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Bundesverwaltungsgericht 15.08.2011 D-3619/2011

15 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,369 mots·~7 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Mai 2011 / D-5559/2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3619/2011 Urteil   v om   1 5 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiberin Regula Frey. Partei A._______, geboren B._______, Serbien/Kosovo,   vertreten durch M. Milovanovic, Beratungsstelle für  Ausländer, C._______, Gesuchsteller,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern. Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom  24. Mai 2011 / D­5559/2009.

D­3619/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Gesuchsteller  ­  ein  aus  dem  Dorf  D._______  (Gemeinde  Kosovska Kamenica, Kosovo) stammender serbischer Staatsangehöriger  E._______  Glaubens  –  am  17.  Juli  2009  in  der  Schweiz  um  Asyl  nachsuchte, dass  er  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte, er habe Kosovo verlassen, da er dort schikaniert worden sei, dass es im Sommer 2001 zu einem Vorfall mit einer Gruppe von ungefähr  zehn  Albanern  gekommen  sei,  wobei  diese  ihn  und  seinen  jüngeren  Bruder zuerst geschlagen und danach versucht hätten, den Gesuchsteller  sexuell zu missbrauchen, dass  er  sich  dem  Übergriff  dank  dem  Auftauchen  amerikanischer  Soldaten  habe  entziehen  können,  die  Albaner  aber  die  drei  Kühe  der  Familie mitgenommen hätten, dass  zudem  einige  Monate  später  der  Onkel  des  Gesuchstellers  überfallen  und  entführt  worden  sei  und  er  in  der  Folge  aus  Angst  das  Haus nur noch selten verlassen habe, dass es überdies gelegentlich vorgekommen sei, dass junge Albaner den  Bus auf dem Schulweg mit Steinen beworfen hätten, dass er im erstinstanzlichen Asylverfahren seine serbische Identitätskarte  zu den Akten reichte, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  7.  August  2009  das  Asylgesuch  abwies, die Wegweisung aus der Schweiz anordnete und den Vollzug als  zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass es  zur Begründung  im Wesentlichen  ausführte,  es mangle  sowohl  am zeitlichen als auch sachlichen Kausalzusammenhang zwischen dem  Vorfall im Jahre 2001 und der Ausreise im Jahre 2009, dass  trotz  vereinzelter  schwerwiegender  Übergriffe  auf  Angehörige  ethnischer Minderheiten, namentlich auf Serben, nicht von einer Situation  allgemeiner Vertreibungen in Kosovo ausgegangen werden könne,

D­3619/2011 dass  seit  der  Unabhängigkeitserklärung  vom  17.  Februar  2008  verschiedene  Institutionen  insbesondere  auch  in  Siedlungsgebieten  von  Kosovo­Serben die Sicherheit gewährleisten würden, dass  aufgrund  verschiedener  Faktoren  vom  Vorhandensein  eines  adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat ausgegangen werden könne  und  die  Vorbringen  somit  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhielten, dass  es  den  Wegweisungsvollzug  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtete, dass  es  in  Bezug  auf  die  Zumutbarkeit  ausführte,  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Kosovo  habe  sich  zwar  in  den  vergangenen  Jahren  stabilisiert,  jedoch  sei  eine  konkrete Gefährdung  für  Serben  ausserhalb  der  Enklaven  weiterhin  nicht  ausgeschlossen,  weshalb  eine  Rückkehr  nach Kosovo mit Ausnahme des Nordens grundsätzlich als unzumutbar  erachtet werde, dass für den Gesuchsteller  jedoch eine Aufenthaltsalternative  in Serbien  bestehe,  zumal  serbische  Kosovaren  als  serbische  Staatsbürger  betrachtet  würden  und  der  Gesuchsteller  über  ein  familiäres  Netz  in  F._______, Serbien, verfüge, dass er zudem aufgrund des Berufsabschlusses als Automechaniker über  gewisse berufliche Perspektiven verfüge, dass  der  Gesuchsteller  diese  Verfügung  mit  Beschwerde  vom  4.  September 2009 beim Bundesverwaltungsgericht anfechten liess, dass er unter Wiederholung seiner Asylgründe  im Wesentlichen geltend  machte,  er  sei  in  Kosovo  nicht  sicher,  zumal  er  trotz  der  Präsenz  der  Sicherheitskräfte  im  Jahre  2001  aufgrund  seiner  Ethnie  und  seines  Glaubens zusammengeschlagen und beinahe vergewaltigt worden sei, dass  er  wegen  der  vorgebrachten  Vorkommnisse  unter  einem  Trauma  leide und diesbezüglich in ärztlicher Behandlung sei, dass sein Onkel  in F._______ nicht  in der Lage sei,  ihn zu unterstützen,  und  dass  er  nach  dem  'Verrat  der  Regierung  in  Belgrad'  in  Bezug  auf  Kosovo mit Serbien nichts zu tun haben wolle,

