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Bundesverwaltungsgericht 25.07.2011 D-150/2009

25 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,335 mots·~12 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­150/2009/sed Urteil   v om   2 5 .   Juli   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Kurt Gysi,  Richter Bendicht Tellenbach;    Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren am (…), alias  B._______, geboren (…),  dessen Ehefrau C._______, geboren am (…),  und deren Kinder D._______, geboren am (…),  E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), alle Kongo (Kinshasa), (…),    Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2008.

D­150/2009 Sachverhalt: A.  A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 22. Juni 2008  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ) G._______  für  sich  und  ihr  damals  noch  einziges Kind D.______ um Asyl nach. Dort wurden sie am 26. Juni 2008  zu ihren Personalien, zu ihrem Reiseweg sowie ­ summarisch – zu ihren  Asylgründen befragt. Am 7.  Juli  2008 wurden  sie  vom BFM – ebenfalls  noch  in G._______ – gestützt auf Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  eingehend  zu  ihren  Asylgründen  angehört.  A.b Anlässlich  der  Befragungen machten  die  Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  geltend,  sie  gehörten  der  Ethnie  der  Muyombe  an  und  stammten aus der Provinz Bas­Congo. Sie seien Mitglieder der politisch­ religiösen  Gemeinschaft  "Bundu  Dia  Kongo"  (BDK).  Der  Beschwerdeführer  habe  im  Jahre  2003  eine  sechsmonatige  Ausbildung  bei der BDK absolviert und sei  in der Folge  in der Stadt H._______ als  Pastor der Gemeinschaft tätig gewesen.  Im März 2008 habe die kongolesische Regierung die BDK verboten und  die  Schliessung  aller  Versammlungslokale  verfügt.  Als  Protest  gegen  diese  behördlichen  Massnahmen  habe  der  Beschwerdeführer  unter  anderem Flugblätter verfasst. Am Abend des 17. Juni 2008 habe er sich  nach dem Verteilen von Flugblättern auf dem Heimweg befunden, als er  von  Soldaten  angehalten  und  in  Handschellen  gelegt  worden  sei.  Die  Soldaten  hätten  ihn  nach Hause  gebracht  und  dort  ihn  und  seine  Frau  geohrfeigt.  Die  bei  der  anschliessenden  Hausdurchsuchung  gefunden  Flugblätter  seien  beschlagnahmt  worden.  Danach  sei  er  auf  die  Ladefläche  eines  Lastwagens  gelegt  und  nach  I._______  (ebenfalls  Provinz  Bas­Congo)  gebracht  worden.  Beim  Verlassen  des  Hauses  hätten  die  Soldaten  die  Beschwerdeführerin  darüber  informiert,  ihr  Ehemann werde nun umgebracht, und sie angewiesen, im Haus auf ihre  – der  Soldaten  –  Rückkehr  zu  warten.  Die  Beschwerdeführerin  habe  jedoch  umgehend  den  ebenfalls  der  BDK  angehörigen  und  mit  ihnen  befreundeten  Chef  des  Sicherheitsdienstes  telefonisch  über  den  Vorfall  informiert. Auf dessen Anweisung hin sei der Beschwerdeführer dann von  einem Soldaten nach Brazzaville  (Kongo  [Brazzaville]) gebracht worden,  wo  er  sich  bei  Leuten,  die  mit  dem  Chef  des  Sicherheitsdienstes  befreundet gewesen seien, habe verstecken können. Ebenfalls dank der  Hilfe des Chefs des Sicherheitsdienstes habe die Beschwerdeführerin am 

