Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 C-8784/2010

23 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,404 mots·~7 min·1

Résumé

Einreiseverbot | Einreiseverbot

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­8784/2010 / C­8785/2010 Urteil   v om   2 3 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Antonio Imoberdorf, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien 1. A._______, 2. B._______, Beschwerdeführende, vertreten durch Beratungsstelle für Ausländer, M. Milovanovic,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Einreiseverbot.

C­8784/2010 / C­8785/2010 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden  –  1973  bzw.  1975  geborene  Ehegatten  aus  dem Kosovo – hatten sich zwischen Mai 2000 und Januar 2007 ein erstes  Mal  als  Asylbewerber  in  der  Schweiz  aufgehalten  und  waren  nach  definitiver  Ablehnung  dieses  Begehrens  unter  Inanspruchnahme  von  Rückkehrhilfe in ihre Heimat zurückgekehrt.  B.   Im  November  2007  gelangten  die  Beschwerdeführenden  erneut  unkontrolliert hierher und beantragten ein zweites Mal Asyl. Für die Dauer  des  Asylverfahrens  wurden  sie  dem  Kanton  Zug  zugewiesen.  Auch  dieses Verfahren  führte  nicht  zum Erfolg: Mit Urteil  vom 15. September  2010 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht auf Beschwerde hin eine  Verfügung  des  BFM,  mit  der  dieses  die  neuerlichen  Asylgesuche  abgelehnt  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  samt  deren  Vollzug  angeordnet hatte. C.  Mit  Schreiben  vom  5.  Oktober  2010  nahm  das  BFM  Bezug  auf  den  nunmehr  rechtskräftigen  Asyl­  und Wegweisungsentscheid  und  forderte  die Beschwerdeführenden  auf,  die Schweiz  bis  zum 4. November  2010  zu  verlassen.  In  einem  ebenfalls  am  5.  Oktober  2010  bei  der  Migrationsbehörde  des  Kantons  Zug  geführten  Gespräch  gaben  die  Beschwerdeführenden ihre fehlende Bereitschaft zu Protokoll, der Pflicht  zur Ausreise nachzukommen.  D.  In  einem  weiteren,  am  3.  November  2010  bei  der  gleichen  Behörde  geführten  Gespräch  erklärten  sich  die  Beschwerdeführenden  demgegenüber  bereit,  aus  der  Schweiz  auszureisen  und  zu  diesem  Zweck am 9. November 2010 die Beratung eines Hilfswerks in Anspruch  zu  nehmen.  In  der  Folge  buchte  die  kantonale  Migrationsbehörde  zusammen mit  dem BFM  zwei  Plätze  für  einen  Flug  am 29. November  2010 in den Kosovo.  E.  In  einem  letzten,  am  26. November  2010  geführten Gespräch  erklärten  die Beschwerdeführenden gegenüber der kantonalen Migrationsbehörde  offenbar  ohne  jegliche  Begründung,  der  Aufforderung  zur  Ausreise  nun  doch  nicht  Folge  leisten  zu  wollen.  Dabei  nahmen  sie  kommentarlos 

