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Bundesverwaltungsgericht 22.02.2012 C-8049/2008

22 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,158 mots·~11 min·3

Résumé

Personen des Asylrechts | Zustimmung zur kantonalen Aufenthaltsregelung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AsylG

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­8049/2008 Urteil   v om   2 2 .   Februar   2012 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler, Richter Jean­Daniel Dubey,    Gerichtsschreiber Julius Longauer. Parteien 1. A.X._______,  2. B.X._______,  3. C.X._______,  Beschwerdeführende,  alle vertreten durch lic.iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Zustimmung zur kantonalen Aufenthaltsregelung  gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AsylG.

C­8049/2008 Sachverhalt: A.  A.X._______  (geb.  1958,  Beschwerdeführer)  ist  russischer  Staatsangehöriger.  Am  4. April  2003  gelangte  er  in  die  Schweiz  und  ersuchte  um  Asyl.  Seine  Lebenspartnerin  B.X._______  (geb.  1969,  Beschwerdeführerin) folgte ihm am 10. November 2003 in Begleitung des  8­jährigen  gemeinsamen  Sohnes  C._______  (geb.  1995)  nach  und  ersuchte  ebenfalls  um  Asyl.  Die  Beschwerdeführenden,  die  nach  religiösem Ritus  verheiratet  waren,  wurden  in  der  Schweiz  am  3. März  2008 zivilrechtlich getraut. B.  Die Asylgesuche der Beschwerdeführenden blieben ohne Erfolg. In erster  Instanz  wurden  sie  vom  damaligen  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute: BFM) mit zwei Verfügungen vom 7. Mai 2003 (Beschwerdeführer)  und vom 11. Dezember 2003 (Beschwerdeführerin und Sohn C._______)  unter  Anordnung  einer  vollziehbaren  Wegweisung  abgelehnt.  Dabei  erwog  das  Bundesamt  im  Wesentlichen,  der  vorgetragene  Sachverhalt  sei  weder  glaubhaft  noch  flüchtlingsrelevant.  Die  dagegen  gerichteten  Beschwerden  wurden  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  21. August 2008 abgewiesen. C.  Am 3. September 2008 setzte das BFM den Beschwerdeführenden Frist  zur Ausreise bis zum 1. Oktober 2008. Dieser Frist, deren Erstreckung sie  mehrfach  vergeblich  zu  erwirken  versuchten  (Schreiben  des  BFM  vom  25. September und 1. Oktober 2008),  kamen die Beschwerdeführenden  mit Duldung des Wohnkantons D._______ nicht nach. Am 6. April 2009  schliesslich  gestattete  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  D._______  den  Beschwerdeführenden  förmlich,  den  Ausgang  des  ein  Jahr  zuvor  eingeleiteten  ausländerrechtlichen  Bewilligungsverfahrens  im  Kanton  abzuwarten. D.  Am  10.  Oktober  2008  gelangte  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  D._______  an  die  Vorinstanz  und  beantragte  die  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  an  die  Beschwerdeführenden  gestützt auf Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31). Die Vorinstanz gewährte den Beschwerdeführenden am 17.  Oktober  2008  das  rechtliche  Gehör  zur  erwogenen  Zustimmungsverweigerung, wovon diese mit Eingabe vom 3. November 

C­8049/2008 2008  Gebrauch  machten,  und  erliess  am  12.  November  2008  eine  abweisende Verfügung. E.  Gegen  die  vorgenannte  Verfügung  erhoben  die  Beschwerdeführenden  am 15. Dezember 2008 Rechtsmittel beim Bundesverwaltungsgericht und  stellten  die  folgenden  Rechtsbegehren:  Die  Verfügung  der  Vorinstanz  vom 12. November 2008 sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen,  der  Erteilung  der  Aufenthaltsbewilligung  durch  den  Kanton  D._______  ihre  Zustimmung  zu  geben.  Ferner  sei  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  sicherzustellen,  dass  die  kantonale  Migrationsbehörde  für  die Dauer des hängigen Verfahrens von Vollzugsmassnahmen absehe. F.  Mit  Zwischenverfügung  vom  22.  Dezember  2008  lehnte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Anordnung  von  aufenthaltssichernden  vorsorglichen Massnahmen ab. G.  Die  Vorinstanz  schloss mit  Vernehmlassung  vom  26.  Februar  2009  auf  Abweisung der Beschwerde. H.  Die Beschwerdeführenden hielten mit Replik vom 20. April 2009 an ihrem  Rechtsmittel unverändert fest. I.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  25.  August  2011  gab  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführenden  Gelegenheit  zur  Aktualisierung  des  Sachverhalts.  Von  dieser  Möglichkeit  machten  die  Betroffenen mit einer Eingabe vom 23. September 2011 Gebrauch. J.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  nach  Art.  14  Abs.  2  AsylG  unterliegen  der  Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31, Art. 32 sowie Art. 

