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Bundesverwaltungsgericht 14.02.2012 D-3699/2011

14 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,360 mots·~12 min·4

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. Mai 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­3699/2011 Urteil   v om   1 4 .   Februar   2012 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Pietro Angeli­Busi, Richter Martin Zoller,    Gerichtsschreiberin Nina Hadorn. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka,   vertreten durch Barbara Frei­Koller, Freiplatzaktion Basel,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. Mai 2011 / N (…).

D­3699/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  Sri  Lanka  eigenen Angaben  zufolge  am  20. Juni 2008  illegal auf dem Seeweg und gelangte über B._______ am  27. Juli  2008  in  einem Auto  in  die Schweiz, wo  er  am 29.  Juli  2008  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  um  Asyl  nachsuchte. Am 6. August  2008 wurde er  dort  summarisch befragt  und  am  2.  Oktober  2008  in  Begleitung  seines  Rechtsvertreters  vom  BFM  direkt zu seinen Asylgründen angehört. Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend,  er  sei  srilankischer Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie und stamme aus Jaffna, Nordprovinz. Vor seiner Ausreise habe er  als  Tuktuk­Fahrer  gearbeitet  und  in  dieser  Funktion  am  (…)  2006  den  Cousin  seiner  Frau  –  einen Reporter  –  bei  einer Berichterstattung  über  die Tötung von  fünf Personen begleitet. Um den Fundort besichtigen zu  können, hätten sie sich durch die srilankische Armee registrieren lassen,  wobei  insbesondere  das  Kennzeichen  seines  Fahrzeugs  aufgenommen  worden sei. Eine Woche später – nach der Publikation des Artikels – sei  an seinem Tuktuk­Standplatz unter dem Vorwand, man sei am Kauf eines  Fahrzeugs  interessiert,  nach  ihm  gefragt  worden,  woraufhin  er  seine  Rikscha  zu  einem  Freund  gebracht  habe.  Dieser  Freund  habe  sein  Tuktuk  mitunter  für  private  Zwecke  benutzt,  da  er  nichts  von  dem  Problem  mit  dem  Fahrzeug  gewusst  habe.  Als  dieser  Freund  am  (…)  2006  erschossen worden  sei,  habe  er  (der Beschwerdeführer)  sich  aus  Angst  im  Oktober  2007  zu  seiner  Cousine  in  D._______  begeben.  Nachdem am (…) 2007 auch noch der Cousin seiner Frau, welchem er  bei seiner Reportage geholfen habe, erschossen worden sei, habe er sich  zur Ausreise  entschlossen. Am 1.  Juni  2008  sei  er  über Colombo nach  E._______ gereist, von wo aus er auf einem Schiff nach Europa gelangt  sei.  Ergänzend  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  die  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  in  den  Jahren  1990  bis  1995  in  seiner  Funktion  als  Autorikscha­Fahrer  unter  anderem  bei  Kampfhandlungen  unterstützt zu haben. Im Jahr 1995 sei er – wie viele andere – aufgrund  des  Krieges  im  Norden  nach  Kilinochchi,  ins  Vanni­Gebiet,  geflüchtet.  Nach dem Waffenstillstand 2002 sei er nach Jaffna zurückgekehrt, wo er  bis 2005 erneut für die LTTE als Rikscha­Fahrer gearbeitet habe. Ferner  habe  seine  Familie  seit  1984  durch  die  Kampfhandlungen  schwere  Verluste erlebt.

