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Bundesverwaltungsgericht 16.08.2011 D-1846/2009

16 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,098 mots·~10 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. Februar 2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1846/2009 Urteil   v om   1 6 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;   Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Irak,   vertreten durch LL.M. lic. iur. Susanne Sadri,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom  23. Februar 2009 / N (…).

D­1846/2009 Sachverhalt: A.  Eigenen Angaben  zufolge  verliess  der Beschwerdeführer,  ein  irakischer  Staatsangehöriger  kurdischer  Ethnie  und  sunnitischer  Religionszugehörigkeit,  seinen  Heimatstaat  am  6. Dezember  2008  und  reiste  über  die  Türkei  und  weitere,  ihm  unbekannte  Länder  am  24. Dezember  2008  in  die  Schweiz  ein.  Gleichentags  suchte  er  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach. Am  5. Januar  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  im  EVZ  zu  seinen  Personalien sowie – summarisch – zu seinen Asylgründen befragt.  Die  LINGUA­Analyse  vom  9. Februar  2009  –  gestützt  auf  ein  Telefongespräch  vom  21. Januar  2009  –  ergab,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Irak, Regionen Dohuk und C._______,  sozialisiert  wurde, nicht jedoch in der Region Mosul.  Am  17. Februar  2009  fand  die  Anhörung  des  Beschwerdeführers  durch  das  BFM  statt.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuches  machte  er  im  Wesentlichen geltend, er sei nach dem Tod seines Bruders, bei dem er  gewohnt habe, aufgefordert worden, seine Schwägerin zu heiraten, was  jedoch weder er noch seine Schwägerin gewollt hätten. Da die Eltern der  Schwägerin  ihn mit dem Tod bedroht hätten, habe er  seinen damaligen  Wohnort C._______ verlassen.  In der Folge habe er eine Stelle bei den  Amerikanern auf dem Flughafen D._______ erhalten. Da sein befristeter  Arbeitsvertrag  nicht  verlängert  worden  sei,  sei  er  zu  seiner  Schwester  nach E._______ (gemeint wohl: E._______ [Provinz Ninawa, Distrikt Tal  Afar])  zurückgekehrt. Als ausgekommen sei, dass er  für die Amerikaner  gearbeitet  habe,  sei  er  einmal  von  Arabern  zusammengeschlagen  und  einmal von zwei Leuten verfolgt worden, denen er aber habe entkommen  können.  Daraufhin  habe  er  sich  bis  zum  Verlassen  des  Heimatstaates  versteckt gehalten. Für  die  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers  wird  auf  die  Protokolle bei den Akten verwiesen. B.  Mit  Verfügung  vom  23. Februar  2009  –  eröffnet  am  24. Februar  2009 –  stellte  das  Bundesamt  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre  Verfügung  im 

D­1846/2009 Wesentlichen damit, die Schilderungen des Beschwerdeführers genügten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  gemäss  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht.  Sowohl  hinsichtlich einer erzwungenen Heirat seiner Schwägerin als auch seiner  Tätigkeit  auf  dem  Flughafen  D._______  habe  der  Beschwerdeführer  teilweise  widersprüchliche  und  zudem  unsubstanziierte  Angaben  gemacht.  Es  sei  deshalb  nicht  glaubhaft,  dass  er  Probleme  mit  der  Familie der Witwe seines Bruders gehabt habe und er deshalb zu seiner  Schwester nach E._______ habe fliehen müssen. Ebenso wenig könnten  ihm  die  Probleme  wegen  seiner  Tätigkeit  für  die  Amerikaner  geglaubt  werden.  Es  erübrige  sich  damit,  die  Asylrelevanz  der  Vorbringen  zu  prüfen. Den Wegweisungsvollzug erachtete das Bundesamt als zulässig,  zumutbar und möglich. C.  Mit  Beschwerde  vom  23. März  2009  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  erheben  und  beantragen,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  dem Beschwerdeführer  sei politisches Asyl  zu gewähren und es sei die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  aus  der Schweiz  festzustellen.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der  Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und  um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer als Beilage  zur Beschwerdeschrift eine Farbkopie des Todesscheines seines Bruders  samt  Übersetzung  zu  den  Akten  sowie  eine  Bestätigung  über  seine  Tätigkeit  für  die  amerikanischen  Streitkräfte  auf  dem  Flughafen  D._______ (ebenfalls mit Übersetzung). D.  Der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  teilte  dem  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  vom  8. April  2009  mit,  er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Gleichzeitig  wurde  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren  [VwVG, SR 172.021]) abgewiesen  und  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  bis  zum  23. April  2009  einen  Kostenvorschuss von Fr. 600.­­ einzuzahlen.

