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Bundesverwaltungsgericht 29.11.2011 D-149/2011

29 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,355 mots·~17 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Dezember 2010

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­149/2011 Urteil   v om   2 9 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), Pakistan,   vertreten durch lic. iur. Pascale Bächler,  BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 10. Dezember 2010 / N (…).

D­149/2011 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  gelangte  der  Beschwerdeführer  am  15.  November  2010  in  die  Schweiz,  wo  er  am  gleichen  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  um  Asyl  nachsuchte.  Dazu  wurde  er  am  24.  November  2010   im   EVZ   C._______   befragt   (Kurzbefragung)   und   am   8. Dezember 2010 am gleichen Ort angehört  (Anhörung). B.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  islamischen  Glaubens,  stamme  aus  der  Stadt D._______ und habe von Geburt bis zu seiner Ausreise aus seinem  Heimatland im Dorf E._______ (Distrikt D._______) gelebt. Nach Beginn  seines Studiums am College sei er der Studentenführer der ATI (Anjuman  Talaba­e­Islam)  im  Quartier  gewesen.  Weil  er  immer  wieder  Streit  mit  dieser  Studentengewerkschaft  gehabt  habe,  die  ihn  jeweils  zu  illegalen  Tätigkeiten  aufgefordert  habe,  habe  er  im  Jahre  2009  das  College  verlassen und ein Fernstudium begonnen. Seit seiner Kindheit sei er mit  F.________, einer Christin, befreundet gewesen. Weil ihre Familie sie mit  einem  alten Mann  habe  verheiraten  wollen,  hätten  sie  am  10.  Oktober  2010  in aller Eile geheiratet. Diese Ehe hätten sie am 14. Oktober 2010  beim  Gericht  registrieren  lassen.  Da  er  mit  dem  Bezirksführer  der  ATI  verfeindet  gewesen  sei  und  eine  neue  Studentenbewegung  habe  gründen  wollen,  habe  die  ATI  zusammen  mit  Politikern,  Grossgrundbesitzern  und  Islamisten  sowie  seinem  Schwiegervater  wegen  dieser  Heirat  ein  Komplott  gegen  ihn  geschmiedet. Weil  er  und  F._______  erfahren  hätten,  dass  sie  von  ihren  Verwandten  gesucht   würden, hätten  sie  sich  in der Folge  versteckt.  Am  4. November 2010  seien sie in G._______ von Mitgliedern der ATI gefangengenommen und  nach  E._______  zurückgebracht  worden,  wo  man  sie  eingesperrt  und  misshandelt habe. Am 6. November 2010 habe man sie zu einem Platz  am  Dorfrand  gebracht,  wo  sie  vor  den  Augen  vieler  Leute  erneut  misshandelt  worden  seien.  Seine  Frau  sei  an  diesen  Misshandlungen  gestorben. Später sei die Polizei auf den Platz gekommen und habe ihn  mitgenommen.  Da  er  aufgrund  der  Folterungen  stark  verletzt  gewesen  sei, habe ihn die Polizei in ein Spital eingeliefert. Am folgenden Tag habe  er mit der Hilfe seiner Mutter und seines Onkels aus dem Spital  fliehen  können.  Im Nachhinein  habe er  erfahren,  dass  sein Schwiegervater  ihn  bei  der  Polizei  angezeigt  habe.  Ihm  werde  nun  von  der  Polizei 

D­149/2011 vorgeworfen,  seine  Frau  entführt,  vergewaltigt  und  ermordet  sowie  das  Haus  seiner  Schwiegereltern  angezündet  zu  haben.  Aufgrund  seiner  Heirat  mit  einer  Christin  sei  seine  ganze  Familie  gegen  ihn,  und  sein  Vater sowie sein Bruder würden ihn verfolgen. Aus diesen Gründen sei er  am 9. November 2010 aus seinem Heimatland ausgereist. Bezüglich der  weiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird auf die Akten verwiesen.  Im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  reichte  der  Beschwerdeführer  einen  Ausweis  der  ATI,  einen Geburtsschein,  eine Domizilbescheinigung,  vier  ärztliche Kurzberichte,  zwei  FIR  (First  Information Reports),  einen  post­ mortem­Rapport  der  Polizei,  eine  Identitätskarte,  fünf  Zeitungsausschnitte,  Schulzeugnisse  sowie  eine  Heiratsbestätigung  (jeweils in Kopie) zu den Akten.  C.  Mit  Verfügung  vom  10.  Dezember  2010  –  eröffnet  am  gleichen  Tag –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht.  Es  lehnte  sein Asylgesuch  ab  und  ordnete  seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.  Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Aussagen des  Beschwerdeführers seien in wesentlichen Punkten weder nachvollziehbar  noch substanziiert. Zudem enthielten die Vorbringen Wiedersprüche. So  sei der Beschwerdeführer beispielsweise nicht in der Lage gewesen, über  seine Studentenorganisation,  in der er ein örtlicher Führer gewesen sein  und  aufgrund  deren  Mitgliedschaft  er  erhebliche  Probleme  bekommen  haben wolle, Auskunft zu geben. Weiter habe er  im Zusammenhang mit  dem  gegen  ihn  gerichteten  Komplott  erzählt,  er  habe  eine  neue  Studentenorganisation gründen wollen, weswegen die Islamisten und die  Politiker  gegen  ihn  intrigiert  hätten.  Er  sei  aber  nicht  in  der  Lage  gewesen, detailliert über seine konkreten Pläne Auskunft  zu geben. Auf  mehrfache  Nachfrage  hin  habe  lediglich  in  Erfahrung  gebracht  werden  können, dass er eine Organisation habe gründen wollen, die friedlich sei;  er habe dies tun wollen, um nicht mehr von anderen belästigt zu werden.  Diese Aussagen vermöchten in keiner Weise zu überzeugen und könnten  daher nicht geglaubt werden. Bezüglich der Heirat mit seiner christlichen  Freundin müsse festgehalten werden, dass auch diese Aussagen nicht zu  überzeugen  vermöchten.  So  habe  er  einerseits  erzählt,  alle  Freunde  hätten  von  ihrer  Beziehung  gewusst,  die  Freundin  sei  überall  dabei  gewesen,  sie  habe  im  gleichen  Quartier  gewohnt.  Sie  sei  häufig  vorbeigekommen,  habe  für  ihn  gekocht  und  ihm  Geschenke  gemacht. 

