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Bundesverwaltungsgericht 29.11.2011 D-2918/2009

29 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,600 mots·~13 min·3

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. April 2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­2918/2009 Urteil   v om   2 9 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), sowie deren Kinder B._______, geboren am (…), und C._______, geboren am (…), Kosovo, alle vertreten durch lic. iur. Linda Keller, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 6. April 2009 / N (…).

D­2918/2009 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  –  eine  kosovarische  Staatsangehörige  albanischer Ethnie aus D._______, Gemeinde E._______ – verliess ihre  Heimat eigenen Angaben zufolge am 16. März 2008 zusammen mit ihren  beiden  minderjährigen  Kindern  und  gelangte  am  26. März  2008  nach  einem  einwöchigen  Aufenthalt  in  Mazedonien  via  Griechenland  und  Italien illegal in die Schweiz, wo sie am selben Tag um Asyl nachsuchte.  Am 14. April 2008 erhob das BFM im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ)  F._______  ihre Personalien  und  befragte  sie  zu  ihrem Reiseweg  sowie – summarisch – zu ihren Ausreisegründen. Mit Zwischenverfügung  vom 17. April 2008 wies sie das BFM für die Dauer des Verfahrens dem  Kanton G._______ zu. Am 13. Mai 2008 befragte sie das Bundesamt  in  Bern­Wabern einlässlich zu ihren Asylgründen. Im  Wesentlichen  machte  die  Beschwerdeführerin  geltend,  sie  habe  im  Jahre 1996 H._______ geheiratet und sei  in der Folge zur Familie  ihres  Mannes  gezogen.  Am  13. Juli  1999  sei  ihr  Ehemann  von  Serben  ermordet worden. Nach dessen Tod sei  ihr  vorgeschlagen worden,  sich  mit einem der Brüder des Ermordeten zu vermählen, was sie abgelehnt  habe.  Daraufhin  sei  sie  von  der  Familie  ihres  getöteten  Mannes  des  Hauses  verwiesen  worden,  welche  gleichzeitig  ihre  beiden  Kinder  zurückbehalten  habe.  Fortan  habe  sie  wieder  bei  ihrer  Mutter  in  D._______  gelebt.  Da  die  Familie  ihres  verstorbenen  Ehemannes  sich  geweigert  habe,  ihr  die  beiden  Kinder  auszuhändigen,  habe  sie  den  Gerichtsweg  beschritten  und  schliesslich  am  21. März  2006  nach  jahrelangem  juristischem  Kampf  das  Sorgerecht  für  ihre  beiden  Kinder  zugesprochen erhalten. In der Folge habe die Familie ihres verstorbenen  Mannes nichts unversucht gelassen, die Kinder gegen sie auszuspielen.  So  hätten  Angehörige  der  verfeindeten  Familie  während  der  Ausübung  des  Besuchsrechts  den  Kindern  gegenüber  schlecht  über  sie  gesprochen. Ausserdem hätten die Brüder  ihres Ex­Mannes  ihre Kinder  verschiedentlich  in  der  Schule  besucht  und  diese  dazu  zu  überreden  versucht,  wieder  zur  Familie  ihres  verstorbenen  Vaters  H._______  zurückzukehren.  Sie  habe  diese  Vorkommnisse  zwar  bei  den  zuständigen  Polizeibehörden  gemeldet;  die  Polizei  habe  aber  nichts  unternommen,  um  den  Missständen  ein  Ende  zu  setzen.  Schliesslich  habe I._______, ein Bruder  ihres verstorbenen Ehemannes, sie zweimal  – nämlich etwa eineinhalb Monate beziehungsweise eine Woche vor ihrer  Ausreise aus Kosovo – mit dem Tode bedroht, falls sie ihre beiden Kinder 