D­3619/2011 dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerde  mit  Urteil  D­ 5559/2009 vom 24. Mai 2011 vollumfänglich abwies, dass es im Einklang mit dem BFM die Vorbringen des Gesuchstellers als  nicht  asylrelevant  qualifizierte  und  den  Wegweisungsvollzug  nach  Serbien als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass  es  ausführte,  an  dieser  Einschätzung  vermöchten  auch  die  in  der  Beschwerde  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  nichts  zu  ändern,  zumal  sie  nicht  belegt  worden  seien  und  die  medizinisch/psychiatrische Grundversorgung in Serbien gewährleistet sei, dass  er  finanziell  auf  die  Unterstützung  der  Verwandten  zählen  könne  und die Schweiz ihm den Wiedereinstieg in Serbien mittels Rückkehrhilfe  erleichtern könne, dass der Gesuchsteller mit einer als 'Wiedererwägungsgesuch' betitelten  Eingabe seines Rechtsvertreters vom 25. Juni 2011 (Poststempel) an das  Bundesverwaltungsgericht  gelangte  und  beantragte,  das  angefochtene  Urteil sei aufzuheben und das Asylgesuch sei gutzuheissen, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  und  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  ersuchte, dass  in  der  Eingabe  im  Wesentlichen  ausgeführt  wurde,  der  Gesuchsteller  sei  aufgrund  der  geltend  gemachten  Ereignisse  traumatisiert, dass er entgegen der Ansicht des Gerichts in Serbien über kein familiäres  Beziehungsnetz verfüge, welches ihn unterstützen könne, dass seine beruflichen Perspektiven schlecht seien, da Serbien eine hohe  Jugendarbeitslosenquote habe und er dazu psychisch erkrankt sei, dass er in der Schweiz Fuss gefasst habe und sich hier sicher fühle, dass  er  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  ein  auf  den  14.  Juni  2011  datiertes ärztliches Zeugnis von G._______ einreichte, mit welchem diese 

D­3619/2011 die  psychiatrisch­psychotherapeutische  Behandlung  des  Gesuchstellers  bestätigte und zum Therapieverlauf Stellung bezog, dass  das Bundesverwaltungsgericht mit  Telefax  vom 29. Juni  2011  den  Vollzug  der  Wegweisung  gestützt  auf  Art.  56  VwVG  vorsorglich  aussetzte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung von Gesuchen  um  Revision  seiner  Urteile  selber  zuständig  ist  und  dabei  die  Art. 121­128  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  sinngemäss  anwendet  (Art. 45  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1 S. 242 f.), dass  mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  die  Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen  Beschwerdeentscheides  angefochten  wird,  im  Hinblick  darauf,  dass  die  Rechtskraft  beseitigt  wird  und  über  die  Sache  neu  entschieden  werden  kann  (vgl.  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, S. 269), dass  die  Gründe,  aus  denen  das  Bundesverwaltungsgericht  seine  Urteile  auf  Gesuch  hin  in  Revision  zieht,  in  Art. 121­123  BGG  aufgeführt sind, dass  Gründe,  welche  von  einer  um  Revision  ersuchenden  Partei  bereits  mit  ordentlicher  Beschwerde  gegen  eine  Verfügung  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  vor  Bundesverwaltungsgericht  hätten  geltend  gemacht  werden  können,  nicht  als  Revisionsgründe  gelten  (Art. 46 VGG in analogiam), dass das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung mit drei Richtern  oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG) entscheidet (Art. 23 VGG), dass  der Gesuchsteller  sich  auf  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Aufhebung beziehungsweise Abänderung des Beschwerdeurteils  vom  24.  Mai  2011  berufen  kann  und  zur  Einreichung  des  dagegen  gerichteten  Revisionsgesuches  legitimiert  ist  (Art. 48  Abs. 1  Bst.  c 

