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Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 C-899/2010

10 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,901 mots·~10 min·2

Résumé

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­899/2010 Urteil   v om   1 0 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Elena Avenati­Carpani,  Richterin Marianne Teuscher,    Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa­Haake. Parteien A._______,    vertreten durch Advokatin Marie­Christine Müller­Gerster,  Joerin Hopf, Advokatur Notariat Mediation,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung.

C­899/2010 Sachverhalt: A.  A._______,  geboren  1968,  reiste  am  19.  Dezember  2004  im  Familiennachzug in die Schweiz ein, nachdem sie einige Monate zuvor in  ihrer  Heimat  den  in  der  Schweiz  niedergelassenen  Landsmann  B._______  –  14  Jahre  jünger  als  sie  –  geheiratet  hatte.  Der  Kanton  Waadt erteilte  ihr daraufhin eine Aufenthaltsbewilligung, die  regelmässig  verlängert wurde. B.  Am  1.  August  2005  nahm  sie  in  Basel  eine  Anstellung  in  einem  Restaurantbetrieb  auf,  ohne  den  Kantonswechsel  zu  melden  und  ohne  über  eine  entsprechende  Arbeitsbewilligung  zu  verfügen.  Nach  einer  Personenkontrolle  am  13.  Oktober  2005  wurde  sie  deswegen  vom  Sicherheitsdepartement  des  Kantons  Basel­Stadt  an  das  Strafgericht  verzeigt,  welches  sie  mit  Urteil  vom  30.  November  2005  zu  einer  Geldbusse von Fr. 300.­verurteilte. C.  Am 30.  Januar 2008 wurde die am 19. August 2004 geschlossene Ehe  von  A._______  und  B._______  vor  dem  Gericht  Gjilan/Kosovo  geschieden.  Am  15.  Mai  2008  stellte  A._______  ein  Gesuch  um  Kantonswechsel  nach Basel­Stadt,  welches  von  den  dortigen Behörden  genehmigt  wurde.  Diese  verlängerten  auch  letztmals  ihre  Aufenthaltsbewilligung  bis  zum  31. Dezember  2009.  Am  16.  Oktober  2009  stellte  A._______  ein  Gesuch  um  weitere  Verlängerung.  Da  die  zuständige Behörde die hierfür erforderlichen Voraussetzungen als erfüllt  betrachtete,  unterbreitete  sie  dem  BFM  am  27.  November  2009  einen  entsprechenden Antrag zur Zustimmung. D.  Da das BFM in Erwägung zog, die beantragte Zustimmung zu verweigern  und die Gesuchstellerin aus der Schweiz wegzuweisen, gewährte es  ihr  hierzu  mit  Schreiben  vom  2.  Dezember  2009  das  rechtliche  Gehör.  In  diesem Rahmen äusserte sich A._______ am 5. Januar 2010 durch ihren  Rechtsvertreter und machte insbesondere geltend, die Nichtverlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  würde  für  sie  schwere  Nachteile  zur  Folge  haben.  Vor  allem  sei  äusserst  fraglich,  ob  sie  sich  in  ihrer  Heimat  beruflich integrieren könne. Dies sei deshalb wichtig, weil sie dort auf sich  allein gestellt wäre und als geschiedene Frau  in diesem Kulturkreis erst  recht Schwierigkeiten hätte.

