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Bundesverwaltungsgericht 25.07.2011 D-4076/2011

25 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,099 mots·~5 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4076/2011 Urteil   v om   2 5 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Jean­Pierre Monnet;   Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Kamerun,  (…),   Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 15. Juli 2011 / N (…).

D­4076/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  die  Beschwerdeführerin  ihr  Heimatland  eigenen  Angaben  zufolge  am (…) 2009 verliess und sich in der Folge in Italien aufhielt, dass sie am 10. April 2011 von Italien kommend in die Schweiz gelangte,  wo sie am 11. April 2011 um Asyl nachsuchte, dass  das  Bundesamt  der  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  summarischen  Befragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  vom  27. April  2011  das  rechtliche  Gehör  bezüglich  der  Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Asylverfahren,  zum  Nichteintretensentscheid und zu einer Wegweisung dorthin gewährte, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  15. Juli  2011  –  eröffnet  am  19. Juli  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  nach  Italien  anordnete,  wobei  es  festhielt,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  komme  keine  aufschiebende Wirkung zu, dass die Beschwerdeführerin aufgefordert wurde, die Schweiz spätestens  am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass  der  Beschwerdeführerin  gleichzeitig  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  ausgehändigt  wurden  und  der  Kanton  C._______ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt wurde, dass  das  BFM  zur  Begründung  seiner  Verfügung  anführte,  auf  ein  Asylgesuch  werde  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  könnten,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig sei,  dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Abkommens  vom  26.  Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­ Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.689) verpflichtet habe, die  Dublin­II­Verordnung  ([Dublin­II­VO]  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren  zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem 

D­4076/2011 Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist) anzuwenden, dass die Beschwerdeführerin eine gültige Aufenthaltsbewilligung  Italiens  vorgelegt habe, dass  die  italienischen  Behörden  das  Übernahmeersuchen  der  Schweiz  gestützt  auf  Art. 9  Abs. 1  Dublin­II­VO  gutgeheissen  hätten  und  die  Zuständigkeit  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens bei Italien liege, dass  die  Überstellung  nach  Italien  ­  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung der Überstellungsfrist ­ bis spätestens  am 14. Januar 2012 zu erfolgen habe, dass  die  Beschwerdeführerin  keine  Gründe  geltend  gemacht  habe,  welche gegen eine Zuständigkeit Italiens sprechen würden, dass somit auf das Asylgesuch nicht eingetreten werde, dass die Folge eines Nichteintretensentscheides gemäss Art.  44 Abs. 1  AsylG  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sei  und  der  Beschwerdeführerin in einen Drittstaat reisen könne, in dem er Schutz vor  Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden würde, weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  nicht  zu  prüfen  sei,  und  auch  keine  Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR  0.101) im Falle einer Rückkehr nach Italien bestehen würden, dass  die Beschwerdeführerin  anlässlich  der Gewährung des  rechtlichen  Gehörs im EVZ vorgebracht habe, sie habe keine Unterkunft in Italien, dass das BFM hierzu anmerkte, diese Erklärung sei nicht geeignet, eine  Rückführung  nach  Italien  zu  verhindern,  insbesondere  habe  Italien  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27. Januar  2003  (sogenannte  Aufnahmerichtlinie), welche zahlreiche Mindestnormen für die Aufnahme  und Betreuung von Asylsuchenden beinhalte, ohne Beanstandungen von  Seiten  der  Europäischen  Kommission  umgesetzt,  weshalb  sich  die  Beschwerdeführerin bezüglich Unterkunft an die zuständigen Behörden in  Italien wenden könne,

D­4076/2011 dass  somit  weder  die  in  Italien  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe gegen die Zumutbarkeit  der Wegweisung nach  Italien  sprechen  würden und der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch  durchführbar sei, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  20.  Juli  2011  gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  dabei  beantragte,  die  Verfügung  des  BFM  vom  15. Juli  2011  sei  aufzuheben und es sei ihr Asyl in der Schweiz zu gewähren, eventualiter  sei sie vorläufig aufzunehmen, dass  auf  die  Begründung  dieser  Begehren  –  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  21. Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme nicht vorliegt, dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist­ und formgerecht eingereichte Beschwerde ­ unter  Vorbehalt  nachfolgender  Erwägungen  ­  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG und Art. 52 VwVG),

