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Bundesverwaltungsgericht 14.09.2011 D-3696/2011

14 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,363 mots·~7 min·1

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 29. April 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3696/2011 Urteil   v om   1 4 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Markus König,  Richterin Nina Spälti Giannakitsas;    Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,  (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 29. April 2011 / N (…).

D­3696/2011 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer – ein sri­lankischer Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie mit Wohnsitz  in B._______ – ersuchte mit an die schweizerische  Vertretung  in Colombo gerichtetem,  englischsprachigem Schreiben  vom  27. September 2008 (eingegangen am 9. Oktober 2008) sinngemäss um  Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um Asylgewährung.  Zur Begründung brachte er – unter Einreichung diverser Dokumente – im  Wesentlichen vor, er stamme ursprünglich aus C._______, lebe aber seit  dem  Jahr  1995  in  B._______.  Er  sei  seit  dem  Jahr  1995  Mitglied  der  Gesellschaft "D._______", die sich um das Wohlergehen der Eigentümer  und  Fahrer  dreirädriger  Fahrzeuge  kümmere.  Im  Jahr  2004  sei  er  zum  Sekretär  der  besagten  Gesellschaft  ernannt  worden.  Während  seiner  Amtszeit  hätten  die  "Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam"  (LTTE),  die  das  Gebiet um B._______ kontrolliert hätten, eine Sitzung einberufen und alle  Gesellschaftsmitglieder  aufgefordert,  das militärische  Training  der  LTTE  zu absolvieren. Ihnen sei nichts anderes übrig geblieben, als dem Befehl  nachzukommen.  Ohne  ihr  Wissen  seien  Videoaufnahmen  des  LTTE­ Trainings im Internet publiziert und an die Presse weitergegeben worden.  Als  Folge  davon  seien mehrere Gesellschaftsmitglieder  getötet  worden.  Er  habe untertauchen müssen und  sich mehrere Monate  lang  versteckt  gehalten. Am 28. Januar  2006  sei  er  zum Präsidenten der  "D._______"  gewählt worden. Bei der Gesellschafterversammlung vom 14. September  2008 sei er im Amt bestätigt worden. Am folgenden Tag seien alle, die ein  Amt innegehabt hätten, von unbekannten, bewaffneten Personen entführt  und  zum Rücktritt  von  den  Ämtern  gezwungen worden.  Er  sei  bis  spät  abends festgehalten und mit dem Tod bedroht worden; erst nachdem er  das entsprechende Rücktrittsschreiben verfasst habe, sei er freigelassen  worden,  wobei  er  aufgefordert  worden  sei,  B._______  zu  verlassen.  Er  habe  diese  Vorfälle  beim  Internationalen  Komitee  vom  Roten  Kreuz  (IKRK) und bei der sri­lankischen Menschenrechtskommission gemeldet.  Gegenwärtig halte er sich im Haus von Freunden auf, jedoch sei niemand  gewillt, ihm auf Dauer Unterschlupf zu gewähren.  B.  Mit  Schreiben  vom  24. Oktober  2008  bestätigte  die  schweizerische  Vertretung  in  Colombo  dem  Beschwerdeführer  den  Empfang  seines  Gesuchs  und  forderte  ihn  gleichzeitig  auf,  seine  Vorbringen  bis  zum 

D­3696/2011 9. Dezember 2008 näher zu begründen und allfällige weitere Beweismittel  einzureichen.  C.  Mit englischsprachigem Schreiben vom 1. November 2008 (eingegangen  bei  der  schweizerischen Vertretung  am  19. November  2008)  bekräftigte  der  Beschwerdeführer  den  Wunsch,  Sri  Lanka  zu  verlassen.  Er  werde  von  unbekannten,  bewaffneten  Personen,  bedroht,  die  ihn  der  Unterstützung  der  LTTE  beschuldigten.  Er  habe  diesbezüglich  keine  Anzeige  bei  der  Polizei  erstattet,  da  ihm  mit  schwerwiegenden  Konsequenzen gedroht worden sei,  sollte er dies  tun. Stattdessen habe  er  Klage  beim  Amt  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR)  und  –  wie  bereits  erwähnt  –  bei  der  sri­lankischen  Menschenrechtskommission eingereicht. Einen Wohnsitzwechsel müsste  er bei der Polizei melden; er befürchte jedoch, dass ihn die Polizei dann  innert Kürze zu Hause aufsuchen würde.  D.  Am  21. November  2008  überwies  die  schweizerische  Vertretung  in  Colombo die Akten zuständigkeitshalber an das BFM. E.  Mit  Zwischenverfügung  vom 9. August  2010  –  am 19. August  2010  von  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  an  den  Beschwerdeführer  weitergeleitet  –  teilte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit,  es  erachte  den  entscheidrelevanten  Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  des  Asylgesuchs  und  der  beigelegten  Dokumentation  als  erstellt, weshalb sich eine Anhörung auf der Botschaft als nicht notwendig  erweise.  Im Weiteren  erwäge  es  unter  Berücksichtigung  aller  Faktoren  (Beziehungsnähe  zur  Schweiz  und  hiesige  Assimiliationsmöglichkeiten,  aktuelle  Gefährdung  im  Heimatstaat,  Möglichkeit  der  Schutzsuche  in  einem  anderen  Staat,  öffentliches  Interesse  der  Schweiz),  das  Asylgesuch  abzulehnen und die Einreise  zu  verweigern,  da  er  nicht  als  schutzbedürftig  im Sinne des Asylgesetzes erscheine. Das BFM  räumte  dem  Beschwerdeführer  die  Gelegenheit  ein,  sich  dazu  innert  dreissig  Tagen ab Erhalt der Verfügung zu äussern, verbunden mit dem Hinweis,  dass  bei  ungenutztem  Fristablauf  aufgrund  der  bestehenden  Aktenlage  entschieden werde.  Der Beschwerdeführer liess sich nicht vernehmen. 