D­149/2011 Andererseits  habe  er  erzählt,  die  Quartierbewohner  hätten  nichts  von  ihrer  Beziehung  gewusst,  sie  hätten  sich  jeweils  heimlich  besucht,  niemand habe etwas bemerkt. Schliesslich seien auch die Vorbringen des  Beschwerdeführers  betreffend  seine Flucht  aus  dem Krankenhaus  nicht  glaubhaft. An obiger Einschätzung vermöchten auch die von ihm in Kopie  eingereichten  Dokumente  nichts  zu  ändern,  zumal  ihnen  keinerlei  Beweiswert  zukomme.  Vor  dem  Hintergrund  dieser  Widersprüche  und  Ungereimtheiten  hielten  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  somit  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass  ihre asylrechtliche Relevanz nicht geprüft werden müsse. Den Vollzug der  Wegweisung  erachtete  die  Vorinstanz  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Für  den weiteren  Inhalt wird  auf  die  vorinstanzliche Verfügung  verwiesen.  D.  Am 14. Dezember  2010  trafen  bei  der Vorinstanz  ein Ausweis  der ATI,  ein Führerausweis,  zwei  Identitätskarten,  eine Zeitungsanzeige  vom 12.  November 2010,  eine Domizilbescheinigung,  vier  ärztliche Kurzberichte,  eine  Heiratsbestätigung,  zwei  Geburtsscheine,  eine  fremdsprachige  Berichtigungsklage,  datiert  vom  21.  Juli  2010  (in  Kopie),  ein  DHL­ Umschlag sowie ein DHL­Versandschein ein. E.  Mit Beschwerde vom 10. Januar 2011 an das Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  in  materieller  Hinsicht  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  10.  Dezember  2010  sei  aufzuheben,  es  sei  festzustellen,  dass  er  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle, und es sei ihm Asyl in der Schweiz zu gewähren. Eventualiter sei  festzustellen,  dass  für  ihn  eine  Rückkehr  in  sein  Heimatland  nicht  zumutbar  respektive  nicht  zulässig  sei,  und  es  sei  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  zu  gewähren.  Subeventualiter  sei  die  Vorinstanz anzuweisen, sein Asylverfahren wieder aufzunehmen und den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unter  Wahrung  seiner  Verfahrensrechte  pflichtgemäss  zu  ermitteln  und  festzustellen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  Bewilligung  der  unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit für  den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. 

D­149/2011 Mit  der  Rechtsmittelschrift  reichte  der  Beschwerdeführer  die  folgenden,  teilweise  bereits  bei  der  Vorinstanz  eingereichten  Dokumente  zu  den  Akten: Ein ärztliches Kurzzeugnis von Dr. med. H._______ vom 3. Januar  2011  (in  Kopie),  mehrere  fremdsprachige  Zeitungsartikel  (in  Kopie,  inklusive deutscher Übersetzung), zwei FIR (in Kopie,  inklusive teilweise  deutscher  Übersetzung),  zwei  Zeitungsanzeigen  vom  4.  und  12.  November  2010  (in  Kopie,  inklusive  deutscher  Übersetzung),  eine  Vielzahl  von  Berichten  über  die  Situation  in  Pakistan,  eine  Fürsorgebestätigung vom 5. Januar 2011 sowie eine Honorarnote vom 7.  Januar 2011. Mit  Schreiben  vom  12.  Januar  2011  liess  der  Beschwerdeführer  unter  anderem  mitteilen,  dass  er  sich  seit  dem  10.  Januar  2011  in  der  Kantonalen Psychiatrischen Klinik in I._______ befinde.  F.  Mit Verfügung des  Instruktionsrichters vom 14. Januar 2011 wurde dem  Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der  Schweiz  abwarten  könne.  Ferner  forderte  der  Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  1.  Februar  2011  die  am  14.  Dezember  2010  dem  BFM  eingereichten  Beweismittel  in  eine  Amtssprache  übersetzt  einzureichen,  sofern  sich  nicht  bereits  eine  Übersetzung  bei  den  Akten  befinde.  Überdies  verfügte  der  Instruktionsrichter,  dass  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Endentscheid befunden und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  verzichtet werde.  G.  Mit  Schreiben  vom  1.  Februar  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  deutsche  Übersetzung  der  (eingereichten) Identitätskarten, eine teilweise deutsche Übersetzung der  Berichtigungsklage  vom  21.  Juli  2010  sowie  die  Kopie  einer  Identitätskarte (inklusive deutscher Übersetzung) zu den Akten.  H.  Mit Eingabe vom 9. März 2011 liess der Beschwerdeführer zuhanden des  Bundesverwaltungsgerichts  einen  NZZ­Artikel  vom  3.  März  2011  zur  religiösen Toleranz in Pakistan einreichen.  I.  Mit Schreiben vom 17. August 2011 reichte der Beschwerdeführer einen 

D­149/2011 ärztlichen  Bericht  von  Dres.  med.  J._______  und  K._______  (Externe  Psychiatrische Dienste I._______) vom 4. August 2011 zu den Akten.  J.  Mit  Eingabe  vom  1.  September  2011  gab  der  Beschwerdeführer  einen  Totenschein  betreffend  F._______,  eine  Zeitungsanzeige  vom  2.  Juni  2011  (inklusive  deutscher  Übersetzung)  sowie  ein  englischsprachiges  Bestätigungsschreiben vom 1. August 2011 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor,  weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2.   Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.   Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht   eingereicht   (Art.  108   Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist somit einzutreten.