C­8049/2008 33 Bst. d des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR  173.32]). 1.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  und  das  Asylgesetz  nichts  anderes  bestimmen (Art. 6 AsylG und Art. 37 VGG ). 1.3. Die  Beschwerdeführenden  sind  als  Adressaten  der  angefochtenen  Verfügung  zur  Beschwerde  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  ihre  frist­ und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 49 ff.  VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2). 3.  3.1. Gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des  BFM  einer  ihm  nach  dem  Asylgesetz  zugewiesenen  Person  eine  Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn diese Person sich seit Einreichung  des Asylgesuches mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält (Bst. a),  ihr Aufenthaltsort den Behörden  immer bekannt war  (Bst. b) und wegen  ihrer  fortgeschrittenen  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  vorliegt  (Bst.  c). Die Regelung des Art.  14 Abs.  2 AsylG bildet  eine Ausnahme von dem  in Abs. 1 der selben Bestimmung verankerten  Grundsatz  der  Ausschliesslichkeit  des  Asylverfahrens,  der  die  Durchführung eines ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahrens von der  Einreichung eines Asylgesuchs bis zur Ausreise oder bis zur Anordnung  der vorläufigen Aufnahme verbietet, es sei denn es bestehe ein Anspruch 

C­8049/2008 darauf.  Die  Ausnahmeregelung  des  Art.  14  Abs.  2  AsylG  kommt  unabhängig  davon  zur  Anwendung,  ob  das  Asylverfahren  noch  rechtshängig ist. 3.2. Als  abgewiesene  Asylbewerber,  die  weder  vorläufig  aufgenommen  sind noch über einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung  verfügen,  müssen  die  Beschwerdeführenden  den  Grundsatz  der  Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens nach Art. 14 Abs. 1 AsylG gegen  sich gelten lassen. Folge ist, dass die ausländerrechtliche Regelung ihres  Aufenthaltes  in der Schweiz nur gestützt auf die Ausnahmeregelung des  Art. 14 Abs. 2 AsylG möglich ist. Die Voraussetzungen des Art. 14 Abs. 2  Bst.  a  und  b  AsylG  erfüllen  die  Beschwerdeführenden:  Denn  seit  Einreichung des Asylgesuchs im Jahr 2003 halten sie sich mehr als fünf  Jahre in der Schweiz auf, und ihr Aufenthaltsort war den Behörden immer  bekannt. Zu prüfen bleibt, ob bei ihnen nach Massgabe von Art. 14 Abs. 2  Bst.  c  AsylG  "wegen  der  fortgeschrittenen  Integration  ein  schwerwiegender persönlicher Härtefall" vorliegt. 3.3. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts entspricht  der  unbestimmte  Rechtsbegriff  des  "schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalls"  nach  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  weitgehend  dem  Härtefallbegriff  des  Art.  30  Abs.  1  Bst.  b  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20), der seinerseits auf der Vorgängerregelung des Art. 13 Bst. f der  Verordnung  vom  6. Oktober  1986  über  die  Begrenzung  der  Zahl  der  Ausländer  (BVO,  AS  1986  1791)  aufbaut.  Die  namentlich  vom  Bundesgericht  zum  Härtefallbegriff  des  Art.  13  Bst.  f  BVO  entwickelte  Rechtsprechung  ist  daher  im  Kontext  von  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  weiterhin  massgebend  (vgl.  dazu  eingehend  BVGE  2009/40  E.  5  mit  Hinweisen).  Entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführenden  ist  es  Aufgabe  des  BFM,  in  Ausübung  seiner  Zustimmungskompetenz  das  Vorliegen  eines  Härtefalls  frei,  umfassend  und  ohne  Bindung  an  die  kantonalen Anträge zu prüfen (vgl Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  C­1591/2010 vom 31. Oktober 2011 E. 3.3 mit zahlreichen Hinweisen). 4.  4.1.  In  gleicher Weise wie  im  ordentlichen Ausländerrecht  darf  auch  im  Anwendungsbereich des Asylgesetzes ein schwerwiegender persönlicher  Härtefall  nicht  leichthin angenommen werden. Erforderlich  ist,  dass sich  die  ausländische  Person  in  einer  Notlage  befindet.  Das  bedeutet,  dass  ihre Lebens­ und Existenzbedingungen, gemessen am durchschnittlichen 

