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Bundesverwaltungsgericht 22.09.2011 D-306/2010

22 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,295 mots·~6 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Januar 2010

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­306/2010/sed Urteil   v om   2 2 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Thomas Wespi;   Gerichtsschreiberin Nina Hadorn. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan,    vertreten durch Dr. iur. Reza Shahrdar,  B._______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 15. Januar 2010 / N _______.

D­306/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  sein  Heimatland  am 30. November 2009 verliess und auf dem Luftweg via C._______ und  anschliessend  auf  dem  Landweg  in  die  Schweiz  einreiste,  wo  er  am  17. Dezember 2009 um Asyl nachsuchte, dass  er  keine  Ausweispapiere  vorlegte,  worauf  er  mit  einem  Informationsblatt zur Abgabe von Identitätsdokumenten innerhalb von 48  Stunden aufgefordert wurde, dass  er  am  31.  Dezember  2009  summarisch  befragt  und  am  7. Januar 2010  zu  seinen  Fluchtgründen  angehört  wurde  (vgl.  Art.  26  Abs. 2  und Art.  29 Abs.  1  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]), dass der Beschwerdeführer zu seiner Person angab, er sei ein ethnischer  D._______ und stamme aus E._______ (Provinz Bamyan),  dass  er  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte,  er  sei  am  (…  […])  frühmorgens  auf  dem  Weg  zur  Bewirtschaftung  der  Felder  von  drei  Unbekannten  entführt  worden,  welche Taliban oder deren Anhänger gewesen seien,  dass er von diesen Personen während zirka zehn Tagen  in einem Haus  festgehalten und auch misshandelt worden sei, dass  die  Entführer  vom  Vater  des  Beschwerdeführers  eine  Lösegeldsumme von 25'000 Dollar verlangt hätten, welche dieser bis zum  (… […]) hätte bezahlen müssen, dass  dem  Beschwerdeführer  einen  Tag  vor  dem  genannten  Datum  die  Flucht gelungen sei und er den Weg nach Hause gefunden habe, dass  ihm  die  Entführer  drei  Tage  später  einen  Drohbrief  übermittelt  hätten, dass er sich ungefähr einen Monat zu Hause versteckt habe, bis er dank  einem  durch  den  Vater  organisierten  Schlepper  sein  Heimatland  habe  verlassen können,

D­306/2010 dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  15.  Januar  2010  –  gleichentags  eröffnet  –  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  auf  das  Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den  Vollzug anordnete, dass das BFM zur Begründung des Nichteintretens auf das Asylgesuch  zusammenfassend  festhielt,  der  Beschwerdeführer  habe  innert  48  Stunden  nach  Gesuchseinreichung  ohne  entschuldbare  Gründe  keine  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgegeben,  er  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht, und zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  seien  in  seinem  Fall  aufgrund  der  Aktenlage nicht erforderlich, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  18.  Januar  2010  gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  dabei  beantragte,  die  Verfügung  vom  15.  Januar  2010  sei  aufzuheben,  auf  das  Gesuch  sei  einzutreten,  ihm  sei  Asyl  zu  gewähren  beziehungsweise er sei eventuell vorläufig aufzunehmen, dass  er  in  prozessrechtlicher  Hinsicht  sinngemäss  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  ersuchte,  dass er zudem beantragte, die aufschiebende Wirkung der Beschwerde  sei  wieder  herzustellen  und  ihm  sei  eine  Nachfrist  zur  Ergänzung  der  Beschwerde zu gewähren,  dass er zur Begründung vorbrachte, ihm sei es aufgrund des sehr kurzen  Aufenthaltes  in der Schweiz nicht möglich gewesen, Identitätspapiere zu  beschaffen, er sich jedoch bemühe, Identitätsdokumente nachzureichen, dass  in Afghanistan  in  den  letzten  Jahren  oft  Personen  zur Erpressung  von Lösegeldsummen entführt worden seien, dass  er  am  19.  Januar  2010  eine  (…)  Kopie  einer  Bestätigung  seiner  afghanischen Staatsangehörigkeit der Afghanischen Botschaft in Genf ins  Recht legte, 

