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Bundesverwaltungsgericht 21.11.2011 C-8450/2010

21 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,490 mots·~7 min·2

Résumé

Schengen-Visum | Visum zu Besuchszwecken

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­8450/2010 Urteil   v om   2 1 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler,  Richter Antonio Imoberdorf,    Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Visum zu Besuchszwecken.

C­8450/2010 Sachverhalt: A.  Die  1958  geborene  thailändische  Staatsangehörige  B._______  (im  Folgenden:  Gesuchstellerin)  beantragte  am  26.  Mai  2010  bei  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Bangkok  ein  Schengenvisum  für  einen  dreimonatigen  Besuchsaufenthalt  bei  A._______  (im  Folgenden:  Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) im Kanton Bern. In  zwei  an  die  Schweizerische  Botschaft  gerichteten  Schreiben  vom  13. April  und  vom  17.  Mai  2010  hielt  der  Gastgeber  dazu  fest,  bei  der  Gesuchstellerin  handle  es  sich  um  die  Schwester  der  Ehefrau  eines  guten Freundes. Sie telefonierten wöchentlich miteinander und seien sich  dabei sehr nahe gekommen. Er selbst sei seit 20 Jahren geschieden und  seit 13 Jahren pensioniert. Der Besuch solle dazu dienen, dass sein Gast  sein persönliches Umfeld kennen lerne und einen Sprachkurs in Deutsch  besuchen könne. Falls  es der Gesuchstellerin bei  ihm gefalle, würde er  sie später gerne heiraten.  Die Schweizer Vertretung weigerte sich, das Visum in eigener Kompetenz  zu erteilen und leitete das Gesuch zur Prüfung und zum Entscheid an die  Vorinstanz weiter. B.  Zum Antrag begrüsst, holte der Migrationsdienst des Kantons Bern über  die  Wohngemeinde  beim  Gastgeber  ergänzende  Auskünfte  ein  und  leitete  diese  an  die  Vorinstanz  weiter.  Letztere  lehnte  es  in  einer  Verfügung vom 23. November 2010 ab, das beantragte Besuchsvisum zu  erteilen. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, die anstandslose und  fristgerechte  Wiederausreise  der  Gesuchstellerin  nach  einem  Besuchsaufenthalt  könne  nicht  als  gesichert  betrachtet  werden.  Sie  stamme  aus  einer  Region,  aus  welcher  als  Folge  der  dort  in  wirtschaftlicher  und  politischer  Hinsicht  herrschenden  Verhältnisse  ein  anhaltend  starker  Zuwanderungsdruck  festzustellen  sei.  Die  Gesuchstellerin  sei  geschieden,  und  ihr  oblägen  weder  besondere  berufliche  Verpflichtungen  noch  familiäre  oder  gesellschaftliche  Verantwortlichkeiten,  die  trotz  der  erwähnten  Verhältnisse  Gewähr  für  eine Wiederausreise bieten könnten. Es bestehe auch kein Anlass,  trotz  Fehlens  von  Einreisevoraussetzungen  aus  besonderen,  beispielsweise  humanitären Gründen ein Visum mit  räumlich beschränkter Gültigkeit zu  erteilen. Dem Gastgeber sei es unbenommen, seinen Gast im Ausland zu  besuchen.