C­8784/2010 / C­8785/2010 Kenntnis  davon,  dass  sie  in  diesem  Falle  mit  einer  zwangsweisen  Rückführung und einem mehrjährigen Einreiseverbot für die Schweiz und  den Schengen­Raum rechnen müssten. F.  Gestützt auf die Haltung der Beschwerdeführenden, die sich – aus einer  Aktennotiz vom 26. November 2010 zu schliessen – auch weigerten, die  notwendigen Flugunterlagen  (u.a. die elektronischen Tickets) an sich zu  nehmen, sah sich die kantonale Migrationsbehörde genötigt, den bereits  gebuchten Flug zu annullieren. G.  Unmittelbar  zuvor,  am  24.  November  2010  hatten  die  Beschwerdeführenden  eine  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  versendet, mit der sie um Wiedererwägung des in der Asylangelegenheit  am 15. September 2010 gefällten Urteils ersuchten. Besagte Eingabe und  eine weitere, vom 26. November 2010 datierende Intervention, mit der die  Beschwerdeführenden  sinngemäss  um  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs ersuchten, wurden vom Bundesverwaltungsgericht  zum Anlass für die Eröffnung eines Revisionsverfahrens genommen. Mit  Zwischenverfügung  vom  29. November  2010  lehnte  es  das  Bundesverwaltungsgericht  ab,  vorsorgliche  Massnahmen  im  Sinne  des  Antrags  zu  treffen.  Die  Zwischenverfügung  wurde  den  Beschwerdeführenden und der kantonalen Migrationsbehörde per Telefax  zugestellt.  H.  Am  30.  November  2010  wurden  die  Beschwerdeführenden  auf  Anordnung  der  kantonalen  Migrationsbehörde  in  Ausschaffungshaft  versetzt und am 1. Dezember 2010 in den Kosovo ausgeschafft. I.  Am  1.  Dezember  2010  verfügte  die  Vorinstanz  gegenüber  den  Beschwerdeführenden  je ein dreijähriges Einreiseverbot. Sie begründete  die Massnahme damit, dass die Betroffenen wegen Nichtbefolgens einer  behördlichen  Anordnung  und  illegalen  Aufenthalts  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  verstossen  hätten.  Zudem  hätten  sie  in  Ausschaffungshaft  versetzt  und  ausgeschafft  werden  müssen.  Einer  allfälligen  Beschwerde  entzog  die  Vorinstanz  vorsorglich  die  aufschiebende  Wirkung.  Des  weiteren  wies  sie  darauf  hin,  dass  das  Einreiseverbot  –  gestützt  auf  eine  Ausschreibung  im  Schengener 

C­8784/2010 / C­8785/2010 Informationssystem  (SIS)  –  Wirkung  für  das  gesamte  Gebiet  der  Schengener Mitgliedstaaten entfalte.  Das  Einreiseverbot  konnte  den  Beschwerdeführenden  noch  vor  deren  Ausschaffung eröffnet werden. J.  Mit  separaten Rechtsmitteleingaben vom 21. Dezember 2010 gelangten  die  Beschwerdeführenden  über  ihren  Rechtsvertreter  an  das  Bundesverwaltungsgericht.  Darin  beantragen  sie  die  ersatzlose  Aufhebung  der  gegen  sie  verhängten  Einreiseverbote.  Zur  Begründung  rügt der Rechtsvertreter sinngemäss, die Verfügungen beruhten auf einer  unvollständigen  bzw.  unrichtigen  Feststellung  des  entscheidswesentlichen  Sachverhalts.  Seine  Mandanten  seien  grundsätzlich  bereit  gewesen,  die  Schweiz  fristgerecht  zu  verlassen,  daran aber durch eine vom Bundesverwaltungsgericht zu verantwortende  Verzögerung gehindert worden. Sie hätten den Entscheid über  ihren (im  Rahmen des am 24. November 2010 an das Bundesverwaltungsgericht  gerichteten  Wiedererwägungsgesuches  gestellten)  Antrag  auf  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs  abwarten  wollen.  Dieser  Entscheid  sei  ihm  (dem Rechtsvertreter)  vom Gericht  noch  für  den  28.  November  2010  in  Aussicht  gestellt,  dann  aber  erst  am  29.  November  2010 per Fax eröffnet worden; mithin  zu einem Zeitpunkt,  in dem seine  Klienten keine Möglichkeit mehr gehabt hätten, rechtzeitig auszureisen.  K.  Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­8210/2010 vom 15. Februar  2011  wurde  das  Revisionsgesuch  der  Beschwerdeführenden  abgewiesen. L.  Die  Vorinstanz  verzichtete  in  zwei  separaten  Vernehmlassungen  vom  5. April  2011  auf  weitere  Ausführungen,  hielt  an  den  angefochtenen  Verfügungen  fest  und  schloss  auf  Abweisung  der  Beschwerden.  Die  Vernehmlassungen  wurden  den  Beschwerdeführenden  vom  Bundesverwaltungsgericht zur Kenntnis gebracht. M.  Am  7.  April  2011  gab  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Zug  unaufgefordert  eine  Stellungnahme  zu  den  Verfahren  ab.  Dem  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden  eröffnet,  hielt  dieser  in  einer 