D­306/2010 dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  26.  Januar  2010  auf  den  Antrag,  die  aufschiebende  Wirkung  sei  wieder  herzustellen,  mit  Verweis  auf  das  Aufenthaltsrecht  des  Beschwerdeführers  während  des  Asylverfahrens  nicht  eintrat  und  das  Gesuch  um  Gewährung  einer  Nachfrist  zur  Beschwerdeergänzung  abwies, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  unter  der  Voraussetzung  des  Nachreichens  einer  Fürsorgebestätigung  sowie  unter  Vorbehalt  der  Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers gutgeheissen  wurde, dass  der  Beschwerdeführer  am  23.  Januar  2010  das  Original  der  Bestätigung der Afghanischen Botschaft  in Genf und die Seiten 3 und 4  des  Updates  August  2005  zur  aktuellen  Sicherheitslage  in  Afghanistan  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  einreichte  und  um  Sistierung  der  Wegweisungsverfügung  beziehungsweise  Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung ersuchte,  dass  er  am  2.  Februar  2010  eine  Sozialhilfebestätigung  der  Caritas  Schweiz des gleichen Datums ins Recht legte, dass  mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  24. Februar  2010  das  BFM  ersucht  wurde,  eine  Vernehmlassung  einzureichen, dass das Bundesamt die vorinstanzliche Verfügung vom 15. Januar 2010  am 21. März 2011 teilweise  in Wiedererwägung zog, die Ziffern 3 und 4  des  Dispositivs  des  angefochtenen  Entscheids  aufhob  sowie  den  Wegweisungsvollzug  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen Aufnahme aufschob, dass  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit  Schreiben  vom  22. März 2011 auf diese Verfügung der Vorinstanz Bezug nahm und dem  Bundesverwaltungsgericht  den  Vertretungsaufwand  für  das  Beschwerdeverfahren mitteilte, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  15.  April 2011  den  Beschwerdeführer  anfragte,  ob  er  an  der  Beschwerde  festhalte oder diese zurückzuziehen gedenke,

D­306/2010 dass  das  Bundesverwaltungsgericht  für  die  Rückzugserklärung  beziehungsweise  zur  Stellungnahme  Frist  ansetzte  und  gleichzeitig  mitteilte,  bei  ungenutzter  Frist  werde  vom  Festhalten  an  den  Rechtsbegehren  ausgegangen  und  das  Verfahren  in  der  gesetzlich  vorgesehenen Weise fortgeführt,  dass innert Frist keine Mitteilung beim Bundesverwaltungsgericht einging, und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 43 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung 

D­306/2010 aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den  Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs  Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  oder wenn auf Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG  die Flüchtlingseigenschaft  festgestellt wird  (Art.  32 Abs. 3 Bst.  b AsylG)  oder wenn sich auf Grund der Anhörung die Notwendigkeit  zusätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),  dass  vorliegend  die  Nichtabgabe  von Reise­  oder  Identitätspapieren  im  Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 Bst. a AsylG innerhalb von 48  Stunden  nach Einreichung  des Asylgesuchs  sachverhaltsmässig  erstellt  ist, dass  es  nämlich  der  Beschwerdeführer  unterliess,  im  Moment  der  Einreichung  seines  Asylgesuchs  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  beziehungsweise  in  den  48  Stunden  nach  der  diesbezüglichen  Aufklärung  mittels  eines  Informationsblattes  ein  Dokument  zu  seiner  zweifelsfreien  Identifizierung  (vgl.  BVGE  2007/7  E. 5.1­5.2 S. 65 ff.) abzugeben, dass  somit  die  in  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  statuierte  Grundvoraussetzung  für  ein  Nichteintreten  wegen  fehlender  Papiere  erfüllt ist, dass  vorliegend  zu  prüfen  bleibt,  ob  eine  Ausnahme  gemäss  Art.  32  Abs. 3 AsylG vorliegt, dass  der  Beschwerdeführer  angab,  mit  dem  Bus  von  E._______  über  F._______  nach G._______  gereist  zu  sein  (Akte  A1  S.  7),  wo  er  sich  während  ungefähr  zwei  Wochen  im  Haus  des  Schleppers  namens  H._______ (Akte A9 S. 3 F21) aufgehalten habe,