C­899/2010 E.  Mit  Verfügung  vom  19.  Januar  2010  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Gleichzeitig  wurde  die  Wegweisung  von  A._______  verfügt  und  es  wurde  ihr  eine  Ausreisefrist  von 8 Wochen ab Eintritt der Rechtskraft dieser Verfügung  eingeräumt. E.a  Zur  Begründung  führte  die  Vorinstanz  aus,  das  Vorgehen  der  Gesuchstellerin  –  Heirat  mit  einem  14  Jahre  jüngeren  Landsmann,  Einreise in die Schweiz erst vier Monate später, illegaler Kantonswechsel  ohne  Nachzug  des  Ehemannes,  Mitteilung  der  Scheidung  erst  nach  Aufforderung  durch  die  kantonale  Behörde  –  deute  auf  eine  Scheinehe  hin.  Diese  Frage  könne  aber  offen  bleiben,  da  die  Ehegatten  nur  14  Monate zusammengelebt hätten und damit die –   in Art. 50 Abs. 1 Bst. a  des Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  genannte  –  Voraussetzung  der  mindestens  dreijährigen  ehelichen  Gemeinschaft  nicht  erfüllt  sei.  Vom  Zeitpunkt der Einreise der Gesuchstellerin an bis zur Ehescheidung habe  die  Ehe  zwar  etwas  mehr  als  drei  Jahre  gedauert,  aus  dem  Scheidungsurteil  vom 30.  Januar 2008 gehe allerdings hervor,  dass die  Ehegatten  sich  bereits  zwei  Jahre  zuvor  getrennt  hätten.  Angesichts  dessen komme es im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG nicht mehr  auf das zusätzliche Erfordernis der erfolgreichen Integration an. E.b Für einen weiteren Aufenthalt  in der Schweiz bestünden auch keine  wichtigen persönlichen Gründe  im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG.  Die Gesuchstellerin sei zwar wirtschaftlich unabhängig; doch auch wenn   in  persönlicher  und  beruflicher  Hinsicht  eine  gewisse  Integration  stattgefunden habe, so lasse dies nicht auf eine überaus enge Beziehung  zur  Schweiz  schliessen.  Sie  sei  erst  im  Alter  von  36  Jahren  in  die  Schweiz eingereist, so dass es  ihr  jetzt, nach fünf Jahren, zumutbar sei,  wieder  in  ihr  Heimatland  zurückzukehren.  Entgegen  ihrer  eigenen  Ausführungen sei auch davon auszugehen, dass sie dort Unterstützung  von  ihren  Familienangehörigen  erhalten  werde.  Der  Vollzug  der  Wegweisung sei in ihrem Fall auch möglich, zulässig und zumutbar. F.  Am  15.  Februar  2010  erhob  A._______  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  den  Anträgen,  es  sei  die  vorinstanzliche  Verfügung aufzuheben und es sei dem Antrag der Migrationsbehörde des  Kantons  Basel­Stadt  auf  Zustimmung  zur  Verlängerung  der 

C­899/2010 Aufenthaltsbewilligung stattzugeben. Sie macht geltend, sie lebe seit bald  sechs Jahren in der Schweiz, sei finanziell unabhängig und wirtschaftlich  sowie sozial hervorragend eingegliedert. Seit mehreren Jahren sei sie im  Service  eines  Restaurants  tätig  und  habe  von  dieser  Seite  ein  hervorragendes  Arbeitszeugnis  erhalten.  Zudem  verfüge  sie  über  einen  Freundes­  und  Bekanntenkreis,  nicht  zuletzt  auch  deshalb,  weil  sie  mittlerweile  gut  schweizerdeutsch  spreche.   Angesichts  ihrer  mehr  als  dreijährigen  Ehedauer  und  ihrer  erfolgreichen  Integration  erfülle  sie  die  für  die  Verlängerung  der   Aufenthaltsbewilligung  erforderlichen  Voraussetzungen.  G.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  30.  März  2010  beantragt  die  Vorinstanz  unter Bezugnahme auf die bisher dargelegten Gründe die Abweisung der  Beschwerde.  Darüber  hinaus weist  sie  darauf  hin,  dass  es  im Rahmen  von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG nicht auf die Ehedauer – die Zeitspanne  des  Verheiratetseins  –  ankomme,  sondern  auf  eine  vorher  mindestens  drei  Jahre  bestehende  Familiengemeinschaft,  die  im  Falle  der  Beschwerdeführerin nicht vorgelegen habe.  H.  In  der  darauffolgenden  Replik  vom  7.  Juni  2010  führt  die  Beschwerdeführerin  aus,  sie  habe  nahezu  während  der  gesamten  Ehedauer mit ihrem Ehemann zusammengelebt. Im Scheidungsverfahren  sei zwar vorgebracht worden, dass bereits zwei Jahre zuvor die Trennung  stattgefunden habe, dies aber nur deshalb, weil ansonsten die Scheidung  nach kosovarischem Recht nicht hätte ausgesprochen werden können.  I.  Der weitere Inhalt der vorinstanzlichen und der beigezogenen kantonalen  Akten  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den  Erwägungen  Berücksichtigung finden.   Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen 

