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Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 D-1006/2011

11 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,717 mots·~14 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Januar 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1006/2011 Urteil   v om   1 1 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Bendicht Tellenbach,    Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, Serbien,   C._______, geboren D._______, Kosovo,  alias E._______, geboren D._______, Serbien,  F._______, geboren G._______, Serbien,   H._______, geboren I._______, Serbien,   J._______, geboren K._______, Serbien,   alle vertreten durch Dr. iur. René Bussien, Rechtsanwalt,  L._______,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Januar  2011 / N _______.

D­1006/2011 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer – ein serbischer Staatsangehöriger der Ethnie der  Roma – und seine aus der Republik Kosovo stammende Ehefrau sowie  deren  Kinder  verliessen  Serbien  eigenen  Angaben  zufolge  am  17.  November  2010.  Via  M._______  und  N._______  sowie  weitere,  ihnen  unbekannte Länder gelangten sie am 27. November 2010 in die Schweiz,  wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten. Am 7. Dezember 2010 wurde  im  Transitzentrum  O._______  die  summarische  Befragung  und  am  20.  Dezember 2010 die Direktbefragung durchgeführt. Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches  im  Wesentlichen geltend,  im Jahre 2001 sei er  im Militärdienst von eigenen  Soldaten angegriffen und verletzt worden. Er sei mit seiner Familie nach  dem Kosovo­Krieg wieder nach Kosovo zurückgekehrt, sie hätten aber im  Jahre  2001  ausreisen müssen,  weil  Albaner  sie  vertrieben  und  gedroht  hätten, das Haus in Brand zu setzen. Deshalb seien sie nach P._______  (Serbien),  seinem  Herkunftsort,  geflohen.  Seitdem  seine  Freunde  und  Nachbarn erfahren hätten, dass seine Frau aus Kosovo stamme, habe er  in  Serbien  grosse  Probleme  gehabt.  Seit  dem  Jahr  2003  beziehungsweise  2004  seien  sie  von  der  einheimischen  Bevölkerung  boykottiert und beschimpft worden. Insbesondere die Jugendlichen hätten  ihnen  Probleme  bereitet,  so  hätten  sie  die  Fenster  ihres  Hauses  mit  Steinen  eingeschlagen  und  Schweineköpfe  in  den  Hof  geworfen.  Auch  seine Kinder seien von Jugendlichen belästigt worden, weshalb er bereits  mehrmals Anzeige erstattet habe. Die Intervention bei der Schuldirektion  habe  aber  zu  keiner  Verbesserung  der  Situation  geführt,  weshalb  die  Kinder nicht mehr zur Schule gegangen seien. Er selbst sei zwei Mal von  den  serbischen  Behörden  gebüsst  worden,  weil  er  gegen  die  Marktordnung verstossen habe. Die  Ehefrau  stützte  sich  im  Wesentlichen  auf  die  Asylgründe  ihres  Ehemannes  und  führte  zusätzlich  an,  Jugendliche  hätten  kurz  vor  ihrer  Ausreise  versucht,  sie  zu  vergewaltigen.  Ihr  Mann  habe  die  Angreifer  vertreiben  können  und  die  Polizei  gerufen.  Auf  eine Anzeige  hätten  sie  aus Furcht vor weiteren Übergriffen verzichtet.  B.  Mit Verfügung vom 13. Januar 2011 – eröffnet am gleichen Tag – lehnte  das  BFM  die  Asylbegehren  der  Beschwerdeführer  ab  und  ordnete  gleichzeitig  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Vollzug  an.  Die 

D­1006/2011 Vorinstanz  begründete  ihre Verfügung  im Wesentlichen  damit,  dass  die  Schilderungen  der  Beschwerdeführer  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  und  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  nicht  standhielten.  Der  Vollzug  der  Wegweisung sei als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. C.  Mit  Eingabe  vom  10.  Februar  2011  (Poststempel)  erhoben  die  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde,  wobei  sie  beantragten, es sei die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und ihnen  Asyl zu gewähren. Weiter seien die Dispositiv Ziffern 3 und 4 aufzuheben  und  von  einer  Wegweisung  sei  abzusehen.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragten  sie  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG und den Verzicht auf die Erhebung  eines Kostenvorschusses. D.  Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  2.  März  2011 wurde den Beschwerdeführern mitgeteilt, dass sie den Ausgang des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  können.  Gleichzeitig  wurde  das  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65  Abs.  1  und  2  VwVG  abgewiesen  und  die  Beschwerdeführer  –  unter  Androhung  des  Nichteintretens  im  Unterlassungsfall  –  aufgefordert,  bis  zum  17. März  2011  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 600.­  einzuzahlen. E.  Der einverlangte Kostenvorschuss wurde am 4. März 2011 einbezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 