D­3699/2011 Mit auf den 14. Oktober 2008 datierter Eingabe seiner Rechtsvertreterin  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  das  BFM  sei  im  Rahmen  der  eingehenden Befragung vom 2. Oktober 2008 zu wenig auf das Schicksal  seiner Familie eingegangen. So seien sowohl  seine Eltern als auch der  Mann seiner Schwester  dem Krieg  zum Opfer gefallen. Sein Bruder  sei  wegen  seines  Engagements  für  die  LTTE  verfolgt  und  während  dreier  Jahre  in Haft  genommen worden, weshalb er  schliesslich untergetaucht  und ins Vanni­Gebiet geflüchtet sei. Sein jüngerer Bruder sei für die LTTE  tätig  gewesen  und  im  Rahmen  eines  Kampfes  getötet  worden.  Die  Erfahrung  dieser  Verluste  würde  seine  Angst  vor  Verfolgung  noch  verstärken. Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  seine  Identitätskarte,  einen  Obduktionsbericht  bezüglich  seiner  Mutter,  eine  Geburtsurkunde,  eine  Heiratsurkunde  (in  Kopie),  seinen  srilankischen  Führerschein,  verschiedene  Zeitungsartikel  und  Berichte,  ein  Schreiben  der  [Journalistenvereinigung],  einen  Rechnungsbeleg,  seinen  Mitgliederausweis  [Fahrer­Verein],  Kopien  weiterer  Mitgliederausweise  und ein Schreiben […] zu den Akten. Mit Verfügung vom 11. August 2008 wurde der Beschwerdeführer für die  Dauer des Verfahrens dem Kanton F._______ zugewiesen. B.  Mit Verfügung vom 27. Mai 2011 – eröffnet am 30. Mai 2011 – lehnte das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  ordnete  seine  Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Zur  Begründung  wurde  dargelegt,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht  genügten,  da  die  geltend  gemachten  Vorkommnisse  als  offensichtlich  nicht  asylrelevant  zu  qualifizieren  seien.  Den  Wegweisungsvollzug  erachtete  die  Vorinstanz  nach  Jaffna  als  zulässig,  zumutbar und möglich.  C.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  29.  Juni  2011  erhob  der  Beschwerdeführer gegen die Verfügung des BFM vom 27. Mai 2011 beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl  sowie 

D­3699/2011 eventualiter  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  zufolge  Unzulässigkeit und allenfalls Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Ferner  sei  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  festzustellen  und  ihm  zu  allfälligen  Stellungnahmen der Vorinstanz das Replikrecht zu gewähren. In  seiner  Rechtmitteleingabe  machte  der  Beschwerdeführer  unter  Wiederholung seiner Gesuchsgründe  im Wesentlichen geltend, er sei  in  Sri Lanka als Tamile und mutmasslicher LTTE­Unterstützer in Anbetracht  der aktuellen Situation anhaltend gefährdet. Der Eingabe fügte der Beschwerdeführer einen Arbeitsvertrag sowie eine  Lohnabrechnung (beides in Kopie) an. D.  Mit Zwischenverfügung des zuständigen Instruktionsrichters vom 15. Juli  2011 teilte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer mit, er  könne den Ausgang des Verfahrens  in der Schweiz abwarten, verschob  den  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  auf  einen  späteren  Zeitpunkt und forderte den Beschwerdeführer auf, seine Bedürftigkeit bis  zum  2.  August  2011  mittels  Ausfüllen  des  Formulars  "Gesuch  um  unentgeltliche Rechtspflege" auszuweisen. E.  Mit  Eingabe  vom  2.  August  2011  (Poststempel)  reichte  der  Beschwerdeführer  das  ausgefüllte  Formular  "Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege" unter Beilegung verschiedener Nachweise ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 

D­3699/2011 Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Eine solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.1  BGG  liegt  in  casu  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  demnach endgültig. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 