C­899/2010 Verfügungen  nach  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember 1968   (VwVG, SR 172.021), welche von einer der  in Art.  33 aufgeführten Behörden erlassen wurden. Darunter fallen Verfügungen  des  BFM,  welche  sowohl  die  Zustimmung  zur  Erteilung  bzw.  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  als  auch  die  Wegweisung  betreffen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig,  soweit  nicht  die  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  offen  steht  (vgl.  Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  und  4  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Gesetz  nichts  anderes bestimmt. 1.3. Als  Adressatin  der  Verfügung  ist  die  Beschwerdeführerin  zu  deren  Anfechtung  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerechte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2007/41  E.  2  und  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2682/2007  vom 7. Oktober 2010 E. 1.2 und 1.3). 3.  Am  1.  Januar  2008  traten  die  neuen  gesetzlichen  Bestimmungen  des  AuG und seine Ausführungsbestimmungen  in Kraft – unter anderem die  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201).  In  Verfahren,  die  vor  diesem  Zeitpunkt  anhängig  gemacht  wurden,  bleibt  nach  der  übergangsrechtlichen  Ordnung  des  AuG  das  alte  materielle  Recht  anwendbar, wobei es ohne Belang ist, ob das Verfahren auf Gesuch hin – 

C­899/2010 so explizit Art. 126 Abs. 1 AuG – oder von Amtes wegen eröffnet wurde  (vgl. BVGE 2008/1 E. 2). 3.1. Der  Beschwerdeführerin  ist  zwar  noch  unter  dem  Geltungsbereich  des  Bundesgesetzes  vom  26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  eine  erstmalige  Aufenthaltsbewilligung erteilt worden; da sie  jedoch mit Gesuch vom 16.  Oktober  2009  die  zur  Frage  stehende  Verlängerung  dieser  Bewilligung  beantragt hat, ist im vorliegenden Verfahren neues Recht anwendbar. 3.2. Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung und  Verlängerung  von  Bewilligungen.  Vorbehalten  bleibt  jedoch  die  Zustimmung durch das BFM. Dessen Zustimmungserfordernis ergibt sich  im vorliegenden Fall aus Art. 99 AuG i.V.m. Art. 85 Abs. 1 Bst. a VZAE.  Letztgenannte Bestimmung wird präzisiert durch die Weisungen des BFM  im  Ausländerbereich  in  der  Fassung  vom  1.  Juli  2009  (www.bfm.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen  >  Weisungen  und  Kreisschreiben).  Sie  sehen  in  Ziffer  1.3.1.4  Bst. e  vor,  dass  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  nach  der  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod  dem  BFM  zur  Zustimmung  zu  unterbreiten ist, falls die betroffene ausländische Person nicht aus einem  Mitgliedstaat der EFTA oder der EG stammt. 4.  Gemäss  Art.  42  Abs.  1  AuG  haben  ausländische  Ehegatten  von  Schweizerinnen  und  Schweizern,  wenn  sie  mit  diesen  zusammenwohnen,  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und  –  nach  einem  ordnungsgemässen  und  ununterbrochenen  Aufenthalt  von  fünf  Jahren  –  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung  (Art.  42  Abs.  3  AuG).  Nach  Auflösung  der  Ehe  oder  Familiengemeinschaft  –  mitgemeint  ist  auch  die  eheliche  Gemeinschaft – besteht der Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung  weiter,  wenn  die  Ehegemeinschaft  mindestens  drei  Jahre  bestanden  hat  und  eine  erfolgreiche  Integration  besteht  (Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich machen  (Art.  50  Abs.  1  Bst. b AuG). 5.  Die Beschwerdeführerin macht in erster Linie geltend, sie habe aufgrund 