C­8049/2008 Schicksal  von  ausländischen  Personen,  in  gesteigertem Mass  in  Frage  gestellt  sind  bzw.  die  Verweigerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  für  sie  mit  schweren  Nachteilen  verbunden  wäre.  Entscheidend  ist,  ob  die  Aufgabe  des  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  und  die  Rückkehr  in  das  Herkunftsland  die  Existenz  der  ausländischen  Person  in  gesteigertem  Masse  in  Frage  stellen  und  mithin  eine  besondere  Härte  darstellen  würde. Darüber ist aufgrund der gesamten Umstände des Einzelfalles zu  befinden.  Besonders  wichtige Wertungsgesichtspunkte  führt  beispielhaft  Art.  31  Abs.  1  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) in Anlehnung an die  Rechtsprechung zum altrechtlichen Härtefallbegriff des Art. 13 Bst. f BVO  auf. Im Einzelnen werden folgende Kriterien genannt: Die Integration (Bst.  a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung  (Bst.  b),  die  Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille  zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (Bst. d),  die Dauer der Anwesenheit (Bst. e), der Gesundheitszustand (Bst. f) und  die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im Herkunftsland (Bst. g). 4.2. Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht zwingend voraus, dass die  Anwesenheit  in  der  Schweiz  das  einzige  Mittel  zur  Verhinderung  einer  persönlichen  Notlage  darstellt.  Auf  der  anderen  Seite  genügen  eine  langdauernde Anwesenheit und die fortgeschrittene Integration sowie ein  klagloses  Verhalten  für  sich  allein  betrachtet  nicht,  um  einen  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  zu  begründen.  Vielmehr  wird  vorausgesetzt,  dass die ausländische Person so enge Beziehungen zur  Schweiz  unterhält,  dass  von  ihr  nicht  verlangt  werden  kann,  in  einem  anderen  Land  –  insbesondere  in  ihrem  Heimatstaat  –  zu  leben.  Berufliche,  freundschaftliche  und  nachbarschaftliche  Beziehungen,  welche die betroffene Person während ihres Aufenthaltes in der Schweiz  knüpfen konnte, genügen dieser Anforderung gewöhnlich nicht (vgl. BGE  130  II  39  E.  3  S. 41 f.  und  BVGE  2007/45  E.  4.2  je  mit  Hinweisen).  Immerhin werden  bei  einer  sehr  langen Aufenthaltsdauer  weniger  hohe  Anforderungen  an  das  Vorliegen  besonderer  Umstände,  wie  etwa  eine  überdurchschnittliche  Integration  oder  andere  Faktoren,  gestellt,  welche  die  Rückkehr  ins  Heimatland  als  ausgesprochen  schwierig  erscheinen  lassen  (vgl.  BGE  124  II  110  E.  3  S.  113;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4306/2007  vom  11. Dezember  2009  E.  6.3). 4.3.  Bei  Härtefallgesuchen  von  Familien  darf  sodann  die  Situation  der  einzelnen Mitglieder  nicht  isoliert  betrachtet  werden.  Das  Schicksal  der 

C­8049/2008 Familie stellt eine Einheit dar, und es wäre schwierig, das Vorliegen eines  Härtefalles  beispielsweise  einzig  für  die  Eltern  oder  nur  für  die  Kinder  anzunehmen (BVGE 2007/16 E. 5.3 S. 196). Besonderes Augenmerk ist  dabei  den  Kindern  zu  widmen.  Gemäss  Art.  3  Abs.  1  des  Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes  (im  Folgenden:  Kinderrechtekonvention,  KRK,  SR  0.107)  ist  das  Kindeswohl  bei  allen  Massnahmen,  die  Minderjährige  betreffen,  ein  Aspekt  von  vorrangiger  Bedeutung.  Ungeachtet  der  umstrittenen  Frage  der unmittelbaren Anwendbarkeit dieser Bestimmung ist das Kindeswohl  zumindest  im  Rahmen  einer  völkerrechtskonformen  Auslegung  des  Landesrechts  zu  berücksichtigen  (vgl.  Entscheid  des  Eidgenössischen  Justiz­ und Polizeidepartements vom 19. November 1998, auszugsweise  publiziert  in  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB]  63.13  E.  5d/bb mit Hinweisen; zur Frage der Ansprüche gestützt auf die KRK vgl.  BGE 126 II 377 E. 5d S. 392). Dem wird in der Praxis insofern Rechnung  getragen,  als  der  fortgeschrittenen  sozialen  und  schulischen  Integration  von  Kindern  in  der  Schweiz  regelmässig  besonderes  Gewicht  beigemessen wird  (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2A.578/2005 vom 3.  Februar 2006 und 2A.679/2006 vom 9. Februar 2007). 4.4.  Gleichzeitig  ist  hervorzuheben,  dass  die  ausländerrechtliche  Zulassung wegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles nicht  das Ziel verfolgt, ausländische Personen gegen die Folgen eines Krieges  oder des Missbrauchs  staatlicher Gewalt  zu  schützen. Dafür  stehen die  Rechtsinstitute des Asyls oder der  vorläufigen Aufnahme zur Verfügung  (BGE 123 II 125 E. 3 S. 127 f.; 119 Ib 33 E. 4b S. 42 f.). Im vorliegenden  rechtlichen  Kontext  sind  ausschliesslich  humanitäre  Gesichtspunkte  ausschlaggebend, wobei im Zentrum der Überlegungen die Verankerung  der  ausländischen  Person  in  der  Schweiz  steht.  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG betont diesen Umstand ausdrücklich,  indem er verlangt, dass der  Härtefall  gerade wegen der  fortgeschrittenen  Integration  in  der Schweiz  eintritt.  Im Rahmen einer Gesamtschau sind jedoch gemäss langjähriger  Praxis  auch  der  Gesundheitszustand  einer  Person  sowie  die  Möglichkeiten  einer  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  in  die  Beurteilung  einzubeziehen  (heute  sind  diese  von  der  Rechtsprechung  entwickelten Kriterien in Art. 31 Abs. 1 Bst. f und g VZAE positivrechtlich  verankert). Das kann nicht losgelöst von den persönlichen, familiären und  ökonomischen  Schwierigkeiten  geschehen,  denen  eine  ausländische  Person in ihrem Heimatland ausgesetzt wäre (vgl. BGE 123 II 125 E. 3 S.  128). Daraus ergibt sich eine gewisse Überschneidung von Gründen, die  den  Wegweisungsvollzug  betreffen,  und  solchen,  die  einen  Härtefall 