D­3619/2011 VwVG  in  analogiam;  vgl.  URSINA BEERLI­BONORAND,  Die  ausserordentlichen  Rechtsmittel  in  der  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 65 ff.), dass  auf  Inhalt,  Form,  Verbesserung  und  Ergänzung  des  Revisionsgesuchs  Art.  67  Abs.  3  VwVG  Anwendung  findet  (Art.  47  VGG),  welcher  für  dieselben  vier  Bereiche  seinerseits  auf  die  Bestimmungen von Art. 52 und 53 VwVG verweist und darüber hinaus  vorschreibt,  dass  die  Begründung  insbesondere  den  Revisionsgrund  und  die  Rechtzeitigkeit  des  Revisionsbegehrens  darzutun  und  Letzteres  auch  bereits  die  Begehren  für  den  Fall  eines  neuen  Beschwerdeentscheides zu enthalten hat, dass  die  Begründung  eines  Revisionsgesuches  somit  erhöhten  Anforderungen zu genügen hat, dass  der  Gesuchsteller  zwar  keinen  der  in  Art.  121­123  BGG  aufgeführten  Gründe  explizit  benennt,  anhand  der  eingereichten  Beweismittel  und  der  darauf  bezogenen  Argumentation  jedoch  mit  genügender  Klarheit  das  Bestreben  zu  erkennen  ist,  die  Sachverhaltsfeststellung  im Urteil D­5559/2009 vom 24. Mai 2011 als  falsch oder unvollständig erscheinen zu lassen, dass der Gesuchsteller  insofern den gesetzlichen Revisionsgrund von  Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG anruft und mit hinreichender Begründung  darlegt,  warum  nach  seiner  Einschätzung  dieser  Revisionsgrund  verwirklicht  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr. 18  E. 4a  S. 122  f.;  ELISABETH  ESCHER,  in:  Basler  Kommentar,  Bundesgerichtsgesetz,  Marcel  Alexander  Niggli/Peter  Uebersax/Hans  Wiprächtiger [Hrsg.], Basel 2008, N. 5 und 6 zu Art. 123 BGG), dass die Eingabe des Gesuchstellers zudem die Begehren für den Fall  eines neuen Beschwerdeentscheids enthält (Art. 67 Abs. 3 VwVG), dass  somit  auf  das  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Revisionsgesuch einzutreten ist, dass  nach  Art.  123  Abs.  2  Bst.  a  BGG  die  Revision  eines  Urteils  verlangt  werden  kann,  wenn  die  ersuchende  Partei  nachträglich  erhebliche  Tatsachen  erfährt  oder  entscheidende  Beweismittel  auffindet, die sie  im früheren Verfahren nicht beibringen konnte, unter 

