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Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 D-1972/2009

11 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,109 mots·~16 min·2

Résumé

Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl) | Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl); Verfügung des BFM vom 25. Februar 2009

Texte intégral

Bundesverwaltungsgericht Tribunal  administrat i f   fédéral Tr ibunale amministrat ivo federale Tribunal  administrat iv   federal Abteilung IV D­1972/2009/wif Urteil   v om   1 1 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.______geboren am (…) Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Evelyn Schaltegger, Rechtsanwältin,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Aufhebung der vorläufigen Aufnahme;  Verfügung des BFM vom 25. Februar 2009 / N_______

D­1972/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  reiste  am  18.  Juni  1999  zusammen  mit  seiner Mutter  und  seinem  jüngeren Bruder  in  die Schweiz  ein, wo  sich  bereits  seit  1997  sein  Vater  als  vorläufig  Aufgenommener  aufhielt. Mit  Verfügung  des  damaligen Bundesamts  für  Flüchtlinge  (BFF;  heute:  Bundesamt  für  Migration  [BFM])  vom  6.  Dezember  2000 wurde der Beschwerdeführer zusammen mit seiner Mutter und  seinem  Bruder  –  nach  Ablehnung  der  Asylgesuche  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  –  ebenfalls  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen.  Diese  Verfügung  ist  unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Seit  Juni  2010  sind  die  Eltern  des  Beschwerdeführers  im  Besitz  einer Aufenthaltsbewilligung; der Bruder des Beschwerdeführers ist  bereits seit April 2009 eingebürgert. B.  Nachdem der Beschwerdeführer mehrfach straffällig geworden (u.a.  mehrfacher  Raub,  Gewalt  und  Drohung  gegen  Beamte)  und  deswegen  mit  Urteil  des  Bezirksgerichts  B.______  vom  25.  März  2003  nach  Jugendstrafrecht  (Art.  91/92  des  Strafgesetzbuches  [StGB]) in ein Erziehungsheim eingewiesen worden war, leitete das  BFM  erstmals  ein  Verfahren  auf  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme ein und gewährte dem Beschwerdeführer am 23. August  2004 dazu das rechtliche Gehör. Nach Eingang eines relativ positiv  lautenden Verlaufsberichts der C._______ vom 7. September 2004  mit  entsprechender  Stellungnahme  des  Beschwerdeführers  nahm  das BFM Abstand  von einer Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme  und  teilte  dies  dem  Beschwerdeführer  am  29. September  2004  schriftlich mit. C.  Nach erneuter Delinquenz des Beschwerdeführers (u.a. mehrfacher  Raub  und  Widerhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  [BetmG] wurde der Beschwerdeführer  von der  Jugendanwaltschaft  D._______  am  30.  Juni  2005  mit  Einschliessungsstrafe  von  14 Tagen  und  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  E._______  vom 20. September 2005 mit  einer bedingten Gefängnisstrafe  von  30 Tagen bestraft. Dem Beschwerdeführer wurde hierauf vom BFM  mit Schreiben vom 22. November 2005 erneut das rechtliche Gehör 

D­1972/2009 im Hinblick auf eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme  gewährt. In  seiner  Stellungnahme  vom  9.  Dezember  2005  beteuerte  der  Beschwerdeführer,  dass  sich  nun  –  seit  dem  "Absturz"  in  der  C.________ – sein Leben total verändert habe. Er arbeite nun in der  F._______; auch im schulischen Bereich habe er sich verbessert; er  habe jetzt wieder bei seinen Eltern ein warmes Zuhause; seit er aus  dem Gefängnis entlassen sei, habe er sich (abgesehen von einem  Vorfall  wegen  Besitz  von  Cannabis)  nichts  mehr  zuschulden  kommen  lassen.  Er  bezahle  auch  seine  Bussen  regelmässig.  Er  bitte  darum,  ihm  Vertrauen  zu  schenken,  da  er  nun  aus  seinem  Leben etwas machen wolle, und ihn deshalb nicht nach Afghanistan  zu schicken. Die Jugendanwaltschaft B.______ sowie die F._______ bestätigten  gegenüber dem BFM mit Schreiben vom 9. Dezember 2005, dass  der Beschwerdeführer seit  seinem Eintritt als Praktikant  im August  2005  keine  neuen  Delikte  mehr  begangen  habe.  Er  bemühe  sich  sehr, seiner Arbeit nachzukommen, nehme seine Termine wahr und  befolge die Weisungen. Er sei fleissig – auch in der Schule strenge  er sich an –, seine Leistungen seien gut und sein Verhalten sei nicht  zu  beanstanden.  Mit  der  ratenweisen  Abzahlung  seiner  Schulden  habe er begonnen. Unter Berücksichtigung dieser im Sinne einer positiven Entwicklung  gewürdigten  Stellungnahmen  verzichtete  des  BFM  abermals  auf  eine  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme,  behielt  sich  aber  die  erneute  Einleitung  eines  solchen  Verfahrens  für  den  Fall  einer  neuerlichen  Straffälligkeit  des  Beschwerdeführers  vor.  Dies  wurde  dem Beschwerdeführer vom BFM mit Schreiben vom 15. Dezember  2005 mitgeteilt. D.  Mit  Urteil  des  Bezirksgerichts  G._______  vom  23. Januar  2007  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  verschiedener  Delikte  (u.a.  Gewaltdarstellung,  Gehilfenschaft  zu  versuchtem  Raub  und  verschiedener  Verkehrsdelikte)  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  7 Monaten, einer Ersatzfreiheitstrafe von 2 Tagen und einer Busse  von Fr. 200.­­ verurteilt. Gestützt auf diesen Sachverhalt beantragte 

