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Bundesverwaltungsgericht 26.10.2011 D-3773/2010

26 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,204 mots·~11 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. April 2010

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3773/2010 Urteil   v om   2 6 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo,  Richterin Nina Spälti Giannakitsas;    Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren am (…), Kongo (Kinshasa),  (…),   Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. April 2010.

D­3773/2010 Sachverhalt: A.  A.a Die Beschwerdeführerin  suchte  am 11. August  2008  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach. Dort wurde sie  am  22.  August  2008  zu  ihren  Personalien,  zu  ihrem Reiseweg  sowie  ­  summarisch – zu ihren Asylgründen befragt. Am 27. März 2009 wurde die  Beschwerdeführerin,  welche  am  26.  August  2008  für  den  Aufenthalt  während des Asylverfahrens dem Kanton C._______ zugewiesen worden  war,  vom  BFM  in  Bern­Wabern  gestützt  auf  Art.  29  Abs.  1  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) eingehend zu ihren  Asylgründen angehört. A.b  Anlässlich  der  Befragungen  machte  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  geltend,  sie  gehöre  der  Ethnie  der  M._______  an  und  stamme aus der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa, wo sie im Quartier  D.______ gewohnt und an der Universität E._______ Wirtschaft studiert  habe.  Im Jahre 2006 sei sie dem "Mouvement de Libération du Congo"  (MLC)  des  ehemaligen  Rebellenchefs  Jean­Pierre  Bemba  beigetreten  und bis März 2006 beziehungsweise bis März 2007 für die Organisation  als ausführende Sekretärin tätig gewesen. Im  März  2007  sei  es  zwischen  den  Garden  des  Präsidenten  Joseph  Kabila und denjenigen von Jean Pierre Bemba zu Kämpfen gekommen.  Am 6. Juli 2007, nach der Flucht von Jean­Pierre Bemba ins Ausland, sei  sie  von Soldaten Kabilas  zu Hause  festgenommen und  ins Armeecamp  von Tshatshi gebracht worden. Dort habe man von ihr Informationen über  die  MLC  sowie  über  die  Hintergründe  der  Auseinandersetzungen  vom  März 2007 verlangt. Da sie  jedoch keine Auskunft  habe geben können,  sei sie noch am selben Abend wieder  freigelassen worden. Am 29. Mai  2008  sei  sie  erneut  zu  Hause  verhaftet  und  ins  Camp  von  F._______  gebracht  worden.  Sie  sie  beschuldigt  worden,  im  Besitz  wichtiger  Informationen betreffend Jean­Pierre Bemba zu sein, aber am nächsten  Morgen gleichwohl wieder entlassen worden. Am 14. Juni 2008 seien die  selben  Soldaten  wieder  bei  ihr  erschienen  und  hätten  ihre  Wohnung  durchsucht.  Dabei  hätten  sie  verschiedene  Wertgegenstände  und  Dokumente  entwendet  und  sie  –  die  Beschwerdeführerin  –  zusammen  mit zwei Parteikollegen ein drittes Mal ins Camp von F._______ gebracht.  Dort  sei  sie  geschlagen,  gestossen  und mit  einer  brennenden Zigarette  gebrannt  worden.  Auch  sei  sie  zur  Aussage  gezwungen  worden,  im  Besitz  wichtiger  Informationen  sowie  von Geldern  und Wertsachen  von 