D­3619/2011 Ausschluss  der  Tatsachen  und  Beweismittel,  die  erst  nach  dem  Entscheid entstanden sind, dass das eingereichte Beweismittel gemäss seiner Datierung erst nach  dem  angefochtenen  Beschwerdeentscheid  vom  24.  Mai  2011  entstanden  ist,  indessen  aufgrund  nachfolgender  Ausführungen  letztlich  offen  bleiben  kann,  ob  es  bereits  deshalb  gemäss  Art. 123  Abs. 2 Bst. a in fine BGG grundsätzlich revisionsrechtlich unbeachtlich  ist, dass  diejenigen  Tatsachen  als  neu  im  Sinne  von  “nachträglich  erfahren“ gelten, welche sich bis zum Zeitpunkt, da im Hauptverfahren  noch  tatsächliche  Vorbringen  prozessual  zulässig  waren,  verwirklicht  haben, jedoch der um Revision ersuchenden Partei trotz hinreichender  Sorgfalt  nicht  bekannt  waren  und  deswegen  von  dieser  nicht  schon  damals  vorgebracht  wurden  (sog.  unechte  Nova,  vgl.  HANSJÖRG  SEILER/NICOLAS  VON  WERDT/ANDREAS  GÜNGERICH,  Bundesgerichtsgesetz [BGG], Handkommentar, Bern 2007, zu Art. 123  Rz.  7;  KARL SPÜHLER/ANNETTE DOLGE/DOMINIK VOCK,  Kurzkommentar  zum  Bundesgerichtsgesetz,  Zürich/  St. Gallen  2006,  Art. 123  N. 3;  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  S. 249  f.  Rz. 5.46  und 5.47), dass auch neu aufgefundene Beweismittel  in der Regel nur unter der  zusätzlichen  Bedingung  Berücksichtigung  finden  können,  dass  die  gesuchstellende  Partei  zu  einer  Beibringung  im  früheren  Verfahren  nicht  in  der  Lage  war  (vgl.  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  S.  250 Rz. 5.48), dass es an der genügenden Sorgfalt fehlt, wenn die Entdeckung neuer  Tatsachen  oder  Beweismittel  auf  Nachforschungen  zurückzuführen  sind,  die  bereits  im  früheren  Verfahren  hätten  angestellt  werden  können  und  müssen  (vgl.  SEILER/VON WERDT/GÜNGERICH,  a.a.O.,  zu  Art. 123 Rz. 8; SPÜHLER/DOLGE/VOCK, a.a.O., Art. 123 N. 4), dass  es  der  um Revision  ersuchenden  Partei  obliegt,  rechtzeitig  und  prozesskonform  zur  Klärung  des  Sachverhalts  entsprechend  ihrer  Beweispflicht  beizutragen  (vgl.  ELISABETH  ESCHER,  a.a.O.,  N. 8  zu  Art. 123  BGG;  zur  Einschränkung  der  behördlichen  Untersuchungspflicht  durch  die  Mitwirkungspflicht  der 

D­3619/2011 Verfahrensparteien  und  deren  Beweisführungslast  bezüglich  ihnen  naturgemäss  besser  bekannter  und  behördlicherseits  schwierig  zu  ermittelnder Tatsachen im Asylverfahren siehe BVGE 2007/30 E. 5.5.2  S. 365 f. mit weiteren Hinweisen), dass  die  objektive  Unmöglichkeit  einer  früheren  Beibringung  von  Tatsachen  und  Beweismitteln  nur  mit  Zurückhaltung  anzunehmen  ist  und  der  Revisionsgrund  der  unechten Noven  nicht  dazu  dienen  darf,  bisherige  Versäumnisse  in  der  Beweisführung  wieder  gutzumachen  (vgl. ESCHER, a.a.O., N. 8 zu Art. 123 BGG), dass  ein  Dokument  wie  der  psychiatrisch­psychotherapeutische  Bericht  von  G._______  vom  14.  Juni  2011  bei  Beachtung  der  zumutbaren  Sorgfalt  bereits  im  ordentlichen  Verfahren  hätte  eingereicht  werden  können, zumal der Gesuchsteller einen solchen Bericht bereits  in seiner  Beschwerde vom 4. September 2009  in Aussicht stellte, es  in der Folge  jedoch  bis  zum  Urteilsspruch  vom  24.  Mai  2011  unterliess,  diesen  nachzureichen, dass  er  nicht  darzutun  vermag,  dass  ihm  eine  Beibringung  im  früheren  Verfahren wegen unverschuldeter Umstände (zum Genügen der blossen  Glaubhaftmachung  der  Schuldlosigkeit  vgl.  BEERLI­BONORAND,  a.a.O.,  S. 110) nicht möglich war, da der Gesuchsteller mit keinem Wort erklärt,  weshalb  er  das  Dokument  nicht  bereits  im  Verlauf  des  ordentlichen  Verfahrens einreichte, dass der Bericht vom 14. Juni 2011 ungeachtet dessen bei Vorliegen im  ordentlichen Verfahren nicht zu einer anderen Beurteilung geführt hätte, dass dem Gesuchsteller  im Bericht Angst und eine depressive Störung,  gemischt (ICD­10 F41.2) sowie eine posttraumatische Belastungsstörung  (PTBS;  ICD­10  F43.1)  diagnostiziert  wird,  welche  sich  durch  gedrückte  Stimmung,  Ein­  und  Durchschlafstörungen,  Ängste,  phasenweise  Herzrasen, Schwitzen, innere Unruhe und latente Suizidalität ausdrücke, dass  er  zusätzlich  zum  Besuch  einer  verhaltenstherapeutischen  Psychotherapie  ein  Antidepressivum  einnehme,  wodurch  sich  sein  Zustand etwas stabilisiert habe und er im Moment arbeitsfähig sei, dass  eine  Fortsetzung  der  etablierten  Therapie  in  der  Schweiz  jedoch  dringend  zu  empfehlen  sei,  um  die  erreichten  Fortschritte 