D­1006/2011 vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG,  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Ein  solches  Auslieferungsbegehren  liegt  nicht  vor,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführer  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.5. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21  Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf  die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2.  2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

D­1006/2011 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.  3.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  des  ablehnenden  Asylentscheides  im Wesentlichen  fest,  die unglaubhaften Angaben über  den  Reiseweg  würden  erste  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten Verfolgung eröffnen. So  sei  zunächst  festzuhalten,  dass  die  Reiseangaben der Beschwerdeführer widersprüchlich ausgefallen  seien.  Der Beschwerdeführer habe beispielsweise anlässlich der Kurzbefragung  erklärt,  sie  seien  von N._______  aus  per Minibus  via M._______  durch  ihm  unbekannte  Länder  bis  nach  Q._______  gefahren,  wobei  er  noch  R._______  und  S._______  als  mögliche  Reisestationen  genannt  habe.  Während  der  Anhörung  habe  er  dann  auch  noch  T._______  als  Transitland genannt. Des Weiteren habe er angegeben, die Fussmärsche  über  die  Grenzen  hätten  immer  nachts  stattgefunden,  wogegen  die  Beschwerdeführerin  ausgesagt  habe,  sie  seien  auch  tagsüber  zu  Fuss  unterwegs gewesen. Ferner habe der Beschwerdeführer erklärt, sie seien  mit verschiedenen Minibussen gereist und es habe bei seinem Sitzplatz  sowie  denjenigen  seiner  Frau  und  der  Kinder  keine  Fenster  gegeben.  Dagegen  habe  die  Beschwerdeführerin  angegeben,  sie  hätten  auf  der  gesamten  Reise  nur  einen  Minibus  benutzt  und  es  habe  bei  ihren  Sitzplätzen  Fenster  gehabt.  Des  Weiteren  sei  die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  sie  hätten  aufgrund  der  Herkunft  der  Beschwerdeführerin  keinen  serbischen  Pass  beantragen  können,  als  tatsachenwidrig  einzustufen.  Die  widersprüchlichen  und  tatsachenwidrigen  Angaben  zum  Reiseweg  beziehungsweise  zum  Zugang  zu  serbischen  Pässen  liessen  den  Verdacht  aufkommen,  dass  die  Beschwerdeführer  ihre  Reise  in  die  Schweiz  mit  ihren  gültigen  Reisepässen absolviert hätten und somit die wahren Umstände ihrer Aus­  und  Herreise  oder  frühere  Aufenthalte  in  anderen  Ländern  zu  verheimlichen versuchten. Massive Widersprüche  in  den  Aussagen  der  Beschwerdeführer  würden  bewirken, dass die Asylvorbringen als unglaubhaft zu qualifizieren seien. 