D­3696/2011 F.  Mit  Verfügung  vom  29. April  2011  –  am  6. Juni  2011  von  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  an  den  Beschwerdeführer  weitergeleitet – verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise  in die Schweiz und lehnte dessen Asylgesuch ab.  Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  die  Voraussetzungen  für  ein  Absehen  von  einer  Anhörung  des  Beschwerdeführers  seien  angesichts  der  schriftlichen  Darlegung  der  Asylgründe  und  der  Einräumung  des  rechtlichen  Gehörs,  auf  dessen  Ausübung  der  Beschwerdeführer  verzichtet  habe,  gegeben.  Der  Sachverhalt werde als  rechtsgenüglich erstellt  erachtet. Massgeblich  für  die Beurteilung des Gesuchs um Bewilligung der Einreise in die Schweiz  sei  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Entscheids.  Vergangene  Verfolgungsmassnahmen  seien  nur  insoweit  beachtlich,  als  sie  noch  andauerten,  oder  konkrete  Hinweise  auf  eine  künftige  Verfolgung  bestünden;  eine  Einreisebewilligung  habe  nicht  die  Entschädigung  für  erlittene Nachteile, sondern den Schutz vor aktueller Verfolgung zum Ziel.  Zudem könnten nur Nachteile eine Einreisebewilligung  rechtfertigen, die  von  einer  solchen  Intensität  seien,  dass  ein  würdiges  Leben  im  Verfolgerstaat  unmöglich  sei.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  diesen  Anforderungen  nicht  genügen.  Die  Bedrohung  im  September 2008 und der Umstand, dass er sich über  längere Zeit habe  versteckt  halten müssen,  vermöchten  die Bewilligung  der Einreise  nicht  zu begründen, da diese – wie ausgeführt – nicht der Wiedergutmachung  erlittener  Nachteile  dienen  könne.  Zudem  erfüllten  die  Vorbingen  des  Beschwerdeführers  –  Drohungen  von  Seiten  der  LTTE  und  von  unbekannter  Seite  sowie  die  Befürchtung,  die  Polizei  könnte  ihn  zu  Hause  aufsuchen  –  die  Anforderungen  an  die  Intensität  der  Verfolgungsmassnahmen nicht. Es  lägen auch keine Anhaltspunkte vor,  die  darauf  schliessen  lassen  würden,  der  Beschwerdeführer  wäre  in  seinem  Heimatland  aktuell  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  oder  müsste solche befürchten. Die eingereichten Dokumente vermöchten an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern.  Da  der  Beschwerdeführer  nicht  schutzbedürftig im Sinne von Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) sei, sei das Asylgesuch abzulehnen und die Einreise  in die Schweiz zu verweigern.  G.  Mit  am  20. Juni  2011  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  eingetroffener und von dieser am 21. Juni 2011 zuständigkeitshalber an 