D­1972/2009 das  H._______  dem  BFM  am  15. Mai  2008  die  Aufhebung  der  vorläufigen Aufnahme.  E.  Am  20.  Mai  2008  gewährte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  abermals  das  rechtliche  Gehör  im  Hinblick  auf  eine  allfällige  Aufhebung der vorläufigen Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 7 des  Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20). Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  30.  Juni  2008  liess  der  Beschwerdeführer  zur  beabsichtigten  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  vorbringen,  er  habe es  zwar  leider  nicht  geschafft,  sich  wie versprochen nunmehr an die Gesetze zu halten und zu keinen  Klagen mehr Anlass zu geben. Er sei  leider  immer wieder mit den  falschen  Leuten  in  Kontakt  gekommen,  welche  ihn  in  Straftaten  verwickelten. Trotz seines erheblichen Strafregisters sei jedoch eine  Wegweisung  nicht  gerechtfertigt,  da  er  durch  seine  Gewalterlebnisse  in  Afghanistan  traumatisiert  sei.  Er  sei  im  Alter  von  9  Jahren  von  den  Taliban  als  Kindersoldat  zwangsrekrutiert  worden. Dabei sei er nicht nur mehrmals verletzt, sondern auch von  den Taliban misshandelt und überdies sexuell missbraucht worden.  Aufgrund  seiner  Traumatisierung  benötige  der  Beschwerdeführer  noch  längere Zeit  fachliche Hilfe  und einen  stabilen Rahmen, was  nur hier möglich sei. Ohne diese Hilfe werde der Beschwerdeführer  seelisch verkümmern und er könne kein normales Leben führen. Er  sei  nun  gewillt,  etwas  zu  ändern  und  die  entsprechende  Anstrengung – schon kleine Schritte  in diese Richtung bedeuteten  für  ihn  eine  grosse Anstrengung –  auf  sich  zu  nehmen.  Zu  seiner  Heimat  habe  er  im  Übrigen  keinerlei  Beziehungen  mehr;  die  "afghanische" Sprache habe er weitgehend verlernt. Der Stellungnahme war ein kurzer Führungsbericht der Strafanstalt  I._______  beigelegt,  wo  sich  der  Beschwerdeführer  seit  dem  19. März  2008  im  vorzeitigen  Strafantritt  befand.  Darin  wurde  ausgeführt,  der  Beschwerdeführer  habe  zeitweilig  wegen  selbstverletzendem  Verhalten  in  das  Psychiatrische  Zentrum  K.______ verlegt werden müssen; seit April 2008 befinde er sich im  Normalvollzug,  wo  er  eine  gute  Arbeitsleistung  erbringe  und  sich  gegenüber Personal und anderen Insassen anständig verhalte.

D­1972/2009 F.  Auf  Aufforderung  des  BFM  vom  11.  Dezember  2008  reichte  die  Rechtsvertreterin  am  14.  Januar  2009  einen  umfassenden  Führungsbericht  der  Strafanstalt  K._______  vom  29.  Dezember  2008 ein.  Nach  diesem  Bericht  wurde  der  Beschwerdeführer  am  20. August  2007  von  der  Untersuchungshaft  in  L._______  in  die  Strafanstalt  I._______ verlegt. Zweimal sei er von dort entwichen: ein erstes Mal  vom 1. bis 27. September 2007, danach vom 1. Oktober 2007 bis zu  seiner  erneuten  Zuführung  am  19.  März  2008.  Nach  vorübergehender  Einweisung  in  die  geschlossene  Spezialvollzugsanstalt  befinde  er  sich  seit  April  2008  im  Normalvollzug.  Er  besuche  regelmässig  die  psychiatrische  Sprechstunde im Psychiatrischen Zentrum in M._______. Er werde  mit stimmungs­stabilisierenden Medikamenten behandelt, welche er  allerdings  immer wieder selbständig abzusetzen versucht habe. Er  brauche weitere unterstützende Massnahmen wie Mal­ oder Hunde­ Therapie,  und  immer  wieder  "unterstützende  Gespräche".  Wiederholt  sei  der  Beschwerdeführer  wegen  Konsum  von  Cannabis,  unerlaubtem  Besitz  eines  Natels  oder  von  DVD's  mit  disziplinarischen Massnahmen belegt worden (abendlicher Zimmer­ Einschluss).  Im  August  2008  sei  er  erneut  aus  der  Anstalt  entwichen, aber nach zwei Tagen freiwillig zurückgekehrt. Er sei mit  drei Tagen Arrest bestraft und anschliessend während  rund einem  Monat  in  die  geschlossene  Abteilung  eingewiesen  worden.  Seine  Arbeitsleistung  verhalte  sich  entsprechend  seinen  Stimmungsschwankungen;  er  brauche  eine  relativ  enge  Anleitung  und  Betreuung.  In  den  Werkstätten  und  grundsätzlich  auch  gegenüber  den Mitarbeitern  im  Betreuungs­  und  Sicherheitsdienst  verhalte sich der Beschwerdeführer korrekt.  Insgesamt  habe  der  Beschwerdeführer  im  Strafvollzug  kleine  Fortschritte  gemacht.  Leider wiederholten  sich Regelverstösse wie  Cannabiskonsum und Einschmuggeln verbotener Gegenstände. Es  lägen  sicherlich  persönliche  Defizite  vor,  ob  aufgrund  einer  Persönlichkeitsstörung oder als Auswirkung einer Traumatisierung,  könne  nicht  beurteilt  werden.  Der  Beschwerdeführer   habe  eine  starke Bindung zu seiner Herkunftsfamilie. Mit einer eigenständigen  und  eigenverantwortlichen  Lebensführung wäre  er  überfordert.  Ob  er  sich  nach  dem  Gefängnis  in  eine  sozialtherapeutische 

D­1972/2009 Einrichtung  einbinden  liesse,  scheine  fraglich. Er müsste weiterhin  psychotherapeutisch begleitet werden. G.  Mit  Verfügung  vom  25.  Februar  2009  hob  das  BFM  die  am  6. Dezember  2000  angeordnete  vorläufige  Aufnahme  auf.  Auf  die  Begründung ist in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.  H.  Mit Eingabe  seiner Rechtsvertreterin  vom 26. März  2009  liess  der  Beschwerdeführer  die  Verfügung  des  BFM  vom  25. Februar  2009  anfechten,  mit  den  Anträgen,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  die  vorläufige  Aufnahme  zu  belassen,  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  zulasten  des  BFM;  ferner  sei  dem  Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und  es sei ihm in der Person seiner Rechtsvertreterin die unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  zu  bewilligen.  Es  wurden  verschiedene  sinngemässe  Beweisanträge  gestellt,  so  bezüglich  medizinischer  Abklärungen  (Untersuchung von Folterspuren sowie psychiatrische  Begutachtung),  ferner  wurde  eine  Befragung  der  Familienangehörigen  sowie  seiner  Freundin  verlangt.  Auf  die  Begründung,  welche  im  Wesentlichen  die  gleichen  Argumente  vorbringt wie  in der Stellungnahme gegenüber der Vorinstanz vom  30. Juni  2008  (vorstehend  Bst.  E),  ist  in  den  nachfolgenden  Erwägungen einzugehen. I.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 31. März  2009 wurde  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne,  und  es  wurde  ihm  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  gewährt.  Die  beantragte unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs.  2 VwVG wurde hingegen mangels Notwendigkeit abgelehnt. J.  Mit Urteil des Kantonsgerichts L._______ vom 2. April 2009 wurde  der  Beschwerdeführer  des  Raubes,  der  Pornografie  und  der  Gewaltdarstellung schuldig gesprochen und – als Zusatzstrafe zum 