D­3773/2010 Jean­Pierre Bemba zu sein. Bereits in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni  2008  sei  ihr  und  ihren  beiden  Bekannten mit  Hilfe  von  zwei  von  ihrem  Freund bestochenen Wärtern die Flucht aus dem Camp gelungen. Bis zu  ihrer  Ausreise  habe  sie  sich  bei  einer  Tante  mütterlicherseits  in  G._______  versteckt  gehalten.  Schliesslich  habe  sie  Kongo  (Kinshasa)  am  8.  August  2008  über  den  internationalen  Flughafen  von  Ndjiili  verlassen und sei mit einem ihr nicht zustehenden kongolesischen Pass  nach Brüssel  gereist.  Dort  habe  ihr  ein  ihr  zuvor  nicht  bekannter Mann  den  Pass  abgenommen  und  sie  in  einem  Personenwagen  bis  in  die  Schweiz gefahren.  Ihre  am  11.  September  2002  geborene  Tochter H._______  habe  sie  in  der Obhut ihrer Mutter in Kinshasa gelassen. Für  den  weiteren  Inhalt  der  Aussagen  wird  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten verwiesen. A.c  Im  Verlauf  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  gab  die  Beschwerdeführerin  die  Kopie  eines  auf  den  28.  März  2006  datierten  Gesuches  um  Aufnahme  in  den  MLC  sowie  einen  gleichentags  ausgestellten  MLC­Mitgliederausweis  zu  den  Akten.  Zwecks  beabsichtigter  –  bis  anhin  aber  nicht  zustande  gekommener –  Eheschliessung mit einem belgischen Staatsangehörigen kongolesischer  Herkunft reichte die Beschwerdeführerin zudem den Zivilstandsbehörden  des Kantons I._______ einen am 7. Mai 2009 in D._______ ausgestellten  Ausweis  betreffend den Verlust  einer  Identitätskarte  im Original  sowie –  jeweils  in  Kopie  –  verschiedene  kongolesische  Unterlagen  betreffend  ihren Zivilstand und die von ihr absolvierten Schulen ein. B.  Mit Verfügung vom 22. April 2010 – eröffnet am 3. Mai 2010 – lehnte das  BFM  das  Asylgesuch  mit  der  Begründung  ab,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  hielten  weder  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  noch  denjenigen  an  die Asylrelevanz  stand. Gleichzeitig  ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz an  und stellte fest, der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und  möglich.  C.  Die  Beschwerdeführerin  beantragte  mit  Eingabe  vom  26.  Mai  2010 –  unter  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  –  die  Gewährung  des 

D­3773/2010 Asyls,  eventualiter  die  Erteilung  der  vorläufigen  Aufnahme.  In  prozessrechtlicher  Hinsicht  sei  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung zuzuerkennen und es sei die unentgeltliche Prozessführung zu  bewilligen  sowie  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Zur Untermauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den  Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen  wird – gab die Beschwerdeführerin eine am 25. Mai 2010 vom J._______  ausgestellte Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung  zu den Akten und  stellte  gleichzeitig  die  Nachreichung  verschiedener  Beweismittel  aus  ihrer  Heimat in Aussicht. D.  D.a  Mit  Zwischenverfügung  vom  4.  Juni  2010  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  der Beschwerdeführerin  vorab mit,  sie  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  gestützt  auf  Art.  42  Abs.  1  AsylG  in  der  Schweiz  abwarten.  Sodann  wurden  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  (Art.  63  Abs.  4  VwVG)  mit  der  Begründung  abgelehnt,  eine  erste  Durchsicht  der  Akten  habe  ergeben,  dass  vorliegend  –  ungeachtet  der  durch  eine  entsprechende  Bestätigung  belegten  Bedürftigkeit  –  das  Kriterium  der  Nichtaussichtslosigkeit  nicht  gegeben  sein  dürfte.  Gleichzeitig wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, bis zum 21. Juni  2010  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­­  zu  bezahlen,  andernfalls  auf  die  Beschwerde  nicht  eingetreten  werde.  Schliesslich  wurde  die  Beschwerdeführerin  aufgefordert,  die  in  Aussicht  gestellten  Beweismittel  innert  30  Tagen  ab  Erhalt  der  Zwischenverfügung  nachzureichen.  D.b  Am  11.  Juni  2010  reichte  die  Beschwerdeführerin  beim  Bundesverwaltungsgericht  ein  Gesuch  um  Bewilligung  der  ratenweisen  Bezahlung  des  ihr  auferlegten  Kostenvorschusses  ein.  Dessen  ungeachtet  wurde  der  Kostenvorschuss  fristgerecht  am  21.  Juni  2010  bezahlt. Sodann  gab  die  Beschwerdeführerin  am  28.  Juni  2010  –  jeweils  im  Original  –  ein  am  8.  Juli  2008  in  Kinshasa  ausgestelltes  ärztliches 

