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Bundesverwaltungsgericht 27.07.2011 D-4083/2011

27 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·789 mots·~4 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4083/2011/sed Urteil   v om   2 7 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richterin Contessina Theis; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A._______ geboren (…) Togo,  (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 11. Juli 2011 / N_______

D­4083/2011 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht  (BGG, SR 173.110), des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerin­ nen und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und Verfahren  zur Bestimmung des  zuständigen Staates  für  die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA,  SR  0.142.392.68]), der  Verordnung  (EG) Nr.  343/2003  des Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehöri­gen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig ist (Dublin­II­VO),

D­4083/2011 der  Verordnung  (EG)  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom                    2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin­II­VO  (DVO Dublin), des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä­ digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), stellt fest und erwägt,  dass der Beschwerdeführer  am 7.  Juni  2011  in  der Schweiz  um Asyl  nachsuchte, dass er  im Rahmen der summarischen Befragung vom 14.  Juni 2011  im B._______ unter anderem angab,  in  Italien ein Asylgesuch gestellt  zu  haben,  welches  im  Jahre  2008  abgelehnt  worden  sei  (vgl.  BFM­ Protokoll A5 S. 8),  dass  er  sich  danach  nach  Holland  begeben  habe,  sich  indessen  die  holländischen  Behörden  für  unzuständig  erklärt  und  ihn  nach  Italien  überstellt hätten (vgl. A5 S. 9), dass das BFM gestützt auf diese Aussagen und dem Eurodac Treffer  vom  (….)  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen Wegweisung nach Italien gewährte und am 22. Juni 2011 die  italienischen Behörden in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin­ II­VO  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  ersuchte  (vgl.  A10/5),  dass keine Stellungnahme der italienischen Behörden erfolgte, dass  das  BFM  mit  –  am  14.  Juli  2011  eröffneter  –  Verfügung  vom  11. Juli  2011  in Anwendung  von Art.  34 Abs.  2 Bst.  d AsylG  auf  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 7. Juni 2011 nicht eintrat und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  anordnete,  wobei  die  Überstellung  ­  vorbehältlich  einer  allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung (Art. 19f VO Dublin) ­ bis  spätestens am 7. Januar 2012 zu erfolgen habe, dass  gleichzeitig  festgestellt  wurde,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme keine aufschiebende Wirkung zu (Art. 107a AsylG),

D­4083/2011 dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  20.  Juli  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid  fristgerecht  Beschwerde  erhob  und  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  unter  anderem  darum  ersuchte,  es  sei  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung  zu  erteilen  und  –  unter  Verzicht  auf  das  Erheben  eines  Kostenvorschusses  –  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG zu gewähren, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  22.  Juli  2011  beim  Bundesver­ waltungsgericht eintrafen,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  über  Beschwerden  ge­ gen Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des BFM  auf  dem Gebiet  des Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art.105 AsylG i.V.m. Art. 31­33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art.  37  VGG  i.V.m.  Art.  48  Abs.  1  VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art.  108  AsylG  sowie  Art.  37  VGG  i.V.m.  Art.  52  VwVG), dass mit  Beschwerde  die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art.  106  Abs.  1  AsylG), dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten 

D­4083/2011 Richters oder einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e  AsylG), dass  es  sich  vorliegend, wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist,  wobei  auf  die  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden  kann  (vgl.  Art.  111a  Abs.  2  AsylG  und  109 Abs. 3 BGG i.V.m. Art. 6 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  2  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass das BFM gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin­II­VO Italien für  die  Prüfung  des  am  7.  Juni  2011  in  der  Schweiz  eingereichten  Asylgesuchs des Beschwerdeführers als zuständig erachtet hat,  dass  die  italienischen Behörden  das  Ersuchen  der  Schweizer  Behör­ den um Rückübernahme des Beschwerdeführers bis zum 7. Juli 2011  nicht  beantwortet  haben,  womit  die  Zuständigkeit  Italiens  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten  Verfristung  definitiv geworden ist (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO), dass  demzufolge  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  Italien  als  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig  erachtet  hat, dass  keine  Gründe  vorliegen,  die  einen  Selbsteintritt  der  Schweiz  gemäss  Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  nahegelegt  hätten,  da  Italien  Signatarstaat  sowohl  der  FK  als  auch  der  EMRK  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  die  daraus resultierenden Verpflichtungen halten, dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  rechtlichen Gehörs  und  in  der Beschwerde geltend machte, die Lebensbedingungen in Italien seien  sehr schwierig und er habe nach einem Aufenthalt in einem Asylzentrum  auf der Strasse schlafen müssen, keine finanzielle Unterstützung erhalten  und sich vergeblich um Arbeit bemüht, 

D­4083/2011 dass  hierzu  festzuhalten  ist,  dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft, der Arbeit und dem Zugang zur medizinischen Infrastruktur  zwar gewissen Schwierigkeiten ausgesetzt sein können, dass  die  italienischen  Behörden  seit  geraumer  Zeit  mit  einer  grossen  Anzahl  von  Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen  bei  den  Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  ­  eine  Betreuung  durch  die  italienischen Behörden oder durch die privaten karitativen Organisationen  ist  nicht  in  jedem Fall  gewährleistet  ­  nicht  zum Schluss gelangt,  Italien  verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr. 2003/9/EG, dass  unter  diesen  Umständen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich sind, der Beschwerdeführer würde  im Falle einer Rückkehr  nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten, dass  sich  die  übrigen  Argumente  in  der  Beschwerde  in  allgemeinen  Ausführungen hinsichtlich der aufschiebenden Wirkung einer Beschwerde  und  der  damit  verbundenen  notwendigen  Erfordernis  eines  wirksamen  Rechtsschutzes erschöpfen (vgl. BVGE 2010/1), ohne dass ein konkreter  Bezug zum vorliegenden Fall aufgezeigt wird oder besteht, dass  unter  diesen  Umständen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich sind, der Beschwerdeführer würde  im Falle einer Rückkehr  nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten, dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten  ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch  in der Regel die Wegwei­ sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs.1 AsylG), vorliegend  der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein An­ spruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht  ange­ ordnet wurde,

D­4083/2011 dass im Rahmen des Dublin­Verfahrens, bei dem es sich um ein Über­ stellungsverfahren  in den  für die Prüfung des Asylgesuches zuständi­ gen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmass­ nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 AuG, dass  eine  entsprechende Prüfung  –  soweit  notwendig  –  vielmehr  be­ reits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl.  vor­ stehende Erwägungen), dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserhebli­ chen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unange­ messen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass  mit  dem  vorliegenden  Urteil  ohne  vorgängige  Instruktion  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  das  Erheben  eines  Kostenvorschusses  gegenstandslos geworden ist, dass die eingereichte Beschwerde als aussichtslos erschien, weshalb  das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 VGKE) dem Beschwer­ deführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4083/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen.  3.  Die Verfahrenskosten von Fr. 600.­ werden dem Beschwerdeführer auf­ erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns­ ten der Gerichtskasse zu überweisen.  4.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi­ ge kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand:

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