D­3699/2011 auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 2.3. Das  BFM  führte  zur  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  im  Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den  Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht,  weshalb  auf  allfällige  Unglaubhaftigkeitselemente  nicht  einzugehen  sei.  Die  geltend  gemachten  Ereignisse  müssten  vor  dem  Hintergrund  der  Lage während des Bürgerkriegs betrachtet werden, während heute eine  veränderte  Situation  vorherrsche.  Zwar  würden  die  srilankischen  Behörden  nach  wie  vor  gegen  ehemalige  Kämpfer  und  Führungspersonen  der  LTTE  vorgehen.  Da  diese  Umschreibung  indes  auf  den  Beschwerdeführer  nicht  zutreffe  und  er  sich  nach  der  Begebenheit  mit  dem  Reporter  offenbar  unbehelligt  bei  seiner  Cousine  aufhalten  und  nach  Colombo  habe  reisen  können,  sei  nicht  davon  auszugehen,  es  habe  gegen  den  Beschwerdeführer  ein  derartiger  Verdacht  bestanden.  Zudem  sei  angesichts  seines  geringfügigen  politischen Profils und der unbedeutenden einmaligen Tätigkeit als Fahrer  eines  Reporters  nicht  davon  auszugehen,  er  habe  heute  seitens  der  Behörden  noch  mit  Schwierigkeiten  zu  rechnen.  Auch  bezüglich  den  LTTE habe er heute nichts mehr zu befürchten, da die Organisation als  zerschlagen  gelte  und  solche  Belästigungen  überdies  durch  die  staatlichen  Behörden  geahndet  würden.  Die  allgemeinen  Nachteile,  welche ihm aus dem Bürgerkrieg erwachsen seien, hätten weite Teile der  srilankischen  Bevölkerung  betroffen,  weshalb  es  erforderlichen  Verfolgungsmotiv  gemäss  Art.  3  AsylG  fehle.  Die  Vorbringen  erfüllten  daher  die  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG nicht, weshalb sein Asylgesuch abzulehnen sei. 2.4.  Der  Beschwerdeführer  entgegnete  dem  in  seiner  Rechtsmitteleingabe, es lägen sehr wohl Hinweise darauf vor, dass er in  Sri  Lanka  gefährdet  sei.  So  habe  sein  Freund,  bei  welchem  er  seine  Rikscha  versteckt  habe,  ein  äusserst  apolitisches  Profil  gehabt,  was  darauf  schliessen  lasse,  er  sei  aufgrund  des  Besitzes  der  gesuchten  Rikscha  anstelle  des  Beschwerdeführers  ermordet  worden.  Dies  demonstriere aber auch, dass die srilankischen Behörden auch Personen  verfolgten, die eine noch schwächere Verbindung zu den LTTE aufweisen  würden  als  er  selber.  Ferner  zeige  der  Umstand,  wonach  er  (der  Beschwerdeführer)  an  seinem  Autorikscha­Stand  gesucht  worden  sei,  deutlich,  dass  die  Behörden  ihn  als  LTTE­Kollaborateur  einschätzten,  welche  auch  nach  dem  Ende  des  Bürgerkriegs  in  höchstem  Mass 

D­3699/2011 gefährdet  seien.  Ferner  sei  der  Schluss  der  Vorinstanz,  wonach  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  Tatsache,  dass  er  auf  dem Weg  nach  Colombo nie kontrolliert worden sei, nicht von den Behörden gesucht sein  könne,  nicht  überzeugend,  zumal  gemäss  einer  solchen  Argumentation  eine  tatsächlich  verfolgte Person  konsequenterweise  nie  nach Colombo  oder  ins  Ausland  gelangen  könne.  Demnach  erfülle  er  die  Voraussetzungen zur Asylgewährung im Sinne von Art. 3 AsylG. 2.5.  Die  Einschätzung  des  BFM,  wonach  sich  aus  den  wesentlichen  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  in  Sri  Lanka  unter  dem  Bürgerkrieg gelitten habe, bis  im Jahr 2005 die LTTE habe unterstützen  müssen  und  vor  der  Ausreise  durch  die  srilankischen  Sicherheitskräfte  gesucht  worden  sei,  da  er  in  seiner  Funktion  als  Rikscha­Fahrer  einen  Reporter zum Tatort eines Massakers begleitet habe, keine aslyrelevante  Gefährdungssituation  ergebe,  ist  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  zu  bestätigen. 2.5.1.  Vorab  ist  auf  die  ausführliche  Lageanalyse  im  zur  Publikation  bestimmten  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  zu  hinzuweisen.  Darin  stellte  das  Gericht  im  Wesentlichen  fest, dass sich die Lage  in Sri Lanka seit Beendigung des  militärischen Konflikts  zwischen der  srilankischen Armee und den LTTE  im Mai 2009 erheblich verbessert hat (vgl. a.a.O. E. 7). Militärisch gilt die  LTTE als vernichtet und auch die Sicherheitslage hat sich in bedeutsamer  Weise stabilisiert. Gleichzeitig aber hat sich die Menschenrechtslage vor  allem  hinsichtlich  der  Meinungsäusserungs­  und  Pressefreiheit  weiter  verschlechtert. Politisch Oppositionelle werden seitens der Regierung als  Staatsfeinde  betrachtet  und  müssen  mit  entsprechenden  Verfolgungsmassnahmen  rechnen.  Angesichts  der  allgemein  verbesserten  Lage  definierte  das  Gericht  Personenkreise,  welche  einer  erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen (vgl. a.a.O. E. 8). Darunter fallen  Personen,  welche  auch  nach  Beendigung  des  Krieges  verdächtigt  werden,  mit  den  LTTE  in  Verbindung  zu  stehen,  beziehungsweise  gestanden  zu  haben.  Auch  unabhängige  Journalisten  beziehungsweise  regierungskritische  Medienschaffende  verfügen  über  ein  erhöhtes  Risikoprofil.  Im  Weiteren  ist  bei  Opfern  und  Zeugen  von  Menschenrechtsverletzungen  und  Personen,  die  entsprechende  Übergriffe behördlich angezeigt haben, mit erhöhter Verfolgungsgefahr zu  rechnen.  Ausserdem  laufen  abgewiesene  tamilische  Asylsuchende  aus  der  Schweiz  unter  Umständen  Gefahr,  bei  der  Rückkehr  behördlich  belangt zu werden, weil ihnen Kontakte zu führenden LTTE­Kadern in der 

