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Bundesverwaltungsgericht 20.10.2011 D-14/2009

20 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,382 mots·~12 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Dezember 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­14/2009 law/bah Urteil   v om   2 0 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan,   vertreten durch Daniel Weber, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 11. Dezember 2008 / N (…).

D­14/2009 Sachverhalt: A.  A.a.  Der  Beschwerdeführer,  ein  ethnischer  Tadschike  mit  letztem  Wohnsitz  in  Kabul,  verliess  Afghanistan  eigenen  Angaben  gemäss  am  2. Februar  2007  und  reiste  am  17.  Juli  2007  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  gleichentags um Asyl nachsuchte. A.b. Anlässlich  der Befragung  im Transitzentrum Altstätten  vom 31. Juli  2007  erklärte  der  Beschwerdeführer  betreffend  die  Gründe  für  das  Verlassen des Heimatlandes, sein Vater sei am 3. Februar 2003 in Kabul  von  den  Mudschahedin  getötet  worden,  weil  er  als  Bauingenieur  mit  ausländischen  Firmen  zu  tun  gehabt  habe.  Er  selbst  habe  auch  bei  einigen  ausländischen  Firmen  gearbeitet.  Während  dieser  Zeit  hätten  seine  beiden  Schwestern  und  er  Drohbriefe  erhalten.  Sein  Onkel,  B._______,  sei  Anfang  2005  von  Kanada  nach  Afghanistan  zurückgekehrt.  Sie  hätten  vor  Gericht  erreicht,  dass  die  Panshiris,  die  dessen Haus in Besitz genommen hätten, hätten ausziehen müssen. Ab  November  2006  hätten  sie  dieses  Haus  vermietet.  Sein  Onkel  sei  anschliessend  nach  Kanada  zurückgekehrt.  Er  (der  Beschwerdeführer)  sei  im Juli 2006 vor dem Gericht  in Kabul durch einen Panshiri namens  C._______  mit  einer  Pistole  bedroht  worden.  Anfang  2007  habe  der  Mieter  des  Hauses  ihm  gesagt,  er  verlasse  das  Haus,  er  wolle  nicht  getötet  werden.  Er  (der  Beschwerdeführer)  habe  festgestellt,  dass  die  ausgewiesenen  Leute wieder  im Haus  gelebt  hätten.  Sie  hätten  ihn mit  Maschinenpistolen  bedroht.  Daraufhin  seien  sie  (der  Beschwerdeführer  und seine Schwestern) zu einem Onkel, der im gleichen Quartier gewohnt  habe,  gezogen.  Er  habe  sich  nicht  mehr  getraut,  zur  Arbeit  zu  gehen.  Jemand habe am 15. Januar 2007 versucht, eine seiner Schwestern zu  entführen. Es sei ihnen klar gewesen, dass sie nicht mehr in Kabul hätten  weiterleben  können.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  gab  der  Beschwerdeführer vier Dokumente ab (act. A6/1). A.c. Am 11. September 2007 hörte das BFM den Beschwerdeführer  zu  seinen Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, er könne mit  den  eingereichten  Dokumenten  belegen,  dass  der  afghanische  Staat  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  das  Gerichtsurteil  durchzusetzen.  Der  Kommandant, der ihnen das Eigentum entzogen habe, sei mächtiger als  der  Staat.  Sein  Leben  sei  von  zwei Männern  bedroht  worden,  die  eine  "grosse Bande" angeführt hätten. Erstmals sei er im 7. Monat 2006 in der  Öffentlichkeit von C._______ vor dem Gerichtsgebäude mit einer Pistole 

