Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 22.07.2011 D-3953/2011

22 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,280 mots·~6 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3953/2011 Urteil   v om   2 2 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn;   Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien,   vertreten durch LL.M. lic.iur. Susanne Sadri,  Asylhilfe Bern, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 1. Juli 2011 / N (…).

D­3953/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer sein Heimatland eigenen Angaben zufolge im  (…) 2006 verliess und sich in der Folge im Sudan und in Libyen aufhielt, dass  er  Ende  (…)  2011  von  der  libyschen  Küste  aus  mit  Hilfe  eines  Schleppers auf dem Seeweg in ein ihm unbekanntes Land gelangt sei, dass er am 4. Mai 2011 in die Schweiz einreiste, wo er gleichentags um  Asyl nachsuchte, dass  das  BFM  aufgrund  einer  Abfrage  der  EURODAC­Datenbank  feststellte, der Beschwerdeführer sei am (…) 2011 durch die italienischen  Behörden in B._______ aufgegriffen und daktyloskopisch erfasst worden, dass  das  Bundesamt  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  summarischen  Befragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  vom  27. Mai  2011  das  rechtliche  Gehör  bezüglich  der  Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Asylverfahren,  zum  Nichteintretensentscheid und zu einer Wegweisung dorthin gewährte, dass das BFM mit Verfügung vom 1. Juli 2011 – eröffnet am 6. Juli 2011  – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung nach Italien anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  seiner  Verfügung  anführte,  auf  ein  Asylgesuch  werde  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  könnten,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig sei,  dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Abkommens  vom  26.  Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­ Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.689) verpflichtet habe, die  Dublin­II­Verordnung  ([Dublin­II­VO]  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren  zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist) anzuwenden,

D­3953/2011 dass der Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit EURODAC  nachweise, dass der Beschwerdeführer am  (…) 2011  illegal  in  Italien  in  das Hoheitsgebiet der Dublin Mitgliedstaaten eingereist sei, dass  die  italienischen  Behörden  das  Übernahmeersuchen  der  Schweiz  gestützt  auf  Art. 10  Abs. 1  Dublin­II­VO  gutgeheissen  hätten,  womit  gemäss  DAA  Italien  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens zuständig sei, dass  die  Überstellung  nach  Italien  ­  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung der Überstellungsfrist ­ bis spätestens  am 27. Dezember 2011 zu erfolgen habe, dass somit auf das Asylgesuch nicht eingetreten werde, dass die Folge eines Nichteintretensentscheides gemäss Art.  44 Abs. 1  AsylG  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sei  und  der  Beschwerdeführer  in einen Drittstaat reisen könne, in dem er Schutz vor  Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden würde, weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  nicht  zu  prüfen  sei,  und  auch  keine  Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR  0.101) im Falle einer Rückkehr nach Italien bestehen würden, dass  der  Beschwerdeführer  vorgebracht  habe,  die  Lebensumstände  seiner  Landsleute  in  Italien  seien  sehr  schlecht,  sie  lebten  in  den  Strassen als Obdachlose, dass das BFM hierzu anmerkte, die Dublin­II­VO gehe davon aus, dass in  allen  Dublin­Staaten  eine  adäquate  Betreuung  und  auch  medizinische  Versorgung  von  Asylsuchenden  gewährleistet  sei,  Italien  habe  die  sogenannte  Aufnahmerichtlinie  (Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27. Januar  2003),  welche  zahlreiche  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden  beinhalte,  ohne  Beanstandung  von  Seiten  der  Europäischen  Kommission  umgesetzt,  weshalb  es  dem  Beschwerdeführer  zuzumuten  sei,  sich  erneut  an  die  dafür  zuständigen  Behörden zu wenden,  dass  somit  weder  die  in  Italien  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe gegen die Zumutbarkeit  der Wegweisung nach  Italien  sprechen  würden und der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch  durchführbar sei,