D­1972/2009 Urteil  des  Bezirksgerichts  G._______  vom  23. Januar  2007  sowie  zu  einem  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  N._______  vom  27. Februar  2008  –  zu  einer  Gesamtstrafe  von  22  Monaten  Freiheitsstrafe verurteilt. K.  Mit Vernehmlassung vom 7. September 2009 hielt das BFM an der  angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde. Diese Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer  am 11. September 2009 zur Kenntnis gebracht. L.  Am  15.  November  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  aus  dem  Strafvollzug bedingt entlassen. M.  Mit Schreiben vom 8. bzw. 10. Dezember 2010 erkundigte sich das  H.________ nach dem Verfahrensstand und ersuchte um prioritäre  Behandlung des Verfahrens; dabei wies das H._______ darauf hin,  dass  sich der Beschwerdeführer  seit  dem 29.  Juni  2010 unter  der  Anschuldigung  der  versuchten  Tötung  in  Untersuchungshaft  befinde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  3  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

D­1972/2009 1.2.  Die  Beschwerde  ist  form­  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48, 50 und 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG). 3.  Die  am  1.  Januar  2008  in  Kraft  getretene  übergangsrechtliche  Bestimmung von Art. 126a Abs. 4 AuG sieht vor, dass für Personen,  die,  wie  vorliegend  der  Beschwerdeführer,  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  der  Änderung  des  AsylG  sowie  des  AuG  vorläufig  aufgenommen  waren,  das  neue  Recht  gilt.  Diese  spezielle  Regel  geht der allgemeinen Regel von Art. 126 Abs. 1 AuG (s. dazu BVGE  2008/1)  vor.  Für  die  Frage  der  Aufhebung  der  am  14.  Juni  2002  verfügten vorläufigen Aufnahme sind im vorliegenden Fall somit die  Bestimmungen des AuG – im Besonderen dessen Art. 83 Abs. 7 in  Verbindung mit Art. 84 Abs. 3 – anwendbar.  4.  4.1. Nach Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG i.V.m. Art. 84 Abs. 3 AuG  wird  die  vorläufige  Aufnahme  nicht  verfügt  beziehungsweise  aufgehoben, wenn die weg­ oder ausgewiesene Person  a) zu  einer  längerfristigen  Freiheitsstrafe  im  In­  oder  Ausland  verurteilt  wurde  oder  wenn  gegen  sie  eine  strafrechtliche  Massnahme im Sinne von Art. 64 oder 61 des Schweizerischen  Strafgesetzbuches  vom 21. Dezember  1937  (StGB,  SR  311.0)  angeordnet wurde;  b) erheblich  oder  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im Ausland  verstossen  hat  oder  diese  respektive  die  innere  oder  die  äussere  Sicherheit  gefährdet. 

D­1972/2009 Diese beiden Bestimmungen stimmen  inhaltlich überein mit Art. 62  Bst.  b  und  c  AuG,  welche  die  allgemeinen  Voraussetzungen  des  Widerrufs  von  Bewilligungen  oder  anderen  Verfügungen  nach  jenem Gesetz regeln. 4.2.  Im angefochtenen Entscheid  hat  die Vorinstanz  die  vorläufige  Aufnahme  aufgehoben,  da  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  wiederholten  Straffälligkeit  und  der  in  diesem  Zusammenhang  ausgefällten Freiheitsstrafen in Anwendung von Art. 83 Abs. 3 i.V.m.  Art. 3  Abs.  7  AuG  sich  grundsätzlich  nicht  mehr  auf  die  Unzumutbarkeit  eines  allfälligen  Wegweisungsvollzugs  berufen  könne. Sie hat dabei nicht ausdrücklich unterschieden, ob damit nur  das eine oder das andere oder allenfalls beide Kriterien (Bst. a und  b) der oben genannten Bestimmung erfüllt seien.  4.3.  Der  Beschwerdeführer  wurde  insgesamt  dreimal  gerichtlich  verurteilt:  am  25.  März  2003  vom  Bezirksgericht  B.______  (als  Jugendgericht)  wegen  mehrfachen  Raubes  sowie  Gewalt  und  Drohung  gegen  Beamte;  am  23.  Januar  2007  vom  Bezirksgericht  G._______  u.a.  wegen  Gewaltdarstellung,  Gehilfenschaft  zu  versuchtem  Raub  und  verschiedener  Verkehrsdelikte  und  schliesslich am 2. April 2009 vom Kantonsgericht L._______ wegen  Raubes,  Pornografie  und  Gewaltdarstellung.  Dazu  kommen  verschiedene  Strafbefehle  der  Jugendanwaltschaft  sowie  der  Staatsanwaltschaften  E._______  und  O.______  (vgl.  dazu  vorne  Sachverhalt Bst. B – D und J). Das Kantonsgericht L._______ fällte  im Sinne einer Zusatzstrafe eine Gesamtstrafe von 22 Monaten aus  (vgl. Sachverhalt Bst. J). Das  im  Juni  2010  eingeleitete  Strafverfahren  wegen  schwerer  Körperverletzung, ev. versuchter Tötung, ist zurzeit hängig.  4.4. Das  Bundesgericht  hat  in  seiner  neueren  Praxis  (BGE  135  II  377)  den  Begriff  der  "längerfristigen  Freiheitsstrafe"  im  Sinne  von  Art. 62 Bst. b AuG (und damit auch den gleichlautenden Begriff von  Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG) dahingehend konkretisiert, dass darunter  eine  Freiheitsstrafe  von  mehr  als  einem  Jahr  zu  verstehen  ist  (a.a.O.  S.  379  f.  mit  Hinweisen  auf  die  Literatur).  Nach  dieser  Praxis,  welche  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  im  Bereich  seiner endgültigen Entscheidkompetenz als massgeblich betrachtet,  ist im Fall des Beschwerdeführers das Kriterium der Verurteilung zu 