D­14/2009 bedroht worden. Sein Vater sei von dieser Organisation getötet worden,  anschliessend habe er Drohbriefe erhalten. Er habe  in den Jahren 2004  einen und im Jahr 2006 mehrere solcher Briefe erhalten. 2006 habe man  ihm  geschrieben,  er  dürfe  nicht  mehr  für  die  ausländischen  Organisationen  arbeiten,  sonst  werde  man  ihn  und  seine  Familie  umbringen.  Als  in  Afghanistan  die  Widerstandskämpfer  an  der  Macht  gewesen  seien,  hätten  diese  das  Haus  seines  Onkels  besetzt.  Etwa  einen Monat nach dem Vorfall vor dem Gerichtsgebäude sei er von einem  Mann  C._______  gegenüber  der  Sicherheitskommandantur  der  Stadt  Kabul mit  einer Pistole  bedroht worden.  Im 9. Monat  2006 hätten diese  Leute versucht,  ihn von seinem Arbeitsort weg zu entführen. Er sei aber  zu  diesem  Zeitpunkt  nicht  anwesend  gewesen  und  habe  danach  nicht  mehr  dort  gearbeitet.  Seine  Probleme  hätten  zugenommen,  nachdem  sein  Onkel  im  Jahr  2005  nach  Afghanistan  gekommen  sei.  Er  habe  seinen  Onkel,  der  seinen  Besitz  habe  zurückerhalten  wollen,  begleitet  und unterstützt. Sie hätten unzählige Male bei Behörden vorsprechen und  etwa  100'000  USD  an  Bestechungsgeldern  zahlen  müssen.  Nach  mehreren Prozessen hätten die Leute seinem Onkel  im 11. Monat 2006  das Haus wieder übergeben. Zirka einen Monat später hätten die Leute  das  Haus  gewaltsam  wieder  in  Besitz  genommen.  Sie  hätten  ihn  und  seine  Familie  aus  Afghanistan  vertreiben  wollen,  damit  es  zu  keinen  Gerichtsverfahren  mehr  komme.  Der  Staat  habe  ihnen  nicht  helfen  können, da diese Leute selber im Staat vertreten seien. Nachdem er im 7.  Monat 2006 bedroht worden sei, sei sein Onkel zusammen mit  ihm zum  Innenminister gegangen. Dieser habe versprochen, die Leute vorzuladen;  es sei aber nichts geschehen.  B.  Mit  Verfügung  vom  11. Dezember  2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das  Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz  und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. C.  Mit Eingabe vom 31. Dezember 2008  liess der Beschwerdeführer durch  seinen  damaligen  Rechtsvertreter  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren. Es sei eine  Abklärung  vor  Ort  in  Auftrag  zu  geben.  Er  sei  in  jedem  Fall  vorläufig  aufzunehmen.  Es  seien  kein  Kostenvorschuss  und  keine 

D­14/2009 Verfahrenskosten  zu  erheben.  Der  Eingabe  lagen  Kopien  mehrerer,  teilweise bereits beim BFM eingereichter Dokumente bei. D.  D.a.  Mit  Zwischenverfügung  vom  8. Januar  2009  hiess  der  Instruktionsrichter  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  unter  der  Voraussetzung,  dass  der  Beschwerdeführer  innerhalb  angesetzter  Frist  eine  Fürsorgebestätigung  einreiche  sowie  unter  Vorbehalt  der  Veränderung  der  finanziellen  Lage  des  Beschwerdeführers,  gut.  Gleichzeitig  forderte  er  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  23. Januar  2009  eine  Fürsorgebestätigung  einzureichen  oder einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu  leisten, verbunden mit der  Androhung,  auf  die  Beschwerde  werde  nicht  eingetreten,  wenn  die  Fürsorgebestätigung  oder  der  Kostenvorschuss  nicht  innert  Frist  eingereicht werde. D.b.  Am  19.  Januar  2009  wurde  ein  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  eingezahlt. E.  E.a. Der Instruktionsrichter forderte den Beschwerdeführer am 26. Januar  2009 auf, die der Beschwerde beigelegten  fremdsprachigen Dokumente  bis  zum  10. Februar  2009  in  eine  der  Amtssprachen  übersetzen  zu  lassen, unter der Androhung, das Verfahren werde bei ungenutzter Frist  aufgrund der Akten weitergeführt. E.b.  Am  6. Februar  2009  (Poststempel)  wurden  die  angeforderten  Übersetzungen eingereicht.  F.  F.a. Mit Verfügung vom 11. Februar 2009 bot der Instruktionsrichter dem  BFM  Gelegenheit,  innert  Frist  eine  Vernehmlassung  zur  Beschwerde  einzureichen.  Dieses  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  13. Februar 2009 die Abweisung der Beschwerde. Am 17. Februar 2009  stellte der Instruktionsrichter die Vernehmlassung dem Beschwerdeführer  zur Kenntnisnahme zu  G.  Mit Schreiben vom 26. April 2011 teilte der neu bestellte Rechtsvertreter  des Beschwerdeführers die Übernahme des Mandats mit. Er  führte aus,  er habe vom vormaligen Rechtsvertreter einen Teil dessen Akten erhalten  und behalte sich ein Gesuch um Akteneinsicht vor.