D­1846/2009 E.  Der Beschwerdeführer leistete den Kostenvorschuss am 20. April 2009. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Ein solcher Ausnahmefall liegt nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 

D­1846/2009 nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsuchende  Person  nach  Lehre  und Rechtsprechung  dann, wenn  sie Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche Akteure  zugefügt worden  sind beziehungsweise  zugefügt  zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37, Entscheidungen und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S.  193). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt  die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die  betroffene  Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  ausreichenden  Schutz  finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2  S. 37 f., EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.3  S.  194  und  E.  11.1  S.  201  f.).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die Frage nach der  im Zeitpunkt  der Ausreise  vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen  Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das 

D­1846/2009 Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen  (vgl. BVGE 2008/4 E.  5.4  S.  38  f.,  EMARK  2000  Nr.  2  E.  8a  S.  20;  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). Begründete Furcht vor  Verfolgung  liegt  vor, wenn konkreter Anlass  zur Annahme besteht,  eine  Verfolgung  hätte  sich  –  aus  der  Sicht  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zeit  verwirklicht  beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfolgung  genügt  nicht;  es  müssen  konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus  einem  der  vom  Gesetz  aufgezählten  Motive  erfolgenden –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich  und  dementsprechend  die  Furcht  davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. EMARK  2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1.  Der  Beschwerdeführer  lässt  auf  Beschwerdeebene  vorbringen,  entgegen der vorinstanzlichen Auffassung bestünden in seinen Angaben  weder  Widersprüche  noch  Unstimmigkeiten.  Vielmehr  seien  seine  Aussagen detailliert, plausibel, übereinstimmend und damit asylrelevant.  Er  sei  einerseits  wegen  der  Drohungen  und  des  Drucks  seitens  der  Familie  seiner  Schwägerin  aus  C._______  geflohen.  Anderseits  sei  er  von  Arabern  wegen  seiner  Stelle  bei  den  Amerikanern  verfolgt  und  ernsthaften Nachteilen ausgesetzt. 5.2.  Wie  nachfolgend  aufgezeigt  wird,  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  die  Asylrelevanz  abzusprechen  ist.  Eine  Auseinandersetzung mit  der  Glaubhaftigkeit  der  vom  Beschwerdeführer  vorgetragenen Asylgründe kann deshalb unterbleiben.

