Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 09.08.2011 D-1278/2011

9 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,790 mots·~14 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Januar 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1278/2011 Urteil   v om   9 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren X._______, dessen Ehefrau  B._______, geboren Y._______, und deren Kind C._______,  geboren Z._______, Kosovo, alle vertreten durch M. Milovanovic, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Januar  2011 / N_______.

D­1278/2011 Sachverhalt: A.   A.a.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliessen  die  Beschwerdeführer,  Volkszugehörige der Gorani mit letztem Wohnsitz in D._______, Kosovo,  ihre  Heimat  am  11.  Dezember  2010  auf  dem  Landweg.  Über  ihnen  unbekannte  Länder  seien  sie  am  13.  Dezember  2010  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz  gelangt,  wo  sie  gleichentags  im  E._______  Asylgesuche  einreichten  und  anschliessend  ins  F._______  transferiert  wurden.  Nach  den  Kurzbefragungen  im  F._______  am  20.  und 22. Dezember 2010 und den ebenfalls dort durchgeführten direkten  Anhörungen vom 7. und 10. Januar 2011 wurden sie mit Verfügung vom  21.  Januar  2011  für  den  Aufenthalt  während  des  Asylverfahrens  dem  Kanton G._______ zugewiesen. A.b.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  führte  der  Beschwerdeführer  A._______ im Wesentlichen aus, er habe jahrelang Probleme gehabt und  sei  weder  von  der  albanischen  noch  der  serbischen  Seite  akzeptiert  gewesen.  Er  habe  einen  Grillimbiss  in  D._______  besessen  und  sei  wegen  der  wiederholten  Angriffe  auf  sein  Vermögen  und  seine  Kinder  ausgereist. Vor Ausbruch des Krieges  im Jahre 1999 habe er  in seinem  Imbiss  auch  Serben  und  Mitarbeiter  des  serbischen  Sicherheitsdiensts  bewirtet,  was  ihm  in  der  Folge  von  der  albanischen  Seite  vorgeworfen  worden  sei.  Nach  Ausbruch  des  Krieges  seien  sie  nach  H._______  (I._______)  umgezogen,  wo  sie  sich  von  (...)  bis  (...)  bei  einem  Onkel  aufgehalten  hätten  und  als  Flüchtlinge  registriert  gewesen  seien.  Nach  ihrer  Rückkehr  aus  H._______  habe  er  seinen  Laden  verbrannt  und  zerstört vorgefunden. Im Jahre (...) sei er von einer Organisation mit dem  Kürzel  J._______  schriftlich  bedroht  und  sein  Sohn  sei  im  darauffolgenden  Jahr  im  Imbissladen  von Unbekannten  angegriffen  und  mit  einem  Messer  bedroht  worden  und  dies  nur,  weil  er  Serbisch  gesprochen habe. Der Angreifer sei im Jahre W._______ zu einer Busse  verurteilt  worden.  Später  sei  dieser  zu  ihm  gekommen  und  habe  ihn  aufgefordert,  die  Busse  zu  bezahlen.  Er  habe  sich  mit  dem  Einzahlungsschein  zum  Richter  begeben,  der  ihm  geraten  habe,  die  Busse  selber  zu  zahlen,  um  weitere  Probleme  mit  dem  Angreifer  zu  vermeiden.  Im  Jahre V._______  sei  sein Grundstück  in D._______  von  einem Nachbarn  teilweise besetzt worden, der  in  ihrem Hof eine Mauer  gebaut habe. Auch sei der Imbissladen im Jahre (...) oder (...) durch eine  Schiesserei sowie im Jahre U._______ von Vandalen beschädigt worden,  indem  die  Fensterscheibe  eingeschlagen  worden  sei.  Letzteren  Vorfall 