D­3953/2011 dass  der  Beschwerdeführer mit  Eingabe  vom 13. Juli  2011  durch  seine  Rechtsvertreterin  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  dabei  beantragen  liess, die Verfügung des BFM vom 1. Juli 2011 sei aufzuheben und das  Bundesamt  sei  anzuweisen,  die  Behandlung  seines  Asylgesuchs  fortzusetzen, dass  er  in  verfahrensrechtlicher Hinsicht  darum ersuchte, mittels  super­ provisorischer  und  provisorischer  Verfügung  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  kantonalen  Behörden  anzuweisen, die Vollzugsmassnahmen sofort einzustellen, dass  er  überdies  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragte, dass der Beschwerdeschrift diverse Beweismittel beilagen, dass auf die Begründung der Begehren sowie die Beweismittel – soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen  wird, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung  mit  Verfügung vom 15. Juli 2011 per sofort aussetzte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme nicht vorliegt, dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

D­3953/2011 ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 34  E. 2.1.  S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides stellen,

D­3953/2011 dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  der  vorinstanzlichen  Feststellung,  der  Beschwerdeführer  sei  angesichts  des  Ergebnisses  der  EURODAC­Abfrage  am  (…)  2011  in  Italien  illegal  in  das  Hoheitsgebiet  der  Dublin­Staaten  eingereist,  auf  Beschwerdeebene  nichts  entgegengehalten  wird  und  sich  diese  Feststellung mit den Akten deckt, dass das BFM ein Ersuchen um Übernahme des Beschwerdeführers an  Italien gestellt hat, dass  Italien  einer  Übernahme  des  Beschwerdeführers  gemäss  Art. 10  Abs. 1 Dublin­II­VO mit Schreiben vom 27. Juni 2011 zugestimmt hat (vgl.  Akten BFM A 13), dass  der  Beschwerdeführer  somit  ohne  weiteres  in  einen  Drittstaat  (vorliegend  Italien)  ausreisen  kann,  welcher  für  die  Prüfung  seines  Asylantrages staatsvertraglich zuständig ist, dass  damit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG gegeben ist, dass  der Beschwerdeführer  in  der Rechtsmitteleingabe  geltend machen  lässt, die aktuellen Aufnahme­ und Lebensbedingungen in Italien stellten  einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK dar, da Italien seinen asylrechtlichen  Verpflichtungen nicht nachkomme, dass  er  zur  Begründung  auf  folgende  Dokumente  verweist:  Beschluss  des Verwaltungsgerichts Darmstadt vom 11. Januar 2011, Beschluss des  Verwaltungsgerichts  Giessen  vom  16. März  2011,  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  "Asylverfahren  und  Aufnahmebedingungen  in  Italien"  vom  Mai  2011,  Bericht  von  Pro  Asyl  "Zur Situation von Flüchtlingen in Italien" (Deckblatt), dass mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen ist, dass Italien Signatarstaat  sowohl  des Abkommens  vom 28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  als  auch  der  EMRK  sowie  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, 

D­3953/2011 dass  anders  als  bei  Griechenland  (vgl.  Urteil  des  EGMR  M.S.S.  vs.  Belgium  and  Greece,  Nr.  30696/09,  21.  Januar  2011,  Urteil  R.U.  vs.  Greece,  Nr.  2237/08,  7.  Juni  2011)  hinsichtlich  Italien  aufgrund  der  wiederholten  und  übereinstimmenden  Stellungnahmen  des  Amtes  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR),  des  Kommissars  für  Menschenrechte  des  Europarates  und  von  internationalen  Nichtregierungsorganisationen  (NGOs)  weder  davon  ausgegangen werden kann, die italienische Gesetzgebung zum Asylrecht  werde  nicht  angewendet,  noch  sei  das  Asylverfahrensrecht  in  diesem  Land in einer Art und Weise von strukturellen Unzulänglichkeiten geprägt,  dass  asylsuchende  Personen  kaum  Chancen  auf  eine  seriöse  Prüfung  ihrer  Asylgesuche  und  ihrer  Beschwerden  durch  die  italienischen  Behörden  haben,  oder  dass  sie  dort  mangels  wirksamer  Beschwerdemöglichkeit keinen Schutz vor willkürlicher Rückschiebung in  ihr Heimatland geniessen, dass  somit  keine  ernsthaften  Zweifel  daran  bestehen,  dass  Italien  die  Richtlinie  Nr.  2005/85/EG  des  Rates  vom  1.  Dezember  2005  über  Mindestnormen  für  Verfahren  in  den  Mitgliedstaaten  zur  Zuerkennung  und  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  (Amtsblatt  Nr.  L  326  vom  13/12/2005 S. 0013 – 0034) respektiert, und an dieser Einschätzung auch  die  vorstehend  erwähnten  Beschlüsse  deutscher  Gerichte  nichts  zu  ändern  vermögen,  zumal  diese  für  die  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts nicht verbindlich sind, dass  hinsichtlich  der  genannten  Berichte  zu  den  Aufnahme­  und  Lebensbedingungen  für  asylsuchende  respektive  bereits  als  Flüchtlinge  anerkannte  Personen  in  Italien  festzustellen  ist,  dass  die  italienischen  Behörden seit geraumer Zeit mit einer grossen Anzahl von Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen bei den Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und Lebensbedingungen nicht  zum Schluss  gelangt,  Italien  verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr.  2003/9/EG  des  Rates  vom  27.  Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten (Amtsblatt Nr. L 031 vom 06/02/2003 S. 0018 – 0025),