D­149/2011 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern beziehungsweise Richterinnen  (Spruchkörper;  vgl. Art.  21 Abs.  1 VGG). Gestützt  auf Art.  111a Abs.  1  AsylG kann das Bundesverwaltungsgericht auch in solchen Fällen auf die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten.  4.  4.1.  Der  Beschwerdeführer  stellt  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  das  Subeventualbegehren, die Verfügung des BFM vom 10. Dezember 2010  sei  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  sein  Asylverfahren  wieder  aufzunehmen  und  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unter  Wahrung  seiner  Verfahrensrechte  pflichtgemäss  zu  ermitteln  und  festzustellen.  Zur Begründung bringt  er  vor,  es  sei  im  vorliegenden Fall  auffallend,  dass  die  durchgeführte  Anhörung  äusserst  kurz  und  oberflächlich  ausgefallen  sei.  Es  seien  lange  und  intensive  Klientengespräche  notwendig  gewesen,  um den Sachverhalt  ergänzend  und  für die Unterzeichnende verständlich zu eruieren. Diese Gespräche  hätten  jedoch  in  englischer  Sprache  stattgefunden  und  ihnen  komme  nicht  die  gleiche  Verbindlichkeit  und  der  gleiche  Beweiswert  wie  einer  Anhörung zu,  "weshalb es wünschenswert wäre,  ihn einer ergänzenden  Zusatzanhörung  zu  seinen  Asylgründen  und  möglichen  Wegweisungsvollzugshindernissen  zu  unterziehen".  Die  von  der  Vorinstanz  unter  F.89  gestellte  Frage  nach  der  Vollständigkeit  der  gemachten  Aussagen  dürfe  ihm  nicht  vorgehalten  werden,  denn  es  sei  bekanntlich  für  Asylgesuchsteller  nicht  nachvollziehbar,  in  welcher  detailgetreuer Weise sie ihre Asylgründe darlegen müssten, so dass sich  die Vorinstanz dadurch nicht von  ihrer Pflicht  zur Stellung von gezielten  und klärenden Fragen entbinden könne. Es sei somit zusammenfassend  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  den  Anspruch  auf  rechtsgenügliche  Abklärung  des  Sachverhalts  und  auf  Wahrung  des  rechtlichen  Gehörs  verletzt habe.  4.2.  Die  Rügen  der  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  respektive  der  fehlerhaften Feststellung des  rechtserheblichen Sachverhalts  sind vorab  zu  prüfen,  da  sie  allenfalls  geeignet  wären,  eine  Kassation  der 

D­149/2011 vorinstanzlichen  Verfügung  zu  bewirken  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 38  und  EMARK  1994  Nr.  1;  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233, mit weiteren  Hinweisen,  S.  287  und  297  f.;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen). 4.3.  Aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  [BV,  SR  101];  Art.  29  ff.  VwVG  i.V.m.  Art.  6  und  Art.  29  AsylG)  ergibt  sich,  dass  Asylsuchende  zu  ihren  Asylgründen  anzuhören  und  ihnen  das  Recht  zur  Äusserung  zu  gewähren  ist.  Zudem  sichert  ihnen  das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung  (vgl. Art. 30 Abs. 1  VwVG) die Möglichkeit, Einfluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen  Sachverhaltes zu nehmen. 4.4. Hinsichtlich der Rüge, die Anhörung sei nicht ausreichend  lang und  zu  wenig  detailliert  ausgefallen,  was  zur  Folge  gehabt  habe,  dass  der  rechtserhebliche Sachverhalt von der Vorinstanz ungenügend festgestellt  worden  sei,  ist  vorab  festzuhalten,  dass  dem  Sachbearbeiter  des  BFM  hinsichtlich  der  Fragen,  die  er  bei  einer  Anhörung  stellen  will,  ein  gewisses  Ermessen  zukommt.  Im  konkreten  Fall  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  die  vom  Sachbearbeiter  anlässlich  der  Anhörung  vom  8.  Dezember  2010  gestellten  Fragen  insgesamt  zielgerichtet  und  zweckmässig  waren.  Zum  sinngemässen  Vorwurf  des Beschwerdeführers,  er  habe  anlässlich  der Anhörung  nicht  alles Wesentliche aussagen können, da  ihm keine Gelegenheit geboten  worden  sei,  weitere  Aussagen  zu  machen,  ist  zu  bemerken,  dass  aus  dem  Anhörungsprotokoll  vom  8.  Dezember  2010   nicht  ersichtlich  ist,  dass er vom Sachbearbeiter immer wieder unterbrochen worden wäre, so  dass  er  keine  Gelegenheit  gehabt  hätte,  sich  ausreichend  zu  seinen  Asylgründen zu äussern. Zudem wurde dem Beschwerdeführer am Ende  der  Anhörung  die  Gelegenheit  eingeräumt,  Ergänzungen  zu  seinem  Asylgesuch  vorzutragen,  weshalb  zu  schliessen  ist,  er  habe  anlässlich  der  Anhörung  genügend  Gelegenheit  gehabt,  sich  zu  seinen  Asylvorbringen  zu  äussern.  Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  auch  seitens  der  bei  der  Anhörung  anwesenden  Hilfswerksvertreterin  keine  Einwände  hinsichtlich  des  Befragungsstils  oder  der  Korrektheit  der  Anhörung vorgebracht wurden.