D­150/2009 20. Juni 2008 zusammen mit  ihrer damals einjährigen Tochter D.______  dem  Beschwerdeführer  nach  Brazzaville  folgen  können.  Bereits  am  21. Juni  2008  hätten  sie  Brazzaville  auf  dem  Luftweg  in  Richtung  Frankreich verlassen; der sie begleitende Mann habe nach der Landung  in  Paris  für  sie  ihnen  nicht  zustehende  Reisepässe  vorgewiesen.  Anschliessend seien sie umgehend mit dem Zug in die Schweiz gereist. Für den weiteren Inhalt der Aussage wird auf die Protokolle bei den Akten  verwiesen.  A.c  Im  Verlauf  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  reichten  die  Beschwerdeführenden  einen  am  7.  Juni  2004  ausgestellten  Mitgliederausweis  der  BDK  zu  den  Akten. Weitere  Ausweise  besässen  sie nicht; sie hätten nie Reisepässe oder  Identitätskarten beantragt, und  die  bei  der  Reise  nach  Europa  verwendeten  Pässe  hätten  sich  nie  in  ihrem Besitz befunden. A.d Das  BFM  wies  die  Beschwerdeführenden  am  8.  Juli  2008  für  den  Aufenthalt während des Asylverfahrens dem Kanton J._______ zu. A.e Am  8.  August  2008  brachte  die  Beschwerdeführerin  in  Q._______  ihre zweite Tochter, E.______, zur Welt. B.  Mit Verfügung vom 12. Dezember 2008 – eröffnet am 15. Dezember 2008  – lehnte  das  BFM  die  Asylgesuche  mit  der  Begründung  ab,  die  Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten den Anforderungen an die  Glaubhaftigkeit nicht stand. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der  Beschwerdeführenden in der Schweiz an und stellte fest, der Vollzug der  Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. C.  C.a Die Beschwerdeführenden beantragten mit Eingabe vom 11. Januar  2009 – unter Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung – die Gewährung  des  Asyls,  eventualiter  die  Rückweisung  der  Sache  zur  Neubeurteilung  an  das  BFM.  Subeventualiter  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  unzulässig  und  unzumutbar  sei,  und  es  sei  den  Beschwerdeführenden  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In  prozessrechtlicher  Hinsicht  sei  ihnen  die  unentgeltliche  Prozessführung  zu bewilligen und es  sei  auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses  zu  verzichten. 

D­150/2009 Zur Untermauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den  Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen  wird  –  gaben  die  Beschwerdeführenden  einen  Teil  der  Zeitung  K._______vom  9.  Oktober  2009  im  Original  sowie  einen  dem  Internet  entnommenen,  auf  den  20.  Juni  2008  datierten  Bericht  betreffend  die  BDK zu den Akten.  C.b  Am  12.  Januar  2009  ging  beim  Bundesverwaltungsgericht  zudem  eine  am  31.  Dezember  2008  von  der  L._______  in  J._______  ausgestellte,  die  Beschwerdeführenden  betreffende  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung ein. C.c  Am  14.  Januar  2009  traf  beim  BFM  eine  am  19.  Dezember  2008  ausgestellte,  am  6.  Januar  2009  per  "EMS"­Kurier  in  die  Schweiz  geschickte BDK­Mitgliedschaftsbestätigung ein. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  Januar  2009  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführenden  mit,  sie  könnten  den Ausgang des Verfahrens  in der Schweiz gestützt auf Art. 42 Abs. 1  AsylG  abwarten.  Ausserdem  werde  das  zweite  Kind  E._______  in  das  Beschwerdeverfahren  miteinbezogen.  Sodann  wurde  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  (Art. 63  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  verzichtet  und  der  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) auf einen späteren  Zeitpunkt verwiesen.  E.  E.a Die Beschwerdeführenden teilten dem Bundesverwaltungsgericht am  26. März  2010  mit,  C._______  sei  im  7. Monat  schwanger  und  müsse  blutverdünnende Medikamente einnehmen. E.b Mit  Schreiben  vom  14. Mai  2010  rügten  die  Beschwerdeführenden  sodann  beim  Bundesverwaltungsgericht,  vom  Amt  für  öffentliche  Sicherheit des Kantons J._______  für ein Gespräch beim BFM  in Bern­ Wabern eingeladen worden zu sein. Sie befürchteten, ein solches – mit  Vertretern  einer  Delegation  aus  Kongo  (Kinshasa)  durchgeführtes –  Gespräch könnte für sie schwere Nachteile zur Folge haben, weshalb die 