D­3619/2011 aufrechtzuerhalten  und  einem  erhöhten  Risiko  einer  psychischen  Dekompensation mit Suizidalität vorzubeugen, dass  Gründe  ausschliesslich  medizinischer  Natur  den  Wegweisungsvollzug  im  Allgemeinen  nicht  als  unzumutbar  erscheinen  lassen, es sei denn, die erforderliche Behandlung sei wesentlich und  im  Heimatland  nicht  erhältlich  (vgl.  BVGE  2009/2  E.  9.3.2  S.  21,  EMARK  2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f.), dass, entsprechen die Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland nicht  dem medizinischen Standard  in  der  Schweiz,  dies  allein  noch  nicht  die  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  bewirkt,  sondern  von  einer  solchen  erst  dann  auszugehen  ist,  wenn  die  ungenügende  Möglichkeit  der  Weiterbehandlung  eine  drastische  und  lebensbedrohende  Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach sich zieht (vgl. BVGE  2009/2 E. 9.3.2 S. 21, EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d S. 50 ff., EMARK 2003  Nr. 24 E. 5b S. 157 f.), dass  sich  die  psychiatrische  Versorgung  in  Serbien  gemäss  Erkenntnissen  des Bundesverwaltungsgerichts  in  den  letzten  Jahren  an  westeuropäische Standards angenähert hat, dass  in Serbien grundsätzlich  alle  psychischen Probleme mit modernen  Methoden  behandelt  werden  können  und  gängige  Behandlungen  praktisch flächendeckend angeboten werden, dass Antidepressiva und Neuroleptika verfügbar sind, wenn auch nicht in  der in der Schweiz bekannten Vielfalt, dass  vor  diesem  Hintergrund  davon  auszugehen  ist,  dass  die  medizinische  Grundversorgung  des  Gesuchstellers  in  seiner  Heimat  gewährleistet ist, dass  zu  den  Ausführungen  im  ärztlichen  Zeugnis,  wonach  sich  sein  Gesundheitszustand bei einer Rückführung nach Serbien verschlechtern  werde,  festzuhalten  ist,  dass  ein  unausweichlich  bevorstehender  Wegweisungsvollzug bei den damit konfrontierten Personen nicht selten  zu einer nicht unerheblichen psychischen Belastung  führen kann, dieser  Belastung  jedoch  im  Rahmen  einer  entsprechenden  Vorbereitung  des  Gesuchstellers Rechnung zu tragen ist,