D­2918/2009 nicht  an  seine  Familie  zurückgebe.  Da  sie  unter  diesen  Umständen  in  Kosovo  keine  Lebenszukunft  für  sich  und  ihre  beiden  Kinder  mehr  gesehen  habe,  sei  sie  schliesslich  Mitte  März  2008  aus  ihrer  Heimat  ausgereist. Zur Untermauerung  ihrer Asylvorbringen  reichte die Beschwerdeführerin  unter  anderem  zwei  Artikel  aus  der  Tageszeitung  J._______  vom  31. März 2006 und vom 10. Februar 2008 sowie mehrere Gerichtsurteile  bezüglich der Frage der Zuteilung des Sorgerechts zu den Akten. B.  Mit  Begleitschreiben  vom  20. November  2008  sandte  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  die  von  ihr  eingereichten  fremdsprachigen  Dokumente  zurück  und  forderte  sie  gleichzeitig  auf,  diese  dem  Bundesamt  bis  zum  10. Dezember  2008  zusammen  mit  einer  Übersetzung in eine der drei Amtssprachen erneut zuzustellen, soweit sie  der  Bekräftigung  ihrer  Asylvorbringen  dienten.  Am  22. Dezember  2008  forderte das BFM die Beschwerdeführerin unter Ansetzung einer Frist bis  am  12. Januar  2009  erneut  auf,  die  verlangten  Übersetzungen  beizubringen,  nachdem  sie  sich  innert  der  angesetzten  Frist  nicht  hatte  vernehmen lassen. Die Beschwerdeführerin reichte indessen auch bis am  12. Januar 2009 die anbegehrten Übersetzungen nicht ein. C.  Am  4. Februar  2009  ersuchte  das  BFM  die  Schweizer  Botschaft  in  Pristina  um  Abklärungen  bezüglich  des  Verhältnisses  der  Beschwerdeführerin  zur  Familie  ihres  verstorbenen  Ehemannes,  ihrer  Wohn­  und  Lebensverhältnisse  vor  ihrer Ausreise  in  die Schweiz  sowie  hinsichtlich der Frage, ob aktuell von einer ausreichenden wirtschaftlichen  Lebensgrundlage  beziehungsweise  einem  tragfähigen  sozialen  Beziehungsnetz in ihrer Heimat ausgegangen werden könne. D.  Mit  Schreiben  vom  21. Februar  2009  teilte  die  Schweizer  Botschaft  in  Pristina dem BFM ihre Abklärungsergebnisse mit. E.  Am  12. März  2009  brachte  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  die  Abklärungsergebnisse  der Schweizer Botschaft  in Pristina  schriftlich  zur  Kenntnis.  Gleichzeitig  räumte  das  Bundesamt  ihr  die  Gelegenheit  ein, 

D­2918/2009 sich  hierzu  bis  zum  23. März  2009  zu  äussern  und  allfällige  Gegenbeweismittel zu bezeichnen. F.  Am  19. März  2009  gab  die  Beschwerdeführerin  eine  entsprechende  Stellungnahme ab. G.  Mit Verfügung vom 6. April 2009 – eröffnet am 7. April 2009 – stellte das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Kinder  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  die  Asylgesuche  ab.  Das  BFM  führte  zur Begründung  seiner Verfügung  im Wesentlichen aus,  es  gehe  auf Grund der Akten  davon aus,  dass die Beschwerdeführerin während  Jahren  für  das Sorgerecht  bezüglich  ihrer  beiden Kinder  habe  kämpfen  müssen. Das BFM erachte es auch als glaubhaft, dass dies seitens der  Familie  des  verstorbenen  Ehemannes  zu  Reaktionen  geführt  habe.  Selbst in westlichen Ländern komme es indessen oftmals zu langwierigen  gerichtlichen Auseinandersetzungen um das Sorgerecht der Kinder. Das  BFM gehe auch davon aus, dass die Familie des getöteten Ehemannes  nach der gerichtlich angeordneten Rückkehr der Kinder zu ihrer Mutter im  Rahmen  ihres  Besuchsrechts  oder  vor  der  Schule  versucht  habe,  die  Kinder  gegen  die  Beschwerdeführerin  aufzuhetzen  und  zu  einer  Rückkehr zu bewegen. Demgegenüber  lasse der Umstand, dass es erst  acht  Jahre,  nachdem  die  Beschwerdeführerin  begonnen  habe,  für  die  Rückkehr  ihrer  Kinder  zu  kämpfen,  zu  Todesdrohungen  gegen  ihre  Person  gekommen  sei,  die  Vermutung  aufkommen,  dass  sie  ihre  Situation  übersteigert  dargestellt  habe.  Selbst  wenn  es  zu  entsprechenden  Todesdrohungen  gekommen  sein  sollte,  müsse  die  Frage, ob die Beschwerdeführerin auf dem Gebiete  ihres Heimatstaates  Schutz vor den geltend gemachten Verfolgungsmassnahmen seitens der  Familie  ihres  getöteten  Ehemannes  finden  könne,  bejaht  werden:  So  garantierten  in Kosovo internationale Sicherheitskräfte sowie die Kosovo  Police  (KP)  die Sicherheit.  Die  internationalen Sicherheitskräfte  und  die  KP  seien  in  der  Lage,  Personen  vor  Übergriffen  zu  schützen.  Die  polizeiliche  Präsenz  sei  gut  sichtbar  sowie  flächendeckend.  Die  Strafgerichtsbarkeit  und der Strafvollzug  funktionierten grösstenteils. Bei  Übergriffen  intervenierten  die  Sicherheitskräfte  regelmässig  und  Straftaten  würden  geahndet.  Angesichts  der  innenpolitischen  Situation  habe der Bundesrat denn auch mit Beschluss vom 6. März 2009 Kosovo  als  verfolgungssicheren  Staat  (Safe  Country)  bezeichnet.  Vor  diesem  Hintergrund  wäre  es  der  Beschwerdeführerin  möglich  und  zumutbar 