D­1972/2009 einer  längerfristigen  Freiheitsstrafe  erfüllt.  Dies  würde  im  Übrigen  selbst  dann  gelten,  wenn  die  Grenze,  oberhalb  derer  von  einer  längerfristigen Freiheitsstrafe zu sprechen ist, im Sinne der teilweise  etwas  relativierenden  Literatur  tendenziell  höher  anzusetzen  sein  sollte  (MARC  SPESCHA/  HANSPETER  THÜR/  ANDREAS  ZÜND  /PETER  BOLZLI, Migrationsrecht, 2. Aufl., Zürich 2009, N. 6 zu Art. 62, S.148:  "deutlich  über  einem  Jahr";  vgl.  auch  SILVIA HUNZIKER  IN: Martina  Caroni/ Thomas Gächter/ Daniela Thurnherr, Handkommentar zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer,  Art.  62  N. 24 ff.),  liegt  es  doch  auf  der  Hand,  dass  die  Verurteilung  des  Beschwerdeführers  zu  einer  Freiheitsstrafe  (Gesamtstrafe)  von  22 Monaten  diese  Grenze  überschreitet.  Zum  gleichen  Ergebnis  gelangt  man  auch  im  Lichte  des  neuesten  –  zur  Publikation  vorgesehenen  –  Urteils  des  Bundesgerichts  2C_415/2010  vom  15. April  2011,  wonach  beim  Begriff  der  "längerfristigen  Freiheitsstrafe"  nach  Art.  62  Bst.  b  AuG  nicht  kürzere  Freiheitsstrafen  zusammengerechnet  werden  dürfen,  sondern  das  Kriterium  erst  erfüllt  ist,  wenn  für  sich  allein  eine  sich  aus  einem  einzigen  Urteil  ergebende  Strafe  die  Dauer  von  einem  Jahr  überschreitet (a.a.o. E. 2.3). Es ist gerade der Sinn der im Urteil des  Kantonsgerichts  L._______  vom  2. April  2009  angewendeten  Bestimmungen  von  Art.  47  und  Art.  49  StGB,  nicht  die  einzelnen  Strafen  einfach  zu  addieren,  sondern  bei  einer  Zusatzstrafe  eine  gesamthafte  Würdigung  vorzunehmen  ("in  der  Weise,  dass  der  Täter  nicht  schwerer  bestraft  wird,  als  wenn  die  strafbaren  Handlungen  gleichzeitig  beurteilt  worden  wären",  Art.  49  Abs.  2  StGB). Die Anwendbarkeit des Aufhebungsgrundes von Art. 83 Abs. 7 AuG  ist  somit  bereits  unter  dem Titel  von  dessen Bst.  a  (i.V.m. Art.  62  Bst. b AuG) gegeben.  4.5. Eine gesonderte Prüfung unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 7  Bst.  b  AuG  ist  daher  an  sich  entbehrlich.  Dennoch  sei  der  Vollständigkeit  halber  festzuhalten,  dass  das  fortwährende  delinquente Verhalten des Beschwerdeführers sowohl das Kriterium  des  erheblichen  als  auch  des  wiederholten  Verstosses  gegen  die  öffentliche Sicherheit und Ordnung offensichtlich erfüllt.  5. 

D­1972/2009 5.1. Zu prüfen bleibt,  ob die Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme  mit  dem  Verhältnismässigkeitsprinzip  im  Einklang  steht.  Dieses  Prinzip  (das  einen  allgemeinen  Grundsatz  staatlichen  Handelns  bildet, vgl. Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999  [BV, SR 101]) wird  für  den  vorliegend  relevanten  Rechtsbereich  durch  Art.  96  Abs.  1  AuG  spezifisch  festgeschrieben,  wonach  die  zuständigen  Behörden  bei  der  Ermessensausübung  die  öffentlichen  Interessen  und  die  persönlichen  Verhältnisse  sowie  den  Grad  der  Integration  der  Ausländerinnen und Ausländer zu berücksichtigen haben.  5.2.  In  diesem Sinne  sind  bereits  die  früheren Bestimmungen  von  Art.  10  Bst.  a  und  Art.  14a  Abs.  6  des  Bundesgesetzes  vom  26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,BS 1 121), welche durch die vorstehend  in E. 4 genannten  neuen  Bestimmungen  des  AuG  abgelöst  wurden,  durch  die  massgebliche Rechtsprechung ausgelegt worden. So hat die Praxis  der Asylrekurskommission  (ARK) bei der Anwendung von Art.  14a  Abs.  6  ANAG  eine  Abwägung  zwischen  den  Interessen  des  Ausländers auf Verbleib in der Schweiz und denjenigen der Schweiz  an seiner Wegweisung vorausgesetzt und dabei die Interessen des  Staates am Schutz vor Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und  Ordnung  oder  deren  schwerwiegender  Verletzung  eingeschränkt.  Die  Ausschlussklausel  von  Art. 14a  Abs.  6  ANAG  sei  mit  Zurückhaltung  und  insbesondere  unter  Beachtung  des  Verhältnismässigkeitsprinzips  anzuwenden  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 2006 Nr. 30 E. 6 S. 325 ff., 2006 Nr. 23 E. 8.3 S. 347 ff.,  2006 Nr. 11 E. 7.2 S. 125 ff., 2004 Nr. 39 E. 5.3 S. 271, 2003 Nr. 3  E.  3a  S.  26,  1997  Nr.  24,  1995  Nr.  10  und  11).  Auch  nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  zu  Art. 62  f.  AuG  –  in  Fortführung  der  Praxis  zur  Ausweisung  nach  dem  vormaligen  Art.  10 Bst b ANAG – wird für die Anwendung dieser Bestimmung eine  Interessenabwägung  vorausgesetzt,  d.h.  die  Massnahme  muss  nach  den  gesamten  Umständen  angemessen,  also  verhältnismässig  sein.  Dabei  sind  namentlich  die  Schwere  des  Delikts  und  des  Verschuldens  des  Betroffenen,  der  seit  der  Tat  vergangene Zeitraum und das Verhalten  des Ausländers  in  dieser  Periode,  der  Grad  seiner  Integration  bzw.  die  Dauer  seiner  Anwesenheit  in  der  Schweiz  sowie  die  ihm  und  seiner  Familie  drohenden  Nachteile  zu  berücksichtigen  (BGE  135  II  371  E.  4.3, 

D­1972/2009 134  II  1,  E.  2.2,  m.w.H.:  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts D­1808/2010 vom 21. September 2010,  E.  6.1).  Daraus  ergibt  sich,  dass  bei  der  Beurteilung  der  Verhältnismässigkeit  nicht  von  einer  schematischen  Betrachtungsweise  auszugehen,  sondern  auf  die  gesamten  Umstände des Einzelfalles abzustellen ist.  5.3. Die  Vorinstanz  führt  hierzu  aus,  es  sei  nicht  ersichtlich,  dass  sich der Beschwerdeführer in seinem bisher zehnjährigen Aufenthalt  in der Schweiz  in sozialer oder beruflicher Hinsicht massgeblich  in  die schweizerischen Verhältnisse  integriert hätte. Vielmehr sei sein  Lebensweg  durch  eine  wiederholte,  im  jugendlichen  Alter  begonnene und nach Erreichen der Volljährigkeit fortgesetzte, in der  Tendenz  stärker  werdende  Delinquenz  geprägt.  In  diesem  Zusammenhang  lasse  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Stellungnahme  ausführen,  er  sei  immer  wieder  mit  den  falschen  Leuten  in  Kontakt  geraten  und  auf  diese  Weise  in  Straftaten  verwickelt worden. Dies stelle einen unbehelflichen Versuch dar, die  Verantwortung  für  sein  deliktisches  Verhalten  auf  Drittpersonen  abzuwälzen.  Aus  dem  Urteil  des  Bezirksgerichts  B._______  vom  25.  März  2003  gehe  hervor,  dass  es  oftmals  gerade  der  Beschwerdeführer  war,  der  die  Initiative  für  die  Verübung  von  Straftaten  ergriffen  habe.  Wegen  seiner  geringen  Körpergrösse,  mangelnder  Anerkennung,  ungenügender  sprachlicher  Kenntnisse  und bescheidener  finanzieller Möglichkeiten habe er  immer wieder  körperliche Gewalt eingesetzt, um sich durchzusetzen oder materiell  zu bereichern. Auch der Führungsbericht  der Strafanstalt  I.______  vom 29. Dezember 2008 führe zu keiner anderen Einschätzung des  Charakters des Beschwerdeführers  [s. vorstehend Sachverhalt Bst.  F].  Aus  diesem  Bericht  gehe  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  selbst  im  Strafvollzug  immer  wieder  Anlass  zu  Klagen  gebe.  Der  Führungsbericht  halte  ihm  zwar  kleine  Fortschritte  zugute;  die  Regelverstösse hätten sich  jedoch wiederholt, was auf persönliche  Defizite  schliessen  lasse. Ob  sich  der Beschwerdeführer  nach  der  Entlassung  aus  dem  Strafvollzug  in  einer  sozialtherapeutischen  Einrichtung einbinden lasse, sei fraglich.  Nach seinen wiederholten, wegen verschiedenster Delikte und über  einen  längeren Zeitraum hinweg erfolgten Verurteilungen habe der  Beschwerdeführer  eine  nicht  zu  unterschätzende  Uneinsichtigkeit  gezeigt.  Es  könne  daher  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  er 