D­1006/2011 So  seien  die  Zeitangaben  betreffend  den  Beginn  der  Behelligungen  seitens der Nachbarn nicht übereinstimmend ausgefallen. Bezüglich der  Anzahl Anzeigen habe er anlässlich der Kurzbefragung erklärt, zwei oder  drei  Mal  Anzeige  erstattet  zu  haben  und  zu  diesem  Zweck  zum  Polizeiposten  in  P._______  gegangen  zu  sein.  Demgegenüber  habe  er  zu einem späteren Zeitpunkt der Anhörung angegeben, nie eine Anzeige  erstattet  zu  haben,  sondern  lediglich  die  Polizei  über  die  Probleme mit  den  Serben  informiert  zu  haben.  Zudem  sei  er  auch  nie  persönlich  auf  den  Polizeiposten  gegangen,  sondern  habe  die  Polizei  telefonisch  benachrichtigt.  Er  habe  bei  der  Kurzbefragung  erklärt,  die  Polizei  habe  zwar  jeweils Hilfe  versprochen,  aber  nie  etwas  unternommen, wogegen  er  bei  der  Direktanhörung  zu  Protokoll  gegeben  habe,  die  Polizei  sei  einige  Male  vorbeigekommen  und  habe  auch  mit  den  serbischen  Übeltätern  gesprochen.  Bei  diesen  Besuchen  sei  jeweils  auch  seine  Familie  zugegen  gewesen.  Die  Beschwerdeführerin  habe  indessen  anlässlich  der  Kurzbefragung  erklärt,  wegen  der  Probleme  mit  den  Serben  nie  zur  Polizei  gegangen  zu  sein.  Sie  wisse  auch  nicht,  ob  ihr  Mann deswegen  jemals  zur Polizei  gegangen  sei,  sie  glaube aber  eher  nicht. Bei der Direktanhörung habe sie dann erklärt,  ihr Mann habe den  letzten  Zwischenfall  vor  der  Ausreise  bei  der  Polizei  gemeldet.  Ferner  habe die Beschwerdeführerin  (recte: der Beschwerdeführer) angegeben,  der  letzte  Vorfall  habe  sich  drei  oder  vier  Tage  vor  der  Ausreise  zugetragen, als jugendliche Serben ihr Haus mit Steinen beworfen hätten.  Die  Beschwerdeführerin  habe  jedoch  ein  anderes  Ereignis  als  letzten  Vorfall  vor  der  Ausreise  geschildert.  Sie  habe  nämlich  erklärt,  am  U._______ hätten Jugendliche versucht,  sie zu vergewaltigen.  Ihr Mann  sei  ihr  zu  Hilfe  gekommen  und  habe  die  jugendlichen  Angreifer  vertrieben,  worauf  die  Polizei  gekommen  sei  und  die  Übeltäter  mitgenommen  habe.  Bei  diesem  Vorfall  habe  ihr  Mann  die  Polizei  informiert. Diesen Vergewaltigungsversuch habe ihr Mann aber weder bei  der  Kurzbefragung  noch  anlässlich  der  Direktanhörung  erwähnt,  was  aufgrund  der  Brisanz  kaum  nachvollziehbar  sei.  Somit  sei  auch  nicht  plausibel,  weshalb  die  Ehefrau  diesen  Vorfall  nicht  bereits  bei  der  Kurzbefragung  erwähnt  habe.  Des  Weiteren  habe  die  Beschwerdeführerin  nichts  von  dem  Vorfall  mit  den  Steine  werfenden  Jugendlichen,  den  der  Beschwerdeführer  als  letzten  Vorfall  vor  der  Ausreise  erwähnt  habe,  gewusst.  Er  habe  überdies  widersprüchliche  Angaben zum Zeitpunkt gemacht, an dem er sich das  letzte Mal an die  Polizei  gewandt  habe.  Des  Weiteren  hätten  beide  Beschwerdeführer  diskrepante  Aussagen  zu  den  unternommenen  Schritten,  um  die  vermissten Familienmitglieder der Beschwerdeführerin zu  finden, zu den 

