den erfolgten Versand nachzuweisen.  H.  Mit Eingabe vom 13. August 2011 (Datum Poststempel; Schreiben datiert  vom  12. August  2011)  reichte  der  Gesuchsteller  das  Original  der  Fax­ Eingabe vom 4. Juli 2011, inklusive Beilage, nach. 

D­4325/2011 I.  Der Kostenvorschuss wurde am 19. August 2011 geleistet.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Gesuchen  um  Revision  seiner  Urteile  zuständig  (Art. 45  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32];  vgl.  BVGE 2007/21 E.2.1 S. 242  f.). Dabei  entscheidet  es  in  der Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  (Art. 21  Abs. 2  VGG),  sofern  das  Revisionsgesuch  nicht  in  die  Zuständigkeit  des  Einzelrichters  beziehungsweise der Einzelrichterin fällt (Art. 23 VGG, Art. 111 AsylG).  1.2.  Gemäss  Art. 45  VGG  gelten  für  die  Revision  von  Urteilen  des  Bundesverwaltungsgerichts die Art. 121­128 des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) sinngemäss. Bezüglich Inhalt und  Form des Revisionsgesuchs kommt Art. 67 Abs. 3 VwVG zur Anwendung  (Art. 47 VGG).  1.3. Der Gesuchsteller  sucht mit  der Nachreichung  eines  Beweismittels  die  bereits  im  vorangegangenen  Beschwerdeverfahren  vorgebrachten  Gründe  für  ein  Absehen  vom  Vollzug  der  rechtskräftig  angeordneten  Wegweisung zu belegen. Er bezieht sich damit auf einen Sachverhalt, der  bereits  vor  dem  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  31. August  2010 (Verfahren D­5008/2010) bestanden habe. Die Eingabe vom 4. Juli  2011 ist daher als Revisionsgesuch zu behandeln.  1.4.  Der  Gesuchsteller  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Aufhebung oder Änderung des Beschwerdeurteils  vom 31. August  2010  und  ist  daher  zur  Einreichung  des  Revisionsgesuchs  legitimiert  (Art. 48  Abs. 1 Bst. c VwVG in analogiam). 2.  2.1.  Mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  wird  die  Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen  Beschwerdeentscheids angefochten, damit in der Sache neu entschieden  werden kann. Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine  Urteile  aus  den  in  Art. 121­123  BGG  aufgeführten Gründen  in Revision  (Art. 45 VGG). 