D­14/2009 H.  Der  Instruktionsrichter  ordnete  mit  Zwischenverfügung  vom  8. August  2011 einen weiteren Schriftenwechsel an. Das BFM beantragte in seiner  Vernehmlassung  vom  17. August  2011  erneut  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  vom  Instruktionsrichter am 22. August 2011 zur Kenntnisnahme zugestellt. I.  Mit  Eingabe  vom  23. August  2011  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  Einsicht in die Akten des Bundesverwaltungsgerichts. I.a. Der Instruktionsrichter liess dem Beschwerdeführer am 1. September  2011  die  wesentlichen,  sich  noch  nicht  in  seinem  Besitz  befindlichen  Akten zustellen. J.  Am  10. September  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Stellungnahme und eine Kostennote ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls  in  der Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  (Art. 105  des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 

D­14/2009 Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Das  BFM  führte  zur  Begründung  seiner  Verfügung  aus,  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Benachteiligungen  seien  von  Drittpersonen ausgegangen. Er habe die Möglichkeit, bei den staatlichen  Organen  um  Schutz  vor  weiteren  Benachteiligungen  zu  ersuchen.  Es  lägen keine konkreten Hinweise dafür vor, dass diese ihrer Schutzpflicht  nicht  nachkommen  würden.  Seine  Angabe,  man  habe  ihn  auf  dem  Sicherheitsposten  lediglich  beschwichtigt,  als  er  nach  Erhalt  eines  Drohbriefs dorthin gegangen sei, sei als blosse Behauptung einzustufen.  Zudem  seien  die  Behörden  nicht  in  der  Lage,  jederzeit  allumfassend  Schutz  zu  gewähren.  Der  Onkel  des  Beschwerdeführers  habe  nach  einem  Gerichtsverfahren  sein  Eigentum  zurückerhalten.  Allein  dieser 