D­1278/2011 habe  er  bei  der  Polizei  zur  Anzeige  gebracht.  Im  Winter  des  Jahres  T._______  sei  sein  Auto  gestohlen  worden,  was  er  bei  der  Polizei  gemeldet  habe.  Diese  habe  ihm  jedoch  nur  einen  kleinen  Zettel  ausgehändigt  und  geraten,  er  solle  in  (...)  nach  seinem  Auto  suchen  gehen.  Im  Juli  T._______  hätten  im  serbischen  Kloster  in  D._______  Renovationsarbeiten  begonnen.  Er  habe  in  diesem  Zusammenhang  einen Vertrag mit der Baufirma geschlossen, wonach er das Essen für die  Bauarbeiter  liefern  könne.  Drei  Mal  im  Tag  habe  er  zusammen  mit  seinem Sohn K._______ das Essen gebracht. Nach eineinhalb Monaten  sei er deswegen telefonisch und per SMS bedroht worden. Man habe ihm  die Zusammenarbeit mit den Serben vorgeworfen und gedroht, sein Haus  in  die  Luft  zu  sprengen.  Vermutlich  sei  deswegen  auch  im  November  T._______  die  Scheibe  seines  Imbissladens  erneut  eingeschlagen  worden. Zudem habe er sich im August T._______ zusammen mit seiner  Frau und vier seiner Kinder für (...) nach L._______ begeben. Nur seine  Söhne K._______ und M._______ seien zu Hause geblieben. M._______  sei  eines  Tages  von  einem  unbekannten  Mann  angesprochen  und  aufgefordert  worden,  in  ein  gegenüber  ihrem  Geschäft  parkiertes  Auto  einzusteigen,  da  er  ihn  etwas  fragen  wolle.  Sein  Bruder  N._______  respektive der Onkel von M._______ habe dies  jedoch nicht zugelassen  und  M._______  nach  Hause  geschickt  sowie  seinen  Sohn  K._______  angerufen, damit dieser  ins Geschäft komme. Auf dem Weg zum Laden  habe  K._______  eine  Gruppe  von  Leuten  angetroffen,  in  deren  Mitte  M._______  gestanden  und  von  einem  Mann  mit  einer  Pistole  bedroht  worden  sei.  K._______  habe  schnell  gehandelt  und  den  Mann  weggestossen,  worauf  die Waffen  zu  Boden  gefallen  und  es  zu  einem  Handgemenge  gekommen  sei.  Später  hätten  sie  erfahren,  dass  M._______ eine junge albanische Frau angesprochen habe und deshalb  bedroht worden sei. Aus diesem Grund habe M._______ aus Angst die  Schule  verlassen  und  immer  in  Begleitung  eines  anderen  Familienmitgliedes  ausgehen  müssen.  Er  vermute  jedoch,  dass  der  angeführte  Grund  nur  ein  Vorwand  gewesen  sei  und  mit  ihm  zu  tun  gehabt  habe. Auf  die Einreichung einer Anzeige habe er  aus Angst  vor  Repressionen  verzichtet,  da  der  Onkel  des  Angreifers  bei  der  Befreiungsarmee  des  Kosovo  (UCK)  und  Gemeindeammann  von  D._______ gewesen und jetzt Minister sei. A.c. Die Beschwerdeführerin ihrerseits schloss sich im Wesentlichen den  Vorbringen  ihres Mannes an und  führte ergänzend aus, sie selber habe  keine Probleme gehabt, da sie zu Hause gewesen sei und den Haushalt  geführt  habe.  Sie  habe  sich  jedoch  ständig  Sorgen  um  ihre  Kinder 

D­1278/2011 gemacht und wenn sie von  ihrer Terrasse aus Goranisch oder Serbisch  mit ihren Kindern gesprochen habe, habe ihr die Nachbarin gesagt, dass  sie dies nicht tun dürfe. In Ergänzung zu den Ausführungen seiner Eltern  führte C._______ aus,  er  sei  in  der  Schule  provoziert,  geschlagen  und  bedroht  worden.  Ein  Albaner  habe  ihm wiederholt  Geld  abgenommen  und  ihm  dabei  einmal  ein Messer  an  den Hals  gehalten,  so  letztmals  im  Jahre  2009. Danach  habe ihn jeweils einer seiner Brüder zur Schule begleitet, worauf er keine  Probleme  mehr  gehabt  habe.  Er  habe  die  Vorfälle  nicht  gemeldet,  sondern lediglich seine Mutter darüber informiert. A.d.  Die  Beschwerdeführer  legten  als  Beilagen  diverse  Beweismittel  (Auflistung Beweismittel) ins Recht. B.  Mit Verfügung vom 24. Januar 2011 – gleichentags eröffnet – lehnte das  BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführer ab und ordnete gleichzeitig  deren Wegweisung aus der Schweiz an. Die Vorinstanz begründete  ihre  Verfügung  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführer  weder  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998 (AsylG, SR 142.31) noch denjenigen an die Glaubhaftigkeit gemäss  Art.  7  AsylG  genügten.  Ferner  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. C.  Mit Eingabe vom 22. Februar 2011 erhoben die Beschwerdeführer beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde,  beantragten,  es  sei  die  Verfügung  der  Vorinstanz  aufzuheben  und  ihre  Asylgesuche  seien  gutzuheissen,  und  ersuchten  in  formeller  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  sinngemäss  um  Zustellung der von A._______ beim BFM eingereichten Beweismittel. Auf  die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidwesentlich, in den  Erwägungen eingegangen. D.  Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 4. März 2011 wurde  den Beschwerdeführern mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Verfahrens 