D­3699/2011 Schweiz  unterstellt  werden.  Wegen  drohender  Erpressung,  Kidnapping  und  anderen  Verfolgungshandlungen  bilden  schliesslich  Personen,  welche  über  beträchtliche  finanzielle  Mittel  verfügen,  eine  weitere  Risikogruppe. 2.5.2. Im Folgenden ist daher zu prüfen, inwieweit der Beschwerdeführer  – allenfalls als Angehöriger einer Risikogruppe – im Falle einer Rückkehr  in  sein  Heimatland  eine  begründete  Furcht  vor  asylbeachtlicher  Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat. Bezüglich  der  geltend  gemachten  Verfolgung  durch  die  srilankischen  Sicherheitskräfte  aufgrund  von  Unterstützungstätigkeiten  zugunsten  der  LTTE  kann  festgehalten  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben zufolge nach 2005 keine Personentransporte mehr durchführte  und sich seinen Schilderungen keine Hinweise darauf entnehmen lassen,  die  srilankischen  Behörden  hätten  von  seiner  Tätigkeit  überhaupt  Kenntnis genommen. Es  ist daher nicht davon auszugehen, es bestehe  seitens  der  Behörden  ein  Verfolgungsinteresse  aufgrund  einer  mutmasslichen Verbindung zu den LTTE. Andererseits  brachte  der  Beschwerdeführer  vor,  im  Jahr  2006  einen  Reporter  zum  Fundort mehrerer  Leichen  gefahren  zu  haben  und  dabei  von  der  Armee  registriert  worden  zu  sein,  weshalb  die  Sicherheitsbehörden  auf  der  Suche  nach  ihm  seien.  Zwar  laufen  Journalisten  und  regierungskritische  Medienschaffende  noch  immer  Gefahr,  verfolgt  zu  werden  (vgl. vorstehende  Erwägungen).  Indes  stellt  der Transport eines Reporters an einen Tatort – wie vom BFM festgestellt  – einen derart vernachlässigbaren Beitrag an eine allfällig regimekritische  Berichterstattung  dar,  dass  ein  diesbezügliches  Verfolgungsinteresse  seitens  der  Sicherheitskräfte  als  überwiegend  unwahrscheinlich  zu  qualifizieren  ist.  Daneben  liegen  keine  objektiven  Hinweise  darauf  vor,  dass der Beschwerdeführer  in Sri Lanka gesucht würde. So war es  ihm  danach  offenbar möglich, während weiterer  zweier  Jahre  unbehelligt  im  Grossraum Jaffna zu leben. Daneben ist sich der Beschwerdeführer nicht  sicher, wer  ihn weshalb an seinem Rikscha­Stand gesucht hat  (vgl. A16  S.  9).  Auch  aus  dem  Umstand,  wonach  sein  Freund  am  (…)  2006  erschossen  worden  sei,  lässt  sich  noch  kein  Verfolgungsinteresse  der  Armee am Beschwerdeführer ableiten, da es sich bei der Erklärung, sein  Freund  sei  aufgrund  des  Besitzes  der  Rikscha  an  seiner  Stelle  umgebracht  worden,  lediglich  um  eine  Vermutung  des  Beschwerdeführers  handelt  (vgl.  A16  S. 10).  Das  Vorbringen  in  der 