D­1006/2011 Besuchen beim Schulleiter  sowie zu den Personen, die sie aus Kosovo  vertrieben und ihr Haus in Beschlag genommen hätten, gemacht. Selbst  bei  Wahrheitsunterstellung  würden  die  von  den  Beschwerdeführern  geltend  gemachten  Benachteiligungen  nicht  eine  Intensität  erreichen,  welche  ihnen  ein  menschenwürdiges  Leben  in  Serbien  verunmöglichen  oder  in  unzumutbarer  Weise  erschweren  würden,  weshalb  die  Vorbringen  keine  asylrechtliche  Relevanz  zu  entfalten vermöchten. Im Weiteren hätten die Beschwerdeführer auch betreffend die Frage, ob  die  Polizei  bei  Übergriffen  jeweils  benachrichtigt  worden  sei,  beziehungsweise zum Verhalten der um Hilfeleistung angerufenen Polizei  divergierende und somit unglaubhafte Angaben gemacht. Doch selbst bei  Wahrheitsunterstellung  hätten  es  die  Beschwerdeführer  unterlassen,  gegen  die  Polizisten  rechtlich  vorzugehen,  womit  sie  den  serbischen  Behörden die Möglichkeit genommen hätten, sie zu schützen. In  casu  würden  sich  keine  substanziellen  Hinweise  auf  eine  Verweigerung  staatlichen  Schutzes  ergeben.  Zudem  liessen  die  Aussagen der Beschwerdeführer darauf schliessen, dass die Polizei die  Übergriffe  und  Schikanen  der  Serben  gegenüber  ihnen  nicht  einfach  toleriert  und  tatenlos  hingenommen  habe.  Da  demnach  vom  Vorhandensein  eines  adäquaten  Schutzes  durch  den  Heimatstaat  auszugehen  sei,  seien  die  geltend  gemachten  Übergriffe  auch  bei  Wahrheitsunterstellung nicht asylrelevant.  Sodann sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführer nicht auf den Schutz  eines  Drittstaates  angewiesen  seien,  zumal  sie  in  Serbien  nicht  behördlich  verfolgt  worden  seien  und  sich  allenfalls  auch  an  einem  anderen Wohnsitz  hätten niederlassen können. Zudem sei  festzuhalten,  dass  den  geltend  gemachten  Problemen  mit  Albanern  im  Jahr  2001  sowie  dem  Vorfall  im  Militärdienst  ein  zeitlicher  und  kausaler  Zusammenhang  zwischen  Verfolgung  und  der  aktuellen  Ausreise  fehle  und den Ereignissen somit keine Asylrelevanz zukomme. 3.2. In der Beschwerde wird geltend gemacht, entgegen der Begründung  in  der  angefochtenen  Verfügung  hätten  sie  konkret  und  detailliert  ausgesagt,  was  sie  zur  Ausreise  aus  ihrem  Herkunftsland  veranlasst  habe. Ihre Aussagen seien in sich und in den Kernaussagen stimmig und  würden keine Brüche aufweisen. Es sei kein Argument gegen die von den 

D­1006/2011 Beschwerdeführern vorgebrachten Asylgründe, wenn die Aussagen über  die Reise nicht haargenau und  in  jedem Detail übereinstimmen würden.  So  hätten  sie  den  Fluchtweg  unterschiedlich  erlebt,  was  nichts  an  der  Glaubhaftigkeit  ihrer  Schilderungen  über  die  Verfolgungen  wegen  der  unterschiedlichen ethnischen Herkunft – der Beschwerdeführer sei Roma,  die  Beschwerdeführerin  gehöre  dem  Volk  der  V._______  an  –  ändere.  Gewisse  Unschärfen  in  den  Aussagen  würden  nicht  das  Gegenteil  beweisen, sondern höchstens, dass sich die Beschwerdeführer jedenfalls  nicht  abgesprochen  hätten.  Es  sei  für  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft nicht von Bedeutung, ob die Probleme unmittelbar  nach  ihrer  Rückkehr  aus  Kosovo  begonnen  hätten  oder  nachdem  die  Nachbarn  erfahren  hätten,  woher  die  Beschwerdeführer  stammten.  Dasselbe gelte  für die von der Vorinstanz "herausgefundene Unschärfe"  bezüglich  der  bei  der  Polizei  eingereichten  Anzeigen.  Die  Beschwerdeführerin möge unter einer Anzeige etwas anderes verstehen  und  zudem  könnten  darunter  verschiedene  Handlungen  oder  Äusserungen  verstanden  werden.  Der  Kern  der  Aussagen  sei  übereinstimmend und glaubhaft: man habe sie nicht ernst genommen und  die  Behörden  würden  Personen  mit  ihrer  ethnischen  Herkunft  nicht  unterstützen. Dass  der Vergewaltigungsversuch  nicht  zu Beginn  erwähnt worden  sei,  sondern  erst  anlässlich  der  zweiten  Anhörung,  sei  logisch,  nachvollziehbar  und  verständlich,  aber  keineswegs  ein  Zeichen  von  Unglaubhaftigkeit.  Der  Beschwerdeführer  hätte  sich  geschämt,  einen  solchen  intimen  Vorgang  vor  Einvernahmepersonen  zu  Protokoll  zu  schildern. Auch für die Beschwerdeführerin sei das nicht leicht gewesen.  Erst  im  Verlaufe  der  zweiten  Befragung  habe  sie  sich  getraut,  darüber  überhaupt ein Wort zu erwähnen. 4.  4.1.  Glaubhaft  sind  die  Vorbringen  eines  Asylsuchenden  grundsätzlich  dann,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich  sein oder der  inneren Logik  entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person  persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall  ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel  abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen 