D­1278/2011 in  der  Schweiz  abwarten  könnten.  Dem  Beschwerdeführer  A._______  wurde  der  Inhalt  des  Aktenstücks  A4/1  in  Kopie  zugestellt  und  Gelegenheit  eingeräumt,  bis  zum  21. März  2011  eine  allfällige  Beschwerdeergänzung  einzureichen,  wobei  im  Unterlassungsfall  aufgrund  der  bisherigen  Aktenlage  entschieden  werde.  Der  Beschwerdeführer  wurde  aufgefordert,  bis  zum  21. März  2011  einen  aktuellen ärztlichen Bericht sowie eine Erklärung über die Entbindung von  der  ärztlichen  Schweigepflicht  gegenüber  den  Asylbehörden  einzureichen,  wobei  im  Unterlassungsfall  aufgrund  der  bisherigen  Aktenlage  entschieden  werde.  Die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs. 1 VwVG wurde auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen und auf die  Erhebung eines Kostenvorschusses verzichet. E.  Mit  Eingabe  vom  5.  April  2011  reichten  die  Beschwerdeführer  –  nach  einmalig  gewährter  Fristerstreckung  –  einen  ärztlichen  Bericht  von  (Nennung Arzt), zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG  liegt  in  casu  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  demnach endgültig. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführer  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

D­1278/2011 und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  108 AsylG  sowie Art.  105 AsylG  i.V.m. Art.  37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde  ist  einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21  Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf  die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2.  2.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.  3.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Asylentscheides  im  Wesentlichen  fest,  hinsichtlich  der  von  den  Beschwerdeführern  angeführten  Übergriffe,  Drohungen  und  Schikanen  sei anzuführen, dass es in Kosovo in den vergangenen Jahren vereinzelt  zu  schwerwiegenden  Übergriffen  auf  Angehörige  der  ethnischen 

D­1278/2011 Minderheiten, namentlich der Goraner, gekommen sei. Es könne  jedoch  nicht  von  allgemeinen  Vertreibungen  ausgegangen  werden.  Nach  der  Unabhängigkeitserklärung  vom  17.  Februar  2008  sei  in  Kosovo  auch  nach  dem  Statuswechsel  eine  internationale  zivile  und  militärische  Präsenz  vorgesehen.  In  Kosovo  bestünden  mit  der  UNO­Verwaltung  (UNMIK) und der EU zwei internationale Missionen. Die am 9. Dezember  2008  offiziell  gestartete  Rechtsstaatlichkeitsmission  EULEX  sei  formal  den Vereinten Nationen unterstellt und werde unter deren Oberhoheit und  innerhalb  eines  statusneutralen  Rahmens  geführt.  Die  internationalen  Sicherheitskräfte  sowie  die  Kosovo  Police  (KP)  würden  die  Sicherheit  garantieren  und  seien  weitgehend  in  der  Lage,  die  ethnischen  Minderheiten  in  Kosovo  zu  schützen.  Bei  Übergriffen  intervenierten  die  Sicherheitskräfte  regelmässig, und bei Straftaten gegen Angehörige von  Minderheiten  würden  Ermittlungen  aufgenommen.  Zentrale  Polizeifunktionen  würden  weiterhin  von  internationalen  Polizeikräften  wahrgenommen  und  die  neue  kosovarische  Verfassung  gestehe  den  Minderheiten umfassende Rechte zu. Die Beschwerdeführer hätten es in  casu  unterlassen,  die  Behörden  wegen  der  geschilderten  Vorfälle  um  Schutz  zu  ersuchen.  Ihre  Erklärungsversuche,  wonach  die  Polizei  entweder  nichts  unternommen  habe  oder  sie  sich  nicht  getraut  hätten,  sich an die Polizei zu wenden, da die Widersacher aus einer mächtigen  und  mit  guten  Beziehungen  versehenen  Familie  stammen  würden  beziehungsweise  sie  aus  Angst  vor  weiteren  Repressionen  untätig  geblieben  seien,  seien  als  Schutzbehauptungen  zu  werten.  Zudem  änderten diese Erklärungen nichts an der Tatsache, dass es vorliegend  keine  Hinweise  auf  eine  Verweigerung  staatlichen  Schutzes  gebe.  Ausserdem  seien  Angehörige  der  Goraner  proportional  in  sämtlichen  wichtigen  Behörden  vertreten,  mitunter  auch  in  den  Polizeibehörden.  Folglich  könne  den  kosovarischen  Behörden  auch  nicht  mangelnder  Schutzwille und  fehlende Schutzfähigkeit  vorgeworfen werden. Vielmehr  hätten  die  Beschwerdeführer,  indem  sie  sich  wegen  der  erwähnten  Ereignisse  nie  an  die Behörden  gewandt  hätten,  diesen  die Möglichkeit  genommen,  ihrer  Schutzpflicht  nachzukommen.  Da  demnach  vom  Vorhandensein  eines  adäquaten  Schutzes  durch  den  Heimatstaat  auszugehen sei, seien die geltend gemachten Übergriffe vorliegend nicht  asylrelevant.  Diese  würden,  auch  bei  Wahrunterstellung,  nicht  eine  Intensität  erreichen,  welche  ihnen  ein  menschenwürdiges  Leben  in  Kosovo verunmöglichten oder in unzumutbarer Weise erschwerten. Weiter  sei  festzustellen,  dass  die  Reiseangaben  der  Beschwerdeführer  oberflächlich  ausgefallen  seien.  So  hätten  diese  ausgeführt,  sie  hätten 