D­3699/2011 Rechtsmitteleingabe,  wonach  dieses  Vorkommnis  zeige,  dass  die  srilankischen Sicherheitskräfte  auch gegen noch apolitischere Personen  als  den  Beschwerdeführer  vorgingen,  macht  deutlich,  dass  der  Beschwerdeführer selber eine andere Ursache als die geltend Gemachte  in Betracht  zieht.  Ferner  vermag auch  die Tatsache,  dass  der Reporter  am  (…)  2007  erschossen wurde,  an  der  Einschätzung, wonach  seitens  der  Behörden  nichts  gegen  den  Beschwerdeführer  vorliegt,  nichts  zu  ändern,  da  nicht  erstellt  ist,  dass  dieser  im  Zusammenhang  mit  der  erwähnten Berichterstattung getötet wurde  (vgl. A16 S. 12). Obwohl die  subjektive  Furcht  vor  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  in  Anbetracht  seiner  Erlebnisse  während  des  Krieges  (vor  allem  des  Verlusts  zahlreicher  naher  Angehöriger)  nachvollziehbar  ist,  liegen  doch  aus  objektiver  Sicht  keine  Hinweise  darauf  vor,  er  werde  aktuell  durch  die  srilankischen Sicherheitskräfte gesucht.  2.5.3. Der Vollständigkeit halber  ist anzumerken, dass sich – obwohl die  Ereignisse nach 2005 recht ausführlich geschildert worden waren – auch  gewisse  Ungereimtheiten  ergeben.  So  machte  der  Beschwerdeführer  anlässlich der beiden Befragungen unterschiedliche Angaben zum Ablauf  der  Geschehnisse.  Anlässlich  der  summarischen  Befragung  machte  er  geltend,  er  sei  am  Standplatz  gesucht  worden,  habe  sein  Tuktuk  zu  seinem Freund  gebracht  und  sei,  nachdem dieser  Freund  am  (…)  Juni  2006  erschossen  worden  sei,  zu  seiner  Cousine  nach  D._______  geflohen  (vgl.  A2  S. 5).  Im  Rahmen  der  direkten  Anhörung  führte  er  hingegen  aus,  er  habe  sein  Tuktuk  –  nachdem  er  an  seinem Rikscha­ Standplatz  gesucht  worden  sei  –  zu  seinem  Freund  gebracht  und  sei  direkt  im Anschluss zu seiner Cousine nach D._______ gegangen. Sein  Freund sei am (…) September 2006 erschossen worden (vgl.  A16 S. 8).  Andererseits gab er an, erst im Oktober 2007 nach D._______ gegangen  zu sein (vgl. A2 S. 1). Ausserdem ist nicht nachvollziehbar, weshalb dem  Reporter  erst  ein  Jahr  nach  der  Publikation  des  Artikels  etwas  zugestossen  sein  sollte.  Insgesamt  könnte  es  sich  beim  Vorbringen  demnach  auch  um  einen  konstruierten  Sachverhalt  handeln.  Eine  abschliessende Beurteilung erübrigt  sich  jedoch angesichts der ohnehin  fehlenden Asylrelevanz der Ereignisse. 2.5.4.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  auch  die  eingereichten  Beweismittel  nichts  zu  ändern,  zumal  sie  sich  auf  Umstände  beziehen,  welche vom Bundesverwaltungsgericht nicht  in Zweifel gezogen werden  und  sie  zudem  nicht  geeignet  sind,  ein  Verfolgungsinteresse  der  Behörden zu belegen.

D­3699/2011 2.6.  Der  Beschwerdeführer  erfüllt  diesen  Erwägungen  gemäss  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb das Bundesamt das Asylgesuch zu  Recht abgelehnt hat. 3.  3.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 3.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 4.  4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 4.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  der  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Sri  Lanka  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig.

D­3699/2011 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Sri  Lanka  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) oder Art. 1  des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies  ist  ihm  nach  vorstehenden  Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 4.3.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 4.3.1. Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung vom 27. Mai 2011  aus,  weder  die  allgemeine  Lage  im  Jaffna­Distrikt  noch  die  individuelle  Situation  des  Beschwerdeführers  würden  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sprechen.  Insbesondere  verfüge  der  Beschwerdeführer  in  Sri  Lanka  über  ein  soziales  und  familiäres  Beziehungsnetz und über langjährige Berufserfahrung als Tuktuk­Fahrer. 4.3.2.  Der  Beschwerdeführer  entgegnete  dem  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  vom  29.  Juni  2011,  die  aktuelle  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  sei  vor  allem  im  Norden  und  Osten  des  Landes  noch  klar  ungenügend,  um  einen Wegweisungsvollzug  zu  ermöglichen.  Was seine persönlichen Verhältnisse anbelange, sei festzuhalten, dass er  bis heute den Kontakt ins Heimatland lediglich mit seiner Frau und seinen 