D­2918/2009 gewesen,  die  geltend  gemachten  Belästigungen  und  Drohungen  zur  Anzeige oder erneut vor Gericht zu bringen, was sie indessen nicht getan  habe. Die Aussage, sie habe sich dazu nicht getraut, müsse angesichts  der  Tatsache,  dass  sie  mit  dem  Gang  vor  die  Gerichte  bereits  einmal  obsiegt  und  durch  den  langjährigen  Kampf  um  das  Sorgerecht  eine  grosse Hartnäckigkeit und ein starkes Selbstbewusstsein bewiesen habe,  als  Schutzbehauptung  gewertet  werden.  Ausserdem  sei  es,  von  Belästigungen und Drohungen abgesehen, zu keinen direkten Übergriffen  gekommen.  Da  vorliegend  vom  Vorhandensein  eines  adäquaten  Schutzes  durch  den  Heimatstaat  auszugehen  sei,  seien  die  geltend  gemachten  Übergriffe  im  vorliegenden  Fall  als  nicht  asylrelevant  zu  erachten.  Im Weiteren erachtete das BFM den Wegweisungsvollzug der  Beschwerdeführenden auch als zulässig, zumutbar und möglich. H.  Mit Eingabe vom 5. Mai 2009  liess die Beschwerdeführerin  für  sich und  ihre Kinder mittels ihrer Rechtsvertreterin gegen den Entscheid des BFM  vom 6. April  2009 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben  und  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben.  Es  sei  festzustellen,  dass  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllten,  und  es  sei  ihnen  in  der  Schweiz  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  beziehungsweis  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  ihnen  in  der  Schweiz  die  vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess  die  Beschwerdeführerin  beantragen,  es  sei  ihr  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren  und  die  unterzeichnende Rechtsanwältin  sei  als  unentgeltliche  Rechtsbeiständin  einzusetzen. Zur  Begründung  führte  die  Rechtsvertreterin  namentlich  aus,  ihre  Mandantin habe angesichts der bekannten gesellschaftlichen Strukturen  in  Kosovo  die  von  der  Familie  ihres  verstorbenen  Ehemannes  ausgesprochenen  Todesdrohungen  durchaus  ernst  nehmen  müssen.  Angesichts  ihrer  ausführlichen  Schilderungen,  wie  es  zu  den  entsprechenden  Drohungen  gekommen  sei,  müsse  auch  von  der  Glaubhaftigkeit  ihrer  entsprechenden  Vorbringen  ausgegangen  werden.  Vor  diesem  Hintergrund  sei  es  für  ihre  Mandantin  nicht  mehr  möglich  gewesen,  in  Kosovo  zu  bleiben.  Im  Übrigen  vermöge  auch  der  vorinstanzlich  vertretene  Standpunkt  nicht  zu  überzeugen,  wonach  die  internationalen Sicherheitskräfte sowie die KP die Sicherheit garantieren  würden,  zumal  dies  insbesondere  im  familiären  Bereich  kaum  möglich  sei.  Hinzu  komme,  dass  Frauen  im  archaischen  Gesellschaftssystem 