D­150/2009 "Unzumutbarkeit  der  Kontaktaufnahme  mit  dem  Herkunftsland"  festzustellen sei. Das  Bundesverwaltungsgericht  setzte  die  Beschwerdeführenden  daraufhin am 21. Mai 2010 darüber  in Kenntnis, die erwähnte Einladung  zu  einem  persönlichen  Gespräch  stehe  in  Übereinstimmung  mit  den  gesetzlichen Grundlagen (insbesondere von Art. 97 Abs. 2 und 3 AsylG),  weshalb  dem  Begehren  um  Feststellung  der  "Unzumutbarkeit  der  Kontaktaufnahme mit dem Herkunftsland" keine Folge zu geben sei. F.  Das  BFM  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom  16.  August  2010  die  Abweisung  der  Beschwerde,  da  diese  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  Die  Vernehmlassung  wurde  den  Beschwerdeführenden  am  18.  August  2010  zur  Kenntnisnahme  zugestellt.  G.  Am  23.  August  2010  gaben  die  Beschwerdeführenden  weitere  Dokumente zu den Akten: die Zeitung M._______ vom 21. Juni 2010 im  Original, einen am 14. Mai 2010 ausgestellten Suchbefehl im Original, ein  "EMS"­Zustellcouvert  sowie  zwei  dem  Internet  entnommene  Berichte  betreffend  die  Verfolgungssituation  von  Menschenrechtsaktivisten  und  von Exponenten der BDK. Gleichzeitig  wurde  das  Bundesverwaltungsgericht  darüber  in  Kenntnis  gesetzt, dass die Beschwerdeführerin am 20. Juni 2010 in J._______ ein  drittes Kind, einen Sohn namens N._______ (dessen Name nachträglich  auf F._______ geändert wurde), geboren habe.  H.  Das BFM, welches vom Bundesverwaltungsgericht am 26. August 2010  zu einem weiteren Schriftenwechsel eingeladen worden war, beantragte  auch mit Vernehmlassung vom 10. September 2010 die Abweisung der  Beschwerde.  In  Bezug  auf  die  neu  eingereichten  Dokumente  wurde  festgehalten,  diese  seien  ebenfalls  nicht  geeignet,  zu  einer  anderen  Beurteilung  des  Sachverhaltes  zu  führen.  Die  Vernehmlassung  vom  10. September  2010  wurde  den  Beschwerdeführenden  am  13.  September 2010 zur Kenntnis gebracht. 

D­150/2009 Die  Beschwerdeführenden  nahmen  am  16.  und  17.  September  2010  (Poststempel: 17. September 2010 und 18. September 2010) eingehend  zur  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  vom  10. September  2010  Stellung  und  reichten  –  nebst  einer  Kopie  des  sich  bereits  bei  den  Akten  befindenden  Haftbefehls  –  zwei  weitere  dem  Internet  entnommene  Berichte  sowie  ein  Blatt  mit  verschiedenen  Arten  von  Flaggen  und  Nassstempeln ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  eines  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 

D­150/2009 3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1. Das BFM stellte  in  seiner angefochtenen Verfügung vorab  fest,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  widersprächen  in  verschiedener  Hinsicht der allgemeinen Lebenserfahrung.  4.1.1.  In der Tat  ist kaum anzunehmen, dass die Beschwerdeführenden  in  ihrem  Heimatland,  wo  sie  zur  Schule  gegangen  sind  und  wo  der  Beschwerdeführer  gemäss  seinen  Angaben  nach  Bestehen  der  Matura  und  einjährigem  Studium  am  O._______  in  H.________  eine  sechsmonatige Ausbildung zum Pastor absolviert hat (vgl. Vorakten A1 S.  3  und A2 S.  3),  nie  einen  offiziellen  Ausweis  besessen  hatten.  Ebenso  erscheint es ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführenden – wie von  ihnen  behauptet  –  weder  bei  der  Ausreise  über  den  internationalen  Flughafen  von  Brazzaville  noch  bei  der  Einreise  nach  Frankreich  persönlich  kontrolliert  worden  sein  sollen,  sondern  der  sie  begleitende  Mann für sie ihnen nicht zustehende, auf ihnen nicht bekannte Identitäten  lautende Reisepässe vorgewiesen habe (vgl. Vorakten A1 S. 4 und 7  f.,  A2 S. 4 und 7 sowie Beschwerde S. 3). 