D­14/2009 Umstand  spreche  gegen  eine  Unterlassung  der  Schutzpflicht  der  afghanischen  Behörden.  Die  Asylvorbringen  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  von Art. 3 AsylG  nicht Stand, woran  auch  die eingereichten Beweisunterlagen nichts ändern könnten. Die  Vorbringen  wiesen  im  Übrigen  verschiedene  Unglaubhaftigkeitspunkte auf. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage  gewesen,  das  genaue  Datum  der  Bedrohung  durch  C._______  im  Juli  2006 anzugeben. Er habe gesagt, es sei in der ersten Hälfte des siebten  Monates gewesen. Zudem habe er unsubstanziierte Angaben bezüglich  der  Reise  in  die  Schweiz  zu  Protokoll  gegeben.  Angesichts  seiner  Ausbildung  und  beruflichen  Tätigkeit  hätten  von  ihm  differenziertere  Ausführungen  erwartet  werden  können.  Er  habe  behauptet,  seit  2004  mehrere  Drohbriefe  erhalten  zu  haben  und  von  C._______  mit  einer  Pistole  bedroht  worden  zu  sein.  Trotzdem  habe  er  Afghanistan  erst  im  Februar  2007  verlassen.  Hätte  er  sich  tatsächlich  um  sein  Leben  gefürchtet, hätte er mit der Ausreise nicht so lange zugewartet. 4.2.  In  der  Beschwerde  wird  demgegenüber  geltend  gemacht,  die  "feindliche Übernahme" eines Hauses gehöre in Afghanistan zum Alltag.  Der Staat nehme seine Schutzfunktion nicht richtig wahr, auch wenn das  Gerichtsurteil  zugunsten  des  Beschwerdeführers  gelautet  habe.  Die  Situation  sei  entgegen  der  Meinung  des  BFM  als  staatlich  geduldete  Verfolgung und Unterdrückung zu qualifizieren. Seine Vorbringen seien in  Afghanistan leicht überprüfbar, sie entsprächen der Wahrheit. 4.3.  In  der  Stellungnahme  vom  10. September  2011  wird  ergänzend  ausgeführt, der Beschwerdeführer habe  in Kabul  keine Verwandten und  kein  anderweitiges  Beziehungsnetz.  Bei  einer  Rückkehr  hätte  er  dort  weder  Zugang  zu  einer  einigermassen  garantierten  Ernährung  und  Unterkunft  noch  könnte  er  einer  existenzsichernden  Erwerbstätigkeit  nachgehen.  Somit  würde  er  in  absehbarer  Zeit  in  eine  existenzbedrohende Situation geraten.  5.  5.1.  Glaubhaft  sind  die  Vorbringen  eines  Asylsuchenden  grundsätzlich  dann,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich  sein oder der  inneren Logik  entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person 

D­14/2009 persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall  ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel  abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung bedeutet  ferner –  im Gegensatz zum strikten Beweis  – ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Art. 7  Abs. 2  und  3 AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 5.2. Der Beschwerdeführer  erklärte  anlässlich der Anhörungen,  er  habe  seinen  Onkel  im  Verfahren  vor  den  Instanzen  begleitet  und  diesen  während  den  Verhandlungen  praktisch  vertreten,  weil  dieser  ein  älterer  Mann  sei  (vgl.  act.  A1/13  S.  5,  A17/20  S.  6).  Diese  Darstellung  des  Beschwerdeführers  erscheint  nicht  plausibel.  Der  Beschwerdeführer  hat  zwar zum Zeitpunkt des Rechtsstreits, der sich über längere Zeit hinzog,  Informatik­Kurse  besucht  (vgl.  act.  A1/13 S.  2);  über  einen  eigentlichen  Berufsabschluss  verfügt  er  jedoch  nicht.  Es  ist  daher  unwahrscheinlich,  dass sein Onkel, der selber Rechtsprofessor sein soll (vgl. act. A17/20 S.  17),  sich  von  seinem  in  Rechtshändeln  unerfahrenen,  fachlich  nicht  qualifizierten und zum fraglichen Zeitpunkt gerademal 20­jährigen Neffen  hat  vertreten  lassen.  Der  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  er  sei  "Rechtsvertreter"  seines  Onkels  gewesen  (vgl.  act.  A17/20  S.  6),  kann  folglich kein Glauben geschenkt werden. Denkbar  ist allenfalls, dass der  Beschwerdeführer  seinen  Onkel  manchmal  begleitete  und  ihm  in  administrativen Dingen behilflich war. Anderseits wird  in  keinem der auf  Beschwerdeebene eingereichten, das Verfahren betreffenden Dokumente  der Name des Beschwerdeführers erwähnt.  In einem bei der Vorinstanz  eingereichten,  im Beweismittelumschlag A6/1 unter 3. als Besitzurkunde  aufgenommenen  Dokument  wird  hingegen  der  Name  eines  C._______  genannt, bei dem es sich aufgrund der angefügten Namen der Eltern um  einen  Bruder  von  B._______  handeln  dürfte.  Somit  kann  der  Beschwerdeführer  auch  mit  den  eingereichten  Beweismitteln,  deren  Authentizität  vom  BFM  nicht  ausdrücklich  bezweifelt  wurde,  nicht 