D­3699/2011 beiden Kindern  habe  aufrechterhalten  können. Da  diese  aber  auf  seine  finanzielle  Unterstützung  angewiesen  seien,  würden  sie  ihm  einen  beruflichen  Wiedereinstieg  in  Sri  Lanka  schwerlich  erleichtern  können.  Die  Tätigkeit  als  Rikscha­Fahrer  habe  ihm  die  Schwierigkeiten  mit  den  srilankischen  Behörden  beschwert,  weshalb  ihm  die  Wiederaufnahme  dieser Arbeit keinesfalls zugemutet werden könne. 4.3.3. Im Zusammenhang mit diesen Einwänden ist vorweg festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  dass  er  begründete  Furcht  vor  asylrechtlich  relevanten Nachteilen hegen muss  (vgl. E. 2.5 und 4.2).  In  Bezug  auf  die  allgemeine  Lage  in  Sri  Lanka  kann  auf  die  vom  Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung der Situation im  zur Publikation bestimmten Grundsatzurteil verwiesen werden (vgl. BVGE  E­6110/2006  vom  27. Oktober  2011),  welche  im  Wesentlichen  mit  der  Praxis der Vorinstanz übereinstimmt. Demzufolge  ist seit dem Ende des  bewaffneten Konflikts  zwischen  der  srilankischen Armee  und  den  LTTE  im  Mai  2009  von  einer  erheblich  verbesserten  Menschenrechts­  und  Sicherheitslage  auszugehen,  wobei  sich  die  Situation  nicht  in  allen  Landesteilen gleich präsentiert (vgl. a.a.O. E. 12). Da sich die Lage in der  Ostprovinz  weitgehend  stabilisiert  und  normalisiert  hat,  wird  der  Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Provinz grundsätzlich als  zumutbar  erachtet  (vgl.  a.a.O. E. 13.1). Die  Lage  in  der Nordprovinz  ist  hingegen  differenziert  einzuschätzen,  da  sich  die  Situation  dort  gebietsweise sehr unterschiedlich gestaltet.  In den Gebieten, die bereits  seit  längerer  Zeit  unter  Regierungskontrolle  stehen  ­  namentlich  die  Distrikte  Jaffna  und  die  südlichen  Teile  der  Distrikte  Vavuniya  und  Mannar – herrscht heute weder eine Situation allgemeiner Gewalt, noch  ist  die  politische  Lage  dermassen  angespannt,  dass  eine  Rückkehr  dorthin  als  generell  unzumutbar  eingestuft  werden  müsste  (vgl.  a.a.O.  E. 13.2). Angesichts der nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber eine  sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  auf,  wobei  nebst  der  allgemeinen  Zumutbarkeit  auch  dem  zeitlichen  Element  gebührend  Rechnung  zu  tragen  ist.  Ein  Wegweisungsvollzug ist demnach für Personen, welche die betreffenden  Gebiete erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen  haben,  grundsätzlich  zumutbar,  sofern  sie  dort  auf  eine  zumindest  gleichwertige Wohnsituation wie vor der Ausreise zurückgreifen können.  Liegt  der  Aufenthalt  indessen  längere  Zeit  zurück  oder  geht  aus  den  Verfahrensakten  hervor,  dass  sich  die  Lebensumstände  massgeblich  verändert  haben  könnten,  sind  die  aktuell  vorliegenden  Lebens­  und 