D­1278/2011 während  ihrer  gesamten Reise  keine Ausweisdokumente  benutzt,  seien  unterwegs nie kontrolliert worden und hätten auch keine Kenntnisse der  von ihnen durchquerten Länder, zumal sie in einem fensterlosen Minibus  gereist  seien.  Diese  Schilderungen  würden  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen  und  müssten  als  unglaubhaft  eingestuft  werden,  zumal  C._______ geschildert habe, dass im Minibus der Fahrbereich nicht vom  hinteren  fensterlosen  Bereich  abgetrennt  gewesen  sei,  wo  sie  (die  Beschwerdeführer)  sich  befunden  hätten.  Aufgrund  dieser  Erwägungen  sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführer ihr Herkunftsland auf  eine andere als  die  von  ihnen geschilderte Weise  verlassen hätten und  die  Umstände  ihrer  Aus­  und  Herreise  zu  verschleiern  versuchten.  Die  unglaubhaften  Angaben  zum  Reiseweg  würden  erste  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgung aufkommen lassen. Es  sei  nicht  einleuchtend,  weshalb  A._______  Essen  in  ein  serbisches  Kloster gebracht habe, obwohl er seit Jahren Probleme mit den Albanern  gehabt und man ihn schon zuvor als Spion bezeichnet habe. Er habe dies  damit  erklärt,  der  Auftrag  sei  gut  bezahlt  worden  und  überall  in  den  Medien  werde  darüber  berichtet,  dass  die  Serben  nach  Kosovo  zurückkehrten und dort die Sicherheit gewährleistet sei. Diese Argumente  würden  jedoch  nicht  überzeugen.  Überdies  würden  sich  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  C._______  bezüglich  des  vorgebrachten  Kerngeschehens  (Geldberaubung  in  der  Schule)  als  sehr  allgemein  erweisen und seien  jeweils auch auf Nachfrage hin nicht substanziierter  geworden.  Die  äusserst  vagen  Vorbringen  vermöchten  in  keiner Weise  den  Eindruck  zu  erwecken,  dass  dieser  die  geschilderten  Vorfälle  tatsächlich  erlebt  habe.  Die  Ausführungen  würden  jeden  Detailreichtum  vermissen  lassen und enthielten keine Realkennzeichen, welche  typisch  seien  für  Schilderungen  von wahren Begebenheiten.  Es  liege  demnach  der  Schluss  nahe,  dass  C._______  die  geschilderten  Ereignisse  nicht  selber  erlebt  habe,  sondern  vielmehr  ein  Konstrukt  nacherzähle.  Dies  werde auch durch die Tatsache erhärtet, dass er sich gegensätzlich zur  Frage geäussert habe, ob er einen Schülerausweis besessen habe oder  nicht. 3.2.  Demgegenüber  wendeten  die  Beschwerdeführer  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  –  soweit  sie  nicht  die  bereits  geschilderten  Übergriffe  erneut  auflisteten  –  im Wesentlichen  ein,  bei  der  Befragung  habe  eine  Albanerin  als  Übersetzerin  gedient,  welche  die  serbische  Sprache  ungenügend  beherrscht  habe.  Sie  habe  A._______  mehrmals  aufgefordert,  Albanisch  zu  sprechen,  obwohl  seine  Muttersprache  Serbisch  sei.  Ferner  hätten  sie  während  zwanzig  Jahren  in  einem 