D­14/2009 belegen,  dass  er  massgeblich  in  das  Verfahren  um  das  Eigentum  am  Haus seines Onkels involviert war. Die  Schlussfolgerung,  der  Beschwerdeführer  könne  nicht  massgeblich  am  Verfahren  beteiligt  gewesen  sein,  wird  durch  mehrere  Ungereimtheiten  und  Widersprüche  in  seinen  Aussagen  gestützt.  Gemäss  seinen  Aussagen  wäre  er  ab  Juli  2006  von  Anhängern  der  gegnerischen  Prozesspartei  mehrfach  und  ernsthaft  bedroht  worden.  Trotz dieser Bedrohungslage – er soll sogar mit dem Tod bedroht worden  sein  (vgl.  act.  A17/20  S. 7)  –  will  er  weiterhin  in  der  Wohnung  an  der  seinen  Gegnern  bekannten  Adresse  gelebt  haben.  Sein  Erklärungsversuch,  im  Block,  in  dem  er  gewohnt  habe,  habe  es  75  Wohnungen  gegeben,  weshalb  seine  Gegner  seine  Wohnung  nicht  einfach  hätten  ausfindig  machen  können,  überzeugt  nicht,  da  es  den  angeblich  einflussreichen  Gegnern  ein  Leichtes  gewesen  wäre,  diese  ausfindig zu machen, oder  ihn  im Umkreis des Hauses abzufangen. Bei  der Befragung im Transitzentrum gab der Beschwerdeführer an, er habe  sich  im 8. Monat 2006 vor der Kommandantur befunden, als C._______  zusammen mit einem anderen Mann zu ihm gekommen sei. Dieser habe  eine Pistole auf ihn gerichtet, worauf er in die Kommandantur gerannt sei  (vgl.  act.  A1/13  S. 7 f.).  Bei  der  Anhörung  sagte  er  indessen  aus,  sein  Onkel  und  er  seien  von  C._______  vor  der  Kommandantur  mit  einer  Pistole  bedroht  worden.  Sie  hätten  geschrien,  worauf  Polizisten  gekommen  seien,  die  C._______  und  dessen  Begleiter  weggeschoben  hätten  (vgl. act. A17/20 S. 15). Die Darstellung des Beschwerdeführers,  sein  Onkel  und  er  seien  in  der  Öffentlichkeit  bedroht  worden,  weshalb  man  ihnen nichts habe antun können  (vgl. act. A17/20 S. 15), erscheint  nicht plausibel. Bei den Gegnern des Beschwerdeführers soll es sich um  einflussreiche  Personen  gehandelt  haben,  die  über  bewaffnete  Leute  verfügten.  Angesichts  der  allgemeinen  Lage  in  Afghanistan  kann  nicht  ernsthaft  davon  ausgegangen  werden,  dass  derart  einflussreiche  Personen nicht in der Lage gewesen wären, einem einfachen Bürger wie  dem  Beschwerdeführer  auch  in  der  Öffentlichkeit  etwas  anzutun,  ohne  sich dabei persönlich erkennen zu geben. Aufgrund dieser Erwägungen ist das Vorbringen des Beschwerdeführers,  wonach er wegen des Streits um das Eigentum am Haus seines Onkels  an  Leib  und  Leben  bedroht  gewesen  sei,  als  überwiegend  unwahrscheinlich und somit unglaubhaft zu qualifizieren. 6. 