C­8784/2010 / C­8785/2010 Eingabe  vom  23. Mai  2011  dafür,  er  habe  die  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  29.  November  2010  erst  am  30.  November 2010 zugestellt  erhalten und seine Klienten hätten unter den  gegebenen Umständen die Schweiz nicht schon am 29. November 2010  verlassen müssen.  N.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Aufgrund  des  engen  persönlichen  und  sachlichen  Zusammenhangs  rechtfertigt es sich, die bisher getrennt geführten Verfahren C­8784/2010  (den  Beschwerdeführer  betreffend)  und  C­8785/2010  (die  Beschwerdeführerin betreffend) zu vereinigen. 2.  2.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden.  Dazu  gehört auch das BFM, das mit der Anordnung der beiden Einreiseverbote  Verfügungen  im  erwähnten  Sinne  und  daher  zulässige  Anfechtungsobjekte erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt  nicht vor. 2.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 2.3.  Die  Beschwerdeführenden  sind  als  Verfügungsbetroffene  zur  Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im  Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichten  Beschwerden  ist  somit  einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).

C­8784/2010 / C­8785/2010 2.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  der  vorliegenden  Streitsache endgültig  (Art.  83 Bst.  c Ziff.  1 des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 3.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sachlage  zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  schliesst  in  den  angefochtenen  Verfügungen  vom  1.  Dezember 2010 auf einen Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und  Ordnung durch Missachtung einer behördlichen Anordnung und illegalen  Aufenthalt.  Im Weiteren begründet sie die Fernhaltemassnahmen damit,  dass  die  Beschwerdeführenden  in  Ausschaffungshaft  genommen  und  ausgeschafft worden seien. Damit sah die Vorinstanz Fernhaltegründe im  Sinne  von  Art.  67  Abs.  1  Bst.  a,  c  und  d  des  Ausländergesetzes  vom  16. Dezember  2005  (AuG,  SR  142.20)  in  der  damals  gültigen  Fassung  (AS 2007 5437) als erfüllt. 4.2.  Mit  dem  Bundesbeschluss  über  die  Genehmigung  und  die  Umsetzung  des  Notenaustauschs  zwischen  der  Schweiz  und  der  EG  betreffend  die  Übernahme  der  EG­Rückführungsrichtlinie  (Richtlinie  2008/115/EG) vom 18. Juni 2010 (AS 2010 5925) wurde Art. 67 AuG mit  Wirkung  per  1. Januar  2011  revidiert,  ohne  dass  Übergangsbestimmungen  erlassen  worden  wären.  Diese  Rechtsänderung  ist  vorliegend  nur  insofern  von  Relevanz,  als  den  Beschwerdeführenden  unter  anderem  die  Nichtbeachtung  einer  angesetzten Ausreisefrist vorgeworfen wird, und nach dem neuen Recht  ein  solches  Fehlverhalten  –  unter  dem  Vorbehalt  humanitärer  oder  anderer  wichtiger  Gründe  nach  Art.  67  Abs.  5  AuG  –  zwingend  ein  Einreiseverbot nach sich zieht. Das Abstellen auf den neuen Art. 67 Abs. 