D­4076/2011 dass  die  Verfügung  als  Anfechtungsgegenstand  in  der  Bundesverwaltungsrechtspflege  den  äusseren Rahmen  bildet,  innerhalb  welchem  die  Parteien  der  Rechtsmittelinstanz  ein  Rechtsverhältnis  zur  Beurteilung unterbreiten können, dass der durch die Parteibegehren definierte Streitgegenstand nicht über  den  Anfechtungsgegenstand  hinaus  reichen  darf,  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  somit  grundsätzlich  nur  sein  kann,  was  Gegenstand  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  war  oder  nach  richtiger  Gesetzesauslegung  hätte  sein  sollen  (vgl.  ANDRÉ  MOSER,  in:  Auer/Müller/Schindler  (Hrsg.),  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG),  Zürich  2008,  Rz.  3  zu  Art.  52,  CHRISTOPH  AUER,  Streitgegenstand  und  Rügeprinzip  im  Spannungsfeld der verwaltungsrechtlichen Prozessmaximen, Bern 1997,  S.  63;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 149), dass  die  angefochtene  Verfügung  vom  15. Juli  2011  keine  Regelung  betreffend Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl enthält,  dass  mit  dem  Begehren,  es  sei  der  Beschwerdeführerin  Asyl  zu  gewähren,  der  Streitgegenstand  in  unzulässiger Weise  über  den  in  der  angefochtenen  Verfügung  geregelten  Anfechtungsgegenstand  hinaus  erweitert wird (vgl. AUER, a.a.O., S. 63; BGE 110 V 51 E. 3c), weshalb  auf dieses Begehren nicht einzutreten ist, dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs.  1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), dass  eine  entsprechende Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Nichteintretensentscheides  stattfinden  muss  (vgl.  BVGE  2010/45 E. 8.2.3 und 10.2), dass  dementsprechend  die  Anordnung  von  Ersatzmassnahmen  respektive  die  Feststellung  von  diesen  zugrundeliegenden  Vollzugshindernissen  (und  damit  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme)  auch  nicht  Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens sein kann,

D­4076/2011 dass  deshalb  auf  die  Beschwerde  nicht  einzutreten  ist,  soweit  darin  eventualiter beantragt wird, es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren mithin einzig zu prüfen ist, ob  das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der  Beschwerdeführerin zu Recht nicht eingetreten ist und infolgedessen die  Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  in  casu  die  Voraussetzungen  für  die  Ausfällung  eines  Beschwerdeentscheides  während  noch  laufender  Beschwerdefrist  gegeben  sind  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 13), dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  der  vorinstanzlichen  Feststellung,  die  Beschwerdeführerin  verfüge  über  einen  gültigen  Aufenthaltstitel  in  Italien,  auf  Beschwerdeebene  nichts entgegengehalten wird und sich diese Feststellung mit den Akten  deckt, dass das BFM ein Ersuchen um Übernahme der Beschwerdeführerin an  Italien gestellt hat, dass  die  italienischen  Behörden  einer  Übernahme  der  Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 9 Abs. 1 Dublin­II­VO mit Schreiben  vom 14. Juli 2011 zustimmten (vgl. Akten BFM A 13/1),

D­4076/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  somit  ohne  weiteres  in  einen  Drittstaat  (vorliegend  Italien)  ausreisen  kann,  welcher  für  die  Prüfung  ihres  Asylantrages staatsvertraglich zuständig ist, dass  damit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG gegeben ist, dass  bezüglich  des  Vorbringens  der  Beschwerdeführerin,  sie  habe  in  Italien keine Unterkunft, mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen  ist, dass  Italien Signatarstaat sowohl des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  als  auch  der  EMRK  ist,  und  vorliegend  keine  Hinweise  darauf  bestehen,  Italien  würde  sich  im  Falle  der  Beschwerdeführerin  nicht  an  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  halten, dass  sich  das  italienische  Asylsystem  aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen  Raum  verbunden  mit  erhöhtem  Zustrom  von  Asylsuchenden  zwar mit  erheblichen  Kapazitätsproblemen  konfrontiert sieht, dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können,  wobei  sich  bereits  vorbestandene  Kapazitätsprobleme in jüngster Zeit akzentuiert haben dürften, dass jedoch auch unter Berücksichtigung dieser Umstände entgegen den  Beschwerdevorbringen kein Anlass zur Annahme besteht, die über einen  gültigen Aufenthaltstitel  in  Italien  verfügende Beschwerdeführerin würde  nach  der  Rückführung  in  eine  existenzielle  Notlage  geraten,  zumal  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  ihres  früheren,  rund  zweijährigen  Aufenthaltes mit den Verhältnissen in Italien bestens vertraut ist, und sie  nach ihren eigenen Angaben dort über Arbeit und Unterkunft verfügte, dass  allfällig  notwendige  medizinische  Abklärungen  auch  in  Italien  durchgeführt werden können, dass  die  Beschwerdeführerin  auf  Beschwerdeebene  überdies  geltend  macht, sie habe einen schweizerischen Staatsbürger kennengelernt, mit  dem sie sich bereits verlobt habe und welchen sie heiraten wolle,