D­3696/2011 das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleiteter,  englischsprachiger  Beschwerdeschrift  vom  9. Juni  2011  ersuchte  der  Beschwerdeführer  sinngemäss  um  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung.  Seine  Situation  habe  sich  nicht  verändert.  Wie  die  beiliegende  Kopie  der  Kandidatenkarte  für  die  Stadtratswahlen  von  B._______  im  Jahr  2009  zeige, habe er beabsichtigt gehabt, bei diesen Wahlen anzutreten, jedoch  hätten  ihn Drohungen von behördlicher Seite daran gehindert. Aufgrund  der  Mitgliedschaft  bei  der  "D._______"  stehe  er  im  Visier  ihm  unbekannter Personen, wobei er davon ausgehe, dass es sich dabei um  Agenten der Behörden handle. Er werde somit nicht von Seiten der LTTE,  sondern  von  behördlicher  Seite  bedroht.  Die  sri­lankische  Regierung  betone  zwar,  dass  im  Land  mittlerweile  Frieden  herrsche,  aber  dies  entspreche  nicht  der  tatsächlichen  Lage.  Viele Menschen  würden  nach  wie vor vermisst. Einige seiner Freunde befänden sich auch immer noch  in unrechtmässiger Haft. Er wechsle regelmässig den Wohnort, aus Angst  vor  seinen  Verfolgern.  Da  er  um  sein  Leben  fürchte,  habe  er  nunmehr  beschlossen, nach E._______ zu fliehen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  Ausnahme,  was  das  Sachgebiet  angeht,  ist nicht gegeben  (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  im Bereich  des Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht  (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110)]. 1.2. Die Beschwerde ist nicht einer Amtssprache des Bundes abgefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  entsprechenden  Beschwerdeverbesserung  im Sinne  von Art. 52 VwVG  kann  jedoch  aus 

D­3696/2011 prozessökonomischen  Gründen  verzichtet  werden,  da  die  englischsprachige  Beschwerdeeingabe  verständlich  ist,  so  dass  ohne  weiteres darüber befunden werden kann. 1.3.  Die  Beschwerde  ist  demnach  –  mit  Ausnahme  des  genannten,  jedoch nicht als wesentlich erachteten Mangels  (vgl. E.  1.2) –  frist­  und  formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist daher zur Einreichung der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf  die Beschwerde ist mithin einzutreten.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  3.  3.1.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art. 19  AsylG  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an  das  Bundesamt  überweist  (Art. 20  Abs. 1  AsylG).  Hinsichtlich  des  Verfahrens bei  der  schweizerischen Vertretung  im Ausland  sieht Art. 10  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art. 10  Abs. 1  AsylV 1).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10  Abs. 2  AsylV 1).  Eine  Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann  sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erscheint;  der  asylsuchenden  Person  ist  aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben,  sich  zu  einem  abzusehenden  negativen  Entscheid  zumindest  schriftlich  zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7).  3.2.  Vorliegend  wurde  der  Beschwerdeführer  von  der  schweizerischen  Vertretung in Colombo nicht zu seinem Asylgesuch befragt. Er hat seine  Vorbringen  jedoch bereits  in seinem Asylgesuch und dessen Ergänzung  schriftlich  dargelegt  und  dokumentiert,  und  erhielt  danach  mit  Zwischenverfügung  des  BFM  vom  9. August  2010  die  Gelegenheit  zur  weiteren Konkretisierung seiner Asylgründe; gleichzeitig wurde ihm auch 

D­3696/2011 das  rechtliche  Gehör  im  Hinblick  auf  die  in  Erwägung  gezogene  Abweisung  des  Asylgesuchs  gewährt,  wobei  er  von  seinem  Recht  auf  Stellungnahme keinen Gebrauch gemacht hat. Der entscheidwesentliche  Sachverhalt  erscheint  –  wie  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  ausführt  –  angesichts  der  schriftlichen  Darlegung  und  Dokumentierung  der  Asylgründe  soweit  erstellt,  dass  die  entscheidrelevanten  Elemente  vorliegen.  Das  BFM  hat  den  verfahrensrechtlichen Anforderungen damit Genüge getan.  4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). Das Bundesamt kann ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, wenn  die  asylsuchende Person  keine Verfolgung  glaubhaft machen  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem Drittstaat  zugemutet  werden  kann  (Art. 3,  Art. 7  und  Art. 52  Abs. 2  AsylG).  Gemäss  Art. 20  Abs. 2  AsylG  bewilligt  das  BFM  einem  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen.  4.2.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive  Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr. 15,  E. 2.e.­g.  S. 131  ff.;  angesichts bloss  redaktioneller Änderungen bei der  letzten Totalrevision  des  Asylgesetzes  hat  diese  Praxis  nach  wie  vor  Gültigkeit).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die 