C­8784/2010 / C­8785/2010 1 Bst.  b AuG wäre  in  casu  eine  echte Rückwirkung,  die mangels  einer  hinreichenden  gesetzlichen  Grundlage  unzulässig  ist.  Ansonsten  steht  der Anwendung des neuen Rechts – auf das nachfolgend der Einfachheit  halber allein Bezug genommen wird – nichts entgegen. 4.3. Das Einreiseverbot gestützt auf Art. 67 Abs. 2 AuG kann gegenüber  ausländischen  Personen  verfügt  werden,  die  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im  Ausland  verstossen  haben oder diese gefährden (Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben  (Bst.  b)  oder  in Vorbereitungs­, Ausschaffungs­  oder Durchsetzungshaft  genommen  werden  mussten  (Bst.  c).  Das  Einreiseverbot  wird  für  eine  Dauer von höchstens 5 Jahren verfügt. Für eine  längere Dauer kann es  angeordnet  werden,  wenn  die  betroffene  Person  eine  schwerwiegende  Gefahr  für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt  (Abs. 3). Aus  humanitären  oder  anderen  wichtigen  Gründen  kann  die  zuständige  Behörde  von  der  Verhängung  eines  Einreiseverbots  absehen  oder  ein  Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben (Abs. 5). 4.4. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung  im Sinne von Art. 67 Abs. 2  Bst.  a  AuG  bildet  den  Oberbegriff  für  die  Gesamtheit  der  polizeilichen  Schutzgüter.  Sie  umfasst  unter  anderem  die  Unverletzlichkeit  der  objektiven  Rechtsordnung  und  der  Rechtsgüter  Einzelner  (BBl  2002  3809; vgl. auch RAINER J. SCHWEIZER / PATRICK SUTTER / NINA WIDMER, in:  Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Sicherheits­ und Ordnungsrecht des Bundes,  SBVR  Bd.  III/1,  Basel  2008,  Teil  B  Rz.  13  mit  Hinweisen).  In  diesem  Sinne  liegt nach Art.  80 Abs. 1 Bst.  a der Verordnung vom 24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201) ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter  anderem  dann  vor,  wenn  gesetzliche  Vorschriften  oder  behördliche  Verfügungen  missachtet  werden.  Widerhandlungen  gegen  Normen  des  Ausländerrechts fallen ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung und  können  als  solche  ein  Einreiseverbot  nach  sich  ziehen  (vgl.  BBl  2002  3813). 4.5.  Wird  gegen  eine  Person,  die  nicht  das  Bürgerrecht  eines  Mitgliedstaates  der  Europäischen  Union  besitzt  (Drittstaatsangehörige),  ein Einreiseverbot nach Art. 67 AuG verhängt, wird diese Person gestützt  auf Art. 94 Abs. 1 und Art. 96 des Übereinkommens vom 19. Juni 1990  zur  Durchführung  des  Übereinkommens  betreffend  den  schrittweisen  Abbau  der  Kontrollen  an  den  gemeinsamen  Grenzen  (Schengener  Durchführungsübereinkommen  [SDÜ],  Abl.  L  239  vom  22.  September 