C­8450/2010 C.  Mit Beschwerde  vom 5. Dezember  2010  beantragt  der Gastgeber  beim  Bundesverwaltungsgericht, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben  und das Schengenvisum für einen Besuchsaufenthalt sei zu erteilen. Zur  Begründung  rügt  er  im  Wesentlichen,  die  Vorinstanz  sei  zu  Unrecht  davon ausgegangen, dass die Wiederausreise der Gesuchstellerin nach  einem  Besuchsaufenthalt  nicht  gesichert  wäre.  Die  in  diesem  Zusammenhang geäusserten Bedenken könnten wohl auf jüngere Frauen  aus Thailand, nicht  jedoch auf die Gesuchstellerin zutreffen. Letztere sei  bereits 52 Jahre alt und noch nie im Ausland gewesen. Sie werde es sich  daher sicher gut überlegen, ob sie von  ihrer Familie wegziehen und  ins  Ausland übersiedeln möchte. Sie führe ein anspruchsloses Leben, sei mit  wenig  zufrieden  und  ihre  Kinder  seien  bereits  erwachsen.  Es  gehe  ihr  deshalb nicht um Verwirklichung einer wirtschaftlichen Besserstellung. Er  selbst  (der  Beschwerdeführer)  sei  schon  73  Jahre  alt  und  habe  entschieden,  seinen  Lebensmittelpunkt  nicht  mehr  aus  der  Schweiz  zu  verschieben. Der geplante Besuchsaufenthalt der Gesuchstellerin bei ihm  diene vor allem dazu herauszufinden, ob eine spätere Heirat  in Betracht  käme.  Da  ihm  (dem  Beschwerdeführer)  lange  Flugstrecken  zusetzten,  habe er nicht vor, oft nach Thailand zu reisen. Die Gesuchstellerin müsse  daher die Möglichkeit haben, hierher zu reisen, dies auch um die Schweiz  kennen  zu  lernen. Nur wenn er  und die Gesuchstellerin während dreier  Monate  unter  hiesigen  Rahmenbedingungen  zusammenleben  könnten,  sei  es  ihnen  möglich,  frei  von  äusseren  Zwängen  über  eine  Heirat  zu  entscheiden.  D.  Die Vorinstanz schliesst  in  ihrer Vernehmlassung vom 2. März 2011 auf  Abweisung  der  Beschwerde.  Der  Beschwerdeführer  verzichtete  in  der  Folge auf die Einreichung einer Replik. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen­Visums 

C­8450/2010 zu  Besuchszwecken  verweigert  wird.  In  dieser Materie  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art.  83  Bst. c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem  VwVG (Art. 37 VGG). 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2). 3.  Der  angefochtenen  Verfügung  liegt  das  Gesuch  einer  thailändischen  Staatsangehörigen  um  Erteilung  eines  Visums  für  einen  dreimonatigen  Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf  die  EU/EFTA­Personenfreizügigkeitsabkommen  berufen  kann  und  die  beabsichtigte  Aufenthaltsdauer  drei  Monate  nicht  überschreitet,  fällt  die  vorliegende  Streitsache  in  den  persönlichen  und  sachlichen  Anwendungsbereich  der  Schengen­Assoziierungsabkommen,  mit  denen  die  Schweiz  den  Schengen­Besitzstand  und  die  dazugehörigen  gemeinschaftsrechtlichen  Rechtsakte  übernommen  hat.  Das  Ausländergesetz  vom 16. Dezember  2005  (AuG, SR  142.20)  und  seine  Ausführungsverordnung  gelangen  nur  soweit  zur  Anwendung,  als  die  Schengen­Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen  enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG).

C­8450/2010 4.  Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im  Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1.  Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines  Recht  auf  Einreise  noch  gewährt  es  einen  besonderen  Anspruch  auf  Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch  – grundsätzlich  nicht  gehalten,  Ausländerinnen  und  Ausländern  die  Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen  handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen­Recht  schränkt  die  nationalstaatlichen  Befugnisse  insoweit  ein,  als  es  einheitliche  Voraussetzungen  für  Einreise  und  Visum  aufstellt  und  die  Mitgliedstaaten  verpflichtet,  die Einreise bzw. das Visum zu verweigern,  wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise  bzw. Visum vermittelt auch das Schengen­Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI /  TOBIAS  D.  MEYER,  in:  Martina  Caroni  /  Thomas  Gächter  /  Daniela  Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die  Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2.  Angehörige  von  Drittstaaten  dürfen  über  die  Aussengrenzen  des  Schengen­Raums  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  je  Sechsmonatszeitraum  einreisen,  wenn  sie  im  Besitz  gültiger  Reisedokumente  sind,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen.  Ferner  benötigen  sie  ein  Visum,  falls  ein  solches  nach  Massgabe  der  Verordnung  (EG)  Nr.  539/2001  des  Rates  vom  15.  März  2001  zur  Aufstellung  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  beim  Überschreiten der Aussengrenzen  im Besitz eines Visums sein müssen,  sowie  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  von  dieser  Visumpflicht  befreit  sind,  erforderlich  ist.  Kein  Visum  benötigen  Drittstaatsangehörige,  die  Inhaber  eines  gültigen  Aufenthaltstitels  sind  oder über ein gültiges Visum  für den  längerfristigen Aufenthalt  verfügen  (vgl.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  AuG,  Art. 2  Abs. 1  der  Verordnung  vom  22. Oktober  2008  über  die  Einreise  und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR  142.204]  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  (EG)  Nr.  562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März  2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen  durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105  vom 13.04.2006, S. 1­32], Art. 4 VEV).