D­4325/2011 2.2. An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden erhöhte  Anforderungen  gestellt.  Aus  dem  Revisionsbegehren  muss  der  angerufene Revisionsgrund ersichtlich  sein. Es muss dargelegt werden,  welcher gesetzliche Revisionsgrund angerufen und welche Änderung des  früheren  Entscheids  beantragt  wird.  Für  die  Zulässigkeit  eines  Revisionsbegehrens  ist  nicht  erforderlich,  dass  die  Revisionsgründe  wirklich  bestehen,  sondern  es  genügt,  wenn  der  Gesuchsteller  deren  Bestehen  behauptet  und  hinreichend  begründet  (vgl.  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes,  2. Aufl.,  Zürich  1998,  S. 259,  Rz. 737).  Die  in  Art. 121­123  BGG  enthaltene  Aufzählung  der  Revisionsgründe ist abschliessend. 2.3.  Der  Gesuchsteller  ruft  mit  der  Nachreichung  eines  Beweismittels  sinngemäss den Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG an. Die  Eingabe  vom 4. Juli  2011 erweist  sich damit  als  hinreichend begründet.  Auf  das  Revisionsgesuch  ist  deshalb  einzutreten  (Art. 47  VGG  i.V.m.  Art. 67 Abs. 3 VwVG und Art. 52 VwVG). 3.  3.1. Der Gesuchsteller beruft sich – wie ausgeführt – sinngemäss auf den  Revisionsgrund  von  Art. 123  Abs. 2  Bst. a  BGG.  Gemäss  dieser  Bestimmung  zieht  das  Bundesverwaltungsgericht  seinen  Entscheid  auf  Begehren  einer  Partei  in  Revision,  wenn  die  ersuchende  Partei  nachträglich  erhebliche  Tatsachen  erfährt  oder  entscheidende  Beweismittel  auffindet,  die  sie  im  früheren  Verfahren  nicht  beibringen  konnte, unter Ausschluss der Tatsachen oder Beweismittel, die erst nach  dem Entscheid  entstanden  sind.  Hingegen  kann  die  Revision  nicht  aus  einem  Grund  verlangt  werden,  der  bereits  im  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  hätte  geltend  gemacht  werden  können  (Art. 46  VGG). Tatsachen, auf die sich die gesuchstellende Partei beruft, müssen  sich somit bereits  vor Abschluss des Beschwerdeverfahrens verwirklicht  haben.  Zudem muss  die  gesuchstellende  Partei  dartun,  dass  sie  diese  während  des  vorangegangenen  Verfahrens  nicht  gekannt  hat  und  deshalb  nicht  beibringen  konnte,  da  der  Revisionsgrund  von  Art. 123  Abs. 2  Bst. a  BGG  nicht  dazu  dient,  bisherige  Unterlassungen  in  der  Beweisführung  wieder  gutzumachen.  Ausgeschlossen  sind  damit  auch  Umstände,  die  die  gesuchstellende  Partei  bei  pflichtgemässer  Sorgfalt  hätte  kennen  können  (vgl.  ELISABETH  ESCHER,  in:  Basler  Kommentar,  Bundesgerichtsgesetz,  Basel  2008,  N. 8  zu  Art. 123  BGG).  Auch  bezüglich  nachträglich  aufgefundener  Beweismittel  darf  die 

D­4325/2011 gesuchstellende Partei nicht  in der Lage gewesen sein, diese bereits  im  früheren  Verfahren  beizubringen.  Revisionsweise  eingereichte  Beweismittel sind dann beachtlich, wenn sie entweder die neu erfahrenen  erheblichen  Tatsachen  belegen  oder  geeignet  sind,  Tatsachen  zu  belegen,  die  zwar  im  früheren  Verfahren  bekannt  gewesen,  aber  zum  Nachteil  der  gesuchstellenden  Partei  unbewiesen  geblieben  sind.  Das  Beweismittel muss zudem für die Tatbestandsermittlung von Belang sein.  Es  genügt  nicht,  wenn  es  zu  einer  neuen  Würdigung  der  bereits  bekannten  Tatsachen  führen  soll  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Band X,  Basel 2008, Rz. 5.48, S. 250). 3.1.1. Der Bericht "Äthiopien: Eritreische Herkunft" der SFH, auf den sich  der Gesuchsteller vorliegend beruft, datiert vom 11. Mai 2009, mithin vor  Erlass  des  Beschwerdeurteils  vom  31. August  2010,  und  es  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  der  Gesuchsteller  nicht  in  der  Lage  gewesen  sein  sollte,  diesen  bereits  im  vorangegangenen  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  einzureichen  beziehungsweise  früher  geltend  zu  machen. Es ist deshalb grundsätzlich von einem verspäteten Vorbringen  im Sinne von Art. 46 VGG auszugehen. 3.1.2. Im Übrigen erweist sich das neue Beweismittel als nicht erheblich.  In  der  Verfügung  des  BFM  vom  4. Juni  2010  wurde  rechtsverbindlich  festgestellt,  dass  die  Vorbringen  des  Gesuchstellers  zu  seiner  eritreischen Herkunft nicht geglaubt werden können und vielmehr davon  auszugehen  ist,  es  handle  sich  bei  ihm  um  einen  äthiopischen  Staatsangehörigen. Im Beschwerdeurteil vom 31. August 2010 wurde der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Gesuchstellers  nach  Äthiopien  als  durchführbar  erachtet.  Die  nun  neu  angerufene  SFH­Länderanalyse  "Äthiopien:  Eritreische  Herkunft"  vom  11. Mai  2009  vermag  an  dieser  Einschätzung nichts zu ändern, hat sich die geltend gemachte eritreische  Herkunft  des Gesuchstellers  doch  –  wie  ausgeführt  –  im  Asylverfahren  als  unglaubhaft  erwiesen.  Der  SFH­Bericht  vom  11. Mai  2009  vermag  weder die erneut behauptete,  indes nicht glaubhafte eritreische Herkunft  des  Gesuchstellers,  noch  die  angebliche  Undurchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Äthiopien  zu  belegen.  Das  Beweismittel  ist  daher als nicht beweistauglich und somit als nicht erheblich im Sinne von  Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG zu erachten. 