D­150/2009 4.1.2.  Sodann  kann  angesichts  der  Tatsache,  dass  die  BDK  im  März  2008  behördlich  verboten  wurde  und  seither  jegliche  Aktivität  für  die  Organisation geahndet wird, auch nicht nachvollzogen werden, dass der  Beschwerdeführer, als er am 17. Juni 2008 auf der Strasse von Soldaten  angehalten  und  nach  seinen  Papieren  gefragt  worden  sei,  seine  BDK­ Karte  vorgewiesen  haben  will  (vgl.  A19  S.  3  f.).  Ebenso  wenig  nachvollziehbar  erscheint  die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  ohne  weitere  Sicherheitsvorkehrungen  mit  einem  Mäppchen  voller  selber  hergestellter  BDK­Flugblätter,  in  denen  zur  Revolte  aufgerufen  worden  sei, von Haus zu Haus gegangen zu sein, und er das Mäppchen mit den  verbleibenden  Flugblättern  auch  dann  auf  sich  behalten  habe,  als  er  gesehen  habe, wie  die Soldaten  ihren  Lastwagen  abgestellt  hätten  und  auf ihn zugekommen seien (vgl. A19 S. 3 und S. 6 f.). Die  in  der  Beschwerdeschrift  dazu  abgegebenen  Erklärungen,  er  habe  die BDK­Karte vorgewiesen, weil er sich durch den Besitz des Ausweises  "spirituell  geschützt"  gefühlt  und  gehofft  habe,  die  Soldaten  wollten  nur  wissen, wer er sei, und liessen ihn dann wieder laufen, im Übrigen sei er  bei  der  Verteilung  der  Flugblätter  bereit  gewesen,  ein  gewisses  Risiko  einzugehen (vgl. Beschwerde S. 3), vermag nicht zu überzeugen.  4.1.3.  Des  Weiteren  kann  auch  der  Auffassung  der  Vorinstanz  gefolgt  werden, es ergebe keinen Sinn, dass die Soldaten am 17. Juni 2008 nur  den Beschwerdeführer, nicht aber dessen Ehefrau – welche selber auch  BDK­Mitglied gewesen sei (vgl. A20 S. 3  f.) und  in deren Haus weiteres  belastendes Material  gefunden worden  sei  –  festgenommen  hätten  und  dieser  stattdessen  gesagt  hätten,  ihr  Ehemann  werde  umgebracht  und  sie  müsse  auf  ihre  –  der  Soldaten  –  Rückkehr  warten,  zumal  der  Beschwerdeführerin  dadurch  nicht  nur  die  eigene  Flucht,  sondern  auch  die  Organisation  der  Flucht  ihres  Ehemannes  ermöglicht  worden  wäre.  Der  Hinweis  auf  das  kleine  Kind  und  die  offensichtlich  bestehende  weitere Schwangerschaft der Beschwerdeführerin (vgl. Beschwerde S. 4  oben)  gibt  dabei  keine  überzeugende  Erklärung  für  das  ungewöhnliche  Verhalten der Soldaten ab. 4.1.4. Wie das BFM schliesslich ebenfalls  zu Recht  bemerkte,  erstaunt,  dass ein Chef des Sicherheitsdienstes das Risiko eingegangen sein soll,  Mitglied  der  illegalen  BKD  zu  sein,  und  in  seiner  Funktion  zudem  Soldaten  beauftragt  haben  soll,  festgenommene  Mitglieder  freizulassen  und ins Ausland zu bringen.