C­8450/2010 4.3.  Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die  Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle Mittel verfügen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2  Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst.  a–c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 810/2009  des  Europäischen  Parlaments  und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft  [nachfolgend:  Visakodex]).  Namentlich  haben  sie  in  diesem  Zusammenhang  zu  belegen,  dass  sie  den  Schengen­Raum  vor  Ablauf  des  bewilligungsfreien  Aufenthaltes  verlassen,  bzw.  ausreichende  Gewähr  für  eine  fristgerechte Wiederausreise  zu  bieten  (Art.  14  Abs.  1  Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS D. MEYER,  a.a.O.  Art.  5  N. 33).  Weiterhin  dürfen  Drittstaatsangehörige nicht  im Schengener  Informationssystem (SIS) zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit  oder  die  internationalen  Beziehungen  eines  Mitgliedstaats  darstellen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4. Eine Gefahr  für die öffentliche Ordnung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1  Bst.  e SGK  ist  auch  dann  anzunehmen, wenn  die  drittstaatsangehörige  Person  nicht  bereit  ist,  das  Hoheitsgebiet  des  Schengen­Raums  fristgerecht  wieder  zu  verlassen  (vgl.  dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS  D.  MEYER,  a.a.O.,  Art.  5  N. 33;  ferner  Urteil  des  deutschen  Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die  Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu  belegen, dass die Gefahr einer  rechtswidrigen Einwanderung oder einer  nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art.  21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie  sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt  vorgesehen  ist,  steht  mit  dieser  Regelung  im  Einklang  (vgl.  BVGE  2009/27  E.  5  mit  Hervorhebung  des  Zusammenhangs  zum  Einreiseerfordernis  des  belegten  Aufenthaltszwecks  nach  Art.  5  Abs.  1  Bst. c SGK). 4.5.  Sind  die  vorerwähnten  Einreisevoraussetzungen  (Visum  ausgenommen) nicht erfüllt, darf ein  für den gesamten Schengen­Raum  geltendes  "einheitliches  Visum"  (Art.  2  Ziff.  3  Visakodex)  nicht  erteilt  werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es  jedoch ein Mitgliedstaat aus  humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  für  erforderlich,  so  ist  er  berechtigt,  der  drittstaatsangehörigen  Person,  welche  die  ordentlichen 

C­8450/2010 Einreisevoraussetzungen  nicht  erfüllt,  ausnahmsweise  ein  "Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit"  zu  erteilen  (Art.  2  Ziff.  4  Visakodex).  Dieses  Visum  ist  grundsätzlich  nur  für  das  Hoheitsgebiet  des  ausstellenden  Staates  gültig  (Art.  32  i.V.m.  Art.  25  Abs.  1  Bst.  a  Visakodex;  unter  denselben  Voraussetzungen  kann  einer  drittstaatsangehörigen  Person  die  Einreise  an  den  Aussengrenzen  gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5.  5.1. Die Gesuchstellerin unterliegt als thailändische Staatsangehörige der  Visumspflicht  (Anhang  I  zur  Verordnung  (EG)  Nr. 539/2001  des  Rates  vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach  Art.  5  Abs.  1  SGK  steht  die  Frage  der  gesicherten Wiederausreise  im  Vordergrund,  welche  die  Vorinstanz  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  im  Heimatland  sowie  der  persönlichen  Verhältnisse  der  Gesuchstellerin  anzweifelt.  Dazu  lassen  sich  in  der  Regel  keine  gesicherten  Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche  Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Gewähr  für  eine  fristgerechte  Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im  Herkunftsland  der  Besucherin  oder  des  Besuchers  ergeben.  Einreisegesuche  von  Bürgerinnen  und  Bürgern  aus  Staaten  bzw.  Regionen  mit  politisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen  Verhältnissen  können  darauf  hindeuten,  dass  die  persönliche  Interessenlage  in  solchen  Fällen  nicht  mit  dem  Ziel  und  Zweck  einer  zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. 5.3.  5.3.1. Die Gesuchstellerin stammt aus der Provinz Ubon Ratchathani  im  Nordosten Thailands, einem Gebiet, in dem breite Bevölkerungsschichten  von  besonders  kargen  ökonomischen  und  sozialen  Lebensbedingungen  betroffen  sind.  Die  Region  der  Nordostprovinzen  gilt  im  landesweiten  Vergleich als ärmste (vgl. www.thaiwebsites.com > Economy and Politics  in Thailand > GDP of Thai Regions and Provinces, besucht  im Oktober  2011). 5.3.2.  Vom  Druck  zur  wirtschaftlichen  Existenzsicherung  sind  häufig  Frauen  besonders  betroffen,  die  mit  ihrem  Einkommen  oft  für  die  Überlebenschancen  ihrer  eigenen  Haushalte  und  ganzer  Gemeinden  sorgen  müssen  und  deren  Arbeitsplätze  in  Zeiten  angespannter 