D­3953/2011 dass  angesichts  dieser  Sachlage  keine  Veranlassung  besteht,  die  Regelvermutung  in  Frage  zu  stellen,  wonach  sich  Italien  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK  und  der FoK, hält (BVGE 2010/45 E. 7.5. und 7.7.),  dass  diese  Regelvermutung  umgestossen  werden  kann,  wenn  im  konkreten  Einzelfall  ernsthafte  Indizien  dafür  vorliegen,  dass  die  Behörden des betreffenden Signatarstaates Völkerrecht verletzen (BVGE  2010/45 a.a.O.), dass  es  dem  Beschwerdeführer  vorliegend  nicht  gelungen  ist,  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nachzuweisen,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  müsste,  ihm  drohe  in  Italien  eine  unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, dass der Beschwerdeführer geltend macht, es sei ihm bei der Ankunft in  Italien gesundheitlich schlecht gegangen, dass  ihm  nach  eigenen  Angaben  aber  durch  einen  zweiwöchigen  Krankenhausaufenthalt  die  notwendige medizinische Hilfe  zugekommen  ist  und  er  selber  nicht  darlegt,  dass  und  weshalb  er  weiterhin  medizinische Betreuung benötigte, dass  auch  unter  Berücksichtigung  dieser  Umstände  entgegen  den  Beschwerdevorbringen  kein  Anlass  zur  Annahme  besteht,  der  Beschwerdeführer  würde  nach  der  Rückführung  in  Italien  in  eine  existenzielle Notlage geraten, dass sich angesichts dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  erübrigt,  weil  diese  nicht  geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen, dass  das  vorliegende  Urteil  in  Übereinstimmung  mit  der  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts zum Wegweisungsvollzug nach Italien ergeht  (vgl.  BVGE  2010/45,  sowie  u.a.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­3506/2011 vom 4. Juli 2011 und E­3154/2011 vom 23. Juni 2011), dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  des  Beschwerdeführers  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre  Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung 

D­3953/2011 gelangt  und  folglich  das  BFM  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs bereits Voraussetzung  (und nicht  erst Regelfolge)  des Nichteintretensentscheides  und  deshalb  vorliegend  nicht zu prüfen ist, dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von  Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG, SR 142.20)  stellt,  sondern vor  der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbstein­ trittsrechts  (Art. 3  Dublin­II­VO)  oder  gegebenenfalls  – wenn  sich  Fami­ lienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zu­ sammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung  der  sogenannten  Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin­II­VO), dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung nach Italien zu bestätigen ist, dass  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Beschwerde  nicht  darzutun  ver­ mag,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuwei­ sen ist, dass  der  am  15. Juli  2011  verfügte  Vollzugsstopp  ebenso  wie  die  Gesuche  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  (Art. 107a  AsylG)  und  Erlass  des  Kostenvorschusses  mit  dem  vorliegenden  Entscheid  in  der Sache hinfällig werden, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art. 65  Abs. 1  VwVG)  –  unabhängig  von  der  durch  die  eingereichte  Fürsorgebestätigung  belegten  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers –  abzuweisen  ist,  da  die  Beschwerdebegehren  nach  dem  Gesagten  als  aussichtslos zu bezeichnen sind,

D­3953/2011 dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  und 5 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

D-3953/2011 — Bundesverwaltungsgericht 22.07.2011 D-3953/2011 — Swissrulings