C­8049/2008 (mit)begründen  können.  Dies  ist  nicht  zu  vermeiden  und  in  Kauf  zu  nehmen. 5.  Auf  der  Grundlage  der  vorstehenden  Erwägungen  stellt  sich  der  entscheidswesentliche Sachverhalt wie folgt dar: 5.1. Der 54­jährige Beschwerdeführer  ist  im April 2003, seine 43­jährige  Ehefrau,  die  Beschwerdeführerin,  im  November  2003  in  die  Schweiz  gelangt. Inzwischen halten sie sich seit knapp neun Jahren hier auf. Das  ist  zwar  vergleichsweise  lange,  aber  nicht  derart  lange,  dass  ohne  das  Vorliegen  besonderer  Umstände  auf  einen  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  geschlossen  werden  könnte,  zumal  das  Asylverfahren mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21. August  2008 nach knapp fünf Jahren rechtskräftig abgeschlossen wurde und die  weitere  Anwesenheit  der  Beschwerdeführenden  auf  einer  für  die Dauer  des  ausländerrechtlichen  Bewilligungsverfahrens  ergangenen  vorsorglichen Anordnung  der  kantonalen Migrationsbehörde  beruht  (vgl.  im Gegensatz  dazu  die mit  BGE  124  II  110  E.  3  S.  112  f.  begründete  Kaynak­Rechtsprechung,  die  mit  Blick  auf  die  besondere  Situation  asylsuchender  Personen  nach  zehnjährigem Aufenthalt  ohne  definitiven  Asylentscheid  von  einem  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  ausgeht, wenn die asylsuchende Person finanziell unabhängig, sozial und  beruflich  gut  integriert  ist  und  sich  bis  dahin  klaglos  verhalten  hat,  und  vorausgesetzt,  dass  die  Dauer  des  Aufenthaltes  nicht  absichtlich  durch  missbräuchliches Ergreifen von Rechtsmitteln verlängert wurde; vgl. auch  BGE 123 II 125 E. 3 S. 128; Urteil des Bundesgerichts 2A.542/2005 vom  11. November 2005 E. 3.2.1). 5.2. Die Beschwerdeführenden beachten die Rechtsordnung: Bis auf zwei  untergeordnete  Vorfälle  aus  dem  Jahre  2003  (Fahren  ohne  gültigen  Fahrausweis)  und  2005  (Rapport  wegen  des  Verdachts  auf  Irreführung  der  Rechtspflege,  der  jedoch  –  soweit  bekannt  –  keine  strafrechtlichen  Konsequenzen  hatte)  ist  gegen  sie  nichts  Nachteiliges  bekannt.  Sie  kommen des Weiteren ihren finanziellen Verpflichtungen nach, bestreiten  den  Lebensunterhalt  ohne  Inanspruchnahme  wirtschaftlicher  Sozialhilfe  aus  ihrem Erwerbseinkommen und haben gute Kenntnisse der an  ihrem  Wohnort  gesprochenen  Landessprache  erworben.  Soweit  erfüllen  die  Beschwerdeführenden die allgemeinen Anforderungen an die Integration  ausländischer Personen (vgl. dazu Art. 4 AuG, Art. 62 Abs. 1 und Art. 77  Abs.  4  VZAE,  Art.  4  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  die 