D­149/2011 Es kann daher festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer während  der  Anhörung  in  ausreichendem  Masse  befragt  wurde  und  zudem  genügend Gelegenheit hatte, sich zu äussern. Es ist darauf hinzuweisen,  dass  er  zu  vielen  gestellten  Fragen  keine  oder  nur  eine  ausweichend  Antwort hat geben können beziehungsweise sich nur kurz geäussert hat  (vgl.  dazu  beispielsweise  Akten  BFM  A  9/12,  S.  7  unten,  bezüglich  Aufbau der ATI). Dieser Umstand kann dem Befrager des BFM nicht zum  Vorwurf gemacht werden. Zudem hängt die Aussagekraft eines Protokolls  beziehungsweise einer Befragung nicht von deren Dauer ab.  4.5.  Nach  dem  Gesagten  hat  die  Vorinstanz  den  rechtserheblichen  Sachverhalt ausreichend  festgestellt. Bei dieser Sachlage besteht daher  keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen  aufzuheben, weshalb das Subeventualbegehren des Beschwerdeführers  abzuweisen ist. 5.  5.1.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat.  5.2.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken  (Art.  3  AsylG). Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 

D­149/2011 6.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  mit  der  Begründung  ab,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. 6.2.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie  genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen  sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die  nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art.  7 AsylG; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 6.3.  Vorab  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Wortlaut  sämtlicher  Protokolle  mit  seiner  Unterschrift  bestätigt  hat  und  sich  deshalb  seine  Aussagen  entgegenhalten  lassen  muss.  Im Weiteren  ist  darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asylsuchenden Person im  Empfangszentrum  zu  den  Asylgründen  angesichts  des  summarischen  Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein  beschränkter Beweiswert  zukommt  (vgl. EMARK 2005 Nr.  7 E.  6.2.1 S.  66 und die dort zitierte, weiterhin gültige Praxis). Widersprüche dürfen nur  dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren  Aussagen  in  der  Anhörung  beim  Kanton  oder  beim  BFM  diametral  abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  bei  der  Befragung im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden. 6.4.  In  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  ist  festzuhalten,  dass  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  in  wesentlichen  Punkten  wider­ sprüchlich ausgefallen sind. So machte er anlässlich der Kurzbefragung  zunächst  geltend,  er  habe  bei  der  ATI  keine  besondere  Funktion  innegehabt,  er  sei  nur  politischer  Arbeiter  gewesen  (A  2/11  S.  5),  um 

D­149/2011 später sowie bei der Anhörung anzugeben, er habe eine  führende Rolle  in  seinem  Gebiet  gehabt,  er  sei  für  die  Studenten,  die  in  Chawinda  gewohnt  hätten,  zuständig  gewesen  (A  2/11  S.  6,  A  9/12  S.  7).  Widersprüchlich  äusserte  er  sich  auch  zu  seinen Tätigkeiten  als  lokaler  Führer der ATI: So gab er anlässlich der Anhörung zu Protokoll, er habe  lediglich die örtlichen Schüler zusammengetrommelt und zu Streitigkeiten  insbesondere  mit  gegnerischen  Organisationen  sowie  zu  Demos  hingebracht  (A  9/12  S.  7  F63),  währenddem  er  in  der  Beschwerde  vorbrachte,  er  habe  als  lokaler  Führer  Schutzgelder  von  Transportunternehmen  eingetrieben,  sich  um  die  Beschaffung  von  Spendengeldern  bemüht  sowie  Demos  und  andere  Veranstaltungen  organisiert  (Beschwerdeschrift,  S.  5).  Im  Weiteren  sagte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  aus,  er  sei  am  5.  November  2010  von  seinen  Kollegen  der  Studentenbewegung  entführt  worden  (A  2/11  S.  5),  bei  der  Anhörung  brachte  er  dagegen  vor,  man  habe  ihn  und  seine Frau  am 4. November  2010  entführt  (A  9/12 S.  5).  Überdies führte er anlässlich der Kurzbefragung aus, der Imam habe die  Polizei gerufen, die ihn am 6. November 2010 verhaftet habe (A 2/11 S. 5  f.),  um  bei  der  Anhörung  geltend  zu  machen,  er  wisse  nicht,  wer  die  Polizei  bestellt  habe,  die  ihn  verhaftet  habe  (A  9/12  S.  5).  Ausserdem  sagte der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung aus, er wisse  nicht,  ob  sein Onkel  dem Polizisten,  der  sie  vor  seiner  Flucht  aus  dem  Spital am 7. November 2010 in die Kantine begleitet habe, Geld gegeben  habe  (A  2/11   S.  7),  wohingegen  er  anlässlich  der  Anhörung  geltend  machte, sein Onkel habe den Polizisten bestochen (A 9/12 S. 6). Die persönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers ist auch deshalb  in  Frage  gestellt,  weil  er  unbegründet  wesentliche  Sachverhaltsvorbringen  erst  bei  der  Anhörung  vorbrachte.  So  sagte  er  anlässlich  der  Anhörung  aus,  am  6.  November  2011  seien  er  und  F._______ auf einen offenen Platz am Dorfrand von E._______ gebracht  worden,  wo  man  sie  vor  vielen  anwesenden  Leuten  gefoltert  habe,  woraufhin F._______ gestorben sei (A 9/12 S. 5). Bei der Kurzbefragung  erwähnte er dies noch mit  keinem Wort, obwohl er damals ausreichend  Gelegenheit dazu gehabt hätte (A 2/11 S. 5 ff.). Zudem gab er anlässlich  der Anhörung zu Protokoll, es habe ein Komplott der Grossgrundbesitzer,  der Politiker, der Studentengewerkschaften, der  Islamisten sowie seines  Schwiegervaters gegen ihn gegeben (A 9/12 S. 6). Bei der Kurzbefragung  brachte er nicht ansatzweise solches vor, was nicht nachvollziehbar ist.