D­2918/2009 Kosovos  eine  untergeordnete  Rolle  spielten  und  insbesondere  alleinstehende Frauen einen schweren Stand hätten. Aus diesem Grunde  müsse auch die Argumentation der Vorinstanz  zurückgewiesen werden,  wonach ihrer Mandantin die Möglichkeit offengestanden hätte, die geltend  gemachten Belästigungen und Drohungen zur Anzeige zu bringen. Selbst  wenn die Rechtsstaatlichkeit in Kosovo in den letzten Jahren Fortschritte  gemacht  haben  dürfte,  müsse  es  dennoch  als  unmöglich  erachtet  werden,  eine  alleinstehende  Mutter  mit  zwei  kleinen  Kindern  vor  den  Übergriffen eines ganzen "Familienclans" zu schützen. Doch  selbst  wenn  das  Gericht  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden wider Erwarten verneinen sollte, müsse jedenfalls  ein  Wegweisungsvollzug  als  unzumutbar  bezeichnet  werden.  So  sei  anzunehmen,  dass  im  Falle  einer  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden  nach  Kosovo  die  Repressalien  seitens  der  Familie  des  verstorbenen  Ehemannes  beziehungsweise Vaters wieder  einsetzen würden.  Sodann  hätten  sich  die  beiden  Kinder  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  sowohl  schulisch  als  auch  hinsichtlich  ihrer  hiesigen  sozialen  Kontakte  bereits sehr gut integriert. Darüber hinaus hätte ein Wegweisungsvollzug  der  beiden  Kinder  aus  der  Schweiz  auch  unabsehbare  Folgen  auf  ihre  Psyche,  da  sie  in  der  Vergangenheit  bereits  viele  Schwierigkeiten  zu  verarbeiten  gehabt  hätten.  Tatsache  sei  schliesslich,  dass  die  Beschwerdeführerin  als  alleinstehende  Frau  mit  zwei  kleinen  Kindern  ohne  tragfähiges  soziales  Netz  und  ohne  Sicherung  des  Existenzminimums auf sich allein gestellt wäre. Als  Beilage  reichte  die Rechtsvertreterin  ein  Schreiben  von K._______,  L._______, vom 23. April 2009 ein, worin dieser als früherer katholischer  Pfarrer  in  der  Gemeinde  E._______  bestätigt,  dass  die  Beschwerdeführerin  als  Folge  ihrer  Weigerung,  einen  der  Brüder  ihres  verstorbenen  Ehemannes  zu  heiraten,  aus  dessen  Familie  verstossen  und  bedroht  worden  sei.  Der  Beschwerde  beigelegt  sind  überdies  mehrere  Schreiben  diverser  Lehrer,  welche  die  beiden  Kinder  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  unterrichten.  Darin  wird  namentlich  auf  das  klaglose  schulische  Verhalten  der  beiden  Kinder,  ihre  angenehmen  Umgangsformen  und  ihren  hohen  Integrationswillen  hingewiesen.  Schliesslich  reichte  die  Rechtsvertreterin  drei  fremdsprachige  Bestätigungen  vom  5. April  2007  beziehungsweise  vom  24. April  2009  betreffend  die  Vermögensverhältnisse  ihrer Mandantin  in  Kosovo zu den Akten.

D­2918/2009 I.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  19. Mai  2009  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  die  Beschwerdeführenden  könnten  den  Ausgang ihres Verfahrens in der Schweiz abwarten, verwies das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) auf einen späteren Zeitpunkt  und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Es  forderte  die  Beschwerdeführerin  auf,  das  Formular  "Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege"  bis  zum  3. Juni  2009  zusammen  mit  einer  zumindest  summarischen Übersetzung der auf Beschwerdeebene eingereichten drei  fremdsprachigen Belege  über  ihre Vermögensverhältnisse  einzureichen.  Demgegenüber  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung mangels Erforderlichkeit  ab. J.  Mit Begleitschreiben vom 3. Juni 2009 reichte die Rechtsvertreterin nebst  dem ausgefüllten Gerichtsformular  drei Krankenversicherungsnachweise  ihrer Mandanten für die Schweiz sowie deutschsprachige Übersetzungen  der  drei  aus  Kosovo  stammenden  fremdsprachigen  Dokumente  vom  5. April  2007  beziehungsweise  vom  24. April  2009  zu  den  Akten.  Den  letztgenannten Übersetzungen zufolge verfügt die Beschwerdeführerin in  Kosovo  über  keinerlei  Immobilienbesitz  und  hat  in  ihrer  ehemaligen  Wohnsitzgemeinde  D._______  keine  Steuerschulden.  Laut  dem  Begleitschreiben  vom  3. Juni  2009  bezieht  die  Beschwerdeführerin  monatlich Unterstützungsgelder  in Höhe von etwa Fr. 1100.–, welche  ihr  – im  Verbund  mit  einer  Aushilfsstelle  in  einem  Hotel  –  ein  Gesamteinkommen  sichern  würden,  welches  gerade  zur  Deckung  des  laufenden Bedarfs ausreiche, aber keinerlei Rückstellungen erlaube. K.  Mit  Zwischenverfügung  vom  10. Juni  2009  forderte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerdeführerin  beziehungsweise  deren Rechtsvertreterin  auf,  bis  zum 25. Juni  2009 aktuelle  Lohnbelege  ihres  Arbeitgebers  einzureichen,  ansonsten  ihre  Bedürftigkeit  als  nicht  belegt zu gelten hätte. L.  Mit  Begleitschreiben  vom  19. Juni  2009  reichte  die  Rechtsvertreterin  Lohnbelege  ihrer Mandantin  für den Zeitraum zwischen Dezember 2008 