D­1278/2011 gesetzlosen  Staat  gelebt  und  es  sei  bekannt,  dass  Kosovo  kein  Rechtsstaat  sei.  Es  bestünden  ernsthafte  Vorwürfe,  dass  der  Regierungschef und viele höhere Beamte in illegale Geschäfte verwickelt  seien, weshalb von solchen Leuten beziehungsweise von einem solchen  Staat  kein  Schutz  verlangt  werden  könne.  Im  familieneigenen  Imbissgeschäft  seien  serbische  Sicherheitsbeamte  die  ständigen  Gäste  gewesen, weshalb A._______ von den Albanern als Spion betrachtet und  seit dem Jahre 1999 ständig mit diesen Vorwürfen konfrontiert gewesen  sei.  Ein  albanischer Nachbar  habe  in  ihrem Garten  eine Mauer  gebaut,  weil A._______ von diesem als rechtloser Fremder betrachtet worden sei.  Er  habe  vom  kosovarischen  Rechtsstaat  keine  Hilfe  erhalten.  Zudem  habe  ihm  ein  Richter  empfohlen,  die  gegen  einen  Angreifer  ausgesprochene Busse selber zu bezahlen. Wenn ein Richter  jedoch so  handle,  könne vom Schutzwillen des Staates keine Rede sein. Auch  im  Falle des gestohlenen Autos habe die Polizei gegenüber A._______ kein  Zeichen  eines  Schutzwillens  erkennen  lassen.  Da  sie  in  Kosovo  verhältnismässig  reich  gewesen  seien,  seien  sie  sicherlich  nicht  aus  wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz gekommen. Ihre Sicherheit sei in  Kosovo  nicht  mehr  gewährleistet.  Sie  hätten  ihre  Argumente  präzise  dargelegt und mit Beweismitteln belegt. 3.3. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum  Schluss,  dass  das  BFM  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführer  im  Zusammenhang mit  den  angeführten Übergriffen  seitens  privater Dritter  zu  Recht  und mit  zutreffender  Begründung  als  nicht  asylrelevant  und –  zumindest teilweise – als unglaubhaft erachtete. 3.3.1. Zunächst ist dem grundsätzlichen Einwand der Beschwerdeführer,  wonach bei der Befragung eine Albanerin als Übersetzerin gedient habe,  welche  die  serbische  Sprache  ungenügend  beherrscht  und  A._______  mehrmals  aufgefordert  habe,  Albanisch  zu  sprechen,  obwohl  seine  Muttersprache  Serbisch  sei,  entgegenzuhalten,  dass  die  Übersetzer  hinsichtlich ihrer sprachlichen Fähigkeit und charakterlichen Eignung von  der  Vorinstanz  sorgfältig  geprüft  werden  und  das  volle  Vertrauen  der  Behörden  geniessen.  Dass  es  in  casu  zu  Ungereimtheiten  in  der  Sachverhaltsaufnahme  beziehungsweise  in  der  Übersetzung  der  Asylvorbringen  gekommen  sein  soll,  ist  bei  einer  Durchsicht  der  Protokolle klarerweise zu verneinen. So konnte A._______ zu Beginn der  durchgeführten Befragungen seine Asylgründe  jeweils  zunächst  in  freier  Erzählform vorbringen, welche danach durch gezielte Nachfragen näher  erläutert  und  vertieft  wurden.  Angesichts  der  Tatsache,  dass  die 

D­1278/2011 Übersetzer  angehalten  sind,  ihre  Arbeit  objektiv  zu  verrichten,  und  es  ihnen  insbesondere  verwehrt  ist,  Aussagen  zusammenzufassen,  zu  interpretieren  oder  in  eigener  Regie  Fragen  zu  stellen,  und  auch  den  jeweiligen  Protokollen  keine  Hinweise  zu  entnehmen  sind,  dass  A._______  wiederholt  aufgefordert  worden  sei,  Albanisch  zu  sprechen,  und  dieser  am  Schluss  der  in  Serbisch  durchgeführten  Befragungen  jeweils  nach  Rückübersetzung  die  Korrektheit  und  Wahrheit  respektive  Vollständigkeit der Vorbringen unterschriftlich bestätigte,  ist der Einwand  unbehelflich.  Zudem  brachte  die  bei  der  direkten  Anhörung  anwesende  Hilfswerkvertreterin keine Bemerkungen betreffend die Übersetzung und  die Protokollierung an. 3.4.  In  materieller  Hinsicht  sind  nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts in Kosovo die bisher zuständigen Behörden –  im Rahmen ihrer Möglichkeiten – systematisch gegen Bedrohungen und  Übergriffe  Dritter  vorgegangen.  Insoweit  kann  zum  heutigen  Zeitpunkt,  entgegen  der  in  der  Rechtsmitteleingabe  geäusserten  Ansicht,  vom  Schutzwillen  und  auch  von  einer  weitgehenden  Schutzfähigkeit  der  in  Kosovo tätigen nationalen Sicherheitsbehörden ausgegangen werden. 3.4.1. Die  Vertreter  der  neuen  Regierung  haben  sich  im  Rahmen  ihrer  Unabhängigkeitserklärung  im  Februar  2008  verpflichtet,  sämtliche  Verträge und Absprachen, die sich aus dem "Umfassenden Vorschlag zur  Regelung  des  Kosovostatus"  des  Sondergesandten  des  UNO­ Generalsekretärs  für den Prozess zur Bestimmung des künftigen Status  von  Kosovo  ergeben,  vollumfänglich  zu  erfüllen.  Was  die  allgemeine  Situation  der Angehörigen  der  goranischen Ethnie  in Kosovo  betrifft,  ist  festzustellen,  dass  sie  als  gut  integrierte Minderheit  selbst während  der  Unruhen  im  März  2004  grösstenteils  verschont  blieben  und  gemäss  Lageberichten  für  sie  die Situation  auch nach den Unruhen weitgehend  stabil geblieben ist. 3.4.2. Das Bundesverwaltungsgericht  geht  davon aus,  dass Angehörige  ethnischer Minderheiten grundsätzlich die Möglichkeit haben, sich an die  Behörden  zu  wenden  und  diese  um  Schutz  vor  Übergriffen  Dritter  zu  ersuchen.  Zudem  bejaht  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  Rechtsprechung  den  generellen  Schutzwillen  und  die  generelle  Schutzfähigkeit der zuständigen Sicherheitskräfte bezüglich strafrechtlich  relevanter  Übergriffe  auf  Angehörige  der  ethnischen  Minderheiten  in  Kosovo  (vgl.  zur  Publikation  vorgesehenes  Urteil  BVGE  D­6827/2010  vom 2. Mai 2011 E. 4.7).