D­3619/2011 dass  unter  Berücksichtigung  des  aktenkundigen  Arztberichts  bei  einer  Rückführung  nicht  von  einer  konkreten  Gefährdung  in  Form  einer  medizinischen Notlage im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG auszugehen ist, dass  es  dem Gesuchsteller  im  Übrigen  freisteht,  sich  um medizinische  Rückkehrhilfe  (Art.  93  Abs.  1  Bst. d  AsylG  i.V.m.  Art.  75  der  Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV  2, SR 142.312]) zu bemühen, um die benötigte medizinische Behandlung  in  der  ersten  Zeit  nach  der  Rückkehr  mit  finanzieller  oder  materieller  Unterstützung durch die Schweiz sicherstellen zu können, dass  sich  die  weiteren  im  Revisionsgesuch  vorgebrachten  Argumente,  wonach  sein  Verwandtschaftsnetz  in  Serbien  nicht  tragfähig  und  seine  professionelle Zukunft dort nicht gesichert sei, als nicht entscheidend  im  Sinne der revisionsrechtlichen Bestimmungen erweisen, dass es sich bei diesen Vorbringen nicht um neue Tatsachen handelt, da  der  Gesuchsteller  sie  in  den  Grundzügen  schon  im  Rahmen  des  ordentlichen  Verfahrens  geltend  machte  und  sie  daher  vom  Bundesverwaltungsgericht  im  Rahmen  der  Prüfung  der  individuellen  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  berücksichtigt wurden, weshalb  darüber  abschliessend  geurteilt  wurde  und  folglich  darauf  nicht  zurückzukommen ist, dass hierzu auf die diesbezüglichen Erwägungen im angefochtenen Urteil  vom 24. Mai 2011 zu verweisen ist, dass  auch  das  Vorbringen,  wonach  der  Gesuchsteller  in  der  Schweiz  Fuss  gefasst  habe  und  sich  hier  sicher  fühle,  nicht  entscheidwesentlich  ist, da es bei der Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  praxisgemäss nicht um die Beurteilung der Situation der Asylsuchenden  in der Schweiz, sondern der Situation im Herkunftsland geht (vgl. EMARK  1994 Nr. 19 E. 6.a S. 148, mit weiteren Hinweisen), dass  zudem  die  Beanstandung  der  rechtlichen  Würdigung  des  Sachverhalts im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Mai 2011  eine Rechtsfrage und nicht den Sachverhalt beschlägt und damit keinen  Revisionsgrund  darstellt  (vgl.  EMARK  2000  Nr. 29  E. 5;  BEERLI­ BONORAND, a.a.O., S. 133 f.), dass aufgrund dieser Erwägungen auch nicht offensichtlich ist, dass dem  Gesuchsteller  eine Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behandlung 

D­3619/2011 drohen und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis bestehen  würde (vgl. EMARK 1995 Nr. 9 E. 7 S. 83 ff.), dass  es  dem  Gesuchsteller  somit  nicht  gelungen  ist,  im  vorliegenden  Revisionsverfahren  erhebliche  Tatsachen  oder  entscheidende  Beweismittel  im  Sinne  von  Art.  123  Abs.  2  Bst.  a  BGG  beizubringen,  weshalb  sein  Gesuch  um  Revision  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Mai 2011 abzuweisen ist, dass  das  Gesuch  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  durch  den  Entscheid  in  der  Hauptsache  gegenstandslos  geworden ist, weshalb darüber nicht mehr zu befinden ist, dass das Revisionsgesuch aufgrund der Erwägungen als aussichtlos zu  qualifizieren   und  deshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  in  Verbindung mit Art. 68 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  insgesamt  Fr. 1200.­  dem  Gesuchsteller  aufzuerlegen  sind  (Art.  37  VGG  i.V.m.  Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 68 Abs. 2 VwVG; Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG  i.V.m. Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­3619/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das Revisionsgesuch wird abgewiesen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1200.­  werden  dem  Gesuchsteller  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Gesuchsteller,  das  BFM  und  die  zuständige  kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand:

D-3619/2011 — Bundesverwaltungsgericht 15.08.2011 D-3619/2011 — Swissrulings