D­149/2011 Gegen die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgungsvorbringen  spricht  ausserdem  der Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der Anhörung nicht  in der Lage war, substanziierte Angaben hinsichtlich  des Aufbaus  der ATI  zu machen  (A  9/12 S.  7  f.),  obwohl  er  ein  lokaler  Führer  dieser  Studentenorganisation  gewesen  sein  will  (A  9/12  S.  7).  Hätte er tatsächlich – wie behauptet – diese Stellung innegehabt, hätte er  diesbezüglich  detaillierter  Auskunft  auch  bezüglich  seines  persönlichen  Aufgabenbereichs,  geben  können  und  müssen.  Die  diesbezüglichen  Ausführungen in der Rechtsmittelschrift, er habe zu den für ihn relevanten  Ansprechpersonen  genaue  Angaben  machen  und  Namen  nennen  können, vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Unglaubhaft  ist  überdies  die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  es  habe  ein  Komplott  der  Grossgrundbesitzer,  der  Politiker,  der  Studentengewerkschaften,  der  Islamisten  sowie  seines Schwiegervaters  gegen  ihn  gegeben,  da  er  zusammen  mit  anderen  eine  "getrennte"  Studentenorganisation  habe  gründen  wollen  (A  9/12  S.  6),  zumal  nicht  nachvollziehbar ist, dass lediglich wegen einer geplanten Gründung einer  neuen  Studentenorganisation  ein  derart  umfangreiches  Komplott  gegen  ihn  hätte  gebildet werden  sollen.  Abgesehen  davon  ist  es  aufgrund  der  gesellschaftlichen  Gegebenheiten  in  Pakistan  unrealistisch,  dass  der  Schwiegervater  des  Beschwerdeführers,  ein  Christ,  sich  zusammen mit  Islamisten daran beteiligt haben soll.  Schliesslich  ist  die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  er  sei  mit  F._______  liiert  gewesen,  nicht  glaubhaft,  da  er  diesbezüglich  unsubstanziierte  und  unrealistische  Aussagen  machte.  So  war  er  insbesondere  nicht  in  der  Lage   anzugeben,  seit   wann  er   eine   Beziehung   mit   F._______  gehabt   habe   (A  9/12  S.  9),  was  nicht  nachvollziehbar  ist.  Zudem  erscheint  die  Aussage  des  Beschwerdeführers, die Quartierbewohner sowie seine Eltern hätten von  dieser  Beziehung  nichts  gewusst,  in  Berücksichtigung  der  angeblich  strenggläubigen  Dorfbewohner  von  E._______  (vgl.  A  9/12  S.  10)  realitätsfremd,  zumal  der Beschwerdeführer  geltend machte,  F._______  sei überall dabei gewesen, habe ihn zu Hause besucht, ihn gegen seinen  Vater verteidigt, für ihn gekocht und ihm Geschenke gebracht (A 9/12 S.  9 f.). Die behauptete Liaison mit F._______ erscheint auch im Kontext der  gesellschaftlichen  Strukturen  in  Pakistan  nicht  nachvollziehbar,  da  F._______ angeblich aus einer christlichen Familie stammte und es sich  beim Vater des Beschwerdeführers um einen strengen Mann handeln soll  (A  9/12  S.  9).  Die  diesbezüglichen  Ausführungen  in  der  Beschwerde 

D­149/2011 vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern, so insbesondere die  Behauptung,  es  sei  für  die  Familie  von  F._______  eine Ehre  gewesen,  wenn  er  F._______  beim  Studium  geholfen  habe,  da  er  aus  einer  gesellschaftlich besser gestellten Familie stamme. Gestützt auf das vorstehend Ausgeführte  ist zu schliessen, dass es sich  bei der  von  ihm geltend gemachten Verfolgung  in Pakistan  lediglich um  ein Konstrukt handelt. Die zahlreich eingereichten Beweismittel sind nicht  geeignet,  die  behauptete  Verfolgung  glaubhaft  zu  machen,  zumal  es  gerichtsnotorisch ist, dass insbesondere Asylbewerber aus Pakistan unter  Inanspruchnahme  unlauterer  Machenschaften  behördliche  und  andere  Dokumente zur Stützung ihrer Asylvorträge beibringen (vgl. EMARK 1994  Nr.  26  S.  194),  weshalb  der  Beweiswert  der  zu  den  Akten  gereichten  Beweismittel  nur  als  gering  einzustufen  ist.  Im  Übrigen  erstaunt  in  Berücksichtigung  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  seine  ganze  Familie  sei  gegen  ihn  (A  9/12  S.  9),  dass  ihm  sein  Cousin  und  sein  Bruder geholfen haben sollen, diese Beweismittel beizubringen.  An  der Unglaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten Verfolgungsvorbringen  ändert auch nichts, dass im ärztlichen Bericht von Dres. med. J._______  und  K._______  vom  4.  August  2011  festgehalten  wird,  der  Beschwerdeführer  leide  aufgrund  der  von  ihm  geltend  gemachten  Vorbringen  in  seinem  Heimatland  an  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  sowie  initial  schweren  depressiven  Episoden  ohne  psychotische Symptome. Vorliegend wird  eine  allfällige  Traumatisierung  des Beschwerdeführers  seitens  des Bundesverwaltungsgerichts  nicht  in  Abrede  gestellt.  Was  indes  die  Feststellbarkeit  der  Ursachen  einer  Traumatisierung  betrifft,  so  hat  die  vormalige  Schweizerische  Asylrekurskommission bereits  im Jahre 1994  in einem unveröffentlichten  Urteil vom 25. Mai 1994  (auszugsweise publiziert  in Asyl 1994/4, S. 92)  ausgeführt:  "Glaubhaft  gemacht  ist  aufgrund  der  gutachterlichen  Feststellung einer posttraumatischen Belastungsstörung einzig, dass die  Beschwerdeführerin  ein  traumatisierendes  Ereignis  erlebt  haben  muss.  Die  genauen  Umstände  dieses  Erlebnisses  –  was  für  die  Frage  der  Asylrelevanz  von  entscheidender  Bedeutung  wäre  –  bleiben  indessen  unklar. Da im Asylverfahren für den Nachweis der Flüchtlingseigenschaft  – trotz  des  herabgesetzten  Beweismassstabs  und  des  dabei  geltenden  Untersuchungsgrundsatzes – der/die Asylgesuchsteller/in die Beweislast  (d.h. die Folgen des misslungenen Nachweises)  trägt, kann aus diesem  Grund der Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt  werden".  Dieser  Beurteilung  der  Beweiskraft  einer  psychiatrischen 