D­1006/2011 auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung bedeutet  ferner –  im Gegensatz zum strikten Beweis  – ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Art. 7  Abs. 2  und  3 AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4.2. Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung zu Recht die Angaben  betreffend den behaupteten Reiseweg als unglaubhaft qualifiziert. In den  diesbezüglichen  Aussagen  der  Beschwerdeführer  sind  markante  Abweichungen  festzustellen.  Unter  anderem  erklärte  der  Beschwerdeführer,  sie  seien  mit  verschiedenen  Fahrzeugen  gereist,  wobei  es  sich  bei  den  Fahrzeugen  um  Transporter  ohne  Fenster  gehandelt habe; die Fussmärsche über die Grenze hätten  immer nachts  stattgefunden  (vgl.  A  10/17,  S. 10 f.).  Demgegenüber  erklärte  die  Beschwerdeführerin, sie hätten die Reise im selben Fahrzeug absolviert,  welches  über  Fenster  verfügt  habe.  Die  Fussmärsche  seien  auch  tagsüber gewesen (vgl. A 9/14, S. 8 f.). Es handelt sich dabei um zentrale  Vorkommnisse,  bei  denen  klarerweise  übereinstimmende  Angaben  der  Beschwerdeführer  zu  erwarten  gewesen  wären.  Der  Einwand  in  der  Beschwerde, wonach ihre Aussagen nicht haargenau und in jedem Detail  übereinstimmten,  weil  sie  den  Fluchtweg  unterschiedlich  erlebt  hätten,  vermag  nicht  zu  überzeugen  und  ist  als  nachgeschobener  Erklärungsversuch  zu  werten.  Zudem  erscheint  unwahrscheinlich,  dass  die Beschwerdeführer – die gemäss eigenen Angaben auf dem Landweg  via N._______, M._______, T._______ und R._______ oder W._______  in  die  Schweiz  gelangt  sind  –  auf  der  gesamten  Reise  nie  kontrolliert  worden sind. Auch  in  Bezug  auf  die  asylbegründenden  Vorbringen  der  Beschwerdeführer  bestehen  zahlreiche  Ungereimtheiten.  Insbesondere  ist  wenig  nachvollziehbar,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  gewusst  haben  will,  ob  sich  ihr  Mann  aufgrund  der  geltend  gemachten  Behelligungen  jemals  an  die  Polizei  gewendet  hat,  zumal  die  genannte  Bedrohungssituation  fluchtauslösend  gewesen  sein  soll.  Bezeichnenderweise  sind  die  diesbezüglichen  Aussagen  seitens  des 