D­14/2009 6.1.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt  worden  sind  beziehungsweise  zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  ausserdem  voraus,  dass  die  betroffene Person  in  ihrem Heimatland keinen adäquaten Schutz  finden  kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37  f.).  Ausgangspunkt  für  die Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/34  E. 7.1  S. 507 f.,  BVGE  2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel/Bern/Lausanne  2009,  Rz. 11.17 und 11.18). 6.2.  Der  Beschwerdeführer  machte  anlässlich  seiner  Befragungen  geltend, er habe nach der Ermordung seines Vaters am 3. Februar 2003  zusammen  mit  seinen  Schwestern  Drohbriefe  bzw.  einen  Drohbrief  erhalten. Er habe diesen  jedoch keine grosse Bedeutung beigemessen,  da  Kabul  sowieso  unsicher  sei  (vgl.  act.  A1/13  S.  5,  A17/20  S.  4  ff.).  Unbesehen  der  Frage  der Glaubhaftigkeit  dieses Vorbringens  ist  davon  auszugehen, dass der Beschwerdeführer  sich von dieser Drohung nicht  beeindrucken  liess.  Einerseits  hatte  der  Drohbrief  keine  Folgen,  zumal  der Beschwerdeführer  bei  der Anhörung  zu  den Asylgründen  angab,  er  sei im Jahr 2005 nicht bedroht worden (vgl. act. A17/20 S. 5), anderseits  sah  er  sich  deshalb  nicht  veranlasst,  irgendwelche  Massnahmen  geschweige  denn  die  Flucht  zu  ergreifen.  Somit  kann  ihm  aus  diesem  Grund  weder  subjektiv  noch  objektiv  begründete  Furcht  vor  zukünftiger  Verfolgung zuerkannt werden. 6.3.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Afghanistan  bis  zu  seiner  Ausreise  keiner  asylrechtlich  relevanten 

D­14/2009 Verfolgung  ausgesetzt  war.  Ihm  kann  weder  für  den  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland  noch  heute  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  zuerkannt  werden.  Es  erübrigt  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  diese  an  der  rechtlichen  Würdigung  des  Sachverhalts  nichts  zu  ändern  vermögen.  Aufgrund  des  Gesagten  erweist  es  sich  zudem  als  nicht  notwendig,  Abklärungen  vor  Ort  in  Auftrag  zu  geben,  weshalb  der  entsprechende  Antrag  abzuweisen  ist.  Das  BFM  hat  das  Asylgesuch  im  Ergebnis  zu  Recht abgelehnt. 7.   7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148). 8.2.  8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 

D­14/2009 Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers nach Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  er  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  unter  Hinweis  auf  die  Erwägungen  zum 

D­14/2009 Asylpunkt nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation  in Afghanistan  lässt  den Wegweisungsvollzug  im vorliegenden Fall  zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3.  8.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2.  In Bezug  auf  die  allgemeine  Lage  in Afghanistan  ist  auf  die  vom  Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung der Lage im zur  Publikation  vorgesehenen  BVGE  E­7625/2008  vom  16. Juni  2011  verwiesen werden. Das Gericht stellt darin zusammenfassend fest, dass  in  weiten  Teilen  von  Afghanistan  –  ausser  allenfalls  in  Grossstädten –  eine  derart  schlechte  Sicherheitslage  und  derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen  bestünden,  dass  die  Situation  als  existenzbedrohend  im  Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemeinen  Feststellung sei die Situation  in der Hauptstadt Kabul zu unterscheiden.  Angesichts  des  Umstandes,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im  Verlaufe  des  vergangenen  Jahres  nicht  weiter  verschlechtert  habe  und  die  humanitäre  Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger dramatisch sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach Kabul  unter  Umständen  als  zumutbar  qualifiziert  werden.  Solche  Umstände  könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim  Rückkehrer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handle.  Angesichts  der  bisher  aufgezeigten  konstanten  Verschlechterung  der  Lage  über  die  vergangenen Jahre hinweg und der auch  in Kabul schwierigen Situation  verstehe es sich aber von selbst, dass die bereits in EMARK 2003 Nr. 10  formulierten  strengen Bedingungen  in  jedem Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und erfüllt  sein müssten, um einen Wegweisungsvollzug nach Kabul als  zumutbar  zu  qualifizieren.  Unabdingbar  sei  in  erster  Linie  ein  soziales  Netz,  das  sich  im  Hinblick  auf  die  Aufnahme  und  Wiedereingliederung  des Rückkehres als tragfähig erweise. Ohne Unterstützung durch Familie  oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul  unweigerlich  in  eine  existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation führen (vgl. a.a.O. E. 9.9.1 f.). 