D­4325/2011 3.2.  Hinsichtlich  der  geltend  gemachten  Integrationsbemühungen  des  Gesuchstellers  in  der  Schweiz  ist  festzustellen,  dass  der  Frage  der  Integration  bei  der Prüfung  der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  nur  untergeordnete  Bedeutung  zukommen  kann.  Nachdem  die  Bestimmungen  betreffend  die  vorläufige  Aufnahme  infolge  einer  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  (insbesondere  Art. 44  Abs. 3­5  AsylG  in  der  Fassung  vom  26. Juni  1998;  AS 1999  2273)  auf  den  1. Januar  2007 aufgehoben worden  sind,  kann bei Beschwerden gegen  Verfügungen des BFM  im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  das  Vorliegen  einer  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  nicht mehr  geprüft  werden. Nach  geltendem Recht  ist  es  dem  zuständigen Kanton  vorbehalten,  einer  ihm  zugewiesenen  Person  mit  Zustimmung  des  Bundesamtes  eine  Aufenthaltsbewilligung  zu  erteilen,  wenn  wegen  fortgeschrittener  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  vorliegt (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG).  3.3.  Was  die  übrigen  Einwände  in  der  Revisionseingabe  betrifft,  so  erschöpfen  sich  diese  in  einer  erneuten  Wiederholung  der  bereits  in  rechtsverbindlicher  Weise  als  nicht  glaubhaft  erachteten  asylgesuchsbegründenden  Vorbringen.  Sie  laufen  auf  eine  allgemeine,  appellatorische Kritik am begründeten Beschwerdeurteil  vom 31. August  2010  respektive  auf  eine  Beanstandung  der  rechtlichen Würdigung  des  Sachverhalts  in  diesem  Urteil  hinaus.  Der  Gesuchsteller  ruft  zwar  mit  Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG einen Revisionsgrund an, beabsichtigt jedoch  mit  seiner  Eingabe  vielmehr  eine  andere Würdigung  des  Sachverhalts.  Dafür besteht  jedoch  im Rahmen eines Revisionsverfahrens kein Raum.  Eine  erneute  rechtliche  Würdigung  aktenkundiger  Tatsachen  beschlägt  eine  Rechtsfrage  und  nicht  den  Sachverhalt  und  stellt  damit  keinen  Revisionsgrund  dar  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2000  Nr. 29 E. 5).  4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  kein  revisionsrechtlich  relevanter Sachverhalt dargetan ist. Das Gesuch um Revision des Urteils  des Bundesverwaltungsgerichts  vom 31. August  2010  (D­5008/2010)  ist  demzufolge abzuweisen.  5.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten von Fr. 1'200.–  dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 und 5 

D­4325/2011 VwVG und Art. 68 Abs. 2 VwVG; Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Sie  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss gedeckt und sind mit diesem zu verrechnen.  (Dispositiv nächste Seite)

D­4325/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.–  werden  dem  Gesuchsteller  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Gesuchsteller,  das  BFM  und  die  zuständige  kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand:

D-4325/2011 — Bundesverwaltungsgericht 05.09.2011 D-4325/2011 — Swissrulings