D­2918/2009 und  März  2009  sowie  eine  Bestätigung  des  Kantonalen  Steueramtes  G._______  vom  16. April  2009  ein,  der  zufolge  die  Beschwerdeführerin  zwischen  Dezember  2008  und  März  2009  einer  Erwerbstätigkeit  nachgegangen ist und seither ausschliesslich von Fürsorgeleistungen des  Kantons G._______. M.  Mit Verfügung vom 25. Juni 2009  lud das Bundesverwaltungsgericht die  Vorinstanz zur Vernehmlassung bis zum 15. Juli 2009 ein. N.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  30. Juni  2009  fest,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigten  könnten, hielt vollumfänglich an den Erwägungen seiner Verfügung vom  6. April 2009 fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. O.  Das  Bundesverwaltungsgericht  stellte  der  Rechtsvertreterin  die  Vernehmlassung  des  BFM  vom  30.  Juni  2009  am  2. Juli  2009  zur  Kenntnisnahme zu. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

D­2918/2009 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das Asylgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und  Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerdeführenden  haben  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art. 105  und  Art.  108  Abs.  1  AsylG,  Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (vgl. Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen  damit,  nach  der  gerichtlichen  Zusprechung  des  Sorgerechts  für  ihre 

D­2918/2009 beiden  Kinder  im  März  2006  seien  diese  und  sie  selbst  seitens  Angehöriger der verfeindeten Familie ihres verstorbenen Ehemannes auf  verschiedene Art und Weise behelligt worden: So hätten diese anlässlich  der Ausübung des Besuchsrechts ihren Kindern gegenüber schlecht über  sie  (die  Beschwerdeführerin)  gesprochen  und  die  Kinder  zu  einer  Rückkehr  in  ihren  Familienverband  zu  überreden  versucht.  Ausserdem  hätten einzelne Angehörige der besagten Familie ihre Kinder auch in der  Schule  aufgesucht  und  zu  beeinflussen  versucht.  Schliesslich  sei  sie  eineinhalb Monate sowie eine Woche vor ihrer Ausreise aus Kosovo von  I._______,  einem Bruder  ihres  verstorbenen Ehemannes mit  dem Tode  bedroht  worden,  falls  sie  ihre  beiden  Kinder  nicht  an  dessen  Familie  herausgebe. 4.2. Einleitend bleibt festzuhalten, dass die kosovarischen Gerichte – wie  im Übrigen  auch  durch  die  vorliegend  getätigten Botschaftsabklärungen  bestätigt  worden  ist  –  der  Beschwerdeführerin  am  21. März  2006  nach  jahrelangen  juristischen  Auseinandersetzungen  das  Sorgerecht  für  ihre  beiden  Kinder  zugesprochen  haben,  worauf  diese  in  ihre  Obhut  zurückkehrten. Bis zur Ausreise aus Kosovo Mitte März 2008  lebten die  Kinder gemeinsam mit der Beschwerdeführerin, deren Mutter, Bruder und  Schwägerin  sowie  Cousins  und  Cousinen  im  Elternhaus  in  D._______.  Die  vorstehend  erwähnten  Behelligungen  der  Beschwerdeführenden  seitens  der  Familie  des  verstorbenen  Ehemannes  beruhen  somit  im  Ergebnis  auf  der  Tatsache,  dass  verschiedene  Mitglieder  besagter  Familie  das  gerichtliche  Verdikt  nicht  akzeptiert  beziehungsweise  durch  allerlei  Machenschaften  versucht  haben,  das  Sorgerecht  für  die  beiden  Kinder  faktisch  zurückzugewinnen.  Die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  setzt  indessen  voraus,  dass  die  Zufügung  von  ernsthaften Nachteilen aus einem der in Art. 3 Abs. 1 genannten Gründe  (Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  politische  Anschauung)  erfolgen  muss.  Ein  derartiges  Verfolgungsmotiv  (vgl.  hierzu  beispielsweise  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a. M.  1990,  S. 86  ff.;  ALBERTO ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Handbuch des Asylrechts,  2. Aufl.,  Bern/Stuttgart  1991,  S. 95  ff.;  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009, Rz.  11.10 – 11.12) ist aus den vorliegenden Akten nicht ersichtlich,  gründen  doch  die  psychischen  Druckversuche  der  Familie  des  verstorbenen  Ehemannes  gegenüber  den  beiden  Kindern  der  Beschwerdeführerin ebenso wie die von der Beschwerdeführerin geltend  gemachten  zwei  Todesdrohungen  seitens  ihres  Schwagers  I._______ 