D­4076/2011 dass sie als Beweismittel unter anderem ein Schreiben an das kantonale  Migrationsamt (in Kopie) sowie das entsprechende Antwortschreiben und  die Kopie einer Verlobungsanzeige einreichte, dass  im  Zusammenhang  mit  Art. 7  Dublin­II­VO  gemäss  Art. 2  Bst. i  Dublin­II­VO unter den Begriff  "Familienangehörige"  lediglich Ehegatten,  nicht  verheiratete  Partner,  die  eine  dauerhafte  Beziehung  führen,  minderjährige  Kinder  und  bei  unverheirateten  minderjährigen  asylsuchenden Personen der Vater, die Mutter oder der Vormund fallen, dass indessen Art. 8 EMRK unter dem Aspekt von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­ VO  berücksichtigt  werden  kann,  soweit  eine  tatsächlich  gelebte  Beziehung  besteht,  wobei  diesbezüglich  als  wesentliche  Faktoren  das  gemeinsame  Wohnen  respektive  der  gemeinsame  Haushalt,  die  finanzielle Verflochtenheit, die Länge und Stabilität der Beziehung sowie  das Interesse und die Bindung der Partner aneinander zu berücksichtigen  sind  (vgl.  CHRISTOPH  GRABENWARTER,  Europäische  Menschenrechtskonvention, 4. Aufl., München/Basel/Wien 2009, S. 204;  MARK  E.  VILLIGER,  Handbuch  der  Europäischen  Menschenrechtskonvention,  2.  Aufl.,  Zürich  1999,  S.  365;  LUZIUS  WILDHABER  in:  Internationaler  Kommentar  zur  Europäischen  Menschenrechtskonvention,  Hrsg.:  Wolfram  Karl,  12.  Lfg.,  Köln/Berlin/München 2009, Art. 8 EMRK, S. 137, EGMR, K. und T. gegen  Finnland  [Grosse  Kammer],  Urteil  vom  12.  Juli  2001,  Beschwerde  Nr.  25702/94, § 150), dass  bis  anhin  keine  gültig  geschlossene  Ehe  zwischen  der  Beschwerdeführerin und ihrem schweizerischen Verlobten vorliegt, dass die Beschwerdeführerin ihren Verlobten nach eigenen Angaben erst  nach  ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  und  damit  erst  vor  kurzer  Zeit  kennengelernt hat, dass demnach offensichtlich weder von einer Partnerschaft im Sinne von  Art. 2 Bst.  i Dublin­II­VO noch von einer  tatsächlich gelebten Beziehung  im Sinne von Art. 8 EMRK zwischen der Beschwerdeführerin und  ihrem  Verlobten ausgegangen werden kann, dass mit Bezug auf das Recht auf Eheschliessung festzuhalten  ist, dass  grundsätzlich  ein  Ehevorbereitungsverfahren  in  der  Schweiz  auch  dann  möglich ist, wenn die Brautleute nicht in der Schweiz wohnhaft sind (vgl. 

D­4076/2011 Art.  62  ff.  der  Zivilstandsverordnung  vom  28.  April  2004  [ZStV,  SR  211.112.2]), dass  es  den  Verlobten  obliegt,  sich  bei  den  zuständigen  kantonalen  Behörden  nach  den  notwendigen  Schritten  für  die  Erteilung  einer  allfälligen  künftigen  Einreisebewilligung  der  Beschwerdeführerin  aus  familiären  Gründen  zu  erkundigen,  sollten  die  erforderlichen  Voraussetzungen dannzumal erfüllt sein, dass somit auch diesbezüglich einer Übernahme der Beschwerdeführerin  durch  Italien nichts  entgegensteht  und  in  diesem Zusammenhang  keine  Verletzung von Art. 12 EMRK feststellbar ist, dass  schliesslich  Art. 15  Dublin­II­VO  grundsätzlich  nur  dann  zur  Anwendung gelangt, wenn sich ein Asylsuchender in dem für die Prüfung  des Asylgesuches nach Art. 6­14 Dublin­II­VO zuständigen Staat aufhält,  humanitäre  Erwägungen  –  wie  das  Zusammenführen  von  Familienmitgliedern – jedoch dafür sprechen, das Asylverfahren in einem  weiteren  Staat  durchzuführen  (vgl.  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG, Dublin  II­Verordnung, 3. überarb. Aufl., Wien/Graz 2010, K4 zu  Art. 15), dass sich die Beschwerdeführerin  indessen  in der Schweiz und damit  in  einem  für  die Durchführung  des Asylverfahrens  nicht  zuständigen Staat  aufhält,  weshalb  die  sogenannte  humanitäre  Klausel  (Art. 15  Dublin­II­ VO) vorliegend von vorneherein nicht zum Tragen kommt, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  eingetreten  ist, weshalb es sich erübrigt,  auf weitere Vorbringen  in der Beschwerde  im Einzelnen einzugehen, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs bereits Voraussetzung  (und nicht  erst Regelfolge)  des Nichteintretensentscheides  und  deshalb  vorliegend  nicht zu prüfen ist, dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von  Art. 83  Abs. 1  und  4  AuG  stellt,  sondern  vor  der  Prüfung  des 

D­4076/2011 Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbsteintrittsrechts (Art. 3  Dublin­II­VO, Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999  über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]), dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung nach Italien zu bestätigen ist, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4076/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

D-4076/2011 — Bundesverwaltungsgericht 25.07.2011 D-4076/2011 — Swissrulings