D­150/2009 4.2. Die sich bei den Akten befindenden Beweismittel sind nicht geeignet,  die  festgestellten  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden zu beseitigen.  4.2.1.  In  Bezug  auf  den  im  vorinstanzlichen  Verfahren  zu  den  Akten  gegebenen BDK­Ausweis hielt das BFM zu Recht fest, solche Ausweise  seien  gerade  im  afrikanischen  Raum  leicht  beschaffbar,  weshalb  ihnen  nur ein geringer Beweiswert zukommen könne.  Des  Weiteren  stimmen  die  vom  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragungen  gemachten  Aussagen  teilweise  nicht  mit  den  im  BDK­ Mitgliederausweis  enthaltenen  Angaben  überein.  Entgegen  der  in  der  angefochtenen  Verfügung  –  zumindest  sinngemäss  –  vertretenen  Auffassung muss das Datum der Ausstellung des Ausweises zwar nicht  zwingend mit dem Datum des Beitritts zur BDK übereinstimmen, so dass  aus  dieser  Abweichung  noch  keine  Ungereimtheit  abgeleitet  werden  kann.  Klar  widersprüchlich  sind  hingegen  die  Angaben  zum  Geburtsdatum des Beschwerdeführers. So nennt  der BDK­Ausweis  den  30. März 1979, während der Beschwerdeführer sowohl auf dem von ihm  selber  ausgefüllten  Formular  (vgl.  A3)  als  auch  anlässlich  der  direkten  Bundesbefragung (vgl. A19 S. 2) ausdrücklich erklärte, am 11. März 1979  geboren  zu  sein.  Mit  der  Bemerkung,  in  seiner  Heimat  habe  das  Geburtsdatum  keine  grosse  Bedeutung,  und  weil  das  Datum  nur  um  wenige  Tage  abweiche,  habe  er  damals  auch  keine  Korrektur  verlangt  (vgl. Beschwerde S. 4), lässt sich die Unstimmigkeit nicht beseitigen. 4.2.2. Ungeachtet  der  –  bereits  erwähnten  –  Tatsache,  dass  in  Kongo  (Kinshasa)  fast  alle  (amtlichen  und  nicht­amtlichen)  Dokumente  ohne  Weiteres  käuflich  erworben  werden  können,  weisen  auch  die  auf  Beschwerdeebene eingereichten Dokumente zahlreiche Ungereimtheiten  auf.   Es  ist  anzunehmen,  dass  die  BDK­Mitgliedschaftsbestätigung  von  den  Beschwerdeführenden  erst  nach  Erhalt  der  negativen  BFM­Verfügung  vom  12. Dezember  2008  angefordert  und  dann  am  6.  Januar  2009  per  "EMS"­Kurier in die Schweiz geschickt worden war. Die Bestätigung fusst  inhaltlich offensichtlich auf den Angaben der Beschwerdeführenden und  muss als blosses Gefälligkeitsschreiben qualifiziert werden. Hinsichtlich  des  Suchbefehls  bemerkte  das  BFM  in  seiner  (zweiten)  Vernehmlassung vom 10. September 2010 zu Recht, es handle sich um 