D­149/2011 Diagnose  ist  auch  im  vorliegenden  Verfahren  zuzustimmen.  "Mit  psychiatrisch­psychotherapeutischen  Mitteln  kann  nicht  sicher  erschlossen  werden,  ob  tatsächlich  in  der  Vorgeschichte  ein  Ereignis  vorlag und wie dieses geartet war" (MARTIN LEONHARDT/KLAUS FOERSTER,  Probleme  bei  der  Begutachtung  der  posttraumatischen  Belastungsstörung,  in:  Der medizinische  Sachverständige  99  [2003],  S.  151).  Die  beim  Beschwerdeführer  diagnostizierte  posttraumatische  Belastungsstörung  bildet  keinen  Hinweis  für  asylrechtlich  relevante  Ereignisse  (vgl.  auch  Urteil  des   Bundesverwaltungsgerichts   D­ 5266/2006   vom   29.   Januar  2008   E.  3.4  S.  11),  zumal,  wie  bereits  dargelegt  wurde,  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  als  unglaubhaft zu erachten sind. Bei dieser Sachlage sind den eingereichten  medizinischen  Unterlagen  keine  stichhaltigen  Hinweise  für  eine  mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  bestehende  asylrelevante  Verfolgung  zu  entnehmen,  da  die Ursachen  der  diagnostizierten  posttraumatischen  Belastungsstörung nicht zweifelsfrei eruierbar sind. Zusammenfassend  ist  somit  festzustellen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen, dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG  erlitten hat oder solche bei der Ausreise zu befürchten hatte oder im Falle  einer Rückkehr  nach Pakistan  befürchten müsste. Nach  dem Gesagten  erübrigt es sich, auf die Ausführungen und Einwände in der Beschwerde  beziehungsweise die eingereichten Beweismittel weiter einzugehen, weil  sie  nicht  zu  einer  von  der  Vorinstanz  veränderten  Betrachtungsweise  führen. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach  zu Recht abgelehnt.  7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9.). 8. 

D­149/2011 8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2.  8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  BV,  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  er­niedrigender  Strafe  oder  Behandlung unterworfen werden. 8.2.2.  Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­ Refoulement  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft 

D­149/2011 erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  der  Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.  Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Pakistan ist demnach unter  dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Pakistan  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127, mit weiteren  Hinweisen). Das ist jedoch vorliegend nicht der Fall, da – wie vorstehend  unter Ziffer 5.4. der Erwägungen dargelegt wird – die geltend gemachte  Verfolgungssituation  nicht  geglaubt  werden  kann.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation in Pakistan lässt den Wegweisungsvollzug zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.  Wie  dem  ärztlichen  Bericht  von  Dres.  med.  J._______  und  K._______  (Externe  Psychiatrische  Dienste  I._______)  vom  4.  August  2011  zu  entnehmen  ist,  wurde  beim  Beschwerdeführer  eine  posttraumatischen  Belastungsstörung (ICD­10; F43.1) sowie eine initial schwere depressive  Episode  ohne  psychotische  Symptome  (ICD­10;  F32.2)  diagnostiziert.  Diese  gesundheitlichen  Probleme  stellen  selbst  dann  unter  dem  Blickwinkel von Art. 3 EMRK kein völkerrechtliches Vollzugshindernis dar,  wenn  in seinem Heimatland der medizinische Standard schlechter als  in  der  Schweiz  wäre,  da  die  Ausweisung  einer  unter  gesundheitlichen  Beschwerden  leidenden  Person  nur  unter  ganz  aussergewöhnlichen  Umständen  eine  Verletzung  von  Art.  3  EMRK  zur  Folge  hat  (vgl.  Urteil  des  EGMR  vom  27.  Mai  2008  i.S.  N.  gegen  Vereinigtes  Königreich  [Grossbritannien], Ziffn. 34, 42, 43, 44, Beschwerde Nr. 26565/05; BVGE  2009/2  E.  9.1.3;  EMARK  2004  Nr.  6  E.  7  S.  40  ff.).  Solche  ganz  aussergewöhnlichen  Umstände  sind  vorliegend  nicht  gegeben,  zumal  sich der Zustand des Beschwerdeführers gemäss dem ärztlichen Bericht  vom 4. August 2011 etwas stabilisiert hat. 