D­1278/2011 3.4.3.  Das  BFM  führte  zur  Begründung  seines  ablehnenden  Asylentscheides  zu  Recht  aus,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführer  hielten  den  Anforderungen  an  Art.  3  AsylG  nicht  stand,  da  Übergriffe  durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, nur  dann  asylrelevant  seien,  wenn  der  Staat  seiner  Schutzpflicht  nicht  nachkomme oder nicht  in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Straftaten  würden  von  den  Behörden  in  Kosovo  im  Rahmen  ihrer  Möglichkeiten  verfolgt. Bei  den  geltend  gemachten  Bedrohungen  durch  Angehörige  der  albanischen  Ethnie  handelt  es  sich  um  Übergriffe  Dritter.  Die  geltend  gemachten  Übergriffe  seitens  ethnischer  Albaner  auf  die  Beschwerdeführer  sind  nicht  asylrelevant,  da  ihnen  die  Möglichkeit  offenstand, sich an die heimatlichen Behörden zu wenden und diese um  Schutz zu ersuchen. Auch ist dem BFM zuzustimmen, wenn es ausführt,  dass die Einwände der Beschwerdeführer zu den Gründen, weshalb sie  sich  nicht  an  die  Behörden  gewendet  hätten,  nicht  zu  überzeugen  vermöchten.  In der Tat bestehen vorliegend keine Hinweise dafür,  dass  ihnen  –  soweit  überhaupt  in  Anspruch  genommen  –  staatlicher  Schutz  verweigert worden wäre; eine Einschätzung, die denn auch durch die im  vorinstanzlichen  Verfahren  eingereichten  Belege  der  Beschwerdeführer  vielmehr  gestützt  denn  widerlegt  wird.  Aufgrund  der  Aktenlage  ist  nicht  auch nur annähernd hinreichend dargelegt, dass der kosovarische Staat  den  Beschwerdeführern  adäquaten  Schutz  verweigert  hätte  oder  in  Zukunft verweigern würde. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, die von  den  Beschwerdeführern  angeführten  Sachverhaltselemente  auf  ihre  Glaubhaftigkeit  zu  prüfen.  Immerhin  ist  an  dieser  Stelle  darauf  hinzuweisen, dass die Beschwerdeführer in ihrer Rechtsmitteleingabe zu  den  im  angefochtenen  Entscheid  angeführten  Unglaubhaftigkeitselementen keinerlei Entgegnungen vorgebracht haben. 3.5.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführer den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht  genügen; die entsprechende Feststellung des BFM ist zu bestätigen. Es  kann  darauf  verzichtet  werden,  auf  die  übrigen  Erwägungen  der  Vorinstanz  und  die weiteren Darlegungen  in  der Beschwerdeschrift  und  deren  Ergänzung  –  soweit  die  Asylgründe  betreffend  –  weitergehend  einzugehen.  Die  Vorinstanz  hat  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführer  zu Recht und mit zutreffender Begründung abgelehnt. 4. 

D­1278/2011 4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2. Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 5.  5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 5.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Be­handlung unterworfen werden. 5.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da die Beschwerdeführer 

D­1278/2011 keine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder  glaubhaft  zu machen  vermögen,  kann  das  in Art.  5 AsylG  verankerte Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführer  nach  Kosovo  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  aus  den  Akten  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folteraus­schusses  müssten  die  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung drohen würde  (vgl. EGMR,  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  aus  der  allgemeinen  Menschenrechtssituation  in  Kosovo  oder  aus  der  Tatsache,  dass  dort  Angehörige  ethnischer  Minderheiten  in  verschiedener  Hinsicht  Diskriminierungen – so auch von Seiten privater Dritter – ausgesetzt sind,  lässt  sich  noch  kein  reales Risiko  von Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  herleiten.  Hinsichtlich  der  angeführten  gesundheitlichen  Probleme,  so  insbesondere  beim  Beschwerdeführer  A._______,  ist  festzustellen,  dass  in  casu  aussergewöhnliche  Umstände,  die  gestützt  auf  die  Praxis  des  Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zu Art. 3 EMRK  zur  Feststellung  der  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzuges  aus  gesundheitlichen  Gründen  führen  könnten  (vgl.  dazu  das  Urteil  des  EGMR  Emre  gegen  die  Schweiz  vom  22.  Mai  2008,  Verfahren  Nr.  42034/04), aufgrund der Akten nicht ersichtlich sind. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.4.  5.4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818).