D­2918/2009 letztlich  auf  einer  zivilrechtlichen  Streitigkeit  zwischen  Angehörigen  zweier  Familien.  So  besehen,  handelt  es  sich  bei  den  von  der  Beschwerdeführerin  geschilderten  Übergriffen  um  gemeinrechtliche  Straftaten, welche keine Verfolgung im asylrechtlichen Sinne darzustellen  vermögen. Darüber  hinaus  weist  bereits  die  Tatsache,  dass  die  kosovarischen  Gerichte der Beschwerdeführerin nach zähem Ringen das Sorgerecht für  ihre  beiden  Kinder  zugesprochen  haben  und  diese  in  der  Folge  auch  faktisch in die Obhut ihrer Mutter zurückgekehrt sind, darauf hin, dass die  kosovarischen  Behörden  im  Verbund  mit  den  nach  wie  vor  präsenten  internationalen  Sicherheitskräften  grundsätzlich  fähig  und  willens  sind,  ihre  Bürger  zu  schützen  beziehungsweise  dem  Recht  Nachachtung  zu  verschaffen. An dieser Feststellung vermag der Umstand, dass es gerade  bei familienrechtlichen Streitigkeiten generell sowohl für Sicherheitskräfte  als  auch  für  Gerichte  –  gleichsam  systemimmanent  –  schwierig  ist,  verfeindete  Parteien  zur  Einhaltung  eines  Gerichtsbeschlusses  beziehungsweise  vertraglicher  Vereinbarungen  zu  zwingen,  nichts  zu  ändern.  Vor  dem  Hintergrund  des  Gesagten  muss  auch  die  Schlussfolgerung  in  der  Beschwerdeschrift  zurückgewiesen werden,  die  Beschwerdeführenden müssten als Flüchtlinge anerkannt werden, weil es  in  Kosovo  trotz  Fortschritten  in  der  Rechtsstaatlichkeit  immer  noch  unmöglich  sein  dürfte,  eine  alleinstehende  Mutter  mit  zwei  kleinen  Kindern vor den Übergriffen eines ganzen Familienclans zu schützen (vgl.  Beschwerde S. 9/10). Abgesehen davon erweist sich die Behauptung, die  Beschwerdeführerin sei alleinstehend, als tatsachenwidrig, lebte sie doch  vor  ihrer  Ausreise  aus  der  Heimat  mit  ihren  beiden  Kindern  nicht  etwa  allein,  sondern  im  Hause  ihrer  Mutter  gemeinsam  mit  dieser,  ihrem  Bruder, ihrer Schwägerin und mehreren Neffen beziehungsweise Nichten,  wohin  sie  auch  heute  ohne Weiteres  zurückkehren  kann  (vgl.  E.  6.5.3.  und 6.5.4. nachstehend). Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin nach  eigenen  Angaben  keinen  Versuch  unternommen  hat,  die  beiden  angeblichen Todesdrohungen polizeilich zur Anzeige zu bringen (vgl. act.  A9/18 S. 11 F72), weshalb sie sich diesbezüglich nicht auf die  fehlende  Schutzfähigkeit  beziehungsweise  ­bereitschaft  der  kosovarischen  Sicherheitskräfte  berufen  könnte. Der Einwand  der Beschwerdeführerin,  sie habe sich dazu nicht getraut (vgl. act. A9/18 S. 11 F72), vermag das  Gericht nicht zu überzeugen, hat sie doch durch  ihren beherzten Kampf  um  das  Sorgerecht  für  ihre  Kinder  in  einer  gesellschaftlich  schwierigen 