D­14/2009 8.3.3.  Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  Kabul.  Gemäss  der  soeben  dargelegten  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  nicht  von  der  generellen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  dorthin  auszugehen.  8.3.4.  Bei  dieser  Sachlage  stellt  sich  die  Frage,  ob  dem  Beschwerdeführer eine Rückkehr nach Kabul aufgrund einer individuellen  Prüfung der Verhältnisse zuzumuten  ist. Die Bejahung der Zumutbarkeit  einer  Rückkehr  nach  Kabul  setzt  insbesondere  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes,  die  konkrete  Möglichkeit  der  Sicherung  des Existenzminimums sowie eine gesicherte Wohnsituation voraus (vgl.  der zur Publikation vorgesehene BVGE E­7625/2008 vom 16. Juni 2011  E. 9.9.2. mit Verweis auf EMARK 2003 Nr. 10 E. 10 cc). 8.3.5. Anlässlich der Anhörungen machte der Beschwerdeführer geltend,  seine  Mutter  und  seine  Schwestern  seien  zusammen  mit  ihm  nach  Pakistan geflohen und zwei Onkel mütterlicherseits  lebten  in Kabul  (vgl.  act.  A1/13  S.  3).  Nachdem  sich  bereits  die  vom  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  geltend  gemachten  Vorbringen  als  unglaubhaft  erwiesen  haben,  ist  allerdings  auch  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers,  wonach  seine  Mutter  und  seine  Schwestern  Kabul  hätten  verlassen müssen, mit Skepsis  zu begegnen. Mangels  konkreter  anderweitiger  Anhaltspunkte  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  seine  engsten  Familienangehörigen  und  zwei  Onkel  nach  wie  vor  in  Kabul  leben,  womit  er  dort  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  verfügt,  welches  ihm  bei  der  Reintegration  in  dieser  Stadt  behilflich  sein  wird.  Insbesondere ist anzunehmen, dass er nach seiner Rückkehr nach Kabul  bei  Verwandten  wohnen  kann,  bis  er  allenfalls  eine  eigene  Wohnung  gefunden  hat,  und  dass  seine  Familie  ihn  bei  der  Suche  nach  einer  Arbeitsstelle  unterstützt.  Eigenen  Angaben  zufolge  verfügt  er  über  mehrjährige  Berufserfahrung  im  Büro­  und  Informatikbereich  (vgl.  act.  A1/9  S.  2).  Er  spricht  Dari,  seine Muttersprache,  und  verfügt  über  gute  Englisch­,  Urdu­  und  Paschtu­Kenntnisse,  weshalb  davon  auszugehen  ist, dass er sich bei einer Rückkehr nach Afghanistan auch beruflich wird  integrieren  können.  Schliesslich  ist  darauf  festzuhalten,  dass  mehrere  gutsituierte  Verwandte  des  Beschwerdeführers  (vgl.  act.  A17/20  S.  4)  ausserhalb  Afghanistans  leben,  weshalb  angenommen  werden  kann,  dass  er  bei  Bedarf  –  zumindest  finanziell  –  auch  auf  deren  Hilfe  wird  zurückgreifen können. 

D­14/2009 8.3.6. Zusammenfassend  ergibt  sich  aufgrund  des Gesagten,  dass  sich  der Vollzug der Wegweisung nach Kabul im Falle des Beschwerdeführers  nicht als unzumutbar erweist. 8.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5.  Das  BFM  hat  demnach  den  Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Die Anordnung der vorläufigen  Aufnahme fällt daher nicht in Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den in  derselben Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und mit diesem zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­14/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  geleisteten Kostenvorschuss  gedeckt  und  werden mit diesem verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand:

D-14/2009 — Bundesverwaltungsgericht 20.10.2011 D-14/2009 — Swissrulings