D­1006/2011 Beschwerdeführers  ausgesprochen  vage  und  widersprüchlich  ausgefallen. So gab er anlässlich der Kurzbefragung an, zwei bis drei Mal  auf  dem  Polizeiposten  Anzeige  erstattet  zu  haben  (vgl.  A  1/11,  S.  7),  wogegen  er  bei  der  Direktbefragung  erklärte,  er  habe  nie  Anzeige  erstattet und sei deswegen auch nie auf dem Polizeiposten gewesen (vgl.  A  10/17,  S.  7  und  14).  In  der  Beschwerdeschrift  fehlen  denn  auch  in  diesen Punkten nachvollziehbare Argumente, welche die Auffassung des  BFM  als  ungerechtfertigt  erscheinen  lassen  würden.  Auf  die  entsprechenden  vorinstanzlichen  Erwägungen  kann  mithin  verwiesen  werden.  Betreffend die behaupteten Belästigungen ihrer Kinder in der Schule wäre  sodann  zu  erwarten,  dass  die  Beschwerdeführer  in  Kenntnis  darüber  sind,  ob  es  in  der  Romagemeinschaft  noch  andere  Betroffene  gibt  und  man  sich  allenfalls  zur  Wehr  setzen  könnte.  Die  Beschwerdeführerin  sagte  lediglich  aus,  sie wisse  nicht,  ob  andere Roma­Familien  ähnliche  Probleme  hätten  (vgl.  A  9/14,  S.  11).  Dies  ist  angesichts  des  engen  Zusammenhalts  in  der  Gemeinschaft  der  Roma  nicht  nachvollziehbar.  Insgesamt ergeben sich damit weitere gewichtige Zweifel  bezüglich des  Ablaufs  der  Geschehnisse,  wenn  auch  nicht  ausgeschlossen  werden  kann,  dass  die  Beschwerdeführer  als  Zugehörige  einer  ethnischen  Minderheit Benachteiligungen zu erleiden haben. Betreffend  den  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  letzten  Übergriff  vor  ihrer  Ausreise  –  einer  versuchten  Vergewaltigung  –  ist  zunächst festzuhalten, dass sie den Übergriff bei der Kurzbefragung nicht  erwähnte,  sondern  erst  anlässlich  der  Direktanhörung.  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  es  zwar  als  glaubhaft,  dass  sie  wegen  ihrer  ethnischen  Zugehörigkeit  Unmutsbezeugungen  und  Schikanen  von  Angehörigen  anderer  Ethnien  ausgesetzt  war.  Die  unsubstanziierten  und  vagen  Angaben  zum  behaupteten  Vergewaltigungsversuch hingegen erscheinen wenig plausibel und es ist  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  einen  solch  zentralen  Vorfall,  der  gemäss  ihren  Angaben  den  letzten  Übergriff  vor  ihrer  Ausreise  darstellte,  nicht  bereits  bei  der  Erstbefragung  schilderte.  Der  Einwand  in  der  Beschwerde,  wonach  sich  die  Beschwerdeführerin  erst im Verlaufe der zweiten Befragung getraut habe, überhaupt ein Wort  zu erwähnen,  lässt sich nicht mit den Aussagen der Beschwerdeführerin  vereinen  und  ist  deshalb  als  nachgeschoben  zu  werten.  So  gab  sie  nämlich  auf  Nachfrage,  weshalb  sie  den  Vorfall  bei  der  Erstbefragung  nicht erwähnte, als einzigen Grund an, man habe sie nicht danach gefragt 

D­1006/2011 (vgl.  A  9/14,  S.  6).  Als  weiteres  Indiz  für  die  Unglaubhaftigkeit  des  behaupteten  Übergriffs  ist  die  Tatsache  zu  werten,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Übergriff  nicht  erwähnte  und  in Widerspruch  zu  den  Angaben  seiner  Ehefrau  erklärte,  der  letzte  Übergriff  vor  ihrer  Ausreise seien die Steinwürfe auf ihr Haus gewesen (vgl. A 10/17, S. 6). 4.3.  Das  BFM  hat  in  seinen  weiteren  Erwägungen  sodann  zu  Recht  erkannt,  dass  sich  im  Zuge  des  demokratischen Wandels  die  Situation  der ethnischen Minderheiten in Serbien entspannt hat.  4.3.1. Am 25. Februar 2002  trat das Bundesgesetz zum Schutz und zur  Freiheit  der  nationalen  Minderheiten,  welches  auch  für  die  anerkannte  Minderheit  der  Roma  Geltung  beansprucht,  in  Kraft.  Nach  einer  Gewalteskalation  in  den  Jahren  2003  und  2004  intervenierten  verschiedene internationale Organisationen.  Im Jahr 2005 wurde ein 10­ Punkte­Plan zwischen den serbischen Behörden und den Behörden der  Vojvodina  verabschiedet,  welcher  die  Verbesserung  der  ethnischen  Beziehungen zum Ziel hat. Im gleichen Jahr trat die serbische Regierung  der  "Decade  of  Roma  Inclusion",  einer  internationalen  Initiative,  welche  sowohl  Regierungs­  und  Nichtregierungsorganisationen  als  auch  die  Roma­Zivilbevölkerung  zusammenbringt,  um  die  Entwicklung  im  Zusammenhang mit  der Verbesserung des Wohlergehens der Roma zu  fördern  und  die  diesbezüglichen  Fortschritte  zu  überwachen  und  transparent  zu  machen,  bei.  Diese  Initiative  konzentriert  sich  schwergewichtig  auf  die  Bereiche  Ausbildung,  Arbeit,  Gesundheit  und  Wohnen  und  verpflichtet  die  Staaten,  andere  Kernaspekte  der  Armut,  Diskriminierung  und  Geschlechtergleichstellung  zu  berücksichtigen.  Serbien  verabschiedete  in  diesem  Zusammenhang  vier  nationale  Aktionsprogramme,  welche  sich  auf  die  Bereiche Wohnen, Gesundheit,  Ausbildung  und  Arbeit  beziehen.  Es  bestehen  Bemühungen,  gegen  diskriminierendes  Verhalten  gegenüber  Roma  vorzugehen;  unter  anderem wurde angestrebt, Roma als Polizeiangestellte anzustellen und  den  Dialog  zwischen  Polizei  und  Romagemeinschaften  zu  fördern  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7710/2006  vom  20. Februar  2009 und E­2444/2007 vom 2. Juli 2010 mit weiteren Hinweisen). 4.3.2.  In  jüngster  Zeit  konnten  weitere  Verbesserungen  im  Minderheitenschutz  verzeichnet  werden.  So  wurde  beispielsweise  am  26. März 2009  ein  Anti­Diskriminierungsgesetz  verabschiedet.  Am  31. August  2009  folgte  das  Gesetz  über  nationale  Minderheitsräte,  welches den Minderheiten grosse Autonomie  in den Bereichen Sprache, 