C­8049/2008 Integration von Ausländerinnen und Ausländern [VIntA, SR 142.205]). Die  Beschwerdeführenden liessen es jedoch nicht dabei bewenden. Wie den  Akten entnommen werden kann, haben sie sich wirtschaftlich und sozial  in einem Mass  in die schweizerischen Lebensverhältnisse eingegliedert,  das  eindeutig  über  das  hinausgeht,  was  von  ausländischen  Personen  nach neun  Jahren Aufenthalt  in  der Schweiz  verlangt werden  kann und  muss. 5.2.1.  Der  Beschwerdeführer,  von  Beruf  Monteur,  absolvierte  wenige  Monate nach seiner Einreise einen von der Caritas organisierten Kurs im  Gastronomiebereich,  um  seine  Aussichten  auf  dem  Arbeitsmarkt  zu  verbessern.  Seit  November  2004  ist  er  mit  einer  unverschuldeten  viermonatigen Unterbrechung erwerbstätig, zunächst als Hilfsschreiner in  einer  Schreinerei,  später  als  Küchenhilfe  und  Allrounder  in  einem  Gastronomiebetrieb und schliesslich als Monteur in einem auf Umbauten  und  Renovationen  spezialisierten  Kleinbetrieb.  Am  letzten  Arbeitsort  entwickelte er sich zu einem Spezialisten für Haussanierungen weiter, zu  dessen  Aufgaben  von  der  Koordination  bis  zur  Ausführung  eine  breite  Palette  von  Tätigkeiten  gehören.  Von  seinem  Arbeitgeber,  seinen  Kollegen  und  den  Kunden  wird  der  Beschwerdeführer  als  Person  und  Berufsmann ausserordentlich geschätzt, wobei er  für seinen Arbeitgeber  mit  der Zeit  zu einem schwer  ersetzbaren Mitarbeiter  geworden  ist. Die  Unentbehrlichkeit  des  Beschwerdeführers  zeigte  sich  namentlich  im  Verlauf  des  Jahres  2009,  als  der  Inhaber  der  Arbeitgeberfirma  aus  gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeit  einschränken musste und der  Beschwerdeführer  alleine  die  Geschäftsaktivitäten  des  Unternehmens  absicherte  und  auf  diese  Weise  überhaupt  erst  ermöglichte,  den  Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.  5.2.2. Auch die Beschwerdeführerin,  von Beruf Klavierlehrerin,  bemühte  sich  rasch  um  Eingliederung.  Sie  begann  schon  wenige  Monate  nach  ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  mit  dem  Besuch  entsprechender  Integrationskurse. Den diesbezüglichen Bestätigungen kann entnommen  werden, dass sie die kursabschliessenden Prüfungen mit  "sehr grossem  Erfolg"  bestanden  hat.  Später  nahm  die  Beschwerdeführerin  eine  Anstellung  als  Aushilfeorganistin  in  einer  Kirchgemeinde  sowie  als  Raumpflegerin  an.  Parallel  zur  Erwerbstätigkeit  und  ihren  Pflichten  als  Mutter  eines  Kindes  bildete  sie  sich  auf  eigene  Kosten  an  der  renommierten Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) weiter, wo sie seit  dem  Jahr  2006  Lehrveranstaltungen  besucht.  Im  Jahr  2011  erwarb  sie  mit  Prädikat  den  "Master  in  Advanced  Studies"  in  Musikpraxis.  Der 