D­150/2009 ein internes polizeiliches Dokument, welches nie an die gesuchte Person  ausgehändigt  würde.  Im  Übrigen  entsprächen  weder  die  auf  dem  Suchbefehl  angebrachte  Flagge  noch  der  Nassstempel  dem  offiziellen  Aussehen, wobei der Nassstempel sogar einen orthographischen Fehler  enthalte.  Mit  der  Einreichung  eines  Blattes  mit  verschiedenen  Nassstempeln und zwei Arten von Flaggen lassen sich die Auffälligkeiten  auf  dem  Suchbefehl  keineswegs  erklären,  zumal  –  wie  in  der  Vernehmlassung  vom  10. September  2010  richtig  festgehalten  wurde –  auf  offiziellen  Dokumente  die  kongolesische  Flagge  in  viereckiger  und  nicht  in  "wehender"  Form  dargestellt  wird  und  die  auf  dem  Blatt  angebrachten  Nassstempel  weder  Orthographiefehler  enthalten  noch  in  ihrem Schriftbild  oder  bezüglich  der Art  des  Löwenkopfes  dem Stempel  auf dem eingereichten Suchbefehl entsprechen. Der Hinweis schliesslich,  es  handle  sich  nicht  um  einen  orthographischen  Fehler,  vielmehr  fehle  das  "e", weil  der Stempel nicht  richtig aufgedrückt worden sei oder weil  die Tinte ausgetrocknet beziehungsweise vom Papier nicht angenommen  worden  sei  (vgl.  Replik  S. 2),  erscheint  völlig  absurd.  Lediglich  der  Vollständigkeit  halber  ist  festzuhalten,  dass  auch  nicht  einsehbar  ist,  wieso  der  Suchbefehl  in  der  Hauptstadt  Kinshasa  und  nicht  am  Herkunftsort  der  Beschwerdeführenden,  H._______,  ausgestellt  worden  ist,  oder  wieso  der  Beschwerdeführer  erst  zwei  Jahre  nach  seiner  angeblichen Flucht per behördlichen Befehls gesucht sein soll. Was  die  beiden  eingereichten  Zeitungen  K._______  und  M._______  betrifft,  so  ist  vorab  festzuhalten,  dass  es  sich  nicht  um  bedeutende,  auflagenstarke Publikationen handelt. Auffällig ist sodann, dass die ganze  Zeitung  M.________  eine  blosse  Kopie  ist  und  dass  der  die  BDK  betreffende Artikel  im K._______ ein anderes Schriftbild aufweist als der  Rest  der  Zeitung,  so  dass  sich  der  Verdacht  aufdrängt,  die  fertig  gedruckten Publikationen seien – zwecks Einreichung als Beweismittel –  nachträglich mit den Artikeln versehen und dann kopiert worden.  Die  verschiedenen  dem  Internet  entnommenen  Berichte  haben  die  allgemeine  Situation  der  BDK  und  verschiedener  politischer  und  menschenrechtlicher  Organisationen  in  Kongo  (Kinshasa)  zum  Gegenstand  und  weisen  keinen  direkten  Bezug  zu  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  auf.  Wie  im  Übrigen  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  vom  10. September  2010  bezüglich  des  Artikels  von  P._______  zutreffend bemerkte, machten die Beschwerdeführenden nie  geltend, Mitglied der Organisation "Bundu dia Mayala" (BDM) zu sein. 

D­150/2009 4.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  standhalten.  Es  kann  darauf  verzichtet  werden,  auf  die  übrigen  Erwägungen  der  Vorinstanz  und  auf  die  weiteren  Darlegungen  in  der  Beschwerdeschrift oder in der Replik näher einzugehen. Die Asylgesuche  wurden vom Bundesamt nach dem Gesagten zu Recht abgewiesen.  5.  Lehnt  das  BFM  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug  an  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  daher  zu  Recht  angeordnet  (vgl.  BVGE  2008/34  E.9.2  S.  510  sowie  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR142.20]). 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG). 6.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 

D­150/2009 Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden.  6.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gewährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden  in  den  Heimatstaat/Herkunftsstaat  ist  demnach  unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Kongo  (Kinshasa)  dort  mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechts  (EGMR)  sowie  jener des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung drohen würde  (vgl. EGMR,  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Das  ist  ihnen  jedoch  nicht  gelungen.  Insbesondere  ist  in  Bezug  auf  den  in  der  Beschwerdeschrift  (vgl.  S.  5)  angebrachten Hinweis,  die Beschwerdeführenden würden  im Falle  ihrer  Rückkehr  auf  Grund  ihrer  Religionszugehörigkeit  zu  mehrjährigen  Haftstrafen verurteilt oder getötet, seien doch schon in den Jahren 2007  und  2008  jeweils  rund  100  BDK­Mitglieder  getötet  worden,  darauf  hinzuweisen, dass es den Beschwerdeführenden – wie oben unter Ziff. 4  der Erwägungen  festgehalten wurde – nicht gelungen  ist, die Zweifel an  der  Glaubhaftmachung  ihrer  BDK­Mitgliedschaft  und  an  der  daraus  resultierenden Verfolgungssituation zu beseitigen. Schliesslich  lässt sich  auch aus der allgemeinen Menschenrechtssituation  in Kongo (Kinshasa)  noch  kein  reales  Risiko  von  Folter  oder  unmenschlicher  oder 