D­3773/2010 Zeugnis und einen auf den 15. August 2009 datierten Suchbefehl  ("Avis  de recherche") samt zugehörigem DHL­Zustellcouvert zu den Akten. E.  Das  BFM  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom  23.  Februar  2011  die  Abweisung  der  Beschwerde,  da  diese  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  An  dieser  Feststellung  vermöchten  die  auf  Beschwerdeebene  eingereichten Beweismittel  nichts  zu  ändern,  zumal  der  zu  den  Akten  gegebene  Suchbefehl  gewisse  Unregelmässigkeiten aufweise. F.  Die  Vernehmlassung  wurde  der  Beschwerdeführerin  am  25.  Februar  2011  zur  Kenntnisnahme  zugestellt.  Gleichzeitig  erhielt  die  Beschwerdeführerin  Gelegenheit,  bis  zum  14.  März  2011  eine  Replik  einzureichen. G.  G.a Mit Eingabe vom 14. März 2011 nahm die Beschwerdeführerin zum  Inhalt  der  vorinstanzlichen  Vernehmlassung  Stellung  und  hielt  am  Wahrheitsgehalt  der  von  ihr  anlässlich  der  Befragungen  gemachten  Aussagen fest. Im Weiteren rügte sie, das BFM habe es unterlassen, sich  zu  den  Narben,  die  sie  seit  ihrer  dritten  Verhaftung  am  Arm  habe,  zu  äussern. Was den beigebrachten Suchbefehl betreffe, so sei dieser ihrer  Mutter  nach Hause  geschickt  worden;  sie  habe  ihn  so  von  ihr  erhalten  und in gutem Glauben eingereicht.  G.b  Am  15.  März  2011  reichte  die  Beschwerdeführerin  sodann  fünf  Bilder, welche einen Körperteil – angeblich den bei der dritten Festnahme  verletzten Arm – zeigen, zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 

D­3773/2010 Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  eines  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 

D­3773/2010 auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1. Das BFM stellte  in  seiner angefochtenen Verfügung vorab  fest,  die  Beschwerdeführerin  habe  im  Verlaufe  des  Verfahrens  zu  wesentlichen  Punkten unterschiedliche Angaben gemacht. 4.1.1.  In  der  Tat  gab  die  Beschwerdeführerin  etwa  anlässlich  der  Erstbefragung im EVZ B._______ zu Protokoll, ihr Halbbruder sei am 22.  Juni 2008, mithin rund eine Woche nach ihrer Flucht aus dem Militärcamp  von  F._______,  zu  Hause  an  ihrer  Stelle  festgenommen  worden  (vgl.  Vorakten  A4  S.  5  unten).  Demgegenüber  erklärte  sie  in  der  direkten  Bundesbefragung  zunächst,  ihr  (Halb­)Bruder  sei  gleich  am  Tag  nach  ihrer Flucht vom 16. Juni 2008 zu Hause verhaftet worden (vgl. A10 S. 6,  Antwort auf Frage 39), um dann im späteren Verlauf dieser Anhörung zu  behaupten,  dieser  sei  erst  anfangs  Juli  2008  festgenommen  worden,  doch könne sie sich nicht mehr an das genaue Datum erinnern (vgl. A10  S. 16, Antwort auf Frage 168).  Bereits  in  der  direkten  Bundesbefragung  auf  diesen  Widerspruch  angesprochen, erklärte die Beschwerdeführerin, das in der Erstbefragung  erstellte Protokoll enthalte viele Fehler (vgl. A10 S. 16, Antwort auf Frage  169).  Mit  dieser  Aussage  lässt  sich  die  besagte  Unstimmigkeit  nicht  beseitigen,  zumal  die  Beschwerdeführerin  die  Richtigkeit  und  Vollständigkeit  des  in  ihrer  Muttersprache  (Französisch)  verfassten  Protokolls unterschriftlich bestätigt hatte (vgl. A4 S. 8). Ebenso wenig zu  überzeugen  vermag  die  in  der  Beschwerdeschrift  (vgl.  S.  6  und  13)  enthaltene Behauptung, ihr Bruder sei zwar am Tag nach ihrer Flucht aus  dem  Gefängnis  zu  Hause  gesucht,  aber  erst  im  Juli  2008  gefunden  worden,  zumal  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Befragungen  nie  sagte,  ihr  Bruder  sei  von  Soldaten  Kabilas  gesucht  worden,  sondern  vielmehr behauptete, ihr Bruder sei festgenommen worden, weil sie – die  Beschwerdeführerin – zu jenem Zeitpunkt nicht zu Hause gewesen sei.    4.1.2.  Des  Weiteren  machte  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Erstbefragung  im  EVZ  B._______  geltend,  seit  ihrem  Untertauchen  erhalte  ihre  Mutter  ununterbrochen  Vorladungen,  wonach  sie  –  die  Beschwerdeführerin  –  sich  im  Militärcamp  von  F._______  zu  melden  habe (vgl. A4 S. 5 unten). In der direkten Bundesbefragung erwähnte sie  diese Vorladungen  jedoch  nicht  von  sich  aus  und  verneinte  ausserdem 