C­8450/2010 wirtschaftlicher Verhältnisse – je nach Sektor – besonders gefährdet sind.  Entsprechend  hat  die  wirtschaftlich  motivierte  Emigration  von  Thailänderinnen  nach  1997  zugenommen  (Quelle:  Schlussbericht  vom  13. Mai  2002  der  Kommission  des Deutschen  Bundestags  zum Thema  Globalisierung  der  Weltwirtschaft  –  Herausforderungen  und  Antworten,  Ziff.  6.2.2.2  S.  317  f.,  online  abrufbar  als  Bundesdrucksache  14/9200  unter www.bundestag.de > Dokumente & Recherche > Drucksachen; zu  den  wirtschaftlichen  Eckdaten  allgemein  vgl.  Staatssekretariat  für  Wirtschaft  >  Themen  >  Aussenwirtschaft  >  Länderinformationen  >  Asien/Ozeanien  >  Thailand,  <http://www.seco.admin.ch>,  Stand:  Januar  2011, besucht im Oktober 2011). 5.3.3.  Im  Falle  der  Schweiz  wird  die  Tendenz  zur  Immigration  erfahrungsgemäss dort noch begünstigt, wo durch die Anwesenheit  von  Verwandten  oder  Freunden  bereits  ein  minimales  soziales  Beziehungsnetz besteht. Angesichts der restriktiven Zulassungsregelung  werden dabei nicht selten ausländerrechtliche Bestimmungen umgangen,  indem versucht wird, den Aufenthalt – einmal eingereist – auf eine ganz  andere  rechtliche oder  faktische Basis zu stellen und sich so der Pflicht  zur  Wiederausreise  zu  entziehen.  Solche  Umstände  und  Erfahrungen  sind beim Entscheid über die Erteilung eines Visums zu berücksichtigen. 5.4.  Bei  der  Risikoanalyse  sind  allerdings  nicht  nur  die  erwähnten  allgemeinen  Umstände  und  Erfahrungen,  sondern  auch  sämtliche  Gesichtspunkte  des  konkreten  Einzelfalles  zu  berücksichtigen.  Obliegt  einer  gesuchstellenden  Person  im  Heimatland  beispielsweise  eine  besondere  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung,  kann  dieser  Umstand  durchaus  die  Prognose  für  eine  anstandslose  Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer  Heimat  keine  besonderen  Verpflichtungen  haben,  das  Risiko  für  ein  ausländerrechtlich  nicht  regelkonformes  Verhalten  (nach  bewilligter  Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6.  6.1.  Bei  der  Gesuchstellerin  handelt  es  sich  um  eine  53­jährige,  geschiedene  Frau  und  –  gemäss  einem  Begleitschreiben  zum  Visumantrag  der  Schweizer  Vertretung  in  Bangkok  –  Mutter  dreier  erwachsener Kinder. Ansonsten ist über ihre persönliche Lebenssituation  nichts bekannt. Die Gesuchstellerin dürfte  in  ihrem Herkunftsgebiet zwar  durchaus gewisse  familiäre Beziehungen haben. Eigentliche persönliche  Verpflichtungen,  welche  die  Prognose  einer  fristgerechten  und  http://www.seco.admin.ch/