D­1278/2011 5.4.2.  Die  Vorinstanz  hielt  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  dass  weder  die  im Heimatstaat  herrschende politische Situation  noch  andere  Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung nach Kosovo sprechen  würden.  Die  Sicherheitslage  habe  sich  in  den  vergangenen  Jahren  verbessert  oder  zumindest  stabilisiert  und  die  Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten Gefährdung für Bosniaken, Torbes und Gorani alleine aufgrund  der  Ethnie  könne  weitgehend  ausgeschlossen  werden.  Zudem  sei  für  diese  Ethnien  die  Bewegungsfreiheit  grundsätzlich  in  ganz  Kosovo  gegeben.  Auch  der  Zugang  zu  den  medizinischen  und  sozialen  Strukturen sei  in aller Regel gewährleistet. Die Beschwerdeführer hätten  jahrelang die Schule  besucht  und  verfügten  über  ein  grosses  familiäres  Beziehungsnetz,  im  Falle  von  A._______  über  langjährige  Berufserfahrung  sowie  eigene  Häuser,  Läden  und  ein  Grundstück.  Gemäss eigenen Angaben würden auch die  in der Heimat verbliebenen  Verwandten gut  leben. A._______ gebe an,  an  (Nennung Krankheit)  zu  leiden,  währenddessen  die  Ausführungen  von  B._______  zum  Gesundheitszustand  der  Familie  gegensätzlich  ausgefallen  seien.  Angesichts  der  gegensätzlichen  Vorbringen  und  weil  die  medizinische  Versorgung  in  Kosovo  mit  Ausnahme  einiger  Krankheitsbilder  grundsätzlich  gewährleistet  sei,  sei  davon  auszugehen,  dass  die  gesundheitlichen  Probleme  der  Beschwerdeführer  in  ihrer  Heimat  behandelbar seien. 5.4.3.  In  der  Beschwerdeschrift  führen  die  Beschwerdeführer  zur  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  aus,  dass  sie  als  Angehörige  einer  ethnischen  Minderheit  Zielscheibe  von  Übergriffen  durch  die  Albaner würden und daher infolge fehlender Sicherheit in Kosovo an Leib  und Leben gefährdet seien. Zudem sei der Beschwerdeführer psychisch  erkrankt und stehe in der Schweiz in ärztlicher Behandlung. 5.4.4.  In  Kosovo  herrscht  im  jetzigen  Zeitpunkt  nicht  eine  generell  unsichere, von bewaffneten Konflikten oder jederzeit drohenden Unruhen  geprägte Lage, aufgrund derer die Beschwerdeführer bei einer Rückkehr  unweigerlich  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  würden.  Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  weite  Teile  der  ansässigen  Bevölkerung  betroffen  sind,  genügen  nicht,  um  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  BVGE  2010/41 E. 8.3.6 S. 591, EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215).  Die  Beschwerdeführer  gehören  der  Minderheit  der  slawischen  Muslime  und innerhalb dieser der Untergruppe der Gorani an. Was die allgemeine 

D­1278/2011 Lage der slawischen Muslime betrifft, so wurde ihnen im Vergleich zu den  Angehörigen  der  Ethnien  der  Roma,  Ashkali  und  „Ägypter“  (vgl.  BVGE  2007/10 mit weiteren Hinweisen) sowie den Kosovo­Serben schon immer  eine  höhere  Toleranz  entgegengebracht.  Im  Zusammenhang  mit  der  Beurteilung der Vollziehbarkeit einer Wegweisung äusserte sich die ARK  bereits  in EMARK 2002 Nr.  22  zur Situation  der  slawischen Muslime  in  Kosovo.  Gemäss  aktueller  Rechtsprechung  ist  ein Wegweisungsvollzug  der  slawischen  Muslime,  so  insbesondere  der  Gorani,  in  sämtliche  Gebiete  von  Kosovo  –  mit  Ausnahme  der  Region  von  Mitrovica  –  als  zumutbar zu erachten (vgl. zur Publikation vorgesehenes Urteil BVGE D­ 6827/2010 vom 2. Mai 2011 E. 8.6). Dem  BFM  ist  darin  zuzustimmen,  dass  die  Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten Gefährdung  für  Angehörige  der Gorani  alleine  aufgrund  ihrer  Ethnie  weitgehend  ausgeschlossen  werden  kann.  Zudem  ist  für  diese  Ethnie die Bewegungsfreiheit in Kosovo grundsätzlich gegeben. Auch ihr  Zugang zu den medizinischen und sozialen Strukturen  ist  in aller Regel  gewährleistet  (vgl.  etwa  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­ 7846/2008 vom 15. September 2010 E. 9.6.). Das Gericht verkennt nicht,  dass  die  Reintegration  in  Kosovo  insbesondere  für  Minderheiten  schwierig  sein  kann.  Dieser  Umstand  vermag  jedoch  keine  konkrete  Gefährdung derselben zu begründen.  5.5.  In  Bezug  auf  die  individuelle  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges sind folgende Aspekte zu beachten:  5.5.1.  Aus  dem  am  5.  April  2011  eingereichten  ärztlichen  Bericht  A._______  betreffend  ergibt  sich,  dass  dieser  (Nennung  Anamnese,  Diagnose  und  Therapie).  Der  Beschwerdeführer  habe  den  ständigen  Druck  von  Extremisten  und  die  damit  einhergehende  Angst  psychisch  nicht mehr ausgehalten und sei nach dem Kosovo­Krieg während (...)  in  Kosovo  bereits  in  ambulanter  psychiatrischer  Behandlung  wegen  (Nennung Krankheit) gewesen. Diesbezüglich  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seinem  Heimatland  wegen  seines  Gesundheitszustandes  einerseits  nicht  einer  unmittelbaren und schweren Gefährdung ausgesetzt ist und andererseits  in Kosovo die medizinische Versorgung auch mit Blick auf die vorliegend  benötigte  (...)  Behandlung  als  ausreichend  zu  bezeichnen  ist  (vgl.  zur  Publikation vorgesehenes Urteil BVGE D­6827/2010 vom 2. Mai 2011 E.  8.8.2). Es  ist  ihm zuzumuten, die  in der Schweiz begonnene ambulante 