D­3773/2010 die  Frage,  ob  ihre  Mutter  Probleme  mit  den  Behörden  gehabt  habe,  ausdrücklich (vgl. A10 S. 15, Antwort auf Frage 154). Auf entsprechenden  Vorhalt  hin  erklärte  die  Beschwerdeführerin  lediglich,  die  Vorladungen  hätten  ja  sie  selber  und  nicht  ihre  Mutter  betroffen  (vgl.  A10  S.  17,  Antwort auf Frage 174). 4.2. Die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel vermögen die  bestehenden  Zweifel  an  der  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  nicht zu beseitigen.  4.2.1. Wie  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  vom  23.  Februar  2011  festhielt,  bestätigt  das  am  8.  Juli  2008  ausgestellte  ärztliche  Zeugnis  lediglich,  dass  ein  Mann  mit  dem  Namen  L.________  –  gemäss  den  Angaben  der Beschwerdeführerin  ihr  (Halb­)Bruder  –  im  Jahre  2008  im  K._______  wegen  eines  Armbruchs  behandelt  worden  war,  ohne  aber  den Beweis zu erbringen, dass der Arm während eines Haftaufenthaltes  oder unter Gewaltanwendung gebrochen war.  4.2.2.  In Bezug auf den eingereichten Suchbefehl ("Avis de Recherche")  bemerkte  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  vom  23.  Februar  2011,  dieser  weise  gewisse  Unregelmässigkeiten  auf.  Einerseits  enthalte  er  Spuren  von  Abänderungen  im  Text,  andererseits  würde  ein  solches  Dokument  gemäss  gesicherten  Erkenntnissen  nicht  von  einem  "Inspecteur"  unterschrieben.  Dieser  Auffassung  kann  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  –   ungeachtet  der  Tatsache,  dass  das  fragliche  Dokument,  entgegen  der  entsprechenden  Bemerkung  in  der  Vernehmlassung, nicht nur als Kopie, sondern  im Original zu den Akten  gegeben  worden  war  –  anschliessen.  Der  Suchbefehl  ist  demnach  ebenfalls  nicht  geeignet,  die  Zweifel  an  der  geltend  gemachten  Verfolgungssituation zu beseitigen, zumal derartige Dokumente in Kongo  (Kinshasa)  ohne  Weiteres  nachträglich  gegen  entsprechendes  Entgelt  beschafft werden können.  4.2.3. Was schliesslich die  in der Stellungnahme vom 14. März 2011  in  Aussicht  gestellten  und  am  15.  März  2011  eingereichten  fünf  Fotos  betrifft,  so  ist  nicht  eindeutig  feststellbar,  ob  darauf  –  wie  von  der  Beschwerdeführerin  behauptet  –  ein  Arm,  und  nicht  etwa  ein  Bein,  abgebildet  ist. Erst  recht vermögen die Fotos nicht zu belegen, dass es  sich  um  einen  Körperteil  der  Beschwerdeführerin  handelt.  Dessen  ungeachtet  entsprechen  die  abgebildeten  Verletzungen  in  keiner Weise  den  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin.  So  will  die 