C­8049/2008 endgültige Abschluss der Studien ist für den November 2012 vorgesehen.  Anschliessend  will  die  Beschwerdeführerin  die  Beschäftigung  als  Raumpflegerin  aufgeben  und  vorrangig  als  Musiklehrerin  und  Konzertpianistin  tätig sein. Nach dem Dafürhalten  ihrer Dozenten an der  ZHdK  habe  sie  mit  ihrer  Zusatzausbildung  im  hochkompetitiven  Musikmarkt  sehr  gute  Aussichten  auf  eine  erfolgreiche  Laufbahn  als  Berufsmusikerin. Auch die Beschwerdeführerin wird von allen Personen,  die mit  ihr  beruflich  oder  an  der Hochschule  zu  tun  haben,  als  Person,  Studentin  und Mitarbeiterin  ausserordentlich  geschätzt.  Nur  beispielhaft  sei  auf  den  sehr  ausführlichen  Studienbericht  ihres  Dozenten  an  der  ZHdK  vom  4.  September  2011  hingewiesen,  der  ihre  fachlichen  und  menschlichen  Kompetenzen  unterstreicht  und  sich  in  Bezug  auf  ihre  künftige  Tätigkeit  als  Pianistin,  Klavierpädagogin  und  Organistin  viel  verspricht. 5.2.3.  Die  Eingliederung  der  Beschwerdeführenden  in  ihr  gesellschaftliches  Umfeld  ist  nicht  weniger  bemerkenswert.  Das  Bundesverwaltungsgericht  verweist  in  diesem  Zusammenhang  auf  die  zahlreichen,  bei  den  Akten  liegenden  Unterstützungsschreiben  von  Personen  aus  den  verschiedensten  Bevölkerungskreisen,  die  echte  Anteilnahme  und  Sympathie  für  die  Beschwerdeführenden  erkennen  lassen  und  Zeugnis  ablegen  über  die  mit  der  Zeit  gewachsenen  Freundschaften  und  Beziehungen  zu  Einheimischen  sowie  über  den  hohen Grad der Teilhabe der Beschwerdeführenden am sozialen Leben  ihrer  näheren  und  weiteren  Umgebung.  Zu  erwähnen  sind  in  diesem  Zusammenhang  etwa  die  ehrenamtliche  Tätigkeit  der  Beschwerdeführerin  als  Musiklehrerin  in  einer  internationalen  Kinderkrippe,  ferner  ihre  künstlerische  Mitwirkung  bei  zwei  Musikvereinen,  die  in  der  Wohnregion  der  Beschwerdeführenden  regelmässig  musikalisch­kulturelle  Veranstaltungen  organisieren.  Einige  Intervenienten  (wie  der  Pfarrer  der  evangelisch­reformierten  Kirchgemeinde  in seinem Schreiben vom 15. September 2011) betonen  die  Bedeutung  der  Beschwerdeführerin  für  die  lokale  Kulturszene.  Schliesslich  ist  auf  das  Engagement  der  Beschwerdeführenden  im  Rahmen  der  schweizerisch­russischen  Gesellschaft  hinzuweisen.  Ganz  offensichtlich  muss  bei  ihnen  von  einer  fortgeschrittenen  sozialen  Integration ausgegangen werden. 5.3. Zu beachten ist des Weiteren, dass beim Beschwerdeführer im Jahr  2010 eine chronische Hepatitis C diagnostiziert wurde. Seither steht er in  ärztlicher  Behandlung.  Dem  Bericht  des  behandelnden  Arztes  vom 

C­8049/2008 14. September  2011  kann  entnommen  werden,  dass  eine  medikamentöse  Therapie  ohne  nachhaltigen  Erfolg  geblieben  sei.  Wahrscheinlich  werde  in  den  nächsten  Jahren  wieder  ein  Therapieversuch  mit  neuen,  noch  nicht  auf  dem  Markt  erhältlichen  Medikamenten  durchgeführt  werden  müssen.  Bis  dahin  bestehe  die  ärztliche  Behandlung  in  regelmässigen  Kontrollen  der  Leberwerte.  Sodann  stehe  in  einigen  Jahren  wieder  eine  Leberbiopsie  an.  Zu  der  Prognose  mit  und  ohne  Behandlung  führt  der  behandelnde  Arzt  aus,  chronische  Hepatitis  C  führe  unbehandelt  in  10  %  der  Fälle  zu  Leberzirrhose und  in  ca.  1 % zu Leberkrebs. Mit  den erwarteten neuen  Medikamenten  sei  jedoch  eine  Heilung  in  ca.  80  %  der  Fälle  möglich.  Allerdings seien die Kosten sowohl der bereits vorhandenen als auch der  zu  erwartenden  neuen Medikamente  sehr  hoch.  Der  Beschwerdeführer  bringt  dazu  ergänzend  vor,  die  monatlichen  Kosten  einer  medikamentösen  Behandlung  beliefen  sich  auf  über  Fr.  1'000.­.  Sie  würden  von  der  öffentlichen  Gesundheitsfürsorge  in  Russland  nicht  übernommen.  Ob  die  letztere,  nicht  weiter  begründete  Behauptung  zutrifft,  erscheint  zumindest  fraglich.  Immerhin  gewährt  die  Verfassung  der  Russischen  Föderation  allen  Bürgern  einen  Anspruch  auf  unentgeltliche medizinische Versorgung. Allerdings kann durchaus davon  ausgegangen werden,  dass  die Gesundheit  des Beschwerdeführers  bei  einer Rückkehr nach Russland grösseren Gefahren ausgesetzt wäre als  hier in der Schweiz. 5.4. Zu den Möglichkeiten einer Reintegration  in Russland  ist  einleitend  festzuhalten,  dass  die  nicht  weiter  begründete  Behauptung  der  Beschwerdeführenden,  wonach  sie  sich  in  Russland  aufgrund  gesetzlicher  Einschränkungen  weder  frei  niederlassen  noch  sich  frei  bewegen  könnten,  sodass  sie  gezwungen  wären,  an  ihren  früheren  Wohnort  in  Sibirien  zurückzukehren,  in  der  vorgebrachten  Form  nicht  überzeugt.  Sie  steht  im Widerspruch  zur  in  der  Russischen  Föderation  verfassungsmässig  garantierten  Niederlassungsfreiheit.  Weiter  ist  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführenden  ihre  Heimat  erst  im  Alter  von 44 bzw. 34 Jahren verliessen und somit dort den grössten Teil ihres  bisherigen  Lebens  verbrachten.  Mit  den  heimatlichen  Lebensverhältnissen  und  Gepflogenheiten  werden  sie  deshalb  bestens  vertraut sein. Des Weiteren kann davon ausgegangen werden, dass die  Beschwerdeführenden  über  den  familiären  Kreis  hinaus  –  in  Russland  leben nahe Verwandte – über ein soziales Beziehungsnetz verfügen bzw.  dieses wieder aktivieren könnten. Diese Annahme erscheint umso mehr  berechtigt, als sich die Beschwerdeführenden der  russischen Kultur und 