C­8784/2010 / C­8785/2010 2000,  S.  19­62)  und  Art.  16  Abs.  2  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  13. Juni  2008  über  die  polizeilichen  Informationssysteme  des  Bundes  (BPI,  SR  361)  in  der  Regel  im  SIS  (vgl.  dazu  Art.  92  ff.  SDÜ)  zur  Einreiseverweigerung ausgeschrieben. Diese Ausschreibung bewirkt dem  Grundsatz  nach,  dass  der  betroffenen  Person  die  Einreise  in  das  Hoheitsgebiet der Schengen­Mitgliedstaaten verboten ist (vgl. Art. 5 Abs.  1  Bst  d  und  Art.  13  Abs.  1  der  Verordnung  [EG]  Nr.  562/2006  des  Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen  Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen  [Schengener Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1­ 32]).  Vorbehalten  bleibt  die  Zuständigkeit  der  Mitgliedstaaten,  einer  solchen Person aus humanitären Gründen oder Gründen des nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  die  Einreise  in  das eigene Hoheitsgebiet zu gestatten (Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4  Bst. c SGK) bzw. ihr zu diesem Zweck ein Schengen­Visum mit räumlich  beschränkter  Gültigkeit  auszustellen  (Art.  25  Abs.  1  Bst.  a  [ii]  der  Vorordnung  [EG]  Nr.  810/2009  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  13.  Juli  2009  über  einen  Visakodex  der  Gemeinschaft  [Visakodex], Abl. L 243 vom 15. September 2009). 5.  5.1. Die Beschwerdeführenden bestreiten, mit ihrem Verhalten Anlass für  ein  Einreiseverbot  gegeben  zu  haben.  Dabei  berufen  sie  sich  im  Wesentlichen  auf  ein  von  ihnen  beim  Bundesverwaltungsgericht  eingeleitetes  Revisionsverfahren  und machen  geltend,  dass  über  einen  von  ihnen  gestellten  verfahrensleitenden  Antrag  auf  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzuges  nicht  innert  nützlicher  Frist  entschieden  worden  sei.  Sie  vertreten  offenbar  die  Auffassung,  dass  ihr  Aufenthalt  in  der  Schweiz  zumindest  bis  zur  abschlägigen  Behandlung  ihres  verfahrensleitenden Antrages legal gewesen sei.  5.2.  Nach  Abschluss  ihres  zweiten  Asylverfahrens  wurden  die  Beschwerdeführenden am 5. Oktober 2010 zur Ausreise aus der Schweiz  aufgefordert. Zur freiwilligen Erfüllung gewährte ihnen die Vorinstanz eine  letzte  Frist  bis  zum  4.  November  2010. Mit  Ablauf  dieser  Frist  war  der  weitere Aufenthalt der Beschwerdeführenden illegal. Daran ändert nichts,  dass die Behörden später (auf den 29. November 2010) Plätze für einen  Heimflug  buchten  und  mit  den  Beschwerdeführenden  weiterhin  das  Gespräch suchten,  um sie  zu einer Ausreise  zu bringen. Ebenso wenig  lässt sich die Illegalität des weiteren Aufenthalts mit der Tatsache des am  24.  November  2010  gegen  den  Asylentscheid  eingereichten 

C­8784/2010 / C­8785/2010 Revisionsgesuches  und  dem  damit  verbundenen  Gesuch  um  Erlass  superprovisorischer  Massnahmen  (Aussetzung  des  Vollzugs)  in  Frage  stellen. Weder die Einleitung des ausserordentlichen Rechtsmittels noch  der damit verbundene Verfahrensantrag legitimierten für sich allein schon  zu einer weiteren Anwesenheit.  5.3. Der von den Beschwerdeführenden behaupteten Verzögerung in der  Behandlung des im Revisionsverfahren gestellten prozessualen Antrages  auf  Aussetzung  der  Ausreiseverpflichtung  kam  nach  dem  bisher  Gesagten  keine  Bedeutung  zu.  Im  Übrigen  erwecken  die  Beschwerdeführenden mit ihrem Einwand zu Unrecht den Anschein, dass  der von den Behörden für den 29. November 2010 organisierte Heimflug  noch hätte realisiert werden können, wenn das Bundesverwaltungsgericht  über den verfahrensleitenden Antrag schneller entschieden hätte.  In Tat  und Wahrheit sahen sich die Vollzugsbehörden schon am 26. November  2010 gezwungen, die geplante Ausreise abzusagen. Dies, nachdem die  Beschwerdeführenden  in  einem  letzten  Gespräch  ihre  zuvor  erklärte  Ausreisebereitschaft  widerrufen  und  sich  geweigert  hatten,  die  für  die  Ausreise notwendigen Unterlagen überhaupt entgegen zu nehmen.  5.4.  Tritt  hinzu,  dass  die  Beschwerdeführenden  schliesslich  in  Ausschaffungshaft  genommen  werden  mussten,  womit  ein  eigenständiger Fernhaltegrund verwirklicht wurde. 5.5.  Nach  dem  bisher  Gesagten  haben  die  Beschwerdeführenden  mit  ihrem Verhalten Fernhaltegründe im Sinne von Art. 67 Abs.2 Bst. a und c  AuG gesetzt. 6.  6.1.  Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die  gegen  die  Beschwerdeführenden  angeordnete Massnahme in richtiger Ausübung des Ermessens ergangen  und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit steht dabei  im  Vordergrund.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  ist  eine  wertende  Abwägung  vorzunehmen  zwischen  dem  öffentlichen  Interesse  an  den  Massnahmen einerseits und den von den Massnahmen beeinträchtigten  privaten  Interessen  der  Betroffenen  andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten  Rechtsgüter,  die  Besonderheiten  des  ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Verfügungsbelasteten  bilden  dabei  den  Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  statt  vieler  ULRICH HÄFELIN  / GEORG MÜLLER  / FELIX 