D­150/2009 erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  ableiten.  An  dieser  Feststellung  vermögen  auch  die  dem  Internet  entnommenen  und  auf  Beschwerdeebene  eingereichten,  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in Kongo (Kinshasa) betreffenden Artikel nichts  zu ändern. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  6.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsland auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). 6.3.1. Für  die  allgemeine  Lage  in  Kongo  (Kinshasa)  kann  zunächst  auf  die  detaillierte,  noch  von  der  ARK  in  EMARK  2004  Nr.  33  publizierte  Lageanalyse  verwiesen  werden,  welche  das  Bundesverwaltungsgericht  als im Wesentlichen weiterhin zutreffend erachtet. Am 18./19. Dezember  2005  wurde  die  für  die  Durchführung  von  Präsidentschafts­  und  Parlamentswahlen erforderliche neue Verfassung durch ein Referendum  angenommen. Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen fand am 30.  Juli  2005 und die  zweite Runde  (Stichwahl)  am 29. Oktober  2006  statt.  Schliesslich  erklärte  der  Oberste  Gerichtshof  am  27.  November  2006  Joseph Kabila als Sieger der Stichwahl; er wurde am 6. Dezember 2006  als  Staatspräsident  vereidigt.  Ende  März  2007  kam  es  im Westen  des  Landes  und  in  der  Hauptstadt  Kinshasa  zu  blutigen  Auseinandersetzungen  zwischen  der  regulären  kongolesischen  Armee  und  der  Garde  von  Ex­Rebellenchef  Jean­Pierre  Bemba,  welcher  als  Präsidentschaftskandidat  Joseph  Kabila  unterlegen war  und  sich  in  der  Folge weigerte, seine Leute  in die nationale Armee zu  integrieren. Nach  der  Niederlage  von  Bemba  und  dessen  Flucht  in  die  südafrikanische  Botschaft  beziehungsweise Weiterreise  nach Europa  (am  25. Mai  2008  wurde  der  mit  internationalem  Haftbefehl  gesuchte  Bemba  in  Brüssel  verhaftet  und  an  den  Internationalen  Strafgerichtshof  in  Den  Haag  überstellt;  der  Prozess  gegen  ihn  begann  am  22.  November  2010)  beruhigte sich die Lage wieder und es wurden seither aus der Hauptstadt  Kinshasa  und  aus  dem Westen  des  Landes  keine  schwerwiegenderen  Zwischenfälle  mehr  gemeldet,  so  dass  nicht  generell  von  Krieg, 