C­8049/2008 Gesellschaft  offensichtlich  nach  wie  vor  verpflichtet  fühlen,  wie  ihr  Engagement  im  Rahmen  der  schweizerisch­russischen  Gesellschaft  zeigt, und sie in der Schweiz ihre Fähigkeit, soziale Kontakte aufzubauen  und  zu  pflegen,  unter  Beweis  gestellt  haben.  Weiter  ist  darauf  hinzuweisen, dass vor allem die heute 43­jährige Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  berufliche  Zusatzqualifikationen  als  Berufsmusikerin  erworben hat, die für sie auch in Russland von Nutzen wären. Aber auch  der Beschwerdeführer, obwohl  inzwischen bereits 53 Jahre alt, hätte als  Allrounder  reelle Aussichten auf einen Wiedereinstieg  ins Erwerbsleben.  Damit  soll  nicht  gesagt  werden,  dass  die  Wiedereingliederung  der  Beschwerdeführenden  in  ihrer Heimat  ohne grössere Probleme möglich  wäre.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  jedoch  der  Auffassung,  dass  einer  Wiedereingliederung  keine  unüberwindbaren  Hindernisse  entgegenstehen würden. 5.5.  Abschliessend  ist  auf  die  Situation  des  bald  17­jährigen  Sohnes  C._______  einzugehen,  der  unter  dem  Gesichtspunkt  des  von  der  Kinderrechtekonvention  besonders  geschützten  Kindeswohls  besondere  Bedeutung zukommt. 5.5.1. C._______ ist im Alter von acht Jahren in die Schweiz gelangt, also  in  einem  Alter,  in  dem  die  Sozialisierung  ausserhalb  des  engen  Familienkreises  gerade  anfängt.  Den  wesentlichen  Teil  seiner  obligatorischen Schulzeit absolvierte er hier in der Schweiz. Heute, neun  Jahre später, steht C._______ mitten  in der Adoleszenz. Er besucht mit  gutem  Erfolg  das  letzte  Jahr  der  Realschule  und  hat  gemäss  eingereichten  Unterlagen  reelle  Aussichten  auf  eine  Lehrstelle  als  Automatiker.  Seine  Klassenlehrerin  verweist  in  ihrem  Bericht  vom  6.  September 2011 lobend auf die guten Leistungen C._______s vor allem  im Fach Deutsch, wo er zu den besten Schülern gehöre, und betont seine  Sozialkompetenz,  seine  faire  und  tolerante  Art  sowie  seinen  zuverlässigen  und  hilfsbereiten  Charakter.  Die  zahlreichen  Unterstützungsschreiben  zu  Gunsten  C._______s  zeigen,  dass  er  entsprechend  seinem  Alter  vielfältige  Kontakte  ausserhalb  der  Familie  unterhält und als in jeder Hinsicht in sein soziales und schulisches Umfeld  integriert zu betrachten ist. Die Intensität, mit der C._______ sich seinem  Umfeld verbunden fühlt, lässt sich ohne weiteres daran abschätzen, dass  er  im  Jahr  2009  von  seiner  Klassenlehrerin  wegen  Verhaltensauffälligkeiten beim Kinder­ und Jugendpsychiatrischen Dienst  D._______ angemeldet wurde. Im Bericht vom 22. Juni 2009 stellt dieser  die Diagnose einer Anpassungsstörung mit depressiver Störung (ICD­10 