C­899/2010 ihrer mehr als drei Jahre dauernden Ehe und  ihrer  Integration Anspruch  auf Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung. 5.1. Das zeitliche Kriterium der dreijährigen Dauer der Ehegemeinschaft  ist nicht gleichbedeutend mit der Dauer der Haushaltsgemeinschaft. Von  einer  bestehenden  Ehegemeinschaft  kann  grundsätzlich  –  und  vorbehältlich  offenkundiger  Missbrauchsabsichten  –  ausgegangen  werden,  solange  die  Ehegatten  zusammen  leben.  Der  Fortbestand  der  Ehegemeinschaft  kann  aber  auch  im  Fall  ihres  Getrenntlebens  angenommen  werden,  nämlich  dann,  wenn  für  das  Getrenntleben  objektivierbare  Gründe  bestehen  (vgl.  MARC  SPESCHA  in:  Spescha/Thür/Zünd/Bolzli  [Hrsg.],  Kommentar  Migrationsrecht,  2.  aktualisierte Auflage, Zürich 2009,  Art. 50  AuG  N 4). Art. 49 AuG spricht  insoweit  von wichtigen Gründen,  die  in  der  Botschaft  zum AuG  vom  8.  März  2002  (BBl  2002  3753  f.)  zum  einen  als  berufliche  Gründe,  zum  anderen  auch  als  andere  wichtige  und  nachvollziehbare  Gründe  bezeichnet werden.  5.2.  Im  vorliegenden  Fall  bestehen  –  so  auch  die  Vorinstanz –  Anhaltspunkte  dafür,  dass die Beschwerdeführerin  nur  deshalb einen  in  der  Schweiz  niedergelassenen  Landsmann  geheiratet  hat,  um  hier  ein  Aufenthaltsrecht zu erhalten (vgl. Sachverhalt E.a). Allerdings braucht auf  die  Aspekte  einer  eventuellen  Scheinehe  –  die  den  Bestand  einer  ehelichen  Gemeinschaft  von  vornherein  ausschliessen  würde –  angesichts der weiteren Erwägungen nicht mehr eingegangen zu werden. 5.3.  Aus  dem  in  französischer  Übersetzung  vorliegenden  Scheidungsurteil  vom  30.  Januar  2008  geht  hervor,  dass  die  Trennung  der   Ehegatten  (…)  bereits  zwei  Jahre  zuvor  stattfand.  Ihr  am  19.  Dezember 2004 in der Schweiz beginnendes eheliches Zusammenleben  dauerte  demzufolge  nur  rund  14  Monate.  Zwar  hat  die  Beschwerdeführerin  geltend  gemacht,  in  Wahrheit  habe  sie  mit  ihrem  Ehemann  nahezu  während  der  gesamten  Ehedauer  zusammengelebt;  diese Behauptung ist allerdings nicht zu berücksichtigen. Vielmehr muss  sich  die  Beschwerdeführerin  die  im  Scheidungsverfahren  gemachten  Angaben anrechnen lassen, besteht doch kein Anspruch darauf,  je nach  dem  Zweck  des  Verfahrens  im  Hinblick  auf  dessen  gewünschtes  Ergebnis  unterschiedliche  Aussagen  zu  machen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  5A.23/2001  vom  11. Februar  2002,  E.  2b  dd,  nicht  publiziert  in  BGE  128  II  97;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­ 1180/2006 vom 11. März 2008 E. 6.3.1). Davon abgesehen erscheint die 