D­306/2010 dass er von G._______ mit einem gefälschten afghanischen Reisepass,  welcher  auf  den  Vornamen  I._______  gelautet  habe,  mit  der  Fluggesellschaft J._______ nach C._______ geflogen sei (Akte A1 S. 7), dass  er  anschliessend mit  zwei  verschiedenen  Lastwagen,  in  denen  er  sich  in  der  Nähe  der  Räder  beziehungsweise  im  Laderaum  versteckt  habe, in den Raum K._______ gefahren worden sei (Akte A1 S. 7 und S.  8), dass  er  seine  Taskara  bei  der  Ankunft  in  der  Schweiz  dem  Schlepper  habe übergeben müssen, dass diese Ausführungen zwar recht detailliert ausgefallen sind, dass die Einreise  in C._______ mit gefälschten Papieren  jedoch Zweifel  weckt, zumal dort strenge Kontrollen gemacht werden, dass  der  Beschwerdeführer  sodann  nicht  in  der  Lage  war,  den  vollen  Namen  und  das  Geburtsdatum  im  angeblich  gefälschten  Pass  wiederzugeben, dass  schliesslich  nicht  nachvollziehbar  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  neben  dem  gefälschten  Pass  auch  eine  auf  seinen  Namen  lautende  Taskara  auf  sich  getragen  habe,  da  ihn  dies  im  Falle  einer  Kontrolle  offensichtlich verraten hätte, dass schliesslich nicht zu überzeugen vermag, der Beschwerdeführer  habe nie einen Pass besessen, zumal er bereits zweimal eine Pilgerreise  L._______ unternommen habe, zuletzt im Alter von 20 Jahren, dass  insgesamt  der Eindruck  entsteht,  der  Beschwerdeführer  habe  den  Asylbehörden  diejenigen  Papiere,  mit  denen  er  gereist  ist,  absichtlich  vorenthalten,  was  nach  dem  Willen  des  Gesetzgebers  sanktioniert  werden soll (vgl. dazu BVGE 2007/7), dass  daran  auch  die  nachträglich  von  der  Botschaft  ausgestellte  Bestätigung  seiner  afghanischen  Staatsangehörigkeit  und  die  Ausführungen  zu  seinen  Versuchen,  die  Taskara  vom  Schlepper  erhältlich zu machen, nichts zu ändern vermögen, zumal er es bis heute  unterlassen hat, seine Taskara einzureichen,

D­306/2010 dass  auch  die  relativ  kurze  Zeit  zwischen  der  Einreichung  des  Asylgesuchs vom 17. Dezember 2009 und der angefochtenen Verfügung  nichts  ändert,  zumal  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer  verfüge über Papiere, mit denen er gereist ist,  dass somit die Nichtvorlage von Reise­ oder  Identiätspapieren  innerhalb  von 48 Stunden als nicht entschuldbar zu erkennen ist, dass  die  Vorinstanz  sodann  zu  Recht  davon  ausgegangen  ist,  es  erübrigten  sich  zusätzliche  Abklärungen  zur  Flüchtlingseigenschaft  (vgl.  Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zur  geltend  gemachten  Entführung offensichtlich nicht geglaubt werden können, dass  der  Beschwerdeführer  zwar  zu  Recht  vorbringt,  in  Afghanistan  würde es zu Entführungen wohlhabender Einwohner kommen, dass damit  jedoch noch nicht  dargelegt  ist,  der Beschwerdeführer  habe  das Vorgebrachte tatsächlich erlebt, dass vielmehr zahlreiche Unglaubhaftigkeitselemente dagegen sprechen, dass  insbesondere  die  Umstände  der  Flucht  äusserst  unglaubhaft  anmuten,  zumal  davon  auszugehen  wäre,  die  Entführer  hätten  den  Beschwerdeführer in einem besser gesicherten Zimmer untergebracht, dass  auch  nicht  nachvollziehbar  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  zehn  Tagen  von  Misshandlungen  und  wenig  Nahrung  gezeichnet  eineinhalb Stunden ununterbrochen rennen konnte,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  im  Falle  einer  ernsthaften Gefährdung  ferner kaum direkt nach Hause begeben und sich dort über einen Monat  aufgehalten hätte, dass  schliesslich  nicht  geglaubt  werden  kann,  die  Taliban  hätten  sich  damit  begnügt,  nach  seiner  Flucht  seinem  Cousin  einen  Drohbrief  zu  Handen des Vaters zu übergeben,  dass  in  der  Beschwerde  diesbezüglich  nichts  Stichhaltiges  vorgebracht  werden konnte,