D­1972/2009 auch nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug erneut mit dem  Gesetz  in  Konflikt  geraten  werde.  Insbesondere  wegen  dieser  Rückfallgefahr  habe  die  Schweiz  ein  erhöhtes  Interesse  an  einer  Entfernung  des  Beschwerdeführers.  Seine  wiederholten  Beteuerungen, sich ändern zu wollen und inskünftig ein geordnetes  und  straffreies  Leben  zu  führen,  habe  er  bisher  nicht  eingehalten  und  stattdessen  von  seiner  eigenen  Verantwortung  abzulenken  versucht.  So  könne  er  insbesondere  nichts  aus  einer  angeblichen  Vergangenheit als Kindersoldat zu seinen Gunsten ableiten, da sich  dieses  Vorbringen  aufgrund  der  Asylakten  in  keiner  Weise  bestätigen  lasse.  Bezeichnenderweise  gehe  auch  aus  dem  Urteil  des Bezirksgerichts B.______ vom 25. März 2003 hervor, dass der  Beschwerdeführer  gemäss  eigenen  Angaben  zwar  in  einfachsten  Verhältnissen,  aber  dennoch  behütet  in  einem  Familienclan  in  Afghanistan aufgewachsen sei. Die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  erscheine  deshalb  als  verhältnismässig.  Abgesehen  von  seinen  in  der  Schweiz  wohnhaften  Familienangehörigen  seien  keine  weiteren  Bezugspersonen  bekannt.  Dass  der  Beschwerdeführer  geltend  mache,  er  habe  seine  Muttersprache  verlernt  und  besitze  in  Afghanistan  kein  familiäres  Beziehungsnetz,  sei  unerheblich.  Einerseits  dürfte  der  Beschwerdeführer  seine  Muttersprache  im  Familienkreis durchaus gepflegt haben, andererseits könne von ihm  erwartet  werden,  seine  Kenntnisse  nach  der  Rückkehr  nach  Afghanistan aufzufrischen. Sodann könne erwartet werden, dass die  in  der Schweiz  lebende Familie  dem Beschwerdeführer  zumindest  in  der  Anfangsphase  eine  gewisse  (finanzielle)  Unterstützung  zukommen lassen könne. Schliesslich sei auch davon auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  in  Afghanistan  üblicherweise  bestehenden  Familienclans  auch  ausserhalb  seiner  nächsten Angehörigen  auf  ein minimales  soziales Beziehungsnetz  werde zurückgreifen können. 5.4.  5.4.1.  Der  Beschwerdeführer  bringt  in  seiner  Beschwerdeschrift  hauptsächlich vor,  er sei im Alter von 9 Jahren von den Taliban als  Kindersoldat  zwangsrekrutiert  worden.  Durch  die  dabei  erlittenen  Kriegsverletzungen  und  die  ihm  von  den  Taliban  zugefügten  Misshandlungen und sexuellen Übergriffe sei er derart traumatisiert,  dass er noch längere Zeit fachliche Hilfe und einen stabilen Rahmen 

D­1972/2009 benötige,  was  nur  hier  möglich  sei.  Ohne  diese  Hilfe  werde  er  seelisch verkümmern und könne kein normales Leben führen. Sein  bisher unglücklich verlaufener Einstieg  in die Erwachsenenwelt  sei  Folge  seiner  schrecklichen  Erlebnisse  in  der  Kindheit;  diese  müssten  nun  aufgearbeitet  werden.  Dazu  benötige  er  fachliche  Hilfe,  aber  auch einen  stabilen Rahmen und den Willen,  etwas  zu  ändern. Schon kleine Schritte  in diese Richtung bedeuteten  für  ihn  eine grosse Anstrengung. Dass solche Schritte möglich seien, zeige  aber der Führungsbericht der Strafanstalt I._______. Zwar habe es  immer  wieder  Regelverstösse  gegeben.  Der  Beschwerdeführer  mache  aber  auch  Fortschritte.  Er  habe  gelernt,  Unterstützungsangebote  und  Therapien  anzunehmen.  Zwar  bestünden gewisse Fragezeichen bezüglich der Möglichkeiten, den  Beschwerdeführer  in  eine  sozialtherapeutische  Einrichtung  einzubinden.  Allerdings  müsse  dem  Beschwerdeführer  die  Gelegenheit  gegeben  werden,  sich  zu  bewähren,  und  es  könne  nicht  zum  Vornherein  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  sich  auch dieses Mal nicht bewähren werde. Auch wenn es offensichtlich  schwierig  sei,  eine  geeignete  Fachperson  zu  finden,  so  bemühe  sich insbesondere der Strafvollzug L._______ sehr darum, dass der  Beschwerdeführer endlich die richtige Therapie bekomme und dann  hoffentlich  seinen  Weg  in  kleinen  Schritten  Richtung  straffreies  Leben weiter gehen könne. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei  der  Beschwerdeführer  auf  fachliche  psychiatrische  Hilfe  angewiesen, welche in der Heimat zu erhalten unmöglich sei. Daher  werde  die  Erstellung  eines  Gutachtens  über  die  erlittenen  Verletzungen  und  über  den  psychischen  Zustand  des  Beschwerdeführers beantragt.  5.4.2. Des Weiteren wird in der Beschwerdeschrift vorgebracht, der  Beschwerdeführer  habe  zu  seiner  Heimat  keinerlei  Beziehungen  mehr;  die  "afghanische"  Sprache  habe  er  weitgehend  verlernt.  Er  könne  entgegen  der  Ansicht  der  Vorinstanz  in  Afghanistan  nicht  wieder  in  seinen  bestehenden  Familienclan  integriert  werden,  da  ungewiss  sei,  ob  die  im  Zeitpunkt  der  Flucht  zurückgebliebenen  Verwandten  –  ein  Onkel,  eine  Grossmutter  sowie  der  ältere  Bruder –,  mit  welchen  es  seither  keinen  Kontakt  mehr  gegeben  habe, überhaupt noch am Leben seien. Hingegen lebe seine ganze  Familie  hier  in  der  Schweiz  und  sei  hier  integriert.  Zudem  sei  der  Beschwerdeführer  im  Jahre  2008  eine  Beziehung  mit  Frau  E.B. 