C­899/2010 Berufung  auf  eine  mindestens  dreijährige  Ehegemeinschaft  aber  auch  deshalb  unglaubhaft,  weil  sie  erst  erfolgte,  nachdem  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  darauf  hingewiesen  hatte,  dass  die  rein  formelle  Ehedauer  nicht  mit  dem  Bestand  der  ehelichen  Gemeinschaft  gleichgesetzt werden kann. 5.4. Aufgrund  des  dargelegten  Sachverhalts  fällt  ausser  Betracht,  dass  die Ehegatten (…) – im Sinne von Art. 49 AuG – wichtige Gründe für ein  Getrenntleben  hatten  und  ihre  Ehegemeinschaft  trotzdem  mindestens  drei  Jahre  aufrecht  erhielten.  Im Ergebnis  ist  somit  davon  auszugehen,  dass die eheliche Gemeinschaft der Beschwerdeführerin vor Ablauf  von  drei  Jahren beendet war. Art.  50 Abs. 1 Bst.  a AuG  findet  in  ihrem Fall  folglich keine Anwendung. Im Rahmen dieser Bestimmung kommt es auf  die  behauptete  Integration  –  die  ein  kumulatives Kriterium wäre  –  nicht  mehr an. 6.  Gemäss  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  besteht  –  unabhängig  von  der  bisherigen Dauer der Familien­ bzw. Ehegemeinschaft – auch dann der  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  weiter,  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich machen. Solche Gründe können namentlich – so explizit Art.  50  Abs.  2  AuG  –  vorliegen,  wenn  der  betreffende  Ehegatte  Opfer  ehelicher  Gewalt  wurde  und  seine  soziale  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  stark  gefährdet  erscheint;  beide  Bedingungen  müssen  jedoch  nicht  kumulativ  erfüllt  sein  (BGE  136  II  1  E.  5  S.  3  ff.). Weitere  wichtige  –  und  im  Zusammenhang  mit  der  Ehe  stehenden  Gründe –  können  sich  auch  daraus  ergeben,  dass  der  in  der  Schweiz  lebende  Ehepartner gestorben  ist  oder gemeinsame Kinder  vorhanden sind  (vgl.  MARC  SPESCHA,  a.a.O.  Art.  50  AuG  N.  7  sowie  MARTINA  CARONI  in:  Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O.,  Art. 50 N 23 f.). 6.1. Im Falle der Beschwerdeführerin sind jedoch keine spezifischen, auf  ihrer  Ehe  bzw.  deren  Auflösung  beruhenden Gründe  ersichtlich,  die  ihr  einen  Anspruch  auf  weiteren  Verbleib  in  der  Schweiz  verschaffen  könnten.  Aus  ihrer  Ehe  sind  keine  Kinder  hervorgegangen.  Auch  der  Umstand,  dass  ihre Ehe  gescheitert  ist,  lässt  nicht  erkennen,  dass  ihre  soziale Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  (Kosovo)  stark  gefährdet  wäre. Soweit sie geltend macht, sie wäre dort, ohne Ehemann, auf sich  allein  gestellt,  entspräche  diese  Situation  nur  derjenigen,  die  bereits  bestand, als sie Ende 2004, im Alter von 36 Jahren ihre Heimat verlassen 

C­899/2010 hat. Ihr Hinweis auf die angeblich in ihrem Kulturkreis schwierige Position  geschiedener Frauen kann schon deshalb kaum  ins Gewicht  fallen, weil  die  damalige  Eheschliessung mit  einem  14  Jahre  jüngeren  Landsmann  kaum den heimatlichen Gepflogenheiten entsprochen und ein – bewusst  in  Kauf  genommenen  –  Stabilitätsrisiko  für  die  Ehe  dargestellt  haben  dürfte.   6.2.  Anspruchsbegründend  können  aber  auch  sonstige  wichtige  persönliche Gründe sein, da Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG bewusst auf eine  abschliessende  Aufzählung  der  Gründe  verzichtet.  Auch  die  in  Art.  31  Abs. 1 VZAE genannten, aber nicht erschöpfenden Kriterien können  für  die  Beurteilung  eines  Härtefalls  herangezogen  werden  (BGE  2C_784/2010 E. 3.2.3 mit weiteren Hinweisen). Ausdrücklich werden dort  aufgeführt: die Integration (Bst. a), die Respektierung der Rechtsordnung  (Bst.  b),  die  Familienverhältnisse  (Bst. c),  die  finanziellen  Verhältnisse  sowie  der Wille  zur  Teilhabe  am Wirtschaftsleben  und  zum Erwerb  von  Bildung  (Bst.  d),  die  Dauer  der  Anwesenheit  (Bst.  e),  der  Gesundheitszustand  (Bst.  f)  und  die  Möglichkeiten  der  Wiedereingliederung im Herkunftsland (Bst. g).  6.3. Eigenen Angaben zufolge hat sich die Beschwerdeführerin in privater  und  beruflicher  Hinsicht  gut  integriert;  auch  die  Vorinstanz  hat  nicht  in  Abrede  gestellt,  dass  ihre  bisherige  Integration  den  Umständen  entsprechend  verlaufen  ist  und  ihr  eine  finanzielle  Unabhängigkeit  verschafft hat. 6.3.1.  Dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin an ihrem Arbeitsplatz  offenbar  geschätzt  wird,  kommt  angesichts  der  arbeitsmarktlichen  Interessen  der  Schweiz  jedoch  kein  besonderes  Gewicht  zu.  Auch  die  erworbenen Sprachkenntnisse und der angeblich bestehende Freundes­  und Bekanntenkreis zeigen lediglich auf, dass die bisherige Eingliederung  der Beschwerdeführerin einer normalen zeitlichen Entwicklung, nicht aber  einer  besonderen  –  und  auf  eine  enge  Beziehung  zur  Schweiz  hinweisenden – Integrationsleistung entspricht.  6.3.2.  Festzustellen  ist  auch,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  noch  nicht  sehr  lange,  d.h.  erst  seit Dezember  2004,  in  der Schweiz  aufhält,  und  dass  mit  der  Trennung  von  ihrem  Ehemann  –  die  laut  Scheidungsurteil  spätestens  im  Januar  2006  erfolgte  –  kein  weiteres  Aufenthaltsrecht  in der Schweiz mehr bestand. Der damals geltende Art.  17  Abs.  2  ANAG  –  gleiches  gilt  für  Art.  43  Abs.  1  AuG  –  macht  die 