D­3773/2010 Beschwerdeführerin in der Haft mit einer Zigarette gebrannt worden sein  (vgl. A4 S. 5, A10 S. 13, Beschwerde S. 7, Stellungnahme vom 14. März  2011 S. 1  f.), wohingegen die Bilder  klarerweise keine drei  Jahre alten,  auf  das Brennen mit  einer Zigarette  zurückzuführende Narben,  sondern  neue,  oberflächliche  Schürfwunden,  allenfalls  grossflächigere  Wunden  von Verbrennungen ersten oder zweiten Grades, zeigen.  4.3.  Sodann  vermögen  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  ­  ungeachtet  der  Frage  ihrer  Glaubhaftigkeit  –  teilweise  auch  den  Anforderungen an die Asylrelevanz nicht zu genügen.  4.3.1. So stellen die beiden geltend gemachten Festnahmen vom  6. Juli  2007  und  vom  29.  Mai  2008  aufgrund  ihrer  Art  und  Intensität  keine  Massnahmen  dar,  die  der  Beschwerdeführerin  ein  menschenwürdiges  Leben in Kongo (Kinshasa) verunmöglichen oder in unzumutbarer Weise  erschweren würden. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin gemäss  ihren Angaben beide Male am nächsten Tag – und ohne Auferlegung von  Bedingungen – freigelassen worden war, weist überdies darauf hin, dass  keine konkreten Verdachtsmomente gegen sie vorgelegen hatten.  4.3.2.  Schliesslich  besteht  auch  kein  anderer  begründeter  Anlass  zur  Annahme,  dass  die  Beschwerdeführerin  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt sein könnte. Wie  das  BFM  in  Bezug  auf  die  von  der  Beschwerdeführerin  bereits  im    vorinstanzlichen  Verfahren  eingereichten,  ihre  Mitgliedschaft  beim  MLC  betreffenden  Dokumente  (Kopie  eines  Gesuches  um  Aufnahme  in  den  MLC sowie Mitgliederausweis im Original) zutreffend bemerkte, hatte die  Beschwerdeführerin  innerhalb  dieser  Organisation  keine  spezielle     Funktion  inne,  die  ein  allfälliges  Verfolgungsrisiko  durch  die  Behörden  begründet  hätte.  Das  BFM wies  dabei  zu  Recht  darauf  hin,  die MLC –  eine legale Oppositionspartei – habe in letzter Zeit aufgrund parteiinterner  Konflikte  an  Einfluss  verloren  und  stelle  heute  für  die  kongolesische  Regierung kaum mehr eine Gefahr dar. 4.4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  weder  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  noch  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  standhalten.  Es  kann  darauf  verzichtet  werden,  auf  die  übrigen  Erwägungen  der  Vorinstanz  (etwa  auf  die  Bemerkung,  die  Beschwerdeführerin  habe  auch  die 