D­1972/2009 eingegangen,  welche  zu  ihm  stehe  und  ihm  nach  der  Entlassung  den nötigen Halt geben werde; sie sei dazu als Zeugin zu befragen.  5.4.3.  Überdies  hält  der  Beschwerdeführer  seine  Sicherheit  in  Afghanistan als nicht gewährleistet. Die Feststellung der Vorinstanz,  es drohe ihm keine gegen Art. 3 EMRK verstossende Strafe, beruhe  auf  keinen  entsprechenden  Abklärungen  und  sei  falsch.  Der  Beschwerdeführer  sei  aus  den  Fängen  der  Taliban  geflüchtet  und  würde  bei  einer  Rückkehr  wegen  der  Flucht  bestraft  oder  gar  getötet.  Überdies  sei  die  Rückkehr  auch  aufgrund  der  aktuellen  Bürgerkriegssituation unzumutbar. 5.5. Das Vorbringen,  die Ursache  des  deliktischen Verhaltens  des  Beschwerdeführers sei darin zu erblicken, dass er als Kindersoldat  von  den  Taliban  zwangsrekrutiert  und  dabei  derart  misshandelt  worden  sei,  dass  er  eine  Traumatisierung  erlitten  habe,  erscheint  als nachträglich konstruierte Schutzbehauptung.  5.5.1. So  finden  sich  weder  im  Sachverhalt  in  der  unangefochten  gebliebenen Verfügung der Vorinstanz vom 6. Dezember 2000 noch  in  den  Befragungsprotokollen  der  Mutter  des  Beschwerdeführers  (…)  irgendwelche  Anhaltspunkte  für  eine  Entführung,  Zwangsrekrutierung  oder  sonstige  Übergriffe  der  Taliban  auf  ihre  Söhne.  Ebenso  wenig  finden  sich  solche  Ansatzpunkte  in  den  Anhörungsprotokollen  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  (…).  Es  war  zwar dort die Rede davon, dass die Taliban es auf den Vater  des  Beschwerdeführers  wegen  dessen  früherem  Engagement  für  die Mujaheddin abgesehen hätten (was allerdings in der Folge vom  BFF als unglaubhaft erachtet wurde). Von den Söhnen ist jedoch im  Zusammenhang mit den Taliban nicht die Rede. Es  ist aber kaum  vorstellbar,  dass weder Vater  noch Mutter  des Beschwerdeführers  solche  Vorkommnisse  erwähnt  hätten,  wenn  tatsächlich  ihr  Sohn  zum Opfer  der Taliban geworden wäre. Es  fällt  auch auf,  dass  im  Urteil  des Bezirksgerichts Bülach  vom 25. März  2003,  in welchem  die  persönliche Vorgeschichte  des Beschwerdeführers  rekapituliert  wird, sich nichts derartiges  findet wie nun nachträglich vorgebracht  wird. Wie die Vorinstanz zu Recht bemerkt, geht aus diesem Urteil  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  zwar  in  einfachsten  Verhältnissen,  aber  in  seinem Familienclan  behütet  aufgewachsen  ist.  In  den  im  Urteil  des  Bezirksgerichts   zitierten  ärztlichen  Berichten,  die  sich  auch  auf  die  Angaben  der  Eltern  stützen,  ist 

D­1972/2009 keine Rede  von  einer  Zwangsrekrutierung  des Beschwerdeführers  durch  die  Taliban,  sondern  bloss  von  Kriegserlebnissen  (Bombardement  und  dabei  erlittene  Verletzung  an  der  Schulter;  gewaltsamer Tod des Grossvaters; s. dazu S. 17 f. des Urteils).  5.5.2. Erstmals in seiner Stellungnahme vom 6. September 2004 an  das  BFM  aus  Anlass  des  rechtlichen  Gehörs  zur  beabsichtigten  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  schreibt  der  Beschwerdeführer, er sei "schon mit 7 Jahren in den Krieg geschickt  worden".  Danach  findet  sich  auch  in  den  späteren  Eingaben  des  Beschwerdeführers  bzw.  seiner  Rechtsvertreterin  in  solcher  oder  ähnlicher  Form  die  Behauptung,  er  sei  als  Kindersoldat  durch  die  Taliban rekrutiert worden.   5.5.3.  Aufgrund  der  festgestellten  offensichtlichen  Aktenwidrigkeit,  der  geringen  Plausibilität  und  der  wenig  glaubwürdigen  Persönlichkeit  des  Beschwerdeführers  sind  die  nachträglichen  Vorbringen  einer  Zwangsrekrutierung  des  Beschwerdeführers  als  Kindersoldat und dabei erlebter Misshandlungen und Übergriffe als  unglaubhaft zu erachten. Die Behauptung in der Beschwerdeschrift,  der Beschwerdeführer sei "nach gelungener Flucht aus den Fängen  der  Taliban"  in  die  Schweiz  eingereist,  nachdem  er  dort  "unglaubliche Grausamkeiten" erlebt habe, ist daher nicht bloss als  Dramatisierung  der  tatsächlichen  Umstände  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers,  sondern  als  eine  jeglicher  tatsächlicher  Grundlage entbehrende Erfindung zu bezeichnen. Was nicht  völlig  ausgeschlossen  werden  kann,  sind  allenfalls  gewaltsame  Kriegserlebnisse  des  Beschwerdeführers  (vgl.  oben  E.  5.5.1) –  wobei  auch  in  diesem  Zusammenhang  schwer  erklärbar  scheint,  weshalb  ein  erlittenes  Bombardement  mit  der  Folge  einer  Schulterverletzung  bei  den  Anhörungen  unerwähnt  blieb.  Auf  die  Frage  von  allfälligen  psychischen  Auswirkungen  von  Kriegserlebnissen  ist  in  nachstehender  Erwägung  zurückzukommen. 5.6.  In  der  Beschwerdeschrift  wird  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer sei behandlungsbedürftig; er benötige über einen  längeren Zeitraum fachliche Hilfe und Therapie, ohne die er seelisch  verkümmern werde und kein normales Leben werde führen können.  Diese therapeutische Hilfe sei nur in der Schweiz möglich. 