D­2918/2009 Zeit  als  unverheiratete  Frau  bereits  an  früherer  Stelle  ihre  Entschlossenheit bewiesen. 4.3.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Verfolgungsgefahr  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu machen.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  weitere  Vorbringen  in  der  Beschwerde  einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern können. Das Bundesamt  hat  die  Asylgesuche  daher  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Begründung  abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Die Beschwerdeführerin und ihre beiden Kinder verfügen weder über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach  zu Recht  angeordnet  (Art. 44 Abs. 1 AsylG;  vgl. BVGE 2009/50 E.  9 S.  733  mit  weiteren  Hinweisen;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER STÖCKLI, Asyl, a.a.O. Rz. 11.148).

D­2918/2009 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). 6.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  und  ihre  beiden  Kinder  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr und ihren beiden Kindern im  Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

D­2918/2009 würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen). Davon  ist  unter Hinweis  auf  die  vorstehenden Erwägungen  zum  Asylpunkt  nicht  auszugehen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Kosovo  lässt  den Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 6.2.4. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3.  6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2. In Kosovo besteht keine Situation allgemeiner Gewalt, die sich über  das  ganze  Staatsgebiet  oder  weite  Teile  desselben  erstrecken  würde.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  der  albanischstämmigen  Beschwerdeführenden nach Kosovo ist deshalb grundsätzlich zumutbar. 6.3.3.  Es  bestehen  zudem  auch  keine  individuellen  Gründe  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur,  die  darauf  hinwiesen,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  beiden  Kinder  in  Kosovo  in eine existenzbedrohende Situation geraten könnten. So  lebte  die Beschwerdeführerin seit dem Tode ihres Ehemannes im Juli 1999 im  Hause  ihrer Mutter, wo auch  ihre  beiden Kinder wohnten,  nachdem die  kosovarischen  Gerichte  der  Beschwerdeführerin  im  März  2006  definitiv  das  Sorgerecht  für  die  beiden  Knaben  zugesprochen  hatten.  Aus  den  Akten  ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin nach dem Tode  ihres  Ehemannes  einen  Schneiderkurs  absolvierte  und  in  der  Folge  zuhause  kleinere  Schneiderarbeiten  ausführte,  welche  ihr  einen  kleinen  Nebenverdienst einbrachten  (vgl. act. A9/18 S. 4 F23 und 27). Überdies  ist den Akten zu entnehmen, dass drei Brüder der Beschwerdeführerin in  der Schweiz und ein weiterer Bruder in Frankreich leben (vgl. act. A1/9 S.  3 Ziff.  12), welche Geschwister  die Beschwerdeführerin  und  ihre Kinder  laut  dem  Botschaftsbericht  vom  21. Februar  2009  beziehungsweise 

D­2918/2009 dessen  zusammenfassender  Darstellung  durch  das  BFM  vom  12. März  2009  (vgl. act. A13/ 3 S. 2)  finanziell unterstützt haben. Darüber hinaus  bezog die Beschwerdeführerin in Kosovo eine Sozialhilfe in Höhe von 55  Euro  monatlich  und  wurde  letztlich  auch  durch  ihre  Mutter  unterstützt,  welche  eine  Rente  bezieht  (vgl.  act. A9/18  S.  4  F27).  Weiter  ist  der  vorerwähnten Zusammenfassung des Botschaftsberichts  zu entnehmen,  dass  die  Beschwerdeführerin  nach  wie  vor  enge  Kontakte  zu  ihrer  in  Kosovo wohnhaften Familie unterhält. All diese Feststellungen lassen die  Schlussfolgerung  zu,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  beiden  Kinder  bei  einer  Rückkehr  in  ihre  Heimat  nicht  in  eine  existenzbedrohende Notlage kommen würden, da sie wieder Wohnsitz im  Hause  der Mutter  beziehungsweise Grossmutter  in  D._______  nehmen  könnten. 6.3.4.  Schliesslich  ist  bei  der  Beurteilung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  der  Aspekt  des  Kindeswohls  zu  berücksichtigen.  Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung  von Art. 83 Abs. 4 AuG  im Lichte von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom  20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter  dem  Aspekt  des  Kindeswohls  sind  demnach  sämtliche  Umstände  einzubeziehen  und  zu  würdigen,  die  im  Hinblick  auf  eine  Wegweisung  wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für ein Kind  namentlich  folgende  Kriterien  im  Rahmen  einer  gesamtheitlichen  Beurteilung von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit)  seiner  Beziehungen,  Eigenschaften  seiner  Bezugspersonen  (insbesondere  Unterstützungsbereitschaft  und  ­ fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung  sowie  der Grad  der  erfolgten  Integration  bei  einem  längeren Aufenthalt  in  der  Schweiz.  Gerade  letzterer  Aspekt,  die  Dauer  des  Aufenthaltes  in  der  Schweiz,  ist  im  Hinblick  auf  die  Prüfung  der  Chancen  und  Hindernisse  einer Reintegration beziehungsweise Integration im Heimatland bei einem  Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund  aus  einem  einmal  vertrauten  Umfeld  herausgerissen  werden  sollten.  Dabei  ist  aus  entwicklungspsychologischer  Sicht  nicht  nur  das  unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu  berücksichtigen,  sondern  auch  dessen  übrige  soziale  Einbettung.  Die  Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke  Assimilierung in der Schweiz eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge  haben  kann,  welche  unter  Umständen  die  Rückkehr  dorthin  als  unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  BVGE  2009/28  E.  9.3.2  S.  367  f.; 