C­8784/2010 / C­8785/2010 UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6.  Aufl.,  Zürich  /  St.  Gallen  2010, Rz. 613 ff.). 6.2.  Das  Fehlverhalten  der  Beschwerdeführenden  wiegt  objektiv  nicht  leicht. Mit der Missachtung der gesetzlichen Pflicht zur Ausreise und dem  anschliessenden  illegalen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  haben  sie  Normen  verletzt, die für das Funktionieren der ausländerrechtlichen Ordnung von  zentraler  Bedeutung  sind. Das  Fehlverhalten  der  Beschwerdeführenden  ist  aber  auch  in  subjektiver  Hinsicht  bedeutend.  Sie  haben  sich  der  Ausreisepflicht  und  den  damit  verbundenen  behördlichen  Anordnungen  über  längere  Zeit  und  mit  grosser  Beharrlichkeit  widersetzt.  Dies,  nachdem  sie  schon  zum  zweiten  Mal  erfolglos  ein  Asylverfahren  durchlaufen  hatten.  Aufgrund  ihres  renitenten  Verhaltens  mussten  sie  schliesslich  in  Ausschaffungshaft  genommen  und  in  ihre  Heimat  ausgeschafft werden. Entsprechend hoch ist das öffentliche Interesse an  einer befristeten Fernhaltung zu gewichten. 6.3.  Spezifische  persönliche  Interessen  daran,  auch  in  naher  Zukunft  ohne besondere (über die Visumspflicht) hinausgehende Restriktionen in  die  Schweiz  einreisen  zu  können,  machen  die  Beschwerdeführenden  keine geltend. 6.4.  Das Bundesverwaltungsgericht kommt daher zum Schluss, dass das  gegen  die  Beschwerdeführenden  verhängte,  auf  drei  Jahre  befristete  Einreiseverbot  eine  verhältnismässige  und  angemessene  Massnahme  zum Schutze der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt. 7.  Aus  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtenen  Verfügungen  Bundesrecht  nicht  verletzen  und  den  rechtserheblichen  Sachverhalt richtig und vollständig feststellen; sie sind auch angemessen  (Art. 49 VwVG). Die Beschwerden sind daher abzuweisen. 8.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  den  Beschwerdeführenden  die  Kosten  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG  i.V.m. Art.  1, Art.  2  und Art.  3 Bst.  b  des Reglements  vom 21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht).

C­8784/2010 / C­8785/2010 Dispositiv S. 11

C­8784/2010 / C­8785/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerdeverfahren  unter  den  Referenzen  C­8784/2010  und  C­8785/2010 werden vereinigt. 2.  Die Beschwerden werden abgewiesen. 3.  Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.­ werden den Beschwerdeführenden  auferlegt.  Sie  sind  mit  den  gesamthaft  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschüssen gedeckt. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Einschreiben; 2 Expl.) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref­Nr. ZEMIS […]) – das Amt für Migration des Kantons Zug (Beilage: Akten ZG […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand:

C-8784/2010 — Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 C-8784/2010 — Swissrulings