D­1972/2009 Es  ist  offensichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  psychischen  Verfassung  beeinträchtigt  und  in  seinem  sozialen  Verhalten gestört  ist. Eine eigentliche Geisteskrankheit, welche die  Verantwortlichkeit  des  Beschwerdeführers  für  seine  Handlungen  wegen  verminderter  Urteilsfähigkeit  bzw.  Zurechnungsfähigkeit  ernstlich in Frage stellen würde (vgl. dazu Art. 10 Abs. 1 Bst. c und  Abs.  2  des  früheren  ANAG;  s.  dazu  EMARK  2001/17),  liegt  indessen nicht vor. Die  Behauptung,  die  psychischen  Auffälligkeiten  des  Beschwerdeführers seien auf  traumatisierende Erlebnisse  in seiner  Kindheit durch die von den Taliban erfolgte Zwangsrekrutierung und  dabei  erlittene  schwere  Misshandlungen  zurückzuführen,  wurde  bereits  in  vorstehender  Erwägung  als  Schutzbehauptung  erkannt.  Eine  medizinische  bzw.  psychiatrische  Begutachtung,  wie  in  der  Beschwerdeschrift beantragt, erübrigt sich daher schon aus diesem  Grund.  Dass  andere  Kriegserlebnisse  in  der  Kindheit  des  Beschwerdeführers  seine  psychische  Gesundheit  beeinträchtigt  haben  könnten,  ist  zwar mangels Konsistenz mit  den Angaben  im  Asylverfahren  und  den  Strafverfahren  (vgl.  vorstehend  E. 5.5.3)  nicht  sehr wahrscheinlich,  kann allerdings angesichts der Situation  in  der  Heimat  des  Beschwerdeführers  auch  nicht  ganz  ausgeschlossen werden. Doch selbst wenn dem so sein sollte, kann  dies  kein  Grund  sein,  den  Vollzug  der  Wegweisung  als  unverhältnismässig  zu  erachten.  Von  den  Behörden  und  der  Bevölkerung  des  Gastlandes,  welches  einer  aus  einem  von  Krieg  und Gewalt heimgesuchten Land stammenden Person hier Schutz  bietet,  kann  wohl  kaum  dafür  Verständnis  erwartet  werden,  wenn  diese  Person  Gewalterlebnisse  in  ihrer  Heimat  als  Entschuldigungsgrund anführen will, um ihrerseits an Drittpersonen  im Gastland Gewalttätigkeiten auszuüben.  Die  in  der Beschwerdeschrift  geäusserte Annahme,  es müsse  nur  endlich  die  richtige  Therapie  gefunden  werden,  dann  werde  der  Beschwerdeführer  bald  ein  deliktsfreies  Leben  führen,  muss  aufgrund  der  bisherigen  Erfahrungen  als  illusorisch  bezeichnet  werden.  Die  bisherigen  –  umfangreichen  –  therapeutischen  Bemühungen  im  Strafvollzug  sind  offensichtlich  weitestgehend  erfolglos geblieben. Dass schon kleine Schritte in die Richtung einer  Verhaltensänderung  für  den  Beschwerdeführer  eine  grosse  Anstrengung  darstellen,  spricht  nicht  etwa  zu  seinen  Gunsten, 

D­1972/2009 sondern  ist  gegenteils  Beleg  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  offensichtlich  unfähig  ist,  sein  Verhalten  zu  ändern.  Angesichts  dessen erscheint es praktisch aussichtslos, von weiteren Therapien  eine Verbesserung zu erwarten. Auch unter diesem Aspekt besteht  kein  Anlass  zu  einer  psychiatrischen  Begutachtung;  dem  entsprechenden Beweisantrag  in  der Beschwerde wird  somit  nicht  stattgegeben.  Es  bestehen  somit  auch  in  Bezug  auf  die  psychische  Verfassung  des  Beschwerdeführers  keine  Gründe,  welche  gegenüber  dem  öffentlichen  Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung  überwiegen  würden. 5.7.    Soweit  der  Beschwerdeführer  behauptet,  er  sei  als  Folge  seiner  "Flucht  aus  den  Fängen  der  Taliban"  nunmehr  von  Verfolgung bedroht,  ist auf das zur angeblichen Vergangenheit als  Kindersoldat in E. 5.5. Gesagte zu verweisen. Im Übrigen ist in der  unangefochten  gebliebenen  Verfügung  vom  6.  Dezember  2000  rechtskräftig  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt;  darauf  ist  nicht  mehr  zurückzukommen.  Soweit  der  Beschwerdeführer  die  Rückkehr  in  seine  Heimat  wegen  der  dortigen  Kriegssituation  als  unzumutbar  bezeichnet,  ist  darauf  zu  verweisen,  dass  Unzumutbarkeitsgründe  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  (konkrete  Gefährdung  wegen  Situationen  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  allgemeiner Gewalt)  nach  der  ausdrücklichen  Bestimmung  von  Abs. 7  desselben  Gesetzesartikels  nicht  angerufen  werden  können,  wenn  –  wie  vorliegend – Gründe für den Ausschluss der vorläufigen Aufnahme  gegeben sind. 5.8. Eine  lange Aufenthaltsdauer  in der Schweiz kann ein  Indiz  für  eine  fortgeschrittene  Integration  darstellen,  was  nach  den  vorstehenden  Ausführungen  (E.  5.2)  für  die  erforderliche  Interessenabwägung zu berücksichtigen  ist. Der Beschwerdeführer  hält sich zwar nunmehr schon seit zwölf Jahren in der Schweiz auf.  Dennoch  kann  in  seinem  Fall  keineswegs  von  einer  fortgeschrittenen  Integration  gesprochen  werden;  aufgrund  seines  delinquenten  Verhaltens  ist  vielmehr  auf  das  Gegenteil  zu  schliessen. Auf der anderen Seite  sind die  vom Beschwerdeführer  begangenen  Straftaten  und  sein  Verschulden  erheblich.  Er  hat  in  den  zurückliegenden  rund  10 Jahren,  seit  seinem  14.  Altersjahr, 