D­1846/2009 5.2.1. Vorauszuschicken  ist zunächst, dass der Beschwerdeführer keine  staatliche  Verfolgung  geltend  macht.  Sowohl  hinsichtlich  der  erzwungenen Heirat  als  auch  der  Bedrohung  aufgrund  der  Tätigkeit  für  die amerikanischen Truppen auf dem Flughafen von D._______ handelt  es sich bei den Verfolgern um private Drittpersonen. In  diesem  Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass  nach  geltender  Rechtsprechung  eine  Verfolgungshandlung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  auch  von  nichtstaatlichen  Akteuren  ausgehen  kann  (EMARK  2006  Nr. 18).  Gemäss  der  sogenannten  „Schutztheorie“  (in  Abweichung  von  der  zuvor  angewandten  „Zurechenbarkeitstheorie“  [vgl.  EMARK  2004  Nr. 14 E. 6  S. 89  ff.,  rückblickend EMARK  2006 Nr. 18 E. 6.3.1])  ist  bei  der  Beantwortung  der  Frage,  ob  eine  Person  von  Verfolgung  im  flüchtlingsrechtlichen  Sinne  betroffen  ist,  nicht  das  Kriterium  der  Urheberschaft  massgeblich,  sondern  das  Vorhandensein  adäquaten  Schutzes  im  Heimatstaat.  Mit  anderen Worten  ist  auch  dann  von  einer  asylrelevanten  Verfolgung  auszugehen,  wenn  deren  Urheber  nichtstaatliche  Akteure  beziehungsweise  Private  sind  und  der  Heimatstaat der verfolgten Person keinen Schutz zu gewähren imstande  ist. Massgeblich  ist dabei mithin die Frage, ob die betroffene Person vor  einer  solchen Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure  von Seiten  ihres  Heimatstaats Schutz erwarten kann.  5.2.2. Sowohl bei der vom Beschwerdeführer  vorgetragenen Bedrohung  durch  die  Familienangehörige  seiner  Schwägerin  als  auch  derjenigen  durch  Araber  in  E._______  handelt  es  sich  – wie  schon  erwähnt  –  um  eine solche von privater Seite. Indem die Verfolgung von nichtstaatlichen  Akteuren  ausgeht,  ist  –  wie  soeben  ausgeführt  –  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  staatlichen  Schutz  beanspruchen  kann.  Der  Beschwerdeführer  ist  nach  eigenen  Angaben  im  Dorf  F._______  geboren.  Kurz  nach  seiner  Geburt  sei  die  Familie  nach  G._______  (Türkei)  gegangen  und  erst  im  Jahr  1992  nach  C._______  (Provinz  Dohuk) zurückgekehrt. Bis zu seinem Weggang im Jahr 2006 habe er in  C._______  gelebt,  wo  er  auch  die  Schule  (in  der  zur  C._______  gehörenden  Ortschaft  H._______)  besucht  habe.  Wie  das  Bundesverwaltungsgericht  in  einem  Grundsatzurteil  –  dessen  Einschätzungen auch zum heutigen Zeitpunkt gültig sind –  in Bezug auf  die  Sicherheitslage  im  Nordirak  festgehalten  hat,  sind  die  staatlichen  Behörden  in  diesem  Teilgebiet  des  Staates  grundsätzlich  in  der  Lage,  adäquaten Schutz  vor Verfolgung  zu gewähren  (vgl. BVGE 2008/4). So  sind  die  nordirakischen  Sicherheitsbehörden  grundsätzlich  in  der  Lage, 

D­1846/2009 Hinweisen  auf  Übergriffe  nachzugehen  und  nötigenfalls  eine  Strafverfolgung  einzuleiten.  Die  Sicherheits­  und  Polizeikräfte  sind  gut  dotiert  und  gelten  als  gut  und  straff  organisiert.  Das  Rechts­  und  Justizsystem  ist  zwar  parallel  strukturiert  und  wird  teilweise  durch  die  traditionelle  Stammesjustiz  konkurrenziert.  Trotzdem  kann  aber  davon  ausgegangen  werden,  dass  Streitigkeiten  im  Regelfall  gerichtlich  beigelegt  werden  können.  In  Bezug  auf  die  drei  kurdischen  Nordprovinzen  kann  entsprechend  von  einer  funktionierenden  Schutz­ Infrastruktur  gesprochen  werden.  Die  kurdischen  Behörden  vermögen  damit  den  Anforderungen  an  einen  stabilen  und  dauerhaften  Schutzgewährer zu entsprechen (a.a.O. E. 6.5). 5.2.3.  Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  der  Provinz  Dohuk  und  verbrachte  lediglich  eine  verhältnismässig  kurze  Zeit  entweder  auf  dem  Flughafen D._______ oder in der zur Provinz Ninawa gehörigen Ortschaft  E._______.  Es  ist  kein  Grund  ersichtlich,  welcher  es  dem  Beschwerdeführer verunmöglichen würde, in eine der drei nordirakischen,  kurdischen Provinzen  zurückzukehren und  sich  dort  niederzulassen,  sei  dies in der Provinz Dohuk, wo Verwandte des Beschwerdeführers leben,  oder in einer der beiden anderen Nordprovinzen Suleimaniya und Erbil. 5.2.4. Anzufügen  bleibt  in  Bezug  auf  die  Heirat mit  seiner  Schwägerin,  dass der Beschwerdeführer anlässlich der summarischen Befragung vom  5. Januar  2009  ausführte,  die  Angehörigen  seiner  Schwägerin  hätten  nach  dem  Tod  seines  Bruders  im  Juni  2006  verlangt,  dass  er  die  Schwägerin heirate. Ihre Angehörigen hätten ihm gesagt, wenn er dieser  Forderung nicht nachkomme, müsse er C._______ verlassen. Danach sei  er nach E._______ gegangen (vgl. Akten BFM A 1/10 S. 5). Im Rahmen  der  Anhörung  bestätigte  der  Beschwerdeführer,  dass  er  nach  dem Tod  seines  Bruders  von  den  Eltern  seiner  Schwägerin  aufgefordert  worden  sei, seine Schwägerin zu heiraten. Da weder er noch seine Schwägerin  dies  gewollt  hätten,  hätten  ihre  Eltern  ihn mit  dem Tod  bedroht  und  zu  ihm gesagt, dass er entweder C._______ verlassen müsse oder sie  ihn  umbringen  würden.  Daraufhin  sei  er  zu  seiner  Schwester  ins  Dorf  E._______  gegangen  (vgl.  Akten  BFM  A  15/13  S. 6).  Zunächst  sei  die  Mutter seiner Schwägerin etwa fünf Mal zu  ihm gekommen, am Schluss  seien  ihr  Vater  und  ihre  Brüder  gekommen  und  hätten  ihm  gesagt,  entweder  müsse  er  seine  Schwägerin  heiraten  oder  sie  würden  ihn  umbringen. Er habe diese Drohungen niemandem gemeldet, er sei noch  jung und niemand hätte ihm geglaubt (vgl. a.a.O. S. 7).