C­8450/2010 anstandslosen  Wiederausreise  begünstigen  könnten,  sind  aber  keine  erkennbar. 6.2.  Die  Gesuchstellerin  geht  keiner  geregelten  beruflichen  Erwerbstätigkeit nach, so aus den Vorakten zu schliessen. Gemäss ihrer  eigenen  Deklaration  im  Visumantrag  betätigte  sie  sich  damals  als  Bäuerin.  Die  Schweizerische  Vertretung  vermerkte  in  ihrer  Überweisungsnotiz  vom  1. Juni  2010,  die  Gesuchstellerin  habe  einen  Monat  zuvor  zu  arbeiten  aufgehört.  Über  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse, in denen die Gesuchstellerin lebt, ist weiter nichts bekannt.  Der  Beschwerdeführer  erklärte  dazu  nur  gerade,  sein  Gast  lebe  in  bescheidenen Verhältnissen. 6.3. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass sich die Gesuchstellerin  ernsthaft  mit  dem  Gedanken  an  eine  Emigration  aus  Thailand  befasst.  Sie  ist  offenbar nicht  abgeneigt,  es  ihrer Schwester gleichzutun, die mit  einem  Schweizer  Bürger  verheiratet  ist  und  in  der  Schweiz  lebt.  Der  Beschwerdeführer  beteuert  zwar,  dass  nur  ein  erster  Schritt  geplant  werde,  bei  dem  es  um  ein  gegenseitiges  Kennenlernen  in  seiner  schweizerischen Umgebung gehe. Für den Fall, dass eine Ehe ins Auge  gefasst  werde,  solle  eine  solche  erst  in  einem  zweiten  Schritt  von  Thailand aus geplant werden. Zwar sind Zweifel an den guten Absichten  des  Beschwerdeführers  nicht  am  Platz.  Andererseits  kann  er  weder  Verantwortung  für  das  Verhalten  seines  Gastes  übernehmen  noch  ein  solches  verlässlich  steuern.  Gast  und  Gastgeber  kennen  sich  offenbar  erst  seit  drei  Jahren  und  die  Kontakte  scheinen  –  aus  den  Akten  zu  schliessen  –  vorab  über  die  Schwester  der  Gesuchstellerin  in  der  Schweiz  zu  laufen;  dies  wohl  nicht  zuletzt  aus  sprachlichen  Gründen.  Hinweise darauf, dass die beiden Beteiligten eine gemeinsame Sprache  sprechen,  ergeben  sich  nämlich  aus  den  Akten  keine.  Nach  den  Feststellungen  der  schweizerischen  Vertretung  in  Bangkok  spricht  die  Gesuchstellerin kein Englisch und der Beschwerdeführer hielt  fest, dass  sie  während  ihres  Besuchsaufenthalts  in  der  Schweiz  Deutsch  lernen  sollte. Persönlich begegnet sind sich Gast und Gastgeber noch nie. Tritt  hinzu,  dass  die  beiden  eine  Altersdifferenz  von  mehr  als  20  Jahren  aufweisen.  Vor  diesem Hintergrund  sind  Vorbehalte  am Platz,  wenn  es  beim  Beschwerdeführer  darum  geht,  mögliche  Vorstellungen  der  Gesuchstellerin  über  ihre  kurz­  oder  mittelfristige  Lebensplanung  abzuschätzen.  Es  ist  tatsächlich  nicht  auszuschliessen,  dass  die  Gesuchstellerin  –  einmal  in  der  Schweiz  –  versucht  sein  könnte,  auch 

C­8450/2010 unabhängig von der Entwicklung ihrer Beziehung zum Beschwerdeführer  hierbleiben zu wollen.  6.4.  Vor  dem  allgemeinen  und  persönlichen  Hintergrund  konnte  die  Vorinstanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr  für  eine  fristgerechte  und  anstandslose  Wiederausreise  der  Gesuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht.  6.5. Gründe  für die Ausstellung eines Visums mit  räumlich beschränkter  Gültigkeit  (vgl.  E.  4.5)  wurden  vom  Beschwerdeführer  nicht  geltend  gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 7.  Aus  vorstehenden Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene Verfügung  im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist  daher abzuweisen. 8.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art.  1, 2 und 3  Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 11

C­8450/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref­Nr. Zemis […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand:

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