D­3773/2010 Möglichkeit,  sich  in  einer  anderen  Region  ihres  Heimatlandes –  beispielsweise  in  ihrer  Herkunftsprovinz  N._______  –  niederzulassen)  und  auf  die  weiteren  Darlegungen  in  der  Beschwerdeschrift  (im  Wesentlichen  Ausführungen  zur  politischen  Lage  in  Kongo  [Kinshasa]  und  zu  den  allgemeinen Gegebenheiten  in  N._______  sowie  die  durch  nichts  belegte  Behauptung,  ihre  beiden  Mitgefangenen,  die  ebenfalls  hätten  fliehen  können,  lebten  jetzt  ebenfalls  im  Ausland)  oder  in  der  Stellungnahme  vom 14. März  2011  näher  einzugehen. Das Asylgesuch  wurde vom Bundesamt nach dem Gesagten zu Recht abgewiesen.  Nachdem  der  erhebliche  Sachverhalt  ausreichend  erstellt  ist,  besteht  keine  Veranlassung,  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Das  entsprechende  Begehren  (vgl.  Beschwerde  S.  10  oben  sowie  Stellungnahme  vom  14.  März  2011  S.  3)  ist  daher  abzuweisen.  5.  Lehnt  das  BFM  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch auf Erteilung einer  solchen. Die Wegweisung wurde daher  zu  Recht  angeordnet  (vgl.  BVGE  2008/34  E.9.2  S.  510  sowie  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR142.20]). 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG). 6.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 

D­3773/2010 einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden.  6.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gewährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführerin  nach  Kongo  (Kinshasa)  ist  demnach  unter  dem  Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.  Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Kongo  (Kinshasa)  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechts  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren Hinweisen). Mit den allgemeinen Hinweisen auf die schwierigen  Haftbedingungen  ihrer  Heimat  (vgl.  Beschwerde  S.  13)  wird  den  genannten  Anforderungen  nicht  Genüge  getan,  zumal  es  der  Beschwerdeführerin – wie oben unter Ziff. 4 der Erwägungen festgehalten  wurde  –  nicht  gelungen  ist,  die  Zweifel  an  der Glaubhaftmachung  ihrer 

D­3773/2010 Verfolgungssituation  zu  beseitigen. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig.  6.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsland auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). 6.3.1. Für  die  allgemeine  Lage  in  Kongo  (Kinshasa)  kann  zunächst  auf  die  detaillierte,  noch  von  der  ARK  in  EMARK  2004  Nr.  33  publizierte  Lageanalyse  verwiesen  werden,  welche  das  Bundesverwaltungsgericht  als im Wesentlichen weiterhin zutreffend erachtet. Am 18./19. Dezember  2005  wurde  die  für  die  Durchführung  von  Präsidentschafts­  und  Parlamentswahlen erforderliche neue Verfassung durch ein Referendum  angenommen. Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen fand am 30.  Juli  2005 und die  zweite Runde  (Stichwahl)  am 29. Oktober  2006  statt.  Schliesslich  erklärte  der  Oberste  Gerichtshof  am  27.  November  2006  Joseph Kabila als Sieger der Stichwahl; er wurde am 6. Dezember 2006  als  Staatspräsident  vereidigt.  Ende  März  2007  kam  es  im Westen  des  Landes  und  in  der  Hauptstadt  Kinshasa  zu  blutigen  Auseinandersetzungen  zwischen  der  regulären  kongolesischen  Armee  und  der  Garde  von  Ex­Rebellenchef  Jean­Pierre  Bemba,  welcher  als  Präsidentschaftskandidat  Joseph  Kabila  unterlegen war  und  sich  in  der  Folge weigerte, seine Leute  in die nationale Armee zu  integrieren. Nach  der  Niederlage  von  Bemba  und  dessen  Flucht  in  die  südafrikanische  Botschaft  beziehungsweise Weiterreise  nach Europa  (am  25. Mai  2008  wurde  der  mit  internationalem  Haftbefehl  gesuchte  Bemba  in  Brüssel  verhaftet  und  an  den  Internationalen  Strafgerichtshof  in  Den  Haag  überstellt;  der  Prozess  gegen  ihn  begann  am  22. November  2010)  beruhigte sich die Lage wieder und es wurden seither aus der Hauptstadt  Kinshasa  und  aus  dem Westen  des  Landes  keine  schwerwiegenderen  Zwischenfälle mehr gemeldet. Unklar  ist, ob sich die politische Lage vor  den  für  Ende  November  2011  vorgesehenen  Präsidentschafts­  und  Parlamentswahlen  wieder  zuspitzen  wird.  Im  jetzigen  Zeitpunkt  kann  bezüglich Kongo (Kinshasa) jedoch nicht generell von Krieg, Bürgerkrieg  oder von einer Situation allgemeiner Gewalt gesprochen werden. 