C­899/2010 Erteilung  bzw.  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  für  den  ausländischen Ehepartner nämlich davon abhängig, dass dieser mit dem  niederlassungsberechtigten  Ehegatten  zusammenwohnt.  Die  Beschwerdeführerin  war  sich  dieser  Rechtsfolge  offensichtlich  auch  bewusst, hätte sie doch ansonsten die kantonale Ausländerbehörde nicht  erst  im  November  2009  und  erst  auf  entsprechende  Aufforderung  hin  über die fast zwei Jahre zurückliegende Scheidung – und damit inzidenter  auch über die weitere zwei Jahre zuvor erfolgte Trennung – informiert. 6.3.3.  Bereits  im  Sommer  2005  hatte  es  die  Beschwerdeführerin  versäumt,  die  zuständigen  Behörden  über  die  Änderung  in  ihren  persönlichen  Verhältnissen  zu  informieren.  Ab  dem  1.  August  2005  wohnte  und  arbeitete  sie  nämlich  in  Basel,  ohne  dass  ihr  der  Kantonswechsel  und  die  Arbeitsaufnahme  bewilligt  worden  wäre;  erst  eine  polizeiliche  Kontrolle  am  13.  Oktober  2005  beendete  ihre  illegale  Beschäftigung.  Diese  –   gerichtlich  durch  eine  Geldbusse  geahndete –  Verfehlung  macht  immerhin  auch  deutlich,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin in gesellschaftlicher Hinsicht nicht anstandslos in die  hiesigen Verhältnisse eingefügt hat. Der Vollständigkeit halber sei darauf  hingewiesen,  dass  sie  sich  1992  illegal  in  der  Schweiz  aufhielt  und  als  Kindermädchen  arbeitete,  weswegen  sie  mit  Strafverfügung  des  Bezirksamts  Weinfelden  vom  4.  August  1992  zu  einer  bedingt  aufgeschobenen  fünftägigen  Haftstrafe  verurteilt  wurde.  Aus  gleichem  Anlass  verhängte  das  Bundesamt  für  Ausländerfragen  (heute:  Bundesamt für Migration, BFM) am 10. Juli 1992 über sie eine dreijährige  Einreisesperre.  6.3.4. Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer  Heimat  noch  über  Familienangehörige  –  ihre Eltern  und  einen Bruder –  verfügt. Hierauf hat auch die Vorinstanz  in  ihrer Verfügung hingewiesen  und  festgestellt, dass das Verhältnis zueinander offensichtlich  intakt sei.  Dem hat die Beschwerdeführerin nicht widersprochen. Angesichts dessen  kann davon ausgegangen werden, dass sie sich bei ihrer Rückkehr in ihr  Heimatland,  das  sie  erst  vor  wenigen  Jahren  verlassen  und  zuletzt  im  Jahr  2009  besucht  hat,  wieder  integrieren  kann.  Ohne  Belang  ist  es,  wenn sie dort wirtschaftliche Verhältnisse vorfindet, die nicht denjenigen  der Schweiz entsprechen.  6.3.5.  Da  die  Beschwerdeführerin  keine  gravierenden  gesundheitlichen  Probleme  hat,  ergeben  sich  insgesamt  gesehen  keine  wichtigen 