D­1006/2011 Bildung  und  Kultur  gewährt,  und  am  6.  Juni 2010  wurden  die  ersten  Wahlen  für diese Räte durchgeführt. Die  inter­ethnische Situation  in der  Vojvodina,  wo  die  Beschwerdeführer  herstammen,  hat  sich  weiter  verbessert  und  es  konnte  ein  Rückgang  inter­ethnischer  Vorfälle  verzeichnet  werden.  Vereinzelte  Übergriffe  durch  Drittpersonen  gegen  Roma  können  aber  weiterhin  nicht  ausgeschlossen  werden.  Der  serbische  Staat  billigt  oder  unterstützt  solche  Übergriffe  jedoch  nicht,  sondern  erweist  sich  grundsätzlich  als  schutzwillig  und  schutzfähig  und  verfolgt  die  Vorfälle  strafrechtlich.  So  konnten  in  jüngster  Zeit  in  Bezug  auf  polizeiliche  Untersuchungen  bei  inter­ethnischen  Vorfällen  Verbesserungen verzeichnet werden. Trotz politischer Sensibilisierung in  diesem  Bereich  und  Massnahmen  zur  Stärkung  der  Effizienz  der  Polizeiarbeit  kann  es  aber  vorkommen,  dass  polizeilich  untergeordnete  Behörden  bei  einer  Anzeige  die  notwendigen  Untersuchungsmassnahmen  nicht  einleiten.  In  solchen  Fällen  besteht  jedoch  die  Möglichkeit,  gegen  fehlbare  Beamte  auf  dem  Rechtsweg  vorzugehen.  Wenn  auch  eine  klare  Ahndung  von  ethnisch  motivierter  Gewalt  auf  gerichtlicher  Ebene  weiterhin  nur  zögerlich  voranzugehen  scheint,  wurden  vereinzelte  Übergriffe  gegen  Minderheiten  in  jüngster  Zeit  gerichtlich  verfolgt  (vgl.  EUROPEAN  ROMA  RIGHTS  CENTRE  [ERRC],  Parallel  submission  by  the  European  Roma  Rights  Centre  to  the  Committee On The Elimination Of All Forms Of Racial Discrimination on  Serbia for its consideration at the 78th Session 14 February to 11 March  2011,  Januar 2011;  EUROPEAN  COMMISSION,  Serbia  2010  Progress  Report,  9. November 2010;  HUMAN RIGHTS WATCH,  World  Report  2011,  Januar  2011;  US  DEPARTMENT  OF  STATE,  Country  Report  on  Human  Rights Practices 2009, 11. März 2010).  4.3.3. Nach dem Gesagten  kann nicht  davon gesprochen werden,  dass  die  Beschwerdeführer  als  Roma  beziehungsweise  Ashkali  in  Serbien  einer  Kollektivverfolgung  unterliegen,  und  es  ist  –  entgegen  den  diesbezüglichen Vorbringen  in  der Beschwerde –  von einem adäquaten  staatlichen Schutz  durch  die  serbischen Behörden  auszugehen.  Zudem  war die Schutzsuche  – eventuell verbunden mit einer Wohnsitzänderung  – für  die  Beschwerdeführer  auch  zumutbar.  Der  in  der  Rechtsmitteleingabe  geltend  gemachte  Einwand,  wonach  die  Beschwerdeführer  den  Schikanen  und  Verfolgungen  faktisch  schutzlos  ausgeliefert seien, vermag nach dem Gesagten nicht zu überzeugen. 4.3.4.  Trotz  der  Bemühungen  der  Behörden  zur  Förderung  der  Gleichbehandlung  werden  Roma  in  Serbien  aber  nach  wie  vor  Opfer 