D­3773/2010 6.3.2. Die Rückkehr von Personen aus Kongo (Kinshasa) kann indes nur  unter bestimmten, eingeschränkten Umständen als zumutbar bezeichnet  werden,  nämlich  dann,  wenn  sich  der  letzte  Wohnsitz  der  betroffenen  Person  in  der  Hauptstadt  Kinshasa  oder  in  einer  anderen,  über  einen  Flughafen verfügenden Stadt  im Westen des Landes befand, oder wenn  die  Person  in  einer  dieser  Städte  über  ein  gefestigtes  Beziehungsnetz  verfügt.  Trotz  Vorliegens  dieser  Kriterien  erscheint  der  Vollzug  der  Wegweisung  jedoch  nach  Prüfung  und  Abwägung  der  individuellen  Umstände  in  der Regel  als  nicht  zumutbar, wenn  die  zurückzuführende  Person (kleine) Kinder bei sich hat, für mehrere Kinder verantwortlich ist,  sich  in einem  fortgeschrittenen Alter befindet, oder wenn es sich bei  ihr  um  eine  alleinstehende,  nicht  über  ein  soziales  oder  familiäres  Netz  verfügende Frau handelt (vgl. EMARK 2004 Nr. 33). Die  Beschwerdeführerin  gehört  nicht  zu  einer  "Risikogruppe"  ("groupe  vulnérable"),  da  sie  zwar  eine  alleinstehende  Frau  ist,  aber  über  eine  ausgezeichnete  Schulbildung  (Wirtschaftsstudium  an  der  Universität  E._______in  Kinshasa)  verfügt  und  neben  ihrer  Muttersprache  Französisch  auch  fliessend  Lingala  spricht.  In  der  Hauptstadt  Kinshasa  besitzt sie ein weites soziales und verwandtschaftliches Beziehungsnetz  (Mutter, welche während  ihrer Abwesenheit  ihre mittlerweile neunjährige  Tochter  H._______  betreut,  sowie  mehrere  Halbgeschwister).  Sodann  ergeben sich aus den Akten keinerlei Hinweise auf allenfalls bestehende  gesundheitliche  Probleme.  Angesichts  dieser  Umstände  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  bei  einer  Rückkehr  in  ihre  Heimat nicht in eine ihre Existenz bedrohende Situation geraten wird und  sich  in Kongo  (Kinshasa)  –  anders als  in  der Schweiz, wo  sie während  ihres  nunmehr  mehr  als  zweijährigen  Aufenthaltes  nie  einer  Erwerbstätigkeit  nachgegangen  ist  –  eine  neue  Existenz  wird  aufbauen  können.  6.3.3. Nach dem Gesagten kann der Vollzug der Wegweisung – entgegen  der  in  der  Rechtsmitteleingabe  vertretenen  Auffassung  –  auch  als  zumutbar bezeichnet werden. 6.4. Schliesslich ist der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin  auch  als möglich  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  2  AuG  zu  bezeichnen,  da  keine  praktischen  Vollzugshindernisse  erkennbar  sind,  die  einer  Rückkehr  nach  Kongo  (Kinshasa)  entgegenstehen  könnten,  und  sie  verpflichtet  ist,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  ihres  Heimatlandes 

D­3773/2010 um  die  Ausstellung  gültiger  Reisepapiere  zu  bemühen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG; vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.). 6.5.  Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4  AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.  8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  desselben  der  Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art. 1­ 3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). Diese werden auf Fr. 600.— bestimmt und mit dem am 21.  Juni 2010 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.  (Dispositiv nächste Seite)

D­3773/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.—  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3. Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Kathrin Mangold Horni

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