C­899/2010 persönlichen Gründe, die eine Verlängerung  ihrer Aufenthaltsbewilligung  erfordern würden.  7.  Die Beschwerdeführerin  besitzt  somit weder  gestützt  auf Art.  50 Abs.  1  Bst. a  AuG  (dreijährige  Ehegemeinschaft  und  erfolgreiche  Integration)  noch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG (wichtige persönliche Gründe)  einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Dafür, dass  die  Vorinstanz  innerhalb  des  Beurteilungsspielraums  der  Art.  18  –  30  AuG  einen  fehlerhaften  Ermessensentscheid  getroffen  haben  könnte,  bestehen  keine  Anhaltspunkte;  insbesondere  wäre  in  diesem  Rahmen  auch keine Härtefallregelung nach Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG in Betracht  gekommen  (vgl.  in  diesem  Zusammenhang  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_365/2010  vom  22.  Juni  2011  E.  3.7).  Dass  die  Vorinstanz  die  Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert hat,  kann daher nicht beanstandet werden. 8.  Als gesetzliche Folge der nicht mehr verlängerten Aufenthaltsbewilligung  hat die Beschwerdeführerin die Schweiz zu verlassen (Art. 64 Abs. 1 Bst.  c AuG). Es bleibt aber zu prüfen, ob Hinderungsgründe  für den Vollzug  der  Wegweisung  anzunehmen  sind  (Art.  83  Abs.  2  –  4  AuG)  und  das  BFM gestützt hierauf die vorläufige Aufnahme hätte verfügen müssen. 8.1. Die Möglichkeit  und  Zulässigkeit  des Wegweisungsvollzugs  stehen  im vorliegenden Fall ausser Frage. Demzufolge wäre allenfalls  relevant,  ob die zwangsweise Rückkehr  für die Beschwerdeführerin eine konkrete  Gefährdung mit sich brächte und damit nicht zumutbar wäre. 8.2. Der Wegweisungsvollzug kann für die betroffene Person unzumutbar  sein,  wenn  sie  in  ihrem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  Situationen  wie  Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder einer medizinischen Notlage  ausgesetzt  wäre.  Wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  welchen  die  ansässige Bevölkerung regelmässig betroffen ist, wie Wohnungsnot oder  ein  schwieriger  Arbeitsmarkt,  vermögen  jedoch  keine  konkrete  Gefährdung  zu  begründen.  Dagegen  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zumutbar,  wenn  dieser  für  die  ausländische  Person  höchstwahrscheinlich  zu  einer  existenziellen  Bedrohung  führen  würde,  beispielsweise  dann,  wenn  sie  sich  nach  ihrer  Rückkehr  mit  völliger  Armut,  Hunger,  Invalidität  oder  Tod  konfrontiert  sähe  (vgl.  Urteil  des 

C­899/2010 Bundesverwaltungsgericht  C­6627/2008  vom  26.  März  2010  E.  8.2  mit  Hinweisen). 8.3. Die Beschwerdeführerin hat sich im vorliegenden Verfahren nicht zur  Situation  in  ihrem  Heimatland  geäussert,  geschweige  denn  zu  den  Lebensumständen,  die  sie  bei  ihrer  Rückkehr  in  den  Kosovo  vorfinden  würde. Schon angesichts dessen kann nicht davon ausgegangen werden,  dass der Vollzug  ihrer Wegweisung sie dort  in eine existenzbedrohende  Situation geraten lassen würde und deshalb als unzumutbar zu erachten  wäre.  Dass  die  Beschwerdeführerin  im  Kosovo  andere  Lebensverhältnisse  als  in  der  Schweiz  antreffen  wird,  ist,  wie  bereits  gesagt,  unerheblich.   Der  Vollzug  ihrer  Wegweisung  ist  somit  als  zumutbar zu erachten. 9.  Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  als  rechtmässig  zu  bestätigen  ist  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  demzufolge abzuweisen.  10.  Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin  die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 3 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). Dispositiv nächste Seite

C­899/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  900.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Akten retour) – das  Justiz­  und  Polizeidepartement  des  Kantons  Basel­Stadt,  Migrationsamt (…)  Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa­Haake Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in  Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-899/2010 — Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 C-899/2010 — Swissrulings