D­1006/2011 verschiedener  Diskriminierungen,  namentlich  in  den  Bereichen  Bildung,  Arbeit,  Wohnen  und  Gesundheit,  welche  sie  in  eine  prekäre  Situation  versetzen.  Allein  mit  der  Zugehörigkeit  zur  serbischen  Minderheit  der  Roma  und  den  in  diesem  Zusammenhang  geltend  gemachten widrigen  Lebensumständen  wird  aber  noch  keine  individuelle  Betroffenheit  im  Sinne der asylrechtlichen Bestimmungen dargelegt.  4.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführer  in  Serbien bis  zu  ihrer Ausreise  keiner  asylrechtlich  relevanten Verfolgung  ausgesetzt waren. Ihnen kann weder für den Zeitpunkt ihrer Ausreise aus  dem Heimatland  noch  heute  objektiv  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  zuerkannt werden. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der  Beschwerde  einzugehen,  da  diese  an  der  rechtlichen Würdigung  nichts  zu ändern vermögen. Das BFM hat die Asylgesuche demnach zu Recht  abgelehnt.  5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, EMARK 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 

D­1006/2011 WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2.  6.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 6.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den  Beschwerdeführern  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführer nach Serbien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5  AsylG rechtmässig. Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführer  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung nach Serbien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müssten sie eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft 

D­1006/2011 machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Serbien  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 6.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.1.  Im  vorliegenden  Fall  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführer als zumutbar gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG zu erachten,  da sie nicht glaubhaft machen konnten, dass sie bei einer Rückkehr nach  Serbien  einer  konkreten  Gefährdungssituation  im  Sinne  der  zu  beachtenden  Bestimmungen  ausgesetzt  wären,  weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  ausgegangen wird.  6.3.2.  In  den  Akten  finden  sich  auch  keine  gewichtigen  Anhaltspunkte  dafür,  dass  die  Beschwerdeführer  im  Falle  der  Rückkehr  nach  Serbien  aus  sozialen,  wirtschaftlichen  oder  gesundheitlichen  Gründen  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würden.  Zweifellos  sind  die  Lebensbedingungen  für  ethnische  Roma  und  Ashkali  in  Serbien  schwierig. Wie bereits vorstehend ausgeführt, kann nicht ausgeschlossen  werden,  dass  Angehörige  dieser  ethnischen  Minderheiten  in  verschiedener  Hinsicht  benachteiligt  werden  können.  Die  möglichen  generellen Benachteiligungen gehen indessen nicht so weit, als dass von  einer generellen Unzumutbarkeit  der Rückkehr  von Roma nach Serbien  auszugehen  wäre.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  bei  der  Anhörung  angegebenen,  nicht  belegten  gesundheitlichen  Schwierigkeiten  ({…….};  vgl.  A 9/14  S.  11)  sind  auch  in  Serbien  behandelbar.  Es  dürfte  dem  Beschwerdeführer  gelingen,  sich  und  seiner  Familie  eine  Lebensgrundlage  zu  schaffen.  Sie  werden  sich  an  die  zuständigen  Stellen wenden können, damit ihnen wiederum Kindergeld und Sozialhilfe 

D­1006/2011 ausgerichtet  wird.  Es  liegt  in  der  Verantwortung  der  Beschwerdeführer,  dafür  zu  sorgen,  dass  ihre  Kinder  eingeschult  werden  und  regelmässig  am Schulunterricht  teilnehmen.  Sie  verfügen  zudem  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz,  welches  sie  nach  der  Rückkehr  in  ihr  Heimatland  bei  Bedarf unterstützen kann. 6.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführern,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung zu Recht als zulässig,  zumutbar und möglich erachtet hat.  Die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  fällt  somit  nicht  in  Betracht  (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  in  der  Höhe  von  Fr. 600.­  den  Beschwerdeführern  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG; Art. 1­3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und mit  dem  in gleicher Höhe am 4. März 2011 geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1006/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführern  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige  kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand:

D-1006/2011 — Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 D-1006/2011 — Swissrulings