D­2918/2009 EMARK  2005  Nr.  6  E.  6.  S.  55  ff.). Diese  Voraussetzungen  sind  im  vorliegenden  Fall  nicht  gegeben.  Den  zusammen  mit  der  Beschwerdeschrift  eingereichten  Stellungnahmen  diverser  die  beiden  Kinder  der  Beschwerdeführerin  unterrichtender  Lehrerinnen und Lehrer ist zwar zu entnehmen, dass die beiden Knaben  in der Schweiz bereits im September 2008 in die dritte beziehungsweise  vierte  Primarschulklasse  eingeschult  worden  sind,  grossen  Lernwillen  zeigen, schulisch rasche Fortschritte machen und in ihren Klassen beliebt  sind.  Ungeachtet  dessen  stellt  ihr  erst  dreieinhalbjähriger  Aufenthalt  in  der  Schweiz  einen  eindeutig  zu  kurzen  Zeitrahmen  auf,  um  unter  integrationsrechtlichen Gesichtspunkten eine vorläufige Aufnahme wegen  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu rechtfertigen. Mithin kann –  im Lichte der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts besehen –  in  casu  nicht  auf  eine  aussergewöhnliche  Verwurzelung  sowohl  der  Kinder  als  auch ihrer Mutter in der Schweiz geschlossen werden (vgl. etwa Urteil D­ 3754/2006  vom  10.  Juni  2009).  Darüber  hinaus  legen  die  raschen  schulischen Fortschritte der beiden Kinder in der Schweiz und ihre rasche  Anpassung an die hiesigen Lebensverhältnisse die Annahme nahe, dass  sie  auch  die  Fähigkeit  besitzen  werden,  sich  in  ihrer  früheren  Heimat  schnell  wieder  einzugewöhnen  und  auch  in  schulischer  Hinsicht  den  Anschluss  an  ihre  kosovarischen  Altersgenossen  zu  finden.  Hinzu  kommt,  dass die Beschwerdeführerin  und  ihre  beiden Kinder  in Kosovo  wieder  bei  ihrer  Mutter  beziehungsweise  Grossmutter  im  Verbund  mit  weiteren  engen  Verwandten  wohnen  können  und  dort  folglich  soziale  Bande vorfinden, welche ihnen bei der Reintegration in ihrer Heimat und  bei  der  Verarbeitung  allfälliger  belastender  Erinnerungen  im  Zusammenhang mit  den  früheren Streitigkeiten  um  das Sorgerecht  von  Nutzen sein dürften. 6.3.5. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit insgesamt nicht als  unzumutbar. 6.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  den  Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich 

D­2918/2009 erachtet hat. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt mithin nicht in  Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Da  sich  die  Beschwerde  vom  5. Mai  2009  indessen  als  nicht  aussichtslos  erweist  und  nach  wie  vor  von  der  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden  auszugehen  ist,  ist  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gutzuheissen und von der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen. (Dispositiv nächste Seite)

D­2918/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Kosten erhoben. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Philipp Reimann Versand:

D-2918/2009 — Bundesverwaltungsgericht 29.11.2011 D-2918/2009 — Swissrulings