D­1846/2009 Aus den Angaben des Beschwerdeführers ergeben sich keine Hinweise  darauf,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  seinem  Weggang  aus  C._______  von  den  Familienmitgliedern  seiner  Schwägerin  noch  irgendwie behelligt worden wäre. Nachdem er  in der Folge bis zu seiner  Ausreise  im  Dezember  2008,  und  damit  während  rund  zweieinhalb  Jahren,  von  den  Verwandten  seiner  Schwägerin  nicht  mehr  kontaktiert  wurde,  kann weder  den  erfolgten Drohungen  die  erforderliche  Intensität  zugesprochen  werden,  noch  besteht  Anlass,  künftige  Verfolgungshandlungen  ernsthaft  zu  befürchten.  Unbesehen  davon  ist  sodann festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine aus einem der in  Art.  3  AsylG  abschliessend  aufgezählten  Gründe  motivierte  Verfolgung  gelten macht. 5.2.5.  Hinsichtlich  der  geltend  gemachten  Verfolgung  durch  Araber  in  E._______ ist schliesslich der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen,  dass  die  Umschreibung  einer  erlittenen  Verfolgung  als  ernsthafte  Nachteile  für die zentralsten Rechtsgüter klar macht, dass eine gewisse  Intensität der Eingriffe für die Anerkennung als Flüchtling vorauszusetzen  ist.  Bei  Eingriffen  wie  Freiheitsentzug,  Schlagen  und  sexueller  Belästigung  ist  die  psychische  oder  physische  Beeinträchtigung  in  Relation  zu  ihrer  Dauer  und  Häufigkeit  sowie  zu  den  gesamten  Umständen  zu  setzen  (WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009,  Rz. 11.14).  Wenn  der  Beschwerdeführer  geltend  macht,  er  sei  einmal  zusammengeschlagen  worden,  habe  sich  aber  zum  Glück  von  diesen  Leuten  losreissen  können,  und  einmal  sei  er,  als  er  aus  einem  Coiffeursalon gekommen sei, von zwei Leuten verfolgt worden, denen er  habe entkommen  können  (vgl. Akten BFM A 15/13 S. 10),  liegen  damit  noch keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG vor.  5.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer bei einer  Bedrohung sowohl  im Hinblick auf eine Zwangsheirat als auch aufgrund  seiner  Tätigkeit  für  die  amerikanischen  Streitkräfte  im  kurdisch  kontrollierten  Teil  des  Iraks  um  effektiven  Schutz  hätte  nachsuchen  können  beziehungsweise  er  dies  auch  zum  heutigen  Zeitpunkt  tun  könnte. Den Asylvorbringen des Beschwerdeführers  ist die Asylrelevanz  abzusprechen. Er erfüllt folglich die Flüchtlingseigenschaft nicht, und das  BFM hat sein Asylgesuch demnach im Ergebnis zu Recht abgelehnt.