D­3696/2011 Schutzbedürftigkeit  der  betreffenden  Person  (vgl.  EMARK  1997  Nr. 15  E. 2c  S. 130),  mithin  die  Prüfung  der  Fragen,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden  kann. Eine Verfolgungssituation muss überdies aktuell  sein,  um  gemäss Art. 3 AsylG als asylrelevant zu gelten.  5.  5.1. Das BFM erachtete den Beschwerdeführer als nicht schutzbedürftig  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG.  Dieser  Einschätzung  ist  beizupflichten;  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  kann  vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen werden. Der Rechtsmitteleingabe des Beschwerdeführers sind  keine stichhaltigen Entgegnungen zu entnehmen, die die Argumentation  des BFM in Zweifel zu ziehen vermöchten.  5.2. Massgeblich  für  die  Beurteilung  des  Gesuchs  um  Bewilligung  der  Einreise in die Schweiz ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheids. Der  Beschwerdeführer machte  geltend,  er  sei  im September  2008  aufgrund  der  Mitgliedschaft  bei  der  "D._______"  und  der  damit  in  Verbindung  stehenden  zwangsweisen  Absolvierung  des  militärischen  Trainings  der  LTTE  von Unbekannten  entführt  und erst  nach der Unterzeichnung des  Rücktrittsschreibens  betreffend  sein  Amt  als  Präsident  der  Gesellschaft  wieder  freigelassen  worden.  Wie  das  BFM  in  seiner  Verfügung  vom  29. April  2011  diesbezüglich  zutreffend  festgestellt  hat,  kann  die  Bewilligung der Einreise respektive die Gewährung des Asyls nicht dazu  dienen,  einen Ausgleich  für  vergangenes Unrecht  zu  schaffen,  sondern  bezweckt  vielmehr,  Schutz  vor  künftiger  Verfolgung  zu  gewähren.  Hinweise, dass der Beschwerdeführer aktuell ernsthaften Nachteilen von  so erheblicher Intensität ausgesetzt wäre oder solche befürchten müsste,  dass ihm ein Verbleib im Heimatstaat unmöglich wäre, liegen indes nicht  vor. Den  in der Beschwerdeeingabe neu geltend gemachten Drohungen  im  Jahr  2009  (Verhinderung  Stadtratskandidatur)  fehlt  es  wie  den  im  Asylgesuch vorgebrachten Drohungen an der geforderten  Intensität. Die  Aktenlage  weist  den  Beschwerdeführer  zudem  nicht  als  eine  in  speziellem  Mass  exponierte  Persönlichkeit  mit  einem  hervorgehobenen  politischen  Profil  aus,  so  dass  eine  zielgerichtete  Vorgehensweise  der  Behörden  gegen  ihn  wegen  der  geschilderten  Umstände  im  Sinne  drohender  ernsthafter  Nachteile  nicht  als  wahrscheinlich  erscheint.  Die  "D._______"  ist  gemäss  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  eine  Handelsgesellschaft,  die sich um das Wohlergehen der Eigentümer und 

D­3696/2011 Fahrer  dreirädriger  Fahrzeuge  kümmere;  die  alleinige  Mitgliedschaft  begründet damit kein besonderes Gefährdungsprofil, das eine zukünftige  Verfolgung  als  überwiegend  wahrscheinlich  erscheinen  liesse  beziehungsweise  zu  einreiserelevanten  Schwierigkeiten  führen  könnte.  Die  Annahme  des  Beschwerdeführers  in  der  Beschwerdeeingabe,  es  handle sich bei den Drittpersonen, die  ihn bedrohten, wohl um Agenten  der Behörden, stellt lediglich eine Vermutung dar und findet in den Akten  keine Stütze. Bestünde tatsächlich der ernsthafte Verdacht der Behörden,  dass  der  Beschwerdeführer  eine  Gefahr  für  die  Sicherheit  des  sri­ lankischen Staates darstellen würde, wäre er im September 2008 – sollte  er  damals  durch  staatliche  Akteure  entführt  worden  sein  –  kaum  nach  kurzer  Zeit  wieder  freigelassen  und  seither  auch  nicht  mehr  festgenommen worden. Gehen  Bedrohungen  indes  von  nichtstaatlichen  Akteuren aus, so ist festzuhalten, dass die heutige politische Situation in  Sri  Lanka  es  grundsätzlich  zulässt,  Übergriffe  seitens  Dritter  bei  der  Polizei  zu melden. Den Akten sind auch keine Hinweise zu entnehmen,  die  generell  auf  die  Schutzunwilligkeit  des  sri­lankischen  Staates  hindeuten  würden.  Die  vorinstanzlichen  Erwägungen,  wonach  die  Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG zu  verneinen sei, erweisen sich somit als zutreffend. 5.3. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer  nicht gelungen ist, eine aktuelle Gefährdung aus asylrechtlich relevanten  Motiven  aufzuzeigen,  die  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  rechtfertigen würden. Die Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers  im  Sinne  von  Art. 20  i.V.m.  Art. 3  AsylG  ist  als  nicht  gegeben  zu  qualifizieren.  Es  erübrigt  sich,  auf  die  weiteren  Vorbringen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  diese  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen. Das BFM hat dem Beschwerdeführer zu Recht die Einreise in  die Schweiz verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  im  Ergebnis  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.  7.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 65  Abs. 1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 

D­3696/2011 des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.  (Dispositiv nächste Seite)

D­3696/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige schweizerische Vertretung. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand:

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