D­1972/2009 unablässig  delinquiert,  wobei  die  verübten  Straftaten  zu  einem  beträchtlichen  Teil  mittelschweren,  zum  Teil  gar  schwereren  Charakters  sind.  Die  zahlreichen  strafrechtlichen  Verurteilungen,  therapeutischen  Massnahmen  im  Strafvollzug  und  mehrfachen  Verwarnungen  durch  das  BFM  haben  offensichtlich  keine  nachhaltige  Wirkung  auf  den  Beschwerdeführer.  Insbesondere  ist  hervorzuheben, dass das BFM ihm mehrmals eine Chance gewährt  und  ihm  gegenüber  eine  ausgesprochen  verständnisvolle  Haltung  an  den  Tag  gelegt  hat.  Demgegenüber  ist  die  Haltung  des  Beschwerdeführers  von  wenig  Einsicht  gekennzeichnet.  Er  pflegt  zwar bei Bedarf jeweils seine guten Absichten zu beteuern, nun sein  Leben  ändern  und  nicht  mehr  gegen  das  Gesetz  verstossen  zu  wollen; eine echte Einsicht  in die Problematik seines Verhaltens ist  jedoch  nicht  zu  erkennen.  Er  versucht  sich  als Opfer  darzustellen  (die  Taliban  sind  schuld,  die  falschen  Gefährten,  die  ihn  verleitet  haben,  sind  schuld  usw.),  statt  Verantwortung  für  sein  eigenes  Verhalten  zu  übernehmen.  Dies  bestätigt  auch  der  Bericht  der  Strafvollzugsanstalt  K.______  vom  29.  Dezember  2009,  der  dem  Beschwerdeführer  die  Fähigkeit  zu  einer  eigenständigen  und  eigenverantwortlichen  Lebensführung  abspricht.  Dem  Beschwerdeführer kann daher keine gute Prognose gestellt werden.  Angesichts  seiner  unkontrollierten  Aggressivität  und  seiner  mangelnden  Bereitschaft  und  Fähigkeit,  sein  Verhalten  zu  reflektieren, geschweige denn zu ändern  (vgl. Führungsbericht der  Strafanstalt K._______), stellt er für seine Umgebung und damit für  die  öffentliche  Ordnung  und  Sicherheit  ein  erhebliches  Gefährdungspotential  dar.  Es  besteht  daher  ein  gewichtiges  öffentliches  Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers.  5.9.  Schliesslich  sind  die  persönlichen  Nachteile,  die  der  Beschwerdeführer als Folge der Wegweisung nach Afghanistan zu  gewärtigen hat, gemessen am öffentlichen Interesse am Vollzug der  Wegwiesung nicht als übermässig zu bezeichnen.  Soweit  der  Beschwerdeführer  vorbringt,  er  sei  in  seiner  Heimat  desintegriert,  so  habe  er  seine  ursprüngliche  Muttersprache  verlernt,  kann  auf  die  diesbezüglichen,  als  zutreffend  zu  bestätigenden Ausführungen  in E. 8 der angefochtenen Verfügung  verwiesen  werden.  Diese  Einwände  fallen  für  die  Frage  der  Verhältnismässigkeit  nicht  ins  Gewicht,  ebensowenig  wie  die – 

D­1972/2009 wenig glaubhafte – Behauptung, vom Verbleib seiner Verwandten in  Afghanistan sei seit der Ausreise nichts mehr bekannt geworden. Ebensowenig  kann  der  Beschwerdeführer  in  diesem  Zusammenhang aus dem Argument der fehlenden Sicherheit etwas  zu seinen Gunsten ableiten. Es kann auf das bereits zuvor Gesagte  verwiesen werden (E. 5.7). 5.10.  Gemäss  der  zitierten  Praxis  ist  bei  der  Prüfung  der  Verhältnismässigkeit  auch  zu  berücksichtigen,  ob  der  Betroffene  Angehörige  in  der  Schweiz  hat,  welche  durch  seine Wegweisung  mitbetroffen  sind.  Dies  ist  vorliegend  der  Fall.  Der  Beschwerdeführer  habe,  nach  den  Ausführungen  im  Bericht  der  Strafanstalt  K.______,  eine  starke  Bindung  zu  seiner  Herkunftsfamilie. Allerdings hat dem Beschwerdeführer auch dieser  familiäre  Rückhalt  offensichtlich  nicht  die  nötige  Stabilität  geben  können.  Zu  der  in  der  Beschwerdeschrift  (S.  6,  Ziff.  15)  angeführten  Beziehung zu Frau E.B.  liegen weder zur Art,  Intensität und Dauer  nähere Angaben vor, noch ist ersichtlich, inwiefern diese (angeblich  im Jahr 2008 eingegangene) Beziehung im jetzigen Zeitpunkt noch  aktuell  ist.  Mangels  hinreichender  Substanziierung  ist  davon  auszugehen,  dass  keine  genügenden  Anhaltspunkte  dafür  vorliegen, dass die behauptete Beziehung unter dem Schutzaspekt  von Art. 8 EMRK relevant sein oder bei der Abwägung im Rahmen  der Verhältnismässigkeitsprüfung ins Gewicht fallen könnte.  Die  –  zumindest  sinngemäss  gestellten  –  Beweisanträge  auf  Befragung  von  Frau  E.B.  sowie  der  Familienangehörigen  des  Beschwerdeführers sind daher mangels Relevanz abzuweisen. 5.11.  Die  von  der  Vorinstanz  angeordnete  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  hat  für  den  Beschwerdeführer  zur  Folge,  dass er sich von seinen – im Gegensatz zu ihm in der Schweiz gut  integrierten  –  Familienangehörigen  trennen  und  nach  nunmehr  zwölfjährigem  Aufenthalt  in  der  Schweiz  in  ein  von  Krieg  und  Bürgerkrieg  versehrtes  Land  zurückkehren  muss,  das  er  als  Kind  verlassen  hat  und  kaum  noch  kennt.  Dies  ist  zweifellos  hart,  erscheint  indessen  trotzdem  nicht  als  übermässig,  da  der  Beschwerdeführer  angesichts  seiner  an  den  Tag  gelegten 

D­1972/2009 Aggressivität,  Neigung  zu  fortwährender  Delinquenz  –  bis  hin  zu  Gewalttätigkeit  –,  und  seiner  offensichtlichen  Unverbesserlichkeit  eine erhebliche Gefährdung darstellt. Gemessen daran erscheinen  demgegenüber  die  Nachteile,  welche  der  Beschwerdeführer  bei  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  zu  gewärtigen  hat,  in  Anbetracht  seiner  persönlichen  Verhältnisse  und  seines  Verhaltens  als  hinnehmbar.  Das  öffentliche  Interesse  an  der  Wegwiesung  des  Beschwerdeführers aus der Schweiz überwiegt daher. 5.12.  In  gesamthafter  Würdigung  aller  Umstände  gelangt  deshalb  das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass sich die von der  Vorinstanz  verfügte  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers als verhältnismässig erweist. 6.  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  demnach  nicht  gelungen  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle  oder  unangemessen  sei  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  deshalb abzuweisen. 7.  Da  dem  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  vom  31.  März  2009  die  unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1  VwVG  gewährt  wurde,  sind  ihm  trotz  des Unterliegens mit  seinen  Beschwerdeanträgen keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1972/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand:

D-1972/2009 — Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 D-1972/2009 — Swissrulings