D­306/2010 dass  die  Vorinstanz  damit  zu  Recht  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  festgestellt  hat,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht, dass  sich  schliesslich  auch  weitere  Abklärungen  zum  Wegweisungsvollzug im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG erübrigten, dass  zwar  die  Sicherheitslage  und  die  humanitäre  Situation  in  Afghanistan  immer  wieder  Anlass  zu  einlässlichen  Abklärungen  und  Lageanalysen  der Asylbehörden  geben  (vgl.  zuletzt  den  zur Publikation  vorgesehenen Entscheid E­7625/2008 vom 16. Juni 2011), dass  der  Beschwerdeführer  denn  auch  nachträglich  infolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufgenommen  worden ist, dass  jedoch  der  Begriff  der  Wegweisungsvollzugshindernisse  im  Sinne  von  Art.  32  Abs.  3  Bst.  c  AsylG  ausschliesslich  diejenigen  Hindernisse  umfasst, welche sich auf die Zulässigkeit des Vollzugs auswirken können  (vgl. BVGE 2009/50 E. 8.4), dass der Beschwerdeführer nichts Konkretes vorbringen konnte, das auf  eine mögliche Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs hätte schliessen  lassen, dass  es  sich  unter  den  gegebenen  Umständen  erübrigt,  auf  weitere  Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, da sie nichts am Ergebnis  ändern können, dass  bei  dieser  Sachlage  der  Nichteintretensentscheid  gemäss  Art.  32  Abs. 2 Bst. a AsylG zu bestätigen ist, dass  die Anordnung der Wegweisung  im Einklang mit  den gesetzlichen  Bestimmungen  steht,  da  der  Beschwerdeführer  –  abgesehen  vom  bisherigen  Asylbewerberstatus  –  über  keine  Aufenthaltsbewilligung  verfügt und auch einen Anspruch auf Erteilung eines solchen hat (vgl. Art.  44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9),  dass  das  Bundesamt  mit  der  Wiedererwägungsverfügung  vom  21. März 2011  gemäss  Art.  58  Abs.  1  VwVG  die  Ziffern  3  und  4  des  Dispositivs der angefochtenen Verfügung des BFM vom 15. Januar 2010 

D­306/2010 (Wegweisungsvollzug)  aufhob  und  den  Beschwerdeführer  vorläufig  aufnahm, dass  die  Gründe  für  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  im  Einzelnen  vom  Bundesverwaltungsgericht  nicht  näher  zu  prüfen  sind,  zumal  die  entsprechenden  Bedingungen  alternativer  Natur  sind  und  gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme wiederum eine  Beschwerdemöglichkeit besteht (vgl. BVGE 2009/51), dass die Beschwerde demnach, soweit sie den Vollzug der Wegweisung  betrifft,  gegenstandslos  wurde  und  die  Beschwerde  diesbezüglich  abzuschreiben ist, dass  die  angefochtene  Verfügung  demnach  hinsichtlich  des  zur  Beurteilung  verbliebenen  Prozessgegenstandes  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG),  dass  die  Beschwerde  nach  dem  Gesagten  abzuweisen  ist,  soweit  sie  nicht gegenstandlos wurde, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  reduzierte  Verfahrenskosten  aufzuerlegen wären  (Art.  63 Abs.  1 VwVG und Art.  5 des Reglementes  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),  dass  jedoch  mit  Zwischenverfügung  vom  26.  Januar  2010  die  unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt  wurde, weshalb auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten  ist, dass  dem  Beschwerdeführer  unter  den  gegebenen  Umständen –  Gegenstandslosigkeit  nach  teilweiser  Wiedererwägung  der  angefochtenen  Verfügung  durch  die  Vorinstanz  –  eine  um  die  Hälfte  reduzierte Parteientschädigung auszurichten ist (vgl. Art. 5  i.V.m. Art. 15  VGKE)  dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 22. März 2011 eine  Kostennote zu den Akten gereicht hat, worin ein zeitlicher Aufwand von  8 ½  Stunden  zu  Fr.  250.­­  inklusive  Spesen  und  MWSt  ausgewiesen  werden, 

D­306/2010 dass  indes  der  damit  ausgewiesene  Zeitaufwand  als  der  Sache  nicht  angemessen  hoch  bezeichnet  werden  muss,  zumal  die  Rechtsmitteleingabe  des  Beschwerdeführers  lediglich  zwei  Seiten  umfasst und die vier folgenden Begleitschreiben sehr kurz sind,  dass  demnach  der  geltend  gemachte  zeitliche  Aufwand  deutlich  zu  kürzen  und  unter  Berücksichtigung  des  Aufwandes  in  vergleichbaren  Verfahren der Vertretungsaufwand auf Fr. 800.­­  festzusetzen  ist, wobei  davon  die  Hälfte  als  Parteientschädigung  von  der  Vorinstanz  auszurichten ist. (Dispositiv nächste Seite)

D­306/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde vom 18. Januar 2010 wird abgewiesen, soweit  sie das  Nichteintreten  auf  das Asylgesuch  und  die Anordnung  der Wegweisung  betrifft. 2.  Die  Beschwerde  wird  als  gegenstandslos  geworden  abgeschrieben,  soweit sie den Vollzug der Wegweisung betrifft. 3.   Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Die Vorinstanz wird angewiesen, eine Parteientschädigung im Betrag von  Fr.  400.­­  (inkl.  Auslagen  und  MWSt)  an  den  Beschwerdeführer  zu  entrichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Nina Hadorn Versand:

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