D­149/2011 Im erwähnten ärztlichen Bericht vom 4. August 2011 wird zudem geltend  gemacht,  dass  es  bei  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  sein  Heimatland  voraussichtlich  zu  einer  Retraumatisierung  verbunden  mit  erneuter  akuter  Suizidalität  kommen  werde.  Im  Falle  einer  drohenden  Suizidalität ist nach dem EGMR der wegweisende Staat nicht verpflichtet,  vom  Vollzug  der  Ausweisung  Abstand  zu  nehmen;  solange  er  Massnahmen  ergreift,  um  die  Umsetzung  der  Suiziddrohung  zu  verhindern,  vermag  die  Ausschaffung  nicht  gegen  Art.  3  EMRK  zu  verstossen  (vgl.  den  Unzulässigkeitsentscheid  des  EGMR  vom  7.  Oktober 2004 i.S. Dragan und andere gegen Deutschland, Nr. 33743/03,  angeführt in EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1 S. 212). Der geltend gemachten  Suizidalität  des  Beschwerdeführers  ist  deshalb  durch  Heranziehen  von  medizinischem Fachpersonal bei der Ausschaffung Rechnung zu tragen. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3.  8.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.  8.3.2.  In Pakistan  herrscht  zur  Zeit weder Krieg  oder Bürgerkrieg,  noch  liegt eine Situation allgemeiner Gewalt vor. Es bleibt demnach zu prüfen,  ob  individuelle  Gründe  vorliegen,  die  eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  seinen  Heimatstaat  als  unzumutbar  erscheinen  lassen.  Insbesondere  ist  zu  prüfen,  ob  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen Beschwerden ein individuelles Vollzugshindernis bilden. 8.3.3. Nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kann im Rahmen  der Tatbestandsvariante der medizinischen Notlage im Sinne von Art. 83  Abs.  4  AuG  nur  dann  auf  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  geschlossen werden, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im  Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen  und  lebensgefährdenden  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustandes  der  betroffenen  Person  führt,  wobei  als  wesentlich  die  allgemeine  und  dringende  medizinische  Behandlung  erachtet  wird,  welche  zur  Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. 

D­149/2011 Unzumutbarkeit  liegt  jedenfalls  dann  noch  nicht  vor,  wenn  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  eine  nicht  dem  schweizerischen  Standard  entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009 Nr.  2 E. 9.3.2, mit einem Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und 5b). 8.3.4.  Im  ärztlichen  Bericht  von  Dres.  med.  J._______  und  K._______  vom  4.  August  2011  wird  im  Wesentlichen  festgehalten,  dass  der  Beschwerdeführer  unter  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  (ICD­10;  F43.1)  sowie  einer  initial  schweren  depressiven  Episode  ohne  psychotische  Symptome  (ICD­10;  F32.2)  leide.  Bezüglich  Behandlung  des Beschwerdeführers wird im Bericht ausgeführt, dass diese aus einer  psychopharmakologischer Begleitung,  psychoedukativen Elementen und  kognitivverhaltenstherapeutisch  orientierten  Einzelsitzungen,  welche  je  nach  Zustandsbild  in  wöchentlichen  bis  zweiwöchentlichen  Anständen  stattfänden,  bestehe.  Es  wird  im  Bericht  festgehalten,  dass  diese  Behandlung zur Begleitung und Stabilisierung des Zustandsbildes weiter  fortgeführt werden sollte. 8.3.5.  Gemäss  Einschätzungen  des  U.S.  State  Departement  und  des  U.K.  Home  Office  präsentiert  sich  die  qualitative  Situation  des  pakistanischen  Gesundheitswesens  (mit  Ausnahmen)  in  einem  schlechten Zustand. In Pakistan existiert kein staatliches und garantiertes  soziales  Sicherheitsnetz  mit  Leistungsanspruch  auf  der  Grundlage  individueller  Beitragszahlungen.  Qualitativ  und  quantitativ  hochwertige  Leistungen  im  Gesundheitswesen  werden  in  erster  Linie  von  privaten  Hospitälern  angeboten,  die  sich  fast  ausschliesslich  in  urbanen  Gegenden  befinden.  In  ländlichen  Gebieten  ist  die  medizinische  Versorgung  deshalb  als  schlechter  zu  qualifizieren  als  in  städtischen.  Trotz des Umstandes, dass die allgemeinen Zustände im pakistanischen  Gesundheitswesens nicht an westliche Standards heranreichen, ist davon  auszugehen, dass Pakistan eine weitgehend funktionierende Infrastruktur  auch  im  Gesundheitswesen  aufweist.  Dies  ist  insbesondere  in  Grossstädten wie Islamabad, Karachi und Lahore der Fall. Da in Pakistan  keine allgemeine Krankenversicherung existiert, muss ein Patient  in den  meisten  Fällen  selbst  für  die  Kosten  der  Behandlung  aufkommen.  Dies  gilt  insbesondere  für  Medikamente,  welche  der  Patient  benötigt.  Arztkonsultationen können – vor allem bei staatlich geführten Institutionen  – unentgeltlich oder zu einem  reduzierten Preis  in Anspruch genommen  werden.  Staatliche  Unterstützung  kann  einem  Patienten  in  gewissen  Fällen gewährt werden,  ist aber unüblich und wird stets von Fall zu Fall  von  den  Behörden  vor  Ort  geprüft  (vgl.  FLORIAN  LÜTHI/MICHAEL 