D­1278/2011 (...) Behandlung im Bedarfsfall in seiner Heimat weiterzuführen, zumal er  dort  gemäss eigenen Angaben bereits  in Behandlung war. Das Gleiche  hat  auch  für  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  betreffend den (Nennung Krankheit) zu gelten. Aus diesem Grund stehen  die  gesundheitlichen  Probleme  einer  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nicht  entgegen.  Der  Zugriff  auf  die  genannten  Behandlungsmöglichkeiten  lässt  sich  im  Bedarfsfall  in  Form  einer  individuellen Rückkehrhilfe sicherstellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG,  Art.  75  der  Asylverordnung  2  vom  11.  August  1999  über  Finanzierungsfragen  [AsylV  2,  SR  142.312]).  Der  im  erwähnten  Arztbericht  festgehaltenen  Verschlechterung  des  (...)  Zustandes  von  A._______  wegen  des  negativen  Asylentscheides  und  des  verstärkten  Drucks  für die Ausschaffung, was die  therapeutischen Bemühungen zur  Stabilisation  erschwerten,  kann  mit  einer  angemessenen  Vorbereitung  und allfälligen ärztlichen Begleitung des Vollzugs der Wegweisung durch  die zuständige Vollzugsbehörde Rechnung getragen werden. 5.5.2.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  gemäss  eigenen  Angaben  über  einen  Mittelschulabschluss  in  Richtung  Maschinenbau  sowie  über  eine  Ausbildung  (Nennung  Ausbildung)  und  arbeitete  zunächst  in  (Nennung  bisherige Arbeitsstellen). Die Beschwerdeführerin  verfügt  ihrerseits  über  einen Mittelschulabschluss in Richtung Jurisprudenz und C._______ über  eine neunjährige Schulbildung. Trotz der angespannten Arbeitsmarktlage  in  Kosovo  ist  anzunehmen,  dass  A._______  gute  Chancen  hat,  den  Wiedereintritt zu schaffen, zumal die Beschwerdeführer in Kosovo zudem  über  ein  grosses  Beziehungsnetz  verfügen,  verschiedene  Immobilien  besitzen  und  weitere  nahe  Verwandte  von  ihnen  in  diversen  europäischen  Ländern  leben  (vgl.  act.  A3/15,  S.  2  f.;  A6/12,  S.  2  f.),  welche  sie  im Bedarfsfall  zumindest  in  finanzieller Hinsicht  unterstützen  könnten. Sodann ist dem (...) Beschwerdeführer C._______ die Rückkehr  in  die  Heimat  auch  in  Berücksichtigung  des  Aspekts  des  Kindeswohls  zuzumuten,  zumal  er  sich  mit  seinen  Familienangehörigen  erst  wenige  Monate  in  der  Schweiz  aufhält  und  von  einer  auch  nur  ansatzweisen  Integration in die hiesigen Verhältnisse keine Rede sein kann. 5.5.3. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten als  zumutbar.  5.6. Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführern, sich nötigenfalls bei  der  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb  der 

D­1278/2011 Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs.  2 AuG, vgl. auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.). 5.7. Zusammenfassend hat das BFM den Wegweisungsvollzug zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs.  1­4 AuG). 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 7.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich  den  unterliegenden  Beschwerdeführern  aufzuerlegen  (Art.  63 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführer haben jedoch um unentgeltliche  Prozessführung  nach  Art.  65  Abs.  1  VwVG  ersucht.  Gemäss  dieser  Bestimmung befreit die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht über die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint.  In  casu  erschienen  die  Anträge  der  Beschwerdeführer  nicht  als  aussichtslos.  Da  zudem  von  ihrer  Bedürftigkeit  auszugehen  ist,  ist  das  Gesuch  gutzuheissen  und  von  der  Erhebung  von  Verfahrenskosten  abzusehen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1278/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige  kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-1278/2011 — Bundesverwaltungsgericht 09.08.2011 D-1278/2011 — Swissrulings