C­8049/2008 F43.2), die  in Verbindung mit den Ängsten C._______s vor dem Verlust  seines  bestehenden  Sozialgefüges  gebracht  wird.  Für  den  Fall  des  Wegweisungsvollzugs  empfehlen  die  behandelnden  Ärzte  eine  psychiatrische  Beurteilung,  um  einer  etwaigen  suizidalen  Entgleisung  C._______s  rechtzeitig  entgegen  wirken  zu  können.  Vor  diesem  Hintergrund erscheint folgerichtig, dass in seiner Sache ein Verfahren auf  ordentliche Einbürgerung anhängig gemacht worden ist. 5.5.2. Unter den gegebenen Umständen käme die erzwungene Rückkehr  C._______s nach Russland einer eigentlichen Entwurzelung gleich. Zum  Verlust  des  sozialen  Umfelds  träten  mit  Sicherheit  erhebliche  Integrationsprobleme  hinzu.  Beides  wäre  mit  dem  Schutzanliegen  des  Kindeswohls  nicht  vereinbar.  Im  Gegensatz  zu  der  Behauptung  der  Beschwerdeführenden  geht  das  Bundesverwaltungsgericht  dabei  nicht  etwa davon aus, dass C._______ die  russische Sprache nur  rudimentär  spricht und die kyrillische Schrift "praktisch" nicht beherrscht. Gegen eine  solche Annahme spricht, dass C._______ noch  in Russland eingeschult  wurde, seine Eltern grossen Wert auf Wahrung der russischen Kultur und  Sprache  legen  und  er  in  der  Schweiz  Russischstunden  besuchte.  Das  Scheitern  C._______s  bei  einem  von  den  Beschwerdeführenden  bei  einer privaten Russisch­Schule zu Handen des vorliegenden Verfahrens  veranlassten  externen  Sprachtest  vermag  an  diesen  Feststellungen  nichts  zu  ändern.  Es  bedarf  keiner  näheren  Erläuterung,  dass  einem  Sprachtest, an dessen Scheitern die Verfahrensbeteiligten als Argument  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Rückkehr  nach  Russland  ein  eigenes  sachfremdes  Interesse  haben,  der  Beweiswert  abgesprochen  werden  muss.  Indessen  liegt es auch ohne Annahme substantieller sprachlicher  Defizite  C._______s  auf  der  Hand,  dass  der  Übergang  in  die  Berufsausbildung  und  das  Berufsleben  in  höchstem  Masse  gefährdet  wäre, müsste C._______ zum jetzigen Zeitpunkt die Schweiz verlassen.  6.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  im  Rahmen  einer  gesamthaften  Würdigung  aller  relevanten  Beurteilungselemente  zum  Schluss,  dass  unter besonderer Berücksichtigung der weit  fortgeschrittenen  Integration  des  Sohnes  C._______  und  der  erheblichen  Wiedereingliederungsprobleme,  die  er  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Russland  zu  gewärtigen  hätte,  sowie  in  Anbetracht  der  deutlich  überdurchschnittlichen  Integration  seiner  Eltern,  der  Beschwerdeführenden,  als  auch  der  gesundheitlichen  Situation  seines  Vaters ein schwerwiegender persönlicher Härtefall  im Sinne von Art.  14 

C­8049/2008 Abs. 2 Bst. c AsylG anzunehmen ist. Bei dieser Beurteilung lässt sich das  Bundesverwaltungsgericht massgeblich vom Gedanken des Kindeswohls  leiten, der in Beachtung der Kinderrechtekonvention bei allen staatlichen  Massnahmen,  die  minderjährige  Personen  betreffen,  ein  Gesichtspunkt  von  vorrangiger  Bedeutung  ist  (vgl.  oben  Ziff.  4.3).  Da  die  übrigen  Voraussetzungen einer ausländerrechtlichen Regelung nach Art. 14 Abs.  2  AsylG  erfüllt  sind,  erweist  sich  die  angefochtene  Verfügung  als  bundesrechtswidrig  (Art.  49  VwVG).  Sie  ist  in  Gutheissung  der  Beschwerde aufzuheben,  und der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung  durch den Kanton D._______ ist die Zustimmung zu erteilen. 7.  Für dieses Verfahren sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1  und  2  VwVG),  und  es  ist  den  Beschwerdeführenden  zu  Lasten  der  Vorinstanz  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  eine  angemessene  Parteientschädigung  zuzusprechen  (vgl.  Art.  64  Abs.  1  VwVG).  Diese  ist  unter  Berücksichtigung  des  aktenkundigen  Aufwands  und  in Anwendung von Art.  7  ff  des Reglements  vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  auf  Fr.  2'000.­  festzusetzen (inkl. MwSt.). 8.  Dieses  Urteil  ist  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Dispositiv S. 15

C­8049/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  angefochtene  Verfügung  wird  aufgehoben,  und  der  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  an  die  Beschwerdeführenden  durch  den  Kanton  D._______ wird die Zustimmung erteilt. 3.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  geleistete  Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 800.­ wird den Beschwerdeführenden  zurückerstattet. 4.  Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem  Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 2'000.­ (inkl. MwSt.) zu entschädigen. 5.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (…) – die Vorinstanz (…) – die Migrationsbehörde des Kantons D._______ (…) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Julius Longauer Versand:

C-8049/2008 — Bundesverwaltungsgericht 22.02.2012 C-8049/2008 — Swissrulings