D­149/2011 KIRSCHNER,  Pakistan:  Behandlung  von  Personen  mit  kardiovaskulären  Insuffizienzen  in  Lahore,  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  [SFH],  27.  April  2005,  mit  entsprechenden  Quellenangaben).  Aufgrund  des  soeben  Ausgeführten  und des Hinweises  im ärztlichen Bericht von Dres. med. J._______ und  K._______ vom 4. August 2011, wonach eine Depression sicherlich auch  in  Pakistan  entsprechend  behandelt  werden  könne,  ist  anzunehmen,  dass der Beschwerdeführer die notwendige medizinische Behandlung  in  seinem Heimatland grundsätzlich erhältlich machen kann, dies auch unter  Berücksichtigung,  dass  sich  das  Dorf  E._______,  wo  der  Beschwerdeführer  vor  seiner  Ausreise  aus  Pakistan  gelebt  hat,  und  wohin er wahrscheinlich auch  zurückkehren wird,  relativ  nahe der Stadt  Islamabad befindet.  Wie  vorstehend unter Ziffer  5.4.  der Erwägungen  festgestellt wird,  kann  die  vom Beschwerdeführer  geltend  gemachte Verfolgungssituation  nicht  geglaubt  werden,  weswegen  davon  auszugehen  ist,  dass  seine  gesundheitlichen  Beschwerden  nicht  darauf  zurückzuführen  sind,  sondern eine andere Ursache haben. Entgegen der im ärztlichen Bericht  vom  4.  August  2011  vertretenen  Meinung  ist  demnach  auch  nicht  anzunehmen,  er  werde  bei  einer  Rückkehr  nach  Pakistan  eine  Retraumatisierung  erleiden.  Aufgrund  der  Unglaubhaftigkeit  der  vom  Beschwerdeführer  geltend gemachten Asylvorbringen  kann  zudem nicht  geglaubt werden, dass er von seiner Familie verstossen wurde, wie das  von  ihm behauptet wird. Es  ist  deshalb davon auszugehen, dass er bei  einer Rückkehr in sein Heimatland bei der Finanzierung der notwendigen  medizinischen  Behandlungen  durch  seine  Eltern  und  Geschwister  unterstützt  wird.  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  überdies  unbenommen,  beim  BFM  einen  Antrag  auf medizinische Rückkehrhilfe  zu  stellen  (vgl.  Art.  75  der  Asylverordnung  2  vom  11.  August  1999  über  Finanzierungsfragen  [AsylV  2,  SR  142.312]).  Betreffend  die  weitere  Finanzierung  der  medizinischen  Behandlung  ist  festzuhalten,  dass  der  Wegweisungsvollzug  auch  zumutbar  ist,  wenn  die  medizinische  Behandlung nicht  lebenslang sichergestellt  ist  (vgl. EMARK 2003 Nr. 24  E.  5e).  Der  Umstand,  dass  die  Behandlungsmöglichkeiten  im  Herkunftsland  nicht  dem  medizinischen  Standard  in  der  Schweiz  entsprechen,  macht  den  Vollzug  der  Wegweisung  für  den  Beschwerdeführer  nicht  unzumutbar;  dies  wäre  einzig  dann  der  Fall,  wenn  die  ungenügende  Möglichkeit  der  Weiterbehandlung  eine  drastische  und  lebensbedrohende  Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes  nach  sich  ziehen  würde  (vgl.  BVGE  2009/2  E. 

D­149/2011 9.3.2.),  was  vorliegend  aufgrund  der  Akten  sowie  der  in  der  Heimat  bestehenden  Behandlungsmöglichkeiten  nicht  zutrifft.  Es  ist  damit  zusammenfassend  festzustellen,  dass  die  gesundheitlichen  Probleme  des Beschwerdeführers kein Wegweisungsvollzugshindernis darstellen. 8.3.6. Auch sind keine sonstigen individuellen Gründe ersichtlich, welche  gegen die Zumutbarkeit einer Rückkehr des Beschwerdeführers  in seine  Heimat  sprechen  würden.  Der  Beschwerdeführer  hat  bis  zu  seiner  Ausreise im November 2010 immer in Pakistan gewohnt und ist daher mit  den dortigen Lebensumständen bestens vertraut. Er hat zudem eine sehr  gute Ausbildung und spricht neben Urdu und Punjabi auch gut Englisch,  ausserdem  leben  seine  Eltern  und  seine  acht  Geschwister  in  seiner  Heimat.  Diese  Fakten  werden  ihm  eine  Reintegration  erleichtern.  Die  Rückkehrhilfe  der  Schweiz  wird  ihm  den  Wiedereinstieg  in  Pakistan  ebenfalls  erleichtern  (vgl.  Art.  62  AsylV  2).  Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen, dass blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von  denen  die  ansässige  Bevölkerung  im  Allgemeinen  betroffen  ist,  nicht  genügen,  um  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 83  Abs.  4  AuG  darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2).  8.3.7. Nach dem Gesagten  ist  der Vollzug der Wegweisung  somit  auch  als zumutbar zu bezeichnen.  8.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG,  vgl.  BVGE 2008/34 E.12 S. 513 ­ 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung  auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5.  Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4  AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. 

D­149/2011 10.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ersuchte  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG.  Danach  kann  die  Beschwerdeinstanz  eine  bedürftige  Partei,  deren  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheinen,  auf  Gesuch  davon  befreien,  Verfahrenskosten  zu bezahlen.  10.2. Es  ist  von  der  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen.  Auch  können  die  Begehren  der  Beschwerde  (zumindest  im  Wegweisungsvollzugspunkt)  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden.  Das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ist  somit  gutzuheissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind.  (Dispositiv nächste Seite)

D­149/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.  3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

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