D­3699/2011 Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären  und  auf  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  hin  zu  prüfen.  In  das  sogenannte  "Vanni­Gebiet"  hingegen,  welches  die  Distrikte  Kilinochchi  und  Mullaitivu  (samt  diesen  beiden Städten), die nördlichen Teile der Distrikte Mannar und Vavuniya  sowie einen schmalen Landstreifen an der Ostküste des Jaffna­Distrikts  umfasset,  ist  eine  Rückkehr  aufgrund  der  aktuellen  Lage  –  namentlich  aufgrund  der  weitgehend  zerstörten  Infrastruktur  und  der  Verminung –  weiterhin  als  unzumutbar  einzustufen.  In  das  übrige  Staatsgebiet  Sri  Lankas  ist  der  Wegweisungsvollzug  indessen  grundsätzlich  zumutbar  (vgl. a.a.O. E.13.3). Der  Beschwerdeführer  stammt  eigenen  Angaben  zufolge  aus  Jaffna,  flüchtete  im  Jahr  1995 wegen des Krieges  ins Vanni­Gebiet  und  kehrte  2002  in  den  Jaffna­Distrikt  zurück,  wo  er  zuerst  mit  seiner  Familie  in  G._______ und anschliessend von Oktober 2007 bis zur Ausreise im Jahr  2008 bei seiner Cousine in D._______ wohnte. Bei dieser Sachlage stellt  sich die Frage, ob dem Beschwerdeführer eine Rückkehr  in den Jaffna­ Distrikt,  Nordprovinz,  aufgrund  einer  individuellen  Prüfung  der  Verhältnisse  zuzumuten  ist.  Die  Bejahung  der  Zumutbarkeit  einer  Rückkehr  in die Nordprovinz – mit Ausnahme des Vanni­Gebiets – setzt  insbesondere  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes,  die  konkrete  Möglichkeit  der  Sicherung  des  Existenzminimums  sowie  eine  gesicherte  Wohnsituation  voraus  (vgl. a.a.O.  E.  13.2.1.2).  Solche  begünstigende Faktoren liegen im Fall des Beschwerdeführers vor. Der –  soweit  aktenkundig  –  gesunde  Beschwerdeführer  lebte  insgesamt  über  dreissig  Jahre  im  Grossraum  Jaffna,  wo  er  mit  seiner  Frau  und  den  beiden gemeinsamen Kindern,  einer Schwester  sowie mehreren Tanten  und Onkeln über mehrere,  teils enge Bezugspersonen verfügt. Zumal er  bei  seiner  Cousine  offensichtlich  bereits  über  ein  halbes  Jahr  wohnen  konnte  und  sein  Onkel  –  Angaben  des  Beschwerdeführers  zufolge  ein  "sehr  reicher Mann"  (vgl.  A16  S. 13)  –  ihm  die  Ausreise  zu  finanzieren  bereit war,  ist davon auszugehen, er verfüge  im Grossraum Jaffna über  ein tragfähiges Beziehungsnetz. Der Einwand in der Rechtsmitteleingabe,  wonach alle Kontakte ins Heimatland ausser zu seiner Frau abgebrochen  seien, vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern,  ist doch davon  auszugehen,  er  könne  allenfalls  unterbrochene  Kontakte  reaktivieren.  Zudem  verfügt  er  durch  seine  Arbeit  als  Tuktuk­Fahrer  und  die  Erwerbstätigkeiten  in  der  Schweiz  über  eine  gewisse  Berufserfahrung,  welche sich auf eine Reintegration im Heimatort begünstigend auswirken  dürfte. Es  ist daher davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer 

D­3699/2011 möglich ist, sich im Heimatstaat eine Existenz aufzubauen, weshalb sich  der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar erweist. 4.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 4.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 5.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 6.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (vgl.  Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Mit  Zwischenverfügung  vom  15.  Juli  2011  verzichtete  der  zuständige Instruktionsrichter auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  mit  dem  Hinweis,  über  das  mit  der  Beschwerde  gestellte  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden.  Zumal  die  Bedürftigkeit  noch  nicht  genügend  ausgewiesen  war,  wurde  der  Beschwerdeführer aufgefordert, das Formular "Gesuch um unentgeltliche  Rechtpflege"  als  Beleg  für  die  geltend  gemachte  Bedürftigkeit  auszufüllen. Demnach belaufen sich seine Einnahmen monatlich auf Fr.  2'714.15  und  seine  Auslagen  auf  Fr. 1'947.55  (sich  berechnend  aus  einem  monatlichen  Grundbetrag  von  Fr. 1'200.­  [vgl. Richtlinien  für  die  Berechnung  des  betreibungsrechtlichen  Existenzminimums  [Notbedarf]  nach  Art.  93  des  Bundesgesetzes  vom  11. April  1889  über  Schuldbetreibung und Konkurs [SchKG, SR 281.1] vom 1. Juli 2009] und  den im Formular ausgewiesenen Zuschlägen von insgesamt Fr. 747.55).  Der  Beschwerdeführer  ist  demnach  nicht  als  bedürftig  zu  betrachten,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 

D­3699/2011 abzuweisen ist. Somit sind die Verfahrenskosten von Fr. 600.­ (Art. 1 – 3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  abgewiesen.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu  überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bendicht Tellenbach Nina Hadorn Versand:

D-3699/2011 — Bundesverwaltungsgericht 14.02.2012 D-3699/2011 — Swissrulings