D­150/2009 Bürgerkrieg  oder  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  gesprochen  werden kann. 6.3.2. Die Rückkehr von Personen aus Kongo (Kinshasa) kann indes nur  unter bestimmten, eingeschränkten Umständen als zumutbar bezeichnet  werden,  nämlich  dann,  wenn  sich  der  letzte  Wohnsitz  der  betroffenen  Person  in  der  Hauptstadt  Kinshasa  oder  in  einer  anderen,  über  einen  Flughafen verfügenden Stadt  im Westen des Landes befand, oder wenn  die  Person  in  einer  dieser  Städte  über  ein  gefestigtes  Beziehungsnetz  verfügt.  Trotz  Vorliegens  dieser  Kriterien  erscheint  der  Vollzug  der  Wegweisung  jedoch  nach  Prüfung  und  Abwägung  der  individuellen  Umstände  in  der Regel  als  nicht  zumutbar, wenn  die  zurückzuführende  Person (kleine) Kinder bei sich hat, für mehrere Kinder verantwortlich ist,  sich  in einem  fortgeschrittenen Alter befindet, oder wenn es sich bei  ihr  um  eine  alleinstehende,  nicht  über  ein  soziales  oder  familiäres  Netz  verfügende Person handelt (vgl. EMARK 2004 Nr. 33). Die  Beschwerdeführenden  gehören  zwar mit  ihren  drei  kleinen  Kindern  zur  "Risikogruppe"  ("groupe  vulnérable"),  deren Wegweisungsvollzug  in  der Regel – wie vorstehend erwähnt – als nicht zumutbar erachtet wird.  Diese  Zugehörigkeit  allein  genügt  jedoch  nicht,  um  die  Unzumutbarkeit  einer Rückkehr  nach Kongo  (Kinshasa)  ohne Weiteres  zu  bejahen. Die  Beschwerdeführenden  stammen  aus  H._______.  In  H._______  beziehungsweise  in  deren  Umgebung  leben  auch  ihre  zahlreichen  Angehörigen  (die  Eltern  der  Beschwerdeführerin  sollen  zwar  schon  vor  langer Zeit verstorben sei, doch lebten die Eltern und der jüngere Bruder  des  Beschwerdeführers  nach  wie  vor  in  R.______/H._______).  Der  Beschwerdeführer  hat  seine  12­jährige  Schulzeit  mit  der  Matura  abgeschlossen und anschliessend während eines Jahres eine Ausbildung  am  O._______  in  H._______  absolviert.  Seine  Ehefrau  hat  zumindest  während  fünf  Jahren  die  Schule  besucht.  Die  Beschwerdeführenden,  welche  Lingala  als  ihre  Muttersprache  nennen,  sprechen  gut  Kiyombe,  Kikongo  und  Französisch  (Ehemann)  beziehungsweise  Kiyombe  (Ehefrau).  Sodann  ergeben  sich  aus  den  Akten  keinerlei  Hinweise  auf  allenfalls  bestehende  gesundheitliche  Probleme  der  Beschwerdeführenden  und  ihrer  drei  Kinder. Was  das  noch  junge Alter  der  Kinder  betrifft,  so  ist  festzuhalten,  dass  diese  zwar  dem  Säuglingsalter  entwachsen,  aber  noch  nicht  eingeschult  sind,  so  dass  deren  Ausreise  aus  der  Schweiz  nicht  zu  einer  sozialen  Entwurzelung  führen wird.

D­150/2009 Angesichts  dieser  Umstände  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr in ihre Heimat nicht in eine ihre  Existenz  bedrohende  Situation  geraten  werden  und  sich  in  Kongo  (Kinshasa) –   anders als in der Schweiz, wo sie während ihres nunmehr  dreijährigen Aufenthaltes nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sind –  eine neue Existenz werden aufbauen können.  6.3.3. Nach dem Gesagten kann der Vollzug der Wegweisung – entgegen  der  in  der  Rechtsmitteleingabe  vertretenen  Auffassung  –  auch  als  zumutbar bezeichnet werden. 6.4.  Schliesslich  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden auch als möglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG  zu bezeichnen, da keine praktischen Vollzugshindernisse erkennbar sind,  die einer Rückkehr nach Kongo (Kinshasa) entgegenstehen könnten, und  sie  verpflichtet  sind,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  ihres  Heimatlandes um die Ausstellung gültiger Reisepapiere zu bemühen (Art.  8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.). 6.5.  Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4  AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.  8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  desselben  den  Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Nachdem  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  nicht  als  aussichtslos bezeichnet werden konnte und die Beschwerdeführenden in  der Schweiz nach wie vor keiner bezahlten Tätigkeit nachgehen (so dass  von  ihrer Bedürftigkeit  ausgegangen werden kann),  sind  in Gutheissung  des  in der Beschwerde vom 11. Januar 2009 gestellten, bis anhin noch 

D­150/2009 nicht  behandelten  Gesuches  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen.  (Dispositiv nächste Seite)

D­150/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es  werden  –  in  Gutheissung  des  Gesuches  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung – keine Verfahrenskosten auferlegt.  3. Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Kathrin Mangold Horni Versand:

D-150/2009 — Bundesverwaltungsgericht 25.07.2011 D-150/2009 — Swissrulings