D­1846/2009 Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die weiteren  Ausführungen  in  der Beschwerde sowie die eingereichten Beweismittel näher einzugehen,  da diese am Verfahrensausgang nichts zu ändern vermögen. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

D­1846/2009 Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den Nordirak  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Nordirak  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Nordirak  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 7.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 

D­1846/2009 Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.1.  In  Bezug  auf  die  allgemeine  Lage  in  den  drei  nordirakischen  Provinzen  kann  auf  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  vorgenommene  Einschätzung der  Lage  in  einem ergangenen Grundsatzurteil  verwiesen  werden  (vgl.  BVGE 2008/5), welche  auch  zum heutigen Zeitpunkt  noch  Gültigkeit  hat.  Das  Gericht  stellte  dort  zusammenfassend  fest,  dass  in  den  drei  kurdischen  Provinzen  Dohuk,  Suleimaniya  und  Erbil  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht  und  die  dortige  politische  Lage  nicht  dermassen  angespannt  ist,  dass  eine  Rückführung  dorthin  als  generell unzumutbar betrachtet werden müsste. Zudem ist die Region mit  Direktflügen aus Europa und aus den Nachbarstaaten erreichbar. Damit  entfällt  das  Element  der  unzumutbaren  Rückreise  via  Bagdad  und  anschliessend auf  dem Landweg durch den  von Gewalt  heimgesuchten  Zentralirak.  Zusammenfassend  wurde  im  erwähnten  Entscheid  festgehalten,  dass  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  für  alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer,  die  ursprünglich  aus  den  Provinzen  Dohuk,  Suleimaniya  oder  Erbil  stammen  und  dort  nach wie vor über ein soziales Netz oder Parteibeziehungen verfügen, in  der Regel  zumutbar  ist.  Für  alleinstehende Frauen und  für Familien mit  Kindern  sowie  für Kranke und Betagte  ist  dagegen bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grosse  Zurückhaltung  angebracht (a.a.O. E. 7.5 und insbesondere E. 7.5.8). Die Sicherheitslage  in den drei kurdischen Provinzen hat sich seit Publikation des erwähnten  Urteils nicht verschlechtert.  In der überwiegenden Mehrheit der Berichte  von  Regierungs­  und  Nichtregierungsorganisationen  sowie  des  UN­ Sicherheitsrats wird eine insgesamt stabile Situation beschrieben (vgl. die  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­1618/2008  vom  28. Februar 2011  und  E­1804/2008  vom  14. März  2011,  mit  weiteren  Hinweisen). 7.4.2.  Beim  Beschwerdeführer  handelt  es  sich  um  einen  (…)­jährigen,  alleinstehenden,  jungen Mann,  welcher  den  überwiegenden  Teil  seines  Lebens  –  einschliesslich  seine  neunjährige  Schulzeit  –  in  der  Provinz  Dohuk  verbracht  hat.  Nebst  der  Mutter  des  Beschwerdeführers  leben  deren  (…)  Brüder  ebenfalls  in  der  Provinz  Dohuk.  Zwar  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  habe  seit  dem  Jahr  2000  keinen Kontakt  mehr zu seiner Mutter und deren Verwandtschaft, ohne allerdings einen  Grund dafür zu nennen. Es  ist demzufolge nicht ersichtlich, weshalb der  Beschwerdeführer mit diesen Verwandten nicht wieder  in Kontakt  treten 

D­1846/2009 könnte.  Zudem  gab  er  an,  er  habe  sich  nach  Beendigung  des  Arbeitsverhältnisses  zu  einem  Freund  nach  I._______  (gemeint  wohl  J._______, Provinz Dohuk) begeben, um diverse Dokumente abzuholen.  Entsprechend  kann  ohne  Weiteres  davon  ausgegangen  werden,  der  Beschwerdeführer  verfüge  im  Nordirak  über  ein  Beziehungsnetz  von  Bekannten  und  Freunden.  Gesundheitliche  Beeinträchtigungen  ergeben  sich  weder  aus  den  Akten,  noch  macht  der  Beschwerdeführer  solche  geltend.  Insgesamt  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  seiner Rückkehr   in  der  Lage  sein wird,  sich  in  seiner Heimat eine wirtschaftliche Existenzgrundlage aufzubauen, wobei  ihm  allenfalls  die  Rückkehrhilfe  der  Schweiz  die  Wiederansiedelung  zusätzlich  erleichtern  kann.  Nach  dem  vorstehend  Gesagten  ist  der  Vollzug der Wegweisung in den Nordirak als zumutbar zu bezeichnen. 7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.­­  festzusetzen  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und mit  dem  am  20.  April 2009 geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1846/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  am  20. April  2009  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

D-1846/2009 — Bundesverwaltungsgericht 16.